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Korfu, venezianische Festungs- und Altstadt-Abenteuer

 

#26.05.15 – Griechenland, Korfu, venezianische Festungs- und Altstadt-Abenteuer

Milde 20 °C mit einem leicht dunstigen Himmel, der die Strahlen der Mittelmeersonne dämpfte, begrüßten uns am Morgen. Mitte Mai blühen vor allem duftende Orangen- und Zitronenblüten, Jasmin – besonders der betörende Nachtjasmin – und Glyzinien, die ihre intensiven, süßen Wohlgerüche weit in die warme Morgenluft verströmen. Gemischt mit dem herben Duft von wildem Thymian und anderen Kräutern wie Salbei und Minze, die in den umliegenden Olivenhainen gedeihen, sowie die salzigen Seeluft aus südlicher Richtung, dem fröhlichen Vogelgezwitscher und dem leisen Zirpen der Insekten, ist das ein absolut klassisches und herrlich angenehmes Griechenland-Feeling, das einen sofort entschleunigt.

Wohlig ausgeschlafen gönnten wir uns noch ein schönes, morgendliches Liebesspiel, bevor wir uns aufrafften, duschten und für den Tag fertig machten. Frühstück gibt es in klassischer, englischer Herrenhaustradition, ganz nach Lust und Laune zwischen 07:00 und 11:00 Uhr. Sowohl von einem vorbereiteten und ständig nachgefüllten Büffet als auch ganz nach Wunsch der Gäste jeweils frisch zubereitet. Wir erschienen kurz vor 08:00 Uhr und trafen auf Tori, die in einem eleganten, hellblauen, schulterfreien Kleid strahlte, sowie Paul. Kurz darauf erschien auch Sir Archibald mit seinem gewohnt aristokratischen Charme.

Archie wollte sich danach in der Villa ausruhen und etwas Korrespondenz erledigen. Wir Anderen beschlossen, während wir uns gemütlich plaudernd stärkten, einen Ausflug nach Korfu-Stadt zu machen und beispielsweise die Neue Venezianische Festung>>> aus dem 16. Jahrhundert, mit ihrem grandiosen Stadt- und Meerblick, zu besuchen. Aber zunächst hatten Tori und Paul auch noch einige Dinge online zu erledigen.

 

Unterdessen spazierten Marina und ich zur Küste und zur Gouvia Marina>>> am Südende der Gouvion-Bucht. Diese war voller mehr oder weniger schöner Yachten, was ich mir aus Seglerinteresse immer gern anschaue; Marina findet es einfach hübsch und ein bisschen romantisch. Wir tauschten darüber scherzhafte Bemerkungen aus, dass sie Marina heißt und man solche Yachthäfen eben Marina nennt. Sie besitzt ähnlich viel schlagfertigen Sprachwitz wie meine Wenigkeit, und so machte uns dieses lustige Wortgefecht richtig Spaß. Lach

Für den Rückweg wählten wir einen Abstecher über die Landzunge zur offenen Meeresseite und kamen an der gemischt sandigen und felsigen Küste zu einem überraschend ruhigen Platz ohne Menschen in Sichtweite. Überraschend deshalb, weil es rundum viele Villen, kleine, luxuriöse Hotels, Pensionen und beispielsweise auch den hübschen Kontokali Beach gibt. Aber okay, es ist noch Frühsaison, mit inzwischen 21 °C Luft- und um die 19 °C Meerwassertemperatur zieht es die Leute derzeit noch nicht so stark massenhaft ans Meer oder direkt ins kühle Nass.

»Stimmt ja gar nicht, haha!« lachte Marina auf ihre sympathische, reizvoll weibliche Art. »Ich will unbedingt ins Wasser! Ach, Griechenland ist herrlich, ich liebe es jetzt schon. Komm schon, du lahmer Gentleman-Bär!«

Schneller als ich gucken konnte, schlüpfte sie schon aus ihren wenigen Sachen und lief entzückend splitternackt tief ins Meer, um komplett unterzutauchen, zu plantschen und zu schwimmen. Dass sie und ich danach noch mal duschen und uns komplett neu herrichten mussten, daran verschwendete sie keinerlei Gedanken. Und ehrlich gesagt hatte auch ich große Lust zum Plantschen im Meer; wer schon länger mitliest, weiß, dass ich es viel mehr liebe natürlich im Meer zu schwimmen als in noch so schönen Pools.

Bei den derzeitigen Wetterverhältnissen und Wassertemperaturen ist das zwar ein bisschen kühl, aber herrlich erfrischend und definitiv gesund für den Kreislauf. Also zog auch ich mich aus, allerdings wesentlich langsamer und sorgfältiger meine Kleidung ablegend, lief ins Wasser und kraulte sportlich ein gutes Stück hinaus. Marina ist eigentlich eine Landratte, aber topfit, jung, gesund und eine richtig gute Schwimmerin. Ein paar Minuten plantschten wir dann auch noch auf typische, lustige »Männlein und Weiblein necken sich«-Art in den herrlichen Meeresfluten.

Am liebsten hätten wir eindeutig auch noch verspielt-romantisch Liebe im Wasser oder am Strand gemacht, doch inzwischen waren einige andere Spaziergänger und auch ein paar unverzagte Schwimmer zu sehen; überwiegend ältere Semester, aber niemand direkt in unmittelbarer Nähe. Der Nächste, ungefähr 15 Meter entfernt, war offensichtlich ein wettergegerbter, einheimischer Opa, vielleicht ein alter Fischer, für den das gesunde Schwimmengehen bei nahezu jeder Jahreszeit und jedem Wetter zur täglichen Routine gehört.

 

Freundlich lächelnd und eindeutig erfreut, beobachtete er mit einem grüßenden Winken, wie Marina völlig locker und unbekümmert als tropfend nackte Aphrodite den Fluten entstieg. Wir grüßten genauso zurück und störten uns absolut nicht daran, so gesehen zu werden; dann tauchte er mit einem viel Erfahrung und Routine verratenden Kopfsprung ins Meerwasser und schwamm ebenfalls ein ordentliches Stück hinaus.

»Ich glaube, der hat sich wirklich sehr gefreut…« schmunzelte Marina fraulich. Da wir keine Badetücher mitgenommen hatten, mussten wir uns nun notdürftig abtrocknen und noch sehr feucht die Kleidung überziehen.

»Wenn er kein Idiot ist, muss er selbstverständlich sehr erfreut von deinem bezaubernd nackigen Anblick gewesen sein, hoho.« gluckste ich ebenfalls leicht amüsiert. »Eine derart schöne Frau in natürlicher Nacktheit bekam er sicherlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr vor die Augen.«

»Oller Charmeur, du!« knuffte mich Marina lieb in die Seite und gab mir einen schnellen Kuss. »Immer baust du so galante Komplimente für uns Frauen in deine Äußerungen ein.«

»Will ich doch hoffen, und zudem ist es auch schlicht die Wahrheit. Ich meine, ganz im Ernst: Welcher Normalbürger hat in seinem Leben überhaupt die Chance, eine schöne Frau von Model-Format und mit einer derart reizvollen Ausstrahlung in ganzer, natürlich-nackter Schönheit tatsächlich zu Gesicht zu bekommen? Manche träumen vielleicht ihr ganzes Leben davon, ohne es in der Realität je erleben zu dürfen.«

»Stimmt schon… wie du immer alles gleich so analytisch durchdenkst…« warf sie mir ein klein wenig staunend, sogar leicht bewundernd, einen sehr fraulichen Seitenblick zu, während wir zurück zur kaum mehr als fünf Minuten entfernten Villa von Sir Archibald spazierten.

Dort mussten wir uns dann natürlich noch einmal abduschen und neu herrichten, was aber auch bei Marina als Frau kaum länger dauerte als bei mir. Tori und Paul waren bereits fertig zum Start und erwähnten nur ganz kurz, dass Allan nicht mitkommen, sondern irgendwas an Bord der Segelyacht erledigen wollte. Ich vermutete insgeheim, dass es zwischen Tori und Allan irgendwelche negativen Schwingungen, einen kleinen Streit oder so gegeben hatte und er sich deshalb absonderte; aber das ging mich selbstverständlich nichts an, also fragte ich nicht weiter nach.

 

Ein junger Mann vom Hauspersonal brachte uns mit einem Range Rover nach Korfu-Stadt und zur beeindruckenden venezianischen Festung, dem »Palaio Frourio« (Old Fortress). Schon von Weitem ragt sie majestätisch auf ihrem Felssporn in die Höhe, getrennt vom Rest der Altstadt durch einen künstlich angelegten Kanal, der früher als Festungsgraben diente. Die Venezianer haben hier im 14. und 15. Jahrhundert ganze Arbeit geleistet – eine trutzige, Festungsanlage, die über Jahrhunderte hinweg Angriffe von Osmanen, Piraten und anderen Eroberern erfolgreich abgewehrt hat.

Wir schlenderten durch das imposante Torhaus und stiegen langsam hinauf. Die Festung ist kein steriles Museum, sondern ein lebendiger Ort mit byzantinischen Resten, venezianischen Bastionen, britischen Kasernen aus dem 19. Jahrhundert und sogar einer kleinen, hübschen Kirche des Heiligen Georg. Besonders beeindruckend ist der Blick vom oberen Plateau und vom Leuchtturm: Man schaut über die gesamte Altstadt von Korfu, die türkisblaue Ionische See und hinüber zu den albanischen Bergen am Horizont. An einem inzwischen klaren Tag wie heute war das Panorama einfach atemberaubend – dieses typische mediterrane Licht, das alles in warme Gold- und Blautöne taucht.


 

Praktische Infos (Stand Frühjahr 2026):

  • Geöffnet täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr (letzter Einlass 19:40 Uhr)
  • Eintrittspreis: 6–10 € für Erwachsene (je nach Saison und eventuellen Sonderausstellungen), Kinder und EU-Studenten oft reduziert oder frei
  • Man sollte bequeme Schuhe tragen, denn es geht ziemlich bergauf und die Wege sind teils holprig. Dafür wird man mit grandiosen Ausblicken belohnt.

Nicht nur Marina war sichtlich beeindruckt. Sie stand eine ganze Weile am Rand der Befestigungsmauer, ließ den Wind durch ihre Haare wehen und genoss den Ausblick mit diesem ganz besonderen, stillen Lächeln, das sie manchmal hat, wenn sie etwas wirklich berührt. Ich konnte nicht widerstehen und machte ein paar spontane Fotos von ihr – nicht die klassischen Model-Posen, sondern diese natürlichen, fast nachdenklichen Momente, in denen sie einfach nur sie selbst ist.

»Herrje, was bist du schön und fotogen.« staunte ich mal wieder über ihre Ausstrahlung, die man selbst auf nur zweidimensionalen Fotos spüren kann; in der Realität direkt vor Augen natürlich noch viel mehr.

»Danke, du galanter Komplimente-Macher; zeig mal her!« schmunzelte sie fraulich selbstzufrieden, kam zu mir, schmiegte sich an und betrachtete die Bilder auf dem Kameradisplay. Besonders eines gefiel ihr sehr, und später am Laptop bastelten wir daraus eine zauberhafte, gespiegelte Doppelfoto-Collage, die sich beispielsweise prima als Desktop-Hintergrundbild eignet.

 

Bis Mittag schauten wir uns weiter die beeindruckende Festungsanlage an und erforschten auch einige abgelegene Ecken, wo Touristen eher nicht hinkommen. Für mich als Geschichts- und Architektur-Fan ist die Alte Festung immer wieder ein Highlight auf Korfu; ich war schon mal hier, für mich also nichts Neues, und doch empfinde auch ich es als beeindruckend. Burgen und Festungsanlagen aus alter Zeit faszinierten mich, wie die meisten Menschen, schon immer.

Sie erzählt nicht nur von venezianischer Macht und Ingenieurskunst, sondern auch von der strategischen Bedeutung der Ionischen Inseln über viele Jahrhunderte hinweg. Und nebenbei bietet sie einen der schönsten Panoramablicke der ganzen Insel. Absolut empfehlenswert, besonders am späten Nachmittag oder auch frühen Vormittag, wenn das Licht weich ist und es noch nicht von Touristen wimmelt.


 

Zum Mittagessen wählten wir dann das nördlich an der Uferpromenade gelegene Café-Bar-Restaurant »old buoy«>>>, El. Venizelou 28, Kerkyra. Klein, unscheinbar und eher einfach eingerichtet, kann man dort jedoch sehr lecker schlemmen. Bei über 600 Bewertungen schaffen sie es tatsächlich, einen ungewöhnlich hohen Schnitt von 4,8 Google-Sternen zu halten. Das Lokal ist offensichtlich auch bei Einheimischen richtig beliebt, was immer ein gutes Zeichen ist. Freundliches Personal serviert verblüffend kostengünstig Drinks, Kaffee oder delikate Speisen drinnen, auf zwei Außenterrassen oder an der gemütlichen Bar. Bereits für unter 20 € inklusive Getränk kann man lecker satt werden und sich in einer allgemein netten Stimmung wohlfühlen.

»Mmmh… ich liebe griechische und mediterrane Speisen wie in Italien, Frankreich und Spanien sehr! Köstlich, oder?!« freute sich Tori und speiste mit sichtlich viel Genuss; dem stimmten wir natürlich alle zu. Bewusst hatten wir vier unterschiedliche Gerichte ausgewählt, um Verschiedenes auszuprobieren, wozu wir dann die Teller reihum mehrmals austauschten.

Amüsiert beobachteten wir auch vier hübsche, junge Griechinnen, die sich zwar sexy als Damen schick gestylt hatten, aber offensichtlich alle noch Teenagerinnen waren. Sie schäumten geradezu über vor Lebenslust und Freude, wobei sie sich aber durchaus »anständig« benahmen und keine anderen Gäste wirklich nervten oder allzu laut störten.

 

Typischerweise konnten natürlich auch diese Girls oder jungen Frauen kaum mal eine Minute ihre Smartphones beiseitelegen, wie das bei den meisten jungen Menschen heutzutage ja leider unvermeidlich ist. Ständig bekamen sie Messages und verschickten selbst welche, so flink auf den kleinen Bildschirm-Tastaturen tippend, wie ich es noch nicht mal in der zehnfachen Zeit schaffen würde. Aber dennoch fanden sie jede Menge Zeit, mit neugierig-abenteuerlustigen Blicken umherzuschauen, mit dem Kellner oder einem nett ausschauenden Typen zu flirten und generell männliche Wesen, die nicht viel zu jung oder alt waren, mit den Augen abzuchecken. Teens halt. Schmunzel

Nachdem wir noch guten Kaffee mit Mineralwasser genossen hatten, machten wir uns wohlig satt und zufrieden auf, um die verwinkelte, malerische Altstadt zu erkunden. Marina war sofort verliebt in Kerkyra im sonnigen Mai. Stellt euch vor, ihr schlendert durch ein lebendiges Freiluft-Labyrinth aus Pastellfarben, und plötzlich habt ihr keine Ahnung, wo ihr eigentlich seid – und es ist euch vollkommen egal. Willkommen in der Altstadt von Corfu, oder wie die Einheimischen sagen: Kerkyra.

Im Mai ist hier alles genau richtig dosiert: Die Sonne lacht warm vom Himmel, die Bougainvillea explodiert in knalligem Pink und Lila an den alten Fassaden, und die Straßen riechen nach frischem Espresso, Meeresbrise und ein bisschen Abenteuer. Die Gassen sind so verwinkelt, dass selbst Google Maps irgendwann resigniert aufgibt. Enge, kopfsteingepflasterte Wege schlängeln sich zwischen venezianischen Häusern hindurch, deren Fensterläden in allen Grün- und Blautönen leuchten.


 

Eingetaucht in das sonnendurchflutete Labyrinth aus Gebäuden und Geschichte in der Altstadt von Corfu vergisst man schnell, wo der Ausgang ist. Die Gassen sind so herrlich verwinkelt, dass jeder Versuch, »einfach mal geradeaus« zu gehen, kläglich scheitert. Und genau das macht den Charme aus. Mal kreuzen sich zwischen alten, unmöglich zu datierenden Wohnhäusern Wäscheleinen der Einheimischen über den Gassen. Mal spritzen kichernde und prustende Kinder von oben ein bisschen Wasser, oder ein Spielball rollt hüpfend über die Steine.

Dann schnurrt dich wieder erfreut oder sich gestört fühlend eine ruhende Katze an. Die venezianischen Häuser drängen sich eng aneinander, Fassaden in zartem Gelb, verwaschenem Rosa, Türkis und Mintgrün. Die Fensterläden knarren leise im leichten Wind, Bougainvillea klettert wild über Balkone und Mauern und verwandelt ganze Straßenzüge in lilafarbene Tunnel. Im Mai steht die Sonne schon hoch genug, um alles in dieses weiche, goldene Licht zu tauchen, das die Farben zum Leuchten bringt und die Schatten angenehm kühl hält.

Derzeit ist die Altstadt zum Glück noch nicht so überlaufen wie im Hochsommer. Die Kreuzfahrt-Touristen kommen zwar, verschwinden aber auch wieder, und dann gehört die Stadt fast wieder den Einheimischen und den etwas entspannteren Reisenden wie uns. Die Katzen dösen faul in der Sonne auf warmen Mauern, Kinder spielen Fußball in engen Gassen. Man schlendert durch enge, kopfsteingepflasterte Gassen, die plötzlich auf kleine versteckte Plätze münden. Hier eine winzige Kirche mit einer verwitterten Ikone, dort ein alter Brunnen, an dem Oma mit Kopftuch gerade ihre Einkaufstasche abstellt. Die Katzen der Stadt haben die besten Plätze reserviert: auf warmen Treppenstufen, sonnigen Fensterbänken oder einfach mitten auf dem Weg – und wehe, du störst sie.

Es riecht nach Sonnencreme, Meer, alten Steinen und dem undefinierbaren »Corfu-Duft«, den man nie ganz beschreiben kann. Die Altstadt ist kein geradliniges Sightseeing-Ziel. Sie ist ein Erlebnis. Du biegst um eine Ecke und stehst plötzlich vor etwas Schönem, das du nie gesucht hast. Man verläuft sich mit Absicht, entdeckt immer neue Details – einen alten Torbogen, eine unerwartete Aussicht, ein verstecktes Atelier – und nimmt am Ende dieses wunderbare Gefühl mit, ein bisschen mediterranes Chaos und pure Lebensfreude eingepackt zu haben.

Dann stößt du auf einen winzigen Platz mit einer Kirche, deren Glocken gerade zur Siesta läuten, oder auf einen versteckten Souvenirladen, der kitschige Postkarten und handgemachten Schmuck verkauft. Und plötzlich stehst du vor der Liston-Promenade – der »guten Stube« der Stadt. Arkaden, schicke Cafés und der Duft von frisch gebackenen Bougatsa. Hier sitzt man stundenlang, nippt an einem Freddo Cappuccino und beobachtet das bunte Treiben… und genau das machten wir auch. Auf gemütlichen Plätzen unter den Arkaden, vor dem Cafe Kohlias>>>, gönnten wir uns frischen Kaffee, Erfrischungsdrinks und ein paar kleine Leckereien zum Knabbern.


 

»Die Altstadt und Umgebung müssen wir noch an weiteren Tagen erkunden!« lächelte Marina kaffeeschlürfend und mit einem kleinen Schaum-Oberlippenbart. »Hier gibt es so viel Bezauberndes zu sehen, dafür braucht man mindestens eine Woche.«

»Eher einen Monat, will man auch nur die wichtigsten Ecken finden.« stimmte Paul ihr zu und wir nickten.

Ich grinste: »Oder ein ganzes Leben, um all die versteckten Geheimnisse aus vielen Jahrhunderten auch nur zu finden.«

Corfu-Stadt ist kein Museum, das man brav abhakt. Sie ist chaotisch, lebendig und unglaublich charmant. Man verläuft sich mit Absicht, manchmal auch unfreiwillig, findet immer wieder neue Ecken und verlässt die Altstadt am Ende mit dem Gefühl, ein kleines Stückchen mediterranes Lebensgefühl mitgenommen zu haben. Wenn jemand fragt, warum viele immer wieder gern nach Corfu zurückkehren – dann zeige einfach auf diese verwinkelten Gassen im Mai-Sonnenschein. Und grinse.

»Was grinst du so…, so genüsslich männlich?« knuffte mich Marina sanft in die Seite, während ich einer einheimischen oder Touristen-Schönheit hinterherschaute, der gerade eine kleine Windböe den leichten, luftigen Rock weit hochwehte. Doch bevor ich mich schnell rausreden konnte, wurde sie schon von Tori abgelenkt, die rief:

»Schaut euch diese süßen, hübschen Schmuckstücke einheimischer Künstler an…« und schon stürzten die Frauen geradezu gierig in weiblicher Shopping-Lust zu den Auslagen eines typischen Souvenir-Shops und wühlten sich durch. Typischerweise ging es ihnen gar nicht unbedingt darum, wirklich etwas Nutzloses oder einfach nur Hübsches zu kaufen, was sie im Grunde nicht brauchen. Allein das Erlebnis und Gefühl, herumzustöbern, sich dies und jenes anzuschauen, macht Frauen schon einen Mordsspaß.

 

Leicht die Augen verdrehend gingen Paul und ich beiseite, wo ich genüsslich eine Zigarette schmauchte, während wir ihnen amüsiert zuschauten; oder auch vorbeikommenden, hübschen, dich oft freundlich anlächelnden Frauen in meist locker-luftiger Kleidung hinterher blinzelten. Zwischen den vom Sonnenschein ausgeheizten Gassen war es spürbar wärmer als beispielsweise am Rand der Altstadt oder auf größeren Freiflächen. Der Frühsommer im Mai ist meist ideal für Griechenlandbesuche, bevor es im Hochsommer manchmal auch unerträglich heiß werden kann. Schließlich einigten sich unsere reizenden Begleiterinnen und begnügten sich mit je einem kleinen, hübschen Schmuckstück örtlicher Handwerkskünstler und einem bunten Tuch.

Sonnenuntergang ist hier derzeit um 20:49 Uhr und als es zu dämmern begann, suchten wir uns das Restaurant-Pension Mouragia>>> an der Nordost-Uferpromenade zum Abendessen aus. Kategorie gute 4,5 Google-Sterne, freundlich, gemütlich, sehr leckere Speisen zu angemessenen Preisen. Aber etwas Vorsicht ist vielleicht angebracht. Es gibt auch einige sehr negative Rezensionen, die nicht mehr ganz frische oder leicht verdorbene Speisen erwähnen. Bei unserem Besuch gab es absolut nichts zu meckern, wir waren sehr zufrieden.

 

»Wir sollten den alten Spruch »Leben wie Gott in Frankreich« zu »Leben wie Göttinnen in Griechenland« verändern.« lachten Tori und Marina als Komplizinnen miteinander.

»He, und was ist mit uns männlichen Göttern?« grinste ich.

»Wenn ihr brav seid, dürft ihr uns dienen, haha.« konterte Tori.

»Ach, wie großzügig; da sind wir aber glücklich.« schmunzelte auch Paul.

»Solltet ihr auch sein, sonst schmeißen wir euch vom Olymp, haha.« frotzelte Marina und in dieser Art scherzten wir noch ein paar Minuten weiter.

Ansonsten plauderten wir vor allem über die Absicht von Tori, Allan und Paul, demnächst wieder segeln zu gehen, wozu sie Marina und mich schon eingeladen hatten. Die drei sind erstmals mit der Segelyacht in Griechenland und erst vor zehn Tagen auf Korfu angekommen. Schon deshalb wäre ihnen jemand wie ich, der schon oft um Griechenland und durch die Inselwelt gesegelt ist, sehr willkommen. Marina hat zwar keine Ahnung vom Segeln, würde jedoch sehr gern mitmachen, wenn sie es hinbekommt, sich ohne allzu große Nachteile ein paar Wochen von ihrem Studium freizumachen.

Ich selbst hätte momentan gut Zeit dafür, wenn nicht irgendetwas Unvorhergesehenes dazwischenkommt. Jörg programmiert derzeit am Bodensee fertig und wenn er das geschafft hat, muss das Proggi etwa drei Monate zur Probe laufen, um die Ergebnisse zu überprüfen. Dazu ist meine Anwesenheit vor Ort nicht unbedingt notwendig; was zu klären ist, können wir wahrscheinlich alles per Video-Chat, Mail und Telefonaten klären; und falls doch nötig, kann ich ja geschwind rüberfliegen. Und natürlich würde ich sehr gern mal wieder segeln gehen; ich vermisse mein geliebtes Sailing-Saltlife schon seit gut anderthalb Jahren.

Nachdem wir bezahlt hatten und sehr zufrieden gingen, spazierten wir zur Verdauung noch etwas herum. Mit nach Sonnenuntergang nur noch 16 °C wurde es zwar ein bisschen frisch, aber wie schon öfters beschrieben fühlt sich das im milden Mittelmeerklima gewöhnlich wesentlich angenehmer an als beispielsweise kühle 16 °C nördlich der Alpen.

Schließlich besuchten wir noch die bis 02:00 Uhr geöffnete, schick-elegante Dell'Acque - Music & more Bar>>>. Dort versammeln sich bevorzugt die (Erfolg-)Reichen und Schönen zwischen 20 und 40, oder die, welche dazugehören wollen oder so tun als ob, sowie generell einheimische und touristische Nachtschwärmer. Früher hätte man sie Yuppies genannt, allerdings auf sympathischere, griechische Art, nicht wie die oft hochnäsig-egoistischen Typen in London oder New York. Eine Rezension von »Jade« auf Google beschreibt die Lokalität treffend:

»Hier gibt es die besten Espresso Martinis überhaupt! Wir sind am ersten Tag zufällig hier gelandet, weil wir Leute mit Espresso Martinis gesehen haben – und wir lieben sie! Wir sind so froh, dass wir diesen Ort ausprobiert haben, denn die Espresso Martinis waren einfach fantastisch! Wir sind jeden Tag unseres Urlaubs für unseren täglichen Kaffee wiedergekommen. Die Mitarbeiter sind supernett und total freundlich. Wir hatten eine nette Kellnerin, bei der wir uns wie zu Hause gefühlt haben! Sie war so lieb zu meiner Kleinen und hat ihr sogar ein kleines Geschenk mitgebracht, was mich sehr berührt hat! Meine Tochter liebt die Handpuppe, und jedes Mal, wenn ich mit ihr spiele, erinnere ich mich an die schönen Momente, die wir hier erlebt haben. Danke!«

Gut zubereitete Cocktails von drei offensichtlich erfahrenen Barkeepern, die amüsanterweise wie Drillings-Brüder aussehen und das vielleicht sogar sind, gibt es ab 12 € aufwärts. Billig sind sie also nicht, dafür halten sie diesen Preis aber schon seit einigen Jahren auf diesem Niveau, was bei stetig steigenden Kosten, insbesondere Energie, sicherlich auch nicht so einfach ist. Die Stimmung im und vor dem Lokal ist anscheinend generell locker, freundlich, lebensbejahend und gut, wie man das in den sogenannten Südländern ja meist antrifft.

Wir fühlten uns wohl, hatten Spaß und kamen auch schnell mit einer Gruppe von fünf attraktiven Leuten ins Gespräch; drei sexy-elegant gestylte Frauen und zwei Männer von etwa Ende 20 bis Anfang 30. Alle fünf scheinen recht gut verdienende, moderne »Digital-People« zu sein, ein bisschen oberflächlich, aber durchaus clever und gut informiert. Was mich betrifft, würde ich sie nicht unbedingt gern als engere Freunde haben, aber gegen eine lockere Bekanntschaft und nächtliche, leicht alkoholisierte Unterhaltung war nichts einzuwenden.

 

Gut gelaunt und leicht beschwipst, bestellten wir uns erst nach 01:00 Uhr ein Taxi zurück zur Villa. Leise lachend und flüsternd begaben wir uns in die jeweiligen Zimmer oder kleinen Suiten, wo Marina und ich natürlich erst einmal unter die Dusche wollten. Im sanft prasselnden Strahl des sehr großen Wellness-Duschkopfs der geräumigen Kabine liebten wir uns noch eher kurz im Quickie-Stil, aber dennoch sehr schön gleichzeitig leidenschaftlich-gefühlvoll und verspielt. Nach Abtrocknen und Zähneputzen kuschelten wir uns im bequemen King-Size-Bett aneinander und schlummerten bei leicht geöffneten Fenstern, also frischer, sauberer Luft, schnell ein.

Das war mal wieder ein richtig schöner und interessanter Tag. Insbesondere Marina genießt es sehr; sie war noch nie in Griechenland und ist mit ihrem Nebenverdienst als Model auch nicht arm, aber als Studentin finanziell natürlich auch nicht gerade üppig versorgt. Sie kann sich gelegentlich kostengünstige Reisen und Urlaube leisten, aber dann natürlich nicht in einer schicken Luxusvilla wie dieser von Sir Archibald leben.

Bei ihrer ganzen, selbstsicher-fraulichen Art und Erfahrung als Model sogar in Paris, sowie ihrer Schönheit, Ausstrahlung und Cleverness mit gelegentlichen Nebenjobs als Bardame, könnte man ja denken, sie würde sich unkompliziert leicht auch mal von Männern mit Geld zu Luxusurlauben einladen lassen. Aber interessanterweise geht sie nicht schnell einfach so mit Kerlen ins Bett, nur weil die Geld haben und ihr mehr Luxus bieten können.

Daran wäre an sich nichts Schlimmes, junge und zudem auch noch attraktive Menschen erleben ja sowieso gern Abenteuer. Aber es sagt natürlich auch einiges über ihren guten Charakter als Mensch und nicht nur als schöne, verlockende Frau aus, dass sie diesbezüglich eher zurückhaltend ist. Umso erstaunlicher, dass sie sich damals bei unserem ersten Kennenlernen in der Bar doch schnell auf näheren Kontakt mit mir eingelassen hat und wir jetzt, einige Wochen später, sogar miteinander ins Bett gehen. Was ich für ein Glück mit schönen und zudem klugen jungen Frauen mit Klasse habe, ist wirklich erstaunlich und bringt mich immer mal wieder zum Grübeln, warum eigentlich.

Na gut, als Mann der die Frauen liebt genieße ich es natürlich, aber genug nachgedacht. Marina schlummerte schon selig tief und fest neben mir, noch recht eng angeschmiegt. Ich atmete ihren verlockend frisch geduschten fraulichen Duft ein und spürte im Dunkeln ihre nackte Schönheit eng vor mir. Unter der Decke und aneinander gekuschelt war es angenehm warm, trotz der leicht geöffneten Fenster sogar fast zu warm. Ein paar wohl unter Zeitstörungen leidende Grillen zirpten immer noch, und die Mischung aus salziger Meeresluft plus Blütenduft wehte sanft die Vorhänge bewegend, herein; sehr angenehm. Noch zwei, drei Atemzüge, dann pennte auch ich tief ein. 

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