Griechenland, Korfu, Segelspaß und alte Geheimnisse

 


#26.05.19 – Griechenland, Korfu, Segelspaß und alte Geheimnisse

»Fertigmachen zur Wende!« rief Tori vom Steuerrad aus über das Deck, ihre Stimme klang klar und bestimmt in der warmen Meeresbrise.

»Oh je, was mache ich jetzt genau?« guckte mich Marina ein wenig unsicher und gleichzeitig aufgeregt fragend an, während sie sich an einer Relingstütze festhielt.

»Ganz ruhig; bleib einfach direkt neben mir, schau dir in Ruhe an, was ich mache, und halte dich vor allem ein wenig geduckt, damit du nicht unerwartet vom Großbaum getroffen wirst, wenn er gleich rüberkommt«, lächelte ich sie beruhigend an und strich ihr kurz über den Arm. Für sie war es tatsächlich das allererste richtige Segelerlebnis auf einer Yacht dieser Größe, und dementsprechend war für sie alles, was hier vor sich ging, herrlich verwirrend und aufregend zugleich.

»Achtung… Re!« kommandierte Tori und kurbelte geschickt am Ruder. Ich sorgte dafür, dass die Großschot auf dem Schlitten sauber und ordentlich auf die andere Seite kam, was bei diesem Boot erfreulicherweise sehr einfach zu handhaben war. Allan und Paul hatten vorne am Bug mit der großen 145%-Vorsegel-Genua naturgemäß etwas mehr zu tun, aber insgesamt war es pures, einfaches Schönwettersegeln; etwa 8 bis 17 Knoten Wind aus nordwestlichen Richtungen, eine strahlende, goldene Mittelmeersonne und Temperaturen, die auf bis zu 25 °C kletterten; einfach herrlich. lächel

Die Segelyacht ist zwar schon 18 Jahre alt, aber wirklich gut gepflegt und hervorragend für das entspannte Fahrtensegeln ausgerüstet, inklusive elektrischer Winschen und einer modernisierten Elektronik für Navigation und Kommunikation, die absolut »up to date« ist. Ein erfahrener Segler könnte sie im Notfall sogar Einhand führen, also als einzelne Person segeln, was dann allerdings bei komplexeren Manövern etwas hektisch und anstrengend wird und bei auffrischendem Starkwind auch nicht ganz ungefährlich ist, aber mit viel Routine durchaus beherrschbar bleibt.


 

Der heutige Segelausflug in die Notio Steno Kerkiras, jene malerisch geschützten Gewässer zwischen der grünen Insel Korfu und dem griechischen Festland, war vor allem als ein Test gedacht und natürlich auch zum puren Schönwetter-Segelspaß. Einmal zum gründlichen Prüfen der letzten, durchgeführten Wartungsarbeiten an Boot und Rigg. Andererseits auch, um zu schauen, wie Marina damit klarkommt und ob sie eventuell schnell seekrank wird.

Es ist wissenschaftlich bestätigt, keine bloße Legende, dass Frauen bedauerlicherweise im Durchschnitt anfälliger für die gefürchtete Seekrankheit sind als Männer – das zeigen zahlreiche medizinische Studien, Fach-Reviews und umfassende Meta-Analysen. Es ist ein realer, multifaktorieller Zustand, bei dem Hormone als wichtigster Treiber fungieren, jedoch variiert die Empfindlichkeit von Person zu Person stark und manche sind empfindlicher als sozusagen »stabile« Seeleute mit „Seebeinen“.

Als sehr erfahrener Segler kann ich aus eigener Anschauung sagen: Ich habe auf 13- bis 22-Meter-Yachten selbst in ungemütlichen, wenn auch nicht extrem schweren Sturmbedingungen schon Leute erlebt, die vor lauter Seekrankheits-Elend am liebsten mit suizidalen Absichten sofort über Bord gesprungen wären. Das sind zwar seltene Ausnahmen, aber für manche ist dieser Zustand tatsächlich nahezu unerträglich – und das lange, bevor Dehydration oder andere ernsthafte körperliche Folgen wirklich gefährlich werden könnten.

Anderen, wie mir selbst, machen selbst schwerste Bedingungen mit meterhohen Seen, gewaltiger Dünung und einem Boot, das wie ein Korken auf dem Wasser herumhüpft, kaum etwas aus, sobald ich mir erst einmal zwei bis drei Tage lang meine »Seebeine« antrainiert habe. Warum diese extremen Unterschiede bestehen? Es ist wohl vor allem eine angeborene Veranlagung – die Genetik spielt hier eine erstaunlich große Rolle.

Praktische Tipps, unabhängig vom Geschlecht, aber besonders relevant für Betroffene: Scopolamin-Pflaster, Antihistaminika, viel Ingwer, frische Luft, den Horizont möglichst fixieren, mittschiffs am tiefsten Schwerpunkt des Bootes sitzen, keinesfalls lesen, und eine langsame Gewöhnung durch wiederholte kurze Ausfahrten. Und erfahrungsgemäß sehr wichtig und hilfreich, wenn man willensstark genug ist: Sich nicht einfach in das Elend fallen lassen, sondern sich so intensiv wie möglich ablenken und beschäftigen. Jedenfalls ist die Seekrankheit, im Grunde eine komplexe Gleichgewichtsstörung, nicht vergleichbar mit normaler Übelkeit, bei der man sich einfach mal übergeben muss – man sollte das ernst nehmen. Wer diesbezüglich besonders empfindlich ist, sollte es dann halt einfach sein lassen und nicht auf kleineren Booten und Yachten mit auf See kommen.

 

Bei den heutigen, idealen Schönwetterbedingungen in den geschützten Gewässern, ohne jede nennenswerte Dünung oder unangenehme Wellen, war es erfreulicherweise auch für Marina nicht weiter schlimm. Die ersten ein bis zwei Stunden empfand sie zwar leichte Übelkeitsgefühle, die jedoch nicht allzu schlimm waren; und jetzt, nach knapp vier Stunden auf See, fühlte sie sich bereits rundum wohl und hatte zum leckeren Mittagessen im Cockpit einen gesunden Appetit.

Sehr schön, also kann sie problemlos mit uns mitsegeln und dürfte sich ihr Körper auch dann schnell anpassen, wenn wir mal in ungemütlicheres Wetter auf offener See, mit stärkeren Wellen und Dünung kommen sollten. Dass sie eine so willensstarke, disziplinierte Frau ist, hilft ihr dabei natürlich auch enorm. Man könnte es vielleicht etwas unfein ausdrücken: Jammerlappen-Typen haben generell nichts auf einer Yacht zu suchen und sollten lieber an Land bleiben.

Zu Mittag ankerten wir in einer kleinen, malerischen Bucht an der Nordostküste von Korfu, ungefähr 35 Meter von drei weiteren ankernden Segelyachten entfernt. Dann bereiteten wir uns ein einfaches, aber sehr leckeres Essen zu, das wir größtenteils schon fertig von der Villa gut gekühlt mitgebracht hatten.

Es gab typische, griechische Antipasti, wie fein gefüllte Weinblätter und gegrillt-eingelegte Paprika. Dazu Schinken-Spargel-Rollen – Röllchen wäre hier untertrieben, weil die Dinger ziemlich dick und saftig waren. Dazu gab es noch einen großen Berg Tomatensalat, den wir ganz frisch anmachten und mit würzigen Kräutern bestreuten. Als Nachspeise genossen wir mitgebrachte Obsttörtchen plus eine Portion Speiseeis aus dem Tiefkühler und natürlich auch etwas würzigen Käse, denn bekanntlich schließt Käse den Magen.


 

»Bist du eigentlich schon dazu gekommen, in den alten Tagebüchern zu lesen?« wollte Tori neugierig wissen, während sie an ihrem Glas nippte.

»Ja, ich bin gerade bei dem interessanten Eintrag, wo er auf Malta ankommt und sich dort intensiv für seinen nächsten Geheimauftrag vorbereitet«, bestätigte ich. »Echt spannend, dein Ur-Großonkel führte offenbar ein aufregendes und gefährliches Leben.«

Es folgt ein Auszug aus dem Tagebuch:

27. Februar 1946, Malta.

Bin heute Vormittag mit der Dakota aus London kommend auf Luqa gelandet. Der Flug war ruhig, nur leichte Turbulenzen über Frankreich. Habe mein Gepäck sofort zur Unterkunft bringen lassen und mich um 14.30 Uhr wie befohlen bei Commander Fisher im SBS-Hauptquartier gemeldet.

Er hat mich ohne große Umschweife über den neuen Auftrag in Kenntnis gesetzt. Eine ziemlich kitzelige Angelegenheit, wie ich bereits befürchtet hatte. Die Sache erfordert äußerste Diskretion und scheint deutlich heikler zu sein als meine letzten Einsätze. Habe den Rest des Nachmittags damit verbracht, die Befehle und Karten gründlich zu studieren. Die gesamte Logistik wird nicht einfach werden.

Am Abend ging ich ins Officers’ Mess im Union Club in Valletta. Traf dort einige bekannte Gesichter. Leider auch First Lieutenant Bowers, der mir mit seiner üblichen, aufdringlichen Art sofort den ganzen Abend zu verderben drohte. Der Mann ist eine echte Prüfung.

Plauderte dennoch recht angenehm mit Captain Reynolds über die aktuelle Lage in Griechenland. Er scheint ähnlich pessimistisch zu sein wie ich. Gestattete mir drei Whiskys – mehr schienen mir unklug. Bin nun zurück in der Unterkunft und schreibe diese Zeilen bei einer letzten Zigarette.

Meine Gedanken kreisen immer wieder um Elisabeth. Der letzte Brief aus dem Krankenhaus klang etwas zuversichtlicher, doch ich weiß genau, wie tapfer sie ihre Schmerzen vor mir herunterspielt. Die Entzündungen wollen einfach nicht richtig abklingen. Es ist ein bitteres Gefühl, hier zu sitzen, während sie dort drüben leidet. Aber es hilft niemandem, wenn ich mich nun in Sentimentalitäten verliere. Morgen früh geht es weiter.

Es gibt noch viel vorzubereiten.

G.

Diese Geschichte sieht nun folgendermaßen aus: Letztes Jahr erbte Tori einen Teil des umfangreichen Nachlasses dieses entfernten Verwandten. Beim Durchstöbern, was sie davon noch sinnvoll verwenden oder endgültig im Müll entsorgen kann, stieß sie auf eine Truhe voller Tagebücher dieses etwas geheimnisvollen Großonkels, die den Zeitraum von 1945 bis 1948 abdeckten.

Neugierig las sie hinein und wurde sofort von diesen alten, dahinterstehenden Geschichten fasziniert. Letztlich sind Tori, Paul und Allan vor allem aus diesem speziellen Grund mit dem Segelboot nach Griechenland gekommen, um sich die damaligen Schauplätze selbst anzuschauen, und natürlich wollten sie ohnehin schon immer mal gern in Griechenland segeln gehen. Die hiesigen Küsten und Inseln sind nicht nur landschaftlich sehr reizvoll, sondern tatsächlich ein nicht zufällig sehr beliebtes Paradies für Segler.

Die Tagebücher erzählen in militärisch knappem Ton eine Geschichte, die außerhalb Griechenlands leider ziemlich in Vergessenheit geraten ist:

Kurzfassung des Griechischen Bürgerkriegs

  • Zeitraum: Der Konflikt hatte zwei Hauptphasen: Die erste Phase (Dekemvriana) von Dezember 1944 bis Januar 1945 (hauptsächlich Kämpfe in Athen). Die Hauptphase von 1946 bis 1949.
  • Wer kämpfte gegen wen? Die Regierungsseite (rechts-konservativ, monarchistisch) wurde durch die griechische Nationalarmee repräsentiert, unterstützt von britischen und später amerikanischen Kräften. Die kommunistische Seite bestand aus der ELAS bzw. der Demokratischen Armee Griechenlands (DSE).
  • Die britische Rolle: Winston Churchill sah Griechenland als strategisch entscheidend für das Mittelmeer und zur Eindämmung des Kommunismus. Britische Truppen kämpften direkt gegen die ELAS. Großbritannien lieferte massiv Waffen und Geld, bis es 1947 die Verantwortung an die USA übergab (Truman-Doktrin).
  • Ausgang: Die Regierungsseite siegte 1949, was Griechenland fest im westlichen Lager hielt.

Die britischen »Gold Sovereigns«, auch bekannt als »George & Dragon«, waren Standard-Goldmünzen, die von Agenten des SBS, SAS oder SOE massiv in Griechenland als Zahlungsmittel und Vertrauensanker eingesetzt wurden, besonders während der extremen Hyperinflation der deutschen Besatzungszeit. Toris Ur-Großonkel gehörte zu diesen extrem hart trainierten Elitetruppen. Er verlor gegenüber Familie und Freunden nie ein Wort über diese geheimen Einsätze. Tori, eine intelligente und kreative Frau aus dem Showbiz/Schauspiel, ist von der Geschichte fasziniert und überlegt ernsthaft, daraus einen Roman oder ein Drehbuch zu machen.


 

Nach dem leckeren Essen, gutem Kaffee und einer faulen Plauderei darüber im Cockpit, gönnten wir uns den Spaß einer herrlich erfrischenden Plantscherei in den noch etwas kühlen Meeresfluten; derzeit liegt die Wassertemperatur hier bei 19 oder knapp 20 °C. Aber die griechische Mittelmeersonne knallte schon jetzt mit so viel Kraft herunter, dass es einem in deren Strahlen schnell zu heiß wird und man sich binnen kürzester Zeit einen fiesen Sonnenbrand einfangen kann, wenn man sich nicht sorgfältig mit Sonnenschutzmittel einschmiert.

»Komm, du lahmer Bär, wir springen!« rief Marina herausfordernd, während sie schon mit einem eleganten Satz vom Bootsrand in das kristallklare Nass glitt.

Ich folgte mit einem eleganten Kopfsprung, nachdem ich schnell aus meinen Klamotten geschlüpft war und schnappte mir den frechen Nackedei mit einem taktisch geschickten Walangriff. Natürlich hätte mir das flinke Delphinmädchen leicht entkommen können, aber sie wollte sich ja gern einfangen, sanft untertauchen und zärtlich an ein paar besonders empfindlichen Körperstellen kitzeln lassen. Das Wasser war anfangs herrlich prickelnd kühl, ein erfrischender Weckruf für den Kreislauf! Wir verbrachten eine halbe Stunde damit, uns gegenseitig bespritzen, um die Wette zu tauchen und einfach nur im türkisfarbenen Wasser zu treiben, während sich das Boot sanft an der Ankerkette wiegte.

Die Küste war hier wunderbar abwechslungsreich mit rauen Felsen, die in der Sonne funkelten, und kleinen, versteckten Sandbuchten, die uns wie ein privates Paradies vorkamen. Wir plantschten, lachten und genossen es, uns natürlich nackt einfach nur im Meer treiben zu lassen, wobei wir uns wie Teenager aufführten. Marina war in ihrer unbekümmerten Art einfach bezaubernd anzusehen, wie sie tropfnass und strahlend wieder an die Wasseroberfläche kam, die Haare klatschnass nach hinten gestrichen.

Auch zwischen Tori und Allan scheint die Stimmung momentan wieder besser zu sein. Auch sie plantschten vergnügt sich gegenseitig neckend herum, allerdings in Badesachen, was mich ein wenig erstaunte. Insbesondere bei der sehr locker-selbstbewussten Tori hätte ich eigentlich erwartet, dass auch sie ungeniert auf die natürlichste Art nackig den Badespaß genießt. Und natürlich, dass gebe ich als Mann unumwunden zu, hätte ich diese schöne Frau mit toller Figur auch gerne mal unbekleidet gesehen. zwinker



 

Dass das salzige Wasser auf der Haut kribbelte und uns die Sonne auf den Schultern kitzelte, verstärkte nur das Gefühl der Freiheit, das man so nur unterwegs mit Booten in irgendwelchen malerischen Buchten erleben kann, von denen aus man direkt ins Meer springt. Es war einer dieser Momente, in denen man einfach alles um sich herum vergisst und nur noch die pure Existenz und die Freude am Augenblick genießt, bis wir schließlich erfrischt und mit salziger Haut wieder tropfnass an Bord kletterten.

Den Rest des Nachmittags segelten wir einfach nach Lust und Laune noch ein bisschen in den Gewässern des Notio Steno Kerkiras umher. Wir übten weitere Segelmanöver mit Marina und ließen sie auch mal allein am großen Ruderrad steuern. Zwar sichtlich aufgeregt von all dem Neuen und Unbekannten an Bord einer solch schnittigen und schnellen Segelyacht, machte sie das jedoch recht geschickt und passte sich erstaunlich gut in die Crew ein.

Schönwettersegeln in ruhigen Gewässern macht besonders viel Freude und ist für eine Anfängerin wie Marina, ideal um Sailing-Saltlife kennenzulernen. Das rhythmische Knallen der Segel, wenn der Wind kurz nachlässt, das sanfte, melodische Gurgeln des Wassers am Rumpf und das Gefühl, wenn die Yacht bei einer leichten Böe ganz sanft und erhaben in die Seite krängt, wirkt fast meditativ. Man vergisst die Sorgen der Welt um sich herum, konzentriert sich nur noch auf den Kompasskurs, die präzise Segelstellung und das subtile Spiel mit den Naturgewalten.

Es ist dieses wunderbare Gefühl von natürlicher Entschleunigung, bei dem die Zeit anders zu laufen scheint und jeder Atemzug so frisch und klar ist wie das Wasser, durch das wir schneiden. Man beobachtet die anderen Yachten, die am Horizont wie kleine Spielzeuge wirken, spürt den Wind in den Haaren und weiß einfach, dass man genau dort ist, wo man sein möchte. Gerade in unseren modernen, hektischen Zeiten voller Termine und Leistungsdruck für die Meisten, ist das etwas Kostbares.

 

Erst zum Sonnenuntergang, derzeit hier um 20:53 Uhr, kamen wir gut gelaunt zurück zur Yacht-Marina. Schnell und routiniert wurde das festgemachte Boot aufgeklart, und im romantischen, feuerroten Farbenspiel der schon untergegangenen Sonne spazierten wir gemeinsam zurück zur Villa. Ausführlich frisch geduscht und in bequemer Kleidung versammelten wir uns dann auch gleich wieder – hungrig wie echte Seewölfe oder Piraten – mit Sir Archibald zu einem delikaten abendlichen Diner.

Archie ist an dieser ganzen Tagebuch-Geschichte übrigens auch sehr interessiert, weil sein eigener Vater ein hohes Tier im SOE während und nach der Weltkriegszeit war. Aber er verfolgt das eher intellektuell; für eine direkte, körperlich anstrengende Beteiligung fühlt er sich zu alt und ist wohl auch gesundheitlich nicht mehr ganz auf dem Damm. Tori lernte ihn letzten Spätsommer in London kennen und rt lud sie daraufhin mit großzügiger Aristokraten-Gastfreundschaft für dieses Jahr in seine Villa auf Korfu ein, wo er den Großteil des Jahres verbringt.

Ich wiederum kenne ihn noch aus meiner Zeit als Gold-Club-Boss; in dem Londoner Umfeld gibt es eine sehr exklusive Clubanlage, wo er gelegentlich, eingeladen von Mitgliedern, zu Gast war. Auf diese mal wieder fast unglaublich klingende Art sind wir jetzt also hier zusammengekommen, und vor allem deshalb war ich zusammen mit Marina hergeflogen. Hätte er mich nicht darauf angesprochen und mich Tori gegenüber als sehr erfahrenen, sich in Griechenland recht gut auskennenden Segler, seriösen Geschäftsmann und generell »guten Typen« empfohlen, wüsste ich heute von der ganzen Sache überhaupt nichts. Wer schon länger in meinem Blog mitliest, weiß, dass ich mir solche Gelegenheiten zum Segeln kaum jemals entgehen lasse, wenn es irgendwie möglich ist.

 

Wie hierzulande absolut üblich, zirpten die Grillen draußen bereits lautstark ihr niemals endendes, nächtliches Konzert, während wir köstlich gesättigt noch einen kleinen Spaziergang in der romantisch schwach beleuchteten Umgebung der Villa machten. Gefühlt hatten wir kurz vor Mitternacht immer noch knapp 20 °C und ein schwacher, warmer Wind wehte uns den betörenden, salzigen Blütenduft aus den umliegenden Gärten herbei.

Wir gähnten alle schon recht häufig, denn ein ganzer Tag auf dem Meer macht nicht nur glücklich, sondern auch verdammt hungrig und tief müde. So eine Segelyacht bewegt sich und schwankt (rollt und stampft) ja ständig auf offener See, und so muss dein ganzer Körper das permanent mit kleinen oder größeren Muskelbewegungen ausgleichen, ohne dass du es bewusst merkst. Man spürt das zunächst nicht so direkt, aber nach rund elf Stunden auf dem Boot macht es sich in den Knochen doch deutlich bemerkbar.

Bald darauf verschwanden wir alle in unseren gemütlichen Betten. Marina schlief, in meine Arme gekuschelt schon ein, bevor wir uns auch nur richtig in eine bequeme Schlaflage gebracht hatten; und sie ist jung, gesund und absolut topfit! Bei mir dauerte es kaum länger, dann fielen auch mir die Augen zu und ich versank im Reich der Träume – als Geheimagent im Auftrage ihrer britannischen Majestät, mit gefährlichen Einsätzen in exotischen Ländern und einer wunderschönen, warmen Frau im Bett, wie es sich für einen 007-James-Bond-Nachfolger eben gehört. schmunzel

 Unzensiert Weiterlesen? Klick >>>

»«

©-http://srjexped.jimdo.com/2026 Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte & Bilder - auch auszugsweise - ohne schriftliche Genehmigung ist nicht gestattet. Alle Angaben ohne Gewähr!

Blog: https://sea-nomads.blogspot.com

 

Korfu, venezianische Festungs- und Altstadt-Abenteuer

 

#26.05.15 – Griechenland, Korfu, venezianische Festungs- und Altstadt-Abenteuer

Milde 20 °C mit einem leicht dunstigen Himmel, der die Strahlen der Mittelmeersonne dämpfte, begrüßten uns am Morgen. Mitte Mai blühen vor allem duftende Orangen- und Zitronenblüten, Jasmin – besonders der betörende Nachtjasmin – und Glyzinien, die ihre intensiven, süßen Wohlgerüche weit in die warme Morgenluft verströmen. Gemischt mit dem herben Duft von wildem Thymian und anderen Kräutern wie Salbei und Minze, die in den umliegenden Olivenhainen gedeihen, sowie die salzigen Seeluft aus südlicher Richtung, dem fröhlichen Vogelgezwitscher und dem leisen Zirpen der Insekten, ist das ein absolut klassisches und herrlich angenehmes Griechenland-Feeling, das einen sofort entschleunigt.

Wohlig ausgeschlafen gönnten wir uns noch ein schönes, morgendliches Liebesspiel, bevor wir uns aufrafften, duschten und für den Tag fertig machten. Frühstück gibt es in klassischer, englischer Herrenhaustradition, ganz nach Lust und Laune zwischen 07:00 und 11:00 Uhr. Sowohl von einem vorbereiteten und ständig nachgefüllten Büffet als auch ganz nach Wunsch der Gäste jeweils frisch zubereitet. Wir erschienen kurz vor 08:00 Uhr und trafen auf Tori, die in einem eleganten, hellblauen, schulterfreien Kleid strahlte, sowie Paul. Kurz darauf erschien auch Sir Archibald mit seinem gewohnt aristokratischen Charme.

Archie wollte sich danach in der Villa ausruhen und etwas Korrespondenz erledigen. Wir Anderen beschlossen, während wir uns gemütlich plaudernd stärkten, einen Ausflug nach Korfu-Stadt zu machen und beispielsweise die Neue Venezianische Festung>>> aus dem 16. Jahrhundert, mit ihrem grandiosen Stadt- und Meerblick, zu besuchen. Aber zunächst hatten Tori und Paul auch noch einige Dinge online zu erledigen.

 

Unterdessen spazierten Marina und ich zur Küste und zur Gouvia Marina>>> am Südende der Gouvion-Bucht. Diese war voller mehr oder weniger schöner Yachten, was ich mir aus Seglerinteresse immer gern anschaue; Marina findet es einfach hübsch und ein bisschen romantisch. Wir tauschten darüber scherzhafte Bemerkungen aus, dass sie Marina heißt und man solche Yachthäfen eben Marina nennt. Sie besitzt ähnlich viel schlagfertigen Sprachwitz wie meine Wenigkeit, und so machte uns dieses lustige Wortgefecht richtig Spaß. Lach

Für den Rückweg wählten wir einen Abstecher über die Landzunge zur offenen Meeresseite und kamen an der gemischt sandigen und felsigen Küste zu einem überraschend ruhigen Platz ohne Menschen in Sichtweite. Überraschend deshalb, weil es rundum viele Villen, kleine, luxuriöse Hotels, Pensionen und beispielsweise auch den hübschen Kontokali Beach gibt. Aber okay, es ist noch Frühsaison, mit inzwischen 21 °C Luft- und um die 19 °C Meerwassertemperatur zieht es die Leute derzeit noch nicht so stark massenhaft ans Meer oder direkt ins kühle Nass.

»Stimmt ja gar nicht, haha!« lachte Marina auf ihre sympathische, reizvoll weibliche Art. »Ich will unbedingt ins Wasser! Ach, Griechenland ist herrlich, ich liebe es jetzt schon. Komm schon, du lahmer Gentleman-Bär!«

Schneller als ich gucken konnte, schlüpfte sie schon aus ihren wenigen Sachen und lief entzückend splitternackt tief ins Meer, um komplett unterzutauchen, zu plantschen und zu schwimmen. Dass sie und ich danach noch mal duschen und uns komplett neu herrichten mussten, daran verschwendete sie keinerlei Gedanken. Und ehrlich gesagt hatte auch ich große Lust zum Plantschen im Meer; wer schon länger mitliest, weiß, dass ich es viel mehr liebe natürlich im Meer zu schwimmen als in noch so schönen Pools.

Bei den derzeitigen Wetterverhältnissen und Wassertemperaturen ist das zwar ein bisschen kühl, aber herrlich erfrischend und definitiv gesund für den Kreislauf. Also zog auch ich mich aus, allerdings wesentlich langsamer und sorgfältiger meine Kleidung ablegend, lief ins Wasser und kraulte sportlich ein gutes Stück hinaus. Marina ist eigentlich eine Landratte, aber topfit, jung, gesund und eine richtig gute Schwimmerin. Ein paar Minuten plantschten wir dann auch noch auf typische, lustige »Männlein und Weiblein necken sich«-Art in den herrlichen Meeresfluten.

Am liebsten hätten wir eindeutig auch noch verspielt-romantisch Liebe im Wasser oder am Strand gemacht, doch inzwischen waren einige andere Spaziergänger und auch ein paar unverzagte Schwimmer zu sehen; überwiegend ältere Semester, aber niemand direkt in unmittelbarer Nähe. Der Nächste, ungefähr 15 Meter entfernt, war offensichtlich ein wettergegerbter, einheimischer Opa, vielleicht ein alter Fischer, für den das gesunde Schwimmengehen bei nahezu jeder Jahreszeit und jedem Wetter zur täglichen Routine gehört.

 

Freundlich lächelnd und eindeutig erfreut, beobachtete er mit einem grüßenden Winken, wie Marina völlig locker und unbekümmert als tropfend nackte Aphrodite den Fluten entstieg. Wir grüßten genauso zurück und störten uns absolut nicht daran, so gesehen zu werden; dann tauchte er mit einem viel Erfahrung und Routine verratenden Kopfsprung ins Meerwasser und schwamm ebenfalls ein ordentliches Stück hinaus.

»Ich glaube, der hat sich wirklich sehr gefreut…« schmunzelte Marina fraulich. Da wir keine Badetücher mitgenommen hatten, mussten wir uns nun notdürftig abtrocknen und noch sehr feucht die Kleidung überziehen.

»Wenn er kein Idiot ist, muss er selbstverständlich sehr erfreut von deinem bezaubernd nackigen Anblick gewesen sein, hoho.« gluckste ich ebenfalls leicht amüsiert. »Eine derart schöne Frau in natürlicher Nacktheit bekam er sicherlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr vor die Augen.«

»Oller Charmeur, du!« knuffte mich Marina lieb in die Seite und gab mir einen schnellen Kuss. »Immer baust du so galante Komplimente für uns Frauen in deine Äußerungen ein.«

»Will ich doch hoffen, und zudem ist es auch schlicht die Wahrheit. Ich meine, ganz im Ernst: Welcher Normalbürger hat in seinem Leben überhaupt die Chance, eine schöne Frau von Model-Format und mit einer derart reizvollen Ausstrahlung in ganzer, natürlich-nackter Schönheit tatsächlich zu Gesicht zu bekommen? Manche träumen vielleicht ihr ganzes Leben davon, ohne es in der Realität je erleben zu dürfen.«

»Stimmt schon… wie du immer alles gleich so analytisch durchdenkst…« warf sie mir ein klein wenig staunend, sogar leicht bewundernd, einen sehr fraulichen Seitenblick zu, während wir zurück zur kaum mehr als fünf Minuten entfernten Villa von Sir Archibald spazierten.

Dort mussten wir uns dann natürlich noch einmal abduschen und neu herrichten, was aber auch bei Marina als Frau kaum länger dauerte als bei mir. Tori und Paul waren bereits fertig zum Start und erwähnten nur ganz kurz, dass Allan nicht mitkommen, sondern irgendwas an Bord der Segelyacht erledigen wollte. Ich vermutete insgeheim, dass es zwischen Tori und Allan irgendwelche negativen Schwingungen, einen kleinen Streit oder so gegeben hatte und er sich deshalb absonderte; aber das ging mich selbstverständlich nichts an, also fragte ich nicht weiter nach.

 

Ein junger Mann vom Hauspersonal brachte uns mit einem Range Rover nach Korfu-Stadt und zur beeindruckenden venezianischen Festung, dem »Palaio Frourio« (Old Fortress). Schon von Weitem ragt sie majestätisch auf ihrem Felssporn in die Höhe, getrennt vom Rest der Altstadt durch einen künstlich angelegten Kanal, der früher als Festungsgraben diente. Die Venezianer haben hier im 14. und 15. Jahrhundert ganze Arbeit geleistet – eine trutzige, Festungsanlage, die über Jahrhunderte hinweg Angriffe von Osmanen, Piraten und anderen Eroberern erfolgreich abgewehrt hat.

Wir schlenderten durch das imposante Torhaus und stiegen langsam hinauf. Die Festung ist kein steriles Museum, sondern ein lebendiger Ort mit byzantinischen Resten, venezianischen Bastionen, britischen Kasernen aus dem 19. Jahrhundert und sogar einer kleinen, hübschen Kirche des Heiligen Georg. Besonders beeindruckend ist der Blick vom oberen Plateau und vom Leuchtturm: Man schaut über die gesamte Altstadt von Korfu, die türkisblaue Ionische See und hinüber zu den albanischen Bergen am Horizont. An einem inzwischen klaren Tag wie heute war das Panorama einfach atemberaubend – dieses typische mediterrane Licht, das alles in warme Gold- und Blautöne taucht.


 

Praktische Infos (Stand Frühjahr 2026):

  • Geöffnet täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr (letzter Einlass 19:40 Uhr)
  • Eintrittspreis: 6–10 € für Erwachsene (je nach Saison und eventuellen Sonderausstellungen), Kinder und EU-Studenten oft reduziert oder frei
  • Man sollte bequeme Schuhe tragen, denn es geht ziemlich bergauf und die Wege sind teils holprig. Dafür wird man mit grandiosen Ausblicken belohnt.

Nicht nur Marina war sichtlich beeindruckt. Sie stand eine ganze Weile am Rand der Befestigungsmauer, ließ den Wind durch ihre Haare wehen und genoss den Ausblick mit diesem ganz besonderen, stillen Lächeln, das sie manchmal hat, wenn sie etwas wirklich berührt. Ich konnte nicht widerstehen und machte ein paar spontane Fotos von ihr – nicht die klassischen Model-Posen, sondern diese natürlichen, fast nachdenklichen Momente, in denen sie einfach nur sie selbst ist.

»Herrje, was bist du schön und fotogen.« staunte ich mal wieder über ihre Ausstrahlung, die man selbst auf nur zweidimensionalen Fotos spüren kann; in der Realität direkt vor Augen natürlich noch viel mehr.

»Danke, du galanter Komplimente-Macher; zeig mal her!« schmunzelte sie fraulich selbstzufrieden, kam zu mir, schmiegte sich an und betrachtete die Bilder auf dem Kameradisplay. Besonders eines gefiel ihr sehr, und später am Laptop bastelten wir daraus eine zauberhafte, gespiegelte Doppelfoto-Collage, die sich beispielsweise prima als Desktop-Hintergrundbild eignet.

 

Bis Mittag schauten wir uns weiter die beeindruckende Festungsanlage an und erforschten auch einige abgelegene Ecken, wo Touristen eher nicht hinkommen. Für mich als Geschichts- und Architektur-Fan ist die Alte Festung immer wieder ein Highlight auf Korfu; ich war schon mal hier, für mich also nichts Neues, und doch empfinde auch ich es als beeindruckend. Burgen und Festungsanlagen aus alter Zeit faszinierten mich, wie die meisten Menschen, schon immer.

Sie erzählt nicht nur von venezianischer Macht und Ingenieurskunst, sondern auch von der strategischen Bedeutung der Ionischen Inseln über viele Jahrhunderte hinweg. Und nebenbei bietet sie einen der schönsten Panoramablicke der ganzen Insel. Absolut empfehlenswert, besonders am späten Nachmittag oder auch frühen Vormittag, wenn das Licht weich ist und es noch nicht von Touristen wimmelt.


 

Zum Mittagessen wählten wir dann das nördlich an der Uferpromenade gelegene Café-Bar-Restaurant »old buoy«>>>, El. Venizelou 28, Kerkyra. Klein, unscheinbar und eher einfach eingerichtet, kann man dort jedoch sehr lecker schlemmen. Bei über 600 Bewertungen schaffen sie es tatsächlich, einen ungewöhnlich hohen Schnitt von 4,8 Google-Sternen zu halten. Das Lokal ist offensichtlich auch bei Einheimischen richtig beliebt, was immer ein gutes Zeichen ist. Freundliches Personal serviert verblüffend kostengünstig Drinks, Kaffee oder delikate Speisen drinnen, auf zwei Außenterrassen oder an der gemütlichen Bar. Bereits für unter 20 € inklusive Getränk kann man lecker satt werden und sich in einer allgemein netten Stimmung wohlfühlen.

»Mmmh… ich liebe griechische und mediterrane Speisen wie in Italien, Frankreich und Spanien sehr! Köstlich, oder?!« freute sich Tori und speiste mit sichtlich viel Genuss; dem stimmten wir natürlich alle zu. Bewusst hatten wir vier unterschiedliche Gerichte ausgewählt, um Verschiedenes auszuprobieren, wozu wir dann die Teller reihum mehrmals austauschten.

Amüsiert beobachteten wir auch vier hübsche, junge Griechinnen, die sich zwar sexy als Damen schick gestylt hatten, aber offensichtlich alle noch Teenagerinnen waren. Sie schäumten geradezu über vor Lebenslust und Freude, wobei sie sich aber durchaus »anständig« benahmen und keine anderen Gäste wirklich nervten oder allzu laut störten.

 

Typischerweise konnten natürlich auch diese Girls oder jungen Frauen kaum mal eine Minute ihre Smartphones beiseitelegen, wie das bei den meisten jungen Menschen heutzutage ja leider unvermeidlich ist. Ständig bekamen sie Messages und verschickten selbst welche, so flink auf den kleinen Bildschirm-Tastaturen tippend, wie ich es noch nicht mal in der zehnfachen Zeit schaffen würde. Aber dennoch fanden sie jede Menge Zeit, mit neugierig-abenteuerlustigen Blicken umherzuschauen, mit dem Kellner oder einem nett ausschauenden Typen zu flirten und generell männliche Wesen, die nicht viel zu jung oder alt waren, mit den Augen abzuchecken. Teens halt. Schmunzel

Nachdem wir noch guten Kaffee mit Mineralwasser genossen hatten, machten wir uns wohlig satt und zufrieden auf, um die verwinkelte, malerische Altstadt zu erkunden. Marina war sofort verliebt in Kerkyra im sonnigen Mai. Stellt euch vor, ihr schlendert durch ein lebendiges Freiluft-Labyrinth aus Pastellfarben, und plötzlich habt ihr keine Ahnung, wo ihr eigentlich seid – und es ist euch vollkommen egal. Willkommen in der Altstadt von Corfu, oder wie die Einheimischen sagen: Kerkyra.

Im Mai ist hier alles genau richtig dosiert: Die Sonne lacht warm vom Himmel, die Bougainvillea explodiert in knalligem Pink und Lila an den alten Fassaden, und die Straßen riechen nach frischem Espresso, Meeresbrise und ein bisschen Abenteuer. Die Gassen sind so verwinkelt, dass selbst Google Maps irgendwann resigniert aufgibt. Enge, kopfsteingepflasterte Wege schlängeln sich zwischen venezianischen Häusern hindurch, deren Fensterläden in allen Grün- und Blautönen leuchten.


 

Eingetaucht in das sonnendurchflutete Labyrinth aus Gebäuden und Geschichte in der Altstadt von Corfu vergisst man schnell, wo der Ausgang ist. Die Gassen sind so herrlich verwinkelt, dass jeder Versuch, »einfach mal geradeaus« zu gehen, kläglich scheitert. Und genau das macht den Charme aus. Mal kreuzen sich zwischen alten, unmöglich zu datierenden Wohnhäusern Wäscheleinen der Einheimischen über den Gassen. Mal spritzen kichernde und prustende Kinder von oben ein bisschen Wasser, oder ein Spielball rollt hüpfend über die Steine.

Dann schnurrt dich wieder erfreut oder sich gestört fühlend eine ruhende Katze an. Die venezianischen Häuser drängen sich eng aneinander, Fassaden in zartem Gelb, verwaschenem Rosa, Türkis und Mintgrün. Die Fensterläden knarren leise im leichten Wind, Bougainvillea klettert wild über Balkone und Mauern und verwandelt ganze Straßenzüge in lilafarbene Tunnel. Im Mai steht die Sonne schon hoch genug, um alles in dieses weiche, goldene Licht zu tauchen, das die Farben zum Leuchten bringt und die Schatten angenehm kühl hält.

Derzeit ist die Altstadt zum Glück noch nicht so überlaufen wie im Hochsommer. Die Kreuzfahrt-Touristen kommen zwar, verschwinden aber auch wieder, und dann gehört die Stadt fast wieder den Einheimischen und den etwas entspannteren Reisenden wie uns. Die Katzen dösen faul in der Sonne auf warmen Mauern, Kinder spielen Fußball in engen Gassen. Man schlendert durch enge, kopfsteingepflasterte Gassen, die plötzlich auf kleine versteckte Plätze münden. Hier eine winzige Kirche mit einer verwitterten Ikone, dort ein alter Brunnen, an dem Oma mit Kopftuch gerade ihre Einkaufstasche abstellt. Die Katzen der Stadt haben die besten Plätze reserviert: auf warmen Treppenstufen, sonnigen Fensterbänken oder einfach mitten auf dem Weg – und wehe, du störst sie.

Es riecht nach Sonnencreme, Meer, alten Steinen und dem undefinierbaren »Corfu-Duft«, den man nie ganz beschreiben kann. Die Altstadt ist kein geradliniges Sightseeing-Ziel. Sie ist ein Erlebnis. Du biegst um eine Ecke und stehst plötzlich vor etwas Schönem, das du nie gesucht hast. Man verläuft sich mit Absicht, entdeckt immer neue Details – einen alten Torbogen, eine unerwartete Aussicht, ein verstecktes Atelier – und nimmt am Ende dieses wunderbare Gefühl mit, ein bisschen mediterranes Chaos und pure Lebensfreude eingepackt zu haben.

Dann stößt du auf einen winzigen Platz mit einer Kirche, deren Glocken gerade zur Siesta läuten, oder auf einen versteckten Souvenirladen, der kitschige Postkarten und handgemachten Schmuck verkauft. Und plötzlich stehst du vor der Liston-Promenade – der »guten Stube« der Stadt. Arkaden, schicke Cafés und der Duft von frisch gebackenen Bougatsa. Hier sitzt man stundenlang, nippt an einem Freddo Cappuccino und beobachtet das bunte Treiben… und genau das machten wir auch. Auf gemütlichen Plätzen unter den Arkaden, vor dem Cafe Kohlias>>>, gönnten wir uns frischen Kaffee, Erfrischungsdrinks und ein paar kleine Leckereien zum Knabbern.


 

»Die Altstadt und Umgebung müssen wir noch an weiteren Tagen erkunden!« lächelte Marina kaffeeschlürfend und mit einem kleinen Schaum-Oberlippenbart. »Hier gibt es so viel Bezauberndes zu sehen, dafür braucht man mindestens eine Woche.«

»Eher einen Monat, will man auch nur die wichtigsten Ecken finden.« stimmte Paul ihr zu und wir nickten.

Ich grinste: »Oder ein ganzes Leben, um all die versteckten Geheimnisse aus vielen Jahrhunderten auch nur zu finden.«

Corfu-Stadt ist kein Museum, das man brav abhakt. Sie ist chaotisch, lebendig und unglaublich charmant. Man verläuft sich mit Absicht, manchmal auch unfreiwillig, findet immer wieder neue Ecken und verlässt die Altstadt am Ende mit dem Gefühl, ein kleines Stückchen mediterranes Lebensgefühl mitgenommen zu haben. Wenn jemand fragt, warum viele immer wieder gern nach Corfu zurückkehren – dann zeige einfach auf diese verwinkelten Gassen im Mai-Sonnenschein. Und grinse.

»Was grinst du so…, so genüsslich männlich?« knuffte mich Marina sanft in die Seite, während ich einer einheimischen oder Touristen-Schönheit hinterherschaute, der gerade eine kleine Windböe den leichten, luftigen Rock weit hochwehte. Doch bevor ich mich schnell rausreden konnte, wurde sie schon von Tori abgelenkt, die rief:

»Schaut euch diese süßen, hübschen Schmuckstücke einheimischer Künstler an…« und schon stürzten die Frauen geradezu gierig in weiblicher Shopping-Lust zu den Auslagen eines typischen Souvenir-Shops und wühlten sich durch. Typischerweise ging es ihnen gar nicht unbedingt darum, wirklich etwas Nutzloses oder einfach nur Hübsches zu kaufen, was sie im Grunde nicht brauchen. Allein das Erlebnis und Gefühl, herumzustöbern, sich dies und jenes anzuschauen, macht Frauen schon einen Mordsspaß.

 

Leicht die Augen verdrehend gingen Paul und ich beiseite, wo ich genüsslich eine Zigarette schmauchte, während wir ihnen amüsiert zuschauten; oder auch vorbeikommenden, hübschen, dich oft freundlich anlächelnden Frauen in meist locker-luftiger Kleidung hinterher blinzelten. Zwischen den vom Sonnenschein ausgeheizten Gassen war es spürbar wärmer als beispielsweise am Rand der Altstadt oder auf größeren Freiflächen. Der Frühsommer im Mai ist meist ideal für Griechenlandbesuche, bevor es im Hochsommer manchmal auch unerträglich heiß werden kann. Schließlich einigten sich unsere reizenden Begleiterinnen und begnügten sich mit je einem kleinen, hübschen Schmuckstück örtlicher Handwerkskünstler und einem bunten Tuch.

Sonnenuntergang ist hier derzeit um 20:49 Uhr und als es zu dämmern begann, suchten wir uns das Restaurant-Pension Mouragia>>> an der Nordost-Uferpromenade zum Abendessen aus. Kategorie gute 4,5 Google-Sterne, freundlich, gemütlich, sehr leckere Speisen zu angemessenen Preisen. Aber etwas Vorsicht ist vielleicht angebracht. Es gibt auch einige sehr negative Rezensionen, die nicht mehr ganz frische oder leicht verdorbene Speisen erwähnen. Bei unserem Besuch gab es absolut nichts zu meckern, wir waren sehr zufrieden.

 

»Wir sollten den alten Spruch »Leben wie Gott in Frankreich« zu »Leben wie Göttinnen in Griechenland« verändern.« lachten Tori und Marina als Komplizinnen miteinander.

»He, und was ist mit uns männlichen Göttern?« grinste ich.

»Wenn ihr brav seid, dürft ihr uns dienen, haha.« konterte Tori.

»Ach, wie großzügig; da sind wir aber glücklich.« schmunzelte auch Paul.

»Solltet ihr auch sein, sonst schmeißen wir euch vom Olymp, haha.« frotzelte Marina und in dieser Art scherzten wir noch ein paar Minuten weiter.

Ansonsten plauderten wir vor allem über die Absicht von Tori, Allan und Paul, demnächst wieder segeln zu gehen, wozu sie Marina und mich schon eingeladen hatten. Die drei sind erstmals mit der Segelyacht in Griechenland und erst vor zehn Tagen auf Korfu angekommen. Schon deshalb wäre ihnen jemand wie ich, der schon oft um Griechenland und durch die Inselwelt gesegelt ist, sehr willkommen. Marina hat zwar keine Ahnung vom Segeln, würde jedoch sehr gern mitmachen, wenn sie es hinbekommt, sich ohne allzu große Nachteile ein paar Wochen von ihrem Studium freizumachen.

Ich selbst hätte momentan gut Zeit dafür, wenn nicht irgendetwas Unvorhergesehenes dazwischenkommt. Jörg programmiert derzeit am Bodensee fertig und wenn er das geschafft hat, muss das Proggi etwa drei Monate zur Probe laufen, um die Ergebnisse zu überprüfen. Dazu ist meine Anwesenheit vor Ort nicht unbedingt notwendig; was zu klären ist, können wir wahrscheinlich alles per Video-Chat, Mail und Telefonaten klären; und falls doch nötig, kann ich ja geschwind rüberfliegen. Und natürlich würde ich sehr gern mal wieder segeln gehen; ich vermisse mein geliebtes Sailing-Saltlife schon seit gut anderthalb Jahren.

Nachdem wir bezahlt hatten und sehr zufrieden gingen, spazierten wir zur Verdauung noch etwas herum. Mit nach Sonnenuntergang nur noch 16 °C wurde es zwar ein bisschen frisch, aber wie schon öfters beschrieben fühlt sich das im milden Mittelmeerklima gewöhnlich wesentlich angenehmer an als beispielsweise kühle 16 °C nördlich der Alpen.

Schließlich besuchten wir noch die bis 02:00 Uhr geöffnete, schick-elegante Dell'Acque - Music & more Bar>>>. Dort versammeln sich bevorzugt die (Erfolg-)Reichen und Schönen zwischen 20 und 40, oder die, welche dazugehören wollen oder so tun als ob, sowie generell einheimische und touristische Nachtschwärmer. Früher hätte man sie Yuppies genannt, allerdings auf sympathischere, griechische Art, nicht wie die oft hochnäsig-egoistischen Typen in London oder New York. Eine Rezension von »Jade« auf Google beschreibt die Lokalität treffend:

»Hier gibt es die besten Espresso Martinis überhaupt! Wir sind am ersten Tag zufällig hier gelandet, weil wir Leute mit Espresso Martinis gesehen haben – und wir lieben sie! Wir sind so froh, dass wir diesen Ort ausprobiert haben, denn die Espresso Martinis waren einfach fantastisch! Wir sind jeden Tag unseres Urlaubs für unseren täglichen Kaffee wiedergekommen. Die Mitarbeiter sind supernett und total freundlich. Wir hatten eine nette Kellnerin, bei der wir uns wie zu Hause gefühlt haben! Sie war so lieb zu meiner Kleinen und hat ihr sogar ein kleines Geschenk mitgebracht, was mich sehr berührt hat! Meine Tochter liebt die Handpuppe, und jedes Mal, wenn ich mit ihr spiele, erinnere ich mich an die schönen Momente, die wir hier erlebt haben. Danke!«

Gut zubereitete Cocktails von drei offensichtlich erfahrenen Barkeepern, die amüsanterweise wie Drillings-Brüder aussehen und das vielleicht sogar sind, gibt es ab 12 € aufwärts. Billig sind sie also nicht, dafür halten sie diesen Preis aber schon seit einigen Jahren auf diesem Niveau, was bei stetig steigenden Kosten, insbesondere Energie, sicherlich auch nicht so einfach ist. Die Stimmung im und vor dem Lokal ist anscheinend generell locker, freundlich, lebensbejahend und gut, wie man das in den sogenannten Südländern ja meist antrifft.

Wir fühlten uns wohl, hatten Spaß und kamen auch schnell mit einer Gruppe von fünf attraktiven Leuten ins Gespräch; drei sexy-elegant gestylte Frauen und zwei Männer von etwa Ende 20 bis Anfang 30. Alle fünf scheinen recht gut verdienende, moderne »Digital-People« zu sein, ein bisschen oberflächlich, aber durchaus clever und gut informiert. Was mich betrifft, würde ich sie nicht unbedingt gern als engere Freunde haben, aber gegen eine lockere Bekanntschaft und nächtliche, leicht alkoholisierte Unterhaltung war nichts einzuwenden.

 

Gut gelaunt und leicht beschwipst, bestellten wir uns erst nach 01:00 Uhr ein Taxi zurück zur Villa. Leise lachend und flüsternd begaben wir uns in die jeweiligen Zimmer oder kleinen Suiten, wo Marina und ich natürlich erst einmal unter die Dusche wollten. Im sanft prasselnden Strahl des sehr großen Wellness-Duschkopfs der geräumigen Kabine liebten wir uns noch eher kurz im Quickie-Stil, aber dennoch sehr schön gleichzeitig leidenschaftlich-gefühlvoll und verspielt. Nach Abtrocknen und Zähneputzen kuschelten wir uns im bequemen King-Size-Bett aneinander und schlummerten bei leicht geöffneten Fenstern, also frischer, sauberer Luft, schnell ein.

Das war mal wieder ein richtig schöner und interessanter Tag. Insbesondere Marina genießt es sehr; sie war noch nie in Griechenland und ist mit ihrem Nebenverdienst als Model auch nicht arm, aber als Studentin finanziell natürlich auch nicht gerade üppig versorgt. Sie kann sich gelegentlich kostengünstige Reisen und Urlaube leisten, aber dann natürlich nicht in einer schicken Luxusvilla wie dieser von Sir Archibald leben.

Bei ihrer ganzen, selbstsicher-fraulichen Art und Erfahrung als Model sogar in Paris, sowie ihrer Schönheit, Ausstrahlung und Cleverness mit gelegentlichen Nebenjobs als Bardame, könnte man ja denken, sie würde sich unkompliziert leicht auch mal von Männern mit Geld zu Luxusurlauben einladen lassen. Aber interessanterweise geht sie nicht schnell einfach so mit Kerlen ins Bett, nur weil die Geld haben und ihr mehr Luxus bieten können.

Daran wäre an sich nichts Schlimmes, junge und zudem auch noch attraktive Menschen erleben ja sowieso gern Abenteuer. Aber es sagt natürlich auch einiges über ihren guten Charakter als Mensch und nicht nur als schöne, verlockende Frau aus, dass sie diesbezüglich eher zurückhaltend ist. Umso erstaunlicher, dass sie sich damals bei unserem ersten Kennenlernen in der Bar doch schnell auf näheren Kontakt mit mir eingelassen hat und wir jetzt, einige Wochen später, sogar miteinander ins Bett gehen. Was ich für ein Glück mit schönen und zudem klugen jungen Frauen mit Klasse habe, ist wirklich erstaunlich und bringt mich immer mal wieder zum Grübeln, warum eigentlich.

Na gut, als Mann der die Frauen liebt genieße ich es natürlich, aber genug nachgedacht. Marina schlummerte schon selig tief und fest neben mir, noch recht eng angeschmiegt. Ich atmete ihren verlockend frisch geduschten fraulichen Duft ein und spürte im Dunkeln ihre nackte Schönheit eng vor mir. Unter der Decke und aneinander gekuschelt war es angenehm warm, trotz der leicht geöffneten Fenster sogar fast zu warm. Ein paar wohl unter Zeitstörungen leidende Grillen zirpten immer noch, und die Mischung aus salziger Meeresluft plus Blütenduft wehte sanft die Vorhänge bewegend, herein; sehr angenehm. Noch zwei, drei Atemzüge, dann pennte auch ich tief ein. 

 Unzensiert Weiterlesen? Klick >>>

»«

©-http://srjexped.jimdo.com/2026 Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte & Bilder - auch auszugsweise - ohne schriftliche Genehmigung ist nicht gestattet. Alle Angaben ohne Gewähr!

Blog: https://sea-nomads.blogspot.com

 

Buy

Ganzen Blog unzensiert lesen>>>
Sende den gewünschten Betrag per Pay Pal an Captnsteve59@icloud.com Viel Spaß :))

Beliebte Posts