Griechenland, Ionisches Meer, Ormos Valtou-Parga

 

#26.05.30 – Griechenland, Ionisches Meer, Ormos Valtou-Parga

»Klar zum Ankern…« rief Paul, der momentan als Wachhabender unserer Crew-Rolle anführte, vom Steuerstand nach vorne zum Bug, wo ich bereits an der Ankerwinde stand. »… fallen Anker!«

Im gleichen Moment löste ich die Bremse. Mit einem metallischen Rattern rauschte die Kette in die Tiefe. Bei fünfeinhalb Metern Wassertiefe gab ich klassisch die fünffache Länge, also etwa 25 Meter Kette, bis der „Haken“ – unser massiver 34 kg CQR-Pflugscharanker – auf dem sandigen Boden saß. Platz zum Schwoien gab es in dieser malerischen Bucht des Ormos Valtou mehr als genug; außer uns lagen nur fünf bis sechs weitere Boote in dem geschützten Becken, was uns eine etwas Privatsphäre garantierte. Auf mein Handzeichen hin legte Paul kurz den Rückwärtsgang ein und gab für 30 Sekunden „Voll zurück“, um den Anker unter Zug ordentlich einzugraben. Die Yacht ruckte kurz an der Kette, dann lagen wir bombenfest und sicher in der malerischen Kulisse.

 

Gleich darauf wurde der Diesel abgestellt. Stille legte sich über das Deck, nur unterbrochen vom sanften, fast meditativ wirkenden säuseln des Windes in den Wanten und gegen den Bootsrumpf plätschernden, kleinen Wellen. Wir klarten das Deck zügig auf, nachdem wir diesen 11 Seemeilen langen Törn erfolgreich hinter uns gebracht hatten. Wegen der schwachen Winde von lediglich 4 bis 7 Knoten waren wir insgesamt gut vier Stunden unterwegs gewesen, wobei die schnittige Segelyacht mit 2 bis 4 Knoten sanft durch das azurblaue Meer pflügte. Was für Landratten wie ein lahmes Kriechen klingen mag, ist für eine Einrumpf-Fahrtenyacht bei diesen leichten Bedingungen ein beachtliches Tempo. Wir hatten es ohnehin nicht eilig; der Weg war das Ziel, und wir genossen es, den Motor ausschließlich für die Manöver beim Ein- und Auslaufen zu nutzen.

Die Koordinaten unserer Position liegen bei 39° 16,91' N 020° 23,38' E. Die Bucht ist weiträumig und bietet exzellenten Halt auf Sandgrund. Die Wassertiefe von 5 bis 7 Metern ist ideal für eine entspannte Nacht vor Anker. Von hier aus lässt sich das pulsierende Leben von Parga ganz bequem mit dem Wassertaxi erreichen. Mit den Bootsführern lässt sich problemlos ein Abholtermin vereinbaren; die regelmäßigen Fahrten finden abends ab 22:00 Uhr im 30-Minuten-Takt bis Mitternacht statt. Die Bootsführer sind wahre Profis – sie merken sich genau, wo jedes Boot liegt, und finden einen auch in der dunkelsten Nacht zielsicher wieder.

Östlich davon liegt das Städtchen Parga selbst. Ein sehenswerter Ort, der jedoch einen entscheidenden Haken hat: Der dortige Anleger ist für die Yacht-Schifffahrt nicht zum Anlegen geeignet – höchstens kurzfristig zur schnellen Versorgung. Deshalb ankert man am besten in der westlich benachbarten Bucht Ormos Valtou.


 

Parga schmiegt sich an die Hänge, und eine enge Gasse zieht sich den Berg hinauf zur 1570 errichteten venezianischen Festung. Die Wege sind gesäumt von kleinen Touristik-Läden und feinen Auslagen mit lokalem Kunsthandwerk. Oben angekommen, wird man für den Aufstieg mit einem phantastischen Blick auf den Hafen und die Bucht Valtou belohnt. Unter alten Pinienbäumen lässt es sich in einem kleinen Café herrlich verschnaufen, bevor man sich in das schier unendliche Angebot an Tavernen, Cafés und Bars stürzt.

Restaurant-Tipp: Die Taverne „Avra“ liegt auf der linken Seite, ziemlich am Ende des Weges Richtung Burg. Die Terrasse bietet einen wunderschönen Ausblick über die Altstadt und den Hafen. Das Essen ist exzellent und der Wirt überaus gastfreundlich. Quelle ©: https://www.skipperguide.de/wiki/Parga#Ormos_Valtou

»Kommt schon, ihr lahmen Enten… yuchuuu…!« stichelte Lany und lief splitternackig, wie sie es an Bord am liebsten tat, zur Reling. Mit einem lauten Platsch und einer gewaltigen Fontäne sprang sie direkt über Bord in das herrlich erfrischende Nass. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen! In kürzester Zeit hüpften auch wir anderen in die Fluten. Lachend und prustend plantschten wir eine gute Viertelstunde um das Boot herum – ein herrlicher Spaß.

Nachdem wir uns an Deck den Salzfilm abgeduscht hatten, machten wir uns fertig für den Landausflug. Wir wollten die venezianische Burg erkunden. Zugegeben, sie ist nicht ganz so imposant wie die Festung über Korfu-Stadt, da sie größtenteils aus Ruinen besteht, aber sie ist ein echtes Historien-Highlight mit Charme und Tragik.

Die Burg wurde 1570 erbaut, um die Bewohner vor Piraten und osmanischen Angreifern zu schützen. Doch die Geschichte Pargas ist ein Auf und Ab: 1537 machte der berüchtigte Barbarossa eine ältere Festung dem Erdboden gleich. Die Venezianer bauten 1570 neu auf – nur um die Stadt später wieder zu verlieren. Erst 1792 gelang ihnen der dritte Anlauf. Die massive Festung hielt bis 1819 stand, trotz der Belagerungen durch Ali Pascha von Ioannina. Doch dann verkauften die Engländer die Stadt kurzerhand an die Türken, und die Burg verlor jede strategische Bedeutung. Ein Haufen Steine also – aber mit einer Aussicht, die jedes Herz höherschlagen lässt.


 

Und für uns, besonders Tori als Hobby-Historiker ihrer weitverstreuten Familie besonders spannend: Im April 1946 landete hier Toris Ur-Großonkel mit seinem Team, Goldmünzen und Waffen von Malta kommend, auf einem dafür eingesetzten Khaiki (auch Kaiki oder auf Französisch Caïque genannt) an; sie ähneln den türkischen Gulets. Diese traditionelle Schiffsbauweise aus Holz, wir noch heute überwiegend für Traditions-Yachten und den Tourismus eingesetzt. In den 1940er Jahren waren diese Boote das Rückgrat der griechischen Küstenschifffahrt und des Handels in der Ägäis und im Ionischen Meer und somit nicht weiter auffällig.

 Laut den Tagebucheinträgen war dieser Einsatz relativ ungefährlich, fast wie eine Art entspannender Urlaub für das Team. Trotzdem mussten sie natürlich vorsichtig agieren, denn zu jener Zeit wimmelte es überall von Spionen, Verrätern und Leuten mit fragwürdigen Absichten. Wie schon im ersten Blog zu dieser Geschichte erwähnt, verlief der griechische Bürgerkrieg sehr brutal. Menschenleben zählten kaum etwas und wie leider immer in solchen Zeiten, litt insbesondere die arme, hungernde Zivilbevölkerung darunter, die schon unter der Nazi-Besetzung jahrelang leiden mussten. In solchen Zeiten ist es nirgendwo ungefährlich; schon gar nicht, wenn du Nahrung, Gold und Waffen transportierst.


 

Gegen 14 Uhr meldete sich der Hunger. Wir entschieden uns für das mit 4,6 Sternen bewertete „Bacchos“ (Anevxavrtisias 63, Parga). Täglich von 10 Uhr bis Mitternacht geöffnet, kann man hier für 15 bis 25 Euro absolut köstlich schlemmen und satt werden. Mehr auszugeben ist bei der schieren Größe der Portionen kaum möglich, will man nicht überfressen platzen. Es ist ein perfektes Musterbeispiel für griechische Gastronomiekultur, Gastfreundschaft und den allgemeinen, südlichen Lebensgenuss. Wir saßen gemütlich auf der beschatteten Außenterrasse, den malerischen Ausblick auf die Bucht und die umliegenden Inseln im strahlenden Sonnenschein, bei angenehmen 27 °C zusätzlich genießend.

Eine Rezession von La Chimolala beschreibt sehr treffend die direkt an der Hafenpromenade gelegene Taverna / das Restaurant:  Ein sehr gemütliches und warmes Lokal, perfekt fürs Abendessen. Es ist das einzige Restaurant in Parga, wo man auf einen Tisch warten muss, weil es einfach so gut ist und man innerhalb von drei Minuten einen Platz bekommt. Das Personal ist überaus freundlich und zuvorkommend. Die Portionen sind riesig und das Essen fantastisch. Wir waren zweimal dort und hatten eine wundervolle Zeit. Absolut empfehlenswert! ©La Chimolala


 

»Mein Gott, wie soll ich all das schaffen, ohne dick und fett zu werden?« stöhnte die gertenschlanke Lany. Tori und Marina stimmten sofort zu, und auch wir Männer hatten zu kämpfen, um die Portionen aufzuessen.

»Du könntest jetzt gleich von hier bis zur Festung auf dem Hügel hin und her joggen! Am besten nackig, damit dich ein paar entzückte, hormonüberflutete knackige Kerle durch die Gassen jagen, hoho«, gluckste ich vergnügt und schob mir eine delikat gewürzte Scampi in den Mund.

»Ahaha, pass bloß auf, dass wir dich nicht ausziehen und von hübschen Girls herumjagen lassen«, lachte Tori, und natürlich verbündeten sich die Frauen sofort gegen uns Männer.

 »Interessante Idee, aber leider unmöglich«, grinste ich sehr breit und männlich cool. »Dann müsste die Regierung in Athen den Notstand ausrufen und die Armee schicken, um die Lage wieder zu beruhigen.«

Marina prustete heftig los: »Ahahaha…, ich stell mir das grad bildlich vor. Unser Casanova-Captain rennt nackig mit schwingendem Schwänzchen durch die Stadt, verfolgt von hunderten, kreischenden Frauen und er muss sich in der Burg verschanzen. Gerade noch rechtzeitig marschiert die Armee ein und fliegt ihn mit einem Heli aus, bevor tausende Frauen die Festung stürmen… haha.«

Über dieses sehr amüsante Bild im Kopfkino mussten wir alle lachen. Tori ergänzte augenzwinkernd: »Welche Frau könnte einem so charmanten Adonis auch widerstehen, haha?!«

»Insbesondere wenn er nackig ist und das Schwänzchen herumwirbelt, haha!« prustete auch Lany heftig. Da diese Vorstellung in dieser hübschen, griechischen Kleinstadt so lustig war, scherzten und lachten wir noch einige Minuten darüber. Es erinnerte uns ein wenig an diese berühmte Szene aus „Das Parfüm“, in der sich der Hauptdarsteller am Ende mit seinem unwiderstehlich machenden Extrakt beträufelt und alle Zuschauer der mittelalterlichen Hinrichtungsstätte plötzlich hemmungslos in ihn verlieben. Schmunzel



 

Dann wollte Allan als Bootseigner zurück zur Yacht, um zu schauen, ob der Anker auch wirklich gut hält und um ein paar kleinere Wartungsarbeiten vorzunehmen. Die Frauen wollten unbedingt durch die bezaubernden Gassen der Altstadt schlendern und jedes verlockende Geschäft mit hübschem Kram und Souvenirs einer genauen Inspektion unterziehen – wie weibliche Wesen das halt lieben. Paul und ich weigerten uns jedoch strikt, dabei mitzumachen, und wir verabredeten, dass wir beide hier faul auf der Terrasse abhängen, bis die Schönen zurückkehren.

An sich wäre ich auch ganz gerne durch die schnuckeligen Gassen geschlendert; nach dem üppigen Mahl wäre körperliche Bewegung auch sehr angebracht gewesen. Solch hübsch-gepflegte Altstadtgassen in malerischer Umgebung und im Mai bei noch angenehmen Temperaturen und ohne alles überfüllenden Touristenmassen zu erkunden, macht doch immer Spaß. Aber manchmal habe ich total faule Momente und bleibe lieber hocken, um dem bunten Treiben einfach zuzuschauen. Paul erging es wohl ebenso.

Wir plauderten über dies und das, oder hockten einfach nur da und schauten den hübschen, sexy-luftig gekleideten Frauen hinterher. Allerdings fiel mir auf, dass mich Paul anscheinend ein bisschen ausfragte; insbesondere über mein Seglerleben und Erfahrungen von über 200.000 Seemeilen auf vielen Weltmeeren. Er kam jedoch nicht konkret auf einen speziellen Punkt zu sprechen. Es könnte ganz allgemeine Neugierde von jemandem gewesen sein, der selbst weniger als 10.000 Seemeilen Segelerfahrung hat und bisher nur in küstennahen Gewässern unterwegs war. Irgendwie hatte ich jedoch den Eindruck, dass er auf etwas Bestimmtes hinauswollte; doch er sprach es nicht an, und ich fragte nicht direkt nach.


 

Schätzungsweise zwei Stunden später riefen die Frauen an und forderten uns auf, zur „Limoncello Gastro Bar“, nördlich fast direkt unter dem Burghügel, zu kommen, wo sie sich Erfrischungsdrinks oder Cocktails genehmigten. Dank Google-Maps fanden wir den Laden recht problemlos… jedoch ohne die Frauen.

Dort waren die Schönen schon wieder ausgeflogen und zu „Mike's Bar“, nur wenige Schritte weiter, gewechselt, wo es ihnen viel besser gefiel, informierte uns ein weiterer Anruf. Diese liegt in oder neben der Taverna Stefanos und wird vermutlich von dessen Sohn betrieben. Die Bar wird durchschnittlich mit hohen 4,8 Sternen auf Google bewertet, und das zu Recht.

Man weiß gar nicht, was in dieser Bar besser ist. Zunächst einmal ist das Ambiente mit Blick aufs Meer und den Strand wunderbar, die Dekoration ist bis ins kleinste Detail liebevoll gestaltet und die Musik passt perfekt. Das Personal ist superfreundlich und bemüht sich wirklich, dass sich jeder wohlfühlt. Unsere wärmste Empfehlung für Cocktails, die so viele einzigartige Aromen haben, dass man so etwas wirklich nirgendwo anders probieren wird. Drinks kosten im Schnitt zwischen 5 und 10 Euro. Geöffnet ist ab 08 Uhr bis Mitternacht, man fühlt sich wohl und kann eine Menge Spaß haben.


 

Unsere drei Schönheiten flirteten und scherzten bereits leicht aufgedreht mit dem Personal und anderen Gästen. Allan war auch schon dort und hatte unser Beiboot unterhalb des Burghügels, kaum 50 m von der Bar entfernt, festgemacht. Wir beschlossen, dort den Abend zu verbringen, denn sie haben auch ausreichend gute Speisen und Snacks. Nach dem üppigen, exzellenten und relativ späten Mittagessen hatte sowieso niemand richtig Hunger. Es ging mehr um eine Grundlage im Magen für weitere Drinks mit Alkohol; die Cocktails sind richtig gut und lecker, wie es sich für eine ordentliche Bar gehört.

Parga gilt als einer der beliebtesten Urlaubsorte in Epirus – vor allem wegen seiner malerischen Altstadt, der venezianischen Burg, der traumhaften Strände (wie Valtos oder Lichnos) und der Nähe zu den Inseln Paxos und Antipaxos. In Reiseführern wird es oft als „Beauty Queen“ der Region bezeichnet.

Im Mai ist der Ort noch nicht überlaufen; erst in der Hauptsaison treffen täglich im Schnitt über 6.000 Touristen auf die gerade mal 2.500 Einheimischen. Ab Juni/Juli wird es dann lebhaft bis voll, aber nie so überlaufen, hektisch und nervend wie z. B. auf Santorin oder Mykonos. Typischerweise lebt so ein Ort fast ausschließlich vom Tourismus und wimmelt es nur so von Bars, Tavernen, Restaurants, Cafés, Boutiquen, Souvenirläden und kleinen Geschäften. Alles in allem ein wirklich bezaubernder Ort, nicht nur für Urlauber.

 

»Hier könnten wir ein paar Tage länger bleiben und ankern, was meint ihr?« brachte Marina zur Sprache, worüber sich die Frauen offensichtlich schon abgesprochen hatten, wie ich schnell bemerkte. schmunzel

»Gern…, aber nur wenn die Wetterlage ruhig bleibt«, meinte Allan als Eigner der Yacht. »Wir liegen hier weit offen nach Westen und Süden zum ionischen Meer; wenn stürmisches Wetter aufzieht, könnte es riskant werden. Was sagst du, Steve? Du kennst dich mit Segeln in Griechenland am besten aus.«

»Jahaaa… was sagt unser berühmter Captain Steve, haha?« stichelten die schon erkennbar beschwipsten und etwas aufgekratzten Frauen.

»Euer gestrenger Captain sagt:« grinste ich, »Allan hat es richtig erkannt und eingeschätzt. Wenn die Wetterlage so bleibt, können wir hier problemlos länger ankern und ja, mir gefällt Parga auch.«

»Also alle paar Stunden die Wetterlage prüfen, und ich hätte ebenfalls nichts dagegen, ein paar Tage in der Gegend zu bleiben«, fasste Paul überlegt zusammen.

»Oh ja, Griechenland ist wirklich ein wunderbares Segelrevier. So viel Geschichte, bezaubernde Orte, preiswert und wenige Vorschriften, keine Abzocke von Yachties. Ich würde auch gern etwas länger hier ankern«, meinte Tori, die etwa 2.500 Seemeilen Segelerfahrung hat, einschließlich eines Karibik-Segelurlaubs auf einer Charteryacht.

Also waren wir uns einig und vergnügten uns noch deutlich bis nach Sonnenuntergang, derzeit hier um 21:01 Uhr, in Mikes Bar. Wie erwähnt ist derzeit noch nicht so arg viel los, aber wir hatten trotzdem Spaß, auch mit anderen Gästen. Nüchtern waren wir alle nicht mehr, und automatisch fällt man in der malerischen Umgebung mit romantischer Nachtbeleuchtung in ebensolche Stimmung. Eine richtige Tanzfläche gibt es nicht, aber solange man keine anderen Gäste direkt belästigt, stört es auch keinen, wenn im Gang zwischen den Tischen und der eigentlichen Bar jemanden die Tanzlust überkommt.

Natürlich waren es vor allem die Frauen, die uns dazu nötigten, doch auch Allan und Paul sind richtig gute Tänzer. Ich Tanzmuffel biss halt mal wieder die Zähne zusammen, war kein Spielverderber und tanzte Marina zuliebe auch ein bisschen mit ihr. Sie hat durchaus Verständnis dafür, dass mir das Tanzen nun mal gar nicht liegt und mir keinen Spaß macht.

 Ich schrieb es schon häufiger: So richtig verstehe ich bis heute nicht, was die Leute eigentlich an diesem Herumgezappel finden? Ich schätze durchaus den ästhetischen Genuss von beispielsweise professionellen Tanzgruppen oder bewundere mit Respekt gute, leidenschaftliche Einzeltänzer – als Mann logischerweise insbesondere attraktive Frauen in reizvollen Kostümen –, aber für mich war das noch nie etwas. Mir fehlt schlicht das passende Rhythmusgefühl, und ich habe keine Lust auf „Abtanzen“ und sich dabei klatschnass schwitzen, wie es so viele so gern tun.

 

»Ach…, echt schön hier und unser Seglerleben«, seufzte Marina etwas beschwipst und verschmust an mich geschmiegt, als ich etwas beiseite eine rauchte. Am Sichelrand der Bucht funkelte die romantische Beleuchtung von Hotels, Pensionen, Lokalen und die allgemeine Beleuchtung. Ein schwacher Wind aus nordwestlicher Richtung trug salzige Seeluft und die Düfte all der im Mai blühenden Pflanzen herbei. Die Grillen zirpten ihr typisches „Griechenland-Feeling“-Konzert, was hier wegen der nicht zu lauten Musik von der Bar aber nicht so deutlich zu vernehmen war.

»Hm ja«, brummte ich, hielt sie im Arm und ließ meine freie Hand in den Ausschnitt ihres sexy Kleides gleiten. Wir küssten uns mit spürbarem Verlangen aufeinander, aber dennoch auch mit entspannter, innerer Ruhe.

Gegen 23 Uhr kamen wir schließlich gut gelaunt und wohlig müde zurück aufs Boot. Lachend schlüpften wir alle aus den Kleidern und sprangen zur Erfrischung klatschend in die Meeresfluten… herrlich! Die 21 Grad Wassertemperatur und kaum mehr Lufttemperatur machten uns etwas nüchterner, als wir wieder an Deck kletterten. Dann nur noch schnell duschen und ab in die Kojen. Leichte, kleine Wellen, die sanft gegen den Rumpf klatschten, und das ebenso sanfte, kaum wahrnehmbare Schaukeln in der minimalen Dünung wiegten uns mit einem Lächeln im Gesicht schnell in tiefen Schlaf.

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Griechenland, Ionisches Meer, Arillas Bucht bei Perdika

 

#26.05.27 – Griechenland, Ionisches Meer, Arillas Bucht bei Perdika

Wir ankern derzeit in der Bucht vor Arillas, Epirus – einem Ort mit zwei Gesichtern, der sich südöstlich der unteren Ausläufer von Korfu auf dem griechischen Festland erstreckt.

Heute liegt vor uns eine der wohl schönsten Buchten dieser gesamten Küste: Arillas bei Perdika. Ein schöner Sandstrand erstreckt sich hier und neigt sich sanft in das kristallklare, türkisblaue Wasser der Ionischen See. Kinder spielen ausgelassen im flachen Wasser, während die Tavernen ihre Tische direkt in den feinen Sand gestellt haben. Der Wind trägt beständig den verlockenden Duft von gegrilltem Fisch, wildem Thymian und einem Hauch von Ouzo herüber. Es ist ein ruhiger, fast schon beschaulicher Ort – genau das Refugium, nach dem wir nach den belebteren und oft überlaufenen Häfen der letzten Tage gesucht haben.

Und doch steht über diesem idyllischen Postkartenbild ein zweites, ganz anderes Arillas.

Vor genau achtzig Jahren, im Frühjahr 1946, war dieser Strand wahrlich kein Ort für sorgenfreie Sonnenbäder oder entspannte Tavernenbesuche. Damals war Arillas ein winziges, bitterarmes Fischerdorf, das aus kaum mehr als zwei Dutzend einfachen Steinhäusern bestand. Die Menschen hier führten ein entbehrungsreiches Leben und hingen vollständig von dem ab, was ihnen das ungestüme Meer und die kargen, steinigen Olivenhänge mühsam abverlangten. Der Zweite Weltkrieg war zwar offiziell gerade erst zu Ende gegangen, doch der Frieden, der darauf folgen sollte, erwies sich als ein trügerischer Schein. Der Griechische Bürgerkrieg warf bereits seine dunklen, langen Schatten voraus.

Ich musste unwillkürlich an das alte, ledergebundene Tagebuch denken, das mir Victoria auf Korfu anvertraut hatte. Ihr Großonkel hatte in jener stürmischen Zeit als britischer Offizier in dieser Region operiert. Für ihn und seine Kameraden war diese Küste kein Urlaubsparadies, sondern ein hochgefährliches Schachbrett im beginnenden Kalten Krieg. Goldmünzen wurden in den dunklen Stunden der Nacht an abgelegene Strände gebracht, Waffen an zuverlässige – oder vermeintlich zuverlässige – Kontaktleute übergeben, und jede einzelne Begegnung konnte wahlweise Verrat oder die ersehnte Rettung bedeuten.

Heute planschen Touristen genau dort, wo damals vielleicht ein britisches Schlauchboot, von einem U-Boot oder einem Kriegsschiff weit vor der nächtlichen Küste kommend, oder eine griechische Caique im Schutz der Dunkelheit leise anlandete. Wo früher bitteres Misstrauen, Hunger und Angst herrschten, riecht es jetzt nach frischem Brot, Sonnencreme und der salzigen Brise des Mittelmeers.

Es ist absolut erstaunlich, wie friedlich und unschuldig ein Ort wirken kann, der vor gar nicht allzu langer Zeit Schauplatz von Intrigen, nackter Angst und großen, grausamen politischen Spielen war. Die Geschichte hinterlässt kaum noch sichtbare Spuren im warmen Sand – und doch sind sie präsent, wenn man nur genau genug hinsieht. Wir ankern deshalb genau hier, weil Tori mit eigenen Augen sehen wollte, wo ihr Agenten-Ur-Großonkel damals seinen gefährlichen Dienst verrichtete.

Ein weiterer Tagebucheintrag von „G“ beschreibt diesen Einsatz in sehr knappen, trockenen Worten wie folgt:

15. März 1946, 03.40 Uhr – Arillas Bay, Epirus

Kurz nach zwei Uhr morgens sind wir mit dem Schlauchboot an Land gegangen. Die See war ruhig, fast unnatürlich still, nur das leise Klatschen der kleinen Wellen am Strand war zu vernehmen. Das U-Boot [geschwärzter Eintrag] hat uns planmäßig um Mitternacht abgesetzt, zwölf Meilen vor der Küste. Die Überfahrt von Malta war ereignislos – Gott sei Dank.

Sergeant McAllister, die beiden Männer vom SBS, mein Einsatzteam und die U-Boot-Crew haben sich äußerst professionell verhalten. Wir vier haben die schweren Kisten mit den fünftausend Sovereigns und die Waffenbehälter schnell und ohne Zwischenfälle an Land gebracht. Das Gold wog schwerer, als einem lieb war. Jede Kiste erinnert einen daran, wie viel Vertrauen – oder blanke Verzweiflung – London in diesen Handel setzt.

Der Kontaktmann wartete wie vereinbart mit drei bewaffneten Griechen etwas oberhalb des Strandes. Ein gewisser [geschwärzter Eintrag], ein einflussreicher Lokalpolitiker, der sich bisher geschickt zwischen allen Stühlen gehalten hat. Er spielte wieder einmal den Neutralen, den großen Unabhängigen. Man konnte förmlich riechen, wie er den Wert seiner zukünftigen Loyalität taxierte. Wir übergaben die Ladung. Er versicherte mit vielen Worten seine unerschütterliche Treue zur Regierung und zum König. Ich lächelte höflich und glaubte ihm kein einziges Wort.

Es ist ein schmutziges Geschäft. Wir bezahlen Männer, die morgen vielleicht schon die Seite wechseln, wenn die Kommunisten stärker wirken. Und doch befolgen wir unsere Befehle. London scheint der Meinung zu sein, dass Gold und Waffen hier im Norden das Schlimmste verhindern können. Ich bin mir da nicht mehr so sicher.

Wir zogen uns ohne weitere Zwischenfälle zurück. Das Schlauchboot wartete. Um 03.20 Uhr waren wir wieder auf See. Hinter uns lag nur Dunkelheit und das leise Rauschen der Brandung. Manchmal frage ich mich, ob wir hier wirklich die richtige Seite stärken?

G.

Um zu verstehen, weshalb solche Geheimeinsätze nicht nur im militärischen Sinne hochgefährlich waren – woran Soldaten, die im Weltkrieg gekämpft haben, ohnehin gewöhnt waren –, sollte man sich folgendes verdeutlichen:

Was 5000 Gold Sovereigns 1946 wirklich bedeuteten

Auf den ersten Blick wirken 5000 Gold Sovereigns heute vielleicht nicht besonders beeindruckend; einfach nur eine Zahl unter vielen. Doch um zu begreifen, warum dieses Gold damals so existenzbedrohend gefährlich war, muss man sich die desolaten Verhältnisse in Griechenland vor Augen führen.

Das Land lag 1946 in Trümmern. Der Zweite Weltkrieg, die jahrelange deutsche Besatzung und der gerade aufflammende Bürgerkrieg hatten die Wirtschaft vollständig zerstört. Die Drachme war durch eine galoppierende Hyperinflation praktisch wertlos geworden. Ein normaler Arbeiter, Fischer oder Kleinbauer verdiente umgerechnet oft nur 100 bis 200 Pfund Sterling pro Jahr – sofern er überhaupt regelmäßig Arbeit fand.

5000 Gold Sovereigns entsprachen nominell zwar etwa 5000 £, hatten aber in der völlig zerrütteten griechischen Wirtschaft eine ungleich höhere Kauf- und Machtkraft, vergleichbar mit dem, was für einen Durchschnittsbürger in einem bettelarmen Land heute ein unermessliches Vermögen darstellt. Für die Durchschnittsgriechen jener Zeit entsprachen diese 5000 Goldmünzen eher einem Gegenwert von 100.000 Pfund Sterling. Für diese Zeit war das eine gigantische Summe – vergleichbar mit dem heutigen Gegenwert von 30 bis 60 Millionen Euro.

Mit dieser Summe konnte man ganze Dörfer über Jahre versorgen, eine kleine Privatarmee ausrüsten, einflussreiche Politiker und lokale Machthaber kaufen oder sich für den Rest des Lebens in Sicherheit bringen.

Kein Wunder also, dass Goldtransporte, wie der des Großonkels von Tori, extrem gefährlich waren. Viele lokale „Verbündete“ sahen in den Briten nicht in erster Linie Helfer, sondern eine einmalige Gelegenheit, sich auf Kosten der „dummen Engländer“ unglaublich zu bereichern. Verrat, Raubmord und das spurlose Verschwinden ganzer Teams waren leider keine Seltenheit. Das Gold war damals nicht einfach nur Geld – es war in jener chaotischen Zeit Macht, Überleben und Verführung zugleich.

Wer sich dafür interessiert, kann mehr darüber recherchieren. Glaubwürdige Quellen, welche die Tagebucheinträge bestätigen:

  • Christopher Montague Woodhouse (britischer Offizier, später Historiker): In seinen Büchern Apple of Discord und The Struggle for Greece beschreibt er sehr offen, wie schwierig es war, loyale Partner zu finden. Viele Griechen spielten auf Zeit oder versuchten, von beiden Seiten zu profitieren.
  • British Foreign Office und SOE-Berichte: Es gibt zahlreiche deklassifizierte Dokumente, die genau solche Operationen beschreiben – Goldtransporte, Bestechung lokaler Machthaber und die Frustration der Briten über opportunistische Partner.
  • Historischer Konsens: Woodhouse beschreibt sinngemäß, dass viele griechische Politiker und Notabeln „wie Wetterfahnen“ agierten und ihre Loyalität stets nach dem militärischen Wind ausrichteten.

»Ich frage mich, wie und warum diese nachträglichen Text-Schwärzungen in den Tagebüchern zustande gekommen sind? Ich meine, warum schrieb er es zunächst auf und schwärzte es danach doch?« Grübelte Tori mit Falten auf der Stirn, wodurch ihr schönes Gesicht sehr nachdenklich wirkte.

Ich zuckte mit den Schultern und versuchte, es ihr zu erklären: „Es gab sicherlich mehrere Gründe dafür. Viele Offiziere haben trotz offizieller Verbote private Tagebücher geführt – teils als persönliche Erinnerung, teils einfach, um den enormen psychischen Druck irgendwie loszuwerden. Gleichzeitig wussten sie aber ganz genau, wie gefährlich konkrete Namen oder operative Details sein konnten. Die Schwärzungen sehen extrem professionell aus. Wahrscheinlich hat ‚G‘ selbst die sensiblen Stellen unkenntlich gemacht, bevor er das Tagebuch mit nach Hause nahm. Einen griechischen Kontaktmann namentlich zu nennen, war damals hoch riskant – besonders wenn derjenige später die Seiten wechselte oder von den Kommunisten gejagt wurde. Möglich ist aber auch, dass das Tagebuch bei seiner Rückkehr von Vorgesetzten oder vom Geheimdienst geprüft und bereinigt wurde. Das Official Secrets Act hing wie ein Damoklesschwert über allen. Viele mussten unterschreiben, dass sie keine sensiblen Unterlagen behielten. Für mich machen diese schwarzen Balken die Aufzeichnungen sogar noch glaubwürdiger. Sie zeigen, wie dreckig und undurchsichtig das ganze Geschäft wirklich war. Kein sauberer Krieg mit klaren Fronten, sondern ein Spiel voller Misstrauen, Verrat und ständigem Kalkül.“

»Echt faszinierend!« lächelte Marina, die genau zuhörte und sich für diese alte Geschichte immer stärker zu interessieren begann.

Paul ergänzte: »Ich stimme Steve zu. Nach meinen Recherchen war das damals so. Man wollte britischen Offizier-Gentleman-Kollegen nicht generell streng persönliche Notizen verbieten und erwartete, dass diese von sich aus beachten, was gut oder schädigend für das Empire sein könnte.«



 

Nach diesem Gespräch, am Vormittag auf der ankernden Yacht, genossen wir zunächst echtes Schönwetter-„Sailing-Saltlife“. Wir gingen bei dem aktuell sehr ruhigen Wetter, mit schwachem Westwind und nur geringer Dünung am Außenrand der Bucht schnorcheln. Derzeit hat das Meer etwa gute 21 °C vor der Küste, was gleichzeitig herrlich erfrischend und nicht zu unangenehm kühl ist. Natürlich trugen wir trotzdem isolierende Taucheranzüge, denn sonst wären wir bei knapp zwei Stunden Schnorcheln allzu sehr ausgekühlt.

Danach faulenzten wir am schönen, zu dieser Jahreszeit noch ruhigen Strand. Strahlend blauer Himmel und die kräftig herunterbrennende Mittelmeersonne sorgten für angenehme 27 bis 28 °C Lufttemperatur um die Mittagszeit. Am Himmel zogen einige Seevögel majestätisch ihre Kreise, vermutlich auf der Suche nach Fischschwärmen zum Jagen. Doch kein sichtbarer Vogel tauchte steil in die Meeresfluten; jedenfalls sah ich nichts davon.

Stattdessen versammelten sie sich hektisch hinter einem vor der Bucht vorbeituckernden Fischerboot und schnappten sich fraglos laut kreischend diverse Fischabfälle, die vom Boot geworfen wurden. Die Entfernung war zu groß, um das wirklich zu hören, aber wer solche Vogelschwärme hinter einem Fischerboot schon mal aus der Nähe erlebt hat, weiß, wie laut und hektisch es dabei zugeht.


 

Wir plantschten natürlich auch in den herrlichen Meeresfluten und machten eine lustige Paar-Wasserschlacht, jeder gegen jeden. Ach ja, hier sollte ich erwähnen, dass wir noch die hübsche, gertenschlanke und sich am liebsten nackig bewegende Lany dabei hatten, die irgendwie mit Paul befreundet ist. Ein entzückender Anblick für genießende Männeraugen, und sie ließ sich auch gern, völlig ungeniert, von mir fotografieren. Marina lag ebenfalls ungeniert topless auf einem Badetuch, las ein Buch, und Tori war in einem sexy-roten Bikini genauso ein reizvoller Anblick, wie ihn Männer doch immer gern sehen. Die drei sind ja außergewöhnliche Schönheiten von Model-Format, und seien wir einfach ehrlich: welcher Mann würde da nicht erfreut genauer hinschauen? grins

Schließlich bekamen wir ordentlich Hunger und wollten köstliche, griechische Speisen genießen. Dazu setzten wir mit dem am Strand liegenden Beiboot zunächst noch mal auf die Yacht über, um uns frisch zu duschen und etwas herzurichten. Dabei ergab sich die Gelegenheit, Tori doch noch in natürlich unbekleideter, ganzer Schönheit zu sehen – leider nur kurz von hinten, aber herrje, sie ist wirklich eine verdammt attraktive Frau und weiß das selbstbewusst natürlich auch genau.



 

»Was denn? Haste noch nie eine nackte Frau gesehen, oder warum blinzelst du gar nicht, haha?« lachte sie unbekümmert mit einem Blick über die Schulter zurück zu mir.

»Das ist eine unausrottbare Männerkrankheit; etwas so Schönes MÜSSEN wir einfach anstarren!« grinste ich vergnügt und betonte das „MÜSSEN“ dabei besonders.

»Charmeur, du!« schmunzelte sie fraulich selbstzufrieden und verschwand leider in ihrer Kabine, um sich zum Essengehen sommerlich zu bekleiden. Seufzend warf ich ihr noch einen Dackelblick hinterher, was mir einen kräftigen, aber dennoch zärtlichen Knuff von Marina einbrachte, die sich ebenfalls gerade ankleidete.

»Verflucht! Wer, in der an Dummheiten so reichen, menschlichen Geschichte war bloß so dämlich, schönen Frauen das Tragen von Kleidung zu erlauben?« grinste ich sehr breit und schnappte mir die Schöne für eine überfallartige Kuss- und Fummel-Attacke.

»Fraglos ein dummer Mann, hahaha.« lachte Marina nach dem langen Kuss, während wir beide nach Luft schnappten.

Zum späten Mittagessen entschieden wir uns dann für ein gutes, griechisches Restaurant mit toller Aussicht auf Bucht und Meer. Übersetzt heißt es sinnigerweise „Fischknochen-Arilla“ und wird auf Google mit hohen 4,7 Sternen im Schnitt bewertet. Es ist sehr hübsch, sauber, gepflegt und gemütlich. Zuvorkommend freundliches Personal kümmert sich prima um die Gäste, ohne aufdringlich zu wirken, und bringt exzellent zubereitete Köstlichkeiten in üppigen Portionen auf die Tische; überwiegend fangfrische Meeresfrüchte, aber die Fleischspeisen sind ähnlich gut und ebenfalls sehr lecker. Das Preisniveau liegt bei angemessenen 25 bis 35 Euro pro Person, man kann aber auch schon für 15 bis 20 Euro satt werden, und geöffnet haben sie täglich von 13 bis 21.30 Uhr.

Gut gelaunt und uns auf Anhieb wohlfühlend, wie es in solchen griechischen Tavernen meist der Fall ist, wählten wir sechs unterschiedliche Gerichte, um möglichst viel ausprobieren zu können. Wie erwartet schmeckte alles wunderbar und wir schlemmten mit ordentlichem Appetit ausgiebig. Da in der Frühsaison noch relativ wenig los war, ließ es sich der Wirt auch nicht nehmen, zu uns an den Tisch zu kommen und eine Runde auszugeben. 


 

Gäste von schönen Segelyachten werden natürlich automatisch als zahlungskräftig eingestuft, und es wird versucht, die Leute schlicht zum Wiederkommen zu animieren. Aber dennoch war es abgesehen von den legitimen Geschäftsinteressen solcher Kleinunternehmer und Gastronomen auch einfach typische, herzliche, griechische Gastfreundschaft. Und fraglos genoss er es auch, mit drei so locker-charmanten, außergewöhnlichen Schönheiten in sexy-knapper Kleidung zu plaudern und zu scherzen. Schmunzel

Wir blieben ziemlich lange dort und pichelten in angeregter Stimmung mehr guten Wein, als es nur der Durst erfordert hätte. Dementsprechend angeheitert und mit leichtem Schwips spazierten wir danach zur Verdauung entlang der malerischen Küste, mit grün bewachsenen Hügeln auf der einen und dem Meer auf der anderen Seite. Trotz des Alkoholkonsums wägten wir selbstverständlich gut ab, ob wir hier über Nacht ankern können.

Bei Westwind in einer nach Westen weit offenen Bucht liegt man hier mit auflandigem Wind auf Legerwall, wie das Seeleute nennen. Kein echter Seemann ankert gern in solchen Lagen, doch bei den aktuellen Schönwetter-Schwachwind-Vorhersagen und mit einem richtig guten Ankergeschirr an Bord, erachteten wir das Risiko als vernachlässigbar klein genug. Allan, dem die geerbte Yacht gehört, vertraute dabei auch auf meine Aussagen als generell erfahrendster Segler unserer Crew mit langjähriger Griechenlanderfahrung.

Übrigens verstehen sich er und Tori derzeit wieder besser, nachdem es einige Tage doch unübersehbar zwischen beiden gekriselt hatte. Offenbar haben sie sich, zumindest vorerst, wieder zusammengerauft.

 

Nach Sonnenuntergang sanken die Temperaturen auf 21 bis 22 °C, was bei der milden Mittelmeerluft mit nur minimalem Wind von 2 bis 3 Knoten aber immer noch sehr angenehm war. An Ausgehmöglichkeiten gibt es hier nur zwei oder drei Tavernen oder Restaurants, die alle relativ früh schließen. Es ist eindeutig eine ruhige Familienurlauber-Region, wo auch die Touristen eher früh schlafen gehen, um den ganzen Tag am Strand oder beim Wandern in den Hügeln zu genießen.

Auch wir wollten relativ früh in die Kojen gehen. Das Seglerleben macht müde, und man passt sich automatisch eher wie Bauern an den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus an. An Bord plauderten wir bei einem letzten Glas Wein im Cockpit noch ein bisschen und verschwanden nach 22 Uhr bereits in unseren jeweiligen Kabinen. Marina und ich belegen die Steuerbord-Vorschiffskabine, Lany und Paul die an Backbord, Tori und Allan die größere Heckkabine, welche durch das Cockpit im halben Kabinenraum aber nur sehr begrenzte Stehhöhe bietet; ein typisches Beneteau-Layout.

Auf so einer Segelyacht hört man sprichwörtlich jeden Pups der Anderen in ihren Kabinen, so dünn sind die Wände. Und da wir sechs alle noch das gleiche machen wollten, nämlich Liebe in den jeweiligen Kojen, gab es zu den jeweiligen Höhepunkten eindeutige, amüsante Seufzer und Stöhner zu hören, worüber man unwillkürlich grinsen muss. lach

Alle drei Kabinen haben ihre eigenen, kleinen, engen Bäder; daneben gibt es am Heck und im Vorschiff noch zwei kleine Kabinen für Kinder oder als Stauraum für Segel und Ausrüstung. Fahrtenyachten sind typischerweise sehr voll mit allen möglichen Dingen, Ersatzteilen, Werkzeug, Vorräten und vielem mehr.

Übrigens, wer sich dafür interessiert, sich aber nicht so gut auskennt: Beneteau-Yachten (und ähnliche Massenwerften wie Jeanneau oder Bavaria) werden überwiegend für den Chartermarkt produziert und bieten dafür fünf Jahre Garantie. Das bedeutet meist, dass sie 2–3 Jahre im Premium-Segment für Charterboote intensiv genutzt und nur das Nötigste gewartet werden. Danach landen die Boote weitere 2–3 Jahre in den B-Klasse Charterflotten, wo es zur Gewinnmaximierung noch weniger Wartung gibt.

Nach im Schnitt fünf Jahren werden die Boote durch neue ersetzt und auf dem Second-Hand-Markt billig verschleudert. Wer sich solche scheinbar billigen Boote kauft, bekommt dann schnell massive Probleme mit kaputtgehender Ausrüstung. Logischerweise hat Beneteau als Werft kein Interesse an Langlebigkeit, sondern will seine neue Produktion verkaufen. Das heißt: wenn man solche Yachten preisgünstig für den Privatgebrauch erwirbt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der günstige Preis täuscht.

Man muss im Allgemeinen noch mal eine ähnliche Summe und viel Eigenarbeit mit ausreichenden Kenntnissen in diese Yachten stecken, um sie für langjährigen Gebrauch seetüchtig und benutzbar zu halten. Das ist keine Kleinigkeit und auch kein Kinderspiel; nur wenige erfahrene Segler schaffen das. Anfängern oder nicht besonders erfahrenen Gelegenheitsseglern ist vom Erwerb solcher scheinbar günstigen Yachten dringend abzuraten! Du wirst nicht glücklich damit, sondern eher sehr frustriert, pleite und gibst schließlich deutlich ärmer auf, ohne wie erhofft eine schöne Yacht zu besitzen.

Wer eine zuverlässige Yacht sucht, sollte lieber nach privat genutzten Modellen oder Marken mit besserem Ruf für Langlebigkeit schauen – auch wenn diese teurer sind. Allans Yacht ist eines dieser Premium-Modelle von Beneteau, und trotzdem musste auch er schon viel Eigenarbeit und Geld zum Erhalt der Seetüchtigkeit als Fahrtenyacht investieren, was er gut beherrscht. Ein Boot wird im Grunde niemals ganz fertig und muss permanent mit hohem Einsatz gewartet und modernisiert werden. Nicht zufällig gibt es unter Fahrtenseglern den selbstironischen Spruch: „Wir segeln nicht um die Welt; zu 80 % arbeiten wir uns mit viel Schweiß voran und segeln ab und zu auch mal.“

»Was du Schlaumeier alles weißt.« stichelte Marina nach dem Liebesspiel, seitlich angeschmiegt mitlesend, als ich diesen Abschnitt in den Laptop tippte.

»Bitte nicht zu viel Bewunderung und Verehrung, sonst schwebe ich über, statt in der Koje, hoho.« gluckste ich, und wir küssten uns zärtlich-verspielt.

Die nackte Schönheit, weibliche Wärme und Weichheit ihres herrlichen Körpers so eng an mir spürend, während wir miteinander scherzend kuschelten, brachte uns ziemlich schnell zu einer weiteren Liebessrunde. Aber dann, es war inzwischen schon fast Mitternacht, duschten wir uns schnell noch mal frisch, krochen zurück in die Koje und schlummerten dann auch schnell hinüber ins Reich der Träume.

 

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