Spanien. Coruna, Törn zur Enseada de Langosteira

 

#26.09.15 – Spanien. Coruna, Törn zur Enseada de Langosteira

Gestern machten wir noch Sightseeing in A Coruña, gingen delikat zu Mittag essen, gönnten uns leckeres Speiseeis am Nachmittag und hatten einfach Spaß beim Umschauen in dieser galizischen Küstenstadt. Am Abend nahmen wir nur einen leichten Imbiss und gingen früh schlafen, um am Folgetag schon früh gegen 06:00 Uhr auszulaufen und weiter nach Süden zu segeln. Die Windbedingungen sind derzeit ideal dafür: Es weht aus nördlichen Richtungen mit 12 bis 20 Knoten, in Böen noch deutlich darüber.

»Schade, dass wir nur so kurz hierbleiben können«, meinte Bella, und dem stimmten wir alle zu.

»Ja, es würde sich lohnen, diese Gegend mal länger zu besuchen. Aber wir haben schon Mitte September und sehr günstige Winde – das sollten wir ausnutzen«, lächelte und erklärte ich, was die Crew eigentlich schon wusste.

»Hättet ihr in Vlissingen nicht wochenlang mit euren Ausrüstungsorgien herumgetrödelt, hätten wir schon früher hier ankommen können«, stichelte Kasha frech wie immer und streckte mir blitzschnell ausweichend die Zunge heraus, als ich ihr dafür einen Klaps aufs knackige Hinterteil geben wollte. »Zuuuu langsam, hahaha, du tapsiger Bär, ätsch!«

»Pass bloß auf, dass ich dich nicht in diesen schönen Brunnen da schmeiße und wie eine Katze ersäufe, hoho!«, wollte ich eigentlich drohend gucken, musste aber unvermeidlich mit ihr lachen.



 

Es waren eher Wasserspiele mit zwei bronzenen Surfer-Statuen im oberen Becken. Die ganze Küste bis Portugal ist weltweit bei Surfern berühmt und beliebt, mit angesehenen Surfing-Wettbewerben für Sportler auf internationaler Tour. Die Bronzestatuen Fuente de los Surfistas an der Ensenada del Orzán stehen dort nicht ohne Grund: Galicien gehört dank seiner exponierten Atlantiklage und verlässlichen Swells zu den besten Surfregionen Europas.

Die bekanntesten Surfspots und Events sind:

  • Pantín (Valdoviño / Ferrolterra): Das unbestrittene Mekka der galicischen Surfszene. Hier steigt Ende August mit dem Pantín Classic Galicia Pro ein traditionsreiches Qualifikationsturnier der World Surf League (WSL), das seit den 1980er-Jahren die Weltelite anlockt.
  • A Coruña (Praia do Matadoiro & Orzán): Direkt vor der Promenade mit der erwähnten Bronze-Skulptur liegt dieser Stadt-Surfspot, der besonders bei Nordwest-Swell verlässliche Wellen mitten in der City bietet.
  • Razo (Carballo): Der kilometerlange Sandstrand bildet das Tor zur Costa da Morte. Er gilt als einer der konstantesten Anfänger- und Fortgeschrittenen-Spots der Region mit zahlreichen Surfcamps.
  • Doniños (Ferrol): Ein extrem beliebter Beachbreak mit kraftvollen Wellen, der das ganze Jahr über von Einheimischen und Reisenden angesteuert wird.
  • Nemiña (Muxía): Wunderschön gelegene Bucht an der Costa da Morte unweit von Fisterra, die oft noch gute Wellen liefert, wenn es an anderen Stränden bereits zu windig ist.

Bis zu den schönen und gut geschützten Ankerbuchten im Bereich um die Enseada de Langosteira an der Costa da Morte sind es knapp 70 Seemeilen bei dieser Wetterlage mit überwiegend gutem Segelwind von Steuerbord-achteraus. Dabei sollten wir einen flotten Schnitt von um die 7 Knoten halten können, also rund 10 Stunden Segelzeit und eine Ankunft noch bei gutem Tageslicht – derzeit haben wir hier um 20:43 Uhr Sonnenuntergang.

Unser Ziel sind die malerischen Buchten um eine größere, offene Meeresbucht – der gesamten Einbuchtung südlich von Cabo de la Nave um die Fisterra-Halbinsel herum mit verschiedenen kleineren Buchten. Diese trägt keinen eigenen, gängigen Eigennamen, sondern wird einfach als Teil der Costa da Morte bzw. des Küstenabschnitts um Cabo Fisterra / Cabo de la Nave beschrieben. Die einzelnen kleineren Buchten und Strände haben ihre eigenen Namen wie Langosteira, Mar de Fóra, O Rostro usw.

Es war ein schöner Segeltörn, wobei unsere schwere, altmodisch aber hervorragend gebaute Globetrotter so richtig in Fahrt kam und in Böen zeitweise mit fast 9 Knoten durch die Wellen schnitt. Das macht Seglern natürlich große Freude! Hier die statistische Zusammenfassung:

  • Gesamtdauer: 9 Stunden, 42 Minuten
  • Durchschnittliche Geschwindigkeit über Grund (SOG): 6,9 kn
  • Maximale Geschwindigkeit über Grund (SOG): 8,7 kn
  • Minimale Geschwindigkeit über Grund (SOG): 5,3 kn

Verteilung nach Windwinkeln (TWA – True Wind Angle)

Anhand des wahren Windwinkels (TWA) lässt sich die Segelreise in deutliche Abschnitte gliedern:

  • Raumwind- bis Vorwindkurs (TWA 101° – 150°): Sehr zügige Fahrt, SOG meist im Bereich 7,0 bis 8,7 kn. Höchstgeschwindigkeit der Fahrt bei TWA 143°.
  • Fast platt vor dem Wind (TWA 160° – 178°): Geschwindigkeit fällt spürbar ab auf ca. 5,3 – 6,6 kn – ein typischer Geschwindigkeitsverlust auf tieferen Vorwindkursen.
  • Kreuz- / Am-Wind-Abschnitt / Kurswechsel (TWA 21° – 79°): Markante Kursänderung nach ca. 9 Stunden Fahrt. TWA fällt schlagartig auf 79°, danach auf 21°–22° (Am-Wind-Kurs / Wende ausgeführt). Dieses letzte Stück motorten wir überwiegend, um von Süden nach Norden in die Bucht einzulaufen und nicht noch zu kreuzen, was sich einfach nicht gelohnt hätte. Außerdem gibt es dort ein paar zu beachtende, potenziell gefährliche Untiefen – da geht man lieber kein Risiko ein.

Wir kamen bei noch auflaufender Flut an (Tidenzeiten: Niedrigwasser/Ebbe um 13:12 Uhr bei ca. -0,1 m, Hochwasser/Flut um 19:26 Uhr bei ca. +2,5 m).




 

Hier eine kurze Zusammenfassung über diese landschaftlich sehr schöne Region mit malerischen Buchten, Traumstränden und kleinen, eher dörflichen Siedlungen:

  • Das »Ende der Welt«: Schon in der Antike galt Cabo Fisterra (Cabo Finisterre) als Finis Terrae – das Ende der bekannten Erde. Die Römer beschrieben den Ort als den Punkt, an dem die Sonne jeden Abend im »dunklen Meer« (Mare Tenebrosum) versinkt. Vor ihnen verehrten die keltischen Nerier hier den Sonnenkult. Überliefert ist der legendäre Ara Solis (Sonnenaltar), der auf dem Monte Facho gestanden haben soll. Die christliche Tradition knüpft daran an: Der Apostel Jakobus soll den heidnischen Altar zerstört haben.
  • Camino-Verlängerung: Viele Jakobsweg-Pilger gehen nach Santiago de Compostela noch weiter bis hierher (ca. 90 km). Fisterra gilt für sie als der eigentliche, symbolische Endpunkt. Früher verbrannten sie hier Kleidung oder Schuhe (was heute weitgehend verboten ist), badeten und schauten dem Sonnenuntergang hinterher – ein alter Reinigungs- und Abschlussritus.
  • Costa da Morte: Der Küstenabschnitt heißt nicht ohne Grund »Todesküste«. Die Kombination aus steilen Felsen, starken Atlantikströmungen, Nebel und Stürmen hat über die Jahrhunderte ungewöhnlich viele Schiffsunglücke gefordert. Besonders bekannt ist der Untergang des britischen Kreuzers HMS Serpent 1890 (nur 3 von 176 Mann überlebten). Auch der Öltanker Prestige strandete 2002 in der weiteren Region und löste eine der größten Umweltkatastrophen Spaniens aus.
  • Lokale Mythen: Dazu kommen Geschichten von einer versunkenen Stadt (Dugium), heiligen Steinen und Fruchtbarkeitsriten. Der Ort hat also eine lange Schicht aus vorchristlichem Sonnenkult, römischer Grenzsymbolik, christlicher Pilgertradition und realer Seefahrertragik. Die Region ist also nicht nur landschaftlich eindrucksvoll, sondern auch ein klassischer »Grenzort« – geografisch, spirituell und historisch, eingebettet in eine faszinierende, zerklüftete Küste.

»Klarmachen zum Ankern!«, kommandierte Kasha beim Einlaufen in unsere Ankerbucht als aktuell Wachhabende. Ich stand neben bzw. hinter ihr und passte auf, dass sie das Manöver auch richtig fuhr, denn sie hat ja noch wenig Erfahrung. Aber sie machte alles richtig, nahm rechtzeitig Gas weg, ließ das Boot auslaufen und fügte im passenden Moment hinzu: »Fallen Anker…, alles richtig gemacht, hihi?«

»Gut gemacht, Frechdachs!«, lobte und drückte ich die Süße, wobei sie – ganz typisch für sie – ihre entzückenden Formen extra ein bisschen provokant an meine Bärenstatur schmiegte und kokett mit funkelnden Augen lächelte. »Aber vergisst du nicht was?«

»Was…? Ach so, ja, hihi…«, wartete sie, bis ungefähr 35 Meter Kette klackernd ausgerauscht waren, gab erst leicht Gas zurück, um diese zu straffen, und dann ein paar Sekunden »Voll zurück«, um den 45-kg-Ultra-Marine-Anker ordentlich im Sandgrund einzugraben.

Durch das glasklare Meerwasser konnten wir das in knapp 5 Metern Tiefe kontrollierend beobachten. Sascha setzte am Bug den massiven Mantus-Bridle auf die Kette – zwei dicke, viele Tonnen Zug aushaltende Kunstfaserleinen, welche sowohl als Ruckdämpfer als auch dazu dienen, den Zug der Kette vom Ankerspill auf ebenfalls sehr massive Poller umzuleiten. Auch bei ruhiger, schöner Wetterlage machen das Profis und erfahrene Fahrtensegler immer. Der Zug der Ankerkette sollte niemals auf dem Bug-Ankergeschirr und der Ankerwinsch lasten, das ist wichtig! An solchen Dingen kann man sofort erkennen, ob sich auf einem Boot Anfänger, Chartersegler und Unerfahrene oder echte, erfahrene Seebären befinden.

»Melde gehorsamst: Ankermanöver beendet, Captain!«, zwinkerte Kasha und wir machten uns daran das Deck aufzuklaren, wie es sich nach einem Törn ebenfalls gehört.

»Gute Arbeit, Kadett Kasha, wegtreten!«, grinste ich zurück.

Nachdem das erledigt war, machten wir uns unter Deck frisch geduscht fertig zum Ausgehen, um Einlaufdrinks zu nehmen und köstliche spanische Küche zu genießen. Kasha benutzte mal wieder unser Bad in der Achterkabine, weil Bella und ich bereits fertig waren, während Sascha im kleineren Bug-Bad die Duschkabine blockierte. Er duscht einfach zu gern ausgiebig, wenn kein Wassermangel herrscht, und zu zweit wäre es dort wie in einer Sardinenbüchse.

Das verschaffte mir eine Gelegenheit, ihre gertenschlanke, entzückende Nacktheit in voller Pracht mit den Augen zu genießen. Prompt – wie könnte es bei ihr auch anders sein – quittierte sie das mit einem süß-frechen, leicht herausfordernden Lächeln und extra provokanten Bewegungen, sodass meinen Augen auch ja nichts von all ihren verlockenden Reizen entging.

»Da guckste, was?! Willst du mir beim Einseifen helfen, haha?«

»Ein verlockendes Angebot!«, schmunzelte ich, wie immer amüsiert über ihre Frechheiten. »Aber wie ich dich kenne, bleibt es nicht beim Einseifen, hoho. Hopp, Kasha, mach dich fertig – dein ehrenwerter Skipper hat Hunger!«

Zum Speisen wählten wir das Complejo turistico El Merendero, eine private Hotelpension mit angeschlossenem Restaurant und schöner Aussicht auf die Bucht (Adresse: Rúa Alvariña, 2, 15153 Fisterra). Es gibt auch eine hübsche Außenterrasse, auf der wir bei noch angenehmen 23 Grad Platz nahmen.

 

Das Personal und unsere Bedienung Ainoa waren ausgesprochen freundlich, und nach einigem Hin und Her entschieden wir uns auf ihren Rat für eine gemischte Meeresfrüchte-Platte mit diversen Beilagen für vier Personen, dazu passenden Wein und Mineralwasser. Serviert wurde dann nicht nur eine, sondern offenbar zwei sehr üppige 2-Personen-Platten plus der lokalen Variante von Djuvec-Reis, Pommes, Salaten usw. Schon der Anblick brachte uns zum Stöhnen, denn die Menge hätte locker für sechs oder sogar sieben hungrige Pilger nach langem Fußmarsch ausgereicht.

»Oh Gott, ich glaube, davon schaffen wir vielleicht die Hälfte, wenn wir nicht vollgefressen platzen wollen, haha!«, lachte Bella.

Die schlanken Frauen achten ja ohnehin immer mehr auf ihre Figur als zwei so kräftige, gute Esser wie Sascha und ich. Aber selbst wenn wir vier hungrige Schwerarbeiter gewesen wären, hätten wir diese Mengen kaum geschafft. Und das Ganze einschließlich Getränke für unter 100 Euro für vier Personen, was ich mit Trinkgeld auf 110 Euro aufrundete – da kann man in der heutigen Zeit wirklich nicht meckern! Lokal und Pension haben im Schnitt eine Bewertung von 4,2 auf Google, wobei sich die Bewertungen der eher einfachen Pension und des Restaurants jedoch vermischen. Wenn die Speisen immer so üppig und delikat sind, würde das Restaurant eher eine 4,4 oder 4,5 verdienen.

 

»Uff, ich kann nicht mehr!«, stöhnte auch Sascha, als wir ungefähr zwei Drittel aufgegessen hatten und sich auch die Frauen mehr genommen hatten, als für reines Hungerstillen notwendig gewesen wäre.

Arg vollgefressen wollten wir natürlich nicht gleich in die Kojen, also spazierten wir noch ausgiebig in der nächtlichen, romantischen Dunkelheit herum. Glücklicherweise hatten wir kleine, aber leuchtstarke Taschenlampen mitgenommen, sodass wir auch über nicht beleuchtete Wege laufen konnten. In einem so kleinen Küstendorf mit grob geschätzt höchstens ein paar hundert Einwohnern gibt es natürlich viele nicht gut oder gar nicht mit Straßenlaternen ausgeleuchtete Wege.

»Aua, ich glaub, mich hat was in den Po gebissen, hihi!«, kicherte Kasha nach etwa einer Stunde.

»Jau… meine zärtlichen Finger, hehe.« Gluckste Sascha.

»Duuuu… haha!«, lachte der Frechdachs, und die beiden begannen sich so innig, leidenschaftlich und verlangend zu küssen, dass Bella und ich schon mal weiterliefen.

»Ich glaube, haha, die stecken inzwischen irgendwo im Gebüsch oder hinter einer Mauer und treiben es miteinander«, lachte Bella, als wir sie schließlich aus den Augen verloren.

»Na, dann sag ich nur: Viel Spaß! Und ich denke, du hast recht, hoho«, schmunzelte ich, während wir etwa eine Dreiviertelstunde weiter spazierten.


 

Am Platz, wo wir das Dinghy am Ufer festgemacht hatten, warteten wir auf die zwei. Inzwischen waren wir rund zwei Stunden umhermarschiert, es war bereits Mitternacht, und wir waren vom langen Segeltag und dem köstlichen Essen richtig müde. Vielleicht eine Viertelstunde später tauchten auch die beiden auf, und natürlich wurden viele scherzhafte Bemerkungen und Sticheleien darüber ausgetauscht, wo sie abgeblieben waren und was sie gemacht hatten. lach

Zurück an Bord rauchte ich an Deck noch eine letzte Zigarette, während sich die anderen schon in den Bädern bettfertig machten. Das erledigte ich dann auch, und kurz darauf herrschte an Bord tiefe Schlafensstille. Der Schwell in der bei Nordwinden perfekt geschützten Bucht war sehr gering; aber so ein Boot schaukelt fast immer ein wenig, was man jedoch eher als angenehmes In-den-Schlaf-Wiegen empfindet. In bequemer Schlaf- und klassischer »Löffelchen-Lage« aneinander gekuschelt schlummerten wir sehr schnell hinüber ins Reich der Träume.

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Spanien. Segelspaß, Ankunft in Coruna und Ausgehen

 


#26.09.13 – Spanien. Segelspaß, Ankunft in Coruna und Ausgehen

»Wie sieht’s aus? Schaffen wir es heute noch?«, fragte Bella, als sie sich am Türrahmen zum Bad abstützte und sich ein Handtuch um die feuchten Haare wickelte. Ich saß am Laptop und verglicht Position, Kurs, Fahrt über Grund (SOG) und die voraussichtliche Ankunftszeit (ETA).

»Schätze, wir machen noch vor 20 Uhr in A Coruña fest, Löwin«, antwortete ich und zwinkerte der Blondine zu. »Du könntest dich mal nach einer guten Tapas-Bar umsehen. Sonntags schließen in Coruna viele Läden früh, und bei den verbleibenden geht die Bandbreite von fantastisch bis Fritteusen-Katastrophe. Recherchier mal ein bisschen, wir müssen wahrscheinlich ein Stück tiefer in die Altstadt hinein.«

»Mache ich nachher gleich…«, meinte sie, beugte sich schmunzelnd zu mir herunter und umarmte mich noch völlig unbekleidet. Wir küssten uns innig, während meine Hand über ihre samtweiche Haut streichelte.

Dann gingen wir zu Kasha und Sascha ins Cockpit, wo ich mir eine Kippe anzündete und den für alle Skipper obligatorischen Kontroll-Rundumblick über das Meer und die navigatorischen Anzeigeinstrumente wandern ließ.

Die gestrige Entscheidung, stur einige Stunden unter Maschine nach Süden zu steuern, erwies sich als richtiger Schachzug. Inzwischen blies eine prächtige Brise aus Ost bis Nordost mit 12 bis über 20 Knoten. Unsere Globetrotter marschierte im Schnitt mit 7 Knoten, in den Böen schob sie sich sogar über die 8-Knoten-Marke – und das ganz ohne akribischen Feintrimm der Schoten. Am Vormittag hatte der Wind noch zaghaft mit 7 bis 12 Knoten geweht, doch wie vorhergesagt drehte die Brise auffrischend auf Nordost, je näher wir der galicischen Küste kamen.

Die Atlantikdünung stand mit guten zwei Metern aus Nord bis Nord zu West – eine ungünstige Mischung aus Wind von achtern und Welle schräg von vorn. Das ist nie sonderlich komfortabel, aber bei solchen Bedingungen kann ein schwerer S-Rundspant-Langkieler wie unsere HC-48T seine Trümpfe voll ausspielen. Trotz des soliden Winddrucks von Steuerbord-achtern rollte das Schiff spürbar. Der Autopilot stieß dabei an seine Grenzen: Das Gerät hält stur den Kompasskurs und hat kein Gespür für die Dynamik der Wellen.

Deshalb steuerten wir überwiegend von Hand. Mit etwas Gefühl am Rad lässt sich der Rumpf so durch die seitlich anrollenden Wellen zirkeln, dass der Bug sanft durch die See schneidet. Sascha hatte gerade Wache und führte das Steuer mit beneidenswerter Routine. Alles deutete auf gutes Segelfinale einer gelungenen Biskaya-Passage hin. Lieber nimmt man ein paar Stunden schwachen Wind in Kauf, als in einen herbstlichen Biskaya-Sturm zu geraten. Nicht ohne Grund fürchten Seefahrer diese Gewässer seit Jahrhunderten; die Herbststürme hier können aus einer Urlaubsfahrt rasch einen überaus gefährlichen Überlebenskampf machen.

 

»Ich habe heute noch keinen einzigen Delfin gesehen!«, zog Kasha eine enttäuschte Schnute. Das charakteristische Frechdachs-Funkeln in ihren Augen verriet mir jedoch sofort, dass sie etwas im Schilde führte, als ich hoch ins Cockpit kletterte. »Dafür gab es vorhin eine äußerst unterhaltsame Kinovorstellung, hihi.«

»Ähm… Kinovorstellung?«, stand ich für einen Moment auf dem Schlauch.

»Jaaaa…, hihi… Als ich vorhin durch eure Decksluke linste, lief da unten eindeutig ein erstklassiger Erotikfilm, hahaha!«

»Na sowas, du Freche, was soll ich dazu sagen, hoho?«, lachte ich herzhaft mit, während auch Sascha am Steuerrad erheitert vor sich hin gluckste. »Soll ich dich zur Strafe direkt über Bord werfen, kielholen oder lieber aufknüpfen lassen?«

»Egal, ich mache alles mit, haha!«, hüpfte sie mit einem Satz auf meinen Schoß und spielte das verführbare, anschmiegsame Mädel, das den Kapitän milde stimmen möchte.

Sie ist wirklich ein geborener Frechdachs – manchmal ganz schön raffiniert, aber im Herzen herzlich, fröhlich und immer auf der Suche nach dem nächsten Spaß. Und bei einer derart hübschen, lebenslustigen jungen Frau gehört zum Begriff »Spaß« eben meist auch eine charmante, sinnliche Note, die für dieses herrliche Kribbeln sorgt. Schmunzel

Ich verabschiedete mich wieder nach unten, um gemütlich aufs Sofa geflätzt Online zwei Stunden lang liegengebliebene private und geschäftliche Mails abzuarbeiten. Bella werkelte derweil in der Kombüse und versorgte die Crew mit frischen Obsttellern, dampfendem Kaffee und gekühlten Drinks. Danach klappte auch sie ihren Laptop auf, um das Gastronomieangebot rund um die Marina A Coruña zu durchleuchten.

»Na, fündig geworden?«, erkundigte ich mich, als ihr Lächeln andeutete etwas entdeckt zu haben.

»Ich denke ja! Die Tapas-Bar A Roda in der Rúa Capitán Troncoso liegt nur 15 Gehminuten von der Marina entfernt. Sie hat sonntags durchgehend von 11 Uhr bis Mitternacht geöffnet, hält eine gute Bewertung von 4,3 Google Sternen, bei fast 1.500 Rezensionen und die Fotos sehen vielversprechend aus. Die Preise sind bodenständig und es verkehren offenbar viele Einheimische dort.«

»Wo die in Lokalen essen, ist es meistens gut! Das probieren wir aus«, pflichtete ich ihr bei.

Da man in Spanien eigentlich auch an Sonntagen ein pulsierendes, mediterranes Nachtleben erwartet, ging ich der Sache noch kurz auf den Grund. Die Gemini-KI lieferte auf Nachfrage eine einleuchtende Erklärung für das ruhige sonntägliche A Coruña:

Dass im Altstadt- und Hafenbereich (Ciudad Vieja und Pescadería) sonntags viele Restaurants abends geschlossen bleiben, liegt weder an mangelnder Gastfreundschaft noch an religiöser Strenge. Es ist das Zusammenspiel aus galicischer Tradition, spanischem Arbeitsrecht und dem Rhythmus der Einheimischen:

  • Fokus auf das sonntägliche Mittagessen (El Almuerzo): In Galicien ist das sonntägliche Mittagsmahl zwischen 14:00 und 17:00 Uhr das kulinarische Highlight der Woche. Die Familien kommen zu opulenten Festmahlen mit frischen Meeresfrüchten, Pulpo á Feira oder deftiger Empanada zusammen. Nach diesem ausgiebigen Schmaus legen viele Gastronomen die Messer nieder. Abends wird zu Hause allenfalls eine Kleinigkeit genascht, sodass sich der Küchenbetrieb ab 20:00 Uhr für viele Betriebe schlicht nicht rechnet.
  • Ruhetags-Kultur und Arbeitsrecht: Das spanische Arbeitsrecht garantiert Angestellten zwei zusammenhängende Ruhetage pro Woche. Da Freitagabend und Samstag die umsatzstärksten Zeiten für die Gastronomie sind, nutzen viele familiengeführte Betriebe den Sonntagabend und den Montag als wohlverdiente Ruhetage.
  • Die Hora del Vermut: Am Sonntag zieht es die Einheimischen vor allem zwischen 12:00 und 15:00 Uhr zum Apéro auf die Straßen. Nach diesem geselligen Tapeo leert sich die Altstadt zusehends. Man verbringt den Abend im Kreis der Familie, um montags ausgeruht in die Arbeitswoche zu starten.
  • Rhythmus des Hafenviertels: Das Areal rund um den Hafen lebt unter der Woche stark von Geschäftsleuten und tagsüber von Kreuzfahrttouristen. Wenn am späten Sonntagnachmittag die Kaimauern leer sind und die Büros ruhen, bricht die Laufkundschaft weg.

Tipp für Sonntage in A Coruña:

  • Mittags ausgiebig schlemmen: Verlegt die Hauptmahlzeit nach spanischer Sitte auf den Nachmittag (ab 14:30 Uhr).
  • Tapas-Bars statt Speiselokale: Wer abends Ausgehen möchte, orientiert sich in den Gassen wie der Rúa Galera oder Rúa Barrera an den traditionellen Tapas-Bars. Diese bieten oft durchgehend warme Kleinigkeiten an, selbst wenn die klassischen Restaurants ihre Küchen geschlossen halten.

Ein faszinierendes Beispiel dafür, wie KIs den Alltag vereinfachen, aber auch Nachteile bringen können. Früher hätte ich mich durch dutzende Reiseführer und Foren wühlen müssen, um diese Hintergründe zu verstehen. Die Technik spuckt das in Sekunden aus. Ob es dadurch bald überhaupt noch klassische Reiseberater, gedruckte Reiseführer, Reiseblogs wie meinen braucht, oder die Leute alle ihre Arbeit verlieren, die bisher davon lebten diesen Content zu produzieren, wäre ein spannendes Thema zum Philosophieren – aber das würde den Rahmen dieses Blogs sprengen.


 

Etwa 15 Minuten vor der Einfahrt in die Ria da Coruna meldete uns Bella beim Maritime control tower of La Coruña per Funk an und dann steuerten wir den Liegeplatz am Steg in einer Marina an. Der Yachthafen Coruña befindet sich im Herzen der Altstadt, wo sich Gärten, Plätze, Denkmäler und Kirchen mit Geschichte sowie Restaurants mit besonderem Charme vermischen. Marina Coruña bietet eine Vielzahl von nautischen Aktivitäten, Jollensegeln für Kinder, Erwachsene, Kajaks, Restaurant und Cafeteria für die breite Öffentlichkeit geöffnet. https://marinacoruna.es

Die Marineros empfingen uns trotz der Abendstunde ausgesprochen hilfsbereit und nahmen unsere Leinen entgegen. Auch das Rezeptionspersonal erwies sich als zuvorkommend. Die Stege liegen ruhig und zentrumsnah östlich der Altstadt. Saubere Sanitäranlagen mit heißem Duschwasser stehen bereit, auch wenn wir unsere bordeigene Dusche vorzogen. Wasser ist am Steg inklusive, Strom wird nach Verbrauch abgerechnet.

»Ich freue mich riesig auf fantastische Tapas, einen guten Tropfen Wein und endlich wieder festen Boden unter den Sohlen! Ihr euch auch?«, strahlte Bella, nachdem das Boot aufgeklart, die Fender festgezurrt und wir uns stadtfein gemacht hatten.

»Und wie! Passt auf, ihr Spanier, jetzt kommen wir, haha!«, lachte Kasha voller Tatendrang, und wir schlenderten gemeinsam los.

Es war mittlerweile 21 Uhr durch, das Thermometer zeigte milde 18 Grad und die Wetterprognose versprach sonnige Tage. Das Castelo de Santo Antón erstrahlte in warmem Scheinwerferlicht und wachte über die Hafeneinfahrt. Die imposante Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert wurde einst auf einer kleinen Felseninsel erbaut, um die Stadt vor Angreifern von der See her zu schützen. Im Laufe der Jahrhunderte diente das Bollwerk als Gefängnis sowie als Lazarett. Seit den 1960er-Jahren beherbergt es das Städtische Archäologische und Historische Museum (Museo Arqueolóxico e Histórico de A Coruña). In den Kasematten lassen sich keltisch-galizische Fundstücke wie der berühmte Goldring Torques de Xanceda, römische Relikte sowie historische Kanonen besichtigen. Heute verbindet ein bequemer Damm das Kastell mit dem Festland, und die begehbaren Wehrgänge bieten einen atemberaubenden Panoramablick über die gesamte Bucht.


 

Vom Marinator bis zur Bar A Roda sind es Luftlinie nicht einmal 700 Meter; durch die verwinkelten Gassen summierte es sich auf einen gemütlichen Kilometer. Im Lokal wurden wir herzlich in Empfang genommen. Eine überaus flinke und charmante Kellnerin namens Ana nahm sich unserer an. Wir sicherten uns einen Tisch und bestellten eine bunte Palette galicischer Spezialitäten, feinen spanischen Rotwein und kühles Mineralwasser.

Der Andrang hielt sich in Grenzen – der Sonntagabend ist wie oben beschrieben offensichtlich kein klassischer Ausgehtag für die Einheimischen. Zur Freude von Kasha und Bella knüpften wir über einen Vierbeiner am Nebentisch blitzschnell Kontakt zu einem mittelalten Pärchen. Der kleine, wuschelige Hund namens Cabo – ein treuherziger Terrier-Schnauzer-Mischling – himmelte die zwei Blondinen von der ersten Sekunde an, als wäre er ein verliebter Bursche.

Ein drolliges Kerlchen, das sich genüsslich hinter den Ohren kraulen ließ. Wir fragten die Besitzer höflich, ob der Süße ein Stückchen Fleisch abstauben dürfe. Das Paar sprach zwar nur gebrochenes Englisch, aber man verstand sich trotzdem. Sie hatten sichtlich Spaß daran, wie die Mädels mit ihrem Hund schmusten.

»Ach, ist der süß… Komm her Cabo, komm… hihi«, lockte Kasha den Vierbeiner wie eine ausgefuchste Verführerin mit einem Häppchen Fleisch. »Schaut nur, wie treu und lieb er guckt!«

»Und was ist mit dem armen, hart schuftenden Kapitän?«, brummte ich gespielt beleidigt. »Verdient der etwa keine Streicheleinheiten und Leckerlis?«

»Ahaha, Steve wieder… na gut Bärchen, dann lass dich auch füttern!«, lachte Bella herzlich. Sascha grinste breit; auch das spanische Paar verstand die Gesten und Körpersprache sofort und amüsierte sich über unsere feucht-fröhliche Runde.

Die beiden waren bodenständige, außerordentlich sympathische Leute. Für tiefergehende Fachsimpeleien über Beruf und Alltag reichten die Sprachkenntnisse zwar nicht ganz aus, aber die freudliche Ausstrahlung sprach Bände. Sie gingen liebevoll miteinander und mit ihrem Hund um und freuten sich sichtlich über die mitreißende Lebensfreude der Mädels. Sascha ist zwar im selben Alter wie die beiden und kann genauso ausgelassen sein, wirkt jedoch durch seine nautische Ausbildung deutlich gesetzter. Die Seefahrt duldet keinen Leichtsinn; man lernt früh, Verantwortung zu übernehmen.

Der deutsche Begriff »Schiffbautechniker« greift für sein Berufsbild etwas zu kurz. Im modernen Yachtbereich trifft es die englische Bezeichnung Marine Service Engineer oder Yacht-Mechatroniker wesentlich genauer. Sascha ist ein wahrer Refit-Spezialist und Systemintegrator für moderne Bordelektronik, Navigation und vernetzte Bordsysteme.

»Auf uns! Das war ein schöner Schlag über die Biskaya, und ihr wart eine gute Crew«, erhob ich das Weinglas. Die Gläser klangen hell zusammen.

»Und auf unseren tollen Captain, der jeden Spaß mitmacht, uns so viel beibringt und alle auf Augenhöhe behandelt«, erwiderte Bella mit einem ganz speziellen, fraulichen Blick, der einem Mann eine angenehme Gänsehaut über den Rücken jagt.

»Oho, besten Dank! Aber macht mich hier bloß nicht verlegen«, schmunzelte ich galant zurück.

Wir schwelgten in kulinarischen Genüssen, und ich kann die 4,3-Sterne-Bewertung für die Bar A Roda als angemessen bestätigen. Das Lokal ist nichts Besonderes, aber das Essen schmeckt lecker, die Portionen sind üppig und die Atmosphäre ist ehrlich und herzlich. Unsere Kellnerin Ana glänzte mit trockenem Humor, was ich beim Bezahlen nach 23 Uhr natürlich mit einem großzügigen Trinkgeld honorierte.


 

»Uff, ich bin zwar müde, aber viel zu vollgefressen, um direkt in die Koje zu krabbeln«, stöhnte Kasha gut gelaunt und leicht beschwipst vom kräftigen Rotwein. »Lass uns noch etwas durch die Gassen schlendern. Vielleicht entdecken wir ja noch eine Bar für einen Absacker!«

»Seefahrt macht hungrig und müde, aber ein kleiner Verdauungsspaziergang hat noch niemandem geschadet«, stimmte ich zu. So schlenderten wir durch die nächtliche, ruhige Altstadt.

Die Einschätzung zu den lokalen Gepflogenheiten durch Gemini bestätigte sich auf Schritt und Tritt: Die meisten Lokale hatten längst die Schotten dichtgemacht oder gar nicht erst geöffnet. Außer uns war fast niemand in den Gassen unterwegs, was in südlichen Ländern eher ungewöhnlich ist. Doch kurz vor Mitternacht stießen wir in der Rúa Marqués de Pontejos auf eine liebevoll gestaltete Sportsbar mit dem simplen Namen Sport. Von drinnen drang mitreißende Live-Musik auf die Straße. Rund 20 Gäste scharten sich um eine winzige Bühne, auf der ein Duo aus Sängerin und Tänzer das Publikum einheizte.

Spontan beschlossen wir, dort einzukehren. Die Stimmung in dem bis 2 Uhr geöffneten Laden war hervorragend, die Gäste aufgeschlossen und der Barkeeper überaus gastfreundlich. In Spanien schließt man schnell Kontakte, wenn man den Leuten mit offenem Herzen begegnet. Bella und Kasha zogen mit ihrer strahlenden Erscheinung natürlich einige Blicke auf sich – da sich aber auch einige charmante, attraktive Señoritas unter den Gästen befanden, fielen sie vor allem durch ihre blonden Mähnen auf.

 

Dass wir als Langstreckensegler auf der Durchreise waren, ist in einer Hafenstadt wie A Coruña natürlich keine Sensation. Dennoch entwickelten sich wunderbare Gespräche, und wir amüsierten uns prächtig bis tief in die Nacht, auch wenn der lange Tag auf See langsam seinen Tribut forderte und wir das Gähnen kaum noch unterdrücken konnten. Die Bar bietet zwar auch kleine Snacks an, aber wir beschränkten uns nach dem üppigen Mahl zuvor natürlich auf Drinks. Wer eine unkomplizierte Kneipe für Nachtschwärmer mit gemütlichem Ambiente und fairen Preisen sucht, ist in der Bar Sport bestens aufgehoben.

Leicht beschwipst und mit müden Knochen traten wir schließlich den Rückweg an Bord an. Nach einer schnellen Dusche sanken wir bester Laune in die Kojen, wo mich der Schlaf augenblicklich überwältigte… schnarch

 

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