Lissabon, Arbeitsfortschritte, eine Vernissage und ein Wiedersehen

 

#26.06.16– Lissabon, Arbeitsfortschritte, eine Vernissage und ein Wiedersehen

»Hm, das duftet gut und fühlt sich herrlich an.« Vicky säuselte diese Worte mit geschlossenen Augen vor sich hin, während sie nach der morgendlichen Dusche ihren schönen, schlanken Körper mit einer reichhaltigen Sonnenschutz-Kokosmilch einbalsamierte – der Duft nach Kokos und Vanille vermischte sich mit dem frischen Aroma von feuchter Haut und dem leichten Salzgeschmack der Meeresluft, die durch das geöffnete Fenster hereindriftete.

»Du kannst ja viel behaupten, meine Liebe, aber der Captain muss diese Behauptung zur Sicherheit erst einmal höchstpersönlich und äußerst sorgfältig prüfen!« Zwinkerte ich ihr mit einem unübersehbar genießenden Blick zu, trat von hinten ganz nah an sie heran, atmete den exotischen Duft ein und strich mit den Händen über ihre warme, weiche Frauenhaut. Ich musste unwillkürlich lachen: »Stimmt auffallend. Duftet ausgesprochen gut und fühlt sich unter den Fingern sogar noch besser an, hoho!«

»Nimm sofort deine zärtlichen Bärenpranken von mir, du unverbesserlicher Gauner! Los, beweg dich, wir müssen zum Frühstück, die anderen warten schon!«

Sie wehrte mich mit einem fraulich zufriedenen Schmunzeln ab, schlüpfte gekonnt unter meinen Armen durch und drängte mich in Richtung des hellen Salons. Wenig später saßen wir alle zusammen auf dem hübschen Wohnzimmerbalkon, wo Britt und Demo bereits den gesamten Frühstückstisch liebevoll gedeckt hatten. Es fehlte an nichts: Frischer Kaffee dampfte in den Tassen, und in einer großen Glaskaraffe wartete ein eiskalter, selbstgemixter Obstsaft-Mineralwasser-Mix auf uns. Bei sonnigen, wunderbar angenehmen 23 °C und einem lauen Vormittagslüftchen plauderten wir in aller Seelenruhe über den anstehenden Tag und koordinierten unsere Pläne.

Die Wege unserer kleinen Reisegruppe sollten sich heute für eine kurze Weile trennen. Demo hatte sich vorgenommen, noch einen vollen Tag lang intensiv am Boot des holländischen Seglerpaares zu arbeiten, und Britt wollte hier bleiben, um ihm Gesellschaft zu leisten und ihm bei Bedarf bei den handwerklichen Handreichungen assistieren zu können.

Vicky und ich hatten dagegen ein ganz anderes Ziel vor Augen: Wir würden uns auf den Weg nach Lissabon machen, wo sie eine exklusive Einladung zu einer hochkarätigen Kunst-Vernissage vorliegen hatte. Ein wohlhabender, kunstsinniger Mäzen, den die drei übrigens schon vor meiner Ankunft an der Algarve in der lokalen Marina kennengelernt hatten, hatte uns für diese Zeit eine Unterkunft in seinem privaten Palácio angeboten – einem herrschaftlichen Anwesen südöstlich von Lissabon.

Am heutigen Abend würde eine von ihm und ähnlich vermögenden Sammlern gesponserte High-Society-Vernissage stattfinden, auf der auch Vicky die Gelegenheit erhalten sollte, ein paar ihrer außergewöhnlichen Werke zu präsentieren, um potenzielle Käufer aus der Oberschicht zu ködern.

Bevor wir allerdings endgültig die Autobahn Richtung Norden ansteuerten, machten wir noch einen kurzen Abstecher zum aufgebockten Liegeplatz der Nauticat in dem bereits beschriebenen, großen maritimen Dienstleistungszentrum. Die für den Rumpfanstrich und die fachgerechte Erneuerung der Seeventile zuständigen Leute der Fachfirma – Vasile, Adriano und die taffe Bürokraft Maria – entdeckten uns sofort, begrüßten uns überaus freundlich und servierten uns erst einmal guten Kaffee, während wir gemeinsam den aktuellen Fortgang der Arbeiten besprachen.

Das Team war mit den anspruchsvollen Aufgaben bereits beachtlich weit vorangekommen und bog sprichwörtlich auf die Zielgerade ein; es waren im Grunde nur noch ein paar kleinere, finale Nacharbeiten an den Kanten notwendig. Diese kosmetischen Korrekturen wollten sie im Laufe des heutigen Tages komplett beenden, sodass der frische, schützende Unterwasseranstrich danach noch einige Tage im ungestörten Sonnenschein und dem warmen, trockenen Klima der Algarve vollständig durchhärten konnte. Es sah alles nach professioneller, erstklassiger Handwerksarbeit aus. Wir waren sichtlich erleichtert, sparten nicht mit ehrlichem Lob für die Truppe und vor allem Britt und Vicky waren derart begeistert über das Ergebnis, dass sie zur großen Freude der Männer großzügig dankbare Umarmungen und kleine Küsschen auf die Wangen verteilten. schmunzel

»Mensch, das sieht einfach großartig aus, voll schön!« strahlte Britt über das ganze Gesicht und setzte ihr weiblich raffiniertes, charmantes Sexappeal dabei fast noch ein Stück gekonnter und offensiver ein als Vicky.

»Yep, da kann ich nur zustimmen. Was meinst du dazu, Captain? Das ist doch wirklich erstklassige Arbeit geworden, oder?« fragte Vicky mit einem stolzen Lächeln.

Währenddessen nahmen Demo, der von Bootsfarben und Lackierungen ehrlicherweise sogar noch mehr versteht als ich, und meine Wenigkeit den frisch glänzenden Rumpf genau unter die Lupe.

»Ich sehe beim besten Willen nichts, worüber man sich hier ernsthaft beschweren könnte«, stellte ich wohlgefällig und zufrieden fest. »Die ganz kleinen Schmierer und minimalen Fehler an den Rändern wollen die drei ja heute noch akribisch korrigieren.«

»Klasse! Das ganze Boot sieht von außen jetzt wirklich fast wieder aus wie ein Neu.«

Den detaillierten Bericht von Meister Joao über die sorgfältige Prüfung der Ruderanlage, hatten wir ja bereits am Vortag erhalten – inklusive der schriftlichen Bestätigung, dass keinerlei verdeckte Schäden oder Ermüdungserscheinungen im Material vorliegen. Wir trennten uns also mit einem zufriedenen Gefühl von den Handwerkern und freuten uns schon jetzt darauf, die Nauticat gegen Ende der Woche endlich wieder schwimmend in ihrem Element zu sehen. Ein billiges Vergnügen ist so ein umfassender Werftaufenthalt inklusive Material und Facharbeitsstunden natürlich keineswegs; für alle durchgeführten Arbeiten dürften am Ende wohl um die 9.000,- Euronen fällig werden. seufz

Wir verabschiedeten uns herzlich voneinander, und Britt begleitete Demo direkt weiter zu seiner heutigen Arbeitsstelle an der Trintella. Vicky und ich machten uns derweil auf den Weg zur Autovermietung, bei der ich am Vortag vorsorglich ein schickes Mercedes E-220 Cabriolet reserviert hatte. Die Station von . Locauto Portimão>>>, in der Rua Dom Carlos I Nummer 98 ist eine empfehlenswerte Adresse mit ausgesprochen freundlichem Personal, einer angenehm unkomplizierten Abwicklung und fairen Preisen ohne versteckte Kostenfallen im Kleingedruckten.


 

»Du luxusverwöhnter, unverbesserlicher Verschwender!« stichelte Vicky mit einem augenzwinkernden Lächeln, als wir vor dem eleganten, weißen Cabriolet standen und ich den Schlüssel entgegennahm.

Sie amüsierte sich köstlich darüber, dass ich mich nicht für einen der typischen, erheblich billigeren Kleinwagen entschieden hatte, die man sonst so als Standard-Mietkiste angedreht bekommt. Aber in Wahrheit freute sie sich natürlich insgeheim genauso wie ich über den fahrbaren Untersatz. So ein Wagen – den ich als treuer Mercedesfahrer seit gefühlten Ewigkeiten im Alltag gewohnt bin – ist einfach erheblich bequemer auf der Langstrecke und macht beim Cruisen dreimal so viel Spaß. Das war mir der moderate Aufpreis unter dem Strich definitiv wert.

Wer meine Blog-Einträge schon länger mitliest, kennt ja meine tief verwurzelte Vorliebe für die Marke mit dem Stern und die praktischen Gründe dafür. Besonders angenehm finde ich bei diesen Autos zudem immer wieder, dass jeder an Mercedes gewöhnte Fahrer alle wichtigen Schalter, Hebel und Funktionen blind an exakt der gewohnten Stelle vorfindet und man sich dadurch auf Anhieb in jedem Modell weltweit augenblicklich »wie zu Hause« fühlt.

Mit dem Wagen holten wir am Appartement schnell noch ausreichend Sachen für eine geplante Übernachtung ab und verstauten eine gut isolierte E-Kühltasche mit frischem Obst und kühlen Getränken im Kofferraum mit Stromanschluss. Bei dem herrlichen, aber glücklicherweise noch nicht zu heißen Sommerwetter mit inzwischen etwa 26 °C öffneten wir das Verdeck vollständig und kosteten das fantastische Cabrio-Feeling in vollen Zügen aus. Die warme Luft strich uns um die Ohren, während die Sonne sanft auf unsere Haut brannte und das leichte Rascheln der Palmen am Straßenrand den Fahrtwind untermalte.

Das Navigationssystem veranschlagte für die rund 270 Kilometer lange Strecke nach Norden etwas unter drei Stunden reine Fahrtzeit. Da wir uns aber fest vorgenommen hatten, aus der Fahrt ein entspanntes Sightseeing mit ausgiebigen Kaffeepausen und gemütlichen Rauchstopps in den malerischen Landschaften zu machen, stellten wir uns eher auf gute fünf Stunden ein. Der größte Teil der Route führte uns über die mautpflichtige Autobahn A-2 mitten durch das dünn besiedelte, weite portugiesische Inland. Es war ein wunderbares Cruisen mit viel Schauen, Entdecken und gelegentlichen Zwischenstopps, um eine besonders reizvolle Aussicht auf die sanften Hügelketten zu genießen.

Am hübschen und für einen normalen Autobahnrastplatz erstaunlich sauberen und gut geführten Colibri-Área de Serviço A2 Almodôvar>>> legten wir nach einer Weile den ersten längeren Zwischenstopp ein. Wir holten uns zwei gute Kaffees und versorgten uns an der Theke mit üppig und frisch belegten Sandwiches als deftigem Reiseproviant. Der gesamte Rasthof machte einen tadellosen, gepflegten Eindruck, das Personal war ausgesprochen hilfsbereit und die Preise befanden sich im fairen Rahmen – keineswegs so unverschämt überteuert, wie man es leider beispielsweise auf vielen deutschen Autobahn-Rasthöfen über sich ergehen lassen muss.


 

»Ach… ich liebe meine nordische Heimat ja wirklich; aber dieses herrlich milde, südliche Klima, die entspannte Lebensart der Menschen hier, die malerischen alten Bauten und diese weiten Landschaften – das hat einfach eine ganz besondere Magie!« Vicky räkelte ihre schlanken Formen sichtlich genießend auf den Stühlen der hübschen Außenterrasse, während wir den heißen Kaffee schlürften und uns eine Zigarette anzündeten.

»Und vor allem ist es hier unten im Südwesten Europas nicht so bitterkalt wie in deiner Heimat Karelien meistens!« piekte ich sie mit einem breiten Lächeln in die Seite. »Aber jetzt mal ganz im Ernst: Ich mag meine südwestdeutsche Heimat ja eigentlich auch gern, und das Klima dort im Rheingraben ist ja durchaus schon erheblich milder als bei dir im Norden. Aber so richtig rundum wohl fühle ich mich eben vor allem in den sonnigen Südländern, in den Subtropen und Tropen. Die Wärme und die südländische Gelassenheit liegen meinem Naturell einfach definitiv mehr.«

»Eine typische Steve-Antwort, haha!« Vicky lachte laut auf und streichelte mir mit den Fingerspitzen zärtlich über den Unterarm. »Ein schlichtes, kurzes ‚Ja‘ genügt bei dir eben nie, du musst aus jeder Mücke immer gleich eine überlegt reflektierende Beschreibung der gesamten Weltlage hinzufügen.«

»Ja…« grinste ich nur, trank den letzten Schluck des starken Kaffees aus und zündete mir gut gelaunt noch eine Kippe an.

»So ist’s brav, haha!«

Sie amüsierte sich sichtlich über mich, während unsere Hände eine Weile miteinander spielten und die Finger sich ineinanderschoben. Bald darauf brachen wir wieder auf, fuhren gemütlich weiter landeinwärts und machten nach gut zwei Dritteln der gesamten Strecke noch einmal an einem kleinen, abgelegenen Parkplatz halt. Dort verputzten wir im Schatten der Bäume die zuvor gekauften Sandwiches, die wirklich lecker schmeckten, und bedienten uns am frischen Obst und den eiskalten Getränken aus unserer Kühltasche. Zwecks ein bisschen körperlicher Bewegung nach dem langen Sitzen beschlossen wir, noch eine halbe Stunde in der Umgebung spazieren zu gehen.

Hinter einem dichten, wild wuchernden Bewuchs – von der Autobahn und dem Parkplatz aus nicht sichtbar – entdeckten wir zufällig eine halb verfallene alte Ruine. Vermutlich handelte es sich dabei um ein ehemaliges, historisches Bauernhaus oder ein altes Landgut, das vor Jahrzehnten aufgegeben worden war. Sofort blitzte in uns beiden zeitgleich exakt derselbe Gedanke auf: Das war die perfekte Kulisse für ein paar klassische Schnappschüsse nach dem altbewährten künstlerischen Kontrast-Muster »junge, blühende Schönheit in alten, verfallenden Gemäuern«.

»Na los, Captain, worauf wartest du noch? Zück gefälligst die Kamera und knips ein paar Bilder, statt mich nur mit großen Augen anzuglotzen!« schmunzelte Vicky fraulich-frech.

Sie schlüpfte innerhalb von wenigen Sekunden mit ein paar geübten Bewegungen aus ihrer sommerlich-luftigen Kleidung, warf die Sachen auf einen alten Balken und begann sogleich, vollkommen nackt, sexy und unbeschwert vor den bröckelnden Steinmauern zu posieren. Obwohl, das Wort »Posieren« trifft es bei ihr eigentlich gar nicht richtig. Bei ihr wirkt so etwas auf den Bildern fast nie wie das künstliche, einstudierte Gehabe eines typischen Fotomodels. Bei ihr sieht es schlicht und ergreifend immer so aus wie bei Nudisten, die sich einfach vollkommen natürlich nackt in ihrer Umwelt bewegen und sich absolut nichts dabei denken – falls sie überhaupt einen Gedanken daran verschwenden.

 

»Dass ich hier immer die ganze Arbeit an der Kamera machen muss…« grummelte ich spielerisch genervt, während ich das Objektiv einstellte. »…kann ich deine schönen, schlanken Formen nicht einfach mal ganz ohne Technik mit meinen eigenen Augen genießen, hoho?«

»Kannst du, darfst du natürlich jederzeit, mein großer Bär«, zwinkerte sie mir verschmitzt zu. »Aber du bist nun mal der leidenschaftliche Knipser weiblicher Schönheit, also beschwer dich nicht!«

»Stimmt auffallend, Madam…«

Ich griff natürlich mit Freude nach der Kamera, stolperte im Eifer des Gefechts prompt über einen am Boden liegenden Bruchstein und wäre um ein Haar mitsamt der teuren Ausrüstung der Länge nach hingeknallt. Das brachte sie natürlich nur noch mehr zum Lachen. Nach zwei oder drei richtig guten Aufnahmen im Kasten spürten wir beide definitiv die Lust auf einen schnellen, intensiven Quickie inmitten der alten Ruinen aufkommen. Doch wir blieben am Ende beide beherrscht und vernünftig: Wir wollten auf gar keinen Fall verschwitzt und nach Sex duftend bei unserem vornehmen Gastgeber ankommen.

Also packten wir die Sachen wieder zusammen, fuhren bald weiter und verließen an einer großen Mautstelle – ich glaube, der Name auf dem Schild lautete Praça de Portagem – endgültig die Autobahn A-2. Schließlich erreichten wir das hübsche und architektonisch durchaus beeindruckende Palácio unseres Gastgebers über eine herrschaftlich angelegte Auffahrt, die sich inmitten eines großen, parkähnlichen Gartens mit angrenzenden Plantagen dahinzog. Das Anwesen lag idyllisch direkt neben einer kleinen, gepflegten Siedlung mit schätzungsweise kaum einhundert Einwohnern.

Das mächtige Hauptgebäude strahlte vom ersten Moment an eine vollkommen ruhige, aristokratische Atmosphäre aus und war ein wunderbares, klassisches Beispiel für die traditionelle Herrenhaus-Architektur der Alentejo-Region. Es handelte sich um ein historisches Herrenhaus auf einem riesigen Landgut mit einer langen, wechselvollen Geschichte, die uns der Hausherr später sehr freundlich und detailliert erzählte.

Die tiefen Ursprünge des Anwesens reichten tatsächlich bis weit ins 12. Jahrhundert zurück. Damals stand an genau dieser Stelle eine wehrhafte Kapelle der Ritter des legendären Ordens von Santiago, die während der historischen Reconquista eine strategisch wichtige Rolle bei der Rückeroberung der Region spielte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude verständlicherweise mehrfach umgebaut, zerstört und erweitert. Im 18. und 19. Jahrhundert entstand schließlich der heutige Palácio in seiner prachtvollen Form, der über lange Zeit als Residenz eines einheimischen Grafen diente.

Zwischenzeitlich wurde die Anlage auch mal als exklusives Luxus-Hotel-Resort genutzt, und heute dient es, von Grund auf wunderschön restauriert und behutsam modernisiert, als private Residenz eines steinreichen Unternehmers südöstlich außerhalb von Lissabon. Seinen echten Namen soll ich hier im Blog auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin nicht nennen, und ich darf auch nur in einem sehr begrenzten Rahmen Fotos von dem Anwesen veröffentlichen – von ihm selbst oder seiner Familie verständlicherweise gar keine. Offensichtlich legt der distinguierte Herr allergrößten Wert auf Diskretion, was sicherlich auch handfeste Sicherheitsgründe hat. Menschen in dieser Wohlstandsklasse leben leider oft in der latenten Furcht vor Entführungen von Familienmitgliedern und nachfolgenden Erpressungen durch kriminelle Banden.

»WOW! Das ist wirklich absolut beeindruckend und wunderschön, wie du hier lebst!« Vicky fiel dem gut 50-jährigen, elegant gekleideten Herrn zur Begrüßung vollkommen unbeschwert und mit ihrer lockeren Herzlichkeit direkt um den Hals. Der Hausherr duldete die stürmische Umarmung mit einem amüsierten Schmunzeln und einem leisen Lächeln, begrüßte mich im Anschluss mit einem festen Gentleman-Handschlag und überließ uns dann dem diskreten Hauspersonal, das uns erst einmal zu unserer Unterkunft führte.

Die aufwendigen Restaurierungen und Modernisierungen des Palácio wurden im Laufe der Jahre bewusst so behutsam durchgeführt, dass das klassische, historische Ambiente in jedem Raum weitestgehend erhalten blieb. Dadurch wirkte das gesamte Interieur herrlich gemütlich und auf eine edle Art altmodisch. Insbesondere die traditionelle, weltberühmte portugiesische Kachel-Kunst – die sogenannten Azulejos – war an den Wänden überall perfekt erhalten geblieben, respektive fachgerecht restauriert. Das ist wie so vieles im Leben natürlich ein wenig Geschmackssache, passte hier jedoch perfekt hinein und hinterließ einen authentischen Gesamteindruck.

 

In der uns zugewiesenen, riesigen Suite – allein das angeschlossene Badezimmer war flächenmäßig ein gutes Stück größer als so manche normalen Hotel-Gästezimmer –, machten wir uns erst einmal gründlich frisch. Vicky zog sich im Anschluss ein elegantes, hübsches Kleid an, das deutlich besser in dieses aristokratische Umfeld passte als ihre lockeren Seglerklamotten. Der für uns zuständige Gäste-Butler informierte uns mit einer zurückhaltenden, geradezu ehrerbietigen Höflichkeit darüber, dass der Hausherr geschäftlich noch bis etwa 17:30 Uhr vollauf eingespannt sei. Wir könnten uns in der Zwischenzeit auf dem gesamten Anwesen völlig frei bewegen. Falls wir irgendwelche Wünsche bezüglich Essen, Getränken oder sonstigen Anliegen hätten, bräuchten wir einfach nur ihn oder ein anderes Mitglied des Haushaltspersonals darauf anzusprechen.

Pünktlich um 18:15 Uhr sollten wir uns dann in der großen Eingangshalle einfinden, um gemeinsam mit den Hausherren in seiner chauffierten Limousine zur Vernissage nach Lissabon zu fahren. Dort wartete auch ein exquisites Abend-Büffet auf die geladenen Gäste, und die Veranstaltung sollte sich bis etwa Mitternacht hinziehen. Über 120 geladene Besucher wurden für den Abend erwartet – eine bunte Mischung aus wohlhabenden Kunstsammlern, Kritikern und Mäzenen.

Mehrere gesponserte Künstler bekamen an diesem Abend die Gelegenheit, ihre Werke im typischen, aber unaufdringlichen High-Society-Rummel zu präsentieren, und auch für Vicky war ein fester Ausstellungsplatz reserviert worden. Der Dresscode lautete sommerlich locker, aber elegant. Erfahrungsgemäß fand sich auf solchen exklusiven Events für jeden präsentierten Künstler mindestens ein ernsthafter Interessent, Käufer oder ein lukrativer Folgeauftraggeber unter den wohlhabenden Gästen.

Vickys ungewöhnliche Kunst, die hauptsächlich aus großformatigen, detailreichen Zeichnungen besteht, hatte gute Chancen, an diesem Abend einiges an Aufmerksamkeit zu erregen – schlicht, weil etwas Vergleichbares in diesen traditionellen Kreisen noch fast nie präsentiert worden war. Solche großformatigen Original-Zeichnungen – gefertigt mit Kohle und Bleistift auf schwerem Papier und mit nachträglichen Vintage-Effekten versehen – werden in der Kunstwelt oft als »Vintage Mugshot«, »Retro Wanted Poster Art« oder »Noir Criminal Portrait« bezeichnet.

Dieser ganz spezielle Stil ist seit 2023 und 2024 vor allem in der internationalen KI-Kunst-Szene populär geworden. Er wird aber von traditionellen, analogen Zeichnern natürlich schon sehr viel länger verwendet und als handgefertigte Kunst auf dem Markt vermarktet. Vicky hatte in der Vergangenheit tatsächlich schon einige dieser aufwendigen Werke zu recht beachtlichen Preisen verkaufen können; in der Spitze bekam sie für eine rund 2x2 Meter große Zeichnung dieses Stils einmal umgerechnet beachtliche 18.000,- Euro – es handelte sich dabei um ein kunstvoll verfremdetes, aber sofort identifizierbares Doppelporträt zweier weltberühmter Persönlichkeiten.

»Hoffentlich gelingen mir heute Abend ein oder zwei gute Verkäufe«, meinte Vicky mit einem hoffnungsvollen Unterton, als wir vor der Abfahrt für noch ein bisschen körperliche Bewegung durch die malerische Umgebung des Landguts spazierten. »Ich würde dir nämlich unheimlich gern so schnell wie möglich deinen großzügigen Vorschuss zurückzahlen, Steve.«

»Ich drücke dir auf jeden Fall beide Daumen ganz fest«, lächelte ich, nahm sie im Gehen aufmunternd in den Arm und drückte sie kurz fest an mich. Inzwischen hatten wir draußen an die 30 °C erreicht, und bei der engen körperlichen Berührung kam man in der stehenden Luft sofort leicht ins Schwitzen. »Aber wie ich dir schon oft gesagt habe: Mach dir bloß keinen künstlichen Druck oder Eile. Lass dir alle Zeit der Welt die du brauchst und stottere den Betrag einfach ganz entspannt so ab, wie es deine Finanzen eben zulassen.«

»Danke, du Lieber!« Bekam ich einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen, und sie rieb ihre schönen, kurvigen Formen frech lächelnd ein bisschen an meinem Körper, bevor wir wieder Richtung Haupthaus umkehrten.


 

Seit sie vor Monaten aufs Boot umgezogen ist und ihr Leben hauptsächlich auf dem Wasser verbringt, ist das kontinuierliche Herstellen und professionelle Vermarkten ihrer Kunst logischerweise deutlich komplizierter geworden als zuvor an Land, wo sie noch ein großes, festes Atelier besaß. Auf oder genauer gesagt in einem ständig schwankenden, relativ kleinen Segelboot inmitten einer feuchten Salzwasserumgebung, muss sie bei der Arbeit sorgfältig und gut geplant vorgehen. Meistens hat sie eines ihrer neuesten Werke komplett luftdicht in Spezialfolie eingeschweißt unter dem Lattenrost des großen Doppelbettes in der Heckkabine gelagert, um es bei passenden Gelegenheiten sofort unbeschadet präsentieren zu können.

Von ihrem Laptop aus kann sie zudem bei Ausstellungen mittels eines kompakten Beamers unterschiedliche digitale Scans ihrer Bilder hochauflösend auf eine Leinwand projizieren. Eine eigene Online-Verkaufsseite sowie mehrere professionell geführte Promotion-Influencer-Accounts betreibt sie natürlich ebenfalls: Als Model postet sie ebenfalls regelmäßig sexy Bilder von sich und hat sich so im Laufe der Zeit eine treue Gefolgschaft von ein paar Zehntausend Followern aufgebaut.

Britt handhabt das übrigens ganz ähnlich und kommt mit ihren Profilen sogar auf sechsstellige Followerzahlen, was ihr dementsprechend solide, regelmäßige Online-Einnahmen einbringt. In Vickys skandinavischer Heimat lagern zudem – gut behütet und verwaltet von ihrer Familie – noch etliche weitere dieser großformatigen Originale, die dann bei konkretem Interesse sofort per Spedition weltweit an den Käufer versendet werden können.

Nach unserem Spaziergang legten wir in der kühlen Suite noch eine wunderbare Siesta ein, liebten uns ausgiebig und erschienen schließlich pünktlich zur vereinbarten Abfahrt frisch geduscht und passend gestylt in der großen Halle. Unser galanter Gastgeber machte Vicky auf dem Weg ebenfalls ein wenig Hoffnung und betonte, dass er unter den geladenen Gästen der Vernissage mindestens vier finanzkräftige Teilnehmer persönlich kenne, die sich für ihre spezielle Art der Kunst interessieren dürften.

Die Fahrt zum Ausstellungsort, der nahe dem breiten Rio Tejo und der großen Bucht lag, dauerte in der komfortablen Limousine rund 45 Minuten, während derer wir uns locker und ungezwungen unterhielten. Der Hausherr entpuppte sich auch im privaten Gespräch als ein ungemein interessanter, hochgradig gebildeter und kluger Typ, der auf uns beide durchweg sympathisch und bodenständig wirkte.

Übrigens ist Portugals weltberühmte Hauptstadt Lissabon mit ihren rund 550.000 Einwohnern im globalen Vergleich eigentlich eher eine mittelgroße, sogar fast klein zu nennende Stadt. Aber sie ist lebendig, pulsierend und zu einem Großteil einfach hübsch anzusehen – vollgepackt mit einer reichen Kultur und einer jahrhundertealten Geschichte. Ich selbst war nun schon seit einigen Jahren nicht mehr hier gewesen und hatte mir fest vorgenommen, dass wir, bevor wir wieder zurück an die Algarve fuhren, zumindest einen vollen Tag lang ausgiebiges Sightseeing in den alten Gassen machen würden.

Da wir das normale Mittagessen heute komplett hatten ausfallen lassen, zog es mich gleich nach unserer Ankunft in der Halle magisch an das exquisite, üppig bestückte Büffet. Vicky schnappte sich ebenfalls schnell ein paar leckere Happen zur Stärkung und kümmerte sich dann sofort mit fokussiertem Eifer um den professionellen Aufbau ihrer Präsentation an dem ihr zugewiesenen Platz. 

 

Der offizielle Veranstaltungsbeginn der Vernissage für das geladene kunstinteressierte Publikum war auf 20 Uhr angesetzt; wir hatten also noch etwas Zeit, und sie erledigte das Arrangement mit nur wenig Hilfe von mir oder den fleißigen Organisations-Mitarbeitern routiniert und zügig. So etwas Ähnliches hatte sie auf ihrem langen Segeltörn vom Baltikum bis hierher nach Portugal schließlich schon etliche Male in verschiedenen europäischen Küstenstädten erfolgreich durchgezogen.

Dann schlug die Stunde, die Tore öffneten sich und die elegant gekleideten Menschen strömten in die große, stimmungsvoll ausgeleuchtete Ausstellungshalle, die in verschiedene künstlerische Bereiche unterteilt war. Es handelte sich überwiegend um gut situierte, vermögende bis steinreiche Leute – eine absolut typische Upperclass-Vernissage, auf der das »normale« Publikum und gewöhnliche Kunstinteressierte am heutigen Abend keinen Zutritt erhielten; die breite Masse durfte erst an den beiden darauffolgenden Tagen in die Hallen.

Vicky blieb verständlicherweise fast ununterbrochen wie festgewurzelt an ihrem Präsentationsplatz stehen, um sofort auf jeden potenziellen Interessenten eingehen und ihre Techniken erklären zu können. Ich übernahm in dieser Zeit den Part des fürsorglichen Managers und versorgte sie vom wirklich erstklassigen Feinkost-Büffet und der gut sortierten Getränkebar regelmäßig mit frischem Essen und kühlen Drinks. 

 

Wenn sie dann doch mal dringend für ein paar Minuten auf die Toilette verschwinden musste, hielt ich solange am Stand die Stellung und vertröstete die herantretenden Interessenten bei tiefergehenden Fragen charmant darauf, dass die Künstlerin in wenigen Augenblicken persönlich zurückkehren und alle Details umfassend beantworten würde. Ansonsten nutzte ich die Zeit, schlenderte entspannt durch die Gänge, schaute mir die von den anderen Künstlern präsentierten Werke an und plauderte gelegentlich unverbindlich mit diversen Besuchern.

Um ehrlich zu sein: Nahezu alles, was zu diesem Anlass am heutigen Abend an moderner Kunst gezeigt wurde, entsprach so gut wie gar nicht meinem persönlichen Geschmack. Ich bin ohnehin kein allzu großer Kunst-Fan und ertappe mich oft bei dem Gedanken, dass es in dieser Szene meistens sehr viel mehr um die pompöse Show und nicht selten egomanisches Sehen-und-Gesehen-Werden geht als um das eigentliche Handwerk.

Am ehesten können mich noch klassische, handwerklich meisterhafte Werke faszinieren, obwohl es natürlich auch in früheren Epochen der Kunstgeschichte bei den alten Meistern schon massiv um die zur Vermarktung notwendige Selbstdarstellung ging. Mit dem, was heutzutage gemeinhin unter dem Begriff »Moderne Kunst« auf den Markt geworfen wird, kann ich im Allgemeinen reichlich wenig anfangen. Aber selbstverständlich respektiere ich die tiefe Leidenschaft der Künstler für das, was sie da tun – ganz unabhängig davon, ob es mir nun persönlich zusagt oder nicht.

Nachdem ich mich ein weiteres Mal am reichhaltigen Büffet gestärkt und mich mit einem Glas exzellenten Wein versorgt hatte, schlenderte ich wieder gut gelaunt durch die Gänge. Dabei bemerkte ich eine rassig-südländisch wirkende, attraktive junge Frau von vielleicht 23 Jahren, die mich nun schon seit einer ganzen Weile mit offensichtlich gesteigertem Interesse aus der Ferne beobachtete. Ihr dunkles, glänzendes Haar fiel ihr in weichen Wellen über die Schultern, und ihr bauchfreies Oberteil betonte ihre grazilen Kurven, während sie sich mit der Anmut und dem Sexappeal von Fashion-Models durch die Menge bewegte.

Für das ansonsten etwas steife Niveau dieser Veranstaltung war sie ungewöhnlich sexy-casual gekleidet: Sie trug eine helle, verwaschene Jeans und ein ziemlich knappes, bauchfreies weißes Oberteil, unter dem sie offensichtlich keinen BH trug. Ihre grazilen Bewegungen deuteten sofort auf ein professionelles Fashion-Model hin, und ich überlegte im Gehen angestrengt, ob ich ihr vielleicht in der Vergangenheit auf einem der vielen Model-Events oder Castings begegnet war – fand jedoch auf die Schnelle keinerlei konkrete Erinnerung in meinem Schädel. Als sich unsere Blicke schließlich direkt trafen und ich ihr natürlich höflich-freundlich zulächelte, fackelte sie nicht lange: Sie kam mit federnden Schritten direkt auf mich zu und schmunzelte mich auf Deutsch mit einem süßen, holländischen Akzent an:

»Ich wette ein Vermögen darauf, dass du dir gerade ganz gewaltig den Kopf zerbrichst, dich aber beim besten Willen nicht an mich erinnern kannst, stimmts? Hey, ich bin Lois – und du bist doch dieser bekannte Fotografen-Captain Steve?«

»Hallo Lois, sehr erfreut!« Ich musste lachen. »Stimmt auffallend, der bin ich. Und du scheinst mich ja offensichtlich zu kennen, während ich im Moment ehrlicherweise noch absolut keine Ahnung habe, woher wir uns kennen und wer du bist. Ein Model, vermute ich mal stark?«

»Aye, Sir! Model und manchmal auch ein bisschen Künstlerin«, lächelte sie auf eine sympathische, selbstbewusste Art, wie sie erfolgreichen Frauen eigen ist, die keine Probleme mit ihrer Weiblichkeit haben. »Aber mach dir bloß keine Vorwürfe: Es ist schon eine ganze Weile her. Ich war damals noch ein ziemlich naives Anfänger-Nachwuchsmodel; ein dummes kleines Mädchen, das noch von absolut nichts eine Ahnung hatte, als wir uns mal bei einem großen Casting begegnet sind.«

»Aha…, na dann ist es aber erst recht erstaunlich, dass du dich überhaupt noch nach all der Zeit an mich erinnerst und mich hier im Getümmel anscheinend sofort wiedererkannt hast?« Ich wunderte mich nun nicht mehr ganz so sehr. Solche Begegnungen sind mir in der Vergangenheit schon gelegentlich passiert; ich war ja früher jahrelang ziemlich aktiv in der internationalen Model-Branche unterwegs und pflege auch heute noch viele gute Kontakte in diese Kreise.

»Das ist gar nicht so erstaunlich, wie du jetzt vielleicht vermutest!«

Sie blinzelte mir charmant und mehrdeutig zu – auf diese ganz spezielle, weibliche Art, die besonders Models oft an den Tag legen, weil sie schlichtweg gerne Frau sind und sich ihrer Wirkung auf Männer vollkommen bewusst sind.

»Ach ja? Und weshalb…? Weißt du was, kann ich dir vielleicht erst einmal einen Drink besorgen und wir plaudern in Ruhe weiter?« Wir bewegten uns während des Redens bereits automatisch in Richtung eines freien, etwas abseits aufgestellten Stehtisches am Rande der großen Halle.

»Das ist gar nicht nötig…« Lois stoppte kurz und schnappte sich mit einer grazilen Bewegung im Vorbeigehen eine gefüllte Champagner-Flöte vom silbernen Tablett einer vorbeilaufenden Bedienung. »…ich erinnere mich deshalb noch so gut an dich, Steve, weil du damals im Vergleich zu all den anderen Typen einfach… ungewöhnlich warst.«

»Hm, das höre ich zwar nicht zum ersten Mal in meinem Leben, Lois, aber inwiefern genau meinst du in diesem Fall ‚ungewöhnlich‘? Komm, lass uns doch am besten mal nach draußen vor die Tür gehen, damit ich mir eine Zigarette anzünden kann.«

Ich nahm einen kräftigen Schluck von meinem Wein und wies mit der Hand in Richtung eines gläsernen Seitenausgangs, da in der gesamten Ausstellungshalle typischerweise ein striktes Rauchverbot herrschte.

»Sehr gerne – vorausgesetzt, du bläst mir den Rauch nicht direkt ins Gesicht!« Zwinkerte sie mir locker zu, hakte sich ganz ungeniert und vertraut bei mir unter, und gemeinsam gingen wir hinaus an die frische Luft. Draußen war es mit mittlerweile knapp 20 °C angenehm frisch geworden – ein wunderbarer Kontrast zu dem zwar klimatisierten, aber durch das pralle Sonnenlicht des Tages und die vielen Menschen ziemlich aufgeheizten Innenräumen des Gebäudes.

»Also, Lois? Schieß los, was war denn damals an mir so ungewöhnlich?« fragte ich schmunzelnd, während ich mir die Kippe ansteckte. Ich ahnte natürlich schon im Stillen, was jetzt wahrscheinlich als Antwort kommen würde… und traf damit voll ins Schwarze.

»Du warst damals bei diesem anstrengenden Casting einer der ganz, ganz wenigen, der uns junge Nachwuchsmodels nicht wie seelenlose Püppchen oder austauschbare Kleiderständer behandelt und unhöflich herumkommandiert hat. Du warst ein echter Gentleman, Steve. Heute, mit ein paar Jahren mehr Erfahrung in der Branche, kenne ich den Unterschied natürlich ganz genau. Du hast uns dumme Mädels, die wir damals die Köpfe noch voller Illusionen, Ängste und großer Träume hatten, trotz allem immer mit echtem menschlichen Respekt und richtig nett behandelt. Das vergisst man nicht.« Lois lächelte mich bei diesen Worten auf eine sehr ehrliche und sympathische Weise an.

 

Sie ist nicht unbedingt das, was man eine klassische, makellose Modelschönheit nach dem Lehrbuch nennen würde, aber sie besitzt ein ausdrucksstarkes, fotogenes Gesicht, hat eine fantastische Figur und wirkte insgesamt einfach wie ein nettes, bodenständiges weibliches Wesen – ein Mensch, mit dem man sich gern auf Anhieb anfreundet und in dessen Gesellschaft man sich locker wohlfühlt. Eindeutig gehörte sie nicht zu dieser Sorte von kalt berechnenden Models, die primär nach ihrem eigenen finanziellen Vorteil oder reichen Männern Ausschau halten und ihre äußerliche Attraktivität und ihr Sexappeal gezielt als Waffe einsetzen.

Wir plauderten in der Folgezeit den typischen, entspannten Kennenlern-Smalltalk und lachten herzlich über die damalige Casting-Begegnung, an die ich mich beim besten Willen absolut nicht mehr im Detail erinnern konnte. Das wäre allerdings auch ein echtes Wunder gewesen: Wenn man sich als Fotograf über viele Jahre hinweg in den großen Modelkreisen von Paris, Mailand und anderen Metropolen bewegt, hat man es im Laufe der Zeit tatsächlich mit Tausenden von jungen Girls und Frauen zu tun, die einem irgendwo kurz begegnen, für ein paar Minuten vor der Kamera stehen oder mit denen man mal ein paar flüchtige Worte gewechselt hat. Es ist schlicht völlig unmöglich, sich all diese schönen Gesichter zu merken, wenn man nicht über einen längeren Zeitraum konkret miteinander zu tun hat, Kontaktdaten austauscht oder mehrere Shootings miteinander durchzieht, bei denen man sich intensiver kennenlernt.

Nun, ich könnte hier noch seitenweise über unser langes Gespräch im Mondschein schreiben, aber das würde den zeitlichen Rahmen dieses Blog-Eintrags definitiv sprengen. Nur so viel sei verraten: Dieses Mal machten wir Nägel mit Köpfen und tauschten tatsächlich unsere Kontaktdaten aus. Lois erwähnte zum Abschied noch mit einem vielsagenden Lächeln, dass sie mir in naher Zukunft gern mal als Model zur Verfügung stehen würde – und das ohne finanzielles Interesse, einfach so, just for fun an der kreativen Arbeit vor einer Kamera.

Später am Abend schlenderte ich, in Begleitung von Lois, wieder zurück zum Stand und löste Vicky an ihrem Präsentationsplatz ab, damit sie sich auch mal ein wenig die Beine vertreten und etwas essen konnte. Bei dieser Gelegenheit lernten sich die beiden Frauen auch gleich kennen und verstanden sich auf Anhieb blendend. Als die Vernissage gegen Mitternacht schließlich langsam ausklang, konnte Vicky eine positive Bilanz ziehen: Sie hatte tatsächlich eines ihrer großformatigen Werke für stolze 6.500,- Euro an einen betuchten Sammler verkauft, und zwei weitere Interessenten hatten ihre Visitenkarten hinterlassen und ernsthaftes Interesse bekundet, in den nächsten Tagen über einen Kauf zu verhandeln.

Es war also unter dem Strich ein rundum erfolgreicher, gelungener und zudem auch noch interessanter Abend mit vielen neuen, wertvollen Bekanntschaften und wirklich exquisiten Köstlichkeiten vom Feinkost-Büffet. Aus Höflichkeit unserem großzügigen Gastgeber gegenüber, der nach dem langen Stehen verständlicherweise ziemlich müde war und am liebsten gleich auf direktem Weg zurück zu seinem Palácio fahren wollte, verzichteten wir darauf, noch weiter in der Innenstadt von Lissabon umherzuziehen.

Wir stiegen gemeinsam in die wartende Limousine, deren klimatisierte Luft eine angenehme Kühle nach dem warmen Abend bot. Die Lederpolster rochen nach neuem Auto und diskretem Luxus, während wir uns zurücklehnten und die Lichter der Stadt langsam hinter uns verschwanden.

Vicky bedankte sich während der Fahrt noch einmal überaus charmant für die exklusive Einladung und das Vorstellen der potenziellen Interessenten. Sie freute sich verständlicherweise riesig darüber, eines ihrer aufwendigen Bilder direkt an den Mann gebracht zu haben. Das Ganze wurde praktischerweise als Sofort-Verkauf ihres einzigen ausgestellten Original-Bildes per sekundenschneller Online-Direktüberweisung abgewickelt, sodass sich das Geld bereits auf der Rückfahrt auf ihrem Konto befand.

So gingen wir beide am Ende bester Laune, wohlig müde und frisch geduscht gegen 01:30 Uhr in der Nacht in unserer Suite ins Bett, schmusten noch eine Weile sinnlich miteinander. Irgendwann pennten wir schließlich tiefenentspannt ein… schnarch

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Algarve, Britts Avancen, ein Ausflug und abendlicher Partyspaß

 

#26.06.14– Algarve, Britts Avancen, ein Ausflug und abendlicher Partyspaß

»Morning, Britt! Wo sind denn alle abgeblieben?«

Mit diesen Worten stieß ich auf dem morgendlichen Weg in die Küche beinahe mit der skandinavischen Schönheit zusammen, die mir munter entgegenkam. Ich steuerte zielgerichtet auf die Arbeitsplatte zu, um mich erst einmal mit einer reifen Banane und einer großen Tasse frisch gebrühtem, dampfendem Kaffee zu versorgen, bevor mein Gehirn überhaupt auf Betriebstemperatur hochfahren konnte.

Aus irgendeinem mir völlig unbekannten Grund hatte ich heute ungewöhnlich lange verschlafen. Mein persönlicher Standard liegt eigentlich bei ziemlich exakt sieben Stunden festem Schlaf – das reicht mir völlig aus, um topfit, voller Tatendrang und gut erholt aufzustehen. Doch als ich heute den ersten Blick auf die Küchenuhr warf, war es bereits kurz vor 10 Uhr vormittags. Ich hatte also rund neuneinhalb Stunden in den Federn gelegen. Und das so tief und fest, dass ich vom lautlosen Aufstehen, dem Huschen im Flur und dem anschließenden Frühstück der anderen drei rein gar nichts mitbekommen hatte.

Das war für meine Verhältnisse ausgesprochen ungewöhnlich. Aber manchmal macht der menschliche Körper eben einfach, was er will, schaltet eigenmächtig auf Erholung und holt sich genau das, was er in diesem Moment anscheinend dringend braucht. Eigentlich hatte ich in den letzten Tagen und Nächten ausreichend Schlaf bekommen, weshalb ich mich im ersten Moment ein wenig über mich selbst wunderte. Doch was solls, egal – der Tag war noch jung und die Sonne brannte ohnehin schon verlockend heiß vom Himmel.

»Morning, Captain Schlafmütze! Demo ist schon längst drüben bei seinem Job und Vicky ist vor einer halben Stunde in die Stadt gegangen, um ein paar frische Sachen für das Mittagessen einzukaufen«, schmunzelte Britt.

Die blonde Schwedin lief übrigens gerade vollkommen ungeniert topless in einer engen, Bluejeans durch die Wohnung. Ihre Haare schön glattgebürstet, und sie bot in diesem matten Vormittagslicht, das durch die Balkontür fiel, einen fantastischen und gleichzeitig herrlich natürlichen Anblick. Für genießende Männeraugen ist so eine Szene natürlich jedes Mal ein kleines Fest, besonders weil bei ihr nichts Künstliches oder Aufgesetztes mitschwang. Es war für sie in diesem Moment einfach die normalste Sache der Welt, barfuß und oben ohne, mit wogendem, wunderschönem Busen herumzulaufen.

 

»Ach ja, stimmt, den Job hatte ich heute Morgen glatt völlig vergessen…«

Ich warf die Schale der aufgegessenen Banane in den Abfalleimer unter der Spüle und nahm mit der anderen Hand die frisch durchgelaufene Tasse Café-Crema mit der perfekten, nussbraunen Schaumkrone aus der Maschine. Ein älteres, ausgesprochen sympathisches holländisches Seglerpaar, das wir vor ein paar Tagen im Hafen kennengelernt hatten, hatte Demo für gutes Geld engagiert. Er sollte seine beachtlichen handwerklichen Fähigkeiten nutzen, um einige dringend notwendige Wartungsarbeiten und knifflige Reparaturen an ihrer schicken, klassischen Trintella-Yacht durchzuführen.

Die beiden Holländer nutzten die Zeit, während ihr schwimmendes Zuhause in guten Händen war, für einen dreitägigen Ausflug ins hügelige Hinterland der Algarve. In solchen Dingen ist Demo in seinem Element. Er ist handwerklich sehr geschickt und beherrscht praktisch alle Gewerke an Bord aus dem Effeff – selbst komplexe, moderne Yacht-Elektronik, das Auslesen von Fehlerspeichern und das präzise Programmieren von Navigationseinheiten sind für ihn kein Problem. Hauptsächlich auf diese ehrliche, solide Art verdient er sich unterwegs auf den Weltmeeren sein Geld und steuert regelmäßig Beträge zur gemeinsamen Bordkasse bei.

»Du, hör mal, Steve, ich wollte sowieso etwas Wichtiges mit dir bequatschen«, sagte Britt mit einem Mal und folgte mir mit leisen Schritten zur großen Balkontür.

Ich trat hinaus auf den sonnenbeschienenen Balkon, um eine Zigarette zu rauchen. Die anderen drei rauchen zwar auch alle mehr oder weniger regelmäßig, aber wir haben uns von Anfang an darauf geeinigt, die Bude drinnen auf keinen Fall mit kaltem Qualm zu verräuchern. Deshalb gehen wir für den Tabakgenuss konsequent immer nach draußen an die frische Luft.

»Schieß los, was gibt’s denn?«

Ich schaute sie fragend von der Seite an, während ich den ersten tiefen Zug nahm und meinen Blick gleichzeitig über das unverbaute, weite Vorfeld unseres Appartements schweifen ließ. Von hier hatte man eine hübsche Aussicht bis hinunter zum glitzernden Strom des Rio Arade, auf dem bereits etliche Segelboote, kleine Fischerkähne und Ausflugsdampfer unterwegs waren.

Die Sonne schien ungehindert vom makellosen, tiefblauen Himmel und beleuchtete die gesamte Landschaft in dieser intensiven, kontrastreichen Art, wie es eben nur echtes, pralles Sonnenlicht in den südlichen Regionen Europas vermag. Mit Temperaturen von aktuell etwa 27 °C und einem schwachen, angenehm salzigen Wind, der aus südöstlichen Richtungen vom offenen Atlantik herüberwehte, war es draußen auf dem Balkon jetzt schon herrlich sommerlich.

»Wir sprachen heute Morgen beim Frühstück schon kurz darüber…, also, du weißt ja, dass wir das Boot damals zusammen mit einem Kumpel von Demo vom Baltikum bis hierher an die Algarve gesegelt haben.«

Britt warf bei diesen Worten mit einer eleganten, sehr fraulichen Bewegung ihre blonde Mähne über die Schulter zurück. Durch diesen Schwung geriet ihr wunderschön geformter, fester Busen ganz leicht in Bewegung, was in der hellen Vormittagssonne unweigerlich den Blick anzog. Sie kam noch einen kleinen Schritt näher an mich heran, blickte mir mit ihren klaren, blauen Augen direkt ins Gesicht und signalisierte mir mit zwei ausgestreckten Fingern, dass sie sich gern einen Zug aus meiner Zigarette klauen wollte.

»Ja, Britt, ich höre?«

Ich steckte ihr die brennende Zigarette, eine Marke aus hochwertigen Tabaksorten ohne jedwede künstliche Zusatzstoffe, sanft zwischen die vollen, sinnlichen Lippen. Ich wollte mir gerade eine neue anstecken, doch sie legte sanft, aber bestimmt stoppend eine Hand auf mein Handgelenk, schüttelte den Kopf und meinte mit rauchiger Stimme:

»Lass mal, ein einziger Zug genügt mir schon. Also, es war damals auf so: Wir sind zu dritt in der Lage, die Nauticat sicher zu navigieren, die Segel richtig zu trimmen und Kurse zu plotten. Das ist überhaupt keine Frage. Aber Demos damaliger Kumpel, ein etwas älterer Ex-Arbeitskollege von ihm, hatte während des gesamten Törns die feste Rolle des Skippers inne und trug die Hauptverantwortung. Ganz ehrlich, diese finale Verantwortung trauen sich weder Vicky noch Demo so richtig zu, und ich erst recht nicht. Ich kann das Boot als Wache steuern, Befehle ausführen und einigermaßen auf der Seekarte mitplotten, aber mehr traue ich mir im Moment einfach nicht zu.«

»Und worauf genau willst du jetzt hinaus, schöne Britt?« Ich lächelte sie an, während ich mich lässig gegen das Balkongeländer lehnte. Ich ahnte natürlich bereits recht genau, in welche Richtung dieses Gespräch laufen sollte – das war bei ihren diplomatischen Andeutungen ja nun wirklich nicht allzu schwer zu erraten.

»Na ja, wir können das Boot zwar im Alltag sicher handhaben und auch weitere Strecken von segeln. Aber wir drei sind uns untereinander doch einig, dass wir für die Rolle eines alleinverantwortlichen, erfahrenen Skippers in schwierigen Situationen einfach noch nicht fit genug sind. Besonders dann nicht, wenn wir im kommenden Herbst wirklich den großen Sprung über den Atlantik wagen und in die Karibik segeln wollen.«

Sie sprach diese Worte mit viel Bedacht und einer Ernsthaftigkeit aus, die man hinter ihrer sonst so lockeren, frech-unbekümmerten Art im ersten Moment gar nicht vermutet hätte. Hier kam deutlich zum Vorschein, dass sie, genau wie in ihrem anspruchsvollen Job als diszipliniertes Profi-Model, abseits des Spaßes durchaus verantwortungsbewusst, reif und vorausschauend denken konnte.

»Das ist vernünftig überlegt, Britt!« Nickte ich zustimmend.

»Du hast einfach diese wahnsinnig große, jahrzehntelange Erfahrung auf allen Weltmeeren, Steve. Du könntest uns bis zum Herbst hier unten noch viel beibringen. Oder noch besser…« Sie hielt kurz inne, sah mich vielsagend von unten herauf an und lachte leise. »…du segelst einfach zusammen mit uns noch länger, vielleicht sogar über den großen Teich! Deshalb frage ich dich jetzt ganz direkt: Hättest du nicht Lust dazu, einfach viel länger mit uns an Bord zu bleiben und mit uns zu segeln?«

»Aha, ich ahnte es doch, hoho!«

Ich musste unwillkürlich schmunzeln. Vor allem amüsierte mich die Art und Weise, wie sie mich dabei auf eine typisch raffinierte, urweibliche Art ein bisschen verlockend von der Seite anschmachtete. Sie sorgte bei ihren kleinen Schritten auf dem Balkon eindeutig ganz bewusst dafür, dass ihr nackter, perfekt geformter Busen mehrmals wie rein zufällig meinen Oberarm streifte. Das war genau die subtile Taktik, die Frauen eben instinktiv gern anwenden, wenn sie einen Mann mit sanfter, erotischer Gewalt dazu bringen wollen, genau das zu tun, was sie sich in den Kopf gesetzt haben.

»Nun, liebe Britt, es geht hier im Kern überhaupt nicht um die Frage, ob ich ‚Lust dazu‘ habe«, erklärte ich ihr mit ruhiger Stimme, während ich den Rauch in den blauen Himmel blies. »Lust zum Segeln habe ich im Grunde immer, das ist eine große Leidenschaft meines Lebens. Und mit einer so sympathischen, unkomplizierten Crew wie euch dreien erst recht, auch wenn die Nauticat ehrlicherweise ein gutes Stück kleiner ist als die Bootsgrößen, die ich normalerweise für ausgedehntes Fahrtensegeln bevorzuge. Aber Vicky hat euch doch bestimmt schon ausführlich erzählt, wie mein Leben und meine geschäftlichen Verpflichtungen typischerweise so ablaufen?«

»Yep, das hat sie natürlich getan… aber kannst du dich denn nicht einfach für eine längere Zeit komplett freimachen, wo du dieses freie Seglerleben auf dem Meer doch genauso liebst wie wir? Es wäre echt voll steil, wenn du für die nächsten Wochen oder sogar Monate unser fester Captain wärst und uns den letzten Schliff verpassen würdest!«

Sie strahlte mich aus funkelnden Augen an. In diesem Blick schwang allerdings noch ein ganz anderer Unterton mit, eine feine Andeutung, deren tiefere Bedeutung mir in diesem Moment noch nicht ganz klar war.

»Nun ja…, unter gewissen Umständen könnte das tatsächlich im Bereich des Möglichen liegen«, gab ich gedehnt zu. »Aber du musst verstehen: Wenn bei mir geschäftlich oder privat irgendetwas wirklich Wichtiges oder Dringendes dazwischenkommt, dann muss ich von heute auf morgen den Flieger nehmen, die Zelte hier abbrechen und kann unter Umständen nicht mehr so schnell zurück an Bord kommen.«

»Das ist uns völlig klar, aber versuch es doch bitte einfach! Ich ganz persönlich würde mich besonders auf dem offenen Ozean mit einem so erfahrenen, seefesten Skipper wie dir einfach sehr viel sicherer fühlen.« Sie schmachtete mich bei diesen Worten noch ein Stück verlockender an, während ihre blauen Augen im prallen Sonnenlicht förmlich blitzten.

»Das will ich gern versuchen, Britt. Und ja, um ehrlich zu sein, ich hätte selbst riesige Lust darauf, länger mit euch auf dem Wasser unterwegs zu sein«, lächelte ich ehrlich.

Ich trat einen Schritt auf sie zu, nahm sie kurz von der Seite kameradschaftlich in den Arm und drückte sanft, aber zustimmend ihre nackte Schulter. Doch als ich den Arm gleich darauf wieder sinken lassen wollte, passierte etwas Überraschendes: Sie ließ mich nicht so einfach gehen, sondern schmiegte sich auf eine sehr dezente, einladend weibliche Art fest in meine Flanke und blieb einfach so an meiner Seite stehen.

»Mensch, toll, danke, Steve! Und du… da wäre noch etwas, das ich auf dem Herzen habe.«

»Was denn noch, du Maßlose, hoho?« Stöhnte ich spielerisch übertreibend auf, verzog das Gesicht zu einer gequälten Maske und zündete mir direkt die nächste Zigarette an, von der sie sich sogleich ganz selbstverständlich den nächsten tiefen Zug nahm. Da es mittlerweile ohnehin schon stramm auf die Mittagszeit zuging und es meinen gut trainierten 94 Kilo Lebendgewicht sicher nicht schaden würde, hatte ich beschlossen, das normale Frühstück heute komplett ausfallen zu lassen. Ich wollte höchstens noch einen kleinen Happen frisches Obst zu mir nehmen.

»Haha, jetzt tu mal bitte nicht so, als wäre ich dir lästig oder als wärst du genervt von mir! Ich merke doch ganz genau, wie gut ich dir gefalle und wie du mich ansiehst. Das kannst du ruhig offen zugeben, großer Bär!«

»Okay, okay, erwischt, erdolcht und komplett durchschaut, hoho! Du hast ja recht. Also, worauf willst du hinaus, Britt? Was liegt noch an?«

»Ich… also, ich habe in meinem Leben schon immer extrem viel Wert auf meine persönliche Freiheit gelegt«, begann sie, während sie den Rauch langsam ausstieß und den Blick auf den Fluss richtete. »Ich hasse diesen typischen, klassischen Beziehungsstress mit krankhafter Eifersucht, ständigen Vorwürfen und engen Besitzansprüchen. Das engt mich ein und nimmt mir die Luft zum Atmen. Genau aus diesem Grund gefiel mir von Anfang an die völlig freie, polyamore Lebensart von Vicky und Demo so unglaublich gut. Und du lebst doch genau denselben polyamourösen Lebensstil, nicht wahr?«

»Völlig richtig, Britt. Ich verabscheue diesen ganzen, gesellschaftlich so typischen Beziehungsfrust mit Eifersüchteleien, Kontrollzwang und dem absurden Anspruch, ein Besitzrecht auf den Körper und die Gefühle des Intim-Partners zu haben. Aber worauf genau willst du mit dieser Frage jetzt hinaus…? Oh, warte mal, ja, ich kann es mir wohl denken.«

Ich schmunzelte heiter vor mich hin, war amüsierter denn je und dachte mir im Stillen einmal mehr, dass es eigentlich absolut unglaublich ist, was für faszinierende, unvorhersehbare Wendungen ich im Umgang mit dem schönen Geschlecht immer wieder erleben darf.

»Ja, haha, genau das!« Britt lachte laut auf, stand immer noch vollkommen entspannt und reizvoll topless neben mir, während ihr wunderschöner Busen im Rhythmus ihres Lachens verlockend wogte.

»Jetzt mal ganz im Ernst, Steve: Ich würde es unheimlich gerne mal am eigenen Leib ausprobieren, wie es sich in einer richtig funktionierenden, polyamourös lebenden Gruppe anfühlt. Vicky ist ja schließlich auch manchmal mit Demo intim, obwohl sie jetzt mit dir schläft, und das stört mich oder mein Verhältnis zu den beiden nicht im Geringsten. Derzeit bist du mit ihr intim, bist ein interessanter, guter Kerl, und verdammt gut aussehen tust du für dein Alter auch noch. Wenn wir demnächst zu viert als Crew auf dem Boot unterwegs sind, warum dann nicht auch als Poly-Gruppe? Dann würde ich es auch gerne mal mit dir ausprobieren… na ja, du weißt schon, haha!«

»Uff, hoho!« Ich gluckste tief in mich hinein und musste erst einmal tief Luft holen. »Ich gestehe dir offen und ehrlich, dass das natürlich eine verdammt reizvolle und aufregende Vorstellung für mich ist. Du bist eine bildschöne, kluge und offenbar wirklich nette Frau. Aber damit so etwas in der harten Realität auf engem Raum wirklich dauerhaft gut funktioniert – mit echtem menschlichen Respekt, tiefer Ehrlichkeit und es eben nicht nur in wilde, bedeutungslose Sexspiele quer durcheinander ausartet –, gibt es dabei einige wichtige, unumstößliche Regeln zu beachten. Und an die müsstest du dich dann auch felsenfest halten!«

»Hej, für wie blöd hältst du mich eigentlich?«

Britt boxte mir spielerisch, aber mit durchaus spürbarer Kraft gegen den Oberarm. »Vicky hat mir in den letzten Wochen natürlich schon super viel darüber erzählt, wie ihr das handhabt, und ich finde das Konzept einfach nur voll genial und richtig. Ehrlich gesagt, dachte ich früher manchmal, ohne überhaupt eine Ahnung von der Materie zu haben, dass solche angeblichen Poly-Gruppen am Ende meistens doch nur eine billige Ausrede dafür sind, dass sich ein oder zwei dominante Männer einen privaten Harem aus gefügigen Frauen halten können.«

»Womit du für einen Großteil der Fälle da draußen ehrlicherweise gar nicht so falsch liegst, Britt«, erklärte ich ihr ausführlicher, um das Thema tiefer zu beleuchten. »Viele benutzen diesen angeblich so modernen, polyamourösen Lebensstil in der Tat leider nur zum Schein. Es dient ihnen als bequeme Ausrede, um mit möglichst vielen Frauen gleichzeitig und ohne schlechtes Gewissen Sex haben zu können. In solchen Konstellationen kommen dann durch die Hintertür doch ganz schnell wieder emotionale oder finanzielle Abhängigkeiten, fiese Besitzansprüche und verletzter Stolz ins Spiel.«

Ich nutzte die Gelegenheit, um ihr in den nächsten Minuten im Detail zu erklären, was echte polyamouröse Beziehungen im Kern ausmachen: absolute Ehrlichkeit, radikale Offenheit, vollkommene Gleichberechtigung aller Beteiligten und eine tiefe, bedingungslose Freiwilligkeit, die auf gegenseitigem Respekt fußt. Ohne die dunklen Schatten von Abhängigkeit, Eifersucht und einengenden Fesseln. Ich erklärte ihr auch ganz offen, warum in der Praxis leider nur sehr wenige Menschen charakterlich überhaupt für dieses anspruchsvolle Beziehungsmodell geeignet sind, weil die meisten ihre eigenen Verlustängste nicht im Griff haben.

Britt hörte mir während meiner Ausführungen sehr aufmerksam und mit ernstem Gesichtsausdruck zu. Sie akzeptierte es dabei völlig locker, unbeschwert und ohne jede Abwehrhaltung, als ich im Laufe des Gesprächs als absichtlich frechen, prüfenden Test mit meiner Hand nach ihren wunderschönen Brüsten griff. Ich umschloss die weichen, warmen Rundungen sanft und begann, sie zärtlich und umschmeichelnd zu streicheln, während ich ihre Reaktion genau beobachtete. Vielsagenderweise gefiel ihr diese Intimität ganz offensichtlich hervorragend. Sie duldete meine Berührung nicht nur einfach stumm, sondern fing fast an wie eine zufriedene Katze zu schnurren und raunte leise:

»Mmmhhh… verdammt noch mal, Steve, du hast wirklich unglaublich zärtliche, erfahrene Hände!« Sie lächelte selbstsicher zu mir auf, reckte ihre beachtlichen, fast 1,77 Meter Körpergröße grazil in die Höhe und stellte sich auf die Zehenspitzen, um mir einen  gefühlvollen und vorsichtig ausprobierenden Kuss auf die Lippen zu geben.

»Das schmeckt auf jeden Fall nach sehr viel mehr für die Zukunft, haha!« raunte sie, als sie sich wieder von mir löste. »Vicky hat mir ja schon in den schillerndsten Farben vorgeschwärmt, was für ein fantastischer, aufmerksamer und zärtlicher Liebhaber du bist… Nicht, dass ich das jetzt hier sofort zwischen Tür und Angel ausprobieren will, haha, aber es macht mich verdammt noch mal echt neugierig auf dich.«

Zu meiner vorläufigen Rettung – man könnte in diesem Fall mit einem Augenzwinkern fast behaupten, das Timing sei perfekt gewesen – ging in genau diesem Moment die Wohnungstür auf. Vicky kam schwer bepackt vom Einkaufen zurück, die Taschen voller frischer, regionaler Lebensmittel von den Märkten der Stadt. Da sie vom Laufen durch die pralle Mittagssonne ein wenig ins Schwitzen gekommen war, stellte sie die Einkäufe kurz in der Küche ab, verschwand im Flur, duschte sich geschwind frisch und kam kurz darauf vollkommen nackt und mit noch feuchten Haaren zurück in die Küche gelaufen.

 

Britt und ich hatten in der Zwischenzeit bereits damit begonnen, die mitgebrachten Sachen aus den Tüten auszupacken, ordentlich in den Kühlschrank einzuräumen und die Zubereitung des Mittagessens vorzubereiten. Wenig später kam durch die Wohnungstür Demo, pünktlich zu seiner wohlverdienten Mittagspause von der Trintella-Yacht rüber ins Appartement, gezeichnet von der öligen Arbeit im Maschinenraum. Er schnappte sich ein frisches Handtuch, duschte sich den Schmutz gründlich vom muskulösen Körper und gesellte sich schließlich ebenfalls sauber und erfrischt zu uns in die Küche.

Zum Mittagessen hatten wir uns etwas Leichtes, aber Raffiniertes einfallen lassen. Als Vorspeise gab es knackige Cocktailgarnelen, die in einer wunderbar würzigen, Creme angerichtet waren – ganz im Stil eines klassischen, edlen Krabbencocktails, verfeinert mit einem Spritzer frischer Limette. Als Hauptgericht folgten würzige, portugiesische Bratwürstchen, die mich von der Textur und den intensiven Kräutern her stark an die berühmte italienische Salsiccia erinnerten. Dazu reichten die Mädels einen feurigen, scharfen Djuvec-Reis und natürlich eine riesige Schüssel mit knackigem, frischem Blattsalat an einem leichten Dressing.

Als süßen Nachtisch holten wir später eine Packung cremiges Speiseeis mit Schoko- und krossen Krokant-Stückchen aus dem Tiefkühler, schnitten zuckersüße, saftige Mangos und eiskalte Wassermelone auf und reichten zum krönenden Abschluss noch ein paar Stücke würzigen Käse auf Salzcrackern – denn wie besagt das alte Sprichwort so schön: Käse schließt den Magen. Dazu tranken wir wie so oft einen gut gekühlten, spritzigen Roséwein aus der Region und reichlich kohlensäurehaltiges Mineralwasser. Es war ein einfaches, unkompliziertes und schnell zubereitetes Mahl, das aber bei den sommerlichen Temperaturen einfach fantastisch schmeckte.

 

Zufrieden, wohlig satt und angenehm träge tranken wir im Anschluss noch einen exzellenten, starken Kaffee auf dem Balkon, bevor sich Demo auch schon wieder verabschieden musste, um drüben auf der Yacht weiterzuarbeiten. Vicky, Britt und ich hatten für den Nachmittag hingegen ein Kulturprogramm geplant und unternahmen eine ausgiebige Erkundungstour zur historischen Fortaleza de Santa Catarina, die strategisch eindrucksvoll direkt an der Mündung des Rio Arade liegt.

Die Fortaleza de Santa Catarina in Portimão wurde ab dem Jahr 1621 unter der präzisen Planung des damals namhaften Militäringenieurs Alexandre Massai errichtet. Ihr einziger Zweck bestand darin, die wirtschaftlich und strategisch wichtige Flussmündung des Rio Arade effektiv gegen marodierende Piraten aus Nordafrika und feindliche militärische Invasionen zu verteidigen.

Die massive Festung entstand genau an einem geschichtsträchtigen Ort, an dem bereits im Mittelalter eine kleine, schlichte Kapelle stand, die der heiligen Katharina von Alexandrien geweiht war. Das wunderschöne, alte gotische Portal dieser Kapelle blieb wie durch ein Wunder über die Jahrhunderte erhalten und kann bis heute im inneren Hof der Festungsanlage bewundert werden.

Nach den schweren, verheerenden Zerstörungen durch die großen Erdbeben im 18. Jahrhundert – insbesondere durch das alles verändernde, historische Katastrophenereignis von 1755 – wurde die gesamte Wehranlage in den darauffolgenden Dekaden mehrfach aufwendig rekonstruiert und verstärkt. Heute dient das mächtige Bauwerk als eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Region, die den Besuchern von ihren hohen Zinnen aus einen weiten Panoramablick auf die wilde Atlantikküste und den trägen Flussverlauf bietet.

Die historische Anlage wurde in den letzten Jahren mit großer Sorgfalt und viel Liebe zum Detail restauriert, wobei die unterschiedlichen architektonischen Spuren der verschiedenen Epochen meisterhaft in das heutige Erscheinungsbild integriert wurden. Das macht sie eigentlich zu einem unverzichtbaren Ziel für jeden kulturinteressierten Algarve-Reisenden. Obwohl die Festung stark touristisch vermarktet wird, war sie zum aktuellen Zeitpunkt für die breite Öffentlichkeit offiziell geschlossen – vermutlich wegen dringend notwendiger, statischer Restaurierungsarbeiten an den äußeren Mauern, die durch die salzige Meeresluft marode geworden waren.

Aber unsere clevere Vicky wäre nicht Vicky, wenn sie nicht auch für so ein Problem eine unkonventionelle Lösung parat gehabt hätte. Auf einer der Partys in den vergangenen Tagen, hatte sie zufällig einen einheimischen Mann kennengelernt, der in der Festung als Aufseher und Nachtwächter angestellt war. Mit weiblicher List und einer gehörigen Portion Raffinesse hatte sie den guten Mann mit einem unwiderstehlichen Angebot geködert: Sie versprach ihm kurzerhand, dass er exklusiv dabei zuschauen dürfe, wie ich als professioneller Fotograf eine Reihe ästhetischer, reizvoller Akt-Fotos von ihr inmitten der historischen Festungskulisse schieße.

Der Kerl war daraufhin anscheinend sofort mit glänzenden Augen und sprichwörtlich sabbernd bereit, die Vorschriften zu vergessen, uns heimlich durch eine kleine Seitentür in das gesperrte Areal zu schleusen und uns ein wenig in den alten Gemäuern herumzuführen. So erzählte es Vicky uns zumindest auf dem Weg dorthin in Form einer amüsanten und von viel Gelächter begleiteten Geschichte.


 

Nun, um es kurz zu machen: Der Plan funktionierte wie am Schnürchen. Wir durften die schweren Tore passieren und uns die mittelalterliche Küstenfestung in aller Ruhe und sehr exklusiv anschauen. Wir mussten uns drüben auf den Wehrgängen allerdings sehr vorsichtig und geduckt bewegen – und zwar so, dass von den umliegenden Straßen und Aussichtspunkten außerhalb der Festung möglichst niemand sehen konnte, dass sich unbefugte Personen auf dem Gelände aufhielten. Wir wollten ja schließlich auf keinen Fall, dass der nette Aufseher wegen unseres privaten Ausflugs ernsthaften Ärger mit seinem Arbeitgeber bekommt.

Alles in allem fand ich die reine Architektur der Festung im direkten Vergleich jetzt nicht ganz so beeindruckend, wie manche anderen, weitaus größeren Burgen und Wehranlagen, die ich im Laufe meines Lebens auf meinen Reisen rund um den Globus gesehen habe. Aber interessant, geschichtsträchtig und sehenswert ist das Areal allemal, und ein Besuch lohnt sich für jeden Entdecker. Die Fortaleza de Santa Catarina in Portimão ist, sobald die Tore nach den Bauarbeiten wieder regulär öffnen, für alle Besucher komplett frei zugänglich, und es wird erfreulicherweise nicht einmal ein Eintrittsgeld verlangt. Allein die Aussicht von den oberen Plattformen bietet einen fantastischen, unverbauten Panoramablick auf die Weiten des Atlantiks, und das ist den Weg dorthin schon dreimal wert.

Als wir dann ein malerisches Plätzchen, im Jargon der Brache Shooting Location im inneren Hof der Festung ausgewählt hatten, fackelte Vicky nicht lange. Sie schlüpfte vollkommen locker, routiniert und ungeniert aus ihren leichten Sommersachen, warf die Kleidung achtlos auf eine alte Kanonenlafette und begann, sich ebenso ungeniert und professionell für ein paar sexy Schnappschüsse vor den dort schön restaurierten, geschichtsträchtigen Mauern in Pose zu werfen.


 

Dem portugiesischen Aufseher, der ein paar Meter weiter im Schatten stand, flogen bei diesem Anblick verständlicherweise sofort die Augen aus dem Kopf, und er bekam den Mund vor Staunen kaum noch zu. Wie ich ja schon an anderer Stelle erwähnt habe, ist Vicky in dieser Hinsicht absolut frei von den typischen, bürgerlichen Schamgefühlen. Sie agiert so unverkrampft wie eine überzeugte Nudistin, für die Nacktheit einfach der natürlichste Zustand der Welt ist, und verfügt zudem über eine sehr stark ausgeprägte exhibitionistische Ader. Es macht ihr einfach unbändigen Spaß, und sie empfindet es als einen kribbelnden, erotischen Nervenkitzel, wenn sie ihre weiblichen Reize in einer ungewöhnlichen Umgebung quasi zur Schau stellt und merkt, wie Männer sie mit begehrlichen Blicken regelrecht verschlingen.

Aber Gnade Gott denjenigen Idioten da draußen, die dieses Verhalten völlig falsch interpretieren und im Umkehrschluss glauben, sie könnten sich ihr gegenüber irgendwelche billigen Unverschämtheiten herausnehmen oder sie als ein »leichtes Mädchen« abstempeln, das sofort bereit wäre, es mit jedem x-beliebigen Typen im Gebüsch zu treiben. Wenn jemand diese rote Linie überschreitet, kann sie von einer Sekunde auf die andere zurecht kreuzgefährlich werden und mutiert im Nu zu einer verdammt ungemütlichen Furie, die dem Betreffenden die Leviten liest.

Frauen ihrer freizügigen Art müssen in unserer Gesellschaft leider auch im 21. Jahrhundert immer noch verdammt gut aufpassen, wo, wann und in welchem Umfeld sie sich so ungezwungen benehmen – da diese Welt da draußen leider immer noch von primitiven, stumpfsinnigen Männern nur so wimmelt. Statt einfach nur dankbar erfreut dafür zu sein, von einer schönen, selbstbewussten Frau mit so einem ungeniert entzückenden Anblick beschenkt zu werden und diesen ästhetischen Moment zu genießen, benehmen sich viele Kerle leider allzu oft bescheuert, werden aufdringlich und verstehen diese ungenierte Freizügigkeit völlig falsch.

Da die beiden Frauen schon auf dem gesamten Hinweg viel miteinander gelacht, gekichert und heimlich getuschelt hatten, war ich im Anschluss nicht wirklich überrascht darüber, dass auch Britt plötzlich die Abenteuerlust packte. Sie wollte ebenfalls bei dem Shooting mitmachen, streifte kurzerhand ihre Jeans und das sommerliche Top ab und bat mich mit einem charmanten Augenaufschlag darum, sie ebenfalls nackt vor dieser malerischen, geschichtsträchtigen Kulisse abzulichten. Mit ihrem umwerfenden, nordisch blonden Sexappeal, ihrer makellosen Figur und dieser hochentwickelten, fotogenen Ausstrahlung als erfahrenes Fashion-Model, sah sie vor meiner Linse natürlich auf Anhieb phänomenal aus.

Es war faszinierend, den direkten Kontrast zwischen den beiden Frauen zu beobachten: Vicky bewegte sich vor der Kamera eher wie die völlig lockere Nudistin von nebenan, für die die eigene Nacktheit einfach der absolute Normalzustand ist und die nichts zu verbergen hat. Britt hingegen besaß die faszinierende Fähigkeit – vermutlich zu einem großen Teil schon von Natur aus mitgegeben und zusätzlich durch ihr Training als ausgebildetes Profi-Model perfektioniert –, sich in jeder Sekunde fotogen, grazil und gekonnt in Szene zu setzen. Sie wusste haargenau, wie sie das Kinn heben musste, wie sie die Hüfte eindrehen und wie sie das einfallende Sonnenlicht auf ihrer Haut wirken lassen musste, um ein bezaubernd softerotisches Foto zu produzieren.

So ein reizvolles Arbeiten mit toll gebauten Schönheiten, macht einem Mann und leidenschaftlichen Fotografen weiblicher Schönheit natürlich viel Freude. Und den beiden Frauen war der Spaß an der ganzen Aktion in jeder Sekunde unübersehbar anzumerken. Wir scherzten, alberten und lachten zwischen den einzelnen Aufnahmen viel, und die beiden entwickelten im Laufe des kleinen, kurzen „Just for Fun“ Shootings ein richtiggehend künstlerisches Interesse daran, gemeinsam mit mir ästhetisch anspruchsvolle, reizvoll-erotische Bilder vor den alten Steinen zu produzieren.

Wie ich schon häufiger beschrieben habe, sind das einfach die besten Models, die man sich als Fotograf überhaupt nur wünschen kann. Frauen wie Vicky und Britt machen so etwas eben nicht nur stur »für Geld« im Rahmen eines bezahlten Auftrags, sondern sie posieren aus einer tiefen, inneren Lust heraus und genießen die kreative Freiheit. Wenn die beiden beispielsweise im Alltag auf einen sprichwörtlich armen, aber talentierten Künstler treffen, der es sich finanziell niemals leisten könnte, sie für ein professionelles Shooting zu buchen, ihnen der Typ aber einfach sympathisch ist oder sie seine Kunst aufrichtig gut finden, dann posieren sie für ihn oder sie auch gern einfach mal so – völlig ohne jeden finanziellen Hintergedanken oder kommerzielles Interesse.

»Ich glaube, unser Herr Fotografen-Captain ist gerade in diesem Moment der glücklichste Mann auf der ganzen Algarve, haha!« lachte Britt und warf Vicky einen amüsierten Blick zu, während ich das Objektiv wechselte.

»Das habe ich dir doch schon prophezeit, Süße. Es gibt auf der Welt absolut nichts, was Steve mehr liebt, als schöne, nackte Frauen vor sich zu haben und sie nach allen Regeln der Kunst knipsen zu dürfen, haha!« konterte Vicky wie aus der Pistole geschossen.

»Und guck mal da drüben… der arme Aufpasser platzt gleich vor lauter verlegener Erregung, ahaha!« legte Britt flüsternd nach, und die zwei frechen Grazien winkten dem Festungswächter im Anschluss auch noch demonstrativ freundlich zu.

Tatsächlich wusste der gute Mann in den letzten zwanzig Minuten phasenweise überhaupt nicht mehr, wo er seine Augen hinrichten sollte. Auf der einen Seite wollte er die beiden wunderschönen, nackten Frauen natürlich am liebsten begierig mit seinen Blicken komplett verschlingen. Auf der anderen Seite hatte er jedoch sichtlich mit dem ganz typischen, inneren Konflikt von Männern zu kämpfen, die an den Anblick von so locker-ungenierten Models im Alltag überhaupt nicht gewöhnt sind und zudem auch noch in einer gläubigen, verklemmt-katholischen Umgebung erzogen wurden.

Man merkte ihm die Zerreißprobe förmlich an: Er genoss diesen unerwarteten, prickelnden Anblick zwar insgeheim aus tiefster Seele, hielt es aber aufgrund seiner Prägung tief drinnen für eine Sünde, so etwas zuzulassen und anzusehen, und fühlte sich deswegen sichtlich ein bisschen schlecht und von moralischen Schuldgefühlen geplagt. Und seine körperliche Erregung vor unseren Augen unter Kontrolle zu halten, fiel dem armen Kerl typischerweise auch nicht gerade leicht.

»Jetzt provoziert mir den Armen mal bitte nicht allzu sehr mit euren entzückenden Reizen, ihr beiden Sirenen!« warf ich grinsend und mit leicht mahnendem Unterton ein, während ich die Kamera wieder vor das Auge hob.

Ich habe ehrlicherweise immer aufrichtiges Verständnis für Männer, die solche Situationen aus ihrem normalen Leben überhaupt nicht kennen und schlicht nicht an den unverkrampften Umgang mit schönen, freizügigen Frauen gewöhnt sind. Die Biologie der Natur hat uns Männer nun mal genetisch unumstößlich so programmiert, auf den optischen Anblick einer nackten, attraktiven Frau sofort mit biologischer Erregung zu reagieren. Und diese tiefe, evolutionäre Programmierung sitzt – leider oft noch zusätzlich verstärkt durch jahrtausendelange, scheinheilig prüde Doppelmoral und religiöse Indoktrination der Kirchen – auch im aufgeklärten 21. Jahrhundert immer noch verdammt tief in vielen Köpfen drin. 


 

Unabhängig davon war der Wächter übrigens ein wirklich recht sympathischer, höflicher und netter Typ. Er führte uns im Anschluss an das kleine Shooting noch sehr kompetent durch die Festung und zeigte uns, während er uns die historischen Hintergründe erklärte, auch einige geheime Gänge und Bereiche, in die normale Touristen sonst unter keinen Zutritt bekommen.

Wofür ich allerdings kein Verständnis aufbringen kann, ist die Tatsache, dass selbst in der heutigen Zeit immer noch so viele Menschen mit einer verlogenen Doppelmoral reagieren. Sie halten es für moralisch verwerflich, billig oder komplett falsch, wenn eine selbstbewusste Frau sich einfach mal so freizügig und unbeschwert zeigt, wie sie als weibliches Wesen von der Natur nun mal erschaffen wurde.

Das sind oft total verklemmte, bösartige Moralapostel, die ihren eigenen Frust auf andere projizieren… und sich nicht selten in klassisch verlogener, scheinheiliger Doppelmoral klammheimlich Pornos oder sogar pädophile Schweinereien im Net anschauen. Die meisten dieser typen haben in Wahrheit einfach Angst vor selbstbewussten Frauen, weil sie innerlich unsichere Männer sind. Im Mittelalter verleugneten solche Typen manche Frauen als Hexen und ließen sie verbrennen, während sie sich an ihrer Macht aufgeilten. Diesen Typus kann ich auf den Tod nicht ausstehen!

Gleichzeitig mag ich es aber umgekehrt genauso wenig, wenn allzu missionarische FKK-Liebhaber ihre Vorlieben aggressiv und ohne Rücksicht ausleben, dadurch unbeteiligte Mitmenschen bewusst belästigen. Oder wenn beispielsweise ignorante Touristen im Urlaub glauben, es sei völlig okay, in superknappen Bikinis, sexy Badehosen oder freizügigen Freizeitklamotten eine historische Kirche in einer traditionell stark katholisch geprägten Region zu besichtigen, wo gerade eine Andacht stattfindet. Denn so ein Verhalten ist in meinen Augen keine Freiheit, sondern eine respektlose oder zumindest gedankenlos Provokation. Es ist der aggressive und dumme Versuch, anderen Menschen die eigenen Ansichten und Vorlieben aufzuoktroyieren, und hat rein gar nichts mit dem gesunden, weisen Lebensmotto »Leben und leben lassen« zu tun.

Kurz vor 17 Uhr am späten Nachmittag kehrten wir drei schließlich bester Laune zurück in unser Appartement, wo uns Demo bereits frisch geduscht, entspannt auf der Couch chillend empfing. Nach den aufregenden Erlebnissen in der Festung beschlossen wir einstimmig, erst einmal eine ausgiebige, erholsame Siesta mit einem kleinen Nickerchen einzulegen. Denn für den heutigen Abend waren wir erneut zu einer großen Grillparty eingeladen.

Diesmal sollte das Ganze in einem etwas ruhigeren Rahmen stattfinden, mit gesetzteren, reiferen Gästen, von denen einuge aus der internationalen Langstrecken-Segler-Community stammte. Und unter erfahrenen Fahrtenseglern versteht man sich auf der Welt fast immer auf Anhieb blendend – einfach, weil man ähnlich tickt, denselben freien Lebensstil pflegt und mit sehr ähnlichen technischen Problemen oder den typischen »Sailing-Saltlife«-Ansichten vertraut ist. Man hat sich sofort viel zu erzählen und tickt auf ähnlichem Level.

Es waren aber erfreulicherweise auch etliche jüngere Leute und Freigeister mit von der Partie, und so entwickelte sich im Laufe des Abends eine richtig tolle, stimmungsvolle Runde. Es gab unzählige Köstlichkeiten frisch vom Holzkohlegrill, hervorragende, kühle Getränke und jede Menge interessante Menschen und tiefgründige Gespräche.

Ich lernte im Laufe des Abends beispielsweise eine sehr sympathische deutsche Seglerfamilie kennen, die im kommenden Herbst über die klassische Barfuß-Passatroute ebenfalls den Sprung in die Karibik wagen wollte und plante, in den nächsten drei bis fünf Jahren einmal komplett um die ganze Welt zu segeln.

Das Paar war seglerisch bereits ziemlich erfahren und noch relativ jung geblieben. Ihr sechsjähriger Sohn war ein aufgeweckter, kleiner Kerl, der den Garten unsicher machte, und die wirklich hübsche, vierzehnjährige Tochter war für ihr Alter bereits so fraulich aufgeblüht clever frühreif, dass sie im Gespräch locker als eine 17- bis 18-Jährige durchgegangen wäre. Das waren durch die Bank weg sehr sympathische, bodenständige Menschen, und ich plauderte im Laufe der Nacht noch mit vielen anderen Gästen, die eine ganz ähnliche Lebensphilosophie und liberale Denkweise teilten wie wir.

Ein anderes, sehr attraktives Paar auf der Party, schätzungsweise sie Mitte 20 und er Ende 20 oder Anfang 30, amüsierte im Laufe des Abends die gesamte Gesellschaft. Die beiden waren elegant gekleidet und offensichtlich derart schwer, frisch und unsterblich ineinander verliebt, dass sie es über Stunden hinweg kaum schafften, auch nur für ein paar Sekunden die Finger voneinander zu lassen. Sie standen oder saßen ständig eng umschlungen in den Ecken, suchten ununterbrochen den Körperkontakt und knutschten zwischendurch immer wieder heftig und völlig versunken miteinander, als gäbe es keinen Morgen mehr. Das war wirklich lustig zu beobachten und weckte im Laufe der Nacht bei dem einen oder anderen Single auf der Party vermutlich auch ein kleines bisschen wehmütigen Neid.

 

Delikat gesättigt, von den vielen Grill-Leckereien und dem guten Wein angenehm leicht beschwipst, rundum bester Laune, kamen wir vier schließlich gegen 01:40 Uhr in der Nacht mit dem Taxi zurück in unser Appartement. Demo verabschiedete sich ohne große Umwege sofort in Richtung Schlafzimmer, da er am nächsten Morgen wieder früh raus musste, um körperlich anstrengend an dem Boot der Holländer zu arbeiten, und Britt folgte ihm natürlich zügig ins Bett.

Durch mein ungewöhnlich langes Ausschlafen am heutigen Morgen und das zusätzliche Nickerchen während der nachmittäglichen Siesta war ich selbst allerdings noch nicht richtig müde. Ich setzte mich daher noch für eine Weile mit einem letzten Glas Wasser an den kleinen Schreibtisch in unserem Zimmer, checkte kurz die Mails auf meinem Laptop und schrieb die letzten Zeilen dieses Blog-Textes nieder, solange die Eindrücke des Tages noch frisch im Gedächtnis waren.

»Na, kann dich die Vorstellung auch mit Britt intim werden zu dürfen davon überzeugen, länger mit uns zu segeln, haha?« Unterbrach Vicky meine Tätigkeit. Sie war deutlich müder als ich. Es dauerte nicht lange, bis sie mich mit einem liebevollen, aber unmissverständlichen Ton direkt zu ihr ins Bett kommandierte, damit wir vor dem Einschlafen noch ein bisschen sinnlich kuscheln konnten. »Los, komm ins Bett!«

»Eine große Verlockung, zugegeben, hoho.« Gluckste ich amüsiert und absolvierte schnell noch einen letzten Toilettengang, bevor ich zu ihr ins Bett kroch. »Sie ist ja wirklich eine WOW! Frau.«

»Du glücklicher Gauner, Duhuuu…« schmiegte sie ihren warmen, entzückend nackten Körper an meine Seite und schlummerte bereits nach wenigen Minuten tief und fest ein. Und viel länger sollte es bei mir an diesem Abend ehrlicherweise auch nicht mehr dauern, bis mich der Schlaf übermannte.

Herrje, mein Leben ist wirklich verrückt und unglaublich! Wenn mir früher jemand erzählt hätte, ein Leben wie ich heute zu führen und derart viel unverschämtes Glück mit großartigen, schönen Frauen zu haben, hätte ich sicherlich gedacht: was für ein Angeber und das meiste davon ist garantiert nicht wahr, sondern blühende Fantasie! Aber bei mir läuft das unglaublicherweise schon seit rund 12 Jahren so, seit mich „Liebesgöttin“ Jenny damals in den polyamourösen Lebensstil einführte, der mir offensichtlich sehr liegt.

Lustigerweise hatte ich damals absolut keine Ahnung von Polyamorie und wie das richtig funktioniert und führte bis dahin nur klassische Beziehungen. Auch mit tollen, beeindruckenden Frauen; aber ohne genau zu verstehen weshalb, war ich damit nie so ganz glücklich und hielt es selten länger als ein Jahr mit Einer aus. Erst in Jennys Poly-Kreis lernte ich schließlich, dass mich zuvor typischerweise diese klassischen Paar-Dramen, Eifersüchteleien und Besitzansprüche mit dämlichen, eigentlich unnötigen Streitereien so gestört und frustriert hatten. Seither bin ich ein außergewöhnlich glücklicher, rundum zufriedener Mann und möchte garantiert nie wieder so leben wie früher.

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