Algarve. Sirenen, Stylings und eine schwedisch-norddeutsche Deern

 

#26.09.28 – Algarve. Sirenen, Stylings und eine schwedisch-norddeutsche Deern

Das Wochenende war nicht ganz so heiß wie die Tage zuvor. Meist bewegten sich die Temperaturen knapp um die 30-Grad-Marke, begleitet von Schleierwolken, die den Sonnenschein etwas dämpften, und einem kühlenden Wind von 3 bis 5 Beaufort. Trotzdem gab es reichlich Sonne und zwischendurch Abschnitte mit strahlend blauem Himmel. In diesen Phasen brannten die Sonnenstrahlen nach wie vor mit viel Kraft herunter, aber insgesamt ließ es sich auch draußen wieder gut aushalten.

»Nimmst du mich im Beiboot mit rüber? Ich will eine Freundin am anderen Ufer besuchen«, fragte Emilia auf ihre ganz spezielle Art – gleichzeitig leicht zurückhaltend und dennoch verführerisch lockend.

»Natürlich, gern. Ich gehe schon mal raus und rauche eine Zigarette, während du dich fertig machst.«

»Ist gut, ich komme gleich nach«, sagte sie und ging sich umziehen.

Am Kai gibt es zwar das sogenannte Táxi Ferry, ein kleines Transferboot, das zwischen Ferragudo am linken und Portimão am rechten Ufer des Arade pendelt. Das ist kein öffentlicher Nahverkehr, sondern ein privates Unternehmen, das Einheimische und Touristen zwischen 10:00 Uhr und Mitternacht für etwa 7 bis 10 Euro in rund 11 Minuten über den Fluss bringt. Billiger geht es nur mit den Bussen, die allerdings bloß alle 3 bis 4 Stunden fahren.

Die Bootsbetreiber lassen insbesondere bei Einheimischen, Kindern und Jugendlichen mit sich handeln, wenn diese regelmäßig hin- und herpendeln; dann wird es deutlich günstiger. Aber wieso sollte Emilia überhaupt Geld dafür ausgeben, wenn ich sowieso mit dem Yachtbeiboot übersetzen wollte? Klar, das ist nicht ganz so bequem, deutlich wackeliger und bei höheren Wellen durch überkommendes Spritzwasser auch mal nasser – doch gerade junge Leute stört so etwas gar nicht, sie finden es eher spaßig.

Gerade hatte ich zu Ende geraucht, da fiel mir ein, dass ich den kleinen Insektenstich-Heiler von Beurer im Zimmer vergessen hatte. Das Ding ist so kompakt, dass es in jede Tasche oder an den Schlüsselbund passt, woran ich es gleich darauf befestigte. Die Stiche von Herbstmücken oder Moskitos jucken meist besonders schlimm, weshalb ich das Teil vor allem in den Morgen- und Abendstunden, wenn die Biester schwärmen, immer dabeihaben möchte.

Also ging ich noch einmal hinein. Ich fand das Gerät – und Emilia, die inzwischen fertig hergerichtet an einem verblüffend alten, klobig wirkenden Laptop saß. Sie dachte wohl, ich wäre wegen ihr ungeduldig zurück ins Haus gekommen, und meinte entschuldigend:

»Tut mir leid, Steve, ich komme sofort. Ich habe nur gerade eine wichtige Mail bekommen, die ich noch kurz beantworten wollte.«

»Kein Problem, lass dir Zeit«, lächelte ich. Innerlich musste ich schmunzeln: „Wichtig“ kann bei jungen Menschen schließlich alles bedeuten – von den Schuhen oder dem Styling einer Freundin über Jungs und Cliquen-Ereignisse bis hin zu etwas wirklich Relevantem.

Während sie noch tippte, beobachtete ich ihre Erscheinung. Die Hübsche hatte sich die Haare zum Pferdeschwanz zurückgebunden und zusätzlich einen Kunstperlen-Haarreif aufgesteckt. Dazu trug sie eine dunkle Hemdbluse mit dezenten Puffärmeln und Raffungen an den Schultern, was auf mich ziemlich altmodisch wirkte. Vielleicht als bewussten Kontrast trug sie untenrum einen sehr kurzen, klassischen Minirock, der viel von ihren schlanken Beinen zeigte und perfekt in die späten Sechziger- oder frühen Siebzigerjahre gepasst hätte. Bequeme Slipper an den Füßen und ein zum Haarreif passendes Kunstperlen-Armband machten das Outfit komplett. Das scheint ihr bevorzugter Stil zu sein, mit dem junge Leute gern ein bisschen auffallen wollen, denn ähnlich gekleidet hatte ich sie nun schon mehrmals gesehen.

 

Später im Beiboot sprach ich sie neugierig auf ihren Look an. Emilia bestätigte meine Vermutung auf diese typische, ein klein wenig überheblich wirkende Art junger Menschen – aber auf eine nette, augenzwinkernde Weise, frei nach dem Motto: »Wie kann man das bitte nicht wissen, Steve?«, schmunzelte sie.

Bei diesem Minirock-Outfit, dem Klettern in und aus dem Zodiac 310 Dinghy sowie beim Sitzen im Boot war es natürlich unvermeidlich, dass ich neben ihren schlanken Beinen auch mehrmals ihren schneeweißen Slip darunter sah; sowas wirkt auf Männer immer sehr reizvoll. Dass sie unter dem dunklen Stoff von Bluse und Rock eine weiße Unterwäsche wählte, die dadurch kontrastierend und unübersehbar aufblitzte, war fraglos mit weiblicher Raffinesse ebenso gut überlegt und erwünscht. Ja, man darf sich von Emilia nicht täuschen lassen! Sie ist eindeutig auch ein „raffiniertes Biest“, wie man so sagt und setzt ihr reizvolles Sexappeal als hübsche, junge Frau mit toller Figur sehr gezielt ein. schmunzel

Was ich in dem Moment allerdings völlig vergaß zu fragen: Was hatte es eigentlich mit diesem steinalten, dicken Laptop-Knochen auf sich? Normalerweise rennt die Jugend doch jedem neuen Smartphone hinterher. Da ich das modische Rätsel unbedingt lösen wollte, hakte ich später am Abend mal bei einer KI nach. Und siehe da: Die digitale Welt hatte eine verblüffende Erklärung parat.

Laut der KI ist Emilias gesamter Auftritt – inklusive des klobigen Computers – absolut am Puls der Zeit. Das Ganze nennt sich in der aktuellen Jugendkultur „Office Siren“ (Büro-Sirene) kombiniert mit dem neuesten Schrei: „Retro Tech“. Was auf mich bieder oder veraltet wirkte, ist bei der Gen Z gerade ein riesiger Trend:

  • Der epochenübergreifende Stil-Mix: Es ist total angesagt, Elemente der späten 2000er (wie die Puffärmel-Bluse) mit den späten 1960ern (dem Minirock) zu mixen. Junge Menschen würfeln die Jahrzehnte heute zu einer ganz eigenen Identität zusammen.
  • Klobige Technik als Kultobjekt: Während neue Laptops alle gleich flach, grau und langweilig aussehen, gilt ein dicker Laptop aus den frühen 2000ern heute als Design-Statement mit Charakter. Zudem nutzen viele junge Leute alte Geräte ganz bewusst als „digitalen Detox“ – um beim Tippen Ruhe vor der ständigen App- und Benachrichtigungsflut moderner Geräte zu haben. Monotasking statt Dauerstress.
  • Auffallen durch Biederkeit: Heute sticht man oft nicht mehr durch schrille Farben hervor, sondern paradoxerweise durch einen Look, der fast schon „zu ordentlich“ oder „zu brav“ wirkt – in der Modewelt läuft das unter Begriffen wie Geek Chic oder Twee.

Wer hätte das gedacht? Die junge Frau nutzt diesen nostalgischen Mix aus Mode und Technik also ganz gezielt und clever als ihr persönliches Statement.


 

Nachdem ich sie abgesetzt hatte, schipperte ich weiter zur großen Marina de Portimão mit ihren gut 620 Liegeplätzen. Dort konnte ich das Beiboot an einem Dinghy-Dock sicher liegen lassen, um in die Stadt zu gehen. Während ich mit geringer Geschwindigkeit durch die langen Reihen glitt, um keine störenden Wellen für die festgemachten Yachten zu verursachen, fiel mir eine Hallberg-Rassy mit ihrem unverwechselbaren, klassisch-soliden Aussehen auf. Das war doch eindeutig das Fahrtenboot von Leonie und ihrem Opa, die ich vor einigen Tagen in Vigo kennengelernt hatte!

Als der Tender sicher vertäut war, beschloss ich spontan nachzuschauen, ob jemand an Bord war, und Hallo zu sagen – wie man es unter bekannten Seglern immer gern tut. Tatsächlich saß Leonie an Deck und spleißte gerade Tauwerk. Auf meinen lauten Gruß hin schob die ungestylte Naturschönheit bezaubernd lächelnd ihre Sonnenbrille hoch:

»Steve… na so eine Überraschung! Liegt ihr etwa auch in dieser Marina? Wo ist deine Crew? Hey, magst du an Bord kommen und einen Kaffee oder so mit mir trinken?« Sie freute sich eindeutig aufrichtig und strich sich die blonden Haare zurück, deren Strähnen ständig vom Wind verweht wurden; sie schien große Lust auf eine nette Plauderei zu haben.

»Sehr gern…«, antwortete ich, kletterte an Deck der schicken HR und erklärte ihr, dass die Crew heimgeflogen und ich momentan allein unterwegs war.

»Oh, wie schade! Ich auch… Opi musste ebenfalls zu einer wichtigen Untersuchung nach Hause. Leider ist der Arme in einem Alter mit den typischen Beschwerden, in dem er nur noch selten längere Zeit auf seinem geliebten Boot bleiben kann«, seufzte sie und ging in die Kombüse unter Deck, um Kaffee zuzubereiten.

Ich blieb im Mittelcockpit sitzen, um eine Zigarette zu rauchen. Durch die weit geöffneten Niedergangsluken konnten wir uns problemlos weiter unterhalten. Wie es so meine Art als Profifotograf und Gentleman-Genießer holder Weiblichkeit ist, studierte ich aufmerksam ihr Outfit:

Sie verkörperte den perfekten, ungezwungenen Maritim-Look einer natürlichen Seglerin. Leonie trug ein roséfarbenes Top mit einer kleinen Knopfleiste am Ausschnitt, darüber ein locker drübergeworfenes, kariertes Hemd in Beere- und Brauntönen mit hochgekrempelten Ärmeln, kombiniert mit einer schlichten, weißen Hose. Ihr langes, blondes Haar fiel offen und unkompliziert über die Schultern, während eine feine Kette mit einem kleinen dunklen Anhänger ihr Dekolleté zierte. Dazu die stylische Piloten-Sonnenbrille, die sie lässig ins Haar geschoben hatte – völlig unaufgeregt, aber gerade durch diese sympathische, sportliche Natürlichkeit unheimlich attraktiv. 

 

»Wie alt ist dein Opi denn inzwischen?«, hakte ich nach und paffte genüsslich an meiner Zigarette, während der leichte Seewind meine Rauchfahnen sogleich verwehte. Am Himmel kreischten unter einigen Schleier- und Schäfchenwolken ein paar Seevögel, Fallen klapperten an den Aluminiummasten anderer Segelboote gegen das Metall und ein rücksichtsloser Zeitgenosse in einem lautstarken Motorboot verursachte durch viel zu hohes Tempo unnötigen Schwell zwischen den dicht gepackten Yachten in der Marina.

»86… so ein dämlicher Kerl! Immer diese Rennbootfahrer!«, meinte Leonie verärgert über den rücksichtslosen Skipper. Aber selbst ein solches Aufbegehren kam bei ihrem hübschen Gesicht auf eine sympathisch-lächelnde Art herüber. Ich erwähnte ja schon bei unserer ersten Begegnung in Vigo, dass sie eine sehr bezaubernde Wesensart besitzt. Auch jetzt erinnerte sie mich wieder stark an eine Schulliebe aus meiner Jugend. Längst vergessen geglaubte Erinnerungen ploppten plötzlich aus dem Unterbewusstsein auf – oder wo immer das Gehirn solche Momente über die Jahre aufbewahrt.

»So alt schon?! Dann ist es wirklich bewundernswert, dass er seiner Leidenschaft für das Segeln überhaupt noch ab und zu nachkommen kann«, meinte ich anerkennend.

Gleich darauf servierte sie zwei hervorragende Café Crèma mit einem feinen Schuss Karamellgeschmack. »Danke, Leonie.«

»Sehr gern! Ich freue mich wirklich über dein Auftauchen. Wo liegt denn dein schönes Boot?«, lächelte sie erneut so umwerfend, während wir im Cockpit unter dem schattenspendenden Bimini genüsslich den heißen Kaffee schlürften. »Puh, ganz schön heiß… Ja, mein lieber Opi liebt das Fahrtensegler-Leben genauso sehr wie ich.«

»Die Globetrotter steht an Land und bekommt Coppercoat auf den Rumpf. Das hast du fraglos von ihm geerbt oder übernommen, stimmts? Hattest du nicht erzählt, schon als junges Mädchen mit ihm über den Atlantik bis in die Karibik und zurück gesegelt zu sein?«, fragte ich und sah zu, wie sie bei mittlerweile etwa 27 °C aus ihrem karierten Überhemd schlüpfte. Obenrum trug sie nun nur noch das rosa Trägertop, das ihre weiblichen Konturen vorteilhaft betonte. In ihrer völlig unbeschwerten Natürlichkeit wirkte sie dadurch nur noch bezaubernder.

»Oh ja, von ihm und meinen Eltern, die ebenfalls leidenschaftliche Segler sind«, lächelte sie entzückend. »Mein Studium habe ich eigentlich nur gemacht, um einen guten Abschluss in der Tasche zu haben. Am allerliebsten lebe ich ständig als Fahrtenseglerin an Bord! Es gibt wirklich nichts auf der Welt, was ich lieber täte! WOW, Coppercoat! Ist das wirklich so genial, wie man hört?«

»In meinem letzten Blog schrieb ich ausführlich über Coppercoat; das kannst du nachlesen, wenn es dich interessiert. Spoiler: Ja, wenn es richtig gemacht wird, ist es definitiv viel besser als früheres Antifouling. Genauso schätze ich dich auch ein, als am liebsten Dauerseglerin. Was hast du denn studiert, wenn ich fragen darf?«

»Über die dudesche Hanse, mit einem 1,6er-Masterabschluss – falls dir das etwas sagt?«, verkündete sie mit berechtigtem Stolz und vermutlich auch als kleiner, amüsierter Test meines historischen Allgemeinwissens.

»Aber natürlich! Die Geschichte der Hanse hat mich schon als junge Binnenlandratte fasziniert«, zwinkerte ich schmunzelnd zurück. »Ne 1,6, gratuliere und ein sehr passendes Thema für eine so leidenschaftliche Seglerin wie dich.«

Für all jene Leserinnen und Leser, die sich mit der Sprachgeschichte Norddeutschlands nicht ganz so detailliert auskennen, sei dieser historische Begriff kurz erläutert:

Die Schreibweise „dudesche Hanse“ (in alten Quellen oft auch düdesche hense oder dǖdesche hanse) ist schlichtweg der mittelniederdeutsche Ausdruck für „deutsche Hanse“. Die Bezeichnung leitet sich historisch wie folgt ab:

  • Sprachliche Herkunft: Das alt- und mittelniederdeutsche Wort düdesch oder dudesch bedeutete „deutsch“ (verwandt mit dem althochdeutschen thiudisk, was ursprünglich „zum Volk gehörig“ bedeutete, um die Sprache des einfachen Volkes vom Latein der Gelehrten abzugrenzen).
  • Historischer Kontext: Die Kaufleute und Städte im norddeutschen Raum sprachen damals kein Hochdeutsch, sondern Mittelniederdeutsch – die damalige Lingua franca des gesamten Nord- und Ostseeraums. Sie selbst nannten ihren mächtigen Städtebund in ihrer eigenen Sprache daher offiziell „Stede van der dudeschen Hanse“ (Städte der deutschen Hanse).

Der Begriff tauchte im Jahr 1358 in Lübeck zum allerersten Mal in einem offiziellen Dokument auf, als sich die Hansestädte für einen gemeinsamen Handelsboykott gegen Flandern zusammenschlossen und einen einheitlichen Namen brauchten. Im Ausland (etwa an den Kontoren in London oder Nowgorod) wurden die Kaufleute von den Einheimischen zuvor meist einfach auf Latein als „Easterlings“ („Ostleute“) oder als „Hansa Teutonica“ bezeichnet.

 

»Oho, Captain Steve kennt sich aber wirklich aus!«, lachte Leonie amüsiert darüber, wie ich ihren kleinen Test gekontert hatte. »Ja, ich fand diese Geschichte im Studium auch unheimlich faszinierend, spannend und genau passend. Aber Karriere werde ich damit wohl kaum machen können.«

»Sag das nicht so pauschal, Leonie. Du hättest durchaus gute Chancen – wenn auch vielleicht nicht direkt als Hanse-Expertin.« Ihre Aussage stimmte natürlich, wenn man „Karriere“ rein als linearen Aufstieg im exakten Studienfach definiert. Sie ist jedoch falsch, wenn man darunter eine erfolgreiche, gut bezahlte Laufbahn in der modernen Arbeitswelt versteht. Der Einstieg erfordert zwar oft etwas Eigeninitiative und Praktika, aber die Decke nach oben ist weit offen. »Aber wenn ich dich richtig eingeschätzt habe, willst du sowieso nichts anderes machen als Fahrtensegeln, oder?«

»Genau, Steve! Opa hat mir sogar schon seine Yacht überschrieben.«

»Donnerwetter, dann bist du ja jetzt schon stolze Yacht-Eignerin! Gratuliere dir von Herzen!«, lächelte ich ehrlich für sie erfreut, hakte aber doch vorsichtig nach: »Kannst du es dir denn leisten, eine 22 Jahre alte Hallberg-Rassy zu unterhalten? Das ist ja durchaus ein teures Vergnügen… aber entschuldige, das geht mich natürlich nichts an.«

»Ach was, das ist doch kein Staatsgeheimnis!«, lachte sie so unbekümmert und strahlend wie die aufgehende Frühlingssonne. »Ich habe das große Glück, in einer wohlhabenden und sehr lieben Familie aufgewachsen zu sein. Die haben mir schon bei der Geburt einen Treuhandfonds eingerichtet, der mir monatlich eine nette Summe ausschüttet. Nicht Unmengen – reich bin ich garantiert nicht, haha –, aber es reicht zum Leben und für den Unterhalt des Bootes, wenn man wie ich genügsam darauf wohnt. Ich habe keine teuren Ansprüche, Luxus interessiert mich nicht und etwas dazuverdienen kann ich natürlich auch immer. Und wenn es wegen größerer Reparaturen doch mal eng wird, unterstützt mich die Familie.«

»Glückliche Leonie! Das freut mich wirklich für dich. Das ist ein großes Privileg, für das du sehr dankbar sein solltest.«

»Oh ja, das bin ich! Vor allem Opa und meinen Eltern, aber auch unserer internationalen Großfamilie in Deutschland und Schweden. Alles herzensgute Menschen, deren Kindern es wirklich außergewöhnlich gut geht«, erzählte sie völlig offen, als wäre ich ein langjähriger Vertrauter.

Im Stillen hoffte ich allerdings, dass diese bezaubernde Naturschönheit nicht jedem gegenüber so vertrauensselig auftritt. Bekanntlich leben wir in einer harten, brutal kapitalistischen Welt mit leider auch so manchem üblen Zeitgenossen. Für die wäre eine etwas zu naive, behütete Tochter aus gutem Hause ein leichtes Opfer.

Während die Temperaturen langsam an der 30-Grad-Marke kratzten, verplauderten wir uns so angeregt, dass wir völlig die Zeit vergaßen. Plötzlich stellten wir überrascht fest, dass es längst Zeit fürs Mittagessen war. Leonie ließ sich nicht lange bitten und von mir einladen.

 

Zunächst kamen wir an der direkt vor der Marina gelegenen Bar do Clube Portimão an der Av. Rio Arade unterhalb von Portimão vorbei. Das ist ein eher einfaches Lokal mit günstigen Preisen und einer Durchschnittsbewertung von 4,1 Sternen auf Google. Das klingt im ersten Moment passabel, aber beim ersten Blick auf die Teller der anderen Gäste erkannte ich sofort, dass ich hier nicht speisen wollte – kulinarisch wirkte das eher wie mäßige 3,5 Sterne. Bei all den guten bis sehr guten Restaurants in der Nähe gab es keinen Grund, ausgerechnet hier einzukehren. Leonie fand zwar, ich urteile etwas zu hart, und kraulte erst einmal vergnügt einem drolligen Hund die Ohren. Dennoch folgte sie mir willig zu einer deutlich besseren Adresse.

Das hübsche Restaurant Dutchman’s Snails an der R. Eng. Duarte Pacheco 5 bietet exzellente Gerichte in sehr üppigen Portionen zu verblüffend fairen Preisen. Selbst inklusive Getränk gibt man dort selten mehr als 15 bis 20 Euro pro Person aus, sonst platz man. Das Ganze wird serviert in einer gemütlich-rustikalen Wohlfühlatmosphäre mit ausgesprochen sympathischem Personal.

»Ach, ist das gut und lecker!«, freute sich Leonie nun doch, dass sie meinem Urteil gefolgt war. »Ich war schon öfter in Portimão, aber die Holländischen Schnecken kannte ich noch gar nicht. Wie hast du das denn entdeckt, du Gourmet-Vielfraß?«

»Purer Zufall bei meinem letzten Aufenthalt im Sommer«, schmunzelte ich vergnügt – und ehrlich gesagt auch ein wenig verzaubert vom natürlichen Liebreiz dieser etwa 23-jährigen Seglerin. »Aber jetzt musst du auch brav aufessen!«

»Um Himmels willen, willst du mich etwa umbringen?«, lachte sie unbeschwert mit funkelnden Augen. »Wenn ich den Berg vor mir komplett schaffe, musst du mich direkt in die Notaufnahme bringen!«

»Hmm… okay, das wäre dann doch zu schade um so eine hübsche, norddeutsch-schwedische Deern«, gluckste ich mit ihr und langte selbst ordentlich zu. Das Essen war wirklich ausgezeichnet. »Und außerdem würde mich wohl der Fahrtensegler-Geist deines Opas über alle Weltmeere verfolgen – das Risiko gehe ich lieber nicht ein.«

»Oh ja, und Papa und Mama gleich mit! Du hättest absolut keine Chance! Also riskier lieber nicht dein wunderschönes Boot und sei ganz lieb zu mir!«

»Bin ich das etwa nicht schon die ganze Zeit?«, fragte ich und setzte gespielt meinen besten „Beleidigter Dackelblick“-Gesichtsausdruck auf.

»Doch, hihi, bist du wohl immer: ein lieber, charmanter Brummelbär-Kapitän!«, zwinkerte sie mir herzlich zu. 

 

Herrje, das faszinierende „Problem“ mit Leonie ist tatsächlich, dass bei ihr absolut nichts aufgesetzt, berechnend oder weiblich raffiniert ist. Schönen Frauen ihrer Art ist oft gar nicht bewusst, wie bezaubernd sie auf ihr Umfeld wirken. Oder besser gesagt: Natürlich ist Leonie viel zu clever, um nicht zu wissen, dass sie sehr attraktiv ist. Aber sie denkt schlichtweg nicht dauernd darüber nach und setzt ihren Charme nicht gezielt oder taktisch ein, wie es beispielsweise die jüngere Emilia bereits tut. Leonie ist einfach völlig authentisch sie selbst. Diese gelassene, beinahe unschuldige Natürlichkeit macht ihren Liebreiz erst recht unwiderstehlich.

»Uuuufff…, jetzt brauche ich aber unbedingt einen ausgiebigen Spaziergang! Danke für diese wunderbare Einladung und das tolle Erlebnis im Dutchman’s Snails!« Leonie reckte ihre vielleicht 1,68 Meter an meiner fast 1,90 Meter messenden Bärenstatur hoch und drückte mir ein ganz liebes, süßes Küsschen auf die Wange. »Begleitest du mich?«

»Mit dem größten Vergnügen, hübsche Deern«, zwinkerte ich. »Körperliche Bewegung tut nach dieser Schlemmerorgie wirklich not!«

»Sag ich doch, haha! Ach, sag mal, wo wohnst du eigentlich, während dein Boot an Land steht? Bestimmt nicht an Bord, oder?«

»Nein, natürlich nicht, das wäre mir zu unbequem. Ein bekannter Einheimischer mit einer sehr netten Familie vermietet zwei Gästezimmer wie eine kleine Pension; dort auf der anderen Flussseite bin ich mit Familienanschluss untergekommen. Wirklich hübsch, pikobello sauber und die Familie ist supernett«, erklärte ich.

»Hey, das klingt ja supi! Weißt du, ich will mein Boot hier auch an Land stellen – Unterwasserschiffreinigung und ein paar Wartungsarbeiten, du weißt schon. Dazu bräuchte ich auch eine Landunterkunft. Ist das zweite Zimmer noch frei?«, überlegte Leonie und ergänzte sogleich: »Die Ostseite passt sowieso viel besser, dort liegt ja auch das Werftzentrum. Und Familienanschluss wäre mir tausendmal lieber als irgendeine anonyme Bude.«

»Momentan ist es frei. Wenn du möchtest, kann ich gleich nachfragen, ob es für die nächsten Tage nicht bereits vergeben ist. Für wie viele Tage schätzt du denn?«, fragte ich, während wir flotten Schrittes entlang der hübschen Uferpromenade spazierten.

»Ja bitte, ruf ihn mal an! Hmm…, ich schätze so fünf bis acht Tage…« Überlegte sie angestrengt mit leicht gerunzelter Stirn, was bei ihr irgendwie auch zauberhaft weiblich wirkte.


 

Also rief ich Manolo an. Er war sofort einverstanden und freute sich, auch Leonie aufzunehmen. Allerdings nur bis maximal 9. Oktober, da danach eine Familie als neue Gäste gebucht hat, die beide Zimmer benötigt. Doch das ist kein Problem – bis dahin sollten unsere beiden Boote längst wieder im Wasser schwimmen und wir zurück an Bord leben.

Das führte nun natürlich sofort zu genauerer Planung, denn Leonie wollte im Innenraum ihrer Yacht auch einige schmutzige Arbeiten erledigen und deshalb möglichst viele Sachen an Land deponieren. Mit dem maritimen Dienstleistungszentrum hatte sie bereits vereinbart, dass sie nach dem Kranen der HR am Montag einiges in einem Schuppen auf dem Gelände unterbringen kann. Vieles von ihrem Privatkram wollte sie jedoch verständlicherweise lieber mit in die Unterkunft nehmen.

Da konnte ich als momentan ohnehin nicht ausgelasteter Gentleman selbstverständlich gar nicht anders, als ihr sofort meine Hilfe anzubieten. Mit ihrem und meinem Beiboot schafften wir später am Nachmittag alles zu Manolos Haus, was sie dort nötiger brauchte – und wo es deutlich sauberer lagert als in einem staubigen Werftschuppen. Besonders Kleidung, empfindliche Dinge und Lebensmittel waren im Haus wesentlich besser aufgehoben.

Das war eine ganze Menge Zeug, und so waren wir locker bis zum frühen Abend beschäftigt, wobei viel gescherzt und gelacht wurde. Manolos Familie nahm Leonie genauso herzlich auf wie mich, und sie fühlte sich auf Anhieb wohl. Die beiden jüngeren Brüder von Emilia – einer davon mitten in den Wirren der hormonüberfluteten Pubertät – waren sofort hin und weg. Sie verknallten sich auf der Stelle in die bezaubernde Leonie und halfen nach Kräften mit. Leonie fand das sehr amüsant und ging vergnügt und very charming mit den Jungs um, als wären sie bereits gestandene Kavalier-Verehrer.

Den Abend verbrachten wir gemütlich mit der Familie bei lustigen Gesellschaftsspielen. Vor allem Mau-Mau und Mensch ärgere Dich nicht fanden die Jungs großartig. Clever und einfühlsam, wie Leonie ist, hatte sie das Brettspiel extra für die Brüder von Bord mitgebracht.

Die Jugendlichen wiederum brachten uns ein Brettspiel bei, das in Portugal jedes Kind kennt, in Deutschland meines Wissens aber völlig unbekannt ist: Es heißt „Paga e Cala“ (auf Deutsch: „Zahl und schweig!“) vom traditionellen portugiesischen Spielehersteller Majora.

(Für Neugierige kurz zur Erklärung:)

  • Wie es funktioniert: Das Spielfeld hat 31 Felder, die die Tage eines Monats darstellen. Ziel ist es, am Monatsende das meiste Geld übrigzuhaben. Man würfelt sich durch den Monat und zieht ständig Ereigniskarten.
  • Der Humor: Es simuliert auf herrlich sarkastische Weise das echte Leben. Fast jedes Feld zwingt einen zu absurden Ausgaben (Miete, ungeplante Einkäufe, Strafzettel), während man nur selten im Lotto gewinnt. Wer pleitegeht, muss Kredite aufnehmen und Zinsen zahlen. Eine Mischung aus Monopoly und dem reinen, chaotischen Überlebenskampf eines Erwachsenen – worüber sich portugiesische Jugendliche beim Spielen köstlich amüsieren können!

 

Es war ein sehr spaßiger, rundum gelungener Abend, wobei wir uns mehrmals halb Tod lachten. Auch über die Jungs, die sich typischerweise vor Leonie bemühten möglichst erwachsen zu wirken, aber auch so herrlich unbeschwert wie Jugendliche nun mal sind, mitreißend kichern und lachen konnten. Höchst amüsiert nahm ich auch zur Kenntnis, dass es sie diebisch freute, mich bei dem ihnen fremde Mensch-ärgere-dich-nicht! rauskickten, aber versuchten Leonie Vorteile zu verschaffen.

Gegen Mitternacht gingen wir in unsere jeweiligen Gästezimmer. Wir schmunzelten immer noch über die verknallten Jungs, und Leonie verabschiedete mich mit einem sehr lieben Wangenküsschen:

»Danke für den wunderschönen Tag und Abend!«, lächelte sie und dachte offenbar erneut keine Sekunde daran, wie reizvoll sie auf mich wirkte, als sie sich an mir hochreckte und ich für einen kurzen Moment die entzückenden Formen ihres schlanken Körpers spüren durfte. Oder doch? Unterschätze ich etwa ihre weibliche Raffinesse? Egal, jedenfalls fühlte sie sich verdammt gut an und duftete dabei verlockend weiblich.

»Nichts zu danken, Deern! Es war auch für mich ein großes Vergnügen«, lächelte ich und hielt sie für einen kurzen Augenblick in einer warmen Bärenumarmung, was ihr spürbar nicht unangenehm war. Dann verschwanden wir in unseren Zimmern, und ich schlief mit einem Lächeln auf den Lippen ein.

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Algarve. Morgengedanken, Coppercoat, portugiesische Genüsse & Frauen

 

#26.09.20 – Algarve. Morgengedanken, Coppercoat, portugiesische Genüsse & Frauen

»Aaaach… jaaaa…«, reckte und streckte ich mich ausgiebig im bequemen Gästebett und dachte schmunzelnd: »…diese Ruhe ist gar nicht so übel!«

Natürlich vermisste ich es schon, momentan keine Schmusepartnerin zum Kuscheln im Bett zu haben und keine lustige Crew zum Scherzen und Lachen. Aber ganz ehrlich, Alleinsein war für mich noch nie ein Problem. Mal ein paar Tage Ruhe im Bett und sonst wo zu haben, tut einfach gut. So konnte ich mal wieder völlig ungestört und unabgelenkt meine Gedanken frei schweifen lassen, was ich sehr mag.

Dann schnappte ich mir das Smartphone und schaute nach der Wettervorhersage, was ich gestern Abend vergessen hatte. Diese versprach schon am Vormittag über 30 °C, reichlich strahlenden Sonnenschein und im Laufe des Nachmittags sogar heftige Hitze mit bis zu 36 oder 37 °C. Uff, das ist ja wirklich wie Hochsommer – und das Ende September! Statistisch liegt der Tageshöchstwert für Portimão und die West-Algarve Ende September bei ca. 25 °C bis 26 °C. Solche extremen Spätsommer-Temperaturen entstehen meist durch eine ganz spezifische Wetterlage:

  • Der Leste (Sirocco-Effekt): Normalerweise bläst an der Südwestspitze Portugals der frische, vom Atlantik kühlende Nordwestwind (Nortada). Wenn das Azorenhoch jedoch ungewöhnlich platziert ist und ein Tiefdruckgebiet vor der marokkanischen Küste liegt, dreht der Wind auf Ost bis Südost.
  • Wüstensand & Föhneffekt: Dieser heizt die Luft extrem auf, bringt trockene, heiße Saharaluft herüber und wird beim Überqueren der südportugiesischen Hügelketten durch das Absinken noch zusätzlich komprimiert und erwärmt.

Immerhin sorgt der Atlantik als natürliche Klimaanlage zumindest nachts für angenehme Schlaftemperaturen, und jetzt am Morgen war es mit 23 °C noch gemütlich. Die Sonne knallte jedoch bereits mit verblüffender Kraft vom Himmel, und in der Luft konnte man spüren, dass es heute richtig heiß werden dürfte. Also schnell frühstücken und dann das aufgebockte Boot an Land bei der Fachfirma auf die beginnenden Arbeiten am Unterwasserschiff kontrollieren, bevor es so heiß wird, dass man sich besser nicht mehr im Freien aufhält!

Manolos Familie war längst munter. Er selbst war bei der Arbeit, die Kinder in der Schule, und seine sympathisch-mütterliche Frau versorgte mich mit einem kräftigen Frühstück, wie ich es liebe. Da sie gut Englisch beherrscht, gab es keinerlei Verständigungsprobleme. Als humorvoller Mensch scherzt auch sie als Hausmütterchen gern mit Gästen wie mir, sodass wir einiges zu lachen hatten und die Stimmung hervorragend war.

Noch einen guten Kaffee danach und im Freien dazu eine Kippe anzünden, beides genüsslich schlürfen und schmauchen – dann war ich bereit für den Tag. Das ziemlich geniale Tern Vektron P5i E-Klappbike war vollgeladen. Es schafft selbst mit einem 94-kg-Brocken als Fahrer locker 50 bis 100 km Reichweite. Das hängt natürlich stark von der Fahrweise, der eingestellten Unterstützungsstufe und dem Gelände ab. Radelt man ständig auf höchster Stufe bergauf, liegt man eher bei 50 km oder darunter. Bei normaler Fahrweise im Terrain rund um die Städte dieser Region sollten jedoch mindestens 75 bis 90 km drin sein – für längere Ausflüge also völlig ausreichend.


 

Von Manolos hübschem Uferhaus zum maritimen Dienstleistungszentrum mit all den Firmen, Travellifts, Werften und Landstellplätzen sind es gerade mal rund 2,5 km, die ich locker in etwa 10 Minuten schaffte. Dort war man längst fleißig: Das alte Antifouling wurde idealerweise durch sanftes Sandstrahlen komplett entfernt. Jetzt muss der Rumpf noch etwas abtrocknen, bevor es weitergeht, was bei der aktuellen Hitze schneller gehen dürfte. Die Werft misst vor dem ersten Primerauftrag selbstverständlich erst noch die Feuchte im Laminat. Sehr wichtig: Oberflächlich trocken reicht nicht, auch tief im Laminat muss die Restfeuchte komplett verdunstet sein!

Die typischen Abläufe für das komplizierte, fachgerecht aufzutragende, dafür aber bis zu über 10 Jahre Ruhe gebende Coppercoat sehen folgendermaßen aus:

Besonderheit: Coppercoat fürs Unterwasserschiff und warum das genial ist. Wenn es richtig ausgeführt wird, ist es für Bootsfahrer der absolute Traum:

  • Die Haltbarkeit: Statt jedes Jahr oder alle zwei Jahre den Kahn aus dem Wasser zu kranen und neues Antifouling zu streichen, hat man bei Coppercoat tatsächlich oft 10 bis 15 Jahre Ruhe.
  • Kein Schichtenaufbau: Es entstehen keine dicken, abblätternden Altschichten wie bei normalem Antifouling. Das Unterwasserschiff bleibt glatt.
  • Robuster Schutz: Da es sich um ein echtes Epoxidharz handelt, bietet es gleichzeitig einen fantastischen zusätzlichen Schutz gegen Osmose.

Wenn das alte Antifouling bis auf das nackte GFK (oder das gelbe/weiße Gelcoat) durch Strahlen entfernt wurde, darf Coppercoat niemals direkt auf das Gelcoat aufgetragen werden. Es braucht zwingend eine ordnungsgemäße Vorbereitung und eine geeignete Grundierung.

Wer sich diesen Kram schon mal angetan hat, weiß aus teurer Erfahrung: Lass es besser eine seriöse Fachfirma erledigen, wenn du nicht selbst ein mit Coppercoat erfahrener Facharbeiter bist. Und selbst dann, sind die Arbeitsabläufe als Einzelperson unmöglich korrekt einzuhalten.

Der korrekte Systemaufbau nach dem Strahlen:

1.     Reinigung & Trocknung: Nach dem Strahlen muss der Rumpf gründlich entstaubt und entfettet werden (ausschließlich mit Isopropanol, keinesfalls mit Aceton). Der Hersteller von Coppercoat (Aquarius Marine Coatings) warnt explizit davor, vor dem Anstrich Aceton oder sonstige lösungsmittel- beziehungsweise ölbasierte Reiniger auf dem blanken Rumpf zu verwenden. Für das Reinigen empfiehlt der Hersteller ausschließlich Isopropanol (oder klares Wasser), da Aceton Rückstände hinterlassen kann, die das Aushärten des Epoxids beeinträchtigen.

2.     Feuchtigkeitsmessung: Das Laminat muss absolut trocken sein. Wenn nach dem Strahlen Restfeuchte im GFK steckt und man sie mit Epoxid versiegelt, riskiert man spätere Osmoseblasen.

3.     Feinspachtel (falls nötig): Trockeneis- oder Sandstrahlen hinterlässt oft eine leicht raue Oberfläche oder legt kleine Lunker/Krater im Gelcoat frei. Diese werden mit einem 2-Komponenten-Epoxidspachtel plangezogen und beigeschliffen.

4.     Die Epoxid-Grundierung (Primer): Auf das blanke Gelcoat kommt mindestens eine, meist aber 1 bis 2 Schichten eines reinen 2K-Epoxidprimers (z. B. GELSHIELD 200 oder eine herstellereigene Epoxid-Grundierung). Warum? Dieser Primer dient als Haftvermittler für das Coppercoat und baut gleichzeitig eine wasserdichte Osmose-Sperrschicht auf.

5.     Auftrag von Coppercoat (nass-in-nass): Sobald die letzte Primerschicht den richtigen Aushärtungsgrad erreicht hat (oft noch leicht klebrig/»tacky« für eine optimale chemische Verbindung), werden die 4 Schichten Coppercoat in einem Arbeitsgang zügig hintereinander aufgetragen.

Coppercoat basiert zwar selbst auf einem Epoxidharz, ist aber durch den extrem hohen Kupferanteil (rund 84 %) hochgradig mit Metallpartikeln gefüllt. Es hat dadurch nicht dieselben kriechenden, abdichtenden und tiefenhaftenden Eigenschaften wie ein reiner, ungefüllter Epoxid-Sperrgrund.

Wird Coppercoat direkt auf das Gelcoat gerollt, drohen mittelfristig zwei Probleme:

  • Haftungsverlust: Das schwere Material kann sich großflächig abplatzen lassen.
  • Mangelnder Osmoseschutz: Es bildet für sich genommen keine verlässliche Dampfsperre gegen Feuchtigkeit.

Der Schlüssel für ein Coppercoat, das dann auch wirklich 10 bis 15 Jahre hält, liegt also fast mehr in der Epoxid-Basis als im Kupfer selbst.

Die harte Realität: Warum es oft schiefgeht

Coppercoat ist kein normales Antifouling, sondern reines Chemie- und Präzisions-Handwerk. Es verzeiht nicht den geringsten Fehler. Wenn es nicht funktioniert, hat man teuren Elektroschrott am Rumpf kleben, der wie eine normale GFK-Schicht fest am Boot sitzt und kaum noch runtergeht.

Da steht man dann mit der Kaffeetasse am Rumpf und denkt an die drei kritischen Phasen, warum du das unbedingt einer spezialisierten Fachfirma überlassen solltest:

1.     Die mörderische Vorbereitung (Der Untergrund): Das alte Antifouling muss zu 100 % runter, idealerweise durch sanftes Trockeneis- oder Sandstrahlen. Der Rumpf muss klinisch rein, staubfrei und absolut trocken sein. Wenn hier geschlampt wird, blättert das teure Coppercoat später flächig ab.

2.     Das Zeitfenster beim Auftragen (»Nass-in-Nass«): Coppercoat besteht aus Epoxidharz und reinem Kupferpulver. Es müssen meist 4 bis 5 Schichten aufgetragen werden. Das Tückische: Jede Schicht muss aufgetragen werden, wenn die vorherige Schicht angetrocknet, aber noch klebrig ist (chemische Verbindung). Ist die Werft zu langsam oder das Wetter zu heiß/feucht, verbinden sich die Schichten nicht. Das erfordert ein eingespieltes, großes Team, das wie am Fließband um deine Yacht herumjagt.

3.     Das »Aktivieren« (Der wichtigste Schritt): Nach dem Aushärten ist das Kupfer komplett im Epoxidharz eingeschlossen und wirkt überhaupt nicht. Erst kurz vor dem Zurücksetzen ins Wasser muss das gesamte Unterwasserschiff fein angeschliffen werden (meist mit 400er Körnung), bis die Oberfläche matt und kupferfarben wird. Erst durch dieses Anschleifen wird das Kupfer an der Oberfläche freigelegt, sodass es im Wasser oxidieren kann. Wird hier zu zaghaft oder zu wild geschliffen, funktioniert der Bewuchsschutz nicht.

Fazit & dringende Empfehlung: Macht das auf gar keinen Fall in Eigenregie! Such dir eine Fachwerft, die nachweislich schon Dutzende Boote erfolgreich mit Coppercoat beschichtet hat und dir eine Garantie auf die Funktion gibt.

 

Bei einer Hans Christian mit ihrem riesigen, tiefen S-Spant-Unterwasserschiff ist die Fläche gewaltig. Bei einer seriösen Fachfirma in Westeuropa musst du für eine HC-48T mit Gesamtkosten von ca. 9.500 € bis 13.500 € rechnen. Auf Sicht von 10 Jahren rechnet sich jedoch jeder Cent durch gesparte Kran- und Antifoulingkosten – ganz zu schweigen von dem Luxus, sich im Pazifik oder der Karibik kaum noch anstrengend um den Rumpf kümmern zu müssen, außer ihn ab und zu mal mit einem Schwamm beim Schnorcheln abzuwischen.

Die Kalkulation einer professionellen Werft teilt sich in drei große Blöcke auf:

1.     Das mörderische Vorarbeiten (ca. 3.500 € – 4.500 €): Das ist der zeitaufwendigste Posten. Das alte Antifouling muss rückstandslos runter, ohne das darunterliegende Gelcoat zu beschädigen. Eine gute Fachfirma macht das per Trockeneisstrahlen oder feinem Sand-/Sodastrahlen. Das kostet inklusive Entsorgung des Sondermülls bei dieser Schiffsgröße allein rund 3.000 € bis 4.000 €. Dazu kommen Hallenmiete und Kran-/Bockgebühren für die Standzeit.

2.     Das Material (ca. 2.200 € – 2.600 €): Coppercoat ist im Einkauf teuer. Ein Liter (bestehend aus wasserbasiertem 2K-Epoxidharz und 2 kg reinem Kupferpulver) kostet aktuell ca. 146 €. Ein Liter reicht für ca. 4 m² bei der empfohlenen Schichtstärke (4 bis 5 Anstriche nahtlos nass-in-nass). Für ca. 60 m² Rumpffläche benötigt die Werft folglich rund 15 bis 17 Liter-Kits Coppercoat. Das macht rein für das Coppercoat-Material rund 2.200 € bis 2.500 €. Hinzu kommen spezielle Epoxid-Primer als Haftvermittler/Sperrschicht (ca. 200–300 €).

o    Das Coppercoat-Problem an den Durchlässen: Es darf niemals direkt an die edlen Bronze-Ventile oder die Geber (Logge/Lot) herangepinselt werden, ohne dass dort sauber abgeklebt oder isoliert wird (Gefahr einer galvanischen Reaktion, wenn unterschiedliche Metalle im Spiel sind). Die Werft muss diese Bereiche penibel vorbereiten.

3.     Das Auftragen & Aktivieren (ca. 3.800 € – 6.400 €): Das ist der Punkt, an dem du für die Perfektion bezahlst. Weil Coppercoat »nass-in-nass« gerollt werden muss, braucht die Werft für eine 48-Fuß-Yacht mindestens 3, eher 4 Facharbeiter gleichzeitig, die im Akkord um das Schiff herumrennen, um die Trocknungszeiten penibel einzuhalten. Ebenso kalkuliert eine gute Firma das extrem wichtige maschinelle Anschleifen (Aktivieren) kurz vor dem Einkranen mit ein. Das sind viele Stunden hochpräzise Arbeitszeit.

Werft-Check: Slick Hull Yacht Services & Sales in Portimão

Ich kann folgenden Betrieb guten Gewissens empfehlen:

  • Offizieller Händler & Fachbetrieb: Slick Hull Yacht Services & Sales in Portimão ist offizieller, gelisteter Distributor und Fachapplikateur für Coppercoat in Portugal. Das ist der wichtigste Punkt, da sie direkten Zugriff auf den technischen Support des Herstellers haben und die exakten Mischungsverhältnisse kennen.
  • Hervorragende Reputation: Die Werft hält auf Google Maps eine makellose 5,0-Sterne-Bewertung bei fast 200 abgegebenen Rezensionen.
  • Spezifische Coppercoat-Erfahrung: In den Kundenbewertungen wird das Team um den Leiter Vasil explizit für seine hervorragende Arbeit bei der Coppercoat-Applikation gelobt. Kunden betonen, dass sie das Boot primär wegen dieses speziellen Anstrichs dorthin gebracht haben und das Ergebnis perfekt war.
  • Infrastruktur für die Vorarbeit: Da sie auch auf Sand- und Mineralstrahlen (Sandblasting/Mineral blasting) spezialisiert sind, bekommt man das restlose Entfernen des aktuellen Altanstrichs dort aus einer Hand und auf professionellstem Niveau.

Ist Coppercoat wirklich sicher für dein Boot und die Umwelt?

Ja, es ist absolut sicher – und in vielen Bereichen sogar umweltfreundlicher als herkömmliche Anstriche. Deshalb ist es in Deutschland, der restlichen EU, den USA und Australien auch völlig legal und uneingeschränkt zugelassen.

  • Sicher für die Umwelt: Klassische Antifoulings funktionieren durch »Ablaugung« (Ablativ). Sie waschen sich beim Fahren permanent ab und geben Giftstoffe direkt ans Wasser ab. Ein massives GFK-Schiff hinterlässt so Jahr für Jahr eine regelrechte Mikroplastik- und Chemiespur. Coppercoat hingegen wäscht sich laut Herstellerberichten so gut wie gar nicht ab. Das Kupfer oxidiert nur minimal an der Oberfläche, um Bewuchs zu verhindern, bleibt aber fest in der harten Epoxidharz-Matrix verankert. Zudem enthält es im Gegensatz zu alten Produkten keine organischen Co-Biozide (wie das verbotene TBT).
  • Sicher für dein Boot: Gerade für ein massives GFK-Boot ist das im Coppercoat enthaltene Kupfer absolut unbedenklich. (Wichtiger Hinweis: Nur bei Aluminium-Rümpfen wäre es eine Katastrophe, da Kupfer und Aluminium im Seewasser eine galvanische Zelle bilden und das Aluminium wegfressen würden. Bei GFK isoliert das Epoxidharz perfekt.)
  • Zusätzlicher Osmoseschutz: Weil Coppercoat auf einem echten, harten 2-Komponenten-Epoxidharz basiert, versiegelt es das Unterwasserschiff mechanisch. Es wirkt in Kombination mit der Epoxid-Grundierung wie ein doppelter Schild gegen Feuchtigkeit und schützt deinen Rumpf somit sogar aktiv vor Osmose.

So, genug von all dem technischen Coppercoat-Kram! Wer sich diesen Aufwand schon einmal angetan hat, weiß aus teurer Erfahrung: Lass es besser eine erfahrene Fachfirma erledigen, wenn du nicht selbst ein mit diesem Spezialanstrich vertrauter Facharbeiter bist. Und selbst dann sind die strammen Arbeitsabläufe als Einzelperson unmöglich korrekt einzuhalten.

Bis am Unterwasserschiff alles fachgerecht fertiggestellt ist, dürfte es wohl der 5. Oktober werden. Maria aus dem Büro der Werft versorgte mich wie gewohnt aufmerksam mit einem kräftigen Kaffee und einem kühlen Erfrischungsgetränk, während ich im Außenbereich eine Zigarette genoss. Auf dem Werftgelände herrschte reges Treiben. Bei bereits knapp 30 °C beobachtete ich, wie der mächtige Travellift gerade eine elegante, moderne Motoryacht – eine Absolute 56 – sanft aus dem Wasser hob und auf den Böcken abstellte.

 

»Extra starker Kaffee für den extra starken Capitão«, meinte Maria mit einem verschmitzten Lächeln, als sie mir den Becher überreichte. »Eine wirklich schöne, klassische Yacht hast du da drüben stehen.«

»Danke, Maria. Wenn du neugierig bist, zeige ich sie dir gern einmal von innen, sobald sie wieder im Arade-Fluss schwimmt«, erwiderte ich im selben augenzwinkernden Tonfall. Sie ist schließlich nicht nur kompetent in ihrem Job, sondern auch eine sympathische und attraktive Erscheinung.

»Sehr gern, das würde mich tatsächlich interessieren«, antwortete sie prompt. Bei dieser kleinen Zigaretten- und Kaffeepause verplauderten wir sicher noch ein angenehmes Viertelstündchen.

Anschließend schwing ich mich wieder auf das E-Klapprad und steuerte über die Ponte Velha, die alte Bogenbrücke direkt neben dem Werftgelände, über den Arade hinüber nach Portimão. Mein Ziel war die Farmácia Do Rio an der Largo Francisco António Maurício nº 5. Dort hatte ich vorab einige spezielle Präparate für die Bordapotheke geordert, die nachbestellt werden mussten und nun abholbereit lagen.

Eigentlich hatte ich mir Lust, danach noch etwas durch die Gassen von Portimão zu schlendern. Doch das Thermometer kletterte unaufhaltsam über die 30-Grad-Marke. Der schwache Wind aus West brachte keinerlei Abkühlung, sondern fühlte sich eher an wie die Luftschneise eines aufdrehenden Heizlüfters – und das noch vor der Mittagszeit. Selbst in meiner leichten Leinenkleidung kam ich spürbar ins Schwitzen. Bei den für den Nachmittag angekündigten 35 °C und mehr war mir das Pflastertreten dann doch kein Vergnügen.

 

Also radelte ich zurück zum Anwesen meiner Gastgeber. Das schneeweiß gekalkte Haus ist im traditionellen südländischen Stil mit dicken Mauern gebaut, sodass das Innere auch ohne Klimaanlage erstaunlich kühl bleibt. Das funktioniert natürlich nur, wenn man tagsüber bei der Affenhitze Türen und Fenster konsequent geschlossen hält. Selbstverständlich heizen sich auch solche Häuser irgendwann auf, wenn eine Hitzewelle wochenlang anhält. Doch solange es nur ein paar extreme Spätsommertage sind und das Atlantikklima nachts für Abkühlung sorgt, kühlen die Mauern verlässlichen wieder aus.

Nach der kurzen Rückfahrt erfreute ich mich drinnen an angenehmen 25 °C und nutzte die Gelegenheit für eine frische Dusche. Dank der Motorunterstützung des Klapprads war die Fahrt zwar kaum anstrengend gewesen, aber das heiße Wetter verlangte dennoch seinen Tribut und ich wae etwas verschwitzt. Bis zum Mittagessen um 14:00 Uhr arbeitete ich entspannt am Laptop. Draußen brütete inzwischen die vorhergesagte Hitze von 35 °C, während es im Haus bei knapp 26 °C wunderbar auszuhalten war.

Muttchen Mariana servierte uns dann eine regionale Spezialität: die portugiesische Variante der bekannten spanischen Kaltspeise Gazpacho, an der Algarve bekannt als Arjamolho, gereicht mit frisch gegrilltem Fisch und krustigem Brot. Portugal pflegt hier eine ganz eigene Kulinarik. Während die spanische Gazpacho meist samtig-fein püriert im Glas oder tiefen Teller auf den Tisch kommt, bleibt das Gemüse in der traditionellen portugiesischen Zubereitung komplett gestückelt.

Besonders im Süden des Landes – im Alentejo und an der Algarve – gehören zwei regionale Varianten fest zum Sommer:

1. Gaspacho Alentejano (Region Alentejo)

Im Binnenland des Alentejo wird das Gemüse – reife Tomaten, knackige Gurken sowie rote und grüne Paprika – zusammen mit Knoblauch von Hand in winzige Würfel geschnitten, niemals püriert.

  • Die Zubereitung: Das fein gewürfelte Gemüse wird mit eiskaltem Wasser, hochwertigem Olivenöl, kräftigem Weinessig, Salz und etwas getrocknetem Oregano angerichtet.
  • Das Brot: Altbackenes, festes Weizenbrot (wie das traditionelle Pão Alentejano) wird ebenfalls gewürfelt und direkt unter die kalte Suppe gemengt. Es saugt die Vinaigrette auf und verleiht dem Gericht eine angenehme Griffigkeit.

2. Arjamolho (Region Algarve)

Hier an der Küste heißt der kulinarische Zwillingsbruder Arjamolho. Die Zutaten sind weitgehend identisch, die Zubereitung unterscheidet sich jedoch in Nuancen:

  • Die Zubereitung: Ein Teil des Knoblauchs, des Oreganos und der Tomaten wird vorab im Mörser zu einer aromatischen Paste zerstoßen, bevor das restliche gewürfelte Gemüse und eisgekühltes Wasser hinzugefügt werden.
  • Typische Beilage: Während die Suppe im Alentejo oft als eigenständige Mahlzeit gereicht wird, dient der Arjamolho an der Algarve als klassische Begleitung zu gegrillten Sardinen (Sardinhas Assadas) oder anderem Fisch. Die feine Essigsäure und das frische Gemüse schneiden wunderbar durch das Fett des gegrillten Fisches.

Wer die spanische Variante schätzt, aber Lust auf etwas mehr Textur und Kräuteraroma hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Die Kombination aus dem heißen, kross gegrillten Fisch und der eiskalten Suppe schmeckte hervorragend. Als weitere Beilage gab es Batatas Cozidas. Das klingt im ersten Moment spektakulärer als es ist – es handelt sich schlicht um gekochte Salzkartoffeln. Allerdings nehmen sie in der portugiesischen Küche eine wesentlich zentralere Rolle ein als in Mitteleuropa.

 

Was macht Batatas Cozidas zum Fisch so besonders?

  • Kochen mit Schale: Traditionell verwendet man kleinere, festkochende Kartoffeln, die mit der Schale im Salzwasser gar gekocht werden (oft auch als Batatas a Murro zubereitet, wenn sie danach leicht angequetscht werden). Das Meersalz im Kochwasser verleiht ihnen ein kräftiges Eigenaroma.
  • Das Finish bei Tisch: Die heißen Kartoffeln werden auf dem Teller halbiert oder leicht zerdrückt und reichlich mit gutem, nativem Olivenöl (Azeite) beträufelt. Oft gibt man noch fein gehackte Zwiebeln, Knoblauch oder frische Petersilie darüber.
  • Die Geschmackskombination: Die heiße Kartoffel nimmt das Öl und den salzigen Saft der gegrillten Sardine auf. Zusammen mit dem kühlen, säuerlichen Arjamolho entsteht ein perfektes Zusammenspiel für heiße Sommertage.

Ein klassischer portugiesischer Sommerteller sieht also folgendermaßen aus:

1.     Einige kochend heiße, frisch über Holzkohle gegrillte Sardinen.

2.     Ein paar Batatas Cozidas, beträufelt mit Olivenöl.

3.     Ein zünftiger Schöpflöffel des eiskalten Arjamolho, entweder in einer separaten Schale serviert oder direkt über die Kartoffeln gegeben.

Zu dieser Mischung passt hervorragend ein spritziger, säurebetonter Wein, der den Gaumen erfrischt – allen voran ein junger Vinho Verde. Der Quinta da Aveleda Vinho Verde ist hierfür ein verlässlicher Vertreter, den man gelegentlich auch in gut sortierten mitteleuropäischen Märkten findet. Für heiße Tage ist das eine leichte, schmackhafte Mahlzeit, die lange satt macht.

Als Abrundung gab es Pastel de Nata zusammen mit einer Bica – dem unsterblichen Dessert-Klassiker Portugals. Diese Blätterteigtörtchen mit Puddingfüllung passen einfach immer. Knuspriger Teig trifft auf eine cremig gebackene Vanille-Ei-Füllung, die vor dem Servieren mit etwas Zimt und Puderzucker bestreut wird. Man genießt sie lauwarm zusammen mit dem starken portugiesischen Espresso. Der dichte, bittersüße Kaffee balanciert die Süße des Gebäcks aus und vertreibt die Trägheit nach dem Essen.

Bei Tisch ging es in dieser humorvollen Runde ähnlich lebhaft zu, wie mit meiner Crew zuvor. Es wurde geplaudert, gescherzt und die eine oder andere Fopperei ausgetauscht. Gute Gespräche erkennt man schließlich daran, dass man sich gegenseitig schlagfertig aufziehen kann, ohne dass gleich jemand eingeschnappt reagiert.

So delikat gesättigt – ich gestehe, wieder einmal etwas mehr zugelangt zu haben, als der reine Hunger erfordert hätte – wäre etwas Bewegung eigentlich angebracht gewesen. Die Familie, allen voran Mutter Marijana, amüsierte sich köstlich über meinen gesunden Appetit und die von mir verputzten Mengen. Bei inzwischen 37 °C Außentemperatur stand mir der Sinn allerdings nicht nach einem Spaziergang oder Sport im Freien. Ein Fitnessraum war im Haus zwar nicht vorhanden, aber Gymnastik funktionieren schließlich überall. Tochter Emilia schloss sich spontan an, und so absolvierten wir eine gute halbe Stunde lang ein kleines, körperliches Programm.

Manolo hat durch seine Arbeit als Kleinunternehmer ohnehin ausreichend körperliche Betätigung; die ohnehin mütterlich-füllige Marijana hält sich beim Essen lieber etwas zurück, und die beiden jüngeren Kinder ließen sich von der Hitze ohnehin nicht bremsen. Kaum war der letzte Bissen geschluckt, verschwanden sie nach draußen zu ihren Freunden, um im Viertel herumzutoben – genau das Richtige für dieses Alter und allemal besser, als stundenlang vor einer Spielekonsole zu hocken.

Emilia zeigte sich im Umgang keineswegs mehr so spröde zurückhaltend wie zuvor, sondern begegnete dem weitgereisten, faszinierend fremden Gentleman Captain mit einer charmant-koketten Note. Es war diese feine, bewusst eingesetzte Zurückhaltung, mit der junge Frauen gern ihre Wirkung austesten.

Sie ist vielleicht keine auffällige Schönheit im klassischen Sinne, aber ausgesprochen hübsch, von hoher, schlanker Statur mit einer Figur wie aus dem Modekatalog. Wie ich inzwischen erfuhr, ist sie auch kein Teenager mehr; da hatte ich bei der ersten Vorstellung etwas missverstanden. Auch in der eher traditionell geprägten Provinz ist die jüngere Generation längst selbstbewusst unterwegs. Emilia hat fraglos ihre Verehrer, flirtet gern und weiß ihren Charme geschickt einzusetzen. Hinter der bescheidenen Art steckt eine aufgeweckte junge Frau, die recht genau weiß, was sie möchte, auch von Männern.

Ich stieg schmunzelnd auf ihre leicht verführerischen Versuche ein, den gestandenen Mann ein bisschen aus der Reserve zu locken. Es ist schließlich ein vertrautes Spiel, das ohne tiefere Hintergedanken einfach aus Neugierde und Spaß an solchen weiblichen Spielchen entsteht. Natürlich gilt ihr Hauptinteresse wohl eher Gleichaltrigen, aber das Austesten der eigenen Ausstrahlung an einem erfahrenen, distinguierten Gentleman, gehört in diesem Alter bei Vielen einfach dazu. Ein amüsanter Zeitvertreib an einem drückend heißen Nachmittag an der Algarve.

Tatsächlich bewegte sich Emilia dabei nur in einem dünnen, weißen Slip und einem ebenso zarten Top – worunter sie unübersehbar nichts weiter trug –, barfuß und grazil auf diese ganz eigene, verlockend weibliche Art. Aber stets so, als wäre ihr gar nicht bewusst, welch reizvolle Anblicke sie meinen genießenden Männeraugen bot – was natürlich nur gespielt war. In Wahrheit beobachtete sie meine Reaktionen darauf sehr genau und war sich völlig im Klaren darüber, wie anziehend sie als attraktive junge Frau wirken musste.

Nun, als erfahrener Fotograf weiblicher Schönheit, der schon mit vielen jungen Models gearbeitet hat, kenne ich mich mit solchen Spielchen natürlich bestens aus. Und ich gebe auch gern zu – was schließlich völlig normal ist –, dass mir ihr Anblick Freude bereitete und sie mir gefiel. Dieses ewige Spiel zwischen den Geschlechtern macht halt einfach Spaß, und wenn man sich sympathisch ist und es ein wenig kribbelt, umso mehr.

Aber eines ist auch klar: So etwas tun weibliche Wesen selten völlig ohne Hintergedanken. Deshalb wunderte es mich kein bisschen, als Emilia bald darauf nachfragte:

»Du, sag mal, du bist doch auch Profi-Fotograf und sehr erfahren mit Models, oder?«

»Ja, gewiss. Weshalb fragst du?«, ahnte ich schon, worauf sie hinauswollte, ließ mir aber nichts anmerken.

»Weil… also wenn du mich als Solcher anschaust: Würdest du sagen, ich wäre hübsch genug und geeignet als Model?«, fragte sie und sah mir selbstbewusst mit neugierigen, leicht verlockenden Augen direkt in die meinen.

»Ach komm, Emilia, jetzt tu nicht wie ein unerfahrenes, naives Mädchen!«, schmunzelte ich amüsiert über dieses Gespräch, das ich in meiner Laufbahn schon häufiger in sehr ähnlicher Art und Weise geführt habe. »Ein Blick in den Spiegel genügt, damit du weißt, wie hübsch du bist und was für eine tolle Figur du hast. Du bist viel zu clever, um das nicht ganz genau zu wissen!«

»Stimmt…«, lachte sie über sich selbst. »…aber wann trifft ein Girl wie ich schon mal auf einen so erfahrenen Vollprofi wie dich? Deshalb war und bin ich einfach neugierig auf deine objektive Einschätzung – sowohl als Fotograf wie auch als Mann.«

»Verstehe…«, meinte ich und ging ans Fenster, um mir eine Kippe anzuzünden, während sie sich verflixt fotogen, sogar ein klein wenig lasziv auf einer Liege mit weißer Überzugsdecke platzierte. Mit ihrer südländisch gebräunten Haut, den dunkel- rötlichbraunen Haaren und der hauchdünnen weißen Kleidung wirkte sie in dieser Pose sehr reizvoll. »…also ganz objektiv und ehrlich: Ja, du bist sehr attraktiv, ausgesprochen fotogen, hättest mit deiner Körpergröße beste Voraussetzungen und – hoho – ja, auch als Mann gefällt mir der Anblick außerordentlich. Möchtest du denn Model werden?«

 

»Não, não, Capitão... nicht wirklich! Ich will studieren«, antwortete sie mit festem Blick. »Es reizt mich einfach, mich mal auszuprobieren und schöne, sexy Aufnahmen von mir machen zu lassen. Du weißt schon: einfach um zu erleben, wie das ist. Und wenn ich irgendwann alt und grau bin, kann ich mir anschauen, wie jung und schön ich einmal war.«

»Das verstehe ich gut; diesen Wunsch haben viele junge Frauen«, lächelte ich verständnisvoll, woraufhin wir uns noch länger und auch ernsthaft darüber unterhielten.

Für die rund zehn Tage meines Aufenthalts sprach im Grunde nichts dagegen, mit Emilia Shootings zu machen – im Gegenteil, es wäre eine willkommene kreative Abwechslung. Doch als Gast im Haus einer einheimischen Familie, selbst wenn die Eltern sehr tolerant sind, ist es etwas diffizil und erfordert es Fingerspitzengefühl, mit der Tochter ästhetisch-reizvolle Fotos zu machen; auch wenn diese volljährig ist und selbst entscheiden darf. Deshalb bestand ich darauf, ein solches Projekt nur dann umzusetzen, wenn ihre Eltern damit einverstanden sind.

Wir schossen deshalb gleich ein paar Probeaufnahmen – und ja, Emilia besitzt definitv ein natürliches, sehr fotogenes Talent vor der Kamera. Diese Bilder kann sie nun ihren Eltern zeigen, um mit ihnen zu besprechen, ob sie Einwände haben. Selbstverständlich ging es hier nicht um Aktaufnahmen, sondern um geschmackvolle, weiblich-attraktive, leicht sexy Fotos, wie sich moderne junge Frauen heutzutage ganz selbstverständlich sowieso gern zeigen.

Am Abend überlegte ich kurz, noch zum Essen ausgehen, entschied mich dann aber für ein gemütliches Ausklingen im Haus und auf meinem Gästezimmer. Ich erledigte noch einige Dinge online am Laptop, schrieb unter anderem an diesem Blog und unternahm bei mittlerweile sehr angenehmen 25 °C noch einen ausgiebigen Spaziergang. Dieser führte mich zunächst am Flussufer und der romantisch beleuchteten Uferpromenade entlang und anschließend durch die malerischen Dorfgassen.

Schließlich kehrte ich noch für eine halbe Stunde in die nette Bar Os Três Macacos in der R. Vasco da Gama 18 ein, die ich bereits bei meinem letzten Aufenthalt beschrieben hatte. Ich traf sogar ein paar bekannte Gesichter wieder. Nach ein paar heiteren Gesprächen und bester Stimmung, kehrte ich kurz nach Mitternacht zurück und legte mich zufrieden schlafen.

 

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