Algarve, Lagos, Finca- & Felsküsten Vibes und ein Kunstinteressent

 

#26.07.01 - Algarve, Lagos, Finca- & Felsküsten Vibes und ein Kunstinteressent

Das atlantische Küstenklima an der Algarve ist, zumindest derzeit im Sommer, wirklich prima. Auch wenn es tagsüber deutlich über 30°C werden können, sinken die Temperaturen nachts durch den Einfluss des kühlen Atlantiks meist auf angenehme Werte zwischen 19 und 24°C. So kann man wunderbar schlafen und auch sinnlich schmusen, ohne gleich schwitzend aneinander zu kleben. Und Letzteres machten wir heute Morgen ausgiebig, inklusive eines schönen Liebesspiels. zwinker

Dann duschten wir uns frisch und gingen zum Frühstück nach unten. Ein Blick aus dem Fenster zeigte Britt nach dem morgendlichen Plantschen im Pool beim Abtrocknen. Sie stand auf den hellen Fliesen, während die Wassertropfen auf ihrer Haut in der Morgensonne glitzerten. Unser freundlicher Gastgeber Rodrigo beäugte das weiblich verlockende Schauspiel mit sichtlichem Vergnügen genauso genüsslich wie meine Wenigkeit. 

 

Wir begrüßten uns in der lichtdurchfluteten Loggia, und während ich auf meinen frischen Café-Crema vom Personal wartete, nahm ich mir am Buffet ein paar Happen Mangostücke, Wassermelone, Banane und Kirschen. Das Obst war kühl und erfrischend. Mit dem guten Kaffee in der Hand ging ich auf die Terrasse und paffte dort zunächst meine geliebte Morgenzigarette, bevor ich richtig frühstückte. Der blaue Rauch zog träge in den wolkenlosen Himmel.

»Ach, herrlich hier, nicht wahr?!« Folgte mir Vicky nach draußen und rauchte ebenfalls eine Kippe, während sich Britt nur zwei Züge von uns klaute, um den Geschmack auf der Zunge zu haben. In Rodrigos Richtung rief sie mit einem strahlenden Lächeln: »Eine bezaubernd hübsche Finca hast du hier!«

»Danke, schöne Vicky und Britt, doch durch eure Anwesenheit wird sie noch viel schöner!« Lächelte der Schlawiner galant. Seine Augen blitzten aufmerksam, was die Frauen mit einem charmanten Lächeln quittierten.

Inzwischen haben wir Rodrigo recht gut kennengelernt. Ich weiß natürlich nicht, wie er im Geschäftsleben oder früher als Ehemann war, doch er ist eindeutig ein galanter, sympathischer, hochgebildeter Gentleman-Typ mit gesundem, trockenem Humor und ebenso eindeutig ein großer Bewunderer weiblichen Liebreizes. Man kann herrlich locker mit ihm scherzen, sich aber auch auf sehr tiefschürfend intellektuelle Unterhaltungen einlassen. Es gibt kaum einen Themenbereich, in dem er sich gar nicht auskennt; ähnlich wie ich ist er eher ein Universalist, der sich für sehr viele Facetten des Lebens interessiert.

Sein Hauptaugenmerk richtet sich allerdings auf Kunst generell, insbesondere auf die darstellenden Künste und die Malerei. Als leidenschaftlicher Hobbyfotograf versucht er sich seit rund einem halben Jahr auch an schöner, softerotischer Fotokunst, wobei ihm die Ästhetik des weiblichen Körpers im Spiel von Licht und Schatten besonders am Herzen liegt. Natürlich hatten sich Britt und Vicky sofort völlig locker bereit erklärt, unserem großzügigen Gastgeber gern ein bisschen im Garten oder am Pool zu posieren, was ihn selbstredend sehr freute.

»Ja, lieber Rodrigo, deine Finca hier ist echt zauberhaft.« Lächelte Britt ebenfalls, strich sich eine nasse Locke aus dem Gesicht und ergänzte, sich auch an uns andere wendend: »Und so malerisch in diese fantastische Küstenlandschaft eingefügt. Gehen wir die heute wieder erkunden?«

»Sehr gern, die ist hier wie ein riesiger, natürlicher Abenteuerspielplatz, mit entzückenden kleinen oder größeren Stränden für Badespaß im erfrischenden Meer.« Waren wir sofort dafür. Lois, die sich in dieser Ecke der Region ziemlich gut auskennt, hat uns bereits einige sehr reizvolle Stellen abseits der Touristenwege gezeigt und meinte ebenfalls sehr charmant zwinkernd zu mir: »Dann musst du aber wieder schöne Fotos von uns schießen!«

»Mit dem größten Vergnügen…, aber nur, wenn ihr ganz lieb zu mir seid und den Captain nicht ärgert, hehe!« Grinste ich, während wir uns nun um einen schmiedeeisernen Gartentisch auf der Pool-Terrasse unter einem schattenspendenden Patio versammelten, um uns für den Tag kräftig zu stärken. Das Geschirr klapperte leise auf dem Metalltisch.

»Pah, der Captain sollte uns auf Knien dafür danken, uns fotografieren zu dürfen, haha.« Konterte Britt schlagfertig wortgewandt, worüber Rodrigo und Demo amüsiert schmunzelten.


 

So frotzelten wir, wie wir es lieben und gerne fast immer miteinander tun, während wir ordentlich bei allen aufgetischten Köstlichkeiten zulangten. Die urige, auch sehr humorvolle »Wuchtbrumme«, die hier als Haushälterin und Köchin agiert, versprach uns delikate Snacks zum Mitnehmen in Kühl-Rucksäcken. Doch wir bremsten sie gutgelaunt und baten lediglich um etwas Obst sowie Erfrischungsdrinks, da wir zum Mittagessen doch wieder zurück in die Finca kommen wollten. Wir nutzen übrigens hochwertige Yeti Hopper M20 Backpacks, die zwar ziemlich teuer in der Anschaffung sind, aber hervorragend isolieren und dichthalten; Qualität hat halt zurecht ihren Preis, besonders unter der heißen Sonne Portugals.

Sehr lecker gestärkt erledigten wir zunächst noch eine Stunde notwendige Online-Arbeit an den Laptops, dann brachen wir endlich auf, um die fantastische, wildromantische Felsenkliff-Küste weiter zu erkunden. Die Steilküste ist hier tatsächlich noch ein gutes Stück rauer und beeindruckend schöner als bei Portimão. Jetzt in der Hochsaison ist es nur schwer möglich, Plätze zu finden, an denen es überhaupt keine Touristen gibt, welche die faszinierenden Landschaften, Kliffs, Buchten und bizarren Felsformationen ebenfalls gern erkunden wollen. Aber Lois kennt ein paar geheime Schleichwege und versteckte Pfade, auf die sich normale Urlauber eher selten verirren.

Die grandiosen, meist goldbraunen, manchmal felsengrau-braunen oder abschnittsweise grün bewachsenen Felsformationen, die von den Gezeiten und der jahrtausendalten Erosion ausgespült wurden, sind einfach WOW! Man fühlt sich wie in einer anderen Welt aus einem Märchenfilm oder so. Es ist ein riesiger, von der Natur erschaffener Abenteuerspielplatz, auf dem man hinter jeder Biegung etwas Neues entdecken kann.

Inzwischen hatten wir sonnige 27°C, mit einem schwachen Wind aus Südost, der zwischen all den zerklüfteten Felsen leise säuselte. Das bot eine angenehme Kühlung bei den anstrengenden Klettertouren über Stock und Stein. Permanent eröffneten sich uns unglaubliche Ausblicke über die Küste und den weiten Ozean. Manchmal stand man staunend mit offenem Mund einfach nur da, ließ seinen Blick schweifen und konnte kaum glauben, welche Skulpturen die Natur da aus dem Stein gemeißelt hat.

»Look at this! Awesome, fantastic…« und ähnliche, begeisterte englische Ausrufe kamen öfters vor allem von Britt, wenn sich das Panorama wieder öffnete. »Hej, können wir in dieses Tor zur Unterwelt eindringen, Lois?« Wies sie abenteuerlustig auf einen landseitigen Höhleneingang, der im Halbschatten der Klippe tatsächlich wie ein leicht unheimlicher Eingang zu einer verwunschenen Schattenwelt ausschaute.


 

»Ja… und wenn wir uns ganz hinten in der Höhle durch einen schmalen Spalt zwängen…« schaute sie leicht zweifelnd auf meine männliche Bärenstatur »…also wenn der Captain durchkommt, haha, kommen wir sogar unten am Meer an einer Stelle raus, wo man sonst nur mit dem Boot hinkommt. Hat mir mal ein einheimischer Freund gezeigt.«

»Nicht dass uns der Captain in dem Spalt steckenbleibt und, hahaha, elendig verhungert.« Lachte Vicky laut auf, und Britt kommentierte frech: »Und wenn schon; für was brauchen wir ihn überhaupt?«

»Würden wir überhaupt bemerken, wenn er fehlt, hihi?« Haute Lois feixend in die gleiche Kerbe.

»Demo, wir müssen was unternehmen!« Grinste ich sehr amüsiert über diese weiblichen Frechheiten, die natürlich nur lieb gemeint waren. »Wenn wir drinnen sind, verrammeln wir den Eingang und den Durchgangsspalt. Dann opfern wir sie den „Mouras Encantadas“ Höhlengeistern, damit sie uns Männer unbeschadet durchlassen, hoho.«

»Wieso? Wenn die Frauen durch den Spalt kommen, komme ich auch durch.« Meinte der athletisch schlanke Demo trocken und verriet eiskalt die männliche Solidarität. Unerhört, diese respektlose Crew! Ich muss mir wohl schleunigst strengste Disziplinarstrafen ausdenken und die Bande beim nächsten Segeltörn zur Strafe Kielholen! lach

Heiter und viel darüber lachend, recherchierten wir unterwegs auf den Smartphones über lokale Sagen und Legenden zu Höhlengeistern. Zur Folklore: Es gibt reichlich Mauren-Legenden an der Algarve, die perfekt zu diesen dunklen Höhlen, Klippen und versteckten Orten passen. Die Region war lange Zeit unter maurischer Herrschaft, und daraus entstanden viele Geschichten über die Mouras Encantadas – verzauberte Maurinnen oder Mauren-Prinzessinnen. Das sind schöne, übernatürliche weibliche Wesen, oft Geister oder verfluchte Königstöchter, die in Höhlen, Ruinen, alten Quellen oder direkt an der Brandung Küstengängern erscheinen.

»Hm, wenn da was dran ist, sollte ich vielleicht gern steckenbleiben und auf eine wunderschöne, liebe Mauren-Prinzessin warten, die nicht so gemein zu mir ist wie ihr!« Grummelte ich scherzhaft, und dann drangen wir vorsichtig nacheinander in diese Höhle vor. Der Boden war uneben und die Luft kühl.

Wie schon zuvor beschrieben, muss man bei solchen Touren natürlich gut aufpassen. Man sollte die Felsdecken über sich genau im Auge behalten, um nach von der Erosion gelockerten Felsbrocken zu schauen, die plötzlich herunterfallen könnten. An dem besagten Felsspalt wurde es dann tatsächlich verdammt eng für meine Statur. Ich musste mich wie eine Schlange winden, den Bauch einziehen und ein paar leichte Kratzer an den Schultern in Kauf nehmen, während die Frauen und Demo problemlos hindurchschlüpften.

Auch ungefähr 25 Meter tief in der Höhle wurde es nie ganz stockdunkel; vom oberen Eingang und von unten, knapp über dem Meeresspiegel, flimmerte genügend reflektiertes Sonnenlicht herein, um sich einigermaßen sicher auf den rauen Steinen zu bewegen. Hinter dem Engpass wurde es auch gleich wieder breit genug, sodass man sogar zu zweit nebeneinander gehen konnte. Der Raum öffnete sich spektakulär. Unten kamen wir auf einem schmalen Sandstreifen hinaus, der geradezu melodramatisch von grandiosen Felsbögen überspannt wurde, die wie gotische Kathedralen wirkten und hoch aufragten.

Etwa 10 bis 12 Meter Richtung Ozean sank der sandige, von einigen Felsbrocken garnierte Boden weiter ab, sodass die aktuell schwache Brandung ein paar Meter rhythmisch hineinschwappte. Ein Ort wie verzaubert, der uns wieder sprachlos staunen ließ. Und das Beste: Kein einziger Mensch war in der Nähe zu sehen, auch keines der vielen Boote mit privaten oder touristischen Ausflüglern kreuzte vor dem unteren Höhlenausgang. Das nutzten wir sofort aus, machten uns alle kurzerhand splitternackig und kletterten wegen all der teils scharfkantigen Felsbrocken im Uferbereich vorsichtig, aber freudig in die herrlich erfrischenden Fluten des Atlantiks.


 

Vergnügt plantschend kühlten wir uns ab und spülten den Sand, den Staub und den Schweiß von den Klettertouren zuvor von der Haut. An diesem fantastischen Platz blieben wir bis zur Mittagszeit, erkundeten jede kleine Felsnische, faulenzten im weichen Sand und erfrischten uns natürlich mehrmals im klaren Meerwasser. Dann kletterten wir bei inzwischen etwa 33°C die steilen Klippenpfade wieder hoch zur Finca und duschten uns den Schweiß, den Sand und das Salz gründlich ab.

Rodrigo, der sich in seinem Alter verständlicherweise nicht mehr gesund und fit genug fühlt, um solche anstrengenden Klettertouren mitzumachen, erwartete uns bereits auf der schattigen Terrasse. Milde und vergnügt lächelnd hörte er vor allem Britt zu, die mit fast schon kindlicher Aufregung von unseren Entdeckungen berichtete. Natürlich kennt er jede Spalte da unten, denn die Finca ist schon seit vielen Jahrzehnten in Familienbesitz. Als Kind und Jugendlicher erkundete er selbstverständlich auch all diese Küstenabschnitte und Höhlen. Er erzählte uns beim Speisen schmunzelnd, wie er sich damals in die Rolle eines Piratenkapitäns versetzte, der an dieser Küste strandet, oder sich als mutiger Retter einer wunderschönen, maurischen Höhlenprinzessin sah.

Es gab klassische Antipasti als Vorspeise, dann ein köstliches, saftig-zartes Fischfilet, das einem förmlich auf der Zunge zerging. Serviert wurde es mit einer einheimischen Version von würzigem, leicht scharfem Djuvec-Reis und einem knackigen Tomaten-Kräuter-Salat mit Olivenöl. Dazu genossen wir einen gut gekühlten Rosé-Wein und spritziges Mineralwasser.

Als Nachspeise servierte die sympathische Köchin eine Riesenschüssel mit herrlich fruchtig-frischem Obstsalat. Er bestand zur Hälfte aus saftig-süßen Erdbeeren, dazu Rosinen, Wassermelonenstücke, Mango, Passionsfrucht und allerlei Beeren; wer wollte, bekam einen großen Klecks selbstgemachte Schlagsahne dazu. Zum Abschluss gab es noch würzigen Käse, vor allem für Rodrigo und mich, die wir diese »Käse schließt den Magen«-Happen besonders lieben, sowie einen exzellenten, starken Kaffee.

Nach einer faulen, entspannenden Ruhepause im Schatten sehr hoher Sichtschutzhecken am Pool wollten die Frauen am liebsten am Strand abhängen. Die offiziellen Badestrände und auch die bekannteren Ecken sind um diese Jahreszeit fast überall voll oder zumindest nicht leer. Aber wenn man sich gut auskennt oder ein wenig sucht, findet man doch abgelegenere Plätze, an denen sehr wenige oder gar keine Menschen sind. An so einen versteckten Platz führte uns Lois über die grandiosen Klippenwege. Und tatsächlich konnten wir dort, so wie es für uns einfach am schönsten ist, völlig ungestört und nackt in der Sonne liegen oder im Meer baden.



 

An Lois’ und Britts Körper verrieten hellere Stellen im Hautton, dass sie im Alltag daran gewohnt sind, meist Badekleidung zu tragen. Vicky ist es jedoch wichtig, absolut gleichmäßig gebräunt zu sein; an ihrem schönen, schlanken Körper findet sich nirgendwo auch nur der kleinste, helle Fleck. Mir selbst ist meine Bräunung eher gleichgültig, aber ich liebe das Strand- und Badeerlebnis vorzugsweise in natürlicher Nacktheit und hasse es beispielsweise, nach dem Baden eine nasse, kalte Badehose am Körper kleben zu haben.

»Mensch, wir haben im Baltikum und in Skandinavien auch großartige Strände, die ich wirklich liebe. Aber dort ist es viel kühler und bei Weitem nicht so romantisch schön wie hier an der Algarve. Was für fantastische Klippen und Landschaften!« Seufzte Vicky wohlig und räkelte ihre entzückenden Formen im strahlenden Sonnenschein auf einem hellgelben Strandtuch. Die Brandung plätscherte nur sanft auf den feinen Sandstrand – eine einschläfernde, beruhigende Melodie… und ich war prompt schon leicht am Einschlummern.

»Ja, ich kenne einige Strände und Küsten im Norden, und ihr habt dort natürlich auch fantastische Landschaften. Doch der Süden ist…, nun eben der Süden. Wärmer, angenehmer, und die Algarve hat mit die faszinierendsten Küsten, die ich kenne.« Streichelte ich lächelnd über ihre zarte, nach Sommer, Sonne, Salz, Sonnenschutzmittel und Strand duftende Haut an Rücken und Po. »Wenn ich die Wahl habe, bevorzuge ich immer den Süden und die Wärme. Warst du schon mal an der Amalfi-Küste? Die ist auf eine andere Art ähnlich beeindruckend wie die Algarve und…« bemerkte ich, dass sie bereits friedlich eingeschlummert war, und streckte mich ebenfalls gemütlich aus.

So ein kleines Nachmittags-Nickerchen in südlicher Wärme am Strand, umgeben von grandiosen Landschaften und netten Menschen, ist doch etwas Herrliches! Schätzungsweise eine gute Dreiviertelstunde versank ich in irgendwelchen Träumen, an die ich mich nach dem Aufwachen allerdings nicht mehr erinnern konnte. Dann weckte mich Britt typisch frech, indem sie sich tropfnass direkt aus dem Meer kommend quasi auf meinen von der Sonne erhitzten Körper drauflegte. Das kalte Wasser auf der heißen Haut ließ mich aufschrecken.

»Hej, ihr Schlafmützen!« Spritzte sie auch auf Vicky einige kühle Tropfen. »Wollt ihr den ganzen, herrlichen Nachmittag verpennen?«

»Na warte, du Freche!« Umklammerte ich sie schnell mit eisernen Bärenkräften und patschte ihr mit einer Hand kräftiger, aber natürlich trotzdem zärtlich, auf die knackigen Pobacken.

Lachend und spielerisch miteinander kämpfend, rollten wir vom Badetuch durch den Sand, der prompt überall an uns klebte, und wollten dann natürlich gleich in die Brandung laufen, um uns wieder abzuspülen. Nach einer Stunde in der kräftig herunterknallenden Sommersonne taten mir die erfrischenden 20 oder 21°C im Atlantik sehr gut. Für die Fitness und den Kalorienverbrauch kraulte ich sportlich Strecke und schwamm ziemlich weit hinaus, wo ich mich schließlich auf den Rücken drehte und als »Toter Mann« treiben ließ.

Wie ich das liebe! Die sanfte Ozeandünung hebt und senkt dich bei dem schönen, ruhigen Wetter ganz sachte; ab und zu spülen plätschernde Wellen leicht über den Körper und das Gesicht. Leuchtend blaues Meer umgibt einen, und nach Westen müsste man tausende Kilometer über den offenen Ozean schwimmen, um wieder festes Land zu erreichen. Am hellblauen Himmel kreisten majestätisch einige Seevögel unter ein paar Streifen ganz dünner Schleierwolken, hier und da getüpfelt von kleinen Schäfchenwolken. Uralte Urinstinkte sorgen in solchen Momenten für ein tief in den Genen verankertes Wohlbefinden, da bekanntlich alles Leben auf unserem Planeten ursprünglich aus dem Meer kam.

In den Tropen könnte ich mehrmals täglich Stunden im warmen Meerwasser verbringen. Bei den Wassertemperaturen hier muss man sich durch Bewegung jedoch ausreichend warmhalten, weshalb ich nach vielleicht zehn Minuten ebenso sportlich zurück kraulte, was die Muskeln wieder gut aufwärmte. Vicky, Lois und Demo hatten sich inzwischen auch im Meer erfrischt und machten zusammen mit Britt ein Wurfscheiben-Strandspiel in der flachen Brandung. Lachend winkten sie mir zu, mitzumachen, doch ich bewegte meinen tropfnassen Adonis-Körper lieber zu den zwei Kühl-Rucksäcken. Ich holte mir erst mal ein kaltes Erfrischungsgetränk heraus, zündete mir dann eine Kippe an und schaute faul nur zu, wie sie im seichten Wasser herumtobten.

»Du faule Socke, du!« Stichelte typischerweise vor allem Britt, als sie eine halbe Stunde später ebenfalls ihren Durst am Rucksack löschen wollte. Wir hatten immer noch deutlich über 30°C, aber am Meer mit der leicht kühlenden Seebrise und natürlich nackt empfindet man das nicht als so drückend heiß wie beispielsweise in den engen Gassen der Stadt. Und wenn es dir mal zu warm wird…, nun, dann läuft man einfach kurz in die kühlen Fluten, und die anschließende Verdunstungskühle auf der Haut sorgt auch danach noch etliche Minuten für pures Wohlbefinden.

Nach 19 Uhr sank die Temperatur langsam unter die 30°C-Marke, und bis zum Sonnenuntergang um 20:58 Uhr blieb es sehr angenehm warm. Wir bewunderten gemeinsam das farbenfrohe, romantische Schauspiel der Natur am Horizont, verzichteten diesmal am Strand aber bewusst auf Schmusen, weil sich Lois sonst ein bisschen wie das sprichwörtliche fünfte Rad am Wagen hätte fühlen können.; sie scheint derzeit keinen Liebhaber oder Freund zu haben. Das gebot einfach die höfliche Rücksichtname.

 

Dann erfrischten wir uns ein letztes Mal in den kühlen Fluten des Atlantiks und kletterten in der einsetzenden Dämmerung wieder hoch zur Finca. Frisch geduscht und locker gekleidet versammelten wir uns gegen 21:30 Uhr mit Rodrigo und drei eingeladenen Gästen von ihm zu einem delikaten Abendimbiss auf der beleuchteten Terrasse. Einer davon war der schon erwähnte Kunstliebhaber, der sich für Vickys großformatige Kohlezeichnungen interessiert.

Der distinguierte, schätzungsweise Mittvierziger zeigte ernsthaftes Interesse, und sie führte ihm auf einem großen Flatscreen-TV einige ihrer besten Bilder vor, die sie von ihrem Laptop unkompliziert über WLAN übertrug. Alle drei Frauen umgarnten ihn zudem gekonnt mit charmanter Weiblichkeit und einem Hauch von dezentem Sexappeal. Aber – und das ist wichtig – ohne zu übertreiben oder es nach schmieriger Anbiederung zur Verkaufsförderung wirken zu lassen. Das ist ein schmaler Grat, den nicht viele Frauen so gut beherrschen, wenn sie einen Mann wohlwollend stimmen wollen. Wer dabei plump oder falsch vorgeht, kann ganz schnell eine gegenteilige, abblockende Wirkung auslösen.

Das Vorgehen der Schönen war offensichtlich von Erfolg gekrönt. Dieser Geschäftsmann und Kunstliebhaber urlaubt derzeit in einem etwa anderthalb Kilometer entfernten, ihm gehörenden modernen Ferienhaus, das architektonisch im edlen Finca-Stil designt ist. Dorthin lud er Vicky und, wenn wir Lust hätten, auch uns andere für den nächsten Tag zum Mittagessen ein. Dort wollte er sich von Vicky ausführlich beraten lassen, welches ihrer derzeit verfügbaren Werke am besten in die exklusive Inneneinrichtung des Salons passt, oder gegebenenfalls direkt ein neues, passendes Werk bei ihr in Auftrag geben.

Über mögliche Preise wurde an diesem Abend natürlich noch nicht gesprochen. Außer Lois – sie hatte morgen eine private Verabredung und etwas anderes vor – wollten wir ihn natürlich gern alle besuchen. Er ist zwar nicht gerade der Typus Mann, mit dem ich privat näher befreundet sein möchte, aber nach Einschätzung meiner Menschenkenntnis ein seriöser Geschäftsmann und ernsthafter Kunstliebhaber. Wenn du Kunst oder sonst etwas Hochpreisiges verkaufen möchtest, kannst du dir die Käufer ja schließlich nicht nach reiner Sympathie aussuchen, sondern musst sie geschäftlich nehmen, wie sie kommen. zwinker

Gegen Mitternacht nahmen wir bei immer noch an die 25°C einen letzten Drink auf der gemütlichen Pool-Terrasse. Die Grillen zirpten lautstark in den Büschen, süße Düfte von Frangipani und Bougainvillea umfächelten uns mit einer sanften, salzigen Nachbrise, und wir plauderten gutgelaunt über verschiedene Themen des Tages. Dann verabschiedete sich der alte Rodrigo als Erster zum Schlafengehen; die Gäste gingen und auch wir anderen machten uns nach diesem tollen, ereignisreichen Tag wohlig müde bereit für die Betten.

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Lagos, Goldene Klippen, viel Geschichte und echtes portugiesisches Leben

 

#26.06.29 – Lagos, Goldene Klippen, viel Geschichte und echtes portugiesisches Leben

»Na, was meinst du?« Verlangte Britt zwinkernd auf typisch weibliche »Fishing for Kompliments« Art nach männlicher Bewunderung und Bestätigung. Sie drehte sich einmal langsam um die eigene Achse, sodass ihr rotes, gestreiftes Träger-Sommerkleid leicht mitschwang.

»Was soll ich sagen… WOW?!« Lächelte ich anerkennend und ließ den Blick über ihr gekonntes Styling schweifen. »Wie du weißt, mag ich schöne, junge Frauen am liebsten natürlich, aber ich gebe gern zu: wenn du dich so stylst und etwas schminkst, siehst du wirklich wie ein perfektes Musterbeispiel für das Klischee der umwerfend schönen, blonden Schwedin aus!«

»Wow hätte schon genügt, haha.« Lachte sie selbstzufrieden und warf ihre hellen Haare mit einer eleganten Bewegung nach hinten. »Du immer mit deinen analysierenden oder erklärenden Antworten!«

»Tja, so bin ich halt, hoho.« Gluckste ich amüsiert über meine eigene Marotte.

Vicky duschte noch, kam wenig später mit feuchten Haaren aus dem Bad und schlüpfte danach abgetrocknet und ungeschminkt einfach in ein weißes Tanktop und einen ebensolchen Minirock. Der Kontrast zu ihrer gebräunten Haut war herrlich. Sie ist halt am liebsten natürlich unterwegs, obwohl sie sich slbstverständlich auch stylen kann, wenn sie mal Lust dazu hat.

Demo und ich richteten uns auch gerade erst her, was bei dem schönen Wetter ohnehin nur T- oder Polo-Shirt und Shorts mit Sandalen bedeutete. Aktuell hatten wir sonnige 23°C, die milde Morgenluft roch nach Salz und fernen Gewürzen, und im Tagesverlauf sollten es heiße 30°C werden. Ein leichter Windhauch strich durch die offenen Luken der Nauticat und bewegte die Verdunkelungs-Vorhänge vor den Bullaugen und Deckluken.

Es war nach dem Frühstück und wir bereiteten uns auf weitere abenteuerliche Erkundungen von Lagos vor, wo wir in der Marina an einem Anlegesteg festgemacht hatten. Das sanfte Quietschen der Festmacherleinen und das dumpfe Glucksen des Hafenwassers gegen den Rumpf bildeten die Kulisse, während wir die Rucksäcke packten. Ich gebe euch mal eine Zusammenfassung dessen, was wir uns bereits angeschaut haben und ich auch im Net recherchierte:


 

Lagos ist einer dieser Orte an der Algarve, die auf den ersten Blick wie eine Postkarte wirken – und auf den zweiten Blick viel mehr Tiefe zeigen, als man zunächst erwartet. Mit rund 31.000 bis 33.500 Einwohnern (je nach Zählung der Municipality) ist Lagos die größte Stadt im Westen der Algarve und weit mehr als nur ein weiterer Badeort. Es ist eine lebendige, historische Hafenstadt mit echter Seele, die sich geschickt zwischen Tourismus und Alltagsleben bewegt. Wenn man durch die Straßen geht, spürt man das maritime Erbe in jeder Ecke.

Lagos blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Schon die Phönizier und Karthager siedelten hier an der heute weitgehend versandeten Flussmündung, die zum schon beschriebenen Hafenkanal umgebaut wurde; später kamen die Römer und hinterließen ihre Spuren, gefolgt von den Mauren, deren Festungsbaukunst mancherorts noch zu erahnen ist. Der eigentliche, weltverändernde Aufstieg begann jedoch im 15. Jahrhundert, als Lagos zum wichtigsten Ausgangspunkt der portugiesischen Entdeckungsfahrten wurde. Prinz Heinrich der Seefahrer richtete hier seine berühmte Seefahrerschule ein. Von diesem Hafen aus starteten die hölzernen Karavellen, die die Weltkarte völlig neu zeichneten und mutig in das Unbekannte aufbrachen.

Leider hat Lagos auch eine dunkle Seite: 1444 fand hier der erste europäische Sklavenmarkt statt. Der Mercado de Escravos erinnert noch heute nüchtern und berührend an diese dunkle Epoche der damaligen Zeit. Es ist ein Ort mit schweren, alten Steinmauern, der einen kurz innehalten lässt – ein stiller Moment des Nachdenkens zwischen all dem hellen Sonnenschein und den pastellfarbenen Häusern der Umgebung.



 

Die Altstadt selbst ist ein charmantes Labyrinth aus engen, kopfsteingepflasterten Gassen, in denen sich das Licht der Sonne bricht. Weiße und pastellgetünchte Häuser wechseln sich ab mit kleinen Plätzen, schattigen Cafés und geschichtsträchtigen Kirchen. Besonders schön ist die Igreja de Santo António mit ihrem prachtvollen, vergoldeten Barock-Interieur – das glänzende Goldholz gilt als eines der schönsten in ganz Portugal und raubt einem beim Eintreten fast den Atem. Die mächtigen Stadtmauern, das wehrhafte Forte da Bandeira direkt am Hafen und das ehrwürdige Denkmal für Heinrich den Seefahrer erzählen ebenfalls ihre ganz eigenen, spannenden Geschichten vom Meer.

Wenn man von Lagos spricht, kommt man an Ponta da Piedade keinesfalls vorbei. Nur wenige Kilometer südlich der Altstadt ragt dieses dramatische Kliff weit in den tiefblauen Atlantik hinein. Goldene Felsen, türkisblaues, glasklares Wasser, natürliche Bögen, versteckte Grotten und winzige, sandige Buchten – es ist einer der spektakulärsten Küstenabschnitte der gesamten Algarve, an dem die Naturgewalten ihr Meisterstück abgeliefert haben.


 

Man kann zu Fuß auf gut ausgebauten Wegen entlang der Klippen wandern, über steile, in den Stein gehauene Treppen hinunter zu kleinen Stränden steigen oder – was für uns Segler natürlich am besten ist – mit einem Boot die tiefen Grotten von unten erkunden, wo das Wasser sanft gegen die Felswände klatscht. Besonders bei Sonnenuntergang oder in den goldenen Stunden des späten Nachmittags wird es hier magisch. Die ockerfarbenen Steine leuchten dann unwirklich intensiv, und das warme Licht spielt mit den Felsen wie ein begnadeter Maler, der sekündlich die Farben wechselt.

Lagos hat einige der schönsten Strände der Region vorzuweisen: Praia Dona Ana, Praia do Camilo, Praia da Batata oder das etwas größere, weite Sandband von Meia Praia. Die typischen goldenen Felsen und versteckten Buchten machen das Baden hier zu einem Erlebnis für alle Sinne, da das Salz auf der Haut prickelt und der Sand unter den Füßen wärmt. Im Sommer ist es natürlich belebt, aber selbst dann findet man noch ruhige, ungestörte Ecken, wenn man ein paar Schritte weiter an den Klippen entlanggeht.



 

Die Stadt selbst ist zum Glück kein reines Touristen-Ghetto. Es gibt ein echtes, pulsierendes portugiesisches Leben: einen lebendigen Markt mit fangfrischem Fisch, lautstarken Händlern und dem Duft von reifem Gemüse, bunte Fischerboote im Hafen, lokale Restaurants, in denen man hervorragend und günstig isst, und eine durchweg entspannte, freundliche Atmosphäre. Abends wird es in der Altstadt und rund um die Marina lebendig – die Gassen füllen sich mit dem Gemurmel von Stimmen und dem Klappern von Geschirr, ohne jedoch den überdrehten Ballermann-Charakter mancher anderer Algarve-Orte zu haben.

Fazit: Lagos zu besuchen lohnt sich sehr. Die Küstenstadt ist für mich einer der ausgewogensten Orte an der Algarve. Du bekommst hier dramatische Natur an der Ponta da Piedade, die reiche Geschichte der Entdeckungszeit mit hölzernen Karavellen und auch ihre Schattenseiten, schöne Strände, eine lebendige Altstadt und gleichzeitig echtes portugiesisches Flair. Es ist weder zu verschlafen noch zu überlaufen – genau der richtige Mix für Genießer.

Wer hierherkommt, sollte sich Zeit nehmen und Entschleunigung zulassen: morgens einen starken Kaffee und ein süßes Pastel de Nata in der Altstadt genießen, mittags am Strand entspannen, nachmittags die windumtosten Klippen erkunden und abends bei einem guten Glas Wein das bunte Treiben beobachten. Lagos belohnt genau diese entspannte Herangehensweise.




 

Essen waren wir bisher unter anderem im stimmungsvollen Dachrestaurant Mare Lagos, das mit einer tollen Aussicht auf den Kanal und die gegenüberliegende, große Marina punktet. Wenn der Wind am Abend leicht kühler wird, sitzt man dort oben wunderbar gemütlich. Eine Bewertung von Joanna K. beschreibt es recht treffend, weshalb ich sie einfach übernehme und hier einfüge:

»Wir entdeckten Mare zufällig bei einem Besuch des Fischmarktes während unseres Kurzaufenthalts in Lagos und waren so begeistert, dass wir gleich ein zweites Mal hingingen! Das Restaurant bietet eine wunderschöne Aussicht, und obwohl viele Gäste wegen des BBQ-Buffets kommen, bestellten wir ausschließlich à la carte. Bei unserem ersten Besuch wählten wir den Asian Fantasy Wok mit perfekt gegarten Garnelen und die gegrillte Dorade. Beide Gerichte waren köstlich, hervorragend gewürzt und voller Geschmack.

Der erfrischende Hugo-Cocktail und die Sangria passten perfekt dazu. Bei unserem zweiten Besuch entschied ich mich für die gebackene Kartoffel mit Meeresfrüchten, während mein Mann das Piri-Piri-Hähnchen bestellte. Beide Gerichte waren hervorragend. Die Garnelen und der Lachs waren perfekt gegart und harmonierten wunderbar mit der Ofenkartoffel. Das Hähnchen war würzig, aber wunderbar ausgewogen, sodass die anderen Aromen voll zur Geltung kamen. Das Fleisch war zart, saftig und einfach exzellent.

Der Koch versteht sein Handwerk! Auch der Service war beeindruckend: freundlich, aufmerksam und sehr hilfsbereit bei all unseren Besuchen. Die Portionen waren großzügig und boten ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Absolut empfehlenswert! Wäre ich länger in Lagos geblieben, wäre ich gerne zurückgekehrt, um noch mehr Gerichte zu probieren.«

Erstaunlicherweise wird das Mare Lagos auf Google im Schnitt nur mit 4,2 Sternen bewertet. Auch unsere Erfahrung war jedoch sehr gut und ich finde, dass sie 4,5 verdient haben. Wenn man ordentlich schlemmt und sich etwas gönnt, sollte man 25 bis 35 € pro Person einplanen, was angesichts der Qualität, der üppigen Portionen, dem freundlichen Personal, dem Ambiente und der Lage mehr als angemessen ist. Geöffnet haben sie täglich von 10 bis 23 Uhr. Definitiv sehr empfehlenswert für alle, die ein gutes Gastroerlebnis zu schätzen wissen.


 

Außerdem besuchten wir die originelle, urig-gemütliche Bar O Artista, wo man auch sehr leckere Snacks bekommt oder wie in einem Restaurant speisen kann. Das Lokal ist geschickt aufgeteilt; es gibt zwei Bereiche, nämlich die eigentliche Bar zum Trinken und Quatschen sowie etwas gesondert aufgestellte Tische zum ungestörten Essen.

Ihre Durchschnittsbewertung von 4,5 Sternen auf Google ist absolut angemessen. Live-Musik gibt es abends auch, wobei es dann durchaus mal arg laut und trubelig zugehen kann. Die Stimmung im Lokal war bei unserem Besuch toll, die Musiker gaben alles, wir hatten viel Spaß und fühlten uns in dem urigen Ambiente pudelwohl. Preislich kann man die Bar als relativ günstig bezeichnen; es hängt natürlich immer davon ab, was und wie viel man trinkt und speist, aber nichts dort auf der Karte würde ich als überteuert bezeichnen. Außer an Dienstagen haben sie täglich von 13 bis 02 Uhr geöffnet und bieten einen prima Anlaufpunkt für Nachtschwärmer.

Ach ja, was ich noch gar nicht erwähnt habe: In Lagos trafen wir uns mit der sympathischen Künstlerin und Model Lois, die Vicky und ich schon in Lissabon kennengelernt hatten. Einer ihrer langjährigen Mäzene und Freunde besitzt hier eine wunderschöne Finca hoch über dem Praia do Canavial, wo Lois öfter zu Gast ist. Wir wurden herzlich eingeladen, zumindest zum Essen vorbeizukommen – und falls wir Lust hätten, auch ein paar Tage als Gäste zu bleiben.

Das nahmen wir natürlich gern an. Zum einen, weil die Finca traumhaft gelegen ist und man von dort einen atemberaubenden Blick über die Küste hat. Zum anderen, weil der Hausherr Vicky Kontakt zu einem finanzkräftigen Sammler vermitteln wollte, der sich für ihre Kunst interessiert. Für Künstlerinnen und Models sind solche Verbindungen Gold wert. Lois’ Mäzen soll selbst auch ein großer Kunstliebhaber und privat leidenschaftlicher Fotograf sein, der sich besonders für sinnliche und softerotische Fotokunst begeistert.

Und ja, auch das soll nicht unerwähnt bleiben: Wie viele Männer in seiner Position – erfolgreich, kultiviert und inzwischen Witwer – genießt er ganz offensichtlich die Gesellschaft schöner, junger und ungenierter Frauen. Daran ist aus unserer Sicht absolut nichts Verwerfliches, es ist schlicht ein Stück menschliche Natur. Kluge Frauen, erst recht in der Kunst- und Modelwelt, kennen diese Dynamik sehr genau und nutzen solche Netzwerke pragmatisch zu ihrem Vorteil – genau wie umgekehrt die Männer ihre Möglichkeiten nutzen. Solange alles auf Gegenseitigkeit beruht, ist das ein völlig legitmes Geben und Nehmen.

 

Unschön oder moralisch fragwürdig wird es schließlich erst dann, wenn jemand seine Macht oder sein Geld missbraucht, um Grenzen zu überschreiten. Bei Lois’ Mäzen ist das nicht der Fall. Er ist, wie sie selbst lachend erzählte, einfach ein Ästhet und typisch Mann, der gern schöne, intelligente und selbstbewusste Frauen um sich hat; welcher Mann hätte das nicht gern? Wenn diese Frauen dann völlig entspannt, selbstbewusst und ungeniert topless oder nackt am Pool liegen oder sich in der Sonne räkeln, genießt er den Anblick – und das ganz offen, ohne falsche Scham.

Übrigens sei aus meiner persönlichen Sicht noch angemerkt: Ich respektiere jeden, der für sich selbst sagt: »So etwas wäre nichts für mich.« Wenn jemand aus innerer Überzeugung persönliche Grenzen zieht, ist das vollkommen in Ordnung. Aber die lautstärksten Moralpredigten im Internet kommen leider oft von genau den Leuten, die ihre eisernen Prinzipien erstaunlich schnell über Bord werfen würden, sobald der gebotene Vorteil im echten Leben nur groß genug wird.

Dazu passt ein alter, herrlich zynischer Witz, den man oft Winston Churchill zuschreibt und der eine entwaffnende Wahrheit enthält:

Ein Mann fragt eine Dame der Gesellschaft auf einer Gala: »Würden Sie für eine Million Pfund mit mir schlafen?«

Die Dame überlegt kurz, lächelt und antwortet: »Nun, für so eine Summe... ja, das würde ich wohl tun.«

Daraufhin fragt der Mann: »Würden Sie es auch für fünfzig Pfund tun?«

Die Dame empört sich sofort: »Für was für eine Frau halten Sie mich denn bitte?!«

Der Mann lächelt süffisant: »Das, gnädige Frau, haben wir bereits geklärt. Jetzt verhandeln wir nur noch über den Preis.«

Die drei von der Crew lachten sehr amüsiert, als ich ihnen den Witz erzählte und beschrieb, weshalb ich das in den Blog einbaue: »Ahaha… den kannte ich noch gar nicht!« Prustete Britt.

»Ja, haha und er enthält echt ne „unbequeme Wahrheit“, die selten so direkt ausgesprochen wird. Solche Witze sind die besten, finde ich.« Meinte Vicky heiter; sie ist die gebildetste und liest am meisten von den drei; kann daher durchaus auch tiefer intellektuell reflektieren, was simplere Gemüter entweder empört verleugnen oder mit schweinischer Zustimmung kommentieren würden.

Übrigens: Wenn man die historische Kaufkraft des Pfundes über die Inflation bis ins Jahr 2026 hochrechnet und dann in Euro umrechnet, kommt man auf eine ziemlich astronomische Summe: Eine Million Pfund in den 1930er Jahren, entsprächen heute einer Kaufkraft von rund 70 bis 80 Millionen Euro (sic!)

Damit wird der Witz eigentlich noch ein ganzes Stück schärfer. Bei einer Summe von 75 Millionen Euro würden im echten Leben wahrscheinlich 99,999… % aller Menschen (egal welchen Geschlechts) keine Sekunde zögern, ob sie ihre moralischen Prinzipien über Bord werfen. Das macht das auf 50 Pfund reduzierte Angebot (heute etwa 4.000 Euro, was auch schon sehr viele sofort annehmen würden) und den Spruch mit der Preisverhandlung nur umso zynischer und treffender.

Zudem sollte man sich in die damalige, extrem prüde und streng reglementierte englische Gesellschaft einfühlen, um den Witz in seiner ganzen Tragweite zu verstehen. Das war eine völlig andere Zeit als unser heutiger, im Westen glücklicherweise lockerer und toleranterer Umgang mit solchen Themen. Churchill war eben selbst in der britischen Oberschicht ein außergewöhnlich scharfer Denker und rhetorisch brillanter Beobachter, der mit seiner feinen Ironie die äußerst verlogene Doppelmoral seiner Epoche wie kein Zweiter demaskieren konnte.

Allerdings war er auch ein glühender Imperialist, der bedenkenlos hunderttausende Soldaten in den Tod schickte, man denke nur an Gallipoli. Aber diese Denke war damals in allen großen Staaten weit verbreitet und nicht außergewöhnlich. Das führt jetzt ein bisschen weit und lenkt vom Blog-Thema ab, ist in der heutigen Zeit durch Putin, Xi und Trump aber auch wieder aktuell geworden.

Okay, genug davon, am späten Nachmittag packten wir ausreichend Sachen für vielleicht zwei – drei Tage in der Finca zusammen und fuhren mit einem Taxi dorthin. Lois Mäzen,  freundschaftlicher Ratgeber und Förderer Rodrigo, begrüßte uns sehr freundlich und galant. Eindeutig ein gebildeter, sympathisch-tiefentspannter portugiesischer Gentleman, in manchem Old School, in anderem locker-tolerant modern.

Schätzungsweise um die 60, mit graumelierten Haaren und Vollbart, lebt er inzwischen überwiegend hier, in einer bezaubernd hübsch-altmodischen, aber unauffällig mit moderner Technik ausgestatteten Finca-Villa, wie sie hier an der Algarve weit verbreitet sind. Wir richteten uns in den uns zugewiesenen Gästezimmern oder kleinen, gemütlichen Suiten erstmal ein. Dann  tranken wir mit ihm am malerischen Poolbereich Drinks und lernten uns in typischem kennenlern-Small-Talk näher kennen.

Dazu und den folgenden Tagen an dieser wildromantischen Küste dann mehr im nächsten Blog…

 

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