#25.11.27- Italien, Syrakus, Sizilien, November #13, milder
Spätherbst, Frechdachs-Shooting und ein dämlicher Filmabend
Die Wolken hingen wie ein zarter, durchscheinender Schleier über
dem Himmel, als Meli und ich uns nach dem konzentrierten
Online-Arbeitsvormittag in die Gärten des Schlossparks begaben. Die Luft war
erfüllt von diesem betörenden sizilianischen Duftcocktail – eine Mischung aus
reifen Orangen, die schwer an den Bäumen hingen, dem erdigen Aroma feuchter
Erde nach dem morgendlichen Regen, und diesem unnachahmlichen Hauch von
Meersalz, den die leichte Brise vom Ionischen Meer herantrug. Die
Nachmittagssonne tauchte alles in ein warmes, goldenes Licht, das die Blätter
der Olivenbäume silbrig schimmern ließ und den Zitronen an den Zweigen einen
fast greifbaren Glanz verlieh.
»Echt Steve«, begann Meli und blieb stehen, um eine besonders
üppig blühende Bougainvillea zu bewundern, »ich kann es immer noch nicht
fassen, dass es hier Ende November so aussieht. In Russland wäre ich jetzt in
dicken Pelzmantel gehüllt und würde mich über minus zwanzig Grad beschweren.«
Sie streckte die Arme aus, als wollte sie die warme Luft umarmen. »Aber hier...
hier ist es, als wäre der Sommer einfach nie gegangen.«
»Willkommen im ewigen Frühling, cara«, antwortete ich und zog
sie an mich, während ich die duftende Blüte über uns betrachtete. »Sizilien hat
seine eigenen Regeln. Hier gibt es keinen Herbst, wie wir ihn kennen. Kein
Welken, kein Sterben – nur ein sanftes Weiterblühen.« Ich grinste. »Und weißt du,
was das Schönste ist? Dass du hier in Shorts und T-Shirt herumlaufen kannst,
während deine Landsleute sich in Pelze hüllen.«
Meli lachte und schmiegte sich an mich. »Du hast recht. Es ist
wie ein Traum. Aber sag mal...« – sie drehte sich zu mir um und sah mich mit
diesem verschmitzten Blick an, der immer verriet, dass sie etwas im Schilde
führte – »...was wäre, wenn wir diesen Traum einfach nie enden lassen würden?
Wenn wir einfach hierbleiben, für immer?«
Ich strich ihr über den Rücken und genoss die Wärme ihres
Körpers. »Das wäre schön. Aber du weißt ja – ich bin kein Typ fürs
Sesshaftwerden. Ich liebe die Freiheit, das Unvorhergesehene. Und du...« – ich
drehte sie sanft zu mir um – »...du bist eine Frau, die ihre eigenen Träume
verfolgen will. Ein Praktikum in Rom, vielleicht eine Karriere als
Journalistin...« Ich lächelte. »Aber wer weiß? Vielleicht finden wir irgendwann
einen Kompromiss – und trotzdem die Freiheit haben, die Welt zu erkunden.«
Meli seufzte und lehnte ihren Kopf an meine Schulter. »Du hast
immer eine Antwort parat, du Schlitzohr. Aber jetzt...« – sie löste sich von
mir und drehte sich mit einem frechen Lächeln um – »...jetzt will ich, dass du
mir zeigst, wie sehr du diesen sizilianischen Frühling genießt. Und zwar mit
deiner Kamera... und deinen Augen.«
Ich musste grinsen. »Ah, also doch ein Hintergedanke! Du willst
mich verführen, damit ich dich fotografiere, hoho!«
»Vielleicht«, kicherte sie und begann schon, ihr bequemes Kleid
zu öffnen. »Aber ich will auch einfach nur die Sonne auf meiner Haut spüren...
und deine Blicke.« Mit einer fließenden Bewegung ließ sie das Kleid zu Boden
gleiten und stand plötzlich nackt vor mir – ganz natürlich, ganz ungeniert, und
doch mit dieser unwiderstehlichen Mischung aus sinnlicher „Vollweib“ Erotik und
lockender Verführung, die sie so einzigartig machte.
»Heinz Erhardt hätte dich geliebt«, murmelte ich, während ich
meine Kamera hervorholte. »Er hat mal geschrieben: Ich bin der Erde ärmster
Knecht, mir geht es schlimmer noch als schlecht, ich muss die ganze Nacht
wachen und schöne Frauen glücklich machen.«
Meli lachte und posierte mit gespielter Empörung. »Jetzt dichtet
er auch noch! Und wer ist dieser Heinz Erhardt? Irgendwo habe ich den Namen
schon mal gehört.«
»Ein deutscher Komiker und Dichter, dessen Humor perfekt zu mir
passen würde«, erklärte ich und betrachtete sie durch den Sucher. »Ich glaube,
er hätte dieses Gedicht extra für mich geschrieben – auch wenn ich zu seiner
Zeit noch nicht geboren war.«
»Na klar«, scherzte sie und nahm eine besonders freche Pose ein.
»Du bist einfach ein zeitloser Frauenschwarm. Ein galanter Gauner, der mit
Charme und Kamera bewaffnet durchs Leben geht.«
Ich drückte auf den Auslöser, während sie sich lasziv auf einem
moosbewachsenen Stein niederließ. »Und du bist eine zeitlose Verführerin, die
weiß, wie man einen Mann um den Finger wickelt – und um die Kamera.«
Nach ein paar wunderschönen Aufnahmen spazierten wir zurück zum
Landschloss, wo uns bereits das Mittagsmenü erwartete. Die Köchin hatte sich
wieder selbst übertroffen:
- Eine cremige
Waldpilzsuppe mit frischen Kräutern, knusprigen Croutons und einer Fülle
von Pilzen, die so duftete, dass uns das Wasser im Mund zusammenlief.
- Knusprige
Pizza-Crostini mit Ricotta, italienischem Speck und Marcona-Mandeln, die
perfekt zwischen süß und herzhaft balanciert waren.
- Zum Abschluss eine
Cassata a forno, dieses typisch sizilianische Meisterwerk aus Ricotta,
kandierten Früchten und Marzipan, das auf der Zunge zerging wie ein Traum.
- Und natürlich die
üppige Käseauswahl mit Trauben, Feigen, Oliven und dunkel gebackenen
Crackern, begleitet von zwei perfekten Cappuccini.
Wein trinken wir heute keinen«, erinnerte Meli mich, während
sie genüsslich einen Löffel der Pilzsuppe probierte. »Du musst später noch
fahren, und ich habe meinen Video-Chat mit dem Mentor.«
»Kein Problem«, antwortete ich und nippte an meinem Cappuccino.
»Aber weißt du was? Selbst ohne Wein war das ein kleines Kalorien-Feuerwerk.
Ich schätze, wir haben zusammen knapp 3.600 Kalorien intus – ich als hungriger
Bär etwa 2.100, du als zivilisierte Genießerin vielleicht 1.450.«
Meli lachte. »Und wie arbeiten wir die wieder ab?«
Ich zwinkerte ihr zu. »Ganz einfach. Erst eine dreiviertel
Stunde Powertraining im Fitnessraum. Und dann...« – ich beugte mich zu ihr
hinüber – »...dann arbeiten wir den Rest heute Nacht ab. Wenn du willst.«
Sie zwinkerte verschmitzt. »Das klingt nach einem guten Plan.«
Nach dem Essen schlürften wir unseren zweiten Kaffee im
Innenhof, wo ich genüsslich zwei Zigaretten schmauchte; Meli klaute sich
drei-vier Züge, vernünftigerweise will sie nicht wirklich mit dem Rauchen
anfangen, aber ab und zu genießt sie auch ein bisschen Nikotin. Dann powerten
wir tatsächlich eine dreiviertel Stunde im Trainingsraum, um wenigstens einen
Teil der Kalorien wieder loszuwerden. Frisch geduscht setzte sich Meli an ihren
Laptop, um weiterzulernen und ihren Video-Chat zu führen, während ich den EQS
startete und zu meinem Treffen mit Viola aufbrach.
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Der junge Frechdachs hatte mich gebeten, mit ihr zu shooten –
und ich war gespannt, was für Fotos dabei herauskommen würden. Viola war ein
Naturtalent, voller Lebensfreude und Neugier, wie ein junger, wild gewachsener
Olivenbaum, der sich noch nicht ganz sicher ist, in welche Richtung er seine
Äste strecken soll, aber mit einer Energie, die einfach ansteckend war. Sie
entsprach zwar nicht meinem typischen, bevorzugten Model-Typ – ich mag eher die
erfahrenen, selbstbewussten Frauen wie Meli oder Flavia –, aber Viola hatte
etwas, das man nicht lernen konnte: diese unbändige, sprühende Lebensfreude,
diese ungekünstelte Art, die einen sofort in ihren Bann zog.
Viola erwartete mich schon aufgeregt
und mit einem strahlenden Lächeln, das ihr ganzes Gesicht erleuchtete. Sie trug
ein so dünnes Sommerkleid, dass es besser in den Hochsommer gepasst hätte als
in den November mit seinen milden 19°. »Typisch jugendliche Sorglosigkeit«,
dachte ich innerlich schmunzelnd. Bei dieser Temperatur wäre es vielleicht
ratsam gewesen, sich etwas wärmer zu kleiden. Aber ich wusste, warum sie es
nicht tat – sie wollte beeindrucken, verzaubern, und das gelang ihr auch. Mit
ihren 18 Jahren, die sie erst seit diesem Sommer hatte, wirkte sie fast wie ein
Teenager, der die Welt entdecken will.
»Tschau Steve… hey, die Kiste ist ja der Wahnsinn!« Sie sprang
fast in den EQS, kaum dass ich angehalten hatte, und ihre Augen weiteten sich
vor Staunen, als sie das riesige, digitale Hyperscreen-Armaturenbrett sah.
»Hammer! Was ist das für ein Material? So weich und bequem – so saß ich noch
nie in einem Auto!« Ihre Finger glitten über die Lederbezüge der Sitze, als
würde sie ein kostbares Kunstwerk berühren.
»Tschau, bella Signorina«, musste ich noch mehr schmunzeln.
Viola sprühte nur so vor neugieriger, unbeschwerter Lebenslust – genau so, wie
es bei jungen Menschen sein sollte. Sie war dieser Typ Mensch, den man einfach
auf Anhieb gernhat. »Das ist feinstes, erstklassig verarbeitetes Leder. Na,
gehen wir erstmal Kaffee trinken, oder was immer du magst?«
»Supigern, Capitano!« Ihr Blick wanderte neugierig durch das
Innere des Wagens, als würde sie jeden Knopf, jede Linie entdecken wollen.
»Hey Mercedes!« rief ich die Standard-Aufforderung zur
Aktivierung.
»Was kann ich für dich tun?« Die angenehme Frauenstimme des
Bordcomputers antwortete prompt.
»Suche ein gutes Café in der Nähe von Carrozziere und navigiere
uns dorthin!« Ich hatte das System mit MBUX 3.2.2 gerade erst auf den neuesten
Stand gebracht, und es reagierte sofort. Auf dem zentralen Flatscreen erschien
das Café del Mar an der Via Lido Sacramento 19. Viola bekam vor Staunen den
Mund nicht mehr zu.
»Megacool! Fährt deine Kiste auch von selbst, haha?« Ihre Augen
funkelten vor Begeisterung, als sie das Lenkrad betrachtete, an dem man den
Autopiloten aktivieren und deaktivieren konnte.
»Teilweise«, erklärte ich und fuhr los. »Das System kann
tatsächlich allein fahren, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Und auf
sizilianischen Landstraßen, wo die Markierungen oft unklar sind, schaltet es
sich schnell wieder ab.« Ich aktivierte den Level-3-Autopiloten des
Mercedes-Drive-Systems, und Viola beobachtete fasziniert, wie das Lenkrad sich
leicht drehte, als würde eine unsichtbare Hand es führen.
»Echt? Nimmst du mich auf den Arm, hihi?« Sie beugte sich
neugierig vor, und dabei streifte ihr Busen – offenbar frei schwingend unter
dem dünnen Stoff – meinen Arm. »Ups, hihi…« Sie kicherte süß-frech, und für
einen Moment wirkte sie eher wie 14 oder 15, statt der 18, die sie seit diesem
Sommer war.
»Nicht doch«, zwinkerte ich heiter. »Obwohl es eine reizvolle
Vorstellung ist, dich, bezaubernden Frechdachs, auf den Armen zu tragen, hoho.«
Doch das System deaktivierte sich prompt mit einem Warnton und einer roten
Farbanzeige am Lenkrad. »Siehst du? Selbst die beste Technik hat ihre Grenzen.«
»Ach… hihi, findest du mich wirklich bezaubernd? Und hübsch,
hihi?« Ihre Wangen färbten sich leicht rosa, aber ihr Lächeln blieb frech.
Ich grinste vergnügt. »Tu mal nicht so! Ich wette, du weißt
genau, wie süß-frech-bezaubernd hübsch du wirkst.«
»Weiß ich das?« Sie blinzelte flirtend, und im selben Moment
erreichten wir das Café del Mar, ein kleines, einfaches Lokal neben einer
Tankstelle an der Landstraße. Wie fast überall in Italien gab es hier guten
Kaffee und kleine Snacks – ein starker Espresso, ein noch stärkerer Mokka oder
ein leichter Cappuccino waren für Italiener ein Lebenselixier, besonders wenn
sie unterwegs waren.
Wir nahmen Cappuccinos – Viola hatte sich noch ein Stück Gebäck
zum Knabbern bestellt – setzten wir uns an einen Außentisch, wo ich in Ruhe
rauchen konnte. »Wie möchtest du den Shoot machen und posieren, Frechdachs?«
Ich nippte an meinem Kaffee und beobachtete, wie sie sich auf ihrem Stuhl hin
und her drehte, als könnte sie ihre Energie kaum bändigen.
»Oh, am liebsten in der Natur! Ich bin ein Naturkind, hihi!«
Ihre Augen leuchteten vor Vorfreude.
»Und ein hübsches dazu. Kennst du eine geeignete Stelle in der
Nähe?« Ich lehnte mich zurück und genoss die warme Nachmittagssonne.
»Si, Capitano.« Sie zückte ihr Smartphone, rief Google Maps auf
und scrollte zum Landschaftsschutzgebiet Riserva Naturale Orientata Fiume Ciane
e Saline di Siracusa. »Schau, hier!« Sie zeigte mir die begrünten, ehemaligen
Salinen an der Küste. »Die Westgrenze liegt nur ein Stück östlich von hier. Und
wenn dort nicht viele Menschen unterwegs sind, ist es perfekt zum Shooten.«
»Sieht gut aus.« Ich lächelte. »Hier können wir den Wagen stehen
lassen, denke ich. Wir spazieren rüber und machen ein paar Aufnahmen.« Und ich
musste mich wirklich beherrschen, nicht allzu offensichtlich auf ihren Busen zu
starren, der sich bei jeder Bewegung unter dem dünnen Stoff reizvoll bewegte. »Sorry,
meine Damen«, dachte ich innerlich grinsend, »aber wir Männer können
einfach nicht anders. Die Evolution hat uns so programmiert.« Ich zwinkerte
ihr zu, und sie kicherte verschmitzt.
Nachdem wir unserem Kaffee geschlürft und ich bezahlt hatte,
holte ich die Kameraausrüstung und eine kleine Kühltasche mit Getränken aus dem
Kofferraum. Dann schlenderten wir in das Gebiet der Riserva Naturale, die frei
zugänglich ist, auch wenn einige Bereiche gesperrt waren. Viola kannte das
Gebiet wie ihre Westentasche – sie war hier schon als Jugendliche herumgetobt
und wusste von einigen Schleichwegen zu Plätzen, die normale Wanderer kaum
fanden.
»Hier lang, Capitano!« Sie zog mich an der Hand einen schmalen
Pfad entlang, der zwischen hohem Schilf und alten Olivenbäumen hindurchführte.
Die Luft roch nach Salz, feuchtem Gras und dem leichten Hauch von wildem
Rosmarin. »Perfekt, oder?« Sie drehte sich um und breitete die Arme aus, als
wollte sie die ganze Landschaft umarmen. »Hier ist es immer so still – als wäre
die Zeit stehengeblieben.«
Ich hob die Kamera und betrachtete sie durch den Sucher. »Ja,
perfekt. Und du passt perfekt dazu.«
Viola hüpfte voraus wie ein aufgeregtes Reh. »Hier, Steve! Schau
mal, wie das Licht durch die Olivenbäume fällt – das ist doch magisch, oder?«
Sie drehte sich im Kreis, ihr dünnes Sommerkleid flatterte wie ein Segel im
Wind, und die Sonne malte goldene Streifen auf ihre braunen Beine. Ihre
unbändige Energie war einfach ansteckend.
»Magisch ist untertrieben, Frechdachs«, sagte ich und stellte
die Kamera auf den Stativfuß. »Du bist wie ein braungebrannter Wirbelwind.
Bleib mal stehen, bevor du noch die Vögel aufscheuchst.«
»Hihi, ich kann nicht stillstehen!« Sie sprang auf einen flachen
Stein, balancierte mit ausgestreckten Armen und kicherte, als ein Windstoß ihr
Kleid hochwehte. »Ups… na, hast du das gesehen? Natur pur!«
»Hab ich«, grinste ich und drückte ab. Das Foto war perfekt:
Viola im Sprung, das Kleid wie ein Fächer, im Hintergrund das schimmernde Meer
zwischen den Bäumen. »Du bist ein Naturtalent – aber jetzt mal ernsthaft: Was
willst du draufhaben? Süß? Frech? Verführerisch?«
»Alles zusammen!« Sie ließ sich ins weiche Gras fallen, streckte
die Beine in die Luft und lachte. »Ich will aussehen wie eine sizilianische
Nymphe, die gerade aus dem Meer gestiegen ist. Aber mit einem frechen Grinsen,
hihi!«
Ich kniete mich hin, zoomte auf ihr Gesicht – diese funkelnden
Augen, das Haar, das sich wie ein Fächer im Gras ausbreitete. »Nymphe mit
Attitüde, kommt sofort.« Klick. Klick. Sie wechselte die Posen, als wäre sie
dafür geboren: mal keck auf die Hüfte gestützt, mal mit einem Grashalm zwischen
den Zähnen, mal mit einem spielerischen Blick über die Schulter.
»Steve, schau mal hier!« Sie war auf einen alten, knorrigen
Olivenbaum geklettert, saß rittlings auf einem Ast und ließ die Beine baumeln.
»Bin ich jetzt eine Baumfee oder was?«
»Eine freche Baumfee mit Killerbeinen«, lachte ich und schoss
eine Serie. Das Licht fiel genau richtig durch die Blätter, warf weiche
Schatten auf ihre Haut. »Bleib so – und jetzt mal dieses freche Grinsen, das du
so gut kannst.«
»Hihi, so?« Sie zog die Augenbrauen hoch, biss sich auf die
Lippe und warf mir einen Blick zu, der irgendwo zwischen unschuldig und
teuflisch lag. Klick. Perfekt.
Wir zogen weiter, bis wir an eine kleine Lagune kamen – das
Wasser glitzerte türkis, umgeben von Schilf und wilden Blumen. Viola zog ohne
zu zögern ihr Kleid aus und watete hinein, bis das Wasser ihre Hüften
umspielte. »Komm, Steve! Das ist wie ein natürlicher Whirlpool!«
Ich blieb am Ufer, die Kamera im Anschlag. »Ich bin der
Fotograf, nicht das Model, hoho. Aber du… du bist ein Traum.« Sie drehte sich
im Wasser, spritzte mit den Händen, lachte, als die Tropfen in der Sonne wie
Diamanten glitzerten. Dann stieg sie tropfend heraus, schüttelte sich wie ein
nasser Welpe und posierte noch auf einem Felsen – eine Hand in der Hüfte, die
andere im Haar, die Sonne im Rücken. Klick. Klick. Klick.
»Na, glücklich, hihi? Gefällt dir, was du siehst?«
»Oh ja, gefällt mir!«, rief ich. »Du bist ein absoluter
Wirbelwind. Komm, trockne dich ab, sonst erkältest du dich noch, Frechdachs!«
Ich kramte das Handtuch aus der Tasche und reichte es ihr. Sie rubbelte sich
ab, blinzelte mich frech-herausfordernd an und ließ mich kurz den Rücken
trocken rubbeln – mit diesem typischen Viola-Kichern, das alles in pure
Lebensfreude verwandelte.
»Ahihi… Meli hatte recht, du bist echt ein gefährlich lieber
Gauner.« Sie reckte sich, warf mir einen Blick zu, der Funken sprühte, und für
einen Moment war die Luft zwischen uns so kribbelnd geladen, dass sie beinahe
Feuer fing.
»Genug für heute«, lachte ich, patschte ihr zärtlich-auffordernd
auf das freche Hinterteil und zündete mir eine Kippe an. »Du hast genug Chaos
angerichtet – und genug perfekte Fotos geliefert.«
Sie schlang das Handtuch um sich, immer noch kichernd. »War das
jetzt Kunst oder einfach nur Spaß?«
»Beides«, sagte ich und packte die Kamera ein. »Und genau das
macht dich so besonders, Frechdachs.«
Viola schlüpfte wieder in ihr Kleid, blieb aber noch ein
bisschen barfuß im Gras stehen. »Ach komm, noch ein bisschen! Es ist so schön
hier. Natur muss man natürlich genießen, hihi!«
»Na gut, dir zuliebe. Du bist wirklich ein Naturkind.«
Schmunzelte ich. »Aber nicht zu lange! Die Temperaturen sinken schon, bald
kommt die Abenddämmerung und du hast nur dieses viel zu dünne Kleid an.«
»Ja Papa, hihi, lieb wenn du dich sorgst. In meiner Tasche, im
Auto, hab ich Jeans und ein Flanellhemd dabei. Und wenn so ein Gentleman-Freund
wie du dabei ist, fühle ich mich sicher.« Zwinkerte sie mir zu.
Wir spazierten langsam zurück, sie hüpfte mal voraus, mal blieb
sie stehen, drehte sich um und grinste mich an – ein Energiebündel, das die
Welt mit seiner Lebenslust ansteckte. Am Auto angekommen, schlüpfte sie hinter
der Begrenzungsmauer schnell in Jeans und rot kariertes Flanellhemd – ohne
große Umstände, wie immer.
Sonnenuntergang ist hier derzeit schon um 16:42 Uhr, gerade
wurde es dunkel und in der ferne gingen die Lichter von Ortigia an. Ich fuhr
extra noch herunter zum Ufer, wir warteten plaudernd, bis es richtig dunkel
war, dann schoss ich ein Foto der romantischen Nachtbeleuchtung von der
Altstadt-Insel.
»Soll ich dich dort absetzen, wo wir uns getroffen haben?«
»Ja bitte! Und Steve… darf ich euch mal im Schloss besuchen
kommen?«
»Natürlich, jederzeit. Wenn du magst, sogar gleich heute Abend
zum Essen.«
»Yuhuuu, das wäre so cool! Aber heute gehts nicht, ich bin auf
eine Party eingeladen. Nächstes Mal, versprochen!« Sie beugte sich herüber,
drückte mir ein schnelles, süß-freches Küsschen auf die Wange,
»Ist doch nicht schlimm, dann morgen oder die nächsten Tage. Gib
„Hey Mercedes“ die Adresse, wo ich dich absetzen soll.« Lächelte ich, und
nachdem sich das System aktiviert hatte und die typische »Was kann ich für dich
tun?«-Frage gestellt hatte, sagte Viola die Adresse. Zehn Minuten später setzte
ich sie ab. Schnell gab sie mir noch ein Frechdachs-Dankesküsschen und schon
sprang das Energiebündel wie eine gespannte Feder aus dem Wagen, winkte noch
mal und lief zu einem Wohnhaus. Was für ein bezaubernder, lebensfroher
Frechdachs!

Über sie schmunzelnd fuhr ich weiter zum Landschloss. Die Luft
war erfüllt von dem Duft von wildem Thymian und dem salzigen Hauch des Meeres,
der sanft durch die Lüftungsanlage ins Innere wehte. Ich musste dabei manchmal
breit grinsen – was für ein bezaubernder Frechdachs diese Viola doch war! Ihr
ungebändigter Enthusiasmus, ihre sprühende Lebensfreude und dieser
unwiderstehliche Mix aus jugendlicher Unbedarftheit mit frechem Charme, hatte
mich wirklich ein bisschen verzaubert.
Gegen 17:40 Uhr kurvte ich die Auffahrt zum Landschloss hoch, wo
mich bereits Meli erwartete. Sie kam mir lächelnd entgegen, als ich aus dem EQS
stieg, und fiel mir sofort in die Arme. Unser Kuss war so leidenschaftlich,
dass ich für einen Moment alles um mich herum vergass – die frische Abendluft,
das Zwitschern der Zikaden, sogar den Duft der blühenden Bougainvillea, die
sich um die Säulen des Eingangsportals rankte.
»Na, wie war das Shooting mit dem Frechdachs?« fragte Meli, als
wir uns endlich voneinander lösten, und strich mir dabei liebevoll über die
Wange.
»Puh, sie platzt fast vor Energie, überschäumender Lebensfreude
und frechem, aber liebreizend nettem Sexappeal«, erzählte ich und führte sie
zum Empfangsbereich. »Definitiv der geborene Frechdachs – immer zu Scherzen
aufgelegt und verbreitet dabei um sich diesen magischen Zauber, dem man kaum
widerstehen kann. Sie hat mich durch ein Landschaftsschutzgebiet geschleift,
als wäre sie dort aufgewachsen. Und weißt du was? Sie hat es fast mehr als ich
genossen, vor der Kamera zu stehen.«
»Kann ich mir gut vorstellen.« Lächelte Meli amüsiert, die Viola
auch mag.
»Und wie war deine Fernstudium-Arbeit?« fragte ich, während wir
uns in die prunkvollen Samtsessel des barocken Entrées fallen ließen. Der Raum
war ein Fest für die Sinne: Ein riesiger, vergoldeter Rokoko-Spiegel
reflektierte das sanfte Licht des alten Kristalllüsters, der stolz von der
Decke hing und sich im Spiegel bewunderte. Zwei petrolfarbene Samtsessel luden
zum Verweilen ein, und wir setzten uns, bestellten nur leicht alkoholisierte
Aperitifs beim Hauspersonal, die gleich darauf serviert wurden.
»Ach, wie immer – ich muss halt fleißig lernen«, seufzte Meli
und nahm einen Schluck von ihrem Aperitif. »Aber mein Mentor lobt mich und
meint, ich sei nach wenigen Monaten schon erheblich weiter als die anderen
Schüler, die er online betreut. Er sagt, ich habe ein echtes Talent für
Journalismus.«
»Das wundert mich überhaupt nicht«, sagte ich anerkennend und
strich ihr über den Arm. »So klug und fleißig, wie du bist, ist das doch
selbstverständlich. Du, Viola hat mich ganz schön durch die Natur eines
Landschaftsschutzgebietes geschleift. Ich möchte erstmal duschen und mich
umziehen!«
»Allein?« Meli zwinkerte mir auf diese ihre unnachahmliche,
sinnlich-erotische Art zu, die selbst die einfachste Geste in eine
verführerische Einladung verwandelte.
»Gegen eine sanfte Löwin, die mir den Rücken einseift, hätte ich
nichts einzuwenden, hoho«, antwortete ich und stand auf, um sie mit mir nach
oben in unsere Suite zu ziehen.
Unsere Suite war noch opulenter im Barockstil ausgestattet als
der Empfangsbereich. Ebenso das Badezimmer – ein wahres Duschparadies mit
halbrund verglasten Wänden, in dem locker fünf oder sechs Personen Platz
gefunden hätten. Die vielen Düsen und Einstellmöglichkeiten luden geradezu zum
Verweilen ein. Das warme Wasser, das uns umspülte, während wir uns gegenseitig
zärtlich einseiften, führte natürlich und unvermeidlich zu... nun, Details
müssen wir hier zensieren, hoho. Aber wir fühlten uns danach noch viel wohler –
entspannt, glücklich und bereit für den Abend.
Für heute Abend hatten wir eigentlich die inzwischen befreundete
Nachbarsfamilie mit ihrer hübschen, erwachsenen Tochter zum Essen eingeladen.
Doch die mussten kurzfristig wegen irgendwelcher wichtigen Angelegenheiten
absagen. Zum Ausgehen in die Stadt hatten wir auch keine rechte Lust. Also
machten wir es uns mit diversen Köstlichkeiten im TV- und Kinoraum gemütlich.
Wir plauderten, schmusten, aßen leckere Delikatessen und schauten uns einen
Film an.
Leider erwies sich der Film als ziemlich dämlich gemachter,
völlig unrealistischer Sci-Fi-Thriller, der eher in die Kategorie Fantasy
gepasst hätte. Selbst die eigentlich guten Schauspieler konnten den Schwachsinn
nicht retten. Am Ende amüsierten wir uns darüber, dass wir uns den Quatsch
wirklich bis zum Schluss angeschaut hatten. Das Landschloss verfügte nicht nur
über sämtliche TV-Kanäle und Streaming-Anbieter, sondern auch über eine
hochmoderne Medien-Datenbank mit etlichen Terabyte an Filmen und Serien. Wir
hätten leicht abschalten und uns etwas Besseres anschauen können – aber
irgendwie hatten wir Spaß daran, den Film zu kommentieren und uns über die
absurdesten Szenen lustig zu machen.
»Weißt du, was das Schlimmste an diesem Film war?« fragte Meli
und nahm einen Schluck von ihrem Wein. »Dass er so vorhersehbar war. Jede
Wendung roch vorher schon eine Meile gegen den Wind.«
»Stimmt«, pflichtete ich ihr bei. »Aber immerhin haben wir uns
gut unterhalten. Und jetzt, wo der Film vorbei ist, können wir uns auf das
Wesentliche konzentrieren.«
»Und das wäre?« Meli lächelte verschmitzt.
»Na, uns.« Ich zog sie näher zu mir heran und küsste sie sanft
auf ihre unglaublich sinnlichen, vollen Kussmundlippen. »Und darauf, wie schön
es ist, einfach nur zusammen zu sein.«
Kurz nach 23 Uhr krochen wir schließlich in unser gemütliches
Luxusbett, kuschelten noch verspielt und sinnlich und plauderten über dies und
das, bis wir irgendwann langsam in das Reich der Träume hinüberglitten. Die frische
Luft, die durch ein leicht geöffnetes Fenster wehte, trug den Duft von Jasmin
und Zitrusblüten herein und wiegte uns sanft in den Schlaf.
War es ein Traum?
Um 2 Uhr nachts vibrierte mein Handy auf dem Nachttisch. Ich
öffnete ein Auge, griff danach – und musste breit grinsen, als ich Violas
Nachricht las:
»Capitano… wann machen wir Teil 2? Diesmal ohne Kleid von Anfang
an, hihi!« Dazu ein Selfie mit ihrem frechsten Grinsen, das Haar noch zerzaust
vom Schlaf, die Augen funkelnd vor Vorfreude.
Ich tippte zurück, während Meli sich schlaftrunken an mich
schmiegte: »Wenn die Löwin einverstanden ist… und das Wurmloch genug Mandeln
bereitstellt.«
Bimmelte mein Handy wirklich? Oder war es nur ein Traum, geboren
aus sizilianischer Nachtluft, Jasmin-Duft und dem letzten Glas Nero d’Avola?
Ihr dürft raten, hoho. zwinker
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