Algarve, Lagos, Sightseeing, geheimnisvolle Orden und eine Fun-Night

 

#26.07.12 - Algarve, Lagos, Sightseeing, geheimnisvolle Orden und eine Fun-Night

»Morning Britt…« grinste ich am Morgen vergnügt und ließ meine Blicke bewundernd über ihre Silhouette schweifen. »…dein Anblick impliziert die sehr wichtige Frage: Ziehst du dich gerade an oder aus?«

Es war gerade mal 07:20 Uhr an diesem wunderbar stillen Morgen, an dem das erste Licht des Tages über die Finca kroch. Vicky und Demo schlummerten noch tief und fest in den Federn, und ich wollte mich eigentlich nur durch einen raschen Sprung in das kühle Nass des Pools erfrischen, um den Kopf freizubekommen.

Doch dort am Beckenrand stand die auch schon überraschend muntere Britt in einem einteiligen, strahlend weißen Badeanzug, den sie jedoch keck vom Oberkörper heruntergezogen hatte – stand also topless da, und das war im goldenen Morgenlicht natürlich ein überaus reizvoller, ästhetischer Anblick für meine Männeraugen. Mit einer breiten Schirmkappe auf den blonden Haaren, die ihre Augenpartie tief beschattete, schien es, als ob sie nachdenklich an den Fingernägeln knabberte, was jedoch überhaupt nicht zu ihrer ansonsten so diszipliniert und lebensfrohen Wesensart passen wollte.

»Morning Steve, weder noch«, schmunzelte sie mit einem herrlich weiblichen, wissenden Lächeln über meine genüsslichen Blicke, während sie ungerührt in ihrer Pose verharrte. »Ich versuche mir gerade eine widerspenstige Obstfaser aus einer Zahnlücke zu puhlen, verdammt!«

 

»Na, dann wünsche ich dir viel Glück dabei.« Ich entledigte mich mit einer fließenden Bewegung meines dünnen Seidenbademantels, unter dem ich wie gewohnt überhaupt nichts anhatte, trat an die Kante und sprang kopfüber mit einem hoffentlich eleganten, sauberen Eintauchen in den Pool.

Das Becken ist zwar unbestreitbar zu klein, um darin ernsthaft mehr als zwei-drei kräftige Züge am Stück zu schwimmen und somit nennenswert etwas für die sportliche Fitness zu tun, aber für eine willkommene, munter machende Erfrischung am frühen Morgen reicht es allemal. Keine zwei Minuten später wuchtete ich meinen noch klatschnassen Adonis-Körper schon wieder geschmeidig über den Beckenrand hinaus ins Freie und ging direkt in den hell gekachelten Dusch-Anbau, der sich seitlich an die Finca schmiegt, um mir das Chlorwasser rasch abzuspülen und die Haare gründlich zu säubern.

Eigentlich war Letzteres eher unnötig, denn momentan trage ich einen den Sommertemperaturen angepassten, sozusagen militärischen Kurzhaarschnitt; trotzdem will man sich beim morgendlichen Duschen ja auch ausgiebig mit duftendem Duschgel shampoonieren oder einseifen und sich nicht nur plump mit kaltem Wasser abspülen.

Das von drinnen hörbare, unbeschwerte weibliche Lachen und Kichern verriet mir schon vor dem Betreten des Raumes, dass sich vermutlich gerade die beiden Haushaltshilfen Olga und Olea unter den Brausen abduschten. Doch beim Eintreten sah ich: Nein, es waren Olga und unser allseits bekannter Frechdachs Lena, die also schon wieder mal früh am Morgen zu uns in die Finca gestoßen sein musste. Seit einigen Tagen ist sie fast ständig hier bei uns in Rodrigos Finca aktiv, beziehungsweise mit unserer gesamten Truppe unterwegs und geht eigentlich nur noch zum Schlafen spätnachts zu ihren lieben, alten Gastleuten zurück.

Diese hatten dafür genauso viel Verständnis wie wir selbst, denn für eine so lebens- und abenteuerlustige junge Frau von gerade mal Anfang 18 (erst frisch seit April), ist es bei den älteren Leuten natürlich vergleichsweise sterbenslangweilig, während sie mit uns viel mehr erleben, unternehmen und echten Spaß haben kann.

»Morning ihr Hübschen…« grinste ich, während ich den Vorhang beiseiteschob und meine Mundwinkel noch ein ganzes Stück breiter nach oben zog als zuvor bei Britt. »…lasst euch ruhig ganz viel Zeit beim genüsslichen Duschen und Abtrocknen, hoho.«

»Aaaahaha-hihi…, Morning Captain!« prusteten die zwei sehr hübschen Nackedeis wie aus einem Mund los und amüsierten sich prächtig, prompt wie junge Girls es in solchen Situationen halt unbeschwert gern tun. Olga ist höchstens ein Jahr älter als Lena, und in dieser speziellen Lebensphase sind junge Frauen, egal wie lebenserfahren sie sonst in manchen Dingen bereits sein mögen, halt doch noch zu gern, zumindest ab und zu, wie verspielte, jüngere Teengirls. »Sollen wir dir vielleicht ein bisschen beim Rücken einseifen helfen, hihi?«

Etwa 20 Minuten später versorgte ich mich, herrlich sauber, erfrischt und rundum munter bei Maria, der treuen Haushälterin und Köchin, zunächst mit einem guten, kräftigen Café Crema, einer reifen Banane und saftigen Wassermelonenstücken. Wir scherzten kurz in der Küche, während Olea fleißig bei den weiteren Frühstücksvorbereitungen half – sie ist im Grunde genauso eine junge, aufgeweckte Frechdachs-Frau wie Olga und Lena. Dann schlürfte ich draußen am Pool in der Morgensonne meinen heißen Kaffee und paffte dazu genüsslich meine geliebte Morgenzigarette noch vor dem eigentlichen Frühstück, wie ich es nun mal liebe und so gut wie jeden Morgen zelebriere.

Derzeit erleben wir hier an der Algarve noch diese für den Monat Juli etwas ungewöhnliche, kühle Wetterphase. Nachts sinkt die Temperatur teils unter die 20°-Marke und tagsüber klettert das Thermometer kaum über 25°C. Diese angenehme Wetterlage soll laut Vorhersage noch bis zum kommenden Montag anhalten, danach sollte es wieder richtig sommerlich heiß um oder über 30° werden.

Für uns war das eine ideale Phase für ausgiebige Inlandsausflüge oder allgemeines Sightseeing in Lagos, ohne direkt in schweißtreibende Hitze zu geraten. Darüber diskutierten wir dann auch wenig später beim sehr munteren, lockeren Frühstück am großen Tisch, das von viel Lachen und gegenseitigen Scherzen begleitet wurde. Rodrigo, der geradezu glücklich und sichtlich gerührt über so viel junges, unbeschwertes Leben in seiner sonst eher stillen Finca strahlte, hatte plötzlich einen feinen Vorschlag parat.

Wir fünf könnten uns am Vormittag erst einmal in aller Ruhe in Lagos umschauen, und am Mittag treffen wir uns dann mit ihm und Lois, die heute Vormittag von ihrem anstrengenden Mode-Shooting aus Madrid zurückkommt, in einem richtig guten Restaurant in der City. Nach dem gemeinsamen Mittagessen wollte er uns dann etwas »Geheimnisvolles« zeigen, was normale Touristen nicht zu sehen bekommen. Mehr verriet der alte Herr darüber zunächst beim besten Willen nicht, egal wie charmant, hartnäckig und weiblich raffiniert ihn Britt, Vicky und Lena mit Fragen löcherten. Schmunzel



 

Und genau so machten wir es dann auch. Bald nach dem reichhaltigen Frühstück brachen die drei Hübschen, Demo und ich gut gelaunt auf. Bei momentan sehr milden, angenehmen 23 bis 24°C spazierten wir gemächlich in die historische Altstadt von Lagos und schauten uns ohne ein besonderes Ziel einfach in den Gassen um. Natürlich wurden die Frauen auch diesmal wieder von den vielen hübschen, kleinen Geschäften, versteckten Boutiquen oder den typischen Touristen-Souvenirshops zum ausgiebigen Stöbern verlockt, was wir Männer mit einem milden, verständnisvollen Lächeln beobachteten und ihnen gern diesen typisch weiblichen Spaß gönnten.

Pünktlich um 13:15 Uhr trafen wir uns wie vereinbart mit Lois und Rodrigo im wunderschönen Traditionsrestaurant Don Sebastião>>>, Rua 25 de Abril 20-22. Eine Rezension auf Google beschreibt dieses sehr hübsche, exzellente Lokal wirklich treffend, weshalb ich den Text hier einfach unverändert reinkopiere:

»Wir verbrachten einen sehr schönen Abend im Don Sebastião in Lagos. Das Restaurant besticht durch sein klassisch-portugiesisches Interieur – traditionell und bestens gepflegt –, das eine authentische und behagliche Atmosphäre schafft. Der Service war hervorragend – aufmerksam, professionell und aufrichtig freundlich, ohne aufdringlich zu sein. Wir fühlten uns den ganzen Abend über bestens betreut. Das Essen war exzellent. Von den Vorspeisen bis zu den Hauptgerichten war alles hervorragend zubereitet, schmackhaft und ansprechend angerichtet. Man merkt deutlich, dass hier Qualität und Tradition großgeschrieben werden. Insgesamt ein sehr gelungenes Abendessen und ein Restaurant, das wir bei unserem nächsten Besuch in Lagos gerne wieder aufsuchen werden.«

 

Auf Google werden sie erstaunlicherweise nur mit 4,3 Sternen im Schnitt bewertet, was ich nach unserer heutigen, durchweg positiven Erfahrung beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Meiner persönlichen Ansicht nach verdienen sie mindestens eine 4,5 oder 4,6 für das stimmige Ambiente, den tollen Service und die hohe Qualität der Speisen. Geöffnet haben sie täglich durchgehend von 12:00 bis 22:30 Uhr, und je nachdem, wie intensiv man dort schlemmt und welchen der guten Weine man trinkt, sollte man etwa 40 bis 60 Euro pro Person einplanen. Man kann aber auch schon für knapp über 20 Euro mit einem einfachen Hauptgericht und einem Getränk delikat satt werden.

Wir fühlten uns jedenfalls pudelwohl, schlemmten ausgiebig mit köstlichen Vor- und Nachspeisen und bewunderten die klassische Inneneinrichtung sowie den wirklich beeindruckenden Weinkeller des Restaurants. Bei dem angenehmen Wetter, das weder zu heiß noch zu kalt war, speisten wir gemütlich draußen auf der malerischen Terrasse, wo man uns extra zwei runde Vierertische zusammengeschoben hatte. Aber wir gingen während des Aufenthalts immer wieder gerne abwechselnd ins Innere des Restaurants, um die bezaubernd altmodische, aber ungemein schicke und sehr gepflegte Einrichtung zu bestaunen.

Dort standen alte, hochwertige Holztische und Stühle, wobei jeder Tisch sorgfältig wie in bester, klassischer Gastronomie-Tradition hübsch und einladend eingedeckt war. Es gab eine ebenfalls sehr gepflegte, dunkel glänzende Holzbalkendecke, weiße Rundbögen und an den Wänden hingen unzählige bunte, historische Porzellanteller; der Fußboden ist in einem markanten hell-dunklen Schachbrettmuster gepflastert, und alles, bis hin zu den Toiletten, war pikobello sauber.

»Die Stühle sehen zwar ein bisschen unbequem aus, aber es ist echt voll hübsch hier drinnen, so herrlich altmodisch«, meinten Britt und Vicky übereinstimmend, während sie sich umsahen.

»Ein bisschen wie unser lieber Rodrigo, hihi«, stichelte Lena sogleich wieder süß-frech wie immer, was den elegant gekleideten alten Herrn amüsiert lächeln ließ, während er mit einem Zwinkern konterte.

»Deshalb mag ich dieses Restaurant besonders, liebe Lena, hier passe ich einfach perfekt hinein.«

»Als wäre es dein ganz persönliches Speisezimmer«, schmunzelte auch Lois liebevoll und streichelte ihm über den Unterarm.


 

Beim starken Kaffee nach dem üppigen Essen erzählte uns Rodrigo dann endlich in ruhigem Ton, was er uns später zeigen wollte und was besonders mich als geschichtsinteressierten Mann definitiv faszinierte. Portugal war historisch gesehen tatsächlich eines der wichtigsten Rückzugsgebiete für die sagenumwobenen Tempelritter, nach ihrer brutalen Verfolgung und Zerschlagung durch den französischen König Philipp IV. und Papst Clemens V. im schicksalhaften Jahr 1307.

Viele Templer flohen damals nach Portugal, wo der weitsichtige König Dinis I. sie bereitwillig schützte. Im Jahr 1319 gründete Dinis dann den Orden von Christus (Ordem de Cristo) – was eine direkte, geschickte Nachfolgeorganisation der Templer war. Der neue Orden übernahm kurzerhand viele der alten Besitzungen, wehrhaften Burgen und Privilegien der Templer auf portugiesischem Boden.

Die Festung von Lagos (Forte da Ponta da Bandeira) und die gesamte Küstenregion waren damals stark vom Orden von Christus geprägt. Der Orden hatte in der gesamten Algarve einen erheblichen Einfluss, besonders während der großen Epoche der Entdeckungszeit; kein Geringerer als Heinrich der Seefahrer war seinerzeit Großmeister des Ordens von Christus. Viele der hölzernen Schiffe der berühmten portugiesischen Entdecker trugen das Kreuz des Ordens von Christus auf den Segeln – das markante rote Kreuz auf weißem Grund, das später zum weltbekannten portugiesischen Nationalzeichen auf stürmischer See wurde.

Die berühmteste und am besten erhaltene Templer- und Christusritter-Burg in ganz Portugal ist das Convento de Cristo in Tomar, nördlich von Lissabon gelegen – ein absolutes, architektonisches Highlight und zu Recht UNESCO-Weltkulturerbe. Portugal war also ein sicherer Hafen für die verfolgten Templer, und der Orden von Christus war quasi ihre direkte portugiesische Fortsetzung im Gewand der Krone. In Lagos selbst gibt es zwar heute keine Templerburg zu bewundern, aber die gesamte Region war spürbar vom Geist und dem mächtigen Einfluss dieses Ordens durchdrungen.

Was es in Lagos und vermutlich in großen Teilen Portugals im Verborgenen aber bis heute gibt, ist eine aktive Außenstelle des Ordem Militar de Nosso-Senhor Jesus Cristo, oder kurz Ordem dos Templários… und unser Gastgeber Rodrigo ist tatsächlich ein echtes Mitglied des Ordem dos Templários instala Comendadoria de Santiago em Castro Marim, kurz Templar Corps oder auch Secular Militant Order of the Temple of Jerusalem, Außenstelle Lagos, und zwar im stolzen Rang eines »Knight Commander«.

Rodrigo deutete jetzt an, dass diese teilweise unter dem öffentlichen Radar zusammenarbeitenden Organisationen, in welcher er Mitglied ist, doch erheblich mehr Einfluss und Macht hat als allgemein bekannt. Das beeindruckte mich allerdings wenig. Es kommt erstaunlich häufig vor, dass sich selbst so intelligente, gebildete Mitglieder solcher elitärer Logen, Orden und Sekten selbst einreden, dass was sie da machen, sei wesentlich bedeutsamer und sie selbst wichtiger als es ist. Deshalb lächelte ich nur nichtssagend dazu, beschloss allerdings genauer darüber zu recherchieren.

 

Damit der tiefere Zusammenhang hier im Blog nicht vergessen wird, füge ich an dieser Stelle gleich ein, was meine eigene, gründliche Recherche im Nachgang über diese modernen Gruppierungen ergeben hat. Meine Erfahrung und mein Bauchgefühl haben mich da nämlich mal wieder nicht getäuscht:

1. Der historische Teil: Absolut wasserdicht!

Alles, was ich über die packende Geschichte der Templer in Portugal herausgefunden habe, ist historisch absolut korrekt. Der Zufluchtsort Portugal war eine historische Realität: Während Philipp IV. (der Schöne) die Templer in Frankreich 1307 auf dem Scheiterhaufen qualvoll brennen ließ, weigerte sich König Dinis I. von Portugal standhaft, dem Papst zu gehorchen. Er benötigte die immense militärische Macht und das taktische Wissen der Ritter dringend für die Rückeroberung (Reconquista) des Landes gegen die Mauren.

Die Umbenennung im Jahr 1319 war ein genialer Schachzug: Er löste die Templer formell auf, gründete den Christusorden und übertrug einfach alle Besitztümer, Ritter und die gesamte bewährte Struktur eins zu eins in den neuen Orden. Das war reine Kosmetik, um den Papst in Rom zu beruhigen. Heinrich der Seefahrer nutzte als Großmeister später das immense, angehäufte Vermögen des Ordens, um die portugiesischen Karavellen für ihre riskanten Fahrten in die neue Welt zu finanzieren. Und Tomar bleibt das absolute Epizentrum dieser Epoche.

2. Der moderne Teil: Der Mythos der Neo-Templer

Hier kommen wir nun zu Rodrigos geheimnisvollen Andeutungen und der Organisation, der er angehört. Das von ihm erwähnte Templar Corps International (beziehungsweise die OSMTH) existiert tatsächlich als weltweites Netzwerk. Psychologisch und realpolitisch sieht die nackte Realität im Vergleich zur Legende aber genau so aus, wie ich es vermutet hatte: Es handelt sich hierbei um sogenannte Neo-Templer-Orden. Diese Gruppen haben keinerlei legitime, geschichtlich ununterbrochene Nachfolgekette zum echten, historischen Templerorden, der 1312 von Papst Clemens V. offiziell und endgültig per Dekret aufgelöst wurde.

Es sind reine Neugründungen, die meist erst im 18. oder 19. Jahrhundert im Zuge der Freimaurer-Bewegung und der Epoche der Romantik entstanden sind. Heute sind diese Gruppen rechtlich als gemeinnützige Kultur- und Hilfsvereine (NGOs) registriert, sammeln brav Spenden für wohltätige Zwecke (oft im Heiligen Land), pflegen historische Traditionen und verleihen sich im stillen Kämmerlein gegenseitig prachtvolle Titel wie »Knight Commander«. Es gibt in diesen Zirkeln keine geheimen Netzwerke, die im Hintergrund die Fäden der Weltpolitik oder der globalen Wirtschaft ziehen. Der Vatikan erkennt diese Orden nicht als offizielle Ritterorden an, und sie besitzen keinerlei realen politischen Einfluss.

3. Die Psychologie dahinter: Warum Rodrigo das tut oder so gern daran glauben möchte

Meine Beobachtung trifft den psychologischen Kern solcher Zirkel perfekt. Warum neigen selbst intelligente, gebildete und wohlhabende Männer wie Rodrigo im Alter dazu, die Bedeutung solcher Orden aufzubauschen? Da ist zum einen das Eliten-Bedürfnis: Menschen in gehobenen gesellschaftlichen Positionen suchen oft nach Gleichgesinnten. Ein exklusiver Club mit edlen Gewändern, geheimnisvollen Ritualen und historischen Titeln befriedigt das zutiefst menschliche Bedürfnis nach Exklusivität und elitärer Zugehörigkeit.

Zum anderen ist es eine Flucht vor der gefühlten Bedeutungslosigkeit im Alter: Rodrigo ist Witwer, nicht mehr der Jüngste und lebt im Alltag recht zurückgezogen auf seiner Finca. Der klangvolle Rang eines »Knight Commander« in einem vermeintlich mächtigen, weltweiten Orden gibt dem Lebensabend eine tiefere, fast schon mystische Bedeutung. Es wertet das Ego auf und gibt einem das erhebende Gefühl, Teil von etwas Großem und Geheimem zu sein.

Das Einzige, was an Rodrigos Aussage über »Einfluss« wirklich stimmt, ist jedoch die rein informelle Ebene: In solchen Orden sitzen oft wohlhabende lokale Unternehmer, Anwälte, Ärzte oder regionale Politiker. Man hilft sich untereinander oder vermittelt diskret Kontakte und Geschäfte – aber das ist klassische Kungelei und simples Vitamin B, keine templarische Weltverschwörung.

Okay, so weit, so gut. Nach dem Kaffee führte uns Rodrigo dann stolz zu einem der besagten, angeblich »geheimen« Treffpunkte seines Ordens, wo aktuell tatsächlich einige wenige Mitglieder anwesend waren. Alle waren in meinen Augen in eher lächerliche Templer-Uniformen und schwere Umhänge gewandet, hantierten mit traditionellen Schwertern und pflegten ebenfalls eher amüsante, furchtbar förmliche Umgangsformen miteinander.

So etwas tun gewöhnlich Menschen, die sich halt im Inneren besonders wichtig und bedeutend fühlen wollen, es im harten, realen Leben da draußen aber oft nur sehr begrenzt sind. Die wirklich Mächtigen von heute haben solche theatralischen Spielchen überhaupt nicht nötig. Denen gehört sowieso fast alles auf der Welt, und sie können mit einem ganz sanften, unscheinbaren Wink im Hintergrund nahezu alles beeinflussen, was immer sie wollen.

 

Beeindruckend und optisch interessant war die Szenerie trotzdem, und ich gönne den Leuten in solchen Organisationen auch gern ihren Spaß oder die Freude, sich selbst im Alltag ein wenig aufzuwerten, wenn sie meinen, das für ihr Seelenheil zu brauchen, und solange sie damit keinen Schaden anrichten. So ticken nicht wenige Menschen nun mal auf dieser Welt, deshalb gibt es ja auch Religionen, Geheimbünde und unzählige Clubs und Vereine jedweder Art. Also hielt ich mich höflich zurück, schwieg gentlemanlike und lächelte nur still in mich hinein.

Architektonisch war dieser »geheime« Treffpunkt allerdings unbestreitbar spannend anzusehen. Er liegt verborgen in einer alten, mittelalterlichen Festung, ähnelt im Inneren stark einer düsteren Kapelle, und die geschichtsträchtigen Innenwände sind vollständig mit den traditionellen blau-weißen Azulejo-Kacheln ausgekleidet, die vermutlich aus dem späten 18. Jahrhundert stammen. Es ist ein tunnelähnliches, kühles Gewölbe mit schweren »Kardinals«-Stühlen an den Längsseiten und an der Kopfseite einer Art Altar, hinter welchem der »Knight General« oder »Knight Grand Cross« die Versammlungen leitet und sich dabei für ein paar Stunden furchtbar wichtig fühlen kann. schmunzel

Danach wechselten wir gut gelaunt zum offiziellen, nicht geheimen, wenn auch für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglichen Treffpunkt oder Clubhaus von Rodrigos Orden, Sekte oder wie immer man so eine Vereinigung am Ende auch nennen mag. Immerhin sind sie dort dann doch so modern eingestellt, dass es sogar einige, wenn auch ganz wenige Frauen als vollwertige Mitglieder gibt; das ist für einen katholischen Orden bereits ungewöhnlich fortschrittlich. Die meisten Logen und Orden ähnlicher Art bestehen ausschließlich auch Männern.

Neben den regelmäßigen Club-Treffen zum gegenseitigen verbalen Bauchpinseln, beschäftigen sie sich offenbar hauptsächlich mit regionaler Traditionspflege, sozialem Engagement und gelegentlich auch mit feierlichen, öffentlichen Auftritten in der Art von Karnevals- oder ähnlichen Traditionsvereinen zur Unterhaltung der einheimischen Leute und Touristen.

Die allermeisten Mitglieder dort waren typischerweise Männer in bereits gesetzterem Alter; der Jüngste, den ich dort erblickte, dürfte etwa Mitte 30 gewesen sein, die allermeisten waren locker über 50 oder älter. Und ebenso typisch, auch wenn sie es in ihrem stark katholisch-christlich geprägten Glauben und ihrer offiziellen Moral eigentlich nicht so offen zeigen und tun dürften: Sie waren selbstverständlich über den von Rodrigo mitgebrachten Besuch so charmanter, schöner junger Frauen insgeheim ziemlich erfreut und ließen ihre Blicke wandern. Scheinheilige Verlogenheit ist ja gerade im traditionellen Katholizismus sozusagen eine altbekannte Grundeinstellung, sonst gäbe es weltgeschichtlich nicht so viele pädophile Pfaffen und ähnlich fragwürdige Gestalten in den weitverzweigten Kirchenorganisationen.

Na, jedenfalls war es alles in allem ein durchaus interessanter, in Teilen amüsanter Nachmittag, bei dem wir fünf unseren Spaß hatten und viel Neues sahen. Gegen 18:00 Uhr abends kamen wir schließlich zurück in die Finca und legten frisch geduscht erst einmal eine schöne, ausgiebige und sinnliche Siesta in den Gemächern ein. Mit einem kleinen Nickerchen etwas Schlaf auf Vorrat zu tanken, war an diesem Tag auch wahrlich nicht die verkehrteste Idee.

Nach dem anstehenden Abendessen wollten wir nämlich alle, außer dem alten Rodrigo, der lieber geruhsam daheim blieb, richtig schön ausgehen und ganz klassisch Spaß bei einer feuchtfröhlichen Pub-Crawl-Tour durch diverse angesagte Lokale der Stadt haben. Wie schon mal erwähnt, kennt sich Lois hier in der Gegend durch bestens aus und kennt viele coole Lokalitäten oder eher private, versteckte Treffpunkte, wo junge Menschen ungestört Spaß haben und zu moderner Musik bis in den Morgen abtanzen können.

 

Das alles hier im Blog haarklein aufschlüsseln und in allen Einzelheiten beschreiben zu wollen, würde am Ende einfach viel zu viele Seiten Text erfordern und den Rahmen sprengen. Deshalb schreibe ich jetzt zum Abschluss nur noch kurz, dass wir uns alle zusammen prima amüsierten und bis fast 03:00 Uhr morgens ausgelassen feierten. Erst dann fielen wir, wohlig müde und leicht erschöpft von dem langen, ereignisreichen Tag und fast der ganzen durchgemachten Nacht, nach einer nur noch kurzen, schnellen Dusche glücklich in die Betten. Was Vicky und mich betraf, pennten wir nahezu sofort Arm in Arm ein, und den anderen in der Finca dürfte es in ihren Zimmern ganz genau so ergangen sein. Und das war es dann auch schon wieder für heute… schnarch

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Algarve, Lagos, Shooting-Feinheiten, Kunstinteressierte und Sightseeing

 


#26.07.09 - Algarve, Lagos, Shooting-Feinheiten, Kunstinteressierte und Sightseeing

»Wie schätzt du Ronaldo ein? Meinst du, dem kann ich meine Kunst oder Bilder von mir verkaufen?«

Vicky und ich ließen das Frühstück ausfallen und fuhren mit E-Bikes direkt an den Hafen zum dort festgemachten Boot. Wir benötigten ein paar Privatsachen, da wir inzwischen ja schon viel länger in Rodrigos Finca verweilen, als ursprünglich geplant und beabsichtigt war. Außerdem nahm sie das softerotische, edel gerahmte Foto-Bild im Stil der softerotischen »Schlafenden Schönen« von sich mit, das am Kopfteil unseres Bettes angebracht ist und welches ich bereits im Blog gezeigt habe.

»Ich sprach auf deiner Live-Performance nur wenige Worte mit ihm, daher kann ich das nicht wirklich einschätzen. Aber er scheint mir ein echter Liebhaber erotischer Kunst zu sein«, antwortete ich lächelnd, während wir am Kai entlangrollten.

 

Ronaldo ist ein weiterer Kunstinteressent, den wir pünktlich um 09:00 Uhr zum Frühstück treffen wollten. Er interessierte sich brennend für Aufnahmen von ihr als Akt-Model und wollte ihr dieses spezielle Bild wahrscheinlich abkaufen. Wir hatten den circa sechzigjährigen, leidenschaftlichen Sammler ästhetisch schöner Erotikkunst bei der jüngsten Live-Performance kennengelernt. Also radelten wir mit zwei prall gefüllten Rucksäcken und dem zum Glück handlichen, vorsichtig balancierten Foto-Bild weiter in die historische Altstadt.

Verabredet waren wir im herausragenden Café Sunrays Kitchen an der Praça do Poder Local 22. Dieses tolle Lokal schafft es, bei über 700 Bewertungen einen außergewöhnlich hohen Schnitt von 4,8 Sternen auf Google zu halten – und das zu Recht, wie wir bald feststellen durften. Es ist ein sehr hübsches, eindeutig mit viel gastronomischer Liebe und Hingabe betriebenes Café. Sehr freundliches Personal versorgt die Gäste flott und gekonnt mit perfekt zubereiteten, frischen Speisen und kühlen Getränken zu sehr fairen Preisen. Sie sind in der Stadt äußerst beliebt, und schon bald nach der Öffnung füllt sich das Lokal drinnen und auf der hübschen Außenterrasse mit Einheimischen und Touristen gleichermaßen. Montag ist Ruhetag, ansonsten haben sie täglich bis 18:00 Uhr geöffnet, an Sonntagen nur bis 16:00 Uhr.

Noch war es am Vormittag mit angenehmen 24°C erfrischend. Unsere Verabredung Ronaldo schlürfte auf der Terrasse bereits einen guten Kaffee und begrüßte uns galant-freundlich, als wir eintrafen. Wir nahmen am durch hübsche, gepflegte Grünpflanzen schattigen Tisch Platz und bestellten uns erst einmal exzellenten Kaffee, sowie Mineralwasser und frisch gepresste Fruchtsäfte. Er kennt das Sunrays Kitchen bestens und half uns fachkundig beim Auswählen der Speisen. 

 

Vika entschied sich für fruchtige Beeren auf dickem, hellem Brot und ein cremiges Joghurt mit frischen Waldbeeren. Ich nahm leckeres, frisches, dunkles Sauerteigbrot, das üppig mit würzigem Rührei und köstlichem, hauchdünn geräuchertem Iberico-Schinken belegt war. Dazu orderten wir noch einen großen Teller knackigen, gemischten Salat für die Vitamine.

Während wir auf die bestellten Speisen warteten und entspannt über Vickys Kunst plauderten, schaute er sich das mitgebrachte Foto-Bild fasziniert an und bestätigte sofort, es erwerben zu wollen. Verblüffend schnell servierte die aufmerksam-humorvolle Bedienung unsere Bestellung, und alles mundete uns vorzüglich. Sie machen in diesem Café wirklich einen fantastischen Job; alles ist frisch und auf den Punkt genau richtig zubereitet, spürbar mit Stolz und Liebe hergestellt und ansprechend aufgetischt. Die Fruchtsäfte und der Kaffee waren ebenfalls perfekt, und somit verdient das Sunrays Kitchen seine ungewöhnlich hohe Durchschnittsbewertung wirklich von ganzem Herzen. Sehr empfehlenswert, wenn ihr mal in diese Gegend kommt und ein erstklassiges Café zum Frühstücken sucht!

Ronaldo erklärte uns, vor allem Vicky im Gespräch galant, dass er an einer hochwertigen 12er-Serie Hochglanz-Fotodrucke von Vicky in der Art von schöner, stilvoller Akt-Fotografie interessiert sei, aufgenommen in den eleganten Räumlichkeiten seines hiesigen Stadthauses. Am liebsten so, dass er beim Shooten direkt dabei ist und mit Vicky die gewünschten Posen und Szenerien unmittelbar absprechen kann. Und fraglos tat er dies auch, um als älterer, erotische Kunst sammelnder, vielleicht auch ein kleines bisschen einsamer Witwer den Anblick wunderschön geformter, noch junger Fraulichkeit mit eigenen Augen genießen zu dürfen – was er in seiner charmanten Art auch überhaupt nicht scheinheilig verheimlichte.

»Du bist eine wunderschöne Frau mit einer perfekten Figur und somit eine absolute Augenweide für jeden Mann«, zwinkerte er verschmitzt in Vickys Richtung und ergänzte niveauvoll: »Dass du auch noch intelligent, gebildet und weiblich selbstsicher eine echte Künstlerin bist, macht dich zu etwas ganz Besonderem. Für solche weiblichen Wesen sollten wir Männer aufrichtig dankbar sein.«

»Au weia, du bist ja ein fast noch größerer Charmeur als Steve, haha«, lachte Vicky amüsiert über das Kompliment. »Aber so schöne Worte höre ich als Frau natürlich immer wieder gern.«

Als Frau und erfahrenes Model macht es Vicky nicht nur überhaupt nichts aus, vollkommen unbekleidet zu posieren, sondern sie empfindet es in ihrer ganzen Art als ziemlich exhibitionistische Künstlerin sogar als reizvoll kribbelnd, sich vor erfreut bewundernden Männeraugen nackt in ihrer ganzen natürlichen Schönheit zu präsentieren. Natürlich macht sie das nicht vor jedem x-beliebigen Idioten oder Typen der primitiven Männersorte, die so etwas mit schweinischen Ausdrücken kommentieren würden. Aber vor kunstinteressierten Gentlemen mit Klasse und Niveau oder für Maler, Fotokünstler und Bildhauer ist es für sie tatsächlich eine echte Freude, vollkommen ungeniert und selbstbewusst ihre Weiblichkeit in perfekten Formen vorzuführen.

»Diesen Vergleich mit Steve nehme ich ebenfalls gerne als Kompliment wahr. Wie wäre es denn, wenn wir gleich ein paar erste Probeaufnahmen in meiner bescheidenen Hütte machen?« schlug Ronaldo offen vor und fügte taktvoll hinzu: »Wenn du noch etwas Bedenkzeit benötigst, verstehe ich das selbstverständlich vollkommen.«

»Bedenkzeit? Für was denn, haha?« konterte sie wie aus der Pistole geschossen charmant lachend, was ich, der ich von meiner selbstbewussten, derzeitigen Geliebten ohnehin nichts anderes erwartet hatte, und mit einem amüsierten Grinsen quittierte.

 

Ronaldo entschuldigte sich kurz für einen Toilettengang im Lokal, was uns aber wahrscheinlich nur als eleganter Vorwand diente, um die Rechnung diskret komplett zu begleichen. Dann machten wir uns gemeinsam auf den Weg zu seinem nicht weit entfernten, hübschen, von außen jedoch eher unauffälligen, kleinen Stadthaus. Drinnen ist es sehr elegant und hochwertig eingerichtet – wenn auch aus heutiger, moderner Sicht etwas altmodisch wirkend, was ich persönlich jedoch mag. Er hat definitiv einen exzellenten Geschmack und weiß genau, wie echte Eleganz ohne angeberische Protzerei gestaltet sein sollte.

Das war bei einem Gentleman seiner Art und Klasse natürlich auch nicht anders zu erwarten. Auch Vicky gefiel die Inneneinrichtung auf Anhieb sehr, sie hat ebenfalls ein großes Faible für klassische Eleganz und geschmackvolle, aristokratische Schönheit. Die glänzenden, bequemen Mahagonimöbel im großen Salon sind beispielsweise mit hochwertigen, ebenfalls sachte glänzenden Seidenstoffen bezogen. Allein ein einzelner Sessel dieser Qualität kostet im Schnitt 5.000 bis 8.000 Euro; Ronaldo geht es finanziell also offensichtlich sehr gut.

Mit dezentem Understatement, aber spürbarem Besitzerstolz führte uns Ronaldo durch die Räume und zeigte uns sein schickes Stadthaus. Im hübschen, kleinen, von subtropischen, gepflegt arrangierten Pflanzen geradezu überwucherten und dementsprechend angenehm schattigen Innenhof servierte uns seine Haushälterin eisgekühlte Erfrischungsdrinks in fruchtiger Cidre-Art. In der Stadt hatte es draußen bereits an die 30°C, doch im beschatteten Innenhof-Garten herrschte durch das üppige Grün ein herrliches, leicht feuchtes und mit Sauerstoff angereichertes Mikroklima von vielleicht 27°C.

Wir diskutierten entspannt die verschiedenen Posen, in denen ich Vicky in geschmackvollen, klassischen Full-Nude-Akten in seinen eleganten Räumlichkeiten fotografieren sollte, und wie genau Ronaldo sich die visuelle Linie der Bilderserie vorstellte. Die großformatigen HD-Ausdrucke sollten später – ähnlich wie das mitgebrachte Bild – hochwertig gerahmt und hinter edlem Glas oder einer speziellen UV-Schutzschicht wie echte Ölgemälde an den hohen Wänden hängen.

Ronaldo kennt natürlich die passenden Fachdruckereien und Rahmenwerkstätten hier in der Region, sodass er von uns lediglich die professionellen, hochauflösenden Aufnahmen von Vicky benötigte. Dafür war er zunächst bereit, 100 Euro pro ausgewählter Aufnahme zu zahlen – also 1.200 Euro für die Serie von zwölf Bildern. Für Vicky wäre das bei geschätzt zwei Stunden angenehmer, unkomplizierter „Arbeit“ als posierendes Model eine durchaus willkommene und leichte Zusatzeinnahme gewesen.

Doch nun zeigte sich einmal mehr, dass Vicky auch verdammt geschäftstüchtig und charmant verhandeln kann. Sie erwiderte freundlich, aber bestimmt im Ton:

»Lieber Ronaldo, ich habe mir gerade Gedanken zu einem angemessenen Honorar für dieses exklusive Projekt gemacht. Bei meinen großformatigen Kohlezeichnungen, für die ich üblicherweise zwischen 6.000 und 9.000 Euro erhalte, liegt der zeitliche und künstlerische Aufwand natürlich deutlich höher. Für eine professionelle, maßgeschneiderte Fotoserie dieser Art, die du später großformatig als bleibende Kunstwerke in deinem Haus nutzen willst, halte ich ein Honorar von 3.000 bis 4.000 Euro für die komplette Serie von zwölf Aufnahmen für realistisch und fair. Das würde einer Honorierung entsprechen, die meiner bisherigen künstlerischen Tätigkeit deutlich näherkommt, denn es geht hier ja schließlich nicht nur um den reinen Zeitaufwand.«

»Verehrte, schöne Vicky…«, schmunzelte Ronaldo anerkennend über so viel charmante Kaltblütigkeit, »…wie könnte ich einer so faszinierenden Frau widersprechen? Du hast vollkommen recht. Es geht nicht nur um zwei oder drei Stunden Zeitaufwand, sondern um deine einzigartige Präsenz als Frau und Künstlerin in meinen Räumlichkeiten, die angemessen vergütet werden sollte. Wollen wir uns auf faire 3.500 Euro einigen – inklusive deines kleinen ‚Schlafende Schöne‘ Fotodrucks?«

»Abgemacht, werter Ronaldo und, haha…«, lachte sie mitreißend und gutgelaunt, »…deine genießenden Männerblicke beim exklusiven Zuschauen stelle ich dir heute natürlich nicht gesondert in Rechnung!«

Über diesen gelungenen, schlagfertigen Wortwitz mussten wir nun alle amüsiert miteinander lachen. Dann gingen wir in die angenehm auf etwa 24°C klimatisierten Innenräume, wo Ronaldo zunächst Vicky seine sonstigen, über Jahre gesammelten Exponate erotischer Kunst zeigen und ihre fachliche Meinung hören wollte. Ich radelte unterdessen im Nu in kaum mehr als fünf Minuten zu Rodrigos Finca zurück, um meine Profi-Fotoausrüstung samt Stativ und Wechselobjektiven zu holen, und war im Handumdrehen wieder zurück. Gleich darauf legten wir auch schon mit dem besprochenen Shooting los.

 

Zwölf hochwertige Bilder zu schießen, heißt natürlich keineswegs, dass man tatsächlich nur zwölf Fotos macht. Selbst für einen erfahrenen Profi-Aktfotografen wie mich und ein perfekt eingespieltes Model wie Vicky bedeutet es, mindestens die fünffache, eher sogar die zehnfache Anzahl guter Fotos zu schießen. Aus diesem großen Pool wählt man später in der Nachbearbeitung die am besten gelungenen Nuancen aus, welche schließlich als großformatige HD-Ausdrucke verwendet werden. Selbst bei hochprofessionellen Shootings mit komplettem Fototeam, Visagist und Stylist gilt die bewährte Standardregel: Schieße hundert Fotos, um am Ende eine Handvoll davon als rundum perfekt zu verwenden!

Wie üblich, damit es von niemandem als öde, sterile »Arbeit« empfunden wird, ließen wir uns viel Zeit. Wir scherzten und plauderten ausgiebig dabei, machten entspannte Kaffee- oder Rauchpausen, und Ronaldo hatte eindeutig riesige Freude daran, bei diesem intimen Entstehungsprozess schöner Fotos quasi hautnah dabei zu sein. Was Fotos, Bilder und Fotografie generell betrifft, hat er vor allem Ahnung als Kunstinteressierter beim reinen Betrachten. Wie solche professionellen Shootings im Detail ablaufen und worauf es bei der feinfühligen Akt-Fotografie mit einem schönen, jungen, nackten Model vor der Linse – und natürlich auch vor den genießenden Männeraugen – ankommt, davon hatte er bisher keine Vorstellung.

Es war also in mehrfacher Hinsicht absolut faszinierend für ihn, und er verschlang eine so schöne, toll gebaute Frau wie Vicky sichtlich mit den Augen. Eine typische, sowohl scherzhafte wie auch ernstgemeinte Zwischenfrage von in diesem Metier unerfahrenen Männern konnte er sich dann auch nicht verkneifen:

»Wie, bei allen Göttern, Steve, hältst du es als Mann bloß aus, mit solch entzückenden Schönheiten in verlockender Nacktheit zu shooten, ohne permanent auf fragwürdige Gedanken zu kommen?«

»Das ist tatsächlich gar nicht so einfach, Ronaldo«, schmunzelte ich amüsiert über seine Offenheit und erklärte ausführlicher: »Man sollte dafür ein bestimmter Typus Mann sein, für den nackte Schönheiten nicht nur billige Sexobjekte sind. Selbstdisziplin und professionelle Selbstbeherrschung sind ebenfalls wichtig, und natürlich gibt es auch einen gewissen Gewöhnungseffekt, wenn man das schon so viele Jahre lang und oft gemacht hat. Aber langweilig wird es nie, und auch für meine Männeraugen ist es stets ein reizvoller Genuss, denn jede Frau, jedes Model ist auf ihre jeweils eigene Art ganz anders interessant. Tatsächlich – und für viele Laien schwer verständlich – sind nicht die austauschbaren, wohlgeformten nackten Körper das Interessanteste. Sondern die Art, die Ausstrahlung und die Persönlichkeit der jeweiligen Frau, die für uns Männer erfreulicherweise bereit ist, sich so frei zu zeigen und zu posieren.«

»Stimmt genau, und das macht letztlich den Unterschied zwischen wirklich guten Fotografen und denen aus, die nur technisch fehlerfrei ihren Job abliefern«, stimmte Vicky mir zu, während sie sich lasziv für die nächste Pose streckte. »Mit erstaunlich vielen, auch sehr guten oder berühmten Fotografen macht das Shooten eher wenig Spaß, weil die Atmosphäre steril ist. Aber mit echten Künstlern und einfühlsamen Knipsern gefällt es auch uns Models viel besser!«

»Sie meint damit die Frauen und Models, die es nicht nur rein berechnend „für Geld“ machen, sondern wirklich Freude daran haben, sich reizvoll zu präsentieren oder wie Vicky selbst viel Interesse an der Kunst haben«, ergänzte ich, und Ronaldo dachte sichtlich intensiv darüber nach.

»Ja, jetzt, wo ihr es mir so ausführlich erklärt, verstehe ich es viel besser. Bisher beurteilte ich das Ganze immer nur als reiner Betrachter von erotischer Kunst und dachte nicht wirklich darüber nach, welche psychologische Dynamik bei der Entstehung mitschwingt«, meinte Ronaldo nachdenklich und nickte uns dankbar zu.

 

Nach dem rundum gelungenen Shooting lud er uns noch charmant zum Mittagessen ein, was wir jedoch schweren Herzens ablehnen mussten, weil wir schon mit den anderen aus unserer Crew in der hervorragenden Sapore di Casa verabredet waren. Das ist eine großartige Pizzeria Italiana in einer Art umgestaltetem Einkaufszentrum der sogenannten Antiga Fábrica da Ribeira, Av. dos Descobrimentos Bloco 2. Auch dieses hübsche, kleine Lokal schafft es, bei fast 1.000 Bewertungen einen außergewöhnlich hohen Schnitt von 4,8 Google-Sternen zu halten. Ebenfalls absolut zu Recht, wie wir bald darauf feststellen durften! Nicht nur die Pizzen in traditioneller neapolitanischer Art sind hervorragend, auch die anderen italienischen Speisen sind von bester Qualität auf den Punkt zubereitet, und es schmeckte uns einfach supergut.

Tatsächlich habe ich selbst direkt in Neapel schon deutlich schlechter zubereitete Speisen der neapolitanischen Küche serviert bekommen, während das hier eindeutig zum Besten gehört, was ich je in dieser Art speisen durfte. Das Personal benimmt sich ganz in der Tradition süditalienischer Gastronomen-Gastfreundschaft, ist ziemlich flott, aufmerksam, herzlich und nett. Dabei sind die Preise für die heutige Zeit sogar als günstig zu bezeichnen; bereits für bis zu 15 Euro kann man mit einer üppig belegten Pizza plus einem kalten Getränk mehr als satt werden.

Wir vier schlemmten ausführlicher mit feinen Antipasti in Tapas-Art, verschiedenen Hauptgerichten, gutem Tafelwein, Mineralwasser und exzellentem Espresso als krönendem Abschluss. Damit kamen wir, inklusive eines angemessenen Trinkgelds, auf runde 120 Euro, also exakt 30 Euro pro Person, was für die heutige Zeit in der absoluten Haupt-Urlaubersaison bei dieser Qualität und Menge tatsächlich als sehr preiswert zu bezeichnen ist. Wir waren jedenfalls hochzufrieden, und ich kann dieses Lokal jedem guten Gewissens empfehlen, der authentische, süditalienische Küche liebt.

»Megalecker… aber meine Figur, oh je!« seufzte Britt schelmisch, die heute ungewöhnlich viel probiert und begeistert gefuttert hatte. Demo erging es ebenso, während Vicky und ich wegen unseres späten Frühstücks verständlicherweise etwas zurückhaltender agierten.

Übrigens: In Portugal und speziell an der Algarve ist die Trinkgeld-Kultur deutlich entspannter als zum Beispiel in den USA oder in Deutschland. Trinkgeld ist hier keine Pflicht, aber in touristischen Gebieten wie der Algarve sehr üblich und wird vom Servicepersonal gerne gesehen. Die Portugiesen selbst geben eher selten Trinkgeld, Touristen dafür umso mehr. Da das Servicepersonal meist einen sehr niedrigen Grundlohn verdient, ist das Trinkgeld ein wichtiger Teil ihres Realeinkommens.


 

Erfreulicherweise machte sich unterdessen auch eine etwas kühlere Wetterphase breit, wodurch die Temperaturen für die nächsten Tage in angenehmen Bereichen unter der 30°C-Marke bleiben sollen. Das nutzten wir gleich am Nachmittag für ausgedehntes Sightseeing im hübschen Lagos und besuchten beispielsweise den Jardim da Constituição und den Entrada do Castelo de Lagos, rund um den geschichtsträchtigen Infante Dom Henrique-Platz.

»So ein hübsches Städtchen; hier gefällt es mir fast noch besser als in Portimão und Ferragudo«, lächelte Vicky glücklich, die sich heute bewusst eine kreative Auszeit von der Fertigstellung ihrer bestellten, großformatigen Kohlezeichnung nahm. Sie ist schon ziemlich weit damit vorangekommen und schätzt, dass sie bis spätestens Mitte kommender Woche komplett fertig wird.

»Yup, echt schön hier, und die Menschen sind alle so freundlich«, stimmte Britt gutgelaunt zu, und wir Männer waren der gleichen Meinung.

Unterwegs trafen wir rein zufällig die sympathische, attraktive Inês; der Name ist die reizvolle, portugiesische Variante von Agnes, was übersetzt »die Reine« und »die Heilige« bedeutet. Wir hatten sie beim Ausgehen vor ein paar Tagen ein bisschen kennengelernt, und die schätzungsweise Mitte bis Ende Zwanzigjährige schloss sich uns spontan für fast zwei Stunden an.

Inês stammt zwar ursprünglich nicht von hier, sondern aus einer nordportugiesischen Stadt, kennt sich aber hervorragend in Lagos aus, weil sie seit ihrer frühen Jugendzeit jährlich für die Haupt-Touristensaison herkommt, um sich hier gutes Geld zu verdienen. Sie ist clever, gut gebildet und interessiert sich ebenfalls für Kunst. Ansonsten ist sie einfach genau der Typ Mensch und charmante Frau, mit dem man gerne Zeit verbringt und sich anfreundet.

 

Gegen 18:20 Uhr kamen wir schließlich zurück in Rodrigos Finca und erfrischten uns erst einmal durch einen jauchzenden Sprung in den Pool, dann ausgiebig unter der Dusche. In der rundum hell gekachelten Gemeinschaftsdusche neben dem Pool, einem praktischen Anbau der Finca, trafen wir auf Olga und die freche Lena, welche den Tag mit einheimischen Freunden irgendwo an der malerischen Küste verbracht hatten und kurz vor uns zurückgekehrt waren. Typischerweise wurde besonders von Frechdachs Lena sofort wieder spitz gestichelt und laut gelacht, dass sie bald mal wieder meine professionellen Masseurdienste in Anspruch nehmen wollten, was ich schlagfertig ebenfalls amüsiert kommentierte.

Danach legten wir eine ganz entspannte, schöne Siesta einschließlich Schmusen und Liebesspiel in unseren Betten ein, um die Hitze des Tages an uns vorbeiziehen zu lassen. Den Abend verbrachten wir dann gemütlich in der Finca, wo wir uns bei amüsanten Gesellschaftsspielen prächtig amüsierten. Dazu tranken wir guten Wein und Mineralwasser, und wie könnte es anders sein: Es ging verdammt lustig zu, es wurde viel gelacht und wir hatten alle zusammen einen Mordsspaß.

Rodrigo verabschiedete sich kurz vor 23:00 Uhr sozusagen rundum glücklich ins Bett. Es erfreut den alten Witwer sichtlich und spürbar tief im Herzen, dass seine Finca derzeit von so viel unbeschwertem, jungem Leben erfüllt wird. Insbesondere natürlich durch so reizende, locker-ungenierte Frauen, die ihn völlig frei von Hintergedanken wie einen geschätzten, guten Freund behandeln. Dass sie ihm alle so ungezwungen dabei helfen, seine Fähigkeiten als noch recht unerfahrener Aktfotograf zu verfeinern, gibt ihm sichtlich neue Lebensenergie.

Normalerweise müsste ein Mann in seiner Position ständig teure Models engagieren, die das posierende Lächeln vor der Kamera vor allem – oder ausschließlich – für sein Geld aufsetzen, ihn als Person ansonsten aber kaum wahrnehmen. Durch seine zwei entzückenden Haushaltshilfen, die ihm ohnehin sehr gern als Models zur Verfügung stehen, ein willkommenes Taschengeld dazuverdienen und ihren Hausherrn aufrichtig mögen, hat er es für das Ausüben seiner Fotografenleidenschaft bereits viel besser als die meisten Hobby-Knipser seiner Art.

Und momentan erlebt er durch unsere Finca-Runde das absolute Luxusszenario: Mit Vicky und Britt hat er erfahrene Models vor der Linse, die ihm wertvolle Profi-Tipps für die freizügige Aktfotografie geben können, und mit Frechdachs Lena zudem ein zusätzliches, herrlich unkompliziertes „fresh Face“ vor der Kamera. Alle drei posieren ihm einfach so, »Just for Fun« und mit Vergnügen – ganz ohne finanzielle Interessen, sondern schlicht als dankbare, charmante Gegenleistung für seine großzügige Gastfreundschaft. Sie mögen ihn einfach als den Menschen, der er ist.

 

Lesern, die sich in dieser Szene nicht so auskennen, sei die psychologische Komponente dahinter einmal erklärt: Viele Hobbyfotografen, die sich im fortgeschrittenen Alter an der anspruchsvollen Aktfotografie versuchen, geraten im eigenen Erleben nicht selten in ein emotionales Dilemma. Sie müssen sich oft wie die sprichwörtlichen »geilen alten Knacker« fühlen. Viele junge Models spielen die professionelle Freundlichkeit nur so lange, wie das Honorar stimmt, und lästern nach dem Shooting abfällig über den älteren Herrn. Das ist ein verdammt bitteres und entwürdigendes Gefühl, wenn man die Sache eigentlich mit ehrlichen, künstlerisch-ästhetischen Absichten angeht und eben kein plumper Voyeur ist.

Genau deshalb ist Rodrigo so erfreut und dankbar für die momentane Situation. Hier auf der Finca muss er nicht die Rolle des »zahlenden Geldbeutels« spielen, um sich mit Schönheit zu umgeben. Er darf sich als echter, respektierter und auf Augenhöhe geschätzter Freund fühlen. Dieser feine, aber gewaltige Unterschied im menschlichen Miteinander hebt seine Fotografie von einem bloßen Hobby auf eine Ebene echter, geteilter Lebensfreude… und das erfreut ihn verständlicherweise vor allem menschlich sehr.

Bis Mitternacht lagen wir schließlich alle zufrieden in den Betten, und das war es dann für heute – nach einem weiteren interessanten, schönen Tag an der malerischen Algarve.

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