#26.08.23 – Niederlande, Vlissingen, Wochenende mit Überraschungen
»Uff, geschafft, was für ein unendlicher Haufen Zeug!«, schnaufte Deli nach dem anstrengenden An-Bord-Schaffen und millimetergenauen Verstauen von einem riesigen Berg frischer Boots-Ausstattung.
»Yup, es ist wirklich immer wieder erstaunlich und faszinierend, was für schier unglaubliche Mengen man allein zum bloßen Seeklarmachen eines Schiffes…, au, verflucht!« Stieß ich mir den Hinterkopf kräftig an der massiven Holzverkleidung über der Steuermann-Seekoje im schmalen Durchgang zwischen Saloon und Achterkajüte. Zum Glück ist die Hans Christian 48 nach klassischen nautischen Designs gebaut, sodass alle Ecken und Kanten weich abgerundet in erstklassiger, traditioneller Holzverarbeitung ausgeführt sind – nicht wie heutzutage leider meist üblich aus billigen Pressplatten mit scharfen Kanten.
»Autsch, das muss aber ordentlich wehgetan haben, haha«, lachte sie in ihrer typischen, charmanten Schadenfreude, kam aber gleich ganz lieb herbei und streichelte mir mütterlich tröstend über die schmerzende Stelle am Kopf, wobei sich ihr himmlisch weicher Busen sanft und äußerst ablenkend an meinen Oberarm drückte.
»Hat es allerdings…, aber wenn du dich so zärtlich anschmiegst und mich streichelst, vergisst Mann den Schmerz natürlich sofort wieder, hoho«, schmunzelte ich mal wieder amüsiert über ihre Art als Mensch und Frau.
»Ach, tatsächlich?«, blitzten ihre wunderschönen Augen flirtend-frech auf. Diese intime Situation in der gemütlichen Enge unter Deck hätte nun vermutlich erstmals zu einer wirklich romantischen Interaktion zwischen uns geführt, doch wir wurden im entscheidenden Moment abrupt abgelenkt.
»Ahoi, Erlaubnis an Bord zu kommen?«, erklang von oben durch den offenen Niedergang eine kräftige männliche Stimme.
»Achtung, ich komme einfach direkt runter, haha…«, ergänzte eine klangvolle, fröhliche weibliche Stimme.
Kaum wollte ich die Stufen des Niedergangs hochsteigen, da stürzte auch schon eine bezaubernd lächelnde, bildhübsche und gertenschlanke Blonde herunter und fiel mir mit einem ausgelassenen »Steveeee…!« schwungvoll um den Hals, dicht gefolgt von einem ebenfalls attraktiven, blonden Mann Mitte zwanzig.
»Hoppla, langsam Kasha, ich bekomme ja gar keine Luft mehr!«, lächelte ich entzückt und wegen der unerwartet frühen Ankunft der beiden etwas überrascht.
Es handelte sich um meinen jungen Verwandten Sascha mit seiner neuen Freundin Katja – Kosename Kasha –, einem ukrainischen Model mit einem schier umwerfenden Lächeln, weshalb sie von allen meist liebevoll »Smiling-Kasha« genannt wird. Eigentlich sollten die beiden erst in knapp vier Stunden eintreffen, weshalb ich eingeplant hatte, sie entspannt am Bahnhof abzuholen. Offenbar hatten sie spontan einen früheren Zug genommen, ohne mich vorher zu verständigen. Beide werden nun als Verstärkung für zumindest einige Wochen als Mitsegler an Bord einsteigen.
»Hoi, ich bin Deli, herzlich willkommen an Bord!«, strahlte Deli und ich machte alle munter miteinander bekannt.
Wir hatten zwar mittlerweile schon enorm viel Ausrüstung an Bord geschafft, aber die Segelyacht ist aktuell noch nicht ausreichend mit Lebensmitteln, Getränken und Haushaltsbedarf ausgestattet, um wirklich darauf zu leben. Deshalb hatten wir mit Mevrouw Margriet vereinbart, dass Sascha und Kasha zunächst ebenfalls in der geräumigen Stadthaus-Villa der alten Dame unterkommen können.
Wir deaktivierten also gleich nach der von viel Lachen und Scherzen begleiteten Begrüßungsrunde die Bordelektrik, verriegelten den Niedergang sicher und marschierten mit den beiden und ihrem Gepäck vom Liegeplatz des Bootes zum in zehn Minuten bequem erreichbaren Haus. Wie schon Deli zuvor begrüßte auch die alte Dame die beiden jungen Menschen überaus herzlich und wusste als aufmerksame Gastgeberin, dass diese sich nach der Reise erst einmal einrichten und frischmachen wollten.
Deli musste allerdings direkt weiter, da sie einen wichtigen Modeljob in Amsterdam auf dem Programm hatte. Daher begleitete ich sie mit ihrem überschaubaren Gepäck zum nahegelegenen Bahnhofsvorplatz. Sie fuhr jedoch nicht mit dem Zug, sondern nutzte eine organisierte Fahrgemeinschaft mit sechs anderen Leuten in einem geräumigen Kleinbus oder großen SUV, der dort neben Deli noch einen weiteren Mitfahrer einsammelte. Damit reist sie für gerade einmal 20,- Euro in kaum drei Stunden äußerst bequem bis nach Amsterdam.
»Also dann bis Montagabend oder Dienstagvormittag…, und lieben Dank für deine Gentlemen-Begleitung!«, zwinkerte die Schöne, bedachte mich mit einem liebevollen Abschiedsküsschen auf die Wange und begrüßte schon wieder munter lachend die übrigen Mitfahrer.
»Ja, bis bald, passe auf dich auf!«, rief ich ihr noch hinterher und zündete mir entspannt eine Kippe an, während die gesamte Fahrgemeinschaft in den Wagen kletterte, die Türen schloss und zügig davonbrauste. Weg war sie.
Genüsslich paffend spazierte ich gemütlich um das Hafenbecken zur Coöperatie Westvoorn Vlissingen, einem örtlichen Fachgeschäft für maritimen Segel- und Wassersportbedarf. Dort hatte Deli vorhin noch ein Set aus acht Marine Business Waterproof Kissen aus Polypropylen in elegantem Beige geordert.
Das ist im modernen maritimen Bereich neben Acryl wie Sunbrella eine der besten Kunstfasern für den rauen Außenbereich. Das Material nimmt physikalisch praktisch überhaupt keine Feuchtigkeit auf: Die Faser selbst absorbiert quasi 0 % Wasser. Wenn also eine Welle ins Cockpit schwappt oder nachts der Tau auf den Polstern liegt, perlt das Wasser einfach sauber ab. Schimmel oder fiese Stockflecken haben auf dieser spezialisierten Kunstfaser keine Überlebenschance.
Gut verarbeitetes Polypropylen ist extrem unempfindlich und sogar bleichbar: Auf Langfahrt geht naturgemäß immer mal etwas daneben – sei es schwarzer Kaffee, roter Wein oder dunkles Motorenöl vom letzten Service. Das Geniale an diesen feinen PP-Fasern von Marine Business ist ihre enorme chemische Beständigkeit: Du kannst hartnäckigen Flecken im Notfall sogar mit aggressiven Bleichmitteln wie Chlor zu Leibe rücken, ohne dass die beige Farbe auch nur ansatzweise ausbleicht.
Viele denken bei »Kunststoff« sofort an billige, schwitzige Plastikplanen. Das genaue Gegenteil ist hier jedoch der Fall: Polypropylen wird im High-End-Marinebereich zu einem sehr feinen, textilen Garn gesponnen. Es fasst sich an wie ein hochwertiger, weicher Webstoff und man schwitzt darauf im heißen Sommer bei Weitem nicht so stark wie auf den klassischen, klebrigen Vinyl- oder Kunstlederpolstern.
Reines, unbehandeltes Polypropylen hat von Natur aus eigentlich nur eine einzige Schwachstelle: Es reagiert ohne Schutz empfindlich auf intensive UV-Strahlung und wird nach einigen Jahren in den Tropen spröde. Aber Entwarnung: Spezialisierte Premium-Hersteller wie Marine Business setzen dem Material bereits bei der Herstellung hocheffektive UV-Inhibitoren zu.
Dadurch halten die Kissen der gleißenden Sonne jahrelang problemlos stand. Und »einige Jahre«, meist drei bis fünf, sind für Textilien auf Schiffen bereits als außergewöhnlich langlebig zu bezeichnen. Unzählige Segler tauschen solche Produkte sonst alle paar Monate aus, weil Standard-Kissen allzu oft billig aus minderwertigem Material verarbeitet wurden und nach einem halben Jahr auseinanderfallen oder furchtbar unansehnlich werden; es lohnt sich also definitiv, hier etwas mehr zu investieren.
Achtet übrigens mal auf die Ecken dieser Kissen-Serie: Die besitzen meist eine kleine, verstärkte Öse mit einer eingenähten maritimen Kordel. Damit kann man die Kissen auf den Cockpitbänken festbinden. Wenn es auf See mal ungemütlich stürmisch wird, fliegt euch so garantiert kein Polster über Bord.
Zwei Kingsize Comfort Seats dieser beliebten Serie zum gemütlichen Sitzen oder Liegen an Deck hatten wir ebenfalls geordert, aber die werden erst noch nachgeliefert. Diese Sitze sind hervorragend verarbeitet, langlebig, richtig bequem und so vielseitig verstellbar, dass man sie als aufgerichteten Sessel, halb liegend oder völlig flach auf dem Deck, im Cockpit oder am Strand platzieren kann. Das Cockpit der HC48T ist allerdings auch so mit Kissen schon gemütlich genug und zudem etwas zu kompakt für die riesigen Kingsize-Modelle. Aber beispielsweise zum entspannten Genießen des Sonnenuntergangs mit einem kühlen Drink auf dem Vorschiff, am Heck oder neben der schönen Schmetterlings-Saloon-Decksluke ist das schlicht ideal.
Und einige Stücke hochwertige, maritime Seemannskleidung der Traditionsmarke Roosenstein Wolke hatten wir ebenfalls noch geordert. Sie sind im textilen Bereich genau das, was die Hans Christian 48 auf dem Wasser verkörpert: Kompromisslose, klassische Spitzenqualität der alten Schule, gebaut für die Ewigkeit und das raue Leben auf See, vor allem in kühleren Regionen.
Anfang nächster Woche werden die Leute von der Coöperatie Westvoorn das ganze Zeug direkt ans Boot anliefern. Ich ging jetzt nur noch einmal kurz in den Laden, um abzuklären, ob sie auch einen schweren Edelstahl-Ankerring von Ultra-Marine auf Lager haben oder kurzfristig organisieren können. So ein massives Ding benutzt man, wenn man die Ankerkette in schwierigen Lagen zusätzlich an einer bestimmten Stelle beschweren will, um den Zugwinkel zu verbessern. Zudem wollte ich noch weitere fünf Liter Liqui Moly Marine Diesel Schutz mitnehmen, da unsere vorhandene Flasche bereits zur Hälfte geleert war. Wer das genauer wissen möchte, schaut am besten in die Bootsbeschreibung unter dem Punkt Tankkapazität; extrem wichtig zur Vorbeugung gegen die grassierende Dieselpest!
Anschließend lief ich zurück zum Haus der Witwe und fröstelte bei dicht bewölktem Himmel, 17 Grad und kühlem Wind um 4 bis 5 Windstärken ein wenig. Immerhin regnete es nicht und laut Vorhersage sollte es später noch viel Sonnenschein mit bis zu 20 Grad geben. Angekommen schaute ich gleich nach Kasha und Sascha – übrigens eine wirklich süße Kombination für ein junges, attraktives Paar, sofern sie denn tatsächlich ein festes Paar sind. Vermutlich handelt es sich eher um eine lockere, unkomplizierte Freundschaft, bei der man gelegentlich auch miteinander ins Bett geht, schätzte ich gedanklich ab.
Gerade bei meiner Ankunft brach die dunkle Wolkenschicht überraschend auf und erste, wärmende Sonnenstrahlen drangen durch. Wie sagt man an den Nordseeküsten schließlich so treffend: Gefällt dir das Wetter nicht? Warte einfach zehn Minuten, dann ist es völlig anders! Oben im Gästezimmer der beiden saß Sascha gerade auf der Toilette und Kasha genoss in einem warmen Bademantel auf dem Balkon die frische Luft.
»Wird es dir da draußen nicht ein wenig zu kühl, wenn du, wie ich messerscharf schlussfolgere, darunter fantasieanregend splitterfasernackig bist?«, grinste ich männlich.
»Was, kühl? Wo ist es denn bitte kühl, du Warmduscher, haha!«, lachte sie bloß, drehte sich zu mir um und startete eine typische, völlig ungenierte Frechdachs-Aktion, indem sie den Bademantel für einen kurzen Moment weit öffnete. »Richtig geschlussfolgert, natürlich habe ich darunter nichts an, hahaha!«
»Oha, ein wahrlich entzückender Anblick, da brauche ich nun wirklich keine Kopfkino-Fantasie mehr, hoho!«, gluckste ich sehr amüsiert.
Einen Slip hatte sie sich zwar bereits angezogen, aber ansonsten durfte ich für einen kurzen Augenblick bezaubernd schöne, gertenschlanke Weiblichkeit pur mit den Augen genießen. Kasha ist definitiv ein vollkommen unbekümmerter Frechdachs und weiß natürlich ganz genau, wie hübsch sie ist und wie reizvoll sie auf Männer wirkt.
Sie ist einfach genau der Typ Mensch und junge Frau, den man auf Anhieb unvermeidlich gernhaben muss. Und das gewiss nicht nur wegen solch ungeniert frecher Aktionen wie gerade eben, sondern weil sie zugleich ein supersympathischer Kumpeltyp zum Pferdestehlen ist. Wobei sich vermutlich praktisch jeder Kerl in ihrer Ausstrahlungsreichweite sehnlichst wünscht, sie zur Freundin zu haben und himmlisch intime Freuden mit ihr teilen zu dürfen. schmunzel
Etwas später gingen wir gemeinsam runter zur reizenden alten Dame und Hausherrin, übergaben ihr ein lieb gemeintes Gastgeschenk und wurden in gewohnter Manier beim Kaffeetrinken dazu genötigt, reichlich hausgemachtes Gebäck und Kuchen zu probieren. Wobei ich gar nicht genau weiß, ob Mevrouw Margriet tatsächlich selbst backt und kocht oder ob das nicht alles ihre fleißige Haushälterin erledigt. Aber das ist ja auch völlig egal, es war köstlich – besonders das feine Pistaziengebäck hatte es mir angetan, obwohl ich sonst nicht so für Süßkram zu haben bin.
Wie hätte es auch anders sein können: Kasha bezauberte mit ihrer unbekümmerten Art und ihrem supersüßen Lächeln auch die alte Dame im Handumdrehen, obwohl sie eher ein unkompliziert gestricktes Girl ist und nicht wirklich mit dem enormen Intellekt der blitzgescheiten, gebildeten 82-Jährigen mithalten kann. Sascha kam als attraktiver, höflicher junger Mann, der ein bisschen meiner Gentlemen-Art nacheifert, ebenfalls blendend an. Und natürlich freute sich Mevrouw Margriet riesig über das junge Leben im Haus; sie plaudert für ihr Leben gern, erzählte alte Geschichten aus vergangenen Tagen und wir hörten ihr durchaus gerne zu.
Wie das bei älteren Herrschaften halt oft so ist, die sich im Alltag manchmal ein bisschen einsam fühlen: Sie freuen sich im Grunde über jede einzelne Gelegenheit für ein nettes Schwätzchen und freundlichen, menschlichen Kontakt. Ich weiß so gut wie nichts über die eigentliche Familie oder Kinder der alten Dame, weil das ein Thema ist, über das sie offensichtlich nicht gerne spricht. Vermutlich – vorausgesetzt, sie hat überhaupt Nachkommen – gab es da früher einmal heftigen Familienzwist. Gerade bei vermögenden Familien gibt es gelegentlich ja undankbare Kinder, die im Grunde nur auf das Erbe warten. Egal, was auch immer vorgefallen sein mag: Wenn Mevrouw Margriet nicht darüber reden möchte, ist das ganz allein ihre persönliche Entscheidung.
Wir leisteten ihr jedenfalls bis über das Abendessen hinaus Gesellschaft, was sie eindeutig zutiefst erfreute. Gegen 21 Uhr ging die alte Dame dann schlafen und auch wir zogen uns bald zurück. Kasha und Sascha hatten in den letzten Tagen nur wenig Schlaf abbekommen, weshalb auch sie keinerlei Lust mehr auf Ausgehen oder Party hatten. Und ich komme ohnehin kaum hinterher, all die technischen Handbücher, Wartungslogs und sonstigen Bootspapiere der HC48T sorgfältig zu studieren, nebenbei alle notwendigen Anschaffungen zu organisieren sowie auf dem Boot und online meine üblichen Aufgaben zu erledigen.
Also kümmerte ich mich noch bis Mitternacht um diesen Papierkram und fiel dann frisch geduscht, bereits heftig gähnend, ebenfalls tief in die Federn und pennte augenblicklich ein.
Sightseeing
»Moin ihr Schlafmützen, raus aus den warmen Federn, Vlissingen wartet schließlich auf euch!«, zog ich Kasha und Sascha am nächsten Morgen schwungvoll die Decke weg und scheuchte sie gut gelaunt aus dem Bett, in dem die beiden noch halb schlummernd miteinander schmusten.
»So eine Gemeinheit, haha!«, lachte Kasha laut auf und warf treffsicher ein Kissen nach mir, während Sascha sich grinsend erst einmal ausgiebig räkelte und seinen Körper dann langsam hochwuchtete. Übrigens muss ich immer wieder schmunzeln, wenn ich die beiden in Gedanken oder laut ›Kasha & Sascha‹ nenne. Dieser kleine Reim klingt einfach goldig und passt schlichtweg perfekt zu einem so attraktiven Paar.
»Moin Alterchen… erst mal duschen!«, grinst auch Sascha frech und verschwand im Bad.
»Ahaha-hihi… Alterchen…«, prustete daraufhin Kasha los, schnappte sich rasch ein weiteres Kissen und haute es mir gemein in den Rücken.
»Na warte, du Biest!«, konterte ich mit dem ersten von mir abgefangenen Kissen in der Hand und schlug damit sanft nach dem bezaubernden Frechdachs mit vor Lebensfreude geradezu Funken sprühenden Augen. Dabei rutschte ich jedoch auf dem Bettvorleger aus, der nicht fest auf dem Parkettboden lag, und plumpste seitlich neben ihr ins Bett, worüber sie natürlich nur noch viel mehr lachen musste.
»Geschieht dir recht, hahaha! Die wohlverdiente Strafe für deine gemeine Weckaktion!« Schon stürzte sich der Nackedei in nur einem sehr knappen, weißen Tanga-Slip auf mich, und es entwickelte sich doch tatsächlich eine ausgelassene Kissenschlacht – als wären wir noch pubertierende Teenager. schmunzel
Natürlich hätte ich Bärenmann Kasha mit meinen weit überlegenen Kräften mühelos bändigen können, aber darum geht es bei so einem herrlichen Blödsinn ja nicht. Beide laut lachend kugelten wir verspielt kämpfend übers Bett und wären dabei beinahe herunter auf den Boden gerutscht. Herrje, es ist schlicht unmöglich, ihren begeistert funkensprühenden Blick und diese bezaubernde Ausstrahlung treffend zu beschreiben!
Nun stellt euch diese Situation mit einem derart hübschen, bezaubernden und fast ganz nackigen Frechdachs vor und welche Wirkung das zwangsläufig auf einen Mann haben muss! Noch dazu einen, der solche verspielte Girls-Frauen sehr mag und dabei kam es natürlich auch zu ziemlich intimen, erregend kribbelnden Berührungen, die ihre Augen noch mehr funkeln ließen.
Wieder mal kann ich nur schreiben: Ist es nicht arg verrückt, geradezu unglaublich, was ich so alles mit der holden Weiblichkeit erleben darf?! Und das jetzt schon seit vielen Jahren, in denen ich ja auch nicht jünger geworden bin; Verrückt… aber ich wäre ja total bescheuert, würde ich diese Freuden nicht mit allen Sinnen auskosten, solange es halt geht! zwinker
Da die beiden bisher noch überhaupt nichts und ich selbst ja auch noch nicht allzu viel von Vlissingen gesehen hatten, wollten wir am heutigen Tage mal ausgiebig Sightseeing machen und ich wollte mir endlich eine wohlverdiente Auszeit von all dem anstrengenden Bootskram nehmen. Also starteten wir mit einem munteren, fröhlichen Frühstück gemeinsam mit Mevrouw Margriet in deren schönem Haus und erfreuten uns schon beim ersten Kaffee an deutlich mehr Sonnenschein als Wolken draußen. Vorhergesagt waren angenehme 19 bis 20 Grad im Tagesverlauf bei mäßigem Wind aus Nordwest, und aktuell zeigte das Thermometer noch frische 15 Grad.
Zunächst schauten wir uns das Keizersbolwerk und die umgebenden Ruinen von Festungsanlagen an. Dieses eindrucksvolle Bauwerk direkt an der Westerschelde wurde 1548 im Auftrag von Maria von Ungarn, der Statthalterin von Kaiser Karl V., vom italienischen Festungsbaumeister Donato de Boni di Pellezuoli errichtet, um den strategisch wichtigen Hafen von Vlissingen wirksam zu schützen. Es dient zugleich als einziges noch erhaltenes historisches Seestadttor der Stadt.
Im Jahr 1811 ließ kein Geringerer als Napoleon Bonaparte das Bastion massiv erweitern und mit 13 gewölbten, bombenfesten Kasematten versehen, die unter dicken Erdschichten verborgen lagen. Darin befand sich unter anderem eine militärische Garnisonsbäckerei, in der in ihren Hochzeiten täglich bis zu 4.800 Brote für die Truppen gebacken wurden. Später im Zweiten Weltkrieg integrierten die deutschen Besatzer die Anlage in den Atlantikwall und richteten sogar eine Torpedobatterie ein, die jedoch 1944 bei der Landung der Alliierten wieder zerstört wurde. Heute thront oben auf dem Bollwerk die berühmte Statue des niederländischen Seehelden Michiel de Ruyter und blickt erhaben auf das geschäftige Treiben im Revier.
Mittagessen nahmen wir dann in der beliebten, vorzüglichen Gastrobar Santé am hübschen Bellamypark ein, was im Grunde eigentlich der große zentrale Stadtplatz ist; keine Ahnung weshalb er hier Park genannt wird. Das mit beachtlichen 4,6 Sternen auf Google bewertete Santé wird vom Nutzer »Stoni One« treffend folgendermaßen beschrieben:
»Hier passt einfach alles. Das Essen war superlecker. Zum Coq au vin gab es echte Kartoffeln (endlich mal keine Standard-Pommes!). Die Bedienung sehr freundlich und aufmerksam umsichtig. Das Ambiente war schön (nicht die hierzulande leider üblichen Plastikrosen!). Sehr empfehlenswert. Die Preise sind sehr gut.«
Dort trafen wir erfreut auf drei muntere junge Leute, die ich erst kürzlich beim Ausgehen mit Deli kennengelernt hatte, und sie winkten uns auch gleich überaus freundlich und einladend zu, an ihrem Tisch auf der sonnigen Außenterrasse Platz zu nehmen. Die beiden jungen Männer und eine rothaarige Schöne namens Elsa sind clever und sympathisch. Sie hatten erst kurz vor uns Platz genommen, also bestellten wir gemeinsam und schlemmten in der Folge ziemlich üppig. Ich staunte nicht schlecht, was die wirklich gertenschlanke Kasha so alles mühelos verdrücken konnte, und unsere lebhaften Tischgespräche würden schon wieder einen eigenen kleinen Roman füllen, wollte ich alles aufschreiben.
Auf meine gezielte Nachfrage nach dem Platz und der imposant hohen Skulptur »De dichter van het park« erklärten sie uns bereitwillig, es sei ein gelungenes Werk der Künstlerin Berry Holslag aus dem Jahr 2014 auf dem Bellamypark in Vlissingen. Der Bellamypark selbst entstand Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem aufgeschütteten Gelände des alten Koopmanshaven und ist heute einer der lebendigsten Plätze der gesamten Stadt mit gemütlichen Cafés, Restaurants und zahlreichen kulturellen Veranstaltungen.
Das Denkmal ehrt den bekannten Vlissinger Dichter Jacobus Bellamy (1757–1786), nach dem der Platz seinerzeit benannt wurde. Bellamy wurde in einem Haus am heutigen Bellamypark geboren und wurde vor allem durch sein berührendes romantisches Gedicht »Roosje« weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Skulptur stellt bewusst keinen historischen Porträtkopf dar, sondern einen jungen, zeitgenössischen Dichter. Damit soll auf kunstvolle Weise eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und der heutigen Gegenwart geschlagen werden.
Besonders Elsa schien kunstinteressiert zu sein und Dichter sowie Dichtkunst, insbesondere der romantischen Art, sehr zu mögen. Sie und Daan, der wohl ihr Freund & Lover ist, wollten uns dann gern noch auf unserer weiteren Besichtigungstour begleiten und uns als Local Guides herumführen. Allerdings fiel mir instinktiv auf, dass Elsa wohl noch ganz andere Interessen verfolgte und mich immer wieder forschend beobachtete; ganz so, als wolle sie mich genau einschätzen und wissen, mit wem sie es hier wirklich zu tun hatte, aus welchem Grund auch immer.
Gute zwei Stunden später, im malerischen Bereich der Dokbrug-Dokwerker-Klappbrücke und nach der ausführlichen Besichtigung des Museumsschiffs Mercuur, klärte sich schließlich auch das geheimnisvolle »Elsa-Rätsel«. Doch zunächst noch einiges Wissenswerte über diese beiden Orte:
Die heutige Dokbrug in Vlissingen ist eine moderne Klappbrücke (ophaalbrug), die im April 2021 offiziell für den Verkehr freigegeben wurde. Sie ersetzt die alte Brücke über das Dok und verbindet die Innenstadt nahtlos mit dem neuen Stadtviertel Scheldekwartier. Die für Holland typische Brücke wiegt rund 100 Tonnen und wird mit etwa 145 Tonnen Ballast präzise ausbalanciert. Die Form orientiert sich an der reichhaltigen Schiffbau-Tradition Vlissingens und dem nahe gelegenen Schelde-Kran. Die Zufahrtsstraße heißt passenderweise »Dokwerker«.
Das Museumsschiff Hr.Ms. Mercuur liegt im historischen Dok van Perry. Es wurde 1952–1954 in den USA als hölzernes Ozean-Minensuchboot (HNLMS Onverschrokken) gebaut und 1971–1973 zum spezialisierten Torpedo-Werkschiff umgebaut und umbenannt. Bis 1987 diente es treu der niederländischen Marine. Nach Jahren als Museumsschiff an anderen Orten, drohte 2015/16 sogar die endgültige Verschrottung. Die engagierte Stichting Maritiem Erfgoed Vlissingen rettete es jedoch und brachte es 2017 zurück nach Vlissingen. Heute können Besucher Brücke, Maschinenraum, Kabinen und weitere Bereiche gründlich erkunden und bekommen einen authentischen Eindruck vom rauen Marineleben der 1950er-Jahre.
»Guckt euch bloß mal die Kojen und die Messe an! Die damaligen Matrosen lebten gar nicht so schlecht auf dem Kahn, haha!«, lachte Kasha vergnügt und wäre zu gerne mal probeweise in eine dieser dreistöckigen Kojen gestiegen, was natürlich strengstens verboten war.
»Mit dir als hübscher Matrosin in einer dieser Kojen, wären die alten Sailors fraglos noch viel glücklicher gewesen, hehe!«, stichelte ich lachend, worüber alle amüsiert schmunzeln mussten und die Anspielung sofort verstanden.
»Ich wäre garantiert die Piratenkönigin des Schiffes gewesen und hätte mit meiner treuen Mannschaft alle Weltmeere unsicher gemacht, haha!«, konterte Kasha schlagfertig. Man stelle sich einen so hübschen Frechdachs mit bezauberndem Lächeln, im Kreise all der einsamen Seemänner irgendwo auf dem Meer vor: Entweder hätten sie Kasha tatsächlich vergöttert, oder wahrscheinlicher wäre es rasch zu Mord und Totschlag um ihre Zuneigung gekommen. schmunzel
Als sich etwas später die Gruppe ein wenig zerstreute, nutzte Elsa clever die Gelegenheit und zog mich verschwörerisch beiseite. »Hab ich das eigentlich richtig mitbekommen, Steve? Du bist auch ein echter Profi-Fotograf, der sogar schon berühmte Schönheiten abgelichtet hat?«
»Kann man so sagen, Elsa, wieso?«, lächelte ich verständnisvoll.
»Cool!« Sie überlegte wohl kurz, ob sie ein so persönliches Thema wirklich bei einem fremden Mann wie mir ansprechen sollte, worum es ihr offensichtlich ging und was ja nicht schwer zu erraten war. »Weißt du, es ist so: Ich wollte als ganz besondere Geburtstagsüberraschung eine softerotische Kleinserie von mir für meinen Freund machen. Aber nicht irgendwelche Schnappschüsse, die eine Freundin mal eben schießt, sondern richtig schöne, erotische und romantische Profiaufnahmen. Am liebsten ein bisschen verführerisch weichgezeichnet und auf keinen Fall pornografisch wirkend, verstehst du?«
»Natürlich Elsa, das ist absolut klar; ich weiß genau, was du meinst und dir wünschst«, schmunzelte ich gleichzeitig ein bisschen amüsiert, aber als leidenschaftlicher Fotograf weiblicher Schönheit natürlich auch mit interessierter Vorfreude.
Weshalb sie dafür an einen fremden, bald wieder abreisenden Fotografen dachte, statt an jemanden von hier, lag ebenso auf der Hand. Vlissingen ist dann doch nur eine Kleinstadt, in der zwar nicht wirklich jeder jeden kennt, aber sehr nahe dran ist; jemand von hier könnte sich verplappern, und so könnte schnell bekannt werden, dass Elsa Nacktaufnahmen von sich hat machen lassen. Nicht dass sie das groß beschämen würde, sie ist eindeutig eine moderne, selbstbewusste und locker-tolerante junge Frau, die im Sommer vermutlich auch völlig ungeniert Nacktbaden geht.
Doch auch wenn es ihr selbst nicht direkt peinlich wäre, hat sie vielleicht eher konservative Eltern, oder sie will einfach nicht Stadtgespräch besonders unter jungen Leuten und dämlichen Typen werden, die so etwas für Cybermobbing/Cyberbullying ausnutzen könnten. Außerdem hat sie es wohl nicht ganz bis zu Ende durchdacht: Wenn ihr Freund ein typischer junger Mann von heute ist, gibt er wahrscheinlich doch früher oder später mit ihren Fotos bei seinen Kumpels an, und dann wäre sie in genau der gleichen Situation.
Nun, bevor unsere kleine Absonderung von der Gruppe besonders ihrem Freund Daan auffiel, tauschten wir geschwind Telefonnummern aus, um uns demnächst noch einmal allein zu treffen und ausführlicher darüber zu reden. Kurz vor 18 Uhr trennten sich schließlich unsere Wege, und wir drei spazierten zurück zum gemütlichen Stadthaus der alten Dame, wo wir uns erst einmal ein bisschen frischmachten und ausruhten.
Sascha ist übrigens ein sehr erfahrener Segler und ein echter norddeutscher Jung von der Waterkant, der zudem im maritimen Bereich arbeitet und sich mit allem bestens auskennt. Handwerklich sehr begabt und fit in moderner Boots-Elektrik und Elektronik ist er auch. Dementsprechend interessiert auch er sich brennend für die HC-48T und will möglichst wie ich alles darüber wissen.
Für Leser, die sich damit nicht so genau auskennen: Schaut euch nur diese sechs dicken Ordner auf dem Foto an, vollgepackt mit den wichtigsten technischen Daten und Betriebsdokumentationen der Bordausrüstung! Und das sind nur die alten Ordner vom ursprünglichen Zustand. Inzwischen kommt noch viel mehr dazu: Ein Gutachter meines Vertrauens erstellt derzeit, nach seinem gründlichen Survey & Sea Trial, eine komplett neue, angepasste Dokumentation. Von Wartungslogs, Staulisten, Bordkasse und all diesen wichtigen Dingen gar nicht zu reden. Jedenfalls ist das alles ein riesiger Haufen Zeug, das durchzuarbeiten und im Detail zu verstehen enorm viel Zeit in Anspruch nimmt; wir haben also jede Menge zu tun, nicht nur neue Ausrüstung, Wohnausstattung und Proviant einzukaufen. seufz
Damit beschäftigten wir uns den gesamten restlichen Abend bis kurz vor Mitternacht und gingen schließlich müde schlafen. Kasha hat vom praktischen Segeln und allem, was fachlich dazugehört, bisher nur recht überschaubare Ahnung durch gelegentliche Segelausflüge mit Freunden oder Sascha.
Sie ist daher vorerst vor allem für die einfachen Dinge an Bord einzusetzen: Putzen, Kochen, in ruhigen Gewässern Ausguck halten und Ruder gehen als Wache oder an einer Winsch kurbeln – respektive einfach den Knopf drücken, denn es handelt sich ja um elektrische Winschen und ähnlich unkomplizierte Handhabungen auf einem modernen Segelschiff. Jedoch wird sie fraglos ein bezauberndes Crewmitglied sein und für jede Menge gute Laune sorgen, genau so, wie sie nun mal ist. Und mit diesem schönen Gedanken versank ich, über den entzückenden Frechdachs lächelnd, rasch in einen tiefen Schlaf.
Unzensiert Weiterlesen? Klick >>>
|
»« ©-http://srjexped.jimdo.com/2026 Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte & Bilder - auch auszugsweise - ohne schriftliche Genehmigung ist nicht gestattet. Alle Angaben ohne Gewähr! Blog: https://sea-nomads.blogspot.com Current Crew |






.jpg)








.jpg)

.jpg)










