Griechenland, Ionisches Meer, Arillas Bucht bei Perdika

 

#26.05.27 – Griechenland, Ionisches Meer, Arillas Bucht bei Perdika

Wir ankern derzeit in der Bucht vor Arillas, Epirus – einem Ort mit zwei Gesichtern, der sich südöstlich der unteren Ausläufer von Korfu auf dem griechischen Festland erstreckt.

Heute liegt vor uns eine der wohl schönsten Buchten dieser gesamten Küste: Arillas bei Perdika. Ein schöner Sandstrand erstreckt sich hier und neigt sich sanft in das kristallklare, türkisblaue Wasser der Ionischen See. Kinder spielen ausgelassen im flachen Wasser, während die Tavernen ihre Tische direkt in den feinen Sand gestellt haben. Der Wind trägt beständig den verlockenden Duft von gegrilltem Fisch, wildem Thymian und einem Hauch von Ouzo herüber. Es ist ein ruhiger, fast schon beschaulicher Ort – genau das Refugium, nach dem wir nach den belebteren und oft überlaufenen Häfen der letzten Tage gesucht haben.

Und doch steht über diesem idyllischen Postkartenbild ein zweites, ganz anderes Arillas.

Vor genau achtzig Jahren, im Frühjahr 1946, war dieser Strand wahrlich kein Ort für sorgenfreie Sonnenbäder oder entspannte Tavernenbesuche. Damals war Arillas ein winziges, bitterarmes Fischerdorf, das aus kaum mehr als zwei Dutzend einfachen Steinhäusern bestand. Die Menschen hier führten ein entbehrungsreiches Leben und hingen vollständig von dem ab, was ihnen das ungestüme Meer und die kargen, steinigen Olivenhänge mühsam abverlangten. Der Zweite Weltkrieg war zwar offiziell gerade erst zu Ende gegangen, doch der Frieden, der darauf folgen sollte, erwies sich als ein trügerischer Schein. Der Griechische Bürgerkrieg warf bereits seine dunklen, langen Schatten voraus.

Ich musste unwillkürlich an das alte, ledergebundene Tagebuch denken, das mir Victoria auf Korfu anvertraut hatte. Ihr Großonkel hatte in jener stürmischen Zeit als britischer Offizier in dieser Region operiert. Für ihn und seine Kameraden war diese Küste kein Urlaubsparadies, sondern ein hochgefährliches Schachbrett im beginnenden Kalten Krieg. Goldmünzen wurden in den dunklen Stunden der Nacht an abgelegene Strände gebracht, Waffen an zuverlässige – oder vermeintlich zuverlässige – Kontaktleute übergeben, und jede einzelne Begegnung konnte wahlweise Verrat oder die ersehnte Rettung bedeuten.

Heute planschen Touristen genau dort, wo damals vielleicht ein britisches Schlauchboot, von einem U-Boot oder einem Kriegsschiff weit vor der nächtlichen Küste kommend, oder eine griechische Caique im Schutz der Dunkelheit leise anlandete. Wo früher bitteres Misstrauen, Hunger und Angst herrschten, riecht es jetzt nach frischem Brot, Sonnencreme und der salzigen Brise des Mittelmeers.

Es ist absolut erstaunlich, wie friedlich und unschuldig ein Ort wirken kann, der vor gar nicht allzu langer Zeit Schauplatz von Intrigen, nackter Angst und großen, grausamen politischen Spielen war. Die Geschichte hinterlässt kaum noch sichtbare Spuren im warmen Sand – und doch sind sie präsent, wenn man nur genau genug hinsieht. Wir ankern deshalb genau hier, weil Tori mit eigenen Augen sehen wollte, wo ihr Agenten-Ur-Großonkel damals seinen gefährlichen Dienst verrichtete.

Ein weiterer Tagebucheintrag von „G“ beschreibt diesen Einsatz in sehr knappen, trockenen Worten wie folgt:

15. März 1946, 03.40 Uhr – Arillas Bay, Epirus

Kurz nach zwei Uhr morgens sind wir mit dem Schlauchboot an Land gegangen. Die See war ruhig, fast unnatürlich still, nur das leise Klatschen der kleinen Wellen am Strand war zu vernehmen. Das U-Boot [geschwärzter Eintrag] hat uns planmäßig um Mitternacht abgesetzt, zwölf Meilen vor der Küste. Die Überfahrt von Malta war ereignislos – Gott sei Dank.

Sergeant McAllister, die beiden Männer vom SBS, mein Einsatzteam und die U-Boot-Crew haben sich äußerst professionell verhalten. Wir vier haben die schweren Kisten mit den fünftausend Sovereigns und die Waffenbehälter schnell und ohne Zwischenfälle an Land gebracht. Das Gold wog schwerer, als einem lieb war. Jede Kiste erinnert einen daran, wie viel Vertrauen – oder blanke Verzweiflung – London in diesen Handel setzt.

Der Kontaktmann wartete wie vereinbart mit drei bewaffneten Griechen etwas oberhalb des Strandes. Ein gewisser [geschwärzter Eintrag], ein einflussreicher Lokalpolitiker, der sich bisher geschickt zwischen allen Stühlen gehalten hat. Er spielte wieder einmal den Neutralen, den großen Unabhängigen. Man konnte förmlich riechen, wie er den Wert seiner zukünftigen Loyalität taxierte. Wir übergaben die Ladung. Er versicherte mit vielen Worten seine unerschütterliche Treue zur Regierung und zum König. Ich lächelte höflich und glaubte ihm kein einziges Wort.

Es ist ein schmutziges Geschäft. Wir bezahlen Männer, die morgen vielleicht schon die Seite wechseln, wenn die Kommunisten stärker wirken. Und doch befolgen wir unsere Befehle. London scheint der Meinung zu sein, dass Gold und Waffen hier im Norden das Schlimmste verhindern können. Ich bin mir da nicht mehr so sicher.

Wir zogen uns ohne weitere Zwischenfälle zurück. Das Schlauchboot wartete. Um 03.20 Uhr waren wir wieder auf See. Hinter uns lag nur Dunkelheit und das leise Rauschen der Brandung. Manchmal frage ich mich, ob wir hier wirklich die richtige Seite stärken?

G.

Um zu verstehen, weshalb solche Geheimeinsätze nicht nur im militärischen Sinne hochgefährlich waren – woran Soldaten, die im Weltkrieg gekämpft haben, ohnehin gewöhnt waren –, sollte man sich folgendes verdeutlichen:

Was 5000 Gold Sovereigns 1946 wirklich bedeuteten

Auf den ersten Blick wirken 5000 Gold Sovereigns heute vielleicht nicht besonders beeindruckend; einfach nur eine Zahl unter vielen. Doch um zu begreifen, warum dieses Gold damals so existenzbedrohend gefährlich war, muss man sich die desolaten Verhältnisse in Griechenland vor Augen führen.

Das Land lag 1946 in Trümmern. Der Zweite Weltkrieg, die jahrelange deutsche Besatzung und der gerade aufflammende Bürgerkrieg hatten die Wirtschaft vollständig zerstört. Die Drachme war durch eine galoppierende Hyperinflation praktisch wertlos geworden. Ein normaler Arbeiter, Fischer oder Kleinbauer verdiente umgerechnet oft nur 100 bis 200 Pfund Sterling pro Jahr – sofern er überhaupt regelmäßig Arbeit fand.

5000 Gold Sovereigns entsprachen nominell zwar etwa 5000 £, hatten aber in der völlig zerrütteten griechischen Wirtschaft eine ungleich höhere Kauf- und Machtkraft, vergleichbar mit dem, was für einen Durchschnittsbürger in einem bettelarmen Land heute ein unermessliches Vermögen darstellt. Für die Durchschnittsgriechen jener Zeit entsprachen diese 5000 Goldmünzen eher einem Gegenwert von 100.000 Pfund Sterling. Für diese Zeit war das eine gigantische Summe – vergleichbar mit dem heutigen Gegenwert von 30 bis 60 Millionen Euro.

Mit dieser Summe konnte man ganze Dörfer über Jahre versorgen, eine kleine Privatarmee ausrüsten, einflussreiche Politiker und lokale Machthaber kaufen oder sich für den Rest des Lebens in Sicherheit bringen.

Kein Wunder also, dass Goldtransporte, wie der des Großonkels von Tori, extrem gefährlich waren. Viele lokale „Verbündete“ sahen in den Briten nicht in erster Linie Helfer, sondern eine einmalige Gelegenheit, sich auf Kosten der „dummen Engländer“ unglaublich zu bereichern. Verrat, Raubmord und das spurlose Verschwinden ganzer Teams waren leider keine Seltenheit. Das Gold war damals nicht einfach nur Geld – es war in jener chaotischen Zeit Macht, Überleben und Verführung zugleich.

Wer sich dafür interessiert, kann mehr darüber recherchieren. Glaubwürdige Quellen, welche die Tagebucheinträge bestätigen:

  • Christopher Montague Woodhouse (britischer Offizier, später Historiker): In seinen Büchern Apple of Discord und The Struggle for Greece beschreibt er sehr offen, wie schwierig es war, loyale Partner zu finden. Viele Griechen spielten auf Zeit oder versuchten, von beiden Seiten zu profitieren.
  • British Foreign Office und SOE-Berichte: Es gibt zahlreiche deklassifizierte Dokumente, die genau solche Operationen beschreiben – Goldtransporte, Bestechung lokaler Machthaber und die Frustration der Briten über opportunistische Partner.
  • Historischer Konsens: Woodhouse beschreibt sinngemäß, dass viele griechische Politiker und Notabeln „wie Wetterfahnen“ agierten und ihre Loyalität stets nach dem militärischen Wind ausrichteten.

»Ich frage mich, wie und warum diese nachträglichen Text-Schwärzungen in den Tagebüchern zustande gekommen sind? Ich meine, warum schrieb er es zunächst auf und schwärzte es danach doch?« Grübelte Tori mit Falten auf der Stirn, wodurch ihr schönes Gesicht sehr nachdenklich wirkte.

Ich zuckte mit den Schultern und versuchte, es ihr zu erklären: „Es gab sicherlich mehrere Gründe dafür. Viele Offiziere haben trotz offizieller Verbote private Tagebücher geführt – teils als persönliche Erinnerung, teils einfach, um den enormen psychischen Druck irgendwie loszuwerden. Gleichzeitig wussten sie aber ganz genau, wie gefährlich konkrete Namen oder operative Details sein konnten. Die Schwärzungen sehen extrem professionell aus. Wahrscheinlich hat ‚G‘ selbst die sensiblen Stellen unkenntlich gemacht, bevor er das Tagebuch mit nach Hause nahm. Einen griechischen Kontaktmann namentlich zu nennen, war damals hoch riskant – besonders wenn derjenige später die Seiten wechselte oder von den Kommunisten gejagt wurde. Möglich ist aber auch, dass das Tagebuch bei seiner Rückkehr von Vorgesetzten oder vom Geheimdienst geprüft und bereinigt wurde. Das Official Secrets Act hing wie ein Damoklesschwert über allen. Viele mussten unterschreiben, dass sie keine sensiblen Unterlagen behielten. Für mich machen diese schwarzen Balken die Aufzeichnungen sogar noch glaubwürdiger. Sie zeigen, wie dreckig und undurchsichtig das ganze Geschäft wirklich war. Kein sauberer Krieg mit klaren Fronten, sondern ein Spiel voller Misstrauen, Verrat und ständigem Kalkül.“

»Echt faszinierend!« lächelte Marina, die genau zuhörte und sich für diese alte Geschichte immer stärker zu interessieren begann.

Paul ergänzte: »Ich stimme Steve zu. Nach meinen Recherchen war das damals so. Man wollte britischen Offizier-Gentleman-Kollegen nicht generell streng persönliche Notizen verbieten und erwartete, dass diese von sich aus beachten, was gut oder schädigend für das Empire sein könnte.«



 

Nach diesem Gespräch, am Vormittag auf der ankernden Yacht, genossen wir zunächst echtes Schönwetter-„Sailing-Saltlife“. Wir gingen bei dem aktuell sehr ruhigen Wetter, mit schwachem Westwind und nur geringer Dünung am Außenrand der Bucht schnorcheln. Derzeit hat das Meer etwa gute 21 °C vor der Küste, was gleichzeitig herrlich erfrischend und nicht zu unangenehm kühl ist. Natürlich trugen wir trotzdem isolierende Taucheranzüge, denn sonst wären wir bei knapp zwei Stunden Schnorcheln allzu sehr ausgekühlt.

Danach faulenzten wir am schönen, zu dieser Jahreszeit noch ruhigen Strand. Strahlend blauer Himmel und die kräftig herunterbrennende Mittelmeersonne sorgten für angenehme 27 bis 28 °C Lufttemperatur um die Mittagszeit. Am Himmel zogen einige Seevögel majestätisch ihre Kreise, vermutlich auf der Suche nach Fischschwärmen zum Jagen. Doch kein sichtbarer Vogel tauchte steil in die Meeresfluten; jedenfalls sah ich nichts davon.

Stattdessen versammelten sie sich hektisch hinter einem vor der Bucht vorbeituckernden Fischerboot und schnappten sich fraglos laut kreischend diverse Fischabfälle, die vom Boot geworfen wurden. Die Entfernung war zu groß, um das wirklich zu hören, aber wer solche Vogelschwärme hinter einem Fischerboot schon mal aus der Nähe erlebt hat, weiß, wie laut und hektisch es dabei zugeht.


 

Wir plantschten natürlich auch in den herrlichen Meeresfluten und machten eine lustige Paar-Wasserschlacht, jeder gegen jeden. Ach ja, hier sollte ich erwähnen, dass wir noch die hübsche, gertenschlanke und sich am liebsten nackig bewegende Lany dabei hatten, die irgendwie mit Paul befreundet ist. Ein entzückender Anblick für genießende Männeraugen, und sie ließ sich auch gern, völlig ungeniert, von mir fotografieren. Marina lag ebenfalls ungeniert topless auf einem Badetuch, las ein Buch, und Tori war in einem sexy-roten Bikini genauso ein reizvoller Anblick, wie ihn Männer doch immer gern sehen. Die drei sind ja außergewöhnliche Schönheiten von Model-Format, und seien wir einfach ehrlich: welcher Mann würde da nicht erfreut genauer hinschauen? grins

Schließlich bekamen wir ordentlich Hunger und wollten köstliche, griechische Speisen genießen. Dazu setzten wir mit dem am Strand liegenden Beiboot zunächst noch mal auf die Yacht über, um uns frisch zu duschen und etwas herzurichten. Dabei ergab sich die Gelegenheit, Tori doch noch in natürlich unbekleideter, ganzer Schönheit zu sehen – leider nur kurz von hinten, aber herrje, sie ist wirklich eine verdammt attraktive Frau und weiß das selbstbewusst natürlich auch genau.



 

»Was denn? Haste noch nie eine nackte Frau gesehen, oder warum blinzelst du gar nicht, haha?« lachte sie unbekümmert mit einem Blick über die Schulter zurück zu mir.

»Das ist eine unausrottbare Männerkrankheit; etwas so Schönes MÜSSEN wir einfach anstarren!« grinste ich vergnügt und betonte das „MÜSSEN“ dabei besonders.

»Charmeur, du!« schmunzelte sie fraulich selbstzufrieden und verschwand leider in ihrer Kabine, um sich zum Essengehen sommerlich zu bekleiden. Seufzend warf ich ihr noch einen Dackelblick hinterher, was mir einen kräftigen, aber dennoch zärtlichen Knuff von Marina einbrachte, die sich ebenfalls gerade ankleidete.

»Verflucht! Wer, in der an Dummheiten so reichen, menschlichen Geschichte war bloß so dämlich, schönen Frauen das Tragen von Kleidung zu erlauben?« grinste ich sehr breit und schnappte mir die Schöne für eine überfallartige Kuss- und Fummel-Attacke.

»Fraglos ein dummer Mann, hahaha.« lachte Marina nach dem langen Kuss, während wir beide nach Luft schnappten.

Zum späten Mittagessen entschieden wir uns dann für ein gutes, griechisches Restaurant mit toller Aussicht auf Bucht und Meer. Übersetzt heißt es sinnigerweise „Fischknochen-Arilla“ und wird auf Google mit hohen 4,7 Sternen im Schnitt bewertet. Es ist sehr hübsch, sauber, gepflegt und gemütlich. Zuvorkommend freundliches Personal kümmert sich prima um die Gäste, ohne aufdringlich zu wirken, und bringt exzellent zubereitete Köstlichkeiten in üppigen Portionen auf die Tische; überwiegend fangfrische Meeresfrüchte, aber die Fleischspeisen sind ähnlich gut und ebenfalls sehr lecker. Das Preisniveau liegt bei angemessenen 25 bis 35 Euro pro Person, man kann aber auch schon für 15 bis 20 Euro satt werden, und geöffnet haben sie täglich von 13 bis 21.30 Uhr.

Gut gelaunt und uns auf Anhieb wohlfühlend, wie es in solchen griechischen Tavernen meist der Fall ist, wählten wir sechs unterschiedliche Gerichte, um möglichst viel ausprobieren zu können. Wie erwartet schmeckte alles wunderbar und wir schlemmten mit ordentlichem Appetit ausgiebig. Da in der Frühsaison noch relativ wenig los war, ließ es sich der Wirt auch nicht nehmen, zu uns an den Tisch zu kommen und eine Runde auszugeben. 


 

Gäste von schönen Segelyachten werden natürlich automatisch als zahlungskräftig eingestuft, und es wird versucht, die Leute schlicht zum Wiederkommen zu animieren. Aber dennoch war es abgesehen von den legitimen Geschäftsinteressen solcher Kleinunternehmer und Gastronomen auch einfach typische, herzliche, griechische Gastfreundschaft. Und fraglos genoss er es auch, mit drei so locker-charmanten, außergewöhnlichen Schönheiten in sexy-knapper Kleidung zu plaudern und zu scherzen. Schmunzel

Wir blieben ziemlich lange dort und pichelten in angeregter Stimmung mehr guten Wein, als es nur der Durst erfordert hätte. Dementsprechend angeheitert und mit leichtem Schwips spazierten wir danach zur Verdauung entlang der malerischen Küste, mit grün bewachsenen Hügeln auf der einen und dem Meer auf der anderen Seite. Trotz des Alkoholkonsums wägten wir selbstverständlich gut ab, ob wir hier über Nacht ankern können.

Bei Westwind in einer nach Westen weit offenen Bucht liegt man hier mit auflandigem Wind auf Legerwall, wie das Seeleute nennen. Kein echter Seemann ankert gern in solchen Lagen, doch bei den aktuellen Schönwetter-Schwachwind-Vorhersagen und mit einem richtig guten Ankergeschirr an Bord, erachteten wir das Risiko als vernachlässigbar klein genug. Allan, dem die geerbte Yacht gehört, vertraute dabei auch auf meine Aussagen als generell erfahrendster Segler unserer Crew mit langjähriger Griechenlanderfahrung.

Übrigens verstehen sich er und Tori derzeit wieder besser, nachdem es einige Tage doch unübersehbar zwischen beiden gekriselt hatte. Offenbar haben sie sich, zumindest vorerst, wieder zusammengerauft.

 

Nach Sonnenuntergang sanken die Temperaturen auf 21 bis 22 °C, was bei der milden Mittelmeerluft mit nur minimalem Wind von 2 bis 3 Knoten aber immer noch sehr angenehm war. An Ausgehmöglichkeiten gibt es hier nur zwei oder drei Tavernen oder Restaurants, die alle relativ früh schließen. Es ist eindeutig eine ruhige Familienurlauber-Region, wo auch die Touristen eher früh schlafen gehen, um den ganzen Tag am Strand oder beim Wandern in den Hügeln zu genießen.

Auch wir wollten relativ früh in die Kojen gehen. Das Seglerleben macht müde, und man passt sich automatisch eher wie Bauern an den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus an. An Bord plauderten wir bei einem letzten Glas Wein im Cockpit noch ein bisschen und verschwanden nach 22 Uhr bereits in unseren jeweiligen Kabinen. Marina und ich belegen die Steuerbord-Vorschiffskabine, Lany und Paul die an Backbord, Tori und Allan die größere Heckkabine, welche durch das Cockpit im halben Kabinenraum aber nur sehr begrenzte Stehhöhe bietet; ein typisches Beneteau-Layout.

Auf so einer Segelyacht hört man sprichwörtlich jeden Pups der Anderen in ihren Kabinen, so dünn sind die Wände. Und da wir sechs alle noch das gleiche machen wollten, nämlich Liebe in den jeweiligen Kojen, gab es zu den jeweiligen Höhepunkten eindeutige, amüsante Seufzer und Stöhner zu hören, worüber man unwillkürlich grinsen muss. lach

Alle drei Kabinen haben ihre eigenen, kleinen, engen Bäder; daneben gibt es am Heck und im Vorschiff noch zwei kleine Kabinen für Kinder oder als Stauraum für Segel und Ausrüstung. Fahrtenyachten sind typischerweise sehr voll mit allen möglichen Dingen, Ersatzteilen, Werkzeug, Vorräten und vielem mehr.

Übrigens, wer sich dafür interessiert, sich aber nicht so gut auskennt: Beneteau-Yachten (und ähnliche Massenwerften wie Jeanneau oder Bavaria) werden überwiegend für den Chartermarkt produziert und bieten dafür fünf Jahre Garantie. Das bedeutet meist, dass sie 2–3 Jahre im Premium-Segment für Charterboote intensiv genutzt und nur das Nötigste gewartet werden. Danach landen die Boote weitere 2–3 Jahre in den B-Klasse Charterflotten, wo es zur Gewinnmaximierung noch weniger Wartung gibt.

Nach im Schnitt fünf Jahren werden die Boote durch neue ersetzt und auf dem Second-Hand-Markt billig verschleudert. Wer sich solche scheinbar billigen Boote kauft, bekommt dann schnell massive Probleme mit kaputtgehender Ausrüstung. Logischerweise hat Beneteau als Werft kein Interesse an Langlebigkeit, sondern will seine neue Produktion verkaufen. Das heißt: wenn man solche Yachten preisgünstig für den Privatgebrauch erwirbt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der günstige Preis täuscht.

Man muss im Allgemeinen noch mal eine ähnliche Summe und viel Eigenarbeit mit ausreichenden Kenntnissen in diese Yachten stecken, um sie für langjährigen Gebrauch seetüchtig und benutzbar zu halten. Das ist keine Kleinigkeit und auch kein Kinderspiel; nur wenige erfahrene Segler schaffen das. Anfängern oder nicht besonders erfahrenen Gelegenheitsseglern ist vom Erwerb solcher scheinbar günstigen Yachten dringend abzuraten! Du wirst nicht glücklich damit, sondern eher sehr frustriert, pleite und gibst schließlich deutlich ärmer auf, ohne wie erhofft eine schöne Yacht zu besitzen.

Wer eine zuverlässige Yacht sucht, sollte lieber nach privat genutzten Modellen oder Marken mit besserem Ruf für Langlebigkeit schauen – auch wenn diese teurer sind. Allans Yacht ist eines dieser Premium-Modelle von Beneteau, und trotzdem musste auch er schon viel Eigenarbeit und Geld zum Erhalt der Seetüchtigkeit als Fahrtenyacht investieren, was er gut beherrscht. Ein Boot wird im Grunde niemals ganz fertig und muss permanent mit hohem Einsatz gewartet und modernisiert werden. Nicht zufällig gibt es unter Fahrtenseglern den selbstironischen Spruch: „Wir segeln nicht um die Welt; zu 80 % arbeiten wir uns mit viel Schweiß voran und segeln ab und zu auch mal.“

»Was du Schlaumeier alles weißt.« stichelte Marina nach dem Liebesspiel, seitlich angeschmiegt mitlesend, als ich diesen Abschnitt in den Laptop tippte.

»Bitte nicht zu viel Bewunderung und Verehrung, sonst schwebe ich über, statt in der Koje, hoho.« gluckste ich, und wir küssten uns zärtlich-verspielt.

Die nackte Schönheit, weibliche Wärme und Weichheit ihres herrlichen Körpers so eng an mir spürend, während wir miteinander scherzend kuschelten, brachte uns ziemlich schnell zu einer weiteren Liebessrunde. Aber dann, es war inzwischen schon fast Mitternacht, duschten wir uns schnell noch mal frisch, krochen zurück in die Koje und schlummerten dann auch schnell hinüber ins Reich der Träume.

 

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Griechenland, Korfu, Segelspaß und alte Geheimnisse

 


#26.05.19 – Griechenland, Korfu, Segelspaß und alte Geheimnisse

»Fertigmachen zur Wende!« rief Tori vom Steuerrad aus über das Deck, ihre Stimme klang klar und bestimmt in der warmen Meeresbrise.

»Oh je, was mache ich jetzt genau?« guckte mich Marina ein wenig unsicher und gleichzeitig aufgeregt fragend an, während sie sich an einer Relingstütze festhielt.

»Ganz ruhig; bleib einfach direkt neben mir, schau dir in Ruhe an, was ich mache, und halte dich vor allem ein wenig geduckt, damit du nicht unerwartet vom Großbaum getroffen wirst, wenn er gleich rüberkommt«, lächelte ich sie beruhigend an und strich ihr kurz über den Arm. Für sie war es tatsächlich das allererste richtige Segelerlebnis auf einer Yacht dieser Größe, und dementsprechend war für sie alles, was hier vor sich ging, herrlich verwirrend und aufregend zugleich.

»Achtung… Re!« kommandierte Tori und kurbelte geschickt am Ruder. Ich sorgte dafür, dass die Großschot auf dem Schlitten sauber und ordentlich auf die andere Seite kam, was bei diesem Boot erfreulicherweise sehr einfach zu handhaben war. Allan und Paul hatten vorne am Bug mit der großen 145%-Vorsegel-Genua naturgemäß etwas mehr zu tun, aber insgesamt war es pures, einfaches Schönwettersegeln; etwa 8 bis 17 Knoten Wind aus nordwestlichen Richtungen, eine strahlende, goldene Mittelmeersonne und Temperaturen, die auf bis zu 25 °C kletterten; einfach herrlich. lächel

Die Segelyacht ist zwar schon 18 Jahre alt, aber wirklich gut gepflegt und hervorragend für das entspannte Fahrtensegeln ausgerüstet, inklusive elektrischer Winschen und einer modernisierten Elektronik für Navigation und Kommunikation, die absolut »up to date« ist. Ein erfahrener Segler könnte sie im Notfall sogar Einhand führen, also als einzelne Person segeln, was dann allerdings bei komplexeren Manövern etwas hektisch und anstrengend wird und bei auffrischendem Starkwind auch nicht ganz ungefährlich ist, aber mit viel Routine durchaus beherrschbar bleibt.


 

Der heutige Segelausflug in die Notio Steno Kerkiras, jene malerisch geschützten Gewässer zwischen der grünen Insel Korfu und dem griechischen Festland, war vor allem als ein Test gedacht und natürlich auch zum puren Schönwetter-Segelspaß. Einmal zum gründlichen Prüfen der letzten, durchgeführten Wartungsarbeiten an Boot und Rigg. Andererseits auch, um zu schauen, wie Marina damit klarkommt und ob sie eventuell schnell seekrank wird.

Es ist wissenschaftlich bestätigt, keine bloße Legende, dass Frauen bedauerlicherweise im Durchschnitt anfälliger für die gefürchtete Seekrankheit sind als Männer – das zeigen zahlreiche medizinische Studien, Fach-Reviews und umfassende Meta-Analysen. Es ist ein realer, multifaktorieller Zustand, bei dem Hormone als wichtigster Treiber fungieren, jedoch variiert die Empfindlichkeit von Person zu Person stark und manche sind empfindlicher als sozusagen »stabile« Seeleute mit „Seebeinen“.

Als sehr erfahrener Segler kann ich aus eigener Anschauung sagen: Ich habe auf 13- bis 22-Meter-Yachten selbst in ungemütlichen, wenn auch nicht extrem schweren Sturmbedingungen schon Leute erlebt, die vor lauter Seekrankheits-Elend am liebsten mit suizidalen Absichten sofort über Bord gesprungen wären. Das sind zwar seltene Ausnahmen, aber für manche ist dieser Zustand tatsächlich nahezu unerträglich – und das lange, bevor Dehydration oder andere ernsthafte körperliche Folgen wirklich gefährlich werden könnten.

Anderen, wie mir selbst, machen selbst schwerste Bedingungen mit meterhohen Seen, gewaltiger Dünung und einem Boot, das wie ein Korken auf dem Wasser herumhüpft, kaum etwas aus, sobald ich mir erst einmal zwei bis drei Tage lang meine »Seebeine« antrainiert habe. Warum diese extremen Unterschiede bestehen? Es ist wohl vor allem eine angeborene Veranlagung – die Genetik spielt hier eine erstaunlich große Rolle.

Praktische Tipps, unabhängig vom Geschlecht, aber besonders relevant für Betroffene: Scopolamin-Pflaster, Antihistaminika, viel Ingwer, frische Luft, den Horizont möglichst fixieren, mittschiffs am tiefsten Schwerpunkt des Bootes sitzen, keinesfalls lesen, und eine langsame Gewöhnung durch wiederholte kurze Ausfahrten. Und erfahrungsgemäß sehr wichtig und hilfreich, wenn man willensstark genug ist: Sich nicht einfach in das Elend fallen lassen, sondern sich so intensiv wie möglich ablenken und beschäftigen. Jedenfalls ist die Seekrankheit, im Grunde eine komplexe Gleichgewichtsstörung, nicht vergleichbar mit normaler Übelkeit, bei der man sich einfach mal übergeben muss – man sollte das ernst nehmen. Wer diesbezüglich besonders empfindlich ist, sollte es dann halt einfach sein lassen und nicht auf kleineren Booten und Yachten mit auf See kommen.

 

Bei den heutigen, idealen Schönwetterbedingungen in den geschützten Gewässern, ohne jede nennenswerte Dünung oder unangenehme Wellen, war es erfreulicherweise auch für Marina nicht weiter schlimm. Die ersten ein bis zwei Stunden empfand sie zwar leichte Übelkeitsgefühle, die jedoch nicht allzu schlimm waren; und jetzt, nach knapp vier Stunden auf See, fühlte sie sich bereits rundum wohl und hatte zum leckeren Mittagessen im Cockpit einen gesunden Appetit.

Sehr schön, also kann sie problemlos mit uns mitsegeln und dürfte sich ihr Körper auch dann schnell anpassen, wenn wir mal in ungemütlicheres Wetter auf offener See, mit stärkeren Wellen und Dünung kommen sollten. Dass sie eine so willensstarke, disziplinierte Frau ist, hilft ihr dabei natürlich auch enorm. Man könnte es vielleicht etwas unfein ausdrücken: Jammerlappen-Typen haben generell nichts auf einer Yacht zu suchen und sollten lieber an Land bleiben.

Zu Mittag ankerten wir in einer kleinen, malerischen Bucht an der Nordostküste von Korfu, ungefähr 35 Meter von drei weiteren ankernden Segelyachten entfernt. Dann bereiteten wir uns ein einfaches, aber sehr leckeres Essen zu, das wir größtenteils schon fertig von der Villa gut gekühlt mitgebracht hatten.

Es gab typische, griechische Antipasti, wie fein gefüllte Weinblätter und gegrillt-eingelegte Paprika. Dazu Schinken-Spargel-Rollen – Röllchen wäre hier untertrieben, weil die Dinger ziemlich dick und saftig waren. Dazu gab es noch einen großen Berg Tomatensalat, den wir ganz frisch anmachten und mit würzigen Kräutern bestreuten. Als Nachspeise genossen wir mitgebrachte Obsttörtchen plus eine Portion Speiseeis aus dem Tiefkühler und natürlich auch etwas würzigen Käse, denn bekanntlich schließt Käse den Magen.


 

»Bist du eigentlich schon dazu gekommen, in den alten Tagebüchern zu lesen?« wollte Tori neugierig wissen, während sie an ihrem Glas nippte.

»Ja, ich bin gerade bei dem interessanten Eintrag, wo er auf Malta ankommt und sich dort intensiv für seinen nächsten Geheimauftrag vorbereitet«, bestätigte ich. »Echt spannend, dein Ur-Großonkel führte offenbar ein aufregendes und gefährliches Leben.«

Es folgt ein Auszug aus dem Tagebuch:

27. Februar 1946, Malta.

Bin heute Vormittag mit der Dakota aus London kommend auf Luqa gelandet. Der Flug war ruhig, nur leichte Turbulenzen über Frankreich. Habe mein Gepäck sofort zur Unterkunft bringen lassen und mich um 14.30 Uhr wie befohlen bei Commander Fisher im SBS-Hauptquartier gemeldet.

Er hat mich ohne große Umschweife über den neuen Auftrag in Kenntnis gesetzt. Eine ziemlich kitzelige Angelegenheit, wie ich bereits befürchtet hatte. Die Sache erfordert äußerste Diskretion und scheint deutlich heikler zu sein als meine letzten Einsätze. Habe den Rest des Nachmittags damit verbracht, die Befehle und Karten gründlich zu studieren. Die gesamte Logistik wird nicht einfach werden.

Am Abend ging ich ins Officers’ Mess im Union Club in Valletta. Traf dort einige bekannte Gesichter. Leider auch First Lieutenant Bowers, der mir mit seiner üblichen, aufdringlichen Art sofort den ganzen Abend zu verderben drohte. Der Mann ist eine echte Prüfung.

Plauderte dennoch recht angenehm mit Captain Reynolds über die aktuelle Lage in Griechenland. Er scheint ähnlich pessimistisch zu sein wie ich. Gestattete mir drei Whiskys – mehr schienen mir unklug. Bin nun zurück in der Unterkunft und schreibe diese Zeilen bei einer letzten Zigarette.

Meine Gedanken kreisen immer wieder um Elisabeth. Der letzte Brief aus dem Krankenhaus klang etwas zuversichtlicher, doch ich weiß genau, wie tapfer sie ihre Schmerzen vor mir herunterspielt. Die Entzündungen wollen einfach nicht richtig abklingen. Es ist ein bitteres Gefühl, hier zu sitzen, während sie dort drüben leidet. Aber es hilft niemandem, wenn ich mich nun in Sentimentalitäten verliere. Morgen früh geht es weiter.

Es gibt noch viel vorzubereiten.

G.

Diese Geschichte sieht nun folgendermaßen aus: Letztes Jahr erbte Tori einen Teil des umfangreichen Nachlasses dieses entfernten Verwandten. Beim Durchstöbern, was sie davon noch sinnvoll verwenden oder endgültig im Müll entsorgen kann, stieß sie auf eine Truhe voller Tagebücher dieses etwas geheimnisvollen Großonkels, die den Zeitraum von 1945 bis 1948 abdeckten.

Neugierig las sie hinein und wurde sofort von diesen alten, dahinterstehenden Geschichten fasziniert. Letztlich sind Tori, Paul und Allan vor allem aus diesem speziellen Grund mit dem Segelboot nach Griechenland gekommen, um sich die damaligen Schauplätze selbst anzuschauen, und natürlich wollten sie ohnehin schon immer mal gern in Griechenland segeln gehen. Die hiesigen Küsten und Inseln sind nicht nur landschaftlich sehr reizvoll, sondern tatsächlich ein nicht zufällig sehr beliebtes Paradies für Segler.

Die Tagebücher erzählen in militärisch knappem Ton eine Geschichte, die außerhalb Griechenlands leider ziemlich in Vergessenheit geraten ist:

Kurzfassung des Griechischen Bürgerkriegs

  • Zeitraum: Der Konflikt hatte zwei Hauptphasen: Die erste Phase (Dekemvriana) von Dezember 1944 bis Januar 1945 (hauptsächlich Kämpfe in Athen). Die Hauptphase von 1946 bis 1949.
  • Wer kämpfte gegen wen? Die Regierungsseite (rechts-konservativ, monarchistisch) wurde durch die griechische Nationalarmee repräsentiert, unterstützt von britischen und später amerikanischen Kräften. Die kommunistische Seite bestand aus der ELAS bzw. der Demokratischen Armee Griechenlands (DSE).
  • Die britische Rolle: Winston Churchill sah Griechenland als strategisch entscheidend für das Mittelmeer und zur Eindämmung des Kommunismus. Britische Truppen kämpften direkt gegen die ELAS. Großbritannien lieferte massiv Waffen und Geld, bis es 1947 die Verantwortung an die USA übergab (Truman-Doktrin).
  • Ausgang: Die Regierungsseite siegte 1949, was Griechenland fest im westlichen Lager hielt.

Die britischen »Gold Sovereigns«, auch bekannt als »George & Dragon«, waren Standard-Goldmünzen, die von Agenten des SBS, SAS oder SOE massiv in Griechenland als Zahlungsmittel und Vertrauensanker eingesetzt wurden, besonders während der extremen Hyperinflation der deutschen Besatzungszeit. Toris Ur-Großonkel gehörte zu diesen extrem hart trainierten Elitetruppen. Er verlor gegenüber Familie und Freunden nie ein Wort über diese geheimen Einsätze. Tori, eine intelligente und kreative Frau aus dem Showbiz/Schauspiel, ist von der Geschichte fasziniert und überlegt ernsthaft, daraus einen Roman oder ein Drehbuch zu machen.


 

Nach dem leckeren Essen, gutem Kaffee und einer faulen Plauderei darüber im Cockpit, gönnten wir uns den Spaß einer herrlich erfrischenden Plantscherei in den noch etwas kühlen Meeresfluten; derzeit liegt die Wassertemperatur hier bei 19 oder knapp 20 °C. Aber die griechische Mittelmeersonne knallte schon jetzt mit so viel Kraft herunter, dass es einem in deren Strahlen schnell zu heiß wird und man sich binnen kürzester Zeit einen fiesen Sonnenbrand einfangen kann, wenn man sich nicht sorgfältig mit Sonnenschutzmittel einschmiert.

»Komm, du lahmer Bär, wir springen!« rief Marina herausfordernd, während sie schon mit einem eleganten Satz vom Bootsrand in das kristallklare Nass glitt.

Ich folgte mit einem eleganten Kopfsprung, nachdem ich schnell aus meinen Klamotten geschlüpft war und schnappte mir den frechen Nackedei mit einem taktisch geschickten Walangriff. Natürlich hätte mir das flinke Delphinmädchen leicht entkommen können, aber sie wollte sich ja gern einfangen, sanft untertauchen und zärtlich an ein paar besonders empfindlichen Körperstellen kitzeln lassen. Das Wasser war anfangs herrlich prickelnd kühl, ein erfrischender Weckruf für den Kreislauf! Wir verbrachten eine halbe Stunde damit, uns gegenseitig bespritzen, um die Wette zu tauchen und einfach nur im türkisfarbenen Wasser zu treiben, während sich das Boot sanft an der Ankerkette wiegte.

Die Küste war hier wunderbar abwechslungsreich mit rauen Felsen, die in der Sonne funkelten, und kleinen, versteckten Sandbuchten, die uns wie ein privates Paradies vorkamen. Wir plantschten, lachten und genossen es, uns natürlich nackt einfach nur im Meer treiben zu lassen, wobei wir uns wie Teenager aufführten. Marina war in ihrer unbekümmerten Art einfach bezaubernd anzusehen, wie sie tropfnass und strahlend wieder an die Wasseroberfläche kam, die Haare klatschnass nach hinten gestrichen.

Auch zwischen Tori und Allan scheint die Stimmung momentan wieder besser zu sein. Auch sie plantschten vergnügt sich gegenseitig neckend herum, allerdings in Badesachen, was mich ein wenig erstaunte. Insbesondere bei der sehr locker-selbstbewussten Tori hätte ich eigentlich erwartet, dass auch sie ungeniert auf die natürlichste Art nackig den Badespaß genießt. Und natürlich, dass gebe ich als Mann unumwunden zu, hätte ich diese schöne Frau mit toller Figur auch gerne mal unbekleidet gesehen. zwinker



 

Dass das salzige Wasser auf der Haut kribbelte und uns die Sonne auf den Schultern kitzelte, verstärkte nur das Gefühl der Freiheit, das man so nur unterwegs mit Booten in irgendwelchen malerischen Buchten erleben kann, von denen aus man direkt ins Meer springt. Es war einer dieser Momente, in denen man einfach alles um sich herum vergisst und nur noch die pure Existenz und die Freude am Augenblick genießt, bis wir schließlich erfrischt und mit salziger Haut wieder tropfnass an Bord kletterten.

Den Rest des Nachmittags segelten wir einfach nach Lust und Laune noch ein bisschen in den Gewässern des Notio Steno Kerkiras umher. Wir übten weitere Segelmanöver mit Marina und ließen sie auch mal allein am großen Ruderrad steuern. Zwar sichtlich aufgeregt von all dem Neuen und Unbekannten an Bord einer solch schnittigen und schnellen Segelyacht, machte sie das jedoch recht geschickt und passte sich erstaunlich gut in die Crew ein.

Schönwettersegeln in ruhigen Gewässern macht besonders viel Freude und ist für eine Anfängerin wie Marina, ideal um Sailing-Saltlife kennenzulernen. Das rhythmische Knallen der Segel, wenn der Wind kurz nachlässt, das sanfte, melodische Gurgeln des Wassers am Rumpf und das Gefühl, wenn die Yacht bei einer leichten Böe ganz sanft und erhaben in die Seite krängt, wirkt fast meditativ. Man vergisst die Sorgen der Welt um sich herum, konzentriert sich nur noch auf den Kompasskurs, die präzise Segelstellung und das subtile Spiel mit den Naturgewalten.

Es ist dieses wunderbare Gefühl von natürlicher Entschleunigung, bei dem die Zeit anders zu laufen scheint und jeder Atemzug so frisch und klar ist wie das Wasser, durch das wir schneiden. Man beobachtet die anderen Yachten, die am Horizont wie kleine Spielzeuge wirken, spürt den Wind in den Haaren und weiß einfach, dass man genau dort ist, wo man sein möchte. Gerade in unseren modernen, hektischen Zeiten voller Termine und Leistungsdruck für die Meisten, ist das etwas Kostbares.

 

Erst zum Sonnenuntergang, derzeit hier um 20:53 Uhr, kamen wir gut gelaunt zurück zur Yacht-Marina. Schnell und routiniert wurde das festgemachte Boot aufgeklart, und im romantischen, feuerroten Farbenspiel der schon untergegangenen Sonne spazierten wir gemeinsam zurück zur Villa. Ausführlich frisch geduscht und in bequemer Kleidung versammelten wir uns dann auch gleich wieder – hungrig wie echte Seewölfe oder Piraten – mit Sir Archibald zu einem delikaten abendlichen Diner.

Archie ist an dieser ganzen Tagebuch-Geschichte übrigens auch sehr interessiert, weil sein eigener Vater ein hohes Tier im SOE während und nach der Weltkriegszeit war. Aber er verfolgt das eher intellektuell; für eine direkte, körperlich anstrengende Beteiligung fühlt er sich zu alt und ist wohl auch gesundheitlich nicht mehr ganz auf dem Damm. Tori lernte ihn letzten Spätsommer in London kennen und rt lud sie daraufhin mit großzügiger Aristokraten-Gastfreundschaft für dieses Jahr in seine Villa auf Korfu ein, wo er den Großteil des Jahres verbringt.

Ich wiederum kenne ihn noch aus meiner Zeit als Gold-Club-Boss; in dem Londoner Umfeld gibt es eine sehr exklusive Clubanlage, wo er gelegentlich, eingeladen von Mitgliedern, zu Gast war. Auf diese mal wieder fast unglaublich klingende Art sind wir jetzt also hier zusammengekommen, und vor allem deshalb war ich zusammen mit Marina hergeflogen. Hätte er mich nicht darauf angesprochen und mich Tori gegenüber als sehr erfahrenen, sich in Griechenland recht gut auskennenden Segler, seriösen Geschäftsmann und generell »guten Typen« empfohlen, wüsste ich heute von der ganzen Sache überhaupt nichts. Wer schon länger in meinem Blog mitliest, weiß, dass ich mir solche Gelegenheiten zum Segeln kaum jemals entgehen lasse, wenn es irgendwie möglich ist.

 

Wie hierzulande absolut üblich, zirpten die Grillen draußen bereits lautstark ihr niemals endendes, nächtliches Konzert, während wir köstlich gesättigt noch einen kleinen Spaziergang in der romantisch schwach beleuchteten Umgebung der Villa machten. Gefühlt hatten wir kurz vor Mitternacht immer noch knapp 20 °C und ein schwacher, warmer Wind wehte uns den betörenden, salzigen Blütenduft aus den umliegenden Gärten herbei.

Wir gähnten alle schon recht häufig, denn ein ganzer Tag auf dem Meer macht nicht nur glücklich, sondern auch verdammt hungrig und tief müde. So eine Segelyacht bewegt sich und schwankt (rollt und stampft) ja ständig auf offener See, und so muss dein ganzer Körper das permanent mit kleinen oder größeren Muskelbewegungen ausgleichen, ohne dass du es bewusst merkst. Man spürt das zunächst nicht so direkt, aber nach rund elf Stunden auf dem Boot macht es sich in den Knochen doch deutlich bemerkbar.

Bald darauf verschwanden wir alle in unseren gemütlichen Betten. Marina schlief, in meine Arme gekuschelt schon ein, bevor wir uns auch nur richtig in eine bequeme Schlaflage gebracht hatten; und sie ist jung, gesund und absolut topfit! Bei mir dauerte es kaum länger, dann fielen auch mir die Augen zu und ich versank im Reich der Träume – als Geheimagent im Auftrage ihrer britannischen Majestät, mit gefährlichen Einsätzen in exotischen Ländern und einer wunderschönen, warmen Frau im Bett, wie es sich für einen 007-James-Bond-Nachfolger eben gehört. schmunzel

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