#26.09.23 – Portugal. Ferragudo, Abschied und vorläufige Landunterkunft
»Ach je, jetzt werde ich doch ein bisschen traurig«, seufzte Bella, während wir uns im Bad fertig für einen Landgang und den baldigen Abschied machten.
Am Vormittag waren wir in den Rio Arade eingelaufen und ankerten zunächst nahe dem linken Flussufer, wo sich das hübsche Fischerdorf Ferragudo an der östlichen Seite entlangzieht. Quasi schräg gegenüber auf der Westseite liegt am rechten Flussufer das bekanntere Städtchen Portimão. Beim letzten Aufenthalt hier erwähnte ich bereits, dass diese Region mit den ganzen maritimen Firmen rund um die Werften und Marinas ein bei vielen Seglern äußerst beliebter Anlaufpunkt ist.
Hier gibt es alles, was nicht nur Yachten benötigen, sondern auch die Fischerboote und die Küstenschifffahrt: einschließlich Kräne, Travellifts und vieler Stellplätze an Land für anstehende Bootsarbeiten, betreut von überwiegend sehr kompetenten Fach- und Servicefirmen. Hier soll das Unterwasserschiff der Globetrotter einen neuen Coppercoat-Anstrich bekommen, bevor es weiter nach Süden geht. Das sachgerechte Auftragen und spätere Aktivieren von Coppercoat ist ein anspruchsvoller, diffiziler Prozess. Das erfordert hochkonzentrierte Arbeit über 5 bis 10 Tage von echten Fachleuten, die damit reichlich Erfahrung haben. Hier vor Ort gibt es eine solche Firma, mit der ich bereits gute Erfahrungen gesammelt habe. Doch dazu später mehr.
Jetzt packten erst einmal Kasha, Bella und Sascha ihre Sachen zusammen, denn sie werden noch heute abreisen, um sich daheim um ihre Privatangelegenheiten zu kümmern. Das machte uns natürlich alle ein bisschen traurig – waren wir doch eine wirklich tolle Crew und hatten massig Spaß miteinander.
Insbesondere Sascha würde zu gern für längere Zeit an Bord bleiben und dauerhaft mitsegeln, was mir sowohl menschlich als auch in Bezug auf seine umfassenden Segler- und Technikfähigkeiten sehr willkommen wäre. Doch wie das für »Normalbürger« mit Jobs und Verpflichtungen an Land nun mal so ist, können die drei nicht einfach so wochen-, monate- oder gar jahrelang auf einem Segelboot unterwegs sein. Daher ist vorerst unklar, ob und wann sie wieder an Bord kommen können. Hochwillkommen wären mir alle drei jederzeit.
»Jetzt schuldest du uns aber erst einmal Einlaufdrinks und ein tolles Abschiedsessen, haha!«, lachte Frechdachs Kasha. Nachdem wir das Boot aufgeklart hatten, setzten wir an Land über und machten zunächst einen ausgiebigen Spaziergang.
»Ja… aber nur, wenn ich auch viele, sehr viele Abschiedsküsschen bekomme, hoho«, konterte ich, woraufhin Sascha sofort breit grinsend einwarf:
»Aber hoffentlich nicht von mir!« Darüber lachten wir am meisten und vertrieben mit solchen typischen Blödeleien die leicht melancholische Abschiedsstimmung.
»Abgemacht, Deal!«, kicherte Kasha gespielt mädchenhaft und hob ihre Hand zum High Five und unsere Pfoten klatschten lachend gegeneinander.
Übrigens herrschten hier Ende September geradezu hochsommerliche Wetterverhältnisse mit Temperaturen von über 30 Grad im Tagesverlauf, viel strahlendem Sonnenschein und dem typischen, angenehmen Atlantikklima. Soll heißen: Nachts kühlt es deutlich auf unter 20 Grad ab, wodurch man wunderbar ohne Klimaanlage schlafen kann. Kurz vor 10 Uhr hatten wir angenehme 23 Grad und nutzten die Zeit für einen ausführlichen Spaziergang entlang des Ufers bis zu den Molen an der Flussmündung.
Nur wenige Minuten nach der Öffnung um 12 Uhr trafen wir uns mit Manolo im Restaurant Sueste - Vinhos e Petiscos direkt am Kai in der Rua Infante Santo 92. Manolo ist ein kleiner lokaler Unternehmer, Bekannter und Seglerfreund mit eigenem Boot, den ich bei meinem letzten Aufenthalt hier kennengelernt habe. Er saß drinnen im Lokal und scherzte mit dem ihm offensichtlich gut bekannten Personal. Wir setzten uns zunächst zu ihm, wechselten später zum gemeinsamen Schlemmen aber auf die Außenterrasse, um das herrliche Wetter und die Aussicht über den Fluss auf Portimão zu genießen.
Eines seiner Geschäfte ist die Vermietung von zwei Gästezimmern im Stil einer kleinen Pension in seinem Wohnhaus. Dort wollte ich unterkommen, während das Boot ab morgen mit dem Travellift an Land gehoben wird, um die fachgerechte Behandlung des Unterwasserschiffs durchzuführen. Er ist ein sympathischer Familienvater mit drei Kindern, aber definitiv auch ein Mann, der sich locker am Plaudern, Scherzen und unverbindlichen Flirten mit charmanten Schönheiten wie Bella und Kasha erfreut.
Den beiden zu widerstehen, ist für Männer ohnehin so gut wie unmöglich. Prompt ließen sie sich vergnügt auf das ewige Spiel zwischen den Geschlechtern ein. Da Manolo selbst ein charmanter Typ ist, nahezu perfektes Englisch beherrscht und viel Humor mitbringt, machte das allen Beteiligten richtig Spaß. Er ist schlicht ein freundlicher, hilfsbereiter Kerl, mit dem man sich gerne anfreundet.
Zum Sueste - Vinhos e Petiscos lässt sich sagen: Sie halten auf Google einen guten Schnitt von 4,3 Sternen – was mehr als ausreichend für delikates Schlemmen ist. Nach unserer heutigen Erfahrung würde ich ihnen sogar exzellente 4,5 Sterne zuerkennen. Zwei Rezensionen bringen es sehr gut auf den Punkt:
»Wir entdeckten dieses wunderschöne Restaurant eher zufällig bei einem Bummel durch die Straßen dieser charmanten Stadt. Abseits des Trubels der Touristenhochburgen gelegen, bietet dieses versteckte Juwel ein kulinarisches Erlebnis für ein anspruchsvolles Publikum. Die Küche ist wunderbar authentisch: Man wählt seinen frischen Fisch selbst aus, der dann direkt neben dem Restaurant fachmännisch gegrillt wird. Service und Ambiente waren absolut makellos, und Simona tat alles, um uns herzlich willkommen und bestens betreut zu fühlen. Als krönender Abschluss eines gelungenen Abends bietet jeder Tisch einen ungestörten Blick auf den Sonnenuntergang. Absolut empfehlenswert.«
»Das Sueste war eines unserer schönsten kulinarischen Erlebnisse an der Algarve! Die Lage ist einfach traumhaft, direkt neben dem charmanten Fischerhafen von Ferragudo, mit einem wunderschönen Sonnenuntergang und Blick über das Wasser nach Lagos. Der gegrillte Wolfsbarsch war perfekt zubereitet – frisch, aromatisch und eines der besten Fischgerichte, die wir in Portugal gegessen haben. Die Vorspeisen waren köstlich, die Sangria hervorragend und der Service den ganzen Abend über freundlich, aufmerksam und professionell. Die Kombination aus exzellentem Essen, atemberaubender Aussicht und entspannter Atmosphäre am Wasser machte das Abendessen unvergesslich. Wir kommen bei unserem nächsten Portugalbesuch auf jeden Fall wieder!«
Die erwähnte Simona übernahm auch den Service an unserem Tisch. Das Personal ist durchweg freundlich, flott und gut ausgebildet. Was aus der Küche kommt, ist perfekt zubereitet, gut gewürzt und wird in ziemlich üppigen Portionen aufgetischt. Lage und Ambiente sind überaus angenehm, man fühlt sich auf Anhieb wohl. Preislich gehört das Haus zur gehobenen Kategorie, was es durch Service und Küche jedoch vollkommen verdient; schlemmt man ausführlich inklusive guter Weine, sollte man etwa 35 bis 60 Euro pro Person einplanen. Man kann aber auch schon für 15 bis 20 Euro lecker satt werden. Geöffnet ist täglich von 12:00 bis 22:00 Uhr. Definitiv ein sehr empfehlenswertes Restaurant für alle, die Wert auf klassische gastronomische Tugenden, gekonnten Service und eine ausgezeichnete Küche legen.
»Oh man, diese südländische Gastronomie und all das superleckere Futter werde ich im kühlen Norden noch mehr vermissen als unseren Skipper, haha!«, lachte Kasha frech wie immer und knuffte mich zärtlich in die Seite.
»Ja, ehrlich, allein das wäre es wert, bald wiederzukommen!«, zwinkerte Bella und drückte mir ein ziemlich erotisches Küsschen auf die Wange.
»Agora estou a ficar um pouco com inveja do feliz Capitão Steve«, entfuhr es Manolo breit lächelnd auf Portugiesisch, bevor er sich korrigierte und auf Englisch übersetzte: »Jetzt werde ich ein bisschen neidisch auf den glücklichen Kapitän Steve.«
»Wenn du mir einen angemessenen Preis bietest, überlasse ich dir meine weibliche Crew vielleicht für einen sexy Törn, hoho«, gluckste ich als Konter.
»Hört euch den Schuft an! Jetzt verleiht er uns schon wie Sklavinnen!«, taten Kasha und Bella gespielt empört. Natürlich kassierte ich dafür sofort bestrafende Knuffe von beiden Seiten. Verflixt, wieso hatte ich mich auch genau zwischen die beiden gesetzt?
»Ich fürchte, dazu müsste ich meinen gesamten Besitz verkaufen, sonst könnte ich mir so schöne und charmante Mulheres gar nicht leisten«, zwinkerte Manolo vergnügt und versuchte, typisch Mann, den einen oder anderen tiefen Blick in die Dekolletés der sommerlich gekleideten Schönen zu erhaschen.
Nach der ausgiebigen Schlemmerorgie, die auf südländische Art nicht nur als Nahrungsaufnahme diente, sondern als soziales Erlebnis zelebriert wurde, hieß es bald Abschied nehmen.
Der VAMUS-Aerobus der Linie 56 fährt mehrmals täglich vom Busbahnhof Portimão Terminal Rodoviário direkt zum Faro International Airport. Die Fahrtdauer beträgt etwa 1 Stunde und 15 bis 40 Minuten zu einem Preis von ca. 6 bis 17 Euro. Abfahrten gibt es je nach Saison ungefähr alle 3 bis 4 Stunden. Dorthin brachte uns freundlicherweise Manolo mit seinem Großraum-Van, der reichlich Platz für das Gepäck der drei bot.
Wir veranstalteten kein großes Abschiedsdrama: Bella und ich küssten uns noch sehr innig, Kasha überhäufte mich, wie versprochen, mit süßen Küsschen und rieb dabei extra frech ihre entzückenden, gertenschlanken Formen an meiner Bärenstatur. Sascha und ich begnügten uns mit einer kräftigen, freundschaftlichen Männer-Umarmung. Schnell war das Gepäck im Bus verstaut, die drei stiegen ein und kurz darauf fuhr der Bus ab.
Vom Flughafen Faro gibt es auch zu dieser Jahreszeit etliche Direktflüge nach Mitteleuropa, denn die malerische Algarve ist nicht nur im Hochsommer ein beliebtes Reiseziel. Während ich noch eine Zigarette rauchte und wir dem abfahrenden Bus hinterherwinkten, sprachen Manolo und ich bereits über die Unterbringung bei ihm und seiner Familie.
Sie bewohnen ein hübsches, sehr sauberes und gepflegtes Stadthaus direkt am Flussufer, gar nicht weit vom Sueste. Manolos sehr mütterliche, sympathische Frau hält es drinnen tiptop in Schuss, während er und die drei Kinder im Alter von 12 bis 17 Jahren sich vor allem um das äußere Erscheinungsbild kümmern, oder auch der Mutter drinnen helfen. Zwei der Kinder waren unterwegs, das dritte und die Mutter begrüßten mich herzlich. Alle sprechen mehr oder weniger gutes Englisch.
Zusätzlicher Vorteil: Nur wenige Schritte entfernt am Uferkai gibt es Anlegeplätze für kleine Boote der Einheimischen, wo ich das Beiboot der Globetrotter sicher festmachen kann. Zusammen mit meinem mitgenommenen E-Klappbike bin ich damit an Land und auf dem Wasser völlig unabhängig mobil. Bei dem schönen Wetter ist das für den näheren Umkreis vollkommen ausreichend, ohne einen Mietwagen nehmen zu müssen.
Vom gemütlichen Gästezimmer und der kleinen Dachterrasse aus habe ich eine schöne Aussicht auf den Fluss und das gegenübergelegene Portimão. Die zwei Gästezimmer teilen sich zwar ein Bad, was mich jedoch nicht weiter stört – momentan ohnehin nicht, da das andere Zimmer unbelegt ist. Ein hübscher Hinterhofgarten und die sehr malerisch mit Bougainvillea bewachsenen Gassen sorgen zusätzlich für Wohlfühlatmosphäre. Im Ort findet man alles, was man braucht: Geschäfte, Lebensmittelläden, Restaurants und viele freundliche Menschen.
Wer sich in Portugal generell solche preiswerten und guten Unterkünfte mit Familienanschluss suchen möchte, sollte auf folgendes achten: An vielen echten Privatunterkünften und Pensionen hängen blaue Schilder mit der offiziellen Registernummer AL (für Alojamento Local). Siehst du eine solche Acryl-Tafel mit Kontaktdaten, weißt du sofort, dass der Betrieb legal registriert ist und die Sicherheits- sowie Hygienestandards erfüllt. Man kann dann direkt vor Ort nach einer Besichtigung und den Konditionen fragen.
Gerade in Ferragudo gibt es entlang der Gassen am Hang etliche traditionelle Fischerhäuser, deren Eigentümer einzelne Zimmer oder Einliegerwohnungen vermieten.
Drei praktische Tipps, wie man am schnellsten fündig wird:
- Einfach anklopfen oder anrufen: Auf vielen dieser AL-Schilder steht direkt eine Telefonnummer. Oft wohnen die Vermieter im selben Haus oder gleich nebenan. Ein kurzes »Olá, tem quarto vago?« öffnet meist sofort Türen.
- Die Gastro-Mundpropaganda nutzen: Frag am besten in einer der kleinen, von Einheimischen geführten Tascas oder Cafés rund um den Praça Rainha Dona Leonor (den Hauptplatz unten am Hafen). Das Personal oder die Stammgäste wissen fast immer sofort, wer in den oberen Gassen Zimmer frei hat.
- Persönlicher Vorteil: Da man vor Ort ist und direkt bucht, umgeht man die Provisionsgebühren der großen Buchungsportale. Die Vermieter sparen Geld und geben im direkten Gespräch fast immer einen deutlich besseren Preis ab.
Die meisten dieser Häuser sind zwar alt, aber mit sichtbarem Besitzerstolz sehr gepflegt und mit moderner Technik ausgestattet. Beispielsweise gibt es einen riesigen Smartscreen-TV und einen 50-Mbit/s-Online-Anschluss in meinem Zimmer. Letzteren nutzt zwar das ganze Haus, und wenn mehrere Gäste gleichzeitig streamen, müssen sie sich die Bandbreite teilen, doch für die normale Nutzung genügen 50 Mbit/s völlig. Ich selbst benötige zum Online-Arbeiten und selbst beim Streamen selten mehr als 4 bis 6 Mbit/s. Ergo können 5 bis 8 Personen mit dieser Bandbreite problemlos klarkommen – vorausgesetzt, es lädt nicht gerade jemand parallel riesige Datenmengen herunter.
Nachdem ich ausreichend Privatsachen für bis zu 10 Tage an Land und in mein Zimmer geschafft hatte – wobei mir Manolo und eines seiner Kinder halfen –, waren diese natürlich sehr neugierig auf die als Fahrtenyacht ausgestattete Hans Christian 48T. Gern zeigte ich ihnen alles und dann schipperten wir auch gleich zu dem maritimen Dienstleistungszentrum, wo das Boot noch am selben Abend aus dem Wasser gehoben und an Land gestellt wurde. Mit den eigentlichen Arbeiten wird die seriöse Fachfirma frühestens übermorgen beginnen können, da das sachgerechte Auftragen von Coppercoat ein komplizierter, diffiziler Vorgang ist, der Rumpf zunächst gut austrocknen muss und alle Arbeitsschritte exakt eingehalten werden müssen.
Für Interessierte werde ich im nächsten Blogbeitrag noch genauer darauf eingehen. Doch jetzt mache ich erst einmal Schluss, denn ich habe noch ein paar Dinge zu erledigen. Aktuell bin ich ja allein und kann keine Aufgaben an die Crew – insbesondere an den mit Booten sehr erfahrenen Sascha – delegieren. So sehr ich die Truppe mochte und so viel Spaß wir hatten: Ich freue mich trotzdem auch ein bisschen auf die Ruhe allein. Dass ich mich für Manolos Unterkunft entschieden habe, statt offiziell irgendetwas anonymes anzumieten, freut mich ebenfalls sehr.
Am Abend genoss ich mit der Familie ein einfaches, aber sehr leckeres Abendessen und hatte mit den Leuten fast genauso viel Spaß wie mit der Crew. Die Kinder waren reizend, und eine richtig hübsche Teenagertochter haben sie zudem. Sie gab sich zwar etwas spröde-zurückhaltend, doch durchschaute ich sie fast sofort als in Wahrheit auch ein bisschen freche freche, flirtbereite junge Frau mit definitiv gesteigertem Interesse am männlichen Geschlecht generell – und dem beeindruckenden Gentlemen- Capitão Steve ebenso. schmunzel
Den Rest des Abends verbrachte ich online am Laptop, um diverse Routinearbeiten zu erledigen, darunter ein paar Videochats mit geschäftlichen und privaten Freunden. Kurz vor Mitternacht fiel ich frisch geduscht in das große, gemütliche Gästebett mit einer hervorragenden Matratze. Salzige, etwa 18 Grad kühle und nach Bougainvillea duftende Luft strömte durch meine zwei leicht geöffneten Fenster. So schlafe ich am liebsten und besten – Klimaanlagen mag ich bekanntlich gar nicht und schalte sie nur ein, wenn es sonst wirklich zu heiß oder schwül für einen angenehmen Schlaf ist.
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