Algarve, eine Besichtigung und ein herrlicher Strand-Nachmittag

 

#26.06.12– Algarve, eine Besichtigung und ein herrlicher Strand-Nachmittag

»Moin, Schmusekatze…« Mit diesen Worten und einer Reihe strategisch platzierter, sanfter Küsse auf empfindlich kitzelige Stellen, weckte ich Vicky am frühen Morgen aus ihren Träumen.

»Moin, Brummelbärchen…« seufzte sie mit verschlafener Morgenstimme in fast perfektem Deutsch, während sie sich sichtlich genüsslich und wie eine Wildkatze unter der dünnen Bettdecke reckte. Sie spricht aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Reisen mehrere Sprachen gut bis sehr gut, darunter eben auch ein beachtliches Deutsch. Das an der norddeutschen Waterkant so beliebte, universell einsetzbare »Moin« ist ihr längst gut bekannt. »…gehen wir heute drüben in der Werft schauen, wie weit die Männer mit dem Boot sind?«

Gestern hatten wir gleich nach dem gemütlichen Frühstück die Nauticat auf dem Strom des Rio Arade rüber zum Travellift geschippert, um sie wie geplant aus dem Wasser heben zu lassen. Wegen irgendwelcher technischen Probleme mit einem großen deutschen Katamaran, der auf der Liftspur direkt vor uns an der Reihe war, verzögerte sich das gesamte Prozedere am Ende um etwa eine Dreiviertelstunde. Uns störte das im Grunde überhaupt nicht, denn wir hatten ja Zeit und keinen Stress. Die Werftarbeiter beziehungsweise der zuständige Vorarbeiter waren über die Verzögerung deutlich verärgerter, weil das unvorhergesehene Malheur ihren straff durchgetakteten Tagesplan durcheinanderbrachte und für die Crew am Abend vielleicht sogar Überstunden notwendig machte.

Wir nutzten die unerwartete Wartezeit an Deck jedenfalls als willkommene Gelegenheit für eine allerletzte, gründliche Kontrolle unter Deck. Wir wollten sichergehen, dass wir über die nichts Wichtiges, Verderbliches oder allzu Wertvolles an Bord vergessen oder offen im Salon hatten rumliegen lassen. Die festangestellten Mitarbeiter des Fachbetriebes dürften durch die Bank weg ehrliche und zuverlässige Leute sein, die ihre gutbezahlten Jobs in einer so renommierten Werft sicherlich nicht für dumme Gelegenheitsdiebstähle riskieren würden. Dennoch besagt ein altes Sprichwort völlig zu Recht, dass man Menschen auch nicht unnötig in Versuchung führen sollte. Wenn beispielsweise eine wertvolles Teil der Kameraausrüstung oder eine teure Uhr offen herumliegt, ist schnell mal eine Hemmschwelle überschritten, und das gute Stück verschwindet im Nu in irgendeiner Tasche.

 

Als wir dann an der Reihe waren, klappte das Liften mit unserem Boot dank der professionellen Routine der Werft-Crew völlig problemlos und schnell. Kaum stand die Nauticat sicher aufgebockt und ausnivelliert auf ihren schweren Pallungen an Land, begannen auch schon parallel die minutiöse Sicherheitsinspektion an der Ruderanlage sowie die Reinigung des gesamten Unterwasserschiffs. Zwei Mann kletterten mit ihren elektronischen Prüfgeräten und Taschenlampen über die Heckleiter an Bord, während ein dritter Arbeiter draußen im Schutzanzug mit einem kraftvollen Hochdruckstrahler ans Werk ging.

Er entfernte mit dem scharfen Wasserstrahl zunächst den allgemeinen, bräunlichen Algenbewuchs und die kleinen Pocken, die sich an jedem Rumpf unter Wasser mit der Zeit unvermeidlich festsetzen; insbesondere in den warmen Gewässern des Südens. Akut notwendig wäre dieser Anstrich und die Reinigung zu diesem Zeitpunkt zwar eigentlich noch nicht gewesen, aber wie schon ausführlich besprochen, wollten wir diese ohnehin teure und aufwendige Gelegenheit des Liftens gleich nutzen, um das Unterwasserschiff für die nächste Zeit wieder herzurichten.

»Wir können nachher natürlich gern mal rüberlaufen und nach dem Rechten sehen, wenn du möchtest, aber notwendig ist das im Moment nicht«, überlegte ich laut, während ich mir in der Appartementküche einen frischen Kaffee aufsetzte. »Die Arbeiter fühlen sich sonst vielleicht nur genervt oder misstrauisch kontrolliert, wenn wir ihnen ständig auf die Finger schauen. Lass die Jungs erst mal in Ruhe ihren Job machen. Meister Joao ruft uns schon zuverlässig auf dem Handy an, wenn irgendetwas Unvorhergesehenes anliegt oder sie mit den Prüfungen fertig sind. Schau, wir haben folgendes beauftragt, was ohne überraschende Probleme mit der Ruderanlage eine Woche dauern sollte. Slick Hull Yacht Services & Sales>>> hat einen sehr guten Ruf.«

-Check der Ruderanlage

-Komplettes Entfernen alter Farbe + Vorbereitung bis blankem GFK oder guter Primer.

-Epoxy-Barrier-Coat.

-4–5 Schichten CopperCoat.

-Schleifen zur Kupfer-Freilegung.

-Hochdruckreinigung, 1 Woche Standzeit für Aushärtung bei trocken-sonnig-warmen Wetter.

-Neue Groco-Bronze Seeventile

»Wie du meinst…, ja, du hast eigentlich recht. Ich mag es ja umgekehrt auch nicht, wenn mir die Auftraggeber meiner Kunstwerke ständig über die Schulter gucken wollen«, stimmte sie mir schmunzelnd zu. Vicky ist eine wirklich talentierte Zeichnerin und Malerin. Sie stellt hauptsächlich künstlerisch verfremdete Werke, weltweit bekannte Persönlichkeiten in großformatigen Werken dar. Anscheinend gibt es auf der Welt eine zwar eher kleine, aber zahlungskräftige Schar von Kunstliebhabern, die ihr so ein Bild gerne mal für ein paar Tausend Euro abkaufen, was einen großen Teil ihres Lebensunterhalts sichert.

Außerdem konzipiert und macht sie gelegentlich ziemlich abgefahrene, sexy Live-Performances und Promo-Präsentationen. Meistens ist das irgendwelcher futuristischer Kram, bei dem sie sich in minimalistischer Kleidung, topless oder im Laufe der Performance sogar ganz nackt präsentiert. Das macht ihrer eindeutig stark ausgeprägten exhibitionistischen Ader sichtlich Spaß und hat zudem den angenehmen Nebeneffekt, dass es typischerweise die sprichwörtlichen »geilen, alten Säcke mit dicken Brieftaschen« anlockt.

 Die Typen zahlen dann nicht nur einen ziemlich teuren Eintritt, sondern kaufen ihr im Anschluss meistens auch noch irgendeines ihrer teuren Kunstwerke ab. So können sich diese Herren hinterher vor ihren Ehefrauen oder Geschäftspartnern scheinheilig einreden, sie seien ja nur zutiefst an moderner Kunst interessiert gewesen, statt in eine schmierige Table-Dance-Bar zu gehen, um dort die nackten Tänzerinnen zu begaffen. Schmunzel

Ein passendes Beispiel für ihren herrlich schrägen Humor und ihren Stil ist übrigens eines ihrer bekannteren Bilder namens: »Vladimir-Ilyich-Lenin-as-Bob-Marley«. Man muss es einfach selbst gesehen haben, um die Ironie dahinter zu verstehen.

 

»Siehst du, vertrau dem Captain, hoho!« Nahm ich sie noch enger in die Arme und knutschten wir ein paar Minuten intensiv sinnlich.

»Aye Captain…, aber was das alles kostet…« seufzte sie, während meiner geschickten, zärtlichen Finger einige Erregung bei ihr auslösten. zwinker

»Ja, aber wie schon ausführlich besprochen: das muss halt sein und sollte unbedingt gemacht werden, bevor es auf Langfahrt geht und…« unterbrach mich mein klingelndes Handy. Maria von besagter Firma teilte mit, dass die Ruderanlage nach durchgeführter Prüfung in Ordnung ist, keine weiteren Arbeiten daran erforderlich sind. Darüber freuten sich natürlich alle sehr, als wir uns zum Essen versammelten.

Nach einem ausgiebigen, leckeren Frühstück besuchten wir vier dann gemeinsam die geschichtsträchtigen Ruinen des ehemaligen »Convento de São Francisco de Portimão«, das auf einem kleinen Hügel strategisch über der Stadt thront. Man blickt dort auf die mächtigen, verwitterten Ruinen-Mauern des im 16. Jahrhundert errichteten Bauwerks, das offiziell auch unter dem Namen Convento de Nossa Senhora da Esperança bekannt ist. 


 

Die Ruinen liegen heute in direkter Nachbarschaft zu den modernen Kais, an denen die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen. Wegen akuter Baufälligkeit und der Gefahr von herabstürzenden Trümmern ist das offizielle Betreten des Geländes von Amts wegen eigentlich verboten, aber so richtig streng und lückenlos abgesperrt ist das Areal mit Bauzäunen dann auch wieder nicht. Wenn man vorsichtig, aufmerksam und mit klarem Verstand vorgeht, kann man die Ruinen durchaus betreten, aber man sollte wirklich verdammt gut aufpassen, wohin man tritt!

Gegründet wurde die Anlage um 1530 beziehungsweise 1541 von einem gewissen Simão Correia. Der Adlige baute an dieser Stelle zunächst eine kleine Kapelle und erweiterte das Ganze später zu einem richtigen, stolzen Franziskanerkloster. Mit einem grandiosen Blick über den Fluss und die Stadt lebten die Mönche hier über Jahrhunderte hinweg in tiefer Kontemplation.

Der große historische Knick kam dann im Jahr 1755 mit dem verheerenden Erdbeben von Lissabon, welches auch hier an der Algarve wütete und die Klosterkirche schwer beschädigte. Im Jahr 1834, nach der endgültigen Auflösung der religiösen Orden in ganz Portugal, wurde das Kloster von den Mönchen verlassen, an Privatleute verkauft und in der Folgezeit profan als Korklager und Fabrikhalle genutzt. Heute ist es ein geschütztes, aber nach wie vor in Privatbesitz befindliches Denkmal – romantisch-verfallen, offiziell nicht öffentlich zugänglich und ein echtes, raues Stück lebendige Algarve-Geschichte. Für Fotografen bietet die Kulisse reizvolle Motive, beispielsweise für klassische „blühend junge Schönheit, in alten, verfallenden Gemäuern“ Shootings.

Typischerweise war die blonde Britt beim Erkunden der alten Gemäuer wieder besonders frech, mutig und auch ein kleines bisschen leichtsinnig. In einem schummerigen, halbdunklen Gang, dessen verfallene Decke nicht gerade vertrauenerweckend ausschaute, stellte sie sich theatralisch in Pose und rief mir zu: »Hey, Captain Fotograf! Schieß mal schnell ein sexy Foto von mir in diesem Licht!«

 

»Mit größtem Vergnügen, du sexy Ruinen-Hexe! Aber pass verdammt noch mal auf und geh mir nicht zu tief in diesen Gang hinein! Die Decke da über dir sieht nicht wirklich stabil aus. Da könnte sich jederzeit ein loser Backstein lösen und dir auf den Kopf knallen!« grinste ich sie an, hatte aber innerlich natürlich viel Verständnis für ihren Tatendrang. In ihrem Alter war ich selbst oft keinen Deut besser, bin nicht selten ziemlich leichtsinnig in verlassenen Gebäuden herumgestiegen und habe dabei, wenn auch meist durchaus überlegt, deutlich mehr riskiert, als eigentlich ratsam gewesen wäre.

»Aye, Captain Papa, haha!« lachte sie nur völlig unbekümmert und mit diesem typisch jugendlichen Übermut, der einen in dieser Lebensphase oft glauben lässt, man sei absolut unverwundbar.

Dabei ist Britt keineswegs unüberlegt leichtsinnig wie ein naives Dummchen. Sie ist ein erfahrenes, im Job diszipliniertes Model mit echtem Mut und einer gesunden Portion Risikobereitschaft. Sie weiß meistens ziemlich genau, was sie tut, und sie liebt das Abenteuer, selbst wenn dieses mal einen Hauch von Gefahr mit sich bringt.

Was es mir allerdings manchmal ein wenig schwer macht, meine Beschützerinstinkte als erfahrener Mann zu unterdrücken, ist ihre beeindruckende Wandlungsfähigkeit vor der Kamera. Je nachdem, wie sie sich stylt, kleidet und gibt, kann sie in einer Minute glaubwürdig wie ein unschuldiges, sechzehnjähriges Teen-Model wirken, und in der nächsten Foto-Session wie eine sexy erfahrene Lady von 24 Jahren umwerfend fotogen-erotisch strahlen. Und jetzt gerade, mit ihren zerzausten Haaren, völlig natürlich ungeschminkt und sommerlich leicht bekleidet, sah sie in dem alten Klostergang eben eher nach einem verletzlichen Teenager aus und nicht nach dem taffen, volljährigen Profi-Model, das sie eigentlich ist.

 

Zum Mittagessen besuchten wir anschließend das kleine, aber feine Ristorante Faina>>>, das sich direkt am Museu de Portimão in der Zona Ribeirinha befindet, unmittelbar an einem kleineren Yacht Kai im Rio Arade. Der Laden ist sauber, gepflegt, das Personal empfängt einen mit typisch portugiesischer Freundlichkeit, und die Küche bringt sehr leckere Speisen in ordentlichen Portionen zu absolut angemessenen Preisen auf die Tische. Die Durchschnittsbewertung auf Google ist mit 4,4 Sternen bereits gut, aber nach unserer heutigen, durchweg positiven Erfahrung würde ich dem Restaurant auf Anhieb sogar noch ein bisschen mehr zuerkennen.

Wir genossen als Einstieg verschiedene, köstliche Vorspeisen im Stil von portugiesischen Tapas. Da ich mal wieder richtig großen Appetit auf ein ordentliches Stück Fleisch hatte, bestellte ich mir als Hauptgang ein mächtiges Rindersteak mit krossen Pommes und einer großen Schüssel frischem Salat. Die anderen drei entschieden sich bei den mittlerweile knapp 30 °C auf der sonnigen Außenterrasse verständlicherweise für deutlich leichtere, mediterrane Kost.

Dazu tranken wir eine gut gekühlte Flasche eines fruchtig-frischen Rosé-Weins aus der Region sowie reichlich Mineralwasser. Nach dem Essen durfte der obligatorische, exzellente Kaffee natürlich auch nicht fehlen. Mein Büffelsteak war so perfekt auf den Punkt medium gebraten, saftig-zart und lecker, dass die Frauen nicht widerstehen konnten. Sie stibitzten mir immer wieder einige Stücke von meinem Teller und fütterten mich als Entschädigung im Gegenzug mit Happen von ihren Meeresfrüchtegerichten, die ebenfalls handwerklich perfekt zubereitet und köstlich schmeckten.

»Guck mal da drüben, Steve…« sagte Britt plötzlich mit unschuldiger Stimme, zeigte mit dem Finger knapp an meiner Nase vorbei in Richtung Fluss und lenkte mich so strategisch ab. Um den Effekt zu verstärken, lehnte sie sich dabei so dicht an mich heran, dass ihr himmlisch weicher Busen meinen Oberarm streifte. Zack! Schon schnappte sie sich im selben Moment blitzschnell mit ihrer Gabel ein weiteres Stück Fleisch von meinem Teller. »…hmm, dieses Fleisch ist wirklich fantastisch würzig und zart, haha!«

»He, du freche Diebin! Bestell dir nächstes Mal gefälligst selbst ein Steak!« brummelte ich amüsiert, während ich ihren Triumph mit einem Grinsen quittierte.

»Jetzt stell dich bloß nicht so an, großer Bär…, hier, nimm zum Ausgleich einen Happen von meinen dicken Scampi!« schob mir Vicky ebenfalls amüsiert lächelnd ihre Gabel direkt in den Mund. »Aber wisst ihr was? Ich hätte jetzt nach dem Essen voll Lust auf echtes Beachfeeling! Ich stimme ganz klar für einen ausgiebigen Nachmittag am Strand. Was meint ihr?«

»Voll dafür!« grinste Demo sofort, der bei dem Wetter auch keine Lust auf Stadtluft hatte. Britt fand die Idee ebenfalls » voll steil«, und da auch ich bei den herrschenden 30 °C eine Abkühlung im Atlantik gut gebrauchen konnte, war der Beschluss einstimmig gefasst.

Also liefen wir nach dem Bezahlen der Rechnung zügig zurück zu unserem Appartement, machten uns kurz frisch und packten alles zusammen, was man für einen perfekten Strandtag so braucht. Dazu gehörte natürlich auch eine gut isolierte Kühltasche, die wir mit kalten Getränken, frischem Obst und ein paar salzigen Knabbereien füllten. Das Ganze verstauten wir in unseren Rucksäcken, Umhängetaschen und einem praktischen Roll-Dingsbums – ähnlich einer großen Einkaufstasche auf Rädern, wie sie ältere Omas gerne zum Marktbetrieb benutzen. Damit liefen wir in gemütlichem Tempo den Luftlinie knapp einen Kilometer langen Weg hinunter zum großen Praia da Rocha-Strand direkt an der Atlantikküste.


 

Der Praia da Rocha ist ein echter, weltbekannter Klassiker an der Algarve: Über einen Kilometer zieht sich der goldene, breite Sandstrand hin, malerisch eingerahmt von den dramatischen, ockerfarbenen Klippen und bizarr geformten Felsformationen, für die diese Region so berühmt ist. Die Wasserqualität ist hier regelmäßig top und mit der begehrten »Blue Flag« ausgezeichnet, es gibt professionelle Lifeguards vor Ort, und die weitläufige Bucht ist meistens gut gegen den allzu rauen Wellengang geschützt – somit auch ideal für Familien und ausgedehnte Spaziergänge.

Oben auf den Klippen thront zudem das alte Fort Santa Catarina, von dem aus man einen grandiosen Ausblick über den gesamten Küstenstreifen hat. Im Sommer ist der Strand unglaublich lebendig, voll mit Bars und Restaurants und unzähligen Badefreunden direkt im Sand; im Winter dagegen wird es hier herrlich ruhig und fast schon meditativ. Perfekt für dramatische Sonnenuntergänge und tolle Urlaubsfotos!

Aktuell im Juni lag die Meerwassertemperatur allerdings bei noch ziemlich erfrischenden 18 °C – was völlig typisch für den offenen Atlantik um diese Jahreszeit ist. Das ist zwar im ersten Moment ein kleiner Schock, aber herrlich erfrischend zum Wachwerden, und für sportliches Schwimmen kann man es im Wasser wunderbar aushalten. In der kommenden Hauptsaison im Juli und August wird dieser Strand erfahrungsgemäß brechend voll werden, doch derzeit verteilten sich die Badegäste noch sehr angenehm auf der riesigen, über 200 m tiefen Sandfläche.

Wir suchten uns an der Westecke des Strandes zwischen ein paar sichtschützenden, hohen Felsen ein lauschiges Plätzchen. Dort riskierten wir es nach einer Weile auch einfach mal, komplett nackt für eine Abkühlung ins Wasser zu springen, um uns danach im Schutz der Handtücher rasch wieder anzuziehen. Aber aufgepasst: Der Praia da Rocha ist ein stark frequentierter, familienfreundlicher Touristenstrand. Nacktbaden ist hier offiziell nicht erlaubt und wird von den Behörden oder Familien verständlicherweise auch nicht wirklich geduldet. Wer völlig entspannt und ungestört FKK genießen möchte, der fährt oder läuft besser circa zwei Kilometer weiter westlich zum Praia João de Arens, einem wunderschönen, in den Klippen versteckten und teilweise offiziell akzeptierten Nacktbadestrand.

Die Portugiesen hier an der Algarveküste sind insgesamt locker, gastfreundlich und tolerant, besonders gegenüber den Eigenheiten der internationalen Touristen. Das Sonnen Topless ist für Frauen völlig legal und wird überall am Strand unaufgeregt akzeptiert. Viele Touristinnen nutzen das ganz selbstverständlich aus. Lokale Portugiesinnen sieht man zwar eher seltener oben ohne, aber niemand starrt hier blöde oder gibt negative Kommentare ab. Entscheidend ist, wie überall im Leben, einfach der respektvolle Umgang miteinander – vor allem, wenn man sein Lager in der Nähe von Familien mit kleineren Kindern aufschlägt.


 

Ach übrigens: Weil mich in den letzten Tagen einige besorgte Anfragen von eher unerfahrenen Landratten erreichten, die sinngemäß schrieben: »Mensch Steve, wie könnt ihr es überhaupt riskieren, nachdem euer Boot gerade erst von einer Orca-Attacke betroffen war, demnächst einfach wieder auszulaufen? Ist das nicht viel zu leichtsinnig von euch?«

Nein, liebe Leute an den Bildschirmen daheim, das ist es ganz und gar nicht! Oder hört ihr etwa morgen sofort mit dem Auto- oder Fahrradfahren auf, nur weil jährlich statistisch etliche hundert Verkehrsteilnehmer bei Unfällen auf den Straßen ums Leben kommen? Nein? Seht ihr! In all den Jahren, seit dieses seltsame Phänomen der Orca-Interaktionen an den iberischen Küsten begonnen hat, ist meines Wissens nach noch kein einziger Segler dabei ernsthaft verletzt worden oder gar umgekommen. Die Wale attackieren gezielt die Boote, beziehungsweise die Ruderblätter, nicht die Menschen und das auch nur ausgesprochen selten, bedenkt man die Anzahl des Seeverkehrs.

Außerdem gilt generell: Das Segeln auf dem weiten Meer ist und bleibt nun mal immer ein Abenteuer, das mit echten, handfesten Risiken verbunden ist. Ob das nun die Orcas sind, oder im Wasser treibende, von Frachtschiffen verlorene Container, die dir bei einer Kollision im schlimmsten Fall den Rumpf aufreißen können, plötzlicher Starkwind, schwerer Sturm, der dichte internationale Schiffsverkehr in den Schifffahrtsstraßen, unvorhergesehene technische Ausfälle an Bord oder einfach das unberechenbare Wetter.

Diese ganze Orca-Geschichte wird in den Massenmedien tatsächlich unnötig stark für Clickbait aufgebauscht, weil jeder Vorfall natürlich eine wunderbar ungewöhnliche, reißerische Schlagzeile abgibt. Währenddessen fahren die allermeisten Yachten und Fischer Woche für Woche vollkommen problemlos durch genau dieselben Gewässer, ohne jemals auch nur eine Rückenflosse zu Gesicht zu bekommen.

Ganz objektiv und nüchtern betrachtet bleibt das Orca-Risiko ein sehr seltenes »Zusatz-Risiko« – absolut vergleichbar mit anderen Gefahren, die man als Skipper auf See ohnehin stillschweigend akzeptiert: Ein unvorhergesehener Rigg-Bruch, ein plötzlicher heftiger Squall oder ein unbeleuchteter Fischerkahn in einer stockdunklen Nacht. Es kann einen auf dem Wasser theoretisch immer und überall irgendwas erwischen, aber die reine Wahrscheinlichkeit für eine einzelne Yacht, in einer Saison tatsächlich von einer aggressiven Orca-Gruppe attackiert zu werden, ist unterm Strich doch verschwindend gering.

»Was grübelst du denn da schon wieder so ernst vor dich hin, Captain? Los, komm schon, auf ins herrlich erfrischende Wasser!« Zerrte mich Vicky mit einem Mal lachend an den Armen sozusagen direkt aus meinen philosophischen Gedanken. Und genau das wollten Britt und Demo jetzt offensichtlich auch.

»Ich komm ja schon, hetzt mich nicht so!« grinste ich breit, während wir uns im Sichtschatten unserer Felsen alle schnell nackig machten, die Klamotten auf die Handtücher warfen und laut jauchzend in die kühlen Meeresfluten des Atlantiks liefen.

Wir sind alle vier durch die Bank weg gute, trainierte Schwimmer und haben keinerlei Angst vor dem tiefen, offenen Meer weiter draußen. Erst plantschten wir wie die kleinen Kinder lachend im flachen Wasser herum und lieferten uns eine ausgiebige Wasserschlacht. Dann schwamm vor allem ich im tieferen Wasser sportlich kraulend ein gutes Stück weiter hinaus, was einfach perfekt für die allgemeine Fitness und den Kalorienverbrauch ist. 

Nicht umsonst gilt das Schwimmen bei Sportmedizinern, Krankenkassen und in unzähligen Studien als eine der gesündesten Sportarten überhaupt. Es ist ein ideales Ganzkörper-Training, das fast alle großen Muskelgruppen gleichzeitig beansprucht – die Arme, die Schultern, den gesamten Rücken, den Rumpf, die Beine und sogar die tief sitzenden, kleinen Stabilisationsmuskeln. Gleichzeitig trainiert der gleichmäßige Widerstand des Wassers gelenkschonend die Ausdauer, die Koordination, das gesamte Herz-Kreislauf-System und die Lungenfunktion.

Als dann am Abend der Sonnenuntergang um 20:54 Uhr den Himmel in ein spektakuläres Farbenmeer verwandelte, hatten wir immer noch erstaunlich milde 26 °C Lufttemperatur. Wir saßen nebeneinander auf einer Felsspitze und beobachteten das farbenfrohe, gerade an so einem schönen Strand immer auch romantische Schauspiel. Das war natürlich der ideale Moment zum Schmusen und Knutschen, was wir dann auch ausgiebig vergnügt taten. 

 

Aus Südosten wehte mittlerweile ein mäßiger, angenehm lauer Wind mit etwa 11 Knoten, und die allermeisten regulären Strandgänger waren längst in ihre Hotels oder zu den Restaurants verschwunden. Da der Strand nun fast wie leergefegt war, nutzten wir die Gunst der Stunde und konnten noch mal ziemlich frei und natürlich nackig in der erfrischenden Abendbrandung herumpurzeln und plantschen, um dann gut gelaunt und munter den ganzen Strandkram im einsetzenden Dämmerlicht zusammenzupacken.

Nach all den ausgiebigen Strandaktivitäten und dem sportlichen Schwimmen im kühlen Meer waren wir jetzt aber alle vier spürbar hungrig geworden. Zu Fuß sind es aufgrund der geografischen Gegebenheiten und durch ein paar siedelungsbedingte Umwege etwa 1,7 Kilometer Wegstrecke zurück bis zu unserem Appartement. Die Strecke schafften wir im locker in gut 20 Minuten.

Im Appartement angekommen, duschten wir uns erst mal fix den ganzen Sand und das getrocknete Meerwasser von der Haut und begannen direkt mit der Vorbereitung für ein deftiges Abendessen. Da es in der Wohnung nur ein Badezimmer gibt, waren wir dort praktisch alle gleichzeitig ungeniert nackig zugange. Was bei zwei so attraktiven Frauen von Model-Format natürlich immer ein höchst reizvoller Anblick für genießende Männeraugen ist – auch wenn ich gerade erst am Strand sozusagen alles sehen durfte, was es zu sehen gibt. grins

So locker und frei, wie wir hier ohne falsche Scham zusammenleben, amüsiert es mich immer wieder, wenn Britt trotzdem ganz instinktiv und reflexartig manchmal kurz ihre Brüste oder die Scham mit den Händen verdeckt. Daraufhin schmunzelt sie dann meist über sich selbst und macht völlig ungezwungen weiter. Doch so ein kleiner Moment verrät eben auch einiges über ihre sympathische Persönlichkeit: Tief drinnen ist sie einfach ein anständiger Typ Frau, die ihre Weiblichkeit nicht so gleichgültig cool zeigt oder gar berechnend einsetzt, wie es viele erfahrene Models in der Branche tun. Das spricht sehr für ihren geraden Charakter.

»Hey, grins nicht so süffisant männlich, du Captain, haha!« lachte sie prompt auf, vor allem über sich selbst amüsiert, und nahm die schützenden Hände fast in der gleichen Sekunde wieder weg.

Als selbstbewusste Skandinavierin ist sie es durch ihren Job ja ohnehin gewohnt, ihre Reize freizügig zu präsentieren. Aber dieser tief sitzende, natürliche Reflex steckt einfach in ihr drin. Britt ist einfach eine echte nordische Schönheit, und der meist eher ruhige Demo muss definitiv mehr innere Qualitäten besitzen, als man auf den ersten Blick sieht, sonst hätte sie sich wohl kaum auf ihn eingelassen.

 

Schon vorhin am Strand hatten wir kurz diskutiert, ob wir am Abend wieder schick ausgehen sollten, beschlossen dann jedoch einstimmig, einen ganz gemütlichen, entspannten Abend »daheim« in der Wohnung einzulegen. Es gab gutes, frisches, dunkles Brot mit gesalzener Butter, delikate portugiesische Räucherwürste und feinen Räucherfisch; perfekt ergänzt mit einer selbst gemachten, würzigen Avocadocreme, mild-scharfen Peperoni, dicken schwarzen Oliven, scharfen Jalapeños und herrlich geschmackvollen, sonnengereiften Tomaten. Dazu tranken wir einen gut gekühlten, frischen und wunderbar fruchtigen Roséwein aus der Region und reichlich Mineralwasser. Das war einfach superlecker! yummy

Als hätten wir über den Tag verteilt nicht ohnehin schon mehr als genug zum Lachen gehabt, holte Demo am späteren Abend noch ein altes Gesellschaftsspiel aus dem Schrank. Bei einer Runde »Mensch ärgere dich nicht« ist es doch  wirklich nahezu unmöglich, nicht verdammt viel zu lachen. Man kennt das ja: Man feiert sich selbst ab, wenn man mal wieder einen Gegenspieler kurz vor dem Ziel eiskalt rauskickt und an den Start zurückschicken kann, stöhnt lautstark über chronisches Würfelpech und jubelt über ein glückliches Händchen beim Werfen.

Eine ganze Zeit lang sah es im Spiel tatsächlich danach aus, als würde ich die anderen drei gnadenlos abräumen und den Sieg locker nach Hause fahren. Doch dann wendete sich das Blatt, ich fing mir eine schier endlose Serie von sehr unglücklichen Würfelzahlen ein, und meine zwei noch nicht ins sichere Ziel geretteten Spielfiguren wurden von den Mädels und Demo dauernd kurz vor knapp wieder rausgekickt, verdammt! schiefgrins

Schließlich triumphierte Britt am Tisch. Sie hatte als Erste alle vier Figuren sicher im Häuschen platziert, und ich war mit meinem finalen Spielstand am Ende sogar der am schlechtesten Platzierte von uns vieren. So läuft das eben manchmal mit dem unberechenbaren Spiel- und Würfelglück.

Natürlich fanden das die anderen drei besonders lustig, weil ich doch zu Beginn des Spiels das gesamte Feld so gespielt übertreibend arrogant dominiert hatte. Logischerweise musste ich mir nun bis zum Schlafengehen etliche, freche Sticheleien und Sprüche mit viel Wortwitz, vor allem von Vicky und Britt anhören. Das konterte ich selbstverständlich gewohnt schlagfertig, und so hatten wir vor dem Zubettgehen noch mehr zu lachen. So schlüpften wir schließlich fast immer noch lachend, zumindest aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht, in die jeweiligen Betten der Schlafzimmer.

Auch in dieser Nacht ließen wir die Schlafzimmertüren und die großen Fenster weit offenstehen, so dass die angenehm kühle, salzige Nachtluft ungehindert durch die Zimmer wehen konnte. Das hatte den großen Vorteil, dass man sich unter der dünnen Decke wunderbar sinnlich aneinander kuscheln konnte, ohne dass man nach ein paar Minuten direkt klitschenass geschwitzt Haut an Haut klebte.

Selbst um Mitternacht war die Luft draußen noch angenehm milde 22 bis 23 °C warm, so dass dieser leichte, kühlende Luftzug durch die Wohnung mehr als willkommen war. Auf eine weitere, körperlich anstrengende Liebesaktion im Bett hatten nach dem langen Tag an der Luft weder Britt und Demo in ihrem Zimmer, noch Vicky und ich wirklich Lust. Also kuschelten wir uns einfach nur wohlig müde und schön sinnlich ein bisschen aneinander, um dann im angenehmen Empfinden einer ganz leichten, wohligen Erregung langsam, glücklich und mit einem Lächeln auf den Lippen im Reich der Träume zu versinken.

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Algarve, positive Entwicklungen und Party Spaß

 

#26.06.10– Algarve, positive Entwicklungen und Party Spaß

»Hey, supi…« freute sich Vicky am frühen Morgen, als sie mit bester Laune den Salon der Nauticat betrat und mir die neuesten Nachrichten verkündete. »Es scheint ja im Moment alles noch viel besser zu laufen als erhofft.«

Nach den ganzen Sorgen wegen der Orca-Attacke und den potenziellen Schäden am Ruder war diese Erleichterung förmlich greifbar. Am Dienstag rief schon kurz nach dem Frühstück jemand vom maritimen Servicezentrum an und bestätigte uns für Donnerstag einen festen Travellift-Termin. Das war in der beginnenden Hochsaison ein echter Glücksfall. Die Zusage umfasste das volle Programm: das vorsichtige Liften der Yacht, die gründliche Reinigung des Rumpfes mit dem Hochdruckstrahler und den anschließenden Neuanstrich des gesamten Unterwasserschiffs mit frischem Antifouling.

Besonders beruhigend war die ausdrückliche Stellplatzgarantie an Land für die gesamte Dauer der Arbeiten. Falls sich bei der genaueren Inspektion an der Ruderanlage tatsächlich weitergehende, kompliziertere Reparaturarbeiten als notwendig erweisen sollten, die mehr Zeit in Anspruch nehmen, könnten wir das Boot ebenfalls problemlos auf den Docks stehen lassen. Die freundliche Stimme am Telefon bat uns, am besten schnellstmöglich im Hafenbüro vorbeizukommen, um den offiziellen Auftrag und den Vertrag zu unterzeichnen. Ein vorläufiger Kostenvoranschlag für den Lift, den Stellplatz, die Hochdruck-Strahlreinigung und den Antifouling-Anstrich lag auch schon bereit.

 

Noch während wir uns auf den Weg machten und diese Formalitäten gutgelaunt und zügig im modernen Maritimen Dienstleistungszentrum erledigten, vibrierte das Handy. Britts Partybekanntschaft Tomás meldete sich wie versprochen. Nach einem kurzen, charmanten Telefonat verabredeten wir uns für 10 Uhr im schnuckeligen, kleinen Café La Parisienne in der R. Salgueiro Maia 17A.

Das Café gilt unter Kennern als die mit Abstand beste französische Patisserie in ganz Portimão. Schon beim Betreten schlug uns dieser unwiderstehliche Duft von frisch gebackenen Croissants, feiner Vanille und frisch geröstetem Espresso entgegen. Der französische Betreiber versteht sein Handwerk meisterhaft. Es gab dort erstklassigen Kaffee und eine Auslage voller sündhaft leckerer Gebäckstücke und kunstvoller Törtchen, denen Vicky und Britt prompt nicht widerstehen konnten. Die typischen Sorgen um »oh je, meine Figur« wurden für diesen Morgen erst einmal einstimmig über Bord geworfen.

Bis zu dem Treffen schlenderten wir zunächst noch ein bisschen durch die malerischen, Gassen der Stadt, atmeten das erwachende südländische Leben ein und kamen pünktlich um 10 Uhr am Café an, wo Tomás bereits an einem der kleinen Tische im Schatten wartete. Ich muss zugeben, der Kerl machte gar keinen so schlechten Eindruck auf mich, als ich ihn das erste Mal sah. Ja, er ist definitiv etwas der verwöhnte Sohn reicher oder sehr vermögender Eltern, das merkte man an seiner Art sofort, wenn man Menschenkenntnis hat, aber er wirkte im Gespräch auch kompetent und fachlich wirklich gut drauf.


 

Der ca. 22-Jährige arbeitet im Immobilien- und Tourismusbetrieb seines Vaters fleißig mit, weiß genau, wie das Geschäft an der Küste läuft, und ist keineswegs ein oberflächlicher, hohler Angeber. Da er zu allem Überfluss auch noch verdammt gut aussieht, Geld wie Heu hat und ein tolles Auto fährt, laufen ihm die typischen Tussis hier in den Urlaubsmetropolen reihenweise hinterher. Da sagt kaum eine hübsche, junge Frau Nein zu ihm. Es ist also kein Wunder, dass so ein junger Mann ein bisschen eingebildet wird und felsenfest glaubt, dass ihm keine Frau auf dieser Welt widerstehen kann.

»Bom dia, Tomás!« begrüßten Vicky und Britt ihn gut gelaunt mit der typischen rechts/links Küsschen-Umarmung. Die beiden Frauen sparten dabei nicht mit raffiniert weiblich eingesetzten Reizen und skandinavischem Charme, was den jungen Portugiesen sichtlich ins Schwitzen brachte. »Hast du was Passendes für uns gefunden?«

Hatte er tatsächlich: und zwar ein ziemlich schickes, modernes Apartamento in erstklassiger Lage mit einer tollen Aussicht auf den geschäftigen Hafen und den glitzernden Fluss. Die Anlage verfügte sogar über einen großen Pool für alle Appartementhaus-Bewohner, der unten auf einer weitläufigen, sonnigen Terrasse angelegt war. Der nächste Sandstrand war auch nur einen knappen Kilometer entfernt und somit problemlos zu Fuß erreichbar. Die Wohnung bot mehr als genug Platz für uns vier: zwei getrennte Schlafzimmer, eine Waschmaschine, eine voll ausgestattete Küche mit Geschirrspüler und großem Kühlschrank, ein Flat-TV im gemütlich eingerichteten Wohnzimmer, ein großer Balkon mit bequemen Gartenmöbeln, ein Zimmersafe für die Dokumente und so weiter.

Zudem wies das Ganze eine deutlich hochwertigere, geschmackvollere Möblierung auf als die üblichen, oft etwas lieblos eingerichteten Standard-Ferienwohnungen für Massentouristen. Das Beste daran war der Preis: Tomás überließ uns das Objekt zu einem absolut fairen und sogar ziemlich günstigen Pauschalpreis für die erste Woche. Sollten die Arbeiten am Boot auf der Werft allerdings länger dauern, müsste er uns das Appartement für eine weitere Woche verständlicherweise zum regulären, teureren Saisontarif berechnen.

»Du bist ein Schatz, molto obrigado!« Erleichtert bekam er noch mehr herzliche Umarmungsküsschen von den beiden sexy-hübsch sommerlich und luftig gekleideten Schönen. Wir hatten mittlerweile bereits wieder herrliche 26 °C und viel Sonnenschein, der von einem lauen, angenehm kühlenden Nordwind begleitet wurde.


 

Mit einem grinsenden, aber durchaus sympathischen Gesichtsausdruck erklärte Tomás uns dann den Haken an der Sache – oder besser gesagt, seine kleine Bedingung: Für die günstige erste Woche erwartete er als Gegenleistung ein paar professionelle, sexy Werbefotos mit Vicky und Britt in den Einrichtungen des Hauses und am Pool, die er für Promotion-Zwecke auf den gängigen Online-Plattformen verwenden durfte.

Das war ein faires und geschäftsmäßig kluges Angebot, worüber die Frauen nur lachten und sich gern dazu bereit erklärten. Ähnliches machen sie, vor allem Britt, in ihren Model-Jobs ja ohnehin regelmäßig, und ich kann als professioneller, sehr erfahrener Fotograf problemlos erstklassige Bilder mit der passenden Belichtung liefern. Und während wir so gutgelaunt am Tisch plauderten, war auch beim besten Willen nicht zu übersehen, dass Tomás ziemlich fasziniert von Britts nordischer Erscheinung war. schmunzel

Wir sagten kurzentschlossen zu und unterschrieben die Papiere. Vicky meinte zwar auf dem Rückweg zum Fluss noch etwas zögerlich, dass es eine einfachere und billigere Bude für die paar Tage sicherlich auch getan hätte. Ich stimmte ihr zwar theoretisch zu, wies jedoch auch direkt darauf hin, dass ich im Urlaub oder bei Zwischenstopps schlicht keine Lust auf eine billige, schäbige Absteige habe, wenn man es sich auch nett machen kann.

»Klar, du luxusverwöhnter Nobel-Globetrotter, haha!« stichelte sie ein bisschen liebevoll in meine Richtung, doch in Wahrheit war es ihr einfach nur ein kleines bisschen unangenehm, dass ich das alles so selbstverständlich aus eigener Tasche bezahlte.

»He, Vicky, ich finds absolut geil! Halt ihn bloß nicht davon ab! Ich mag solche großzügigen Noble-Gentlemen, haha!« lachte auch Britt laut auf, kam einen Schritt auf mich zu und gab mir ein schnelles, feuchtes Küsschen auf die Backe. »Und ich schieße auf jeden Fall auch was aus eigener Tasche dazu; keine Widerrede, Steve! Ich verdiene mit meinen Model-Jobs im Moment ziemlich gut!«

 

Ja, so sind die beiden Frauen eben, was natürlich auch viel Positives über ihren geraden Charakter aussagt. Wir fackelten nicht lange und begannen sofort damit, unsere wichtigsten Privat- und Wertsachen, die teure Fotoausrüstung, Laptops sowie alle verderblichen Lebensmittel vom Boot ins Appartement zu schaffen. Wenn die Nauticat erst mal am Donnerstag aus dem Wasser gehoben ist und auf der staubigen Arbeitsfläche an Land steht, kann man sie zwar über eine lange Leiter immer noch betreten, und es gibt dort auch einen Landstromanschluss für die Kühl- und Gefrierfächer, aber das ist natürlich auf Dauer unbequem und wenig praktisch.

Beim Hochdruckreinigen des Unterwasserschiffs und durch die Schleifarbeiten an den vielen Booten drumherum entsteht ungesunder Staub und feiner Schmutz, der durch jede Ritze dringt. Außerdem sitzt die gesamte Ruderanlage im Rumpf direkt unterhalb des großen Doppelbetts in der Heckkabine. Um dort vernünftig mit den Ultraschall-Prüfgeräten oder Werkzeugen arbeiten zu können, muss man das Bett hochklappen und weitere hölzerne Verkleidungen entfernen. Da ist an gemütliches Wohnen an Bord beim besten Willen nicht zu denken.

Zu Mittag bereiteten wir uns in der sauberen, gut ausgestatteten Appartementküche ein schnelles, einfaches, aber ungemein leckeres Gericht zu. In portugiesischer Butter brieten wir knackige Tigergarnelen mit Bambus, Pilzen, knackigem Gemüse und asiatischen Nudeln an, dazu gab es eine riesige Schüssel gemischten Salat mit viel Tomaten und frischen Radieschen vom Markt. Danach gönnten wir uns noch etwas würzigen Käse auf mit frischer Aioli bestrichenem, knusprigem Baguette, sowie ein paar süße Weintrauben, frische Erdbeeren und saftige Pfirsiche als Dessert.

Nach dem Essen schafften Vicky, Britt und Demo den restlichen Kram vom Boot ins Appartement – vor allem das, was die Frauen meinten, unbedingt für ihr Wohlbefinden bei sich haben zu müssen. Ich arbeitete unterdessen online am Laptop und erledigte auf dem Sofa den üblichen, lästigen Routinekram, teils geschäftlich, teils privat. Das dauerte typischerweise an die zwei Stunden, und bis ich fertig war, hatten die anderen drei fleißig alles hergeschafft, was sie im Appartement haben wollten. Bei mittlerweile an die 30 °C Außentemperatur kamen sie ziemlich verschwitzt durch die Tür. Sie duschten sich erst mal alle nacheinander frisch, und zur Abkühlung futterten wir danach gemeinsam eine halbe, gekühlte Wassermelone auf dem Balkon.

»Habt ihr auch ganz sicher kein einziges Schönheits-Cremchen, kein Deo und kein spezielles Shampoo für jedes einzelne weibliche Körperteil an Bord vergessen?« grinste ich belustigt über den ganzen Krimskrams, den die Frauen bereits strategisch im Badezimmer verteilt und damit buchstäblich jede freie Ablagefläche vollgestellt hatten. Für Demo und mich genügte im Grunde je ein Waschlappen, ein Handtuch, eine Flasche All-in-One-Shampoo, Zahnbürste, Zahncreme, Mundwasser und der Rasierer. Aber Frauen benötigen für ein paar Tage an Land unbedingt zehn verschiedene Spezialsorten für die Haare, obere und untere Körperteile, Feuchtigkeitslotions und weiß der Geier was noch alles! lach

»Aaahhaha… ich glaube, ich habe tatsächlich noch meine ganz spezielle Spezialseife für die Popbacken an Bord vergessen!« lachte Britt lauthals mit. Daraus entwickelte sich schnell ein lustig-schlagfertiges, typisches Wortgefecht, bei dem wir Männer ausgiebig über weibliche Eigenheiten witzelten und die Frauen ebenso scharfzüngig konterten.

»Und wehe, ihr lasst hier im Bad den Klodeckel auch nur ein einziges Mal hochgeklappt, haha!« warf Vicky lachend ein und drohte mir spielerisch mit dem Zeigefinger.

Darüber immer noch breit grinsend, legten wir nach der ganzen Schlepperei eine gemütliche Liebessiesta ein und entspannten nach der eigentlichen Action faul und nackt auf dem großen Bett. Das Appartement hatte natürlich eine moderne Klimaanlage an der Wand, aber die aktivierten wir ganz bewusst nicht. Die durch die weit geöffneten Fenster hereinwehende, salzig-feuchte Luft vom Meer kühlte die Räume auch so auf ein angenehmes Maß herunter. Zudem hatten wir die Schlafzimmertüre absichtlich offengelassen, so dass die Luft in der Wohnung frei zirkulieren, hier herein und durch die anderen Fenster auf der Nordseite wieder hinausströmen konnte.

Was mich betrifft, aktiviere ich Klimaanlagen sowieso immer nur dann, wenn man es vor drückender, schwüler Hitze kaum noch aushalten kann. Ich mag dieses künstliche Klima einfach nicht und halte es zudem für ungesund, wenn der menschliche Körper ständig beim Betreten und Verlassen klimatisierter Räumlichkeiten im Sommer oder in den Tropen eine Art kleinen Klimaschock bekommt und sich permanent neu anpassen muss.

Am schlimmsten treiben das ja bekanntlich die Amis, bei denen die Innenräume im Sommer oft geradezu eiskalt heruntergekühlt sind. Da holt man sich schneller eine Erkältung, als man gucken kann, und es ist ein echter Schock für den Kreislauf, wenn man beispielsweise bei 40 °C Wüstenhitze im Sommer Arizonas nach draußen vor die Tür geht.

Das ist reine Belastung für den Organismus und zudem eine völlig dämliche Energieverschwendung. Wenn ich bei extremen Temperaturen doch mal eine Klimaanlage einschalten muss, dann kühle ich den Raum gewöhnlich nur auf angenehme 25 bis 26 °C herunter. Dann ist der Temperaturunterschied nicht so heftig, wenn man draußen an Deck oder in der Stadt etwas erledigen muss. Genau diesen Gedanken tippte ich gerade in den Laptop auf meinem Schoß, als Vicky neben mir aus ihrem leichten Schlummer erwachte, sich wie eine zufriedene Katze sinnlich reckte und sich dann neugierig zu mir herüberlehnte.

»Was schreibst du denn schon wieder für Romane…?« fragte sie verschlafen und las den Text auf dem Bildschirm mit halben Augen mit. »Aha, der Schlaumeier wieder… aber du hast vollkommen recht, Steve. Als ich mal für ein Fotoshooting in den USA war, dachte ich echt, die spinnen dort alle total! Draußen war es 38 °C heiß, und drinnen kühlten sie die Studios und Hotels überall auf 17 oder 18 °C runter. Wenn man den ganzen Tag unterwegs war und öfters rein- und rausging, war das echt jedes mal wie ein Schlag vor den Kopf. Das kann unmöglich gesund sein!«

»Siehste, mein Schmusekätzchen, der Captain hat eben immer recht, hoho!« lachte ich und tätschelte ihr zärtlich die knackigen Pobacken.

»Aye, aye, Captain, haha! Los, komm jetzt mit duschen!« Sie klappte mir ohne Vorwarnung grinsend den Laptop zu und kletterte absichtlich provokant und aufreizend über mich hinweg aus dem Bett, statt einfach bequem auf ihrer freien Seite herauszurutschen. Wir klebten natürlich beide noch ein bisschen von dem getrockneten Liebesschweiß unserer vorherigen Aktion.

 

Frisch abgeduscht wechselten wir noch geschwind die ebenfalls verschwitzte Bettwäsche unseres Liebesschlachtfelds, dann schauten wir im Wohnzimmer nach Britt und Demo. Die beiden hatten sich ebenfalls schon frischgemacht und tranken gut gelaunt auf dem großen Balkon kalten Sidra mit vielen Eiswürfeln und extra frisch aufgeschnittenen Zitronen- und Apfelfruchtscheiben. Die große Karaffe stand griffbereit im Kühlschrank, und an der bedienten wir uns nun ebenfalls ausgiebig, löschten den Durst und genossen das prickelnde, herbe Getränk im Schatten.

Britt erzählte uns beim Trinken und Rauchen, dass uns ein paar einheimische Freunde, die sie am Wochenende kennengelernt hatten, zu einer privaten Grill- und Garten-Party eingeladen hatten – komplett mit großem Tanzkeller und schmissiger Musik. Dazu hatten die drei jungen Leute offensichtlich verdammt große Lust, also wollte ich kein Spielverderber sein, schloss mich der gut gelaunten Truppe an und machte den Spaß mit.

Gegen 19:30 Uhr kamen wir an der Location an, und dort ging es bereits ziemlich hoch her. Uns empfingen laute, lebenslustige und feierwütige junge Leute, überwiegend in den Zwanzigern, etliche schöne Frauen und insgesamt bestimmt schon 30 bis 40 Gäste. Es war eine recht große, stilvolle Privatparty in und um eine hübsche, typisch portugiesische Finca herum, die nicht weit von der Küste lag und einem modernen, erfolgreichen Jungunternehmer gehörte, der noch nicht mal die 30 erreicht hatte.

Im umgebauten Disco-Tanzkeller inklusive gut bestückter Bar, dröhnten die Bässe typischerweise so ohrenbetäubend laut, dass man die Vibrationen der Musik direkt in den Knochen spüren konnte. Das war natürlich gar nichts für meine Ohren, aber zum Glück fand der weitaus größte Teil der Party ohnehin draußen im weitläufigen Garten und teilweise in den großzügigen Wohnräumen der Finca statt. Dort war die Musik wegen der Nachbarn deutlich leiser eingestellt, so dass man sich wunderbar unterhalten und die Leute kennenlernen konnte.

Überwiegend handelte es sich um clevere, gut informierte und offene junge Menschen in einer bunten, internationalen Mischung. Grob geschätzt waren vielleicht 75 % der Gäste Portugiesen, der Rest setzte sich aus Reisenden und Expats aus vielen verschiedenen Ländern zusammen. Ich schnappte mir regelmäßig kalten, fruchtigen Rose und plauderte im Laufe des Abends unter anderem mit zwei attraktiven jungen Frauen aus Deutschland, ein paar entspannten Franzosen, einem Belgier, zwei vor der Politik von Trump geflüchteten Amerikanern, einem sympathischen schwarzafrikanischen Paar und was weiß ich, woher die anderen alle stammten.

 

Alles in allem war es eine wirklich gelungene, schöne Party mit köstlichen Speisen frisch vom Grill, guten eiskalten Drinks, recht interessanten neuen Bekanntschaften, viel Lachen und auch dem einen oder anderen intelligenten Gespräch abseits des Partytrubels. Erst lange nach Mitternacht, als wir draußen immer noch knapp über 20 °C Lufttemperatur hatten, machten wir uns schließlich gut gelaunt, leicht beschwipst und wohlig müde auf den Fußweg zurück zu unserem Appartement.

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