#26.03.08-Bodensee-Region, Frühlingserwachen, Saharastaub und eine Prise Monopoly
»Och neeee…, lass mich noch ein paar Minuten…« hörte ich Irene aus ihrem Zimmer jammern, wo Laura gerade mit einer fast schon diebischen Freude versuchte, sie mit ausgiebigem Kitzeln aus den Federn zu locken.
Das bezaubernde Frechdachs-Mädel – pardon, die junge Frau – ist zwar nicht direkt das, was man einen klassischen Morgenmuffel nennt, aber wie viele junge Menschen in ihrem Alter kuschelt sie sich morgens einfach viel zu gern noch einmal tief in ihr Bett. Sie liebt dieses Gefühl, sich in die Kissen zu wühlen und den Gedanken an das frühe Aufstehen so weit wie möglich hinauszuzögern.
Außerdem hatte Irene in der vergangenen Nacht typischerweise mal wieder viel zu lange vor dem Monitor gehangen, irgendein packendes Computerspiel gezockt oder sich in endlosen Chats mit ihren Freunden verloren, sodass sie wohl tatsächlich nur wenige Stunden zum Pennen gekommen war. Jung wie sie ist, sah man es ihr nicht direkt an, aber die Müdigkeit saß ihr hörbar noch in den Knochen.
»Stell dich nicht so an, sonst ruf ich Steve zu Hilfe!« antwortete Laura mit einer amüsierten, hörbar lächelnden Stimme, die keinen Zweifel daran ließ, dass sie ihren Spaß bei dieser Weckaktion hatte. »Los jetzt… wir wollen frühstücken, und danach müssen wir noch die eine Ferienwohnung im Nachbarort bezugsfertig machen! Die Gäste warten nicht.«
»Wehe, wenn ich wirklich reinkommen muss!« rief ich drohend, aber mit einem deutlichen Lachen in der Stimme, in Richtung der offenstehenden Türe zu Irenes Zimmer. »Das würdest du garantiert bereuen, mein lieber Frechdachs!«
»Paaahaha…, das wagst du nicht!« konterte Irene prompt. Ihre Stimme klang nun schon deutlich munterer, auch wenn immer noch eine ordentliche Portion Verschlafenheit mitschwang.
»Da kennst du Steve aber wirklich schlecht!« lachte Laura mit ihr. »Der zerrt dich, nackig wie du da liegst, ohne langes Zögern aus dem Bett und stellt dich unter die eiskalte Dusche, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, haha. Er fackelt da nicht lange.«
»Glaub ich nicht…« prustete Irene in einem Tonfall, der so klang, als würde sie insgeheim fast schon darauf hoffen, dass ich genau so etwas tue. Ganz einfach schon deshalb, weil so ein spielerischer Quatsch in ihren Augen voll lustig ist und sie garantiert sofort putzmunter machen würde. Gerade Girls und junge Frauen lieben solch kribbelnden Blödsinn oft viel mehr, als sie offen zugeben würden. Irene ist ohnehin absolut der verspielt-kecke Typ, jederzeit zu jedem Unfug aufgelegt und in ihrem tiefsten Wesenskern auch heute noch viel lieber ein bisschen das verspielte Girl, statt eine erwachsene Frau.
Ich gluckste leise vor mich hin: »Hab ich da gerade was von nackig gehört? Also das darf ich mir als Mann natürlich auf keinen Fall entgehen lassen, hoho!« Wenn man kein sturer, alter Bock ist, macht so ein spielerischer Blödsinn natürlich auch mir riesigen Spaß. Insbesondere in der Gesellschaft von zwei so hübschen, netten und noch so herrlich verspielt lieb-frechen Frauen wie Irene und Laura kann man gar nicht anders, als mitzuspielen. Also tat ich vergnügt so, als wolle ich wie ein wütender Stier in Irenes Zimmer stürmen, um sie mit meinen Bärenkräften einfach aus dem Bett zu heben und unter die eiskalt aufgedrehte Dusche zu schubsen. Ich machte extra schwere Schritte auf dem Fußboden, um die Drohung akustisch zu untermalen.
»Aaaahhihi… ich steh ja schon freiwillig auf; wag es ja nicht, Steve, haha!« prustete Irene prompt begeistert. Sie sprang wie das sprichwörtliche flinke Reh blitzschnell aus dem Bett und lief mit entzückend hüpfenden Brüsten und Pobacken direkt ins angrenzende Bad. Natürlich, wie könnte es bei der Frechen auch anders sein, nicht ohne mir im Vorbeilaufen noch einen extra schelmisch-provokanten Blick aus ihren vor Lebenslust nur so funkelnden Augen zuzuwerfen; wohl wissend wie entzückend sie ist und auf das andere Geschlecht wirkt.
Lachend gingen Laura und ich zurück in die gemütliche Wohnküche und bereiteten dort das Frühstück vor. Der Duft von frischem Kaffee erfüllte bereits den Raum. Es gab dunkles, krustiges Bauernbrot vom lokalen Bäcker, gesalzene Butter und köstlich geräucherten Stremel-Lachs, der herrlich duftete. Laura stibitzte sich schon vorab einen Happen von der würzigen Salami und kaute genüsslich darauf herum, während ich den Tisch mit Sorgfalt deckte.
Außerdem gab es saftigen Kochschinken, knackig eingelegte Gurken und Mixed-Pickles, Oliven, Peperoni, scharfe Jalapenos für den morgendlichen Kick und natürlich auch eine Auswahl an würzigem Käse sowie frisches Obst. Es war alles genau so hergerichtet, wie ich es liebe und wie auch die Girls gern kräftig-würzig futtern. Ich aß als erste kleine Grundlage schon mal eine Banane und trank dazu meinen geliebten, ersten morgendlichen Café-Crema, nachdem alles aufgetischt war. Eine ebenfalls geliebte Morgenzigarette schmauchte ich mit dem Kaffee draußen auf dem Balkon, an der noch herrlich frischen, munter machenden Morgenluft, bevor wir uns schließlich alle gemeinsam am Frühstückstisch versammelten. Der Blick über das glitzernde Wasser des Sees war dabei die perfekte Beilage.
Nach wenigen Minuten erschien dann auch schon eine kurz frisch geduschte Irene. Sie war nur nachlässig in einen hellen Bademantel gewickelt, der bei jeder Bewegung mehr preisgab, als er verbarg, während Laura und ich bereits komplett fertig angezogen waren. Vergnügt plaudernd, scherzend und lachend stärkten wir uns gemeinsam für den anstehenden Tag. Ich staunte dabei mal wieder ein bisschen darüber, wie viel die zwei sehr schlanken, jungen Frauen mit gesundem Appetit verputzen konnten, ohne auch nur ein einziges Gramm Fett anzusetzen. Beide machen allerdings auch viel Gymnastik, gehen regelmäßig Joggen und tun einiges dafür, um sich so gut in Form zu halten – und in diesem beneidenswerten Alter werden die meisten ja ohnehin nicht so schnell dick, der Stoffwechsel läuft da noch auf Hochtouren.
Wer mich heute sieht, zwar athletisch gut trainiert und fit, aber mit fast 190 cm Körpergröße und stolzen 94 kg Gewicht eben auch nicht gerade ein als schlank zu bezeichnender Bär von Mann, der wird wohl kaum glauben, dass ich als junger Bursche tatsächlich den Spitznamen Spargeltarzan trug. Dementsprechend hager sah ich damals aus und konnte ebenfalls essen, was ich wollte, ohne jemals großartig an Masse zuzulegen. Heutzutage fällt mir das erheblich schwerer. Ich muss mich wirklich disziplinieren und anstrengen, um bei all den kulinarischen Köstlichkeiten, die ich viel zu gern genieße, nicht zu viele Kilogramm auf die Waage zu bringen. Man wird im Alter eben doch etwas gemütlicher, was die Verbrennung angeht. seufz
Delikat gesättigt räumten wir geschwind das Geschirr ab und genossen auf der Balkon-Terrasse noch einen weiteren frischen Kaffee im herrlichen Frühlings-Sonnenschein, der durch die Bäume blinzelte. Ich paffte zu meinem Café-Crema genüsslich zwei weitere Zigaretten, während die Hübschen ihre Lattes mit verschiedenen Aroma-Beimischungen tranken. Dem süßlichen Duft nach zu urteilen, war heute wohl Karamell und Vanille im Spiel. Mit etwa 9 °C war es zwar noch recht frisch, aber die Sonnenstrahlen wärmten bereits erstaunlich kräftig und die Temperatur stieg schnell an. In der Luft spürte man bereits ganz deutlich den nahenden, unaufhaltsamen Frühling.
In der Bodensee-Region läuft der meteorologische Frühling ja offiziell bereits seit dem 1. März. Astronomisch beziehungsweise kalendarisch fängt er hingegen erst ab dem 20. März an, und phänologisch gesehen gilt die Mitte des Monats März als der eigentliche Beginn des Erwachens in der Natur. Aber natürlich ist das Wetter hier am See immer extrem abhängig von den aktuellen Wetterlagen, zum Beispiel wenn der Föhn aus dem Süden über die Alpen drückt, oder bei West- sowie Nordostwind-Lagen. Es läuft eben nicht jedes Jahr gleich ab. Dieses Jahr scheint der Frühling jedoch schon besonders früh loszulegen. Man sieht überall in den Gärten und an den Hängen bereits vereinzelt das erste, frische Grün sprießen, was uns selbstverständlich freute. Es gibt dem Geist sofort wieder neue Energie.
Dann machten sich die beiden jungen Frauen endgültig fertig für den Aufbruch. Sie fuhren, wie immer unvermeidlich nicht ohne viel scherzhaftes Kichern, Tuscheln und Lachen, mit einem schnuckeligen Vespa-Roller los. Ihr Ziel war eine etwa 12 km westlich gelegene Ferienwohnung, die Jörgs Onkel gehört. Dort werden heute neue Gäste erwartet, die ihren Urlaub am See verbringen wollen. Also wurde nach einer vorab georderten Wunschliste bereits einiges für diese eingekauft. Zudem hieß es nun noch einmal gründlich Staubwischen, die technischen Geräte kontrollieren, um sicherzugehen, dass auch wirklich alles einwandfrei funktioniert, und schließlich noch ein paar liebevolle Kleinigkeiten zum Empfang der Urlauber vorbereiten. Es ist dieses Auge fürs Detail, das den Onkel wohl so erfolgreich macht.
Digitale Routinen und kulinarische Verführungen
Nachdem die beiden Frauen mit der Vespa davongeknattert waren und die Stille des Sees wieder die Oberhand gewonnen hatte, machte ich mich zunächst auf zu einem ausgiebigen Spaziergang. Es ist eine meiner festen Gewohnheiten, wann immer möglich den Tag mit Bewegung an der frischen Luft zu beginnen, um den Kopf frei zu bekommen und die Gedanken zu ordnen, bevor ich mich der digitalen Welt widme. Der Weg führte mich am Ufer entlang, wo das Wasser in einem kühlen Blau schimmerte und die Welt noch diesen friedlichen, fast schon verschlafenen Charakter der Nebensaison atmete.
Wieder zurück im Haus, setzte ich mich an meinen Laptop. Es stand die übliche Routine an, die das Leben eines modernen Nomaden nun einmal mit sich bringt: E-Mails beantworten, die aktuellen Börsenkurse prüfen und die Nachrichtenlage sondieren. Auf den ersten Blick wirkt das alles oft nicht sonderlich wichtig oder gar dringend, aber es gehört zu den Aufgaben, die man einfach regelmäßig erledigen muss, um nicht den Anschluss zu verlieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man diesen digitalen Ballast auf keinen Fall mehrere Tage liegen lassen darf. Tut man es doch, häuft sich der Kram unweigerlich an, bis der Berg so groß wird, dass man am Ende jegliche Lust verliert, sich überhaupt noch damit zu befassen.
In meinem Fall bedeutet das konkret, dass ich im Schnitt etwa 120 E-Mails pro Tag erhalte. Glücklicherweise leistet mein gepflegter Spam-Filter hervorragende Arbeit und sortiert rund 80 % dieses elektronischen Mülls bereits im Vorfeld aus. Trotzdem bleibt die lästige Pflicht, auch den Junk-Ordner zumindest kurz zu überfliegen, bevor man ihn endgültig löscht. Es passiert eben doch hin und wieder, dass sich eine tatsächlich wichtige Nachricht fälschlicherweise dorthin verirrt.
Hinzu kommen die ständigen Benachrichtigungen über WhatsApp, klassische SMS und diverse Videobotschaften. Es gibt Informationen, die man im Hinterkopf behalten muss, Termine, die in die Kalenderliste wandern, und natürlich die unvermeidlichen geschäftlichen wie privaten Telefonate. Selbst wenn ich diese Aufgaben routiniert und zügig abarbeite, frisst dieser Prozess jeden Tag Zeit. Es ist selten möglich, alles in unter zwei Stunden sauber über die Bühne zu bringen, auch wenn keine wirklich komplexen Probleme anstehen. Das ist eben der Fluch und der Segen der modernen Technik in unserer heutigen Zeit.
Gegen 11:20 Uhr hörte ich die knatternde Vespa vorfahren. Laura kam allein zurück. Wie sie mir erzählte, hatte sie Irene unterwegs bei Freunden abgesetzt. Der Frechdachs wollte dort bis zum späteren Nachmittag bleiben, um gemeinsam irgendetwas typisches für junge Leute zu unternehmen oder einfach in der Freundes-Clique zu schwätzen. Ihr Bruder Jörg würde ohnehin erst am frühen Abend aus Freiburg eintreffen, sodass wir noch genügend Zeit für uns hatten, bevor der große Empfang anstand.
Obwohl ich Jörg zu diesem Zeitpunkt noch nicht persönlich kennengelernt hatte, war mir durch Lauras Schilderungen bereits klar, dass zwischen ihm und Irene eine ganz besondere, tief verwurzelte Geschwisterbeziehung bestehen musste. Laura berichtete mir, dass Irene ihren großen Bruder aufrichtig bewundert. Er war für sie immer derjenige gewesen, der sie unterstützt und sie mit einer schützenden Hand vor den Unwägbarkeiten des Lebens bewahrt hat. Die beiden stammen aus einem winzigen Heimatdorf mit kaum 150 Seelen. Die Eltern dort scheinen zwar rechtschaffene Leute zu sein, die viel für ihre Kinder getan haben, doch in ihrer Weltanschauung sind sie eher in traditionellen, fast schon archaischen Strukturen verhaftet.
Man könnte sie als typische Vertreter einer schwäbischen Dorfgemeinschaft bezeichnen, in der das Motto »Schaffe, schaffe, Häusle baue« über allem steht. Für die Lebenswelt, die visionären Ideen und die Sehnsüchte moderner, cleverer junger Menschen haben sie nur wenig Verständnis. Besonders deutlich wurde dieser Kontrast bei Jörg, einem außergewöhnlich talentierten Computer-Programmierer, und bei Irene, dem lebenslustigen und abenteuerhungrigen Frechdachs. Wenn es rein nach dem Willen der Eltern gegangen wäre, hätte der Sohn wohl einfach den väterlichen Betrieb übernommen. Für Irene sahen die elterlichen Pläne vor, sie möglichst bald an einen finanziell gut situierten Bauern aus der Nachbarschaft zu verheiraten, um sie in der Rolle eines klassischen schwäbischen Hausmütterchens zu sehen.
Dass ihre Kinder stattdessen anderes im Sinn hatten und hinaus in die große, weite Welt wollen, behagt den Eltern zwar nicht sonderlich, aber immerhin waren sie klug genug, ihnen keine Steine in den Weg zu legen. Sie akzeptierten letztlich den völlig anderen Lebensweg ihres Nachwuchses. Für einen fähigen und cleveren jungen Mann wie Jörg war dieser Ausbruch aus dem Dorfmilieu wohl nicht allzu schwer. Doch für ein so liebenswert süßes Dorf-Mädel wie Irene, mit ihrer noch sehr vertrauensvoll-naiven Art, wäre der Weg ohne einen schützenden Bruder an ihrer Seite garantiert deutlich steiniger verlaufen. Es ist also kein Wunder, dass sie Jörg so sehr verehrt.
»Herrliches Wetter draußen«, unterbrach Laura meine Gedanken, während sie mich mit einem ganz bestimmten Blick anblinzelte. »Ich mach mich kurz frisch, dann essen wir gemeinsam zu Mittag und danach können wir einen kleinen Ausflug machen, oder hast du noch etwas zu erledigen?«. Während sie das sagte, zog sie sich keineswegs nur um. Sie begann vielmehr damit, sich erst einmal auszuziehen, was meine genießenden Männeraugen natürlich mit höchst entzückenden Anblicken erfreute.
»Nein, ich bin für heute mit meiner Arbeit fertig«, antwortete ich schmunzelnd und ließ meinen Blick bewundernd über ihre Formen gleiten. »Das klingt nach einem absolut hervorragenden Plan… hey, bleib bitte genau so stehen, das muss ich einfach fotografieren!«. Ich schnappte mir sofort meine Kamera, denn Laura posiert mir natürlich auch gern als Model. Doch ihre Blicke verrieten mir sehr deutlich, dass sie gerade nicht nur rein künstlerisch betrachtet und abgelichtet werden wollte. Es lag etwas anderes in der Luft. grins.
Ich muss schon sagen, diese sozusagen wieder aufgewärmte, zweite Affäre mit Laura fühlt sich fast noch intensiver und besser an als unsere erste gemeinsame Zeit damals in Litauen. Als wir uns in Wien als Freunde wiedertrafen, hatte ich eigentlich nicht ernsthaft damit gerechnet, dass es erneut zu einer solchen Nähe kommen würde. Doch es dauerte keine 36 Stunden, bis wir feststellen mussten, dass wir einfach nicht die Finger voneinander lassen konnten. Nun stecken wir wieder mittendrin in einer wirklich schönen Affäre. Eine echte Beziehung will ich es zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch nicht nennen, aber die gegenseitige Anziehung ist zweifellos stark.
Wieder einmal fragte ich mich kurz, bevor ich mich ihrer liebreizenden Verlockung voll und ganz hingab, weshalb ausgerechnet ich so oft dieses unglaubliche Glück habe, auf so bezaubernde junge Frauen zu treffen. Trotz all meiner Lebenserfahrung und meiner intellektuellen Fähigkeiten, habe ich bis heute keine wirklich schlüssige Erklärung für dieses Phänomen gefunden.
Wäre es immer nur prosaischer Sex und eine rein körperliche Verführung meinerseits, könnte man es unter der Kategorie abenteuerlustige junge Frauen verbuchen, die Erfahrungen mit älteren Gentlemen sammeln wollen. Aber so einfach ist es eben nicht. Es ist definitiv immer mehr als »nur« körperliche Intimität. Fast jedes Mal schwingt eine ordentliche Portion Gefühl, Herz und Seele mit. Es handelt sich vielmehr um echte Liebes-Affären, und genau das macht die Sache so unendlich viel schöner. Auch zwischen Laura und mir hat es eindeutig gefunkt. Wir mögen und respektieren uns als Menschen aufrichtig und teilen weit mehr als nur das Bett.
»Das Mittagessen müssen wir auf später verschieben, hoho«, gluckste ich etwa anderthalb Stunden später. Wir lagen noch eng beieinander und schnappten nach der körperlichen Anstrengung schwer atmend nach Luft. Wie aufs Stichwort knurrte in der plötzlichen Stille mein Magen so laut, dass wir beide lauthals lachen mussten.
»Der Brummelbär braucht wohl dringend Futter, sonst hat er bald keine Kraft mehr für mich, haha!« neckte mich Laura und kuschelte ihren schlanken Körper noch einmal eng an meine Seite. Wir schmusten noch eine Weile ganz verspielt, lachten über Belanglosigkeiten und genossen den Moment, bevor wir uns schließlich aufrafften.
Nachdem wir beide frisch geduscht und wieder munter waren, ging es in die Küche. Während ich mir draußen noch eine Zigarette gönnte, legte Laura drinnen bereits mit den Vorbereitungen los. Danach bereiteten wir gemeinsam ein Mittagessen zu, das zwar simpel klang, aber geschmacklich ein echtes Highlight war:
Zuerst gab es Garnelen im knusprigen Backteig als feine Vorspeise. Als Hauptgang folgten saftige Cordon Bleus, dazu knackiges Pfannengemüse und goldbraun gebratene Bratkartoffeln. Ein großer, gemischter Salat mit vielen frischen Tomaten durfte natürlich auch nicht fehlen. Den krönenden Abschluss bildete ein fruchtig-frischer Obstsalat, den wir mit einer Handvoll Rosinen und einem dezenten Schuss Cognac für das besondere Aroma verfeinert hatten. Sehr lecker! yummy!.
Nachdem wir fertig waren, räumten wir geschwind den Tisch ab, wischten über die Arbeitsflächen und verstauten das schmutzige Geschirr in der Spülmaschine. Ein kurzer Druck auf den Startknopf, und schon waren wir bereit für den Rest des Tages. Inzwischen war das Thermometer auf angenehme fast 16 °C geklettert. Doch am Himmel zeigten sich nun viele Wolkenschleier, und ein merkwürdiger, gelblicher Dunst lag schwer in der Luft. Den Wetternachrichten zufolge handelte es sich dabei um den angekündigten Saharastaub, der die Sonne filterte und die Farben der Landschaft etwas dämpfte. Trotzdem war die Luft mild, und wir genossen die typischen, malerischen Ansichten am Nordufer des Bodensees in vollen Zügen.
Von geschichtlichen Wurzeln, Grenzgängen und weinroten Klassikern
Während wir so dahinwanderten und den Blick über die weite Wasserfläche gleiten ließen, die heute durch den Saharastaub in ein seltsam diffuses, fast schon mystisches Licht getaucht war, blieb Laura plötzlich stehen. Sie sah mich mit diesem neugierigen, fast noch etwas kindlichen Forscherdrang an, den ich so an ihr schätze. »Sag mal, Steve, du weißt doch sonst immer alles… weshalb heißt der Bodensee eigentlich Bodensee? Hat das was mit dem Seeboden zu tun?«
Ich muss gestehen, sie erwischte mich eiskalt. Ich hatte zwar eine vage Ahnung, aber kein fundiertes Wissen parat. Also zückten wir unsere Smartphones und befragten die digitale Orakel-Welt in Form von Grok. Die Erklärung, die wir serviert bekamen, war so faszinierend wie überraschend: Der Name hat rein gar nichts mit dem Wort »Boden« im Sinne von Erdboden oder dem Grund des Sees zu tun – ein Irrtum, dem ich, wie wohl die meisten Menschen, bisher auch aufgesessen war. Stattdessen leitet sich der Name von dem heute eher beschaulichen Ort Bodman ab, der am nordwestlichen Ende des Überlinger Sees liegt.
Wir vertieften uns in die Geschichte: Im frühen Mittelalter, so um das 8. Jahrhundert herum, stand dort eine bedeutende fränkische Königspfalz namens Bodomo oder Bodman. Mächtige Herrscher wie Pippin der Jüngere nutzten diesen Ort als temporäre Residenz auf ihren Reisen durch das Reich. In der lateinischen Gelehrtensprache jener Zeit wurde der See daher als Lacus Potamicus oder Lacus Bodamicus bezeichnet – was schlicht »See bei Bodman« bedeutete.
Über die Jahrhunderte schliff sich das im Althochdeutschen über Formen wie podmensê zu unserem heutigen Bodensee ab. Erst um das Jahr 1087 tauchte der Name Bodinse oder Bodemse erstmals in deutschen Dokumenten auf. Dass der Ortsname Bodman selbst auf das Wort »bodam« zurückgeht, was eine Ebene oder flaches Gelände beschreibt, ist zwar richtig, aber der See wurde eben nach dem Ort benannt, nicht nach seiner geografischen Beschaffenheit.
Besonders amüsant fanden wir den internationalen Vergleich. Während wir im deutschsprachigen Raum vom Bodensee sprechen, kennt ihn der Rest der Welt fast ausschließlich als »Lake Constance«. Dieser Name setzte sich vor allem nach dem berühmten Konzil von Konstanz im 15. Jahrhundert durch, welches die Stadt weltberühmt machte. Ein klassisches Beispiel dafür, wie lokaler geschichtlicher Stolz auf eine global bekannte Stadt trifft.
Doch nicht nur der Name ist kurios, auch die Grenzen sind es. Wir erfuhren, dass der Bodensee völkerrechtlich ein echtes Unikum darstellt. Es gibt auf dem Großteil des Sees, dem sogenannten Obersee, keine offiziell festgelegte Staatsgrenze zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. Während im Untersee alles klar geregelt ist, betrachten die Anrainerstaaten den Obersee als eine Art gemeinsames Hoheitsgebiet, ein Kondominium. Wenn man dort also mit einem Boot über das Wasser gleitet, befindet man sich rechtlich gesehen in einer Art friedlichem Freiraum – man ist gleichzeitig überall und nirgendwo. Ein schöner Gedanke in einer Welt, die sonst so von harten Grenzen besessen ist.
»Haha, diese ausführlichen Erklärungen klingen verdächtig nach einer Mischung aus Grok und deinem ganz persönlichen Steve-Stil«, amüsierte sich Laura köstlich über mein frisch präsentiertes Wissen.
»He, was soll das denn heißen? Komme ich etwa wieder ein bisschen oberlehrerhaft rüber?« fragte ich mit einem gespielten Schmollmund und einem breiten Grinsen, weil mir das Freunde oft gern vorwerfen.
»Ach was, nur ein klitzekleines bisschen schlaumeierhaft, hihi«, kicherte sie verschmitzt und streichelte mir dabei fast schon entschuldigend über den Arm. »Aber ich mag das an dir. Du hast eben auf jede simple Frage eine vielschichtige und viel zu ausführliche Antwort parat. Das gehört einfach zu dir.«
»Na warte, warum erlaube ich euch eigentlich so viel Frechheit mir gegenüber?« lachte ich und zog sie näher an mich heran.
»Weil du freche, aber liebe Girls eben einfach liebst, gib es zu!« Sie genoss es sichtlich, von mir in den Arm genommen zu werden. Ich beugte sie spielerisch so weit zurück, dass sie ohne meinen festen Griff unweigerlich den Halt verloren hätte, und gab ihr einen langen, leidenschaftlichen Kuss.
»Huuuch…, hihi, nicht so stürmisch, Herr Bär!« prustete sie, als ich sie wieder aufrichtete. Genau in diesem Moment raschelte es in den Weinreben direkt neben uns. Zuerst tauchte eine feuchte, schwarze Hundeschnauze aus dem grünen Gebüsch am Wegesrand auf, kurz darauf gefolgt von einem vielleicht zehnjährigen Mädchen mit hellwachen, neugierigen Augen. Sie starrte uns so unverblümt an, wie es eben nur Kinder tun können, und fragte schließlich mit einem unterdrückten Kichern: »Knutscht ihr etwa?«
Der Hund bellte dazu, als wollte er ihr zustimmen, und Laura und ich konnten nicht anders, als laut loszulachen. »Klar knutschen wir! Das ist was sehr Schönes, das wirst du später auch noch feststellen, hoho!« antwortete ich dem Mädel mit einem Augenzwinkern. Laura kniete sich sofort nieder und kraulte dem begeisterten Hund ausgiebig die Ohren.
Kurz darauf erschien auch die Mutter des Mädchens auf dem Weg. Sie lächelte entschuldigend, als sie die Szene sah, besonders als ihre Tochter mit kindlicher Überzeugung nachschob: »Pah, Jungs sind doof!«
Wir kamen mit der Mutter ins Gespräch, während wir ein Stück des Weges gemeinsam oberhalb des Sees weiterwanderten. Sie ist eine wirklich attraktive Frau, vielleicht Ende zwanzig, auch wenn sie deutlich jünger wirkte – eher wie höchstens Mitte zwanzig. Sie ist hochgewachsen und besitzt eine Figur, die einem Model zur Ehre gereicht hätte. Was mich jedoch mehr beeindruckte als ihr Äußeres, war ihre Art. Sie war klug, kunstinteressiert und wirkte sehr reflektiert. Wir plauderten fast eine Stunde lang über Gott und die Welt, über die Schönheit der Region und das Aufwachsen von Kindern in der heutigen Zeit, bevor wir uns an einer Weggabelung verabschiedeten.
Es war bereits spät am Nachmittag, als wir nach unserem insgesamt wohl 15 Kilometer langen Marsch wieder am Ferienhaus ankamen. Die Sonne neigte sich dem Horizont entgegen und tauchte den See in ein warmes Orange, das durch den Saharastaub fast schon unnatürlich intensiv wirkte. Irene war bereits zurück und wartete gespannt auf die Ankunft ihres Bruders. Er hatte kurz zuvor angerufen und angekündigt, dass es etwas später werden würde, da er noch bei seinem Onkel vorbeigeschaut hatte. Dabei erfuhren wir auch, dass der Onkel uns alle für den nächsten Tag zu einer großen Grill- und Gartenparty eingeladen hatte. Irene schwärmte in den höchsten Tönen von ihm – er sei ein großzügiger, lebenslustiger Patron, der den jungen Leuten diese luxuriöse Unterkunft überhaupt erst ermöglichte.
Es war kurz nach 20 Uhr, als wir das mir vertraute Nageln eines alten Dieselmotors hörten. Ein weinroter Mercedes 190 D rollte in die Einfahrt – ein echtes Liebhaberstück aus den Achtzigern. Ich musste schmunzeln, denn genau so ein Modell in exakt dieser Farbe hatte ich in meinen jüngeren Jahren auch einmal besessen. Trotz seiner stolzen gut 40 Jahre und dem Ruf als unkaputtbarer »Wanderdüne« sah der Wagen aus wie aus dem Ei gepellt.
Jörg entpuppte sich beim ersten Kennenlernen als ein sympathischer, wenn auch sichtlich etwas zu selbstbewusster junger Mann. Man merkte ihm sofort an, dass er in seinem Bereich – der Programmierung und Elektronik – ein echter Profi war. Dass er in seiner aktuellen Lebensphase vielleicht ein Stück zu sehr von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt war, verbuchte ich unter jugendlichem Elan und typischer Selbstüberschätzung dieser Lebensphase; das Leben schleift solche Kanten mit der Zeit ganz von allein ab. Besonders schön zu beobachten war die tiefe Zuneigung zwischen ihm und seiner Schwester Irene. Er nahm ihre frechen Sticheleien mit einer Gelassenheit hin, die mir imponierte.
Den restlichen Abend verbrachten wir in einer fast schon familiären Atmosphäre bei exzellentem Wein. Die Stimmung war gelöst, und mit jedem Schluck wurde das Lachen lauter. Schließlich war es natürlich wieder der Frechdachs Irene, die mit einem schelmischen Grinsen vorschlug, eine Runde Monopoly für Erwachsene zu spielen. Die Regeln waren denkbar einfach: Man konnte fehlendes Spielgeld durch Kleidungsstücke und lustig-sinnlich-freche Aktionen ersetzen. Ein Spiel, für das wir eigentlich alle, vor allem ich, längst zu alt und vernünftig sein sollten, aber die Dynamik der Gruppe und Irenes sprühende Energie rissen uns einfach mit.
Es wurde ein unglaublich lustiger Abend, der fast schon Züge eines improvisierten Theaterstücks annahm. Die Würfel klapperten unaufhörlich über die glatte Oberfläche des Monopoly-Spielbretts, untermalt vom feinen Klingen unserer Weingläser und dem gelegentlichen Zischen, wenn ich mir eine weitere Zigarette anzündete, die ich in kleinen Pausen am Fenster rauchte, um die anderen nicht mit Zigarettenqualm zu belästigen. Irene entpuppte sich dabei als schauspielerisches Naturtalent, das ich in dieser Intensität und Spielfreude nicht erwartet hätte.
Es war faszinierend zu beobachten, wie sie mit einer geradezu diebischen Freude ihren ganzen Charme und ihre komödiantische Ader in die Waagschale warf, nur um uns beim harten Feilschen um die Schlossallee oder den Kurfürstendamm zu übervorteilen. Mal setzte sie diesen unwiderstehlichen, fast schon mitleiderregenden Hundeblick auf, bei dem man ihr am liebsten alle Bahnhöfe der Welt geschenkt hätte, nur um im nächsten Moment mit einem triumphierenden Blitzen in den dunklen Augen die Miete einzutreiben.
Doch bei all dem legte sie es eindeutig auch voll darauf an, möglichst schnell ihre Kleider im Tausch für Spielgeld oder als Verhandlungsmasse abzulegen, damit sie mit ihrer natürlichen Nacktheit bezaubern konnte. Eindeutig empfand sie es als herrlich kribbelnd, meine männlich bewundernden Blicke auf ihren knackig jungen, sehr schlanken Formen regelrecht zu spüren und einfach auf weibliche Art zu gefallen. Feministinnen oder sonst wie scheinheilig verlogene Frauen mögen es verleugnen, doch die simple Wahrheit ist: die meisten Girls und Frauen wollen auch mit ihren äußerlichen Reizen gefallen und empfinden es als kribbelndes Kompliment, bewundernde, begehrliche Männerblicke auf sich zu spüren. Zumindest bei Typen, die sie mögen und solange es keine schweinischen Blicke einer bestimmten Männersorte sind.
Besonders amüsant wurde es durch die Sonderregeln für Erwachsene, die der Frechdachs mit einer spielerischen Leichtigkeit vorgeschlagen hatte. Die Option, Kleidungsstücke gegen Spielgeld einzusetzen, verlieh dem Ganzen eine herrlich prickelnde Note, ohne dass es jemals ins Plumpe abrutschte. Irene genoss es sichtlich, uns mit ihren strategischen Angeboten in die Enge zu treiben, während Jörg versuchte, mit kühler Programmierer-Logik dagegenzuhalten – meist vergeblich gegen die geballte weibliche Intuition und den Charme seiner Schwester, aber auch Laura. Letztere ist älter, reifer und erheblich intellektueller als Irene, jedoch im Grunde ihres Wesens ein ähnlich verspiel-kokettes Weibchen. Wir lachten so viel, dass mir zwischendurch fast die Puste ausging, und der Wein sorgte dafür, dass die Hemmschwellen und die Ernsthaftigkeit des Alltags in weite Ferne rückten.
Während ich sie so beobachtete – wie sie dort saß, die Haare vom eifrigen Nachdenken über den nächsten Spielzug leicht zerzaust, die Wangen vom Wein und vom vielen Lachen gesund gerötet, völlig ungeniert bezaubernd nackig –, kehrte dieser eine, fast schon väterliche Beschützer-Gedanke in mein Bewusstsein zurück. Es ist dieser ganz spezielle, unwiderstehliche Zauber, den Menschen wie Irene ausstrahlen, ohne dass sie es selbst merken oder gar bewusst steuern könnten. Sie kehrt ihr Innerstes vollkommen unbekümmert und ehrlich nach außen, sie spielt keine Rolle, sie trägt keine der Masken, die man sich im Laufe des Lebens zum Schutz meist unbewusst aneignet. Sie ist in diesen Momenten vollkommen unverstellt, authentisch und voller Vertrauen in die Güte der Welt um sie herum.
Doch genau diese wunderbare Art, dieses rückhaltlose Offensein und das Fehlen jeglicher defensiver Barrieren, macht junge Frechdachs-Frauen ihrer Art in unserer oft so rauen, berechnenden und bisweilen leider auch grausamen Welt so verdammt verletzlich. In meinem Kopf blitzten unwillkürlich Bilder aus meiner aktiven Zeit als Fotograf in Paris auf.
Ich sah die hell erleuchteten Studios der Mode-Metropole vor mir, aber auch die dunklen, kalten Ecken hinter den glitzernden Kulissen. Ich erinnerte mich an die Gesichter von all den Mädchen, die mit denselben Träumen, derselben Hoffnung und genau derselben Unschuld wie Irene in die Metropolen dieser Welt gekommen waren. Allzu oft habe ich aus nächster Nähe erlebt, wie dieses naive Vertrauen schamlos missbraucht wurde. In einer Branche, die Schönheit oft nur als schnelllebige Ware betrachtet, wird solch eine meist bildhübsche Unschuld, es sind ja Models, schnell zur Zielscheibe für jene männlichen Raubtiere, die nur ihren eigenen, meist dunklen Vorteil suchen.
Es sind jene Männer – und oft leider auch abgebrühte Frauen im Hintergrund –, die nicht auf der Suche nach echter menschlicher Begegnung oder gar einem schön amourösen Abenteuer auf Augenhöhe sind. Sie betrachten die Jungmodels lediglich als austauschbare Sexobjekte zum Benutzen, als Trophäen für ihr eigenes Ego, um sie danach, wenn der erste Glanz verflogen ist, ohne mit der Wimper zu zucken auszutauschen. Wenn die Girls das begreifen, wenn der Schleier der Naivität zerreißt, ist es gewöhnlich längst viel zu spät. Die Narben auf der Seele heilen nur langsam, wenn überhaupt, und das einstige Leuchten in den Augen erlischt leider oft für immer.
Ich seufzte innerlich und nahm einen tiefen Schluck aus meinem Weinglas, während ich den Rauch meiner Zigarette nachdenklich aus dem Fenster blies. Ich weiß natürlich, dass auch das eine oder andere Girl, junge Frauen und angehende Models, zumindest gelegentlich meine Texte lesen. Vielleicht, so hoffe ich zumindest, bringen meine Schilderungen die eine oder andere dazu, kurz innezuhalten, ein bisschen nachzudenken und eine gesunde Portion Vorsicht und Skepsis walten zu lassen, wenn Angebote zu verlockend klingen.
Doch gleichzeitig ist mir vollkommen bewusst – und ich verstehe es sogar nur zu gut –, dass sich junge Menschen in diesem Alter nur ungern etwas von Älteren wie mir sagen lassen wollen. Ratschläge werden in der Sturm-und-Drang-Phase oft als lästige Bevormundung oder gar als Angriff auf die eigene Freiheit missverstanden. Mahnungen lösen bei jungen, temperamentvollen Charakteren allzu oft genau das Gegenteil aus: Trotzreaktionen, die sie erst recht neugierig machen und sie manchmal direkt in jene Situationen treiben, vor denen man sie eigentlich so dringend warnen und beschützen wollte. Man will seine eigenen Erfahrungen machen, man will sich die Finger selbst verbrennen, um zu spüren, dass das Feuer heiß ist.
So ist nun mal der Lauf der Dinge, das ist der ewige Kreislauf des Lebens, und ich blicke dabei schmunzelnd auf mein eigenes jüngeres Ich zurück. Ich war diesbezüglich als Teenager und junger Mann keinen Deut anders oder vernünftiger. Erst eine ganze Reihe von unschönen, manchmal wirklich schmerzhaften Erfahrungen, die natürlich nicht nur Frauen, sondern genauso uns Jungs passieren können, haben mich klüger, reflektierter und letztlich vorsichtiger gemacht. Bis man all diese subtilen Mechanismen und die verborgenen Abgründe unserer Gesellschaft wirklich tiefgreifend versteht – vorausgesetzt, man ist überhaupt der intellektuelle Typ, der solche Erlebnisse auch innerlich verarbeitet –, ist man meist schon mehr oder weniger weit in seinen Zwanzigern oder gar Dreißigern.
Nicht wenige Menschen verstehen es leider nie wirklich. Sie nehmen all die Enttäuschungen und Verletzungen als unvermeidliche Naturereignisse hin, ohne jemals den Kern der Sache zu durchschauen oder zu begreifen, warum ihnen immer wieder dasselbe passiert. Sie bleiben Gefangene ihrer eigenen Arglosigkeit oder verbittern mit der Zeit zu Zynikern, ohne jemals die goldene Mitte der reflektierten Vorsicht zu finden.
Okay, jetzt habe ich mich aber wirklich mal wieder in der Rolle des Oberlehrer-Schlaumeiers verrannt und viel zu ausführlich doziert. Genug der schweren Philosophie und der düsteren Warnungen für einen so eigentlich heiteren und unbeschwerten Abend!
Mit einem leichten, schläfrigen Schmunzeln auf den Lippen und einer angenehmen Müdigkeit in den Gliedern suchten wir lange nach Mitternacht schließlich unsere Zimmer auf. Es dauerte nicht lange, bis der Schlaf uns holte – begleitet vom leisen Plätschern des Sees draußen. Morgen würde ein neuer Tag warten, voller Sonne, Saharastaub und vielleicht noch mehr Abenteuer… schnarch
|
Unzensiert Weiterlesen? Klick >>> »« ©-http://srjexped.jimdo.com/2026 Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte & Bilder - auch auszugsweise - ohne schriftliche Genehmigung ist nicht gestattet. Alle Angaben ohne Gewähr! |

.jpg)

.jpg)


.jpg)




.jpg)
.jpg)


.jpg)
