Cadiz, Spanien, Sightseeing, Erlebnisse und ganz viel Vida boa

 

#26.07.25 – Cadiz, Spanien, Sightseeing, Erlebnisse und ganz viel Vida boa

»Ich finde den Ankerplatz eigentlich ganz passabel«, meinte Vicky am frühen Morgen, als wir an Deck im ersten Licht des Tages unsere Morgenzigaretten rauchten.

In der Morgendämmerung lag die Bucht noch unter einer dünnen Dunstschicht, aber laut Vorhersage sollte es ein sonniger Tag mit angenehmen 25 bis 26 Grad werden. Ziemlich genervt vom dröhnenden Partylärm des Real Club Náutico direkt neben unserem vorigen Liegeplatz hatten wir gestern Nachmittag losgeworfen, abgelegt und hierher verlegt, um das Eisen im Buchtgrund zu versenken.

»Ja, es geht. Cádiz ist halt keine idyllische Postkarten-Marina und erst recht keine naturbelassene Ankerbucht wie an anderen Plätzen, aber akzeptabel. Und diese uralte Stadt ist für eine gerade mal 110.000 Einwohner zählende Küstenstadt wirklich hochinteressant«, lächelte ich zustimmend und nahm einen tiefen Zug. Der laue, salzige Wind wehte mit 11 bis 15 Knoten, in Böen um die 22 Knoten, aus Nordwest übers Deck und trug das gedämpfte, morgendliche Rauschen der Altstadt zu uns herüber.

 

Es folgt eine ausführlichere Revierbeschreibung der Bucht von Cádiz – gedacht für Leser, die hier vielleicht auch mal lieber frei ankern wollen, statt in einer Marina festzumachen:

Die Bucht von Cádiz zwischen der gewaltigen Puente de la Constitución de 1812 (der modernen »La Pepa«) und der älteren José-León-de-Carranza-Brücke (einer Klappbrücke) ist für Segler ein spannender, aber keineswegs unkomplizierter Ankerplatz.

Ankern oder Bojen? Frei ankern ist hier erlaubt und üblich. Es gibt in diesem Bereich keinerlei vorgeschriebene Mooring-Bojen. Du kannst deinen Anker setzen, solange du dich strikt außerhalb des Hauptfahrwassers und der Schifffahrtsstraßen hältst. Der Grund besteht überwiegend aus festem Sand oder Schlick mit guter Haltekraft. Viele Segler ankern etwas nördlich der Marina oder an den Rändern der Bucht auf 5 bis 7 Metern Wassertiefe. Aber Vorsicht: Hier fahren regelmäßig große Frachter, Marineeinheiten und Fähren durch – spürbarer Schwell und nächtlicher Schiffslärm sind keine Seltenheit.

Und noch ein wichtiger Praxistipp für das Ankergeschirr: Da die Bucht jahrhundertelang intensiv militärisch und industriell genutzt wurde, liegt im Flachwasserbereich stellenweise alter Unrat, schweres Kettengerümpel und sonstiger Müll auf dem Grund. Eine Ausbringleine mit Ankerboje oder ein Kettenteufel sind hier definitiv kein Luxus, wenn man seinen Anker nicht an ein altes Wrackteil verlieren will.

Wassertiefen & Gezeiten: Im äußeren Teil der Bucht und im Hauptkanal Puntales stehen bequem 10 bis 15 Meter Wasser unter dem Kiel, teilweise sogar bis zu 18 Meter. Weiter innen und zu den Rändern hin wird es deutlich flacher (oft nur noch 3 bis 8 Meter). Die Gezeiten haben hier einen Hub von 2 bis 3,5 Metern – bei Springtide ist das keineswegs unerheblich. Also Seekarten und Gezeitentabellen penibel beachten, sonst sitzt man schnell auf dem Schlick. Wir lagen auf knapp fünf Metern Wassertiefe und unser 35-kg-Ultra-Marine-Edelstahlanker hielt mit gut 35 Metern Kette problemlos.

Wasserqualität: Kristallklaren Atlantikstrand darf man hier nicht erwarten. Durch Industrie, Hafenbetrieb und die dichte Besiedlung ist das Wasser mäßig belastet – vor allem in den Sedimenten. Aber dank des starken Gezeitenstroms und des ständigen Wasseraustauschs mit dem offenen Meer ist es deutlich besser als in vielen geschlossenen Häfen. Zum Baden weicht man eher an die offenen Atlantikstrände aus, aber für den Wassermacher und zum Duschen an Deck geht es noch in Ordnung. In solchen Gewässern verschmutzen allerdings die Feinfilter des Umkehrosmose-Wassermachers schneller und müssen früher getauscht werden. Für ein paar Tage Zwischenstopp stellt das jedoch kein Problem dar.


 

Was man sonst noch beachten sollte:

  • Die Carranza-Brücke ist eine Klappbrücke und öffnet nur noch selten für größere Schiffe. Die modernere Constitución bietet mit 69 Metern Durchfahrtshöhe auch für große Schiffe reichlich Luft.
  • Starkwind aus Ost (Levante) kann die Bucht ganz schön aufmischen und eine fiese, kurze Welle aufbauen.
  • Schiffsverkehr hat immer Vorrang – strikt auf Kurs achten und den VHF-Kanal abhören.
  • In der inneren Bucht und den Marschen gibt es flache Zonen und Naturschutzgebiete – da sollte man nicht wild rumschippern.

Nordwestlich des Castillo de San Lorenzo del Puntal>>> und nördlich der bunten Letras de Cádiz liegen viele Boote aller Art in einem vor allem in der Hauptsaison riesigen Ankerfeld. Man liegt dort auf 1 bis 8 Metern Tiefe – bei Ebbe teilweise trockenfallend –, aber relativ ruhig und geschützt. Die allermeisten Fahrzeuge dort sind kleine Fischerkähne oder einfache Ruderboote, meist mit kleinen Außenbordern. Yachten sieht man hier nur wenige; die meisten Eigner ziehen offenbar eine der Yacht-Marinas vor. Siehe auch das kleine Video>>>.

Wirklich geräuscharm ankert oder macht man allerdings nirgendwo rund um Cádiz fest. Es ist und bleibt ein betriebsamer Industriehafen, und von den beiden Brücken hört man permanenten Verkehrslärm im Hintergrund. Deshalb legen die meisten Eigner hier nur kurze Zwischenstopps ein oder steuern ruhigere Yachthäfen an der Festlandsküste an. Von dort aus lässt sich das sehenswerte Cádiz entspannt per Mietwagen oder Öffis besuchen.

Dafür empfiehlt sich vor allem die Puerto Deportivo de Rota>>> – eine Marina, Luftlinie nur etwa 10 bis 12 Kilometer nördlich von Cádiz. Allerdings ist diese Anlage in der Hauptsaison meist brechend voll. Wer da nicht lange im Voraus reserviert hat, bekommt schwerlich einen Liegeplatz. Da wir Cádiz spontan und ungeplant angesteuert haben, war das für uns keine Option.

Kurz gesagt: Die Bucht eignet sich hervorragend als praktischer Zwischenstopp in interessanter Kulisse, wenn man Cádiz oder Puerto de Santa María anlaufen will. Frei ankern funktioniert reibungslos, die Tiefen reichen für gängige Yachten aus und die Wasserqualität ist durch den Tide-Durchfluss erträglich. Man muss lediglich den Schiffsverkehr und die Gezeiten im Blick behalten – dann ist die Bucht von Cádiz ein durchaus angenehmer Liegeplatz.

Mit dem Dinghi ist es ein kurzer Weg zu einem winzigen Strandabschnitt, der Playita de Puntales, die selbst bei Hochwasser ausreichend Platz für das Beiboot bietet. Von dort aus sind es nur wenige Meter zu Müllcontainern, Supermärkten und weiteren Geschäften, Restaurants und Bars. Oder man legt direkt am Dinghi-Dock des kleinen Club Náutico Alcázar>>> an. Genau das machten wir schließlich, nachdem auch Demo aus seiner Koje gekrochen war und sich frisch gemacht hatte. (Wichtig: vorher Kontakt aufnehmen und fragen!)

 

Zusammen mit zwei sehr netten Fahrtensegler-Crews aus Belgien und Schottland, die wir kennengelernt hatten, wollten wir uns auf der hübschen Außenterrasse des Bar/Restaurante El Rincón de Silvia im Club Náutico Alcázar ein üppiges Brunch gönnen. Dieses Lokal öffnet derzeit um 09:00 Uhr, macht ab 17:00 Uhr Siesta und ist dann wieder von 20:00 bis 23:30 Uhr in Betrieb. Bei über 1.000 Google-Rezensionen steht das Lokal bei guten 4,3 Sternen. Der Service ist ausgesprochen freundlich und behandelt auch Fremde wie einheimische Stammgäste. Die Preise sind sehr fair – man kann für unter 20 Euro schlemmen und etwas trinken. Wir waren rundum zufrieden und pappsatt, als wir danach mit unseren neuen Bekannten zum ausführlichen Sightseeing starteten.

Als Erstes schauten wir uns das quasi »um die Ecke« gelegene Castillo de San Lorenzo del Puntal>>> an, das neben einer kleinen Marinebasis liegt. Das ist eine alte Festungsanlage mit einem modernen Stahl-Giganten im Zentrum. Direkt an der engsten Stelle der Bucht von Cádiz thront das Castillo – besser bekannt als Castillo de Puntales. Es ist eines der ältesten Verteidigungsbauwerke der Stadt und hat eine ziemlich turbulente Geschichte hinter sich.

Ursprünglich im 16. Jahrhundert als kleiner Artillerieturm gebaut, wurde es mehrfach zerstört und wieder aufgebaut – unter anderem nach dem großen anglo-holländischen Überfall 1596 und später noch einmal während der Napoleonischen Kriege. Seine heutige Form stammt im Wesentlichen aus dem Umbau von 1862/63. Mit ovaler Anlage, zwei Halbbastionen und einem Wassergraben diente es jahrhundertelang dazu, zusammen mit dem gegenüberliegenden Fuerte de Matagorda den Zugang zur inneren Bucht und zum Arsenal La Carraca zu sperren. Während der langen französischen Belagerung von Cádiz (1810–1812) spielte es eine wichtige Rolle bei der Verteidigung.

Heute gehört das Castillo der spanischen Marine und beherbergt die Estación Naval de Puntales. Deshalb ist der Zugang für die Öffentlichkeit normalerweise gesperrt – man kann es also nur von außen oder vom Wasser aus bewundern.


 

Und dann steht da diese imposante, moderne Stahlkonstruktion direkt davor bzw. darin: genannt die Torre de Puntales. Dieser 158 Meter hohe, elegante Hochspannungsmast aus verzinktem Stahl wurde 1955 errichtet. Zusammen mit seinem Zwilling auf der anderen Seite der Bucht (in Matagorda/Puerto Real) überspannt er die Bahía und führt die Stromleitungen auf einer Höhe von 141 Metern über den Schifffahrtsweg. Die schlanke, sich nach oben verjüngende Stahlkonstruktion, mit dem langen Querträger oben, wirkt fast futuristisch und bildet einen spannenden Kontrast zur alten Steinmauer des Castillo. Viele Segler und Passanten staunen zuerst über diesen »Eisengiganten«, bevor sie merken, dass er direkt neben einer historischen Festung steht.

»Wow, dieses Stahlding ist wirklich beeindruckend!«, staunte selbst unser sonst eher mundfauler Demo.

»Und schon 1955 ästhetisch extrem ansprechend gebaut«, meinte Vicky, während wir staunend unsere Köpfe in den Nacken legten und nach oben schauten.

»Yup, hier treffen rund 500 Jahre Militärgeschichte und 1950er-Jahre-Ingenieurskunst aufeinander – und das an einem der strategisch wichtigsten Punkte der gesamten Bucht«, fügte ich hinzu. »Besonders von See aus ein wirklich markantes Wahrzeichen, das man unmöglich übersehen kann. Auf dem Gelände befindet sich auch die Comisión Naval de Regatas, eine Art Aufsichtsbehörde für Segel-Regatta-Veranstaltungen. Schließlich ist Spanien eine stolze alte Seefahrernation und ehemalige maritime Weltmacht; da werden solche Traditionen besonders ernst genommen.«

»Was du nicht sagst, Schlaukopf!«, stichelte Vicky grinsend.

»Sowas interessiert mich halt, da recherchiere ich im Voraus ein bisschen«, schmunzelte ich zurück und schnappte mir die Freche für einen gespielt übertriebenen, leidenschaftlichen Kuss. Ich bog sie dabei so weit nach hinten, dass sie ohne meine haltenden Bärenpranken umgefallen wäre. Die anderen Touristen und die beiden Fahrtenseglerpaare lächelten amüsiert.

Das belgische Paar ist noch jung, ungefähr in der zweiten Hälfte der Zwanziger, und mit der schicken Segelyacht der Eltern unterwegs. Die Schotten dürften Anfang 40 sein: echte Fahrtensegler auf einer ebenfalls älteren, etwas klapprig aussehenden, aber gut gepflegten Ketsch im Stil der 70er/80er-Jahre auf Langfahrt. Sie planen ebenfalls, im Herbst über den Atlantik in die Karibik zu schippern, vermutlich von den Kapverden aus. Sehr sympathische Leute, und trotz der Altersunterschiede – Vicky und Demo sind ja sogar noch jünger als die Belgier – verstanden wir uns auf Anhieb prima.

Ich glaube, ich erwähnte schon mal, dass das unter Fahrtenseglern oft der Fall ist. Man teilt ähnliche Erfahrungen, Hintergründe, Ziele und Absichten, vor allem was das klassische »Bluewater-Sailing« betrifft. Natürlich versammeln sich junge Crews bevorzugt miteinander und Ältere ebenso. Aber echte Fahrtensegler ticken trotzdem oft überraschend ähnlich, weil diese Betätigung besonders für einen bestimmten Menschenschlag reizvoll ist.

Beispielsweise habe ich auch schon sehr junge Fahrtensegler Anfang 20 kennengelernt, manchmal noch Studenten, welche diese Passion trotz ihrer Jugend mit beachtlichem Ernst und tiefem Fachwissen betrieben. Fahrtensegeln kann ein verdammt gefährliches Hobby sein, das viele universelle Fähigkeiten in Schiffsführung, Wartung und Modernisierung erfordert, will man es nicht allzu riskant betreiben. Dafür sind nur relativ wenige Menschen wirklich geeignet.

Okay, genug geschlaumeiert! Als Nächstes machten wir allgemeines Sightseeing mit zu vielen Locations, als dass ich alle ausführlich beschreiben könnte. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Interessantes es in dieser kleinen 110.000-Einwohner-Stadt zu sehen gibt. Ich lasse vor allem die Fotos sprechen, deren Dateinamen den jeweiligen Ort nennen. Das Mittagessen ließen wir nach dem sehr üppigen Brunch komplett ausfallen.


 

Besonders reizvoll fanden wir das Ayuntamiento de Cádiz (das Rathaus) am Plaza de San Juan de Dios>>> und die um diesen zentralen, sehr hübsch gestalteten Platz gelegenen klassizistischen und neoklassizistischen Bauwerke. Hier findet ihr ein kleines Video>>> neben den eingefügten Fotos.

Die malerischen Gassen der Altstadt von Cádiz sind, besonders rund um diesen bezaubernden Platz, überwiegend sehr gepflegt. Unzählige Geschäfte, Cafés, Bars und Restaurants – teilweise in wunderschönen Arkaden gelegen –, südländisch flanierende Menschenmassen aus Einheimischen und Touristen sowie Sonnenschein und Wärme erzeugen quasi automatisch ein wunderbares Lebensgefühl. In dieser Form erlebt man das nur im Süden, und wer kein verknöcherter, sturer Bock ist, genießt das lächelnd mit allen Sinnen.

»Ach ist das schön, ich LIEBE es!«, seufzte Nordlicht Vicky. »In solchen Regionen könnte ich glatt dauerhaft leben.«

»Na los, zieh mit Conchita zusammen, dann könnt ihr gemeinsam als schöne, sexy Künstlerinnen alle Männer verrückt machen, hoho!«, gluckste ich.

»Schwätz nicht so oberschlau, du Gauner! Wie sieht's aus Leute, Eis essen? Ich sehe da eine tolle Gelateria, die auf Google mit 4,7 Sternen hoch bewertet wird.«

»Gute Idee, ein leckeres Eis wäre jetzt klasse!«, stimmten wir alle zu und liefen zur südwestlichen Ecke der Plaza.

Dort befindet sich die hübsche und, wie sich herausstellte, vorzügliche Gelateria Cioccolato>>>. Klein, unauffällig, fast ein bisschen versteckt gelegen und hübsch altmodisch im Inneren, gibt es dort exquisite Eissorten in allerbester italienischer Gelato-Tradition – besser geht es eigentlich nicht. Das Personal ist sehr freundlich, und die Preise sind für heutige Verhältnisse ausgesprochen fair. Geöffnet haben sie täglich von mittags bis mindestens 01:00 Uhr nachts. Sehr empfehlenswert für alle, die echte italienische Eis-Köstlichkeiten mögen.


 

Leider muss man auch anfügen: Aufgepasst bei der Gastronomieauswahl! An so einem touristischen Hotspot wie rund um diese Plaza gibt es typischerweise auch etliche klassische Touristenfallen und professionelle Taschendiebe. Also gut auf Geldbörsen achten und bei Lokalbesuchen vorab über Google recherchieren – so vermeidet man die übelsten Fallen.

»Mmmmhhh… daran könnte ich mich dumm und dämlich schlecken, bis ich zu einer fetten Kuh werde, haha«, lachte die ebenfalls recht hübsche, schlanke Partnerin des belgischen Seglers, und wir stimmten ihr zu. Ich stelle die beiden Seglerpaare nicht weiter vor, weil sie schon morgen oder übermorgen weitersegeln und wir uns dann vermutlich sowieso nicht mehr wiedersehen.

»Was mich betrifft: Mir wurde schon mit zehn Jahren klar, dass italienische Eisspezialitäten genau mein Ding sind und alle anderen Sorten für mich unter die Kategorie 'na ja, ganz okay' fallen«, dozierte ich absichtlich übertrieben snobistisch.

»Steve ist eben ein Genussmensch – in jeder Beziehung, haha!«, lachte Vicky und klaute sich einen Löffel Eis von einer Sorte bei mir, die sie selbst nicht gewählt hatte. Insgesamt verdrückte jeder von uns mindestens drei Kugeln; ich gönnte mir fünf und der Schotte sogar sechs. Übrigens wirkt der Mann eher wie ein klassischer englischer Gentleman – aber wehe, jemand bezeichnet ihn als Engländer oder auch nur als Briten! Viele Schotten legen sehr großen Wert auf ihre schottische Nationalität und Kultur, obwohl sie seit Jahrhunderten zum Empire gehören.

Beim Weiterschlendern amüsierten wir uns über eine wirklich gelungene Street-Art-Installation: eine originell aufgestellte Puppen-Musikertruppe, sehr hübsch anzuschauen. Aus versteckten Lautsprechern erklang passende Musik, und zwei Puppenhunde bewachten eine mittig davorstehende Spendenmuschel, während von dem Künstler selbst nichts zu sehen war.

»Sind die süß! Voll originell!«, waren vor allem die Frauen begeistert und warfen einige Münzen in die Schale.


 

Dann besichtigten wir die beeindruckende Catedral de Cádiz (mit vollem Namen Santa Cruz sobre las Aguas, auch »Catedral Nueva« oder auf Deutsch Kathedrale zum heiligen Kreuze über dem Meer) westlich an der Atlantikküste. Sie ist ein typisch katholischer Prachtbau zur Verherrlichung Gottes und Bereicherung der Kirche. Kurz zusammengefasst die wichtigsten Daten:

  • Baubeginn: 1722 (erste Grundsteinlegung durch Bischof Lorenzo Armengual de la Mota).
  • Fertigstellung / Weihe: 28. November 1838 – nach 116 Jahren Bauzeit!
  • Architekten: Begonnen von Vicente Acero, später u. a. Gaspar Cayón, Torcuato Cayón, Miguel Olivares, Manuel Machuca und Juan Daura.
  • Stil: Eine Mischung aus Barock, Rokoko und Neoklassizismus – entstanden durch die sehr lange Bauzeit.
  • Besonderheiten: Wurde mit Geld aus dem Amerika-Handel finanziert (»Catedral de las Américas«). Die Kuppel erstrahlt mit gelben glasierten Kacheln. Die Krypta liegt unter dem Meeresspiegel (u. a. Grab von Manuel de Falla). Zwei markante Türme (Levante und Poniente).
  • Lage: Direkt am Meer in der Altstadt von Cádiz; sie ist das größte und bekannteste Kirchengebäude der Stadt und bis heute Bischofssitz der Diözese Cádiz y Ceuta.

 

Danach trennten wir uns. Die zwei Seglerpaare und Demo kehrten zurück auf die ankernden Yachten, um eine Siesta einzulegen. Vicky und ich besuchten Conchita, wo sich die Künstlerinnen gegenseitig für Bilder in freizügigen Posen Modell saßen. Diesmal lag Vicky für Conchita in einer klassischen, provokanten »Nackte Schöne auf dem Bett«-Pose, was ich natürlich ebenfalls für ein paar Fotos nutzte. Es soll wohl erst eine Skizze, dann eine Kohlezeichnung und schließlich ein Öl-auf-Leinwand-Bild werden.

Ich hielt mich dabei weitestgehend zurück und überließ den beiden jungen Künstlerinnen das Feld, um sich in Fachkauderwelsch und über typische Interessen auszutauschen. Nach Erfrischungsdrinks und einer Zigarette machten wir in Conchitas Bett Siesta. Sie selbst legte sich drüben im Atelier auf ein Sofa und schlummerte dort; darauf hatte sie bestanden. Da es draußen mit etwa 26 Grad angenehm warm war, standen Fenster und Türen weit offen, um gut durchzulüften und die Farb-, Leinöl und Terpentinausdünstungen zu vertreiben.

Von draußen klang die Melodie der Altstadt herein: unverständliches Stimmengewirr, gelegentlich ein lauteres Lachen, das Klappern von Geschirr auf Lokalterrassen und Essensdüfte, vermischt mit salziger Seeluft. Ab und zu hupte irgendwo ein Fahrzeug, kreischten Seevögel oder zwitscherten Vögel auf den Balkonen und Dachsimsen. All das wirkte überhaupt nicht störend, sondern eher beruhigend wie leise Hintergrundmusik.

Wie üblich schmusten wir erst wundervoll sinnlich, liebten uns und machten dann ein anderthalbstündiges Nickerchen. Nacheinander frisch geduscht – in Conchitas leider sehr kleinen Duschkabine für Einzelpersonen – machten wir uns fertig für das abendliche Ausgehen.

Kurz nach 20:00 Uhr trafen wir uns mit Demo, den zwei Seglerpaaren und Freunden von Conchita in der guten Tapas-Bar La Estrella 1905>>>, an der Ostseite der bezaubernden Jardines de la Plaza de la Candelaria>>>.

Allein diese beiden Orte wären es schon wieder wert, ausführlicher beschrieben zu werden. Aber zusammen mit all den anderen Künstlertreffs und Kneipen, die wir danach noch aufsuchten und in denen wir viel Spaß hatten, würde der Blogeintrag schlicht zu lang. Deshalb mache ich hier Schluss und sage nur: Es wurde wieder eine tolle, laue Nacht mit südländisch lebensfrohen Menschen, köstlichen Tapas, guten Weinen und Drinks.

 

Wir alle amüsierten uns bestens und lernten etliche interessante Menschen kennen. Kurz: Ausgehen und Leben, genauso wie es sein sollte! Das schottische Paar machte nach Mitternacht Schluss, wir anderen kamen erst nach 03:00 Uhr morgens bester Laune zurück auf die ankernden Yachten und schliefen sehr schnell ein.

Ach ja, leben, ausgehen und Spaß haben kann man fast überall – aber im milden Süden mit diesem unnachahmlichen Dolce-Vita-Lebensgefühl ist es einfach besonders schön. smile

Die Portugiesen nennen das übrigens »Vida boa« – wörtlich »das gute Leben«. Das kommt dem italienischen Dolce Vita am nächsten. Es meint eine entspannte, genussvolle Lebenshaltung, bei der man den Moment genießt, ohne ständig unter Druck zu stehen. Interessant ist: Während die Portugiesen international oft mit der melancholischen Saudade – dieser bittersüßen Sehnsucht – in Verbindung gebracht werden, gehört zu ihrer Kultur genauso das bewusste Genießen des Alltäglichen. Desfrutar und Vida boa sind genau die positiven, hedonistischen Seiten davon.

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Cádiz, Spanien, viele interessante Erlebnisse und noch mehr Spaß

 

#26.07.22 – Cádiz, Spanien, viele interessante Erlebnisse und noch mehr Spaß

Am Morgen war es noch etwas dunstig-bewölkt, aber mit gut 23° angenehm mild, nicht zu heiß und keineswegs zu kühl. Die letzte Nacht hatten wir ehrlich gesagt bescheiden geschlafen, da unser Liegeplatz im Puerto América ganz nahe neben dem REAL CLUB NÁUTICO DE CÁDIZ liegt; dort finden regelmäßig laute Partys mit dröhnenden Bässen bis tief in die Nacht statt. Derzeit herrscht nach der gewonnenen Fußball-WM ohnehin eine hemmungslose Partystimmung praktisch überall, wo man hinkommt, und zudem läuft ja auch die Touristen-Hauptsaison auf Hochtouren.

Wir mussten schließlich alle Luken dicht verriegeln und nur durch die Lüfter-Doraden mühsam Luft hereinlassen, um den dröhnenden Schall einigermaßen auszusperren. Doch auch eine relativ massiv gebaute GFK-Yacht ist, wie die allermeisten Boote, schlichtweg nicht gut schallisoliert. Dementsprechend noch heftig gähnend, aber dennoch bei bester Laune, versammelten wir uns zum Frühstück im Cockpit und genossen die ersten, durchkommenden Sonnenstrahlen auf der Haut.

»Moin Leute…, oh man, ich hab garantiert nichts gegen Partys; aber was hier die letzten Tage abgeht, ist voll krass.« Meinte Britt, rieb sich die müden Augen und schlürfte ihren letzten Schluck Kaffee.

»Jammer nicht so scheinheilig! Wärst du auf der Party mit am Abfeiern gewesen, hättest du auch keinen Gedanken an die Leute verschwendet, die daneben schlafen wollen, stimmts?!« Zwinkerte ich leicht amüsiert, obwohl mich der stundenlange Radau wahrscheinlich am meisten genervt hatte. Aber es ist halt, wie es ist, und genau wie beim Wetter hat es wenig Sinn, sich darüber groß zu ärgern.

»Haha, stimmt schon, du Schlaumeier.« Gab sie schmunzelnd zu, schmiss aber prompt einen Brotkrumen zur Strafe nach mir, weil ich unnötigerweise erwähnte, was sowieso alle wussten.

Bald darauf schnappte sich Demo eine große Umhänge-Reisetasche mit Britts Sachen, während sie sich selbst in einem hübschen hell-dunkelblau gemusterten Sommerkleid noch eine kleinere Tasche mit typischem Frauenkram umhängte. Geschwind wurde die Yacht oben verriegelt, dann spazierten wir gemütlich durch die warme Morgenluft zu Europcar nahe dem Hauptbahnhof am Hafen. Dort hatten wir gestern einen Wagen bestellt, um Britt zum Aeropuerto de Jerez zu bringen.

 

Sie fliegt für ein paar Tage zu einem lukrativen Shooting nach Mailand, um wieder extra Geld für sich selbst und die Bordkasse zu verdienen. Das eingebaute Navi in einem schnuckeligen Citroën C3 veranschlagte bei der aktuellen Verkehrslage entspannte 37 Minuten für die Fahrt, und Vicky übernahm gewohnt energisch das Steuer mit der durchaus nicht unzutreffenden Begründung:

»Unser luxusverwöhnter Captain fährt doch freiwillig nichts anderes als Mercedes Oberklasse oder ähnliche Luxusschlitten, haha! Stimmts Brummelbärchen?«

»Stimmt auffallend, du kennst mich einfach viel zu gut, hoho!« Lachte ich vergnügt mit ihr und den anderen. Ganz so extrem ist es zwar nicht, ein kleinerer Benz wäre mir auch recht gewesen, aber es steckte schon einige Wahrheit in ihrer Aussage: Ich bin diesbezüglich schlicht etwas luxusverwöhnt und bevorzuge, wann immer möglich, bekanntlich stets Mercedes-Autos mit dem nötigen Komfort.

Wegen unserer noch latenten Müdigkeit in den Knochen und weil sich Vicky in einem ungewohnten Auto auf den stellenweise recht chaotischen, südländischen Verkehr konzentrieren musste, verlief die kurze Fahrt eher ruhig. Auch am Flughafen machten wir nicht lange rührselig rum, rauchten draußen im Schatten noch eine schnelle Kippe, Britt und Demo küssten sich kurz leidenschaftlich, und dann checkte die schöne Schwedin auch schon flink ein. Ein letztes Winken durch die Glasscheibe, dann stiegen wir wieder in den Wagen und fuhren weiter.


 

Es ging zu einer Verabredung mit dieser rassigen Malerin und Künstlerin Conchita. Sie lebt eigentlich in einer urigen Atelier-Altbauwohnung mitten in der Altstadt; doch momentan hält sie sich die meiste Zeit als Haussitterin in einer hübschen, kleinen Ferienhaus-Villa nordwestlich von Cádiz auf, die einem abwesenden, sie fördernden Kunstmäzen gehört. Da dieses Anwesen in einer gut bewachten Closed-Community liegt, muss sie dort nichts groß bewachen, sondern nur Blumen gießen und gelegentlich ein paar technische Geräte laufen lassen, damit diese auch einwandfrei funktionieren, wenn der Eigentümer herkommt. Weshalb das kein festes Hauspersonal macht…, nun, keine Ahnung. Vielleicht hat er hier noch keine vertrauenswürdigen Angestellten oder so?

Wir trafen uns im gegenüber der bewachten Einfahrt außerhalb gelegenen Momentum House Coffee Roaster and Boba tea, einem offenbar beachtlich guten, kleinen Caféhaus, das auf Google mit hohen 4,7 Sternen bewertet wird. Eindeutig zu Recht, wie beste Kaffeespezialitäten, verführerische Snacks, feines Gebäck, frischer Kuchen und Törtchen schnell bewiesen. Der Service war auch supernett, flott und kompetent. Man fühlt sich im hübschen Ambiente oder auf der kleinen Außenterrasse wohl, und die Preise sind überraschenderweise sogar erstaunlich günstig.

Die meisten Rezensionen fallen geradezu enthusiastisch aus, wie beispielsweise die von Hannah Ibarra, welche ich mal hier reinkopiere: »Das beste Café in Südspanien! Es ist so gemütlich und einladend! Die Getränke sind köstlich und immer kreativ. Die Inhaber sind sehr bodenständig und kümmern sich wirklich um ihre Produkte und Kunden. Die Baristas sind fantastisch und sorgen dafür, dass man sich sofort wohlfühlt. Absolut empfehlenswert!«

Quasi nahe daneben liegt die Base Naval de Rota mit einem auch an Land riesigen Militärgelände. Es ist also nicht wirklich ein klassisches Touristengebiet, und viele Gäste dürften Militärpersonal sein, welche es finanziell meist nicht so dicke haben; daher dürften auch die recht günstigen Preise kommen. Auch der Teil der jetzigen Closed-Community gehörte ehemals dazu, und soweit ich es herausfinden konnte, wohnen dort heutzutage nicht nur vermögende Zivilisten, sondern auch höhere Militärs gut abgeschirmt. Typischerweise gibt es über solche militärisch geprägten Gebiete nur begrenzte Informationen, kaum öffentliche Fotos, und was ich dazu schreibe, sind eher begründete Vermutungen als harte Fakten. Conchita weiß auch nichts Genaueres darüber, und es spielt für uns ja letztlich auch keine wesentliche Rolle.

 

Als wir schließlich hinein zur Villa fuhren, sah das bewachte Gelände eindeutig ehemals militärisch geprägt nach einer früheren Wohnsiedlung für hohe Offiziere aus. Noch vor gerade mal 51 Jahren wurde Spanien schließlich jahrzehntelang von der sehr brutalen, faschistischen Franco-Diktatur beherrscht. Für solche Machtsysteme ist es völlig üblich, Militärangehörigen und Sicherheitsdiensten besondere Privilegien zuzugestehen, damit diese die herrschende Clique schützen. Natürlich bekamen das nur skrupellos-korrupte Offiziere und höhere Dienstgrade, während einfache Soldaten sogar noch schlimmer behandelt wurden als das ohnehin unterdrückte Volk. Die Villa im Finca-Stil dürfte nach meiner fachlichen Einschätzung ein gründlich renovierter und modernisierter ehemaliger Generals- oder Admirals-Dienst- und Wohnsitz gewesen sein.

Es war jedenfalls ausgesprochen interessant und auch optisch hübsch, das weitläufige Gelände und die ruhige Siedlung zu besichtigen. Es gibt ein gar nicht mal so kleines Wäldchen mit gepflegten Wegen zum Spazierengehen; viele Bäume und blühende Pflanzen wurden im Gelände gesetzt, ein großer Kinder- und ein kleinerer Grillplatz liegen im östlichen Teil. Die Hauptsiedlung erinnert stark an gepflegte US-Vorstädte für die obere Mittelschicht, aber natürlich konsequent im spanischen Stil gehalten. Es ist weitestgehend sauber, gepflegt und aufgeräumt; ich konnte weder achtlos weggeworfenen Zivilisationsmüll noch vernachlässigte, schäbige Gebäude entdecken.

Leider darf ich davon keine Fotos zeigen. Es ist nun mal eine geschlossene, diskrete Closed-Community, deren Bewohner verständlicherweise nicht wünschen, dass beispielsweise in einem öffentlichen Blog Einbrecherbanden genau sehen können, wie das Innere gestaltet ist, um ihren nächsten Raubzug zu planen. Die Bewohner legen viel Wert auf Diskretion und Anonymität, obwohl es definitiv keine reine Superreichen-Siedlung ist. Es gibt ein paar schöne, beeindruckende, größere Villen, aber das meiste entspricht wie gesagt der vermögenden, jedoch nicht besonders reichen gehobenen Mittelschicht.

Nach einer guten Stunde fuhren wir gemeinsam zurück in die malerische Altstadt und querten dazu den Sund zwischen dem Festland und der vorgelagerten Halbinsel über die schön gebaute, beeindruckende Puente de la Constitución de 1812 Brücke.

Kurze Beschreibung: Die Puente de la Constitución de 1812 (auch Puente de la Pepa genannt) ist eine der bekanntesten und markantesten Brücken von Cádiz.

Wichtige Infos: Gesamtkosten: ca. 120 Millionen Euro Bauzeit: 2009 – 2015 (6 Jahre) Finanzierung: Überwiegend durch die spanische Regierung und die Region Andalusien. Eröffnung: 2015 (zum 200-jährigen Jubiläum der spanischen Verfassung von 1812)

Länge: ca. 1.650 Meter Typ: Schrägseilbrücke (Cable-Stayed Bridge) mit einem markanten weißen Pylon Funktion: Sie verbindet die Altstadt von Cádiz mit dem Festland (über die Bahía de Cádiz) und entlastet die ältere Puente de Cádiz.

Besonderheiten: Der Name erinnert an die Liberale Verfassung von 1812, die in Cádiz verabschiedet wurde und als eine der fortschrittlichsten Verfassungen ihrer Zeit gilt. Die Brücke ist architektonisch sehr elegant und nachts schön beleuchtet. Sie hat separate Spuren für Autos, Radfahrer und Fußgänger und bietet schöne Ausblicke auf die Bucht und die Stadt. Sie ist heute eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen für Cádiz und ein modernes Wahrzeichen der Stadt.

 

Demo fuhr mit dem Mietwagen weiter, um diverse Ersatzteile für die Vikarelia einzukaufen und das Fahrzeug anschließend wieder abzugeben. Conchita, Vicky und ich spazierten derweil durch die malerischen Gassen der Altstadt zu Conchitas Atelier-Wohnung im Obergeschoss eines stimmungsvollen Altbaus, wo Conchita ihre Bilder erschafft.

Der Studiotrakt war typisch für echte, leidenschaftliche Künstler: herrlich chaotisch, etwas schmutzig, voller Farbspritzer überall und es roch intensiv nach Terpentin, Farben, Leinwänden usw., bis wir jetzt wieder alle Fenster weit öffneten und durchlüfteten. Daran angeschlossen gibt es eine kleine, höchstens 30 qm Appartementwohnung für sie, mit Bett, Sitz- und Essecke, TV, einem kleinen Bad und einer halboffenen, immerhin voll ausgestatteten Küche.

Vom Typ her ähnelt Conchita unserer Vicky sehr. Auch sie ist sehr attraktiv und besitzt eine schlanke, sportliche, wohlgeformte Figur von Model-Format. Sehr fraulich selbstbewusst, ungeniert, clever, mit ausgeprägter exhibitionistischer Ader und leidenschaftlich ihre Kunst produzierend, weiß sie ihr rassiges Sexappeal geschickt verkaufsfördernd einzusetzen.

Dazu sollte ich auch ein paar reizvolle Fotos von ihr schießen; beispielsweise im Malerkittel mit nichts darunter und auch farbbespritzt nackt im Atelier, allerdings ohne dass man wirklich Geschlechtsteile von ihr sehen konnte. Also klassische, fantasieanregende und vor allem bei zahlungskräftiger Kundschaft Kopfkino auslösende, softerotisch-verlockende Fotos, welche bei der anvisierten Zielgruppe Interesse an ihrer Kunst wecken und diese natürlich überwiegend männlichen Kunden dazu animieren sollen, Conchita im Atelier besuchen zu kommen. Einmal drinnen, sitzen die »Herren« dann quasi in der sprichwörtlichen weiblichen Falle und kommen kaum noch raus, ohne ein Bild von ihr zu erwerben. lach

 

Ihre Kunst fand ich als eher Kunstmuffel, der nicht viel davon versteht, ziemlich reizvoll. Sie malt künstlerisch verfremdete, aber noch viel Realismus zeigende Öl- und andere Farbbilder, sowie interessanterweise auch ähnliche, aber kleinformatige Kohlezeichnungen wie Vicky. Die zwei jungen, schönen Frauen verstanden sich menschlich und künstlerisch bestens, diskutierten nahezu ununterbrochen mit Fachausdrücken über Kunst generell und das, was beide machen im Besonderen; ich hielt mich weitestgehend zurück und ließ sie ungestört miteinander schwätzen, hörte aber aufmerksam zu.

Ich mag zwar eher der Kunstbanausen-Typus sein, aber ich bin nicht generell uninteressiert daran und lerne auch gern dazu. Außerdem respektiere ich bei jedem Künstler, selbst wenn mir die Werke überhaupt nicht gefallen, wenn jemand das, was er oder sie tut, mit Leidenschaft und Einsatz betreibt. Echte Künstler sind zwar nicht selten auch ganz schön egozentrisch, ehrgeizig und mehr oder weniger narzisstisch, was natürlich nervend werden kann, wenn sie glauben, sie und ihre Kunst seien das Wichtigste überhaupt.

Aber Conchita und Vicky sind vor allen Dingen attraktive, charmante, überdurchschnittlich gebildete, kluge und sympathische Frauen. Diese Sorte, welche einfach gern schöne, reizvolle und verlockende Frauen sind; die sich bei allem gleichberechtigten Selbstbewusstsein aber nicht wie verbissene Feministinnen verbiegen, sondern die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, typisch männliche und weibliche Verhaltensweisen als das Selbstverständlichste, Natürlichste der Welt akzeptieren und es auch genauso haben wollen.

Frauen dieser Wesensart halten es schlicht für lächerlich, dumm und scheinheilig verlogen, wenn Frauen sich nicht klassisch »Und ewig lockt das Weib« verlockend und verführerisch benehmen; ihr Sexappeal, ihre Reize und ihre weibliche Sexualität nicht so einsetzen, wie Natur und Evolution es nun mal vorgesehen haben. Oder dass Männer sich nicht eben wie Männer benehmen und dieses uralte, reizvolle Spiel zwischen den Geschlechtern nicht genauso gekonnt spielen. Aber selbstverständlich alles mit Stil, einem gewissen Niveau und nicht wie schweinische, animalische Tiere.

Als die beiden ein-zwei Tage später lasen, was ich hier geschrieben habe, zogen sie mich fraulich amüsiert scherzhaft mit spitzen Bemerkungen ein bisschen auf. Aber, und das ist wichtig, mit einem Ausdruck in Gesicht und Augen, der auch anerkennenden Respekt zeigte. Was solche Frauen todlangweilig finden, sind dumme, nach ihnen geifernde und kinderleicht zu manipulierende Männer. Doch wenn sie es mit intellektuell reflektierenden, selbstbewusst beherrschten Gentlemen mit Klasse zu tun haben, die sich angesichts ihres ungenierten Sexappeals nicht gleich in geifernde Idioten verwandeln, dann wirst du sehr interessant für sie, dann respektieren sie dich.

Und auch wenn ich als Mann nicht so sehr auf den dunkel-rassigen, sehr leidenschaftlichen Typ Frau stehe, gebe ich gern offen zu: Diese Conchita »hat was« und könnte es schaffen, sogar mir als an den Umgang mit erotischen, kaum oder gar nicht bekleideten Schönheiten gewohnten Mann zumindest etwas den Kopf zu verdrehen. Definitiv eine WOW-Frau mit Charakter und Persönlichkeit, Klasse, erotischer Ausstrahlung, jeder Menge Sexappeal, Humor und einem sehr gut funktionierenden Hirn. Solche Frauen sind viel interessanter als irgendwelche hübschen Püppchen oder gar schöne, aber dämliche Tussis, die glauben, nur weil sie schön und sexy sind, müssten alle Männer verrückt nach ihnen sein. Letztere sind für mich ätzend langweilig.

Erst um 14 Uhr, bei inzwischen etwa 28° Lufttemperatur, spazierten wir zum Mittagessen ins La Evolución Comida Casera y Sin Gluten Cádiz, an der C. Sta. Cruz de Tenerife, 10. Das auf Google mit beachtlichen 4,5 Sternen im Schnitt bewertete Lokal könnte man als klassische, spanische Tapas-Bar bezeichnen. Superfreundliches Personal, vor allem eine kompetent-humorvolle Ana, umsorgt und animiert die Gäste, eine außergewöhnlich große Auswahl an köstlichen vegetarischen Gerichten zu probieren. Fisch- und Fleischgerichte gibt es aber auch, was ich bevorzugte, und wir schlemmten ausgiebig in typischer Tapas-Art mit verschiedenen, eher klein portionierten Gerichten.

 

Alles schmeckte sehr delikat und war handwerklich gut zubereitet. Preislich liegen sie im fairen Mittelfeld; man kann für 15–20 € leckere Happen und einen Drink genießen, oder wie wir ausgiebiger schlemmen; mehr als etwa 30–40 Euro kann man pro Person aber kaum ausgeben, sonst würden selbst »große Esser« mit viel Appetit platzen, denn klein sind die einzelnen Portionen wahrlich auch nicht. Geöffnet haben sie täglich von 08 bis leider nur 16:30 Uhr, und wer solche Tapas-Gerichte mag, ist dort sehr gut aufgehoben, wird sich wohlfühlen und delikat satt werden.

»Oh la la, du lädst mich ein und ich soll ungeniert bestellen, worauf immer ich Lust habe?« Schmunzelte Conchita sehr charmant fraulich und streichelte mir elektrisch kribbelnd über den Unterarm. »Vorsicht Amigo, ich kann hemmungslos verlangend werden, haha!« Flirtete sie bewusst mehrdeutig und fixierte mich mit ihren dunklen Augen.

»Darauf wette ich, Conchita.« Grinste ich männlich cool zurück. »Und wenn ein Mann nicht aufpasst, saugst du ihn aus wie eine schwarze Witwe. Wo entsorgst du die leeren Gerippe, oder gibt es einen Schrank in deinem Atelier, in welchen du sie stopfst, hoho?«

»Ach was, die werfe ich einfach aus dem Fenster auf die Gasse, wo die Müllabfuhr sie entsorgt.« Konterte sie schlagfertig und bewusst auf eine Art, als würde sie das todernst meinen.

»Die armen Müllabfuhr-Jungs müssen doch total überarbeitet sein, hahaha!« Lachte Vicky passend dazu, und bei der kurzen Kopfkino-Vorstellung darüber mussten wir alle drei heftig lachen.

»Das könnte man als herrlich morbide, schwarze Slapstick-Komödie verfilmen. Unzählige Männer werden von deinen sexy-verlockenden Werbefotos und Bildern in dein Studio gelockt. Am nächsten Tag fliegen leergesaugte Gerippe aus dem Fenster und schwitzende, überarbeitete Müllmänner lassen sie wortlos verschwinden; als Lohn dürfen sie ab und zu durch ein Fenster lugen, während du nackt an einer Leinwand mit Leidenschaft dein neuestes Werk erschaffst. Irgendwann kann ein besonders mutiger Verliebter nicht mehr widerstehen, betritt auch dein Atelier… und landet am nächsten Tag als leere Hülle auf der Straße, wo ihn seine lebenden Kollegen mit ›wir haben ihn gewarnt, aber er wollte nicht hören!‹-Attitüde entsorgen…«

»Ahahaha…« Prusteten die Frauen los. »Hör bloß auf, das hält doch keiner aus! Schreib ein Drehbuch, das wird ein Blockbuster in Adult-Kinos und dann wird die Warteschlange vor meiner Bude kilometerlang, hahaha.«

Ja, diese Kopfkino-Vorstellung war einfach zu amüsant, und so ein Erotikfilm würde mit guten Schauspielern, Conchita in der Hauptrolle und toller Regie selbst heutzutage wohl tatsächlich so was wie ein legendärer Kultfilm und Kassenschlager werden. Am schwierigsten wäre es sicherlich, eine originelle, passende Schlussszene für so einen Film zu finden. Und es sollte mindestens das erste Drittel oder die Hälfte des Films nicht klar sein, was eigentlich passiert, nur langsam die Spannung aufgebaut werden, indem auf unerklärliche Art Männer aus der Stadt spurlos verschwinden. Vielleicht sollte ich als Drehbuchschreiber so ein Projekt promoten? schmunzel

 

Gegen 17 Uhr trennten wir uns vorerst und legten eine ausgiebige Siesta mit Schlaf auf Vorrat ein. Nicht ohne dass sich Conchita zuvor auf verflucht erotische Art mit einer sehr engen Dankesküsse-Umarmung bei mir für die Essenseinladung bedankte. Demo hatte inzwischen alles eingekauft und bei Wartungsarbeiten an Bord ordentlich geschwitzt. Wir ruhten uns mit sinnlichem Schmusen plus Siesta-Nickerchen bis 19:40 Uhr aus. Dann trafen wir uns frisch geduscht und locker gekleidet wieder mit Conchita.

Die rassige, leidenschaftliche Schönheit schleppte uns zu diversen öffentlichen oder privaten Künstlertreffs, durch etliche Kneipen und volle Tapas-Bars. Mit leckeren Speisen, guten Weinen und Drinks sowie vielen interessanten Typen im blühenden, südländischen Nachtleben von Cádiz in der Hauptsaison, hatten wir massig Spaß. Es waren viel zu viele Orte und Ereignisse, als dass ich sie nacheinander beschreiben könnte; das würde sonst ein ausgemachter Roman werden.

Superguter Laune und mit beachtlichen Mengen Alkohol intus, angetrunken, aber selbstverständlich auch nicht unangenehm besoffen, kamen wir erst kurz vor 03 Uhr zurück an Bord. Trotz des Schlafmangels durch den Party-Radau letzte Nacht waren wir noch zu aufgekratzt, um sofort schlafenzugehen. Also nahmen wir noch ein letztes, kleines Glas Wein aus dem Bordvorrat im Cockpit, respektive Demo ein heimisches Craft-Bier, und rauchten eine letzte Zigarette in der lauen Nachtluft.

Conchita war noch bei uns, weil sie in alkoholisierter Spontanität unbedingt mal unser Segelboot sehen wollte. Natürlich war sie als lebenslustige, schöne Künstlerin auch schon zu Gast auf wesentlich größeren, schicken Yachten von Kunden oder Mäzenen geladen. Aber gerade weil wir auf einer relativ kleinen Fahrtenyacht unterwegs sind, was etwas ganz anderes ist als eine schicke Angeber-Yacht, reizte es sie besonders und sie war verdammt neugierig darauf.

Leise, um schlafende Crews auf anderen Yachten in der eng gepackten Marina nicht zu stören, lachten und plauderten wir über all die Ereignisse der Nacht, in welcher es auch kurz einen unangenehmen Vorfall gegeben hatte. Nichts Schlimmes oder wirklich Gefährliches, nur ein allzu betrunkenes, dünnes und wohl schwer in Conchita verknalltes Männchen wurde zu aufdringlich. Als ich ihn etwas auf Abstand halten wollte, versuchte er mich trainierten, kräftigen Bären von Mann in betrunkener Selbstüberschätzung schlicht zu schlagen.

Das war natürlich völliger Schwachsinn, aber auch allzu betrunkene, vergleichsweise schwache Männchen können in ihrem Kontrollverlust gefährlich werden, wenn sie beispielsweise ein Messer einstecken haben oder eine Flasche zerschlagen, um mit der scharfen Kante zuzuschlagen. Da ich den Typ ja nicht kannte und ihn daher nicht richtig einschätzen konnte, blieb mir gar nichts anderes übrig, als ihn zur Sicherheit ruckzuck flachzulegen und kampfunfähig zu machen. Allerdings ohne ihn dabei grob zu verletzen oder so; der Schock, plötzlich hilflos ausgeliefert auf dem Boden zu liegen, genügt bei Nichtprofis meist völlig, um sie schlagartig wieder runterzuholen und etwas zu ernüchtern.

»Ich hab das ja gar nicht richtig mitbekommen.« Sinnierte Conchita eher amüsiert. »Grad stand der Depp noch vor meiner Nase, laberte mich voll und versuchte mich anzugrabschen, da ging euer Captain dazwischen und der Trottel auf ihn los… und nen Sekundenbruchteil später liegt er auf dem Rücken, bettelt wie ein Hund um Gnade; was für ein Idiot, der war doch kaum halb so schwer und viel kleiner als Steve!«

»Ich habs gar nicht gecheckt, sprach gerade weggedreht mit Igor.« Womit Vicky einen weiteren Künstler älteren Semesters meinte. »Und plötzlich rumpelts, Sekunden später war schon alles vorbei und der Kellner schmiss den Trottel raus. Immer diese Besoffenen, die gar nicht mehr wissen, was sie tun.«

»Ich schätze, man muss schon arg doof oder total besoffen sein, um sich als Leichtgewicht mit einem Kerl wie Steve anzulegen.« Überwand sogar Demo seine gewohnte Mundfaulheit. »Das ging echt blitzschnell und ich bekam noch nicht mal mit, wie sich Steve plötzlich bewegte.«

»Nun ja, anderes Thema bitte!« Grinste ich etwas säuerlich, denn ich verabscheue Gewalt zutiefst und solche Zwischenfälle, die im Nachtleben leider besonders durch viel zu betrunkene Kerle immer mal wieder vorkommen. »Es war nicht wirklich gefährlich, aber weil ich den Typ nicht kannte, musste ich zur Sicherheit…« Erklärte ich kurz das oben Beschriebene.

»Hattest du mal eine militärische Kampfausbildung, oder so was?« Wollte Conchita dennoch mit sehr neugierig funkelnden Augen wissen.

»Ja, und ›oder so was‹ auch noch, aber darüber möchte ich jetzt wirklich nicht sprechen. Es war nur ein winziger Moment an einem ansonsten großartigen, schönen Abend. Du hast eine Menge interessanter Künstlerfreunde.« Versuchte ich das Thema endgültig zu wechseln. Vicky ging darauf ein und fügte hinzu:

»Wetten, er meint vor allem dieses erotische Vollweib Stasiia, haha! Was war sie nochmal? Russin? Ukrainerin und Model?«

»Stasii, mit zwei ›ii‹, haha, ist ne Ukraine-Flüchtlingsfrau und erst seit Kurzem hier. Ich glaube, sie jobbt vor allem als Model und ist als Influencerin Online unterwegs.« Erkannte auch Conchita, dass ich wirklich nicht weiter über diesen dämlichen Vorfall sprechen wollte. »Voll erotisch, oder? Und clever ist sie, glaube ich, auch. Wirst du mit ihr shooten und bist schon scharf darauf, sie nackt zu sehen, haha?«

»Beides…, hoffe ich, hehe!« Gluckste ich amüsiert und dachte: Nein, mein Typ als Frau wäre auch diese Stasiia nicht wirklich. Aber als Model dürfte sie höchstwahrscheinlich toll sein und auch als Mensch hatte sie nicht unsympathisch auf mich gewirkt. Allerdings hatte ich nur wenige Worte mit ihr gesprochen und wusste somit fast nichts über sie.

 

So palaverten wir noch fast eine Stunde weiter, wobei immer heftiger gegähnt wurde. Noch eine allerletzte Zigarette, dann schnell abduschen und ab in die Kojen! Für Conchita riefen wir ein Taxi, respektive bestand ich darauf, denn sie wollte eigentlich laufen. Es war ja auch nicht sehr weit zu ihrer Atelierwohnung in der Altstadt. Doch dazu müsste sie durch das noch nachtdunkle Industriegelände voller Container und sonstigem Kram eines betriebsamen Hafens rund um die Marina, wo sich nachts auch lichtscheues Gesindel rumdrücken könnte.

Sie einfach so allein gehen zu lassen, gefiel mir ganz und gar nicht. Da kommt bei mir dann doch immer sehr der vielleicht etwas altmodische Gentleman und Beschützerbär holder Weiblichkeit durch. Hätte sie darauf bestanden zu laufen, würde ich darauf bestehen, sie auch hundemüde zumindest heimzubringen. Doch sie ließ sich überzeugen und bestellte selbst einen Wagen mit einem ihr gut bekannten Taxifahrer der Nachtschicht. Fünf Minuten später stieg sie ein, wir krochen endlich in die Betten und pennten praktisch sofort ein… schnarch

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