Vlissingen, Seeklar machen Endspurt und Segelplanung

 

#26.09.02 – Vlissingen, Seeklar machen Endspurt und Segelplanung

»Hmm… also ich finde ja, du solltest keinesfalls noch etwas anderes als dieses rattenscharfe Outfit anziehen!«, grinste ich männlich bewundernd mit genießendem Blick zu Deli, als wir uns für das Frühstück fertig machten.

»Haha, meinst du nicht, es würde ein kleines Erdbeben in Vlissingen auslösen, wenn ich so vor die Tür gehe?!«, lachte sie heiter wie immer in einem weißen Ripp-Haltertop, kombiniert mit extrem kurzen, beigen Shorts. Das brachte ihre prächtig fraulichen und dennoch sehr schlanken Formen mit ziemlich überwältigendem Sexappeal zur Geltung.

»Ein kleines? Die arme Stadt würde wie Santorin anno dazumal erst explodieren und dann im Meer versinken, hoho!«, lachte ich mit.

Es war heute zwar sehr sonnig, mit bis zu vorhergesagten 21 Grad um die Mittagszeit, aber natürlich beabsichtigte sie keineswegs, dieses Outfit draußen anzubehalten. Sie probierte nur sexy-schicke Sachen für den Hochsommer und den Süden aus, die sie sich erst kürzlich zugelegt hatte. Bis zum Frühstück war noch etwas Zeit und ich vergaß glatt, eigentlich schon einmal den Laptop checken zu wollen – stattdessen schaute ich dieser höchst reizvollen Modenschau mit größtem Vergnügen zu.


 

»Wie sehen denn eure Pläne zur Abreise aus?«, fragte Mevrouw Margriet dann beim gemeinsamen Frühstück. Als Kapitäns-Witwe weiß sie natürlich auch so einiges über die Seefahrt im Allgemeinen und übers Segeln, was vor allem ihr Mann in seiner Freizeit ebenfalls gerne machte.

»Das Boot ist definitiv seeklar für längere Törns und mit Provisioning auf Wochen verproviantiert«, erzählte ich, was die liebe alte Dame eigentlich schon wusste, während wir uns alle mit Appetit stärkten. »Aber bis Samstagnacht haben wir noch ungünstige, starke Westwinde. Wenn die Vorhersagen stimmen, bekommen wir am Sonntag eine neue, günstige Wetterlage und sollten bei Hochwasser gegen 10 Uhr ablegen und Vlissingen verlassen.«

»Ach, ich werde euch Lieben vermissen!«, seufzte Mevrouw Margriet ein klein wenig traurig, aber auch lächelnd. »Dann wird das zu große Haus wieder einsam und still; doch so ist das nun einmal mit Seefahrern.«

Natürlich versicherten Deli, Kascha, Sascha und ich unserer reizenden Gastgeberin ebenfalls sie ein bisschen zu vermissen, was keineswegs höflich geschwindelt war. Wir hatten sie wirklich alle ins Herz geschlossen und mögen sie richtig gern. Mit ihrem klugen Kopf, ihrer Bildung, viel Lebenserfahrung und ihrer freundlich-bezaubernden Wesensart mit einem goldenen Herzen ist sie gewissermaßen ein Musterbeispiel für eine liebe Oma, wie man sie sich nur wünschen kann.

Übrigens wird uns die hübsche, junge Fotografin Cathi vorerst doch nicht als Mitseglerin begleiten. Ihr Bruder, ein selbstständiger Kleinunternehmer, hatte in der Heimat einen üblen Autounfall, der ihn voraussichtlich einige Wochen arbeitsunfähig macht. Cathi wollte also heimreisen und ihm nach Kräften helfen, bis er wieder auf dem Damm ist. Wir hatten ihr angeboten, vielleicht in einigen Wochen irgendwo im Süden doch noch bei uns einzusteigen; jedenfalls kann sie sich jederzeit wieder melden, wenn sie möchte.

Ihre Absage gibt aber auch hochwillkommenen Stauraum in der eigentlich für sie vorgesehenen Pilot-Koje frei. Inzwischen wurden die vier bestellten Tern Vektron P5i E-Klapp-Bikes für bequeme Mobilität an Land angeliefert. Die lassen sich zwar zu recht kleinen Packmaßen zusammenfalten, nehmen aber trotzdem nicht wenig Platz weg. Bauartbedingt wäre es an Bord einer HC-48T mit fünf Crewmitgliedern sonst doch kaum möglich gewesen sie so unterzubringen, dass sie nicht ständig irgendwo im Weg wären. In die steuerbordseitige Pilot-Koje im Durchgang vom Saloon zur Achterkabine passen diese Premium-Bikes jedoch prima hinein.


 

Dass meine Wahl am Ende auf genau dieses Modell gefallen ist, hat maritime und praktische Gründe, die jedem Skipper sofort einleuchten:

  • Ultrakompaktes Faltmaß: In wenigen Sekunden zusammengeklappt, lassen sich die Räder erstaunlich platzsparend stauen, ohne dass an Bord wertvoller Raum blockiert wird.
  • Flüsterleiser Bosch Active Line Plus Antrieb: Der geschmeidige Mittelmotor liefert ein extrem natürliches Fahrgefühl – perfekt, wenn man in fremden Hafenstädten steile Küstenstraßen oder längere Versorgungsstrecken mühelos überwinden will.
  • Wartungsarme Shimano Nexus 5-Gang Nabenschaltung: Speziell für E-Bikes entwickelt, verträgt sie hohe Drehmomente spielend und ist dank der geschlossenen Bauweise bestens gegen die aggressive, salzige Seeluft geschützt.
  • Sauberer Gates Riemenantrieb: Kein lästiges Kettenfett mehr an Bord! Der Carbonriemen läuft absolut sauber, verschmiert weder Deck noch Kleidung und benötigt praktisch keinerlei Schmierung oder aufwendige Pflege. Rostet im salzig-feuchten, maritimen Umfeld auch nicht wie normale Ketten.
  • Werkzeuglos verstellbarer Physis 3D-Lenker: Ob zierliche Frau oder großgewachsener Skipper – der Vorbau lässt sich in Sekundenschnelle auf jede Körpergröße anpassen, sodass vierköpfige Crew stets ergonomisch bequem unterwegs sein kann.

Achtung, ab hier wird es für alle, die sich nicht für die Feinheiten der Seefahrt interessieren, erst einmal wieder arg seefahrtstechnisch. Von einem Hafen wie Vlissingen läuft man nicht einfach so nach Lust und Laune aus, um nach Süden durch den Ärmelkanal zu segeln. Da ist eine akribische Planung zusammen mit der passenden Wetterlage nicht nur wichtig, sondern schlicht die Grundvoraussetzung für Sicherheit und Erfolg.

Zunächst gilt es, die Gezeiten ganz genau im Blick zu behalten. An der Westerschelde vor Vlissingen kippt der Strom kurz nach Hochwasser, sodass der ablaufende Ebbstrom das Schiff ideal nach Westen durch die Mündung und hinaus in die Nordsee schiebt. Für den kommenden Sonntag, den 06. September 2026, ergeben sich daraus folgende Richtwerte für die Tiden in Vlissingen: Die Nacht-Tide bringt das morgendliche Hochwasser gegen 09:55 bis 10:00 Uhr. Die Mittags-Tide erreicht das nachfolgende Niedrigwasser gegen 16:15 Uhr, bevor die Abend-Tide um etwa 22:45 bis 22:50 Uhr das späte Hochwasser bringt.

Daraus ergeben sich zwei denkbare Abfahrtsfenster. Das erste und von mir klar bevorzugte Fenster ist die Tag-Passage mit einer Abfahrt zwischen 10:00 und 10:30 Uhr morgens. Genau zu Hochwasser geht es los, sodass wir den mitlaufenden Ebbstrom für volle fünf bis sechs Stunden nutzen können, um aus dem Revier der Westerschelde heraus und an Ostende sowie Zeebrugge vorbei nach Westen gezogen zu werden. Das zweite Zeitfenster wäre eine Nacht-Passage abends ab 22:45 bis 23:00 Uhr kurz nach dem späten Hochwasser. Der Vorteil am Sonntagmorgen liegt jedoch klar auf der Hand: Nach dem Umstellen der Großwetterlage am Samstag startet der Törn direkt bei Tageslicht und mit ablaufendem Wasser, während die Welle vor der Küste spürbar abflacht.

Als Nächstes müssen Wind- und Wetterlage für unseren ersten großen Schlag nach Brest als Zwischenstopp passen. Die Streckendistanz von Vlissingen bis Brest beträgt auf direktem Weg rund 350 bis 380 Seemeilen. Bei einer durchschnittlichen Etappengeschwindigkeit von 5,5 bis 6,5 Knoten bedeutet das eine reine Fahrzeit von etwa 55 bis 65 Stunden.

 

Beim Abgleich der großen globalen Wettermodelle ECMWF, GFS und ICON für die Passage durch den Ärmelkanal zeigt sich das typische Bild einer Übergangslage im Frühherbst mit rascher Tiefdruckdynamik. Bis Samstag, den 05. September, dominiert ein Tiefdruckkomplex über dem Nordatlantik und den britischen Inseln die erste Wochenhälfte. Im Ärmelkanal stehen bis Freitag und Samstag anhaltende Winde aus dem West-Quadranten von Südwest bis Westnordwest an, wobei im mittleren und westlichen Kanal in Böen häufig 5 bis 7 Windstärken erreicht werden.

Der stramme Westwind baut in Kombination mit der Atlantikdünung eine beachtliche Welle gegen unseren Kurs auf. Gegen anstehende Westwinde von 25 bis 30 Knoten und eine Welle von 2,5 bis 3,5 Metern durch den Kanal zu kreuzen – gepaart mit den starken Gezeitenströmen –, würde enormen Verschleiß an Mensch und Material bedeuten. Das Abwarten ist an dieser Stelle die einzig professionelle Entscheidung.

Ab Sonntag, den 06. September, deutet sich jedoch die entscheidende Wende an. Das europäische Modell ECMWF prognostiziert für Samstag noch West- bis Nordwestwind mit 5 bis 6 Windstärken, raue See und Regen. Am Sonntag dreht der Wind auf Nordwest bis Nord mit 3 bis 4 Windstärken und flaut ab.

Ab Montag stellt sich durch einen zugreifenden Keil des Azorenhochs ein Trend zu Nordost- bis Ostwinden mit 3 bis 5 Windstärken ein. Das amerikanische GFS-Modell zeigt für Samstag nach einem Frontdurchgang noch Südwest- bis Westwind mit 5 Windstärken. Am Sonntag beruhigt sich die See bei einer Winddrehung über Westnordwest auf Nord mit 3 Windstärken, bevor ab Montag schwachwindiges, tendenziell nordöstliches und stabileres Hochdruckwetter folgt. 

 

Das hochauflösende deutsche ICON-Modell sieht am Samstag noch Westnordwestwind mit 5 bis 6 Windstärken im Ostkanal, verspricht zum Sonntagmorgen jedoch eine rasche Abnahme auf Nordwest mit 3 bis 4 Windstärken und ab Montag ein sehr günstiges Fenster mit Nordost-Ostwinden für die Westpassage.

Die Modelle stimmen in der Tendenz hervorragend überein. Am Samstag zieht die Kaltfront des Tiefs nach Osten ab. Dahinter dreht der Wind typischerweise von West bis Nordwest auf Nord, bevor ein nachrückender Hochdruckkeil den Wind auf Nordost bis Ost drückt. Der Sonntag bietet sich ideal als Startfenster an, da der Wind deutlich zurückgeht, auf nördliche Richtungen dreht und den Westkurs freigibt. Die Welle braucht nach den starken Westwinden etwa 12 bis 18 Stunden zum Abflachen, sodass die See ab Sonntagmittag deutlich angenehmer wird. Die Geduld beim Abwarten zahlt sich aus: Das Zeitfenster ab dem 06. September ist lang und stabil genug, um Brest sicher und ohne Kreuzen zu erreichen, da es sich um einen echten Musterwechsel hin zu einer spät-sommerlichen Hochdrucklage handelt.

Nicht zuletzt ist der Ärmelkanal eine der am stärksten befahrenen und anspruchsvollsten Seefahrtsrouten der Welt, insbesondere für Segelyachten. Die Überwachung des dichten Schiffsverkehrs und die bürokratischen Vorschriften entlang der Route von Vlissingen bis Brest – einschließlich der Kenterung um Cap de la Hague und Ouessant – sind streng geregelt.

Gemäß KVR Regel 10 für Verkehrstrennungsgebiete dürfen Segelfahrzeuge und Schiffe unter 20 Metern Länge die Passage der Großschifffahrt in einem Verkehrstrennungsgebiet nicht behindern. Das klassische Wegerecht »Segel vor Motor« gilt im Verkehrstrennungsgebiet gegenüber der durchgehenden Berufsschifffahrt praktisch nicht. Wer ein solches Gebiet quert, muss den Kielvoraus-Kurs, also die Längsachse des Schiffes, exakt im 90-Grad-Winkel zur allgemeinen Verkehrsrichtung halten. Durch den starken Kenterstrom versetzt das Schiff zwar schräg über Grund, doch solange der Bug rechtwinklig zeigt, ist das absolut legal und vorgeschrieben. Wann immer möglich, werden wir die küstennahen Zonen nutzen, um den großen Fahrspuren auszuweichen.

Obwohl für Sportboote formal meist keine globale Pflicht zum Senden besteht, gilt ein aktives AIS auf dieser Route faktisch als Sicherheitsstandard. Die Berufsschifffahrt läuft im Kanal oft mit 18 bis 25 Knoten. Das Wachpersonal auf der Brücke großer Frachter verlässt sich primär auf AIS-Vektoren und Plotter-Alarme. Wer ohne aktives AIS-Signal ein Verkehrstrennungsgebiet quert, wird extrem spät wahrgenommen.

Auch bürokratisch gibt es klare Regeln. Solange wir bei einer eventuellen Passage der englischen Küstenzone nur durchsegeln, ohne zu ankern oder an Land zu gehen, müssen wir nicht einklarieren. Sollten wir doch einen Zwischenstopp im Vereinigten Königreich einlegen, müssten wir uns vorab online anmelden, die gelbe Flagge Q setzen und anschließend beim Anlaufen eines französischen Hafens offiziell einklarieren sowie die Pässe stempeln lassen. Da wir von Vlissingen direkt nach Brest durchsegeln, bleiben wir innerhalb der EU und vermeiden diesen Zollaufwand.

Schließlich erfordern die Revierverhältnisse höchste Aufmerksamkeit. An Engstellen wie dem Alderney Race oder dem Raz de Sein treten bei Springzeit Stromgeschwindigkeiten von 9 bis 12 Knoten auf. Hier gilt das eiserne Grundgesetz der Seemannschaft: Niemals Strom gegen Wind fahren! Bei 5 Windstärken gegen 6 Knoten Strom bauen sich lebensgefährliche, steile Grundseen auf. Zudem überwachen die Küstenstationen den Raum lückenlos per Radar. Wer im Verkehrstrennungsgebiet Schlangenlinien segelt oder die 90-Grad-Regel missachtet, wird direkt über Funk namentlich angerufen und verwarnt.

Kurz zusammengefasst bedeutet das: Dem Berufsverkehr weiträumig ausweichen, bei Querungen den Bug stur im 90-Grad-Winkel zur Fahrspur halten, das AIS aktiv nutzen und den Gezeitenstrom akribisch vorausberechnen. Das alles zeigt recht deutlich, dass die Seefahrt auf diesem Niveau wenig mit gemütlichem Rumschippern zu tun hat. Man muss auf See exakt wissen, was man tut, um die HC-48T und die Crew sicher nach Brest zu bringen.

Update: Nach den allerneuesten Windvorhersagen auf Windy könnte sich die gesamte Wetterlage leider doch noch deutlich anders als erhofft gestalten. Das müssen wir in den verbleibenden Tagen also extrem aufmerksam im Auge behalten. Das europäische ECMWF-Modell sagt ab Dienstagmittag für den Ärmelkanal nun nämlich doch wieder ungünstige Westwinde voraus – verdammt!

Aber viel länger können wir unser In-See-Stechen schlichtweg auch nicht mehr verschieben, sonst drohen wir weiter südlich in der Biskaya vollends in die berüchtigten schweren Herbststürme zu geraten. Und die sind selbst für erfahrene Segler auf einer so robusten und seetüchtigen Yacht wie unserer HC-48T wahrlich kein Vergnügen.

 

Genau das ist die ungeschminkte Realität auf Segelschiffen, ganz besonders zu dieser späten Jahreszeit. Trotz modernster Technik, mit unzähligen Wettersatelliten im Orbit, ist das tatsächlich angetroffene Windwetter selbst auf nur wenige Tage im Voraus erstaunlich schwer exakt vorherzusagen. Als Skipper musst du dich stets flexibel den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen und darfst niemals stur an vorgefertigten Plänen festhalten, wie man es auf reinen Motorschiffen vielleicht noch tun könnte.

Gut, wir haben zwar eine kräftige Hauptmaschine an Bord und könnten zur Not auch längere Strecken mit dem Diesel motoren. Doch wie die meisten leidenschaftlichen Segler hasse ich das wie die Pest und nutze den Jockel wirklich nur dann, wenn es absolut unumgänglich ist.

Das Fazit lautet also: Die gesamte mühsam ausgetüftelte Planung muss möglicherweise kurzfristig komplett über den Haufen geworfen werden! Jedenfalls werden wir am kommenden Wochenende definitiv auslaufen – hoffentlich erwischen wir zumindest ein bis zwei Tage noch halbwegs günstige Winde, und danach wird unterwegs stetig nach der tatsächlichen Wetterentwicklung disponiert. Noch länger möchte ich als verantwortlicher Skipper keinesfalls mehr in Vlissingen aussitzen, denn je näher die vor allem ab Oktober gefürchteten Stürme rücken, desto anspruchsvoller und riskanter wird die gesamte Passage.

Deli und Kasha gingen sich danach erst einmal in der Stadt auf typisch Frauenart vergnügen, wo wir uns alle später wieder treffen und dann auch die frisch aus Antwerpen ankommende Ella-Bella gebührend willkommen heißen wollten. Sascha und ich nutzten die Zeit, gingen zurück auf das Boot und kümmerten uns um ein paar eigentlich überflüssige Kleinigkeiten – wie etwa das gefühlt x-te Überprüfen von Segeln, Tauwerk und Bordinstallationen, was vor allem Sascha in den letzten Tagen schon mehrfach mit akribischer Sorgfalt kontrolliert hatte.

Auch den speziellen UV-Vorfilter am Trinkwasserhahn direkt unter dem Kombüsen-Waschbecken checkten wir noch einmal rundum gründlich. Das Acuva-System – vor allem bekannte Modelle wie der ArrowMAX 2.0 oder der Wanderer – gilt unter versierten Langfahrtseglern tatsächlich als eines der modernsten, durchdachtesten und fortschrittlichsten UV-Trinkwasser-Filtersysteme überhaupt. 

 

Die wichtigsten Gründe für diese hohe Beliebtheit liegen auf der Hand: Es arbeitet mit extrem sparsamer UVC-LED-Technologie statt mit den veralteten, empfindlichen Quecksilberdampf-Lampen. Dadurch verbraucht es wenig Strom, da es nur bei tatsächlichem Bedarf aktiv ist und im Standby-Betrieb fast auf Null herunterfährt. Es baut extrem kompakt, sodass es sich perfekt unter der Spüle in der Pantry installieren lässt, und kombiniert die UV-Desinfektion ideal mit einem leistungsfähigen Vorfilter, der Chlor, Schwermetalle, Geruchs- und Geschmacksstoffe zuverlässig neutralisiert. In der gesamten Segler- und RV-Szene wird diese Technik in Fachartikeln regelmäßig höchst positiv bewertet und wärmstens empfohlen.

Schauen wir uns die beeindruckenden technischen Daten und die Leistungsfähigkeit einmal im Detail an: Zertifiziert für eine Durchflussrate von 2 Litern pro Minute vernichtet der Reaktor dank moderner UVC-LED-Technologie bis zu sagenhafte 99,9999 % aller gefährlichen Viren und Bakterien (wie etwa e.Coli) – und zwar völlig chemiefrei und komplett ohne giftiges Quecksilber. Die Stromversorgung läuft unkompliziert mit 12 Volt DC direkt über die Bordbatterie im Spannungsbereich von 11 bis 16 Volt, wobei im Lieferumfang oft auch ein AC/DC-Netzteil für den normalen Steckdosenbetrieb enthalten ist. Die Lebensdauer ist immens: Die UV-Einheit reinigt in ihrer Gesamtlebensdauer bis zu 120.000 Liter Wasser, während die verbauten LEDs eine reine Betriebsdauer von rund 1.000 Stunden aufweisen.

Ein wichtiger Hinweis vorab für alle Technikbegeisterten: Zwar ist das ursprüngliche kanadische Unternehmen Acuva Technologies vor einiger Zeit pleitegegangen, jedoch hat die renommierte schwedische Firma Watersprint AB alle Vermögenswerte sowie Patente übernommen. Watersprint führt die Produktion dieser bewährten Systeme und die weltweite Ersatzteilversorgung erfreulicherweise nahtlos fort.

Das durchdachte 2-Stufen-Filtersystem bereitet das Tank- oder Festwasser direkt am Entnahmepunkt, dem sogenannten »Point-of-Use«, in zwei klaren Schritten auf:

  • Aktivkohle-Vorfilter: Er entfernt im ersten Schritt grobe Sedimente, Chlor, Blei, Schwermetalle sowie alle unangenehmen Gerüche und Geschmäcker aus dem Rohrwasser.
  • UV-LED-Reaktor: Im massiven Gehäuse inaktiviert er per hochdosiertem UV-C-Licht augenblicklich alle mikrobiellen Krankheitserreger. Der große Vorteil dabei: Gesunde, wichtige Mineralien wie Kalzium und Magnesium bleiben im Trinkwasser voll enthalten!

Dazu gesellen sich einige prägnante Besonderheiten und klare Vorteile: Im Gegensatz zu alten UV-Röhren, die dauerhaft durchlaufen und dadurch unweigerlich das stehende Wasser aufheizen, schalten sich die LEDs beim Acuva-System dank On-Demand-Aktivierung erst exakt in dem Millisekunden-Moment ein, in dem der Wasserhahn aufgedreht wird. Das spart an Bord beachtliche Mengen an wertvollem Batteriestrom. Zudem führt das System alle 12 Stunden vollautomatisch eine kurze Selbstreinigung durch, um selbst bei längerer Nichtnutzung jeglicher Keimbildung im stehenden Wasser des Reaktors effektiv vorzubeugen.

Zur Wartung und Überwinterung gilt: Der Aktivkohle-Vorfilter sollte etwa alle sechs Monate oder nach ca. 15.000 Litern getauscht werden. Und ganz wichtig bei Frostgefahr unter 4 Grad: Gefrierendes Restwasser im UV-Reaktor würde die feinen Quarzgläser sprengen und zu irreparablen Lecks führen, weshalb das Wasser vor dem Winter komplett abgelassen und der Vorfilter ausgebaut werden muss.

Das System wird herstellerseitig übrigens mit einem modernen, smarten Wasserhahn ausgeliefert. Aus ästhetischen Gründen wollten wir diesen verchromten »Smart Faucet« aber keinesfalls an die klassisch-edlen Bronze-Armaturen unserer HC-48T montieren. Da die Steuerung und Funktionsweise der UV-C-Einheit glücklicherweise extrem flexibel ausgelegt sind, muss man für die Anpassung an traditionelle Bordinstallationen lediglich zwei kleine technische Kniffe anwenden:

Das Acuva-Hauptgerät besitzt direkt im Gehäuse einen integrierten, mechanischen Durchfluss-Sensor. Es benötigt den mitgelieferten Spezialwasserhahn also gar nicht zwingend, um zu registrieren, wann Wasser gezapft wird. Sobald wir unsere stilvolle Bronze-Armatur aufdrehen und Wasser strömt, erkennt der Sensor die Bewegung und schaltet die UV-LEDs augenblicklich ein; wird der Hahn zugedreht, schaltet das Gerät sofort zurück in den Standby-Modus.

Der smarte Original-Wasserhahn besitzt zwar ein Elektrokabel mit einem LED-Ring, der blau leuchtet, wenn das Wasser keimfrei fließt, und rot/gelb bei Systemfehlern – an unserer Bronze-Armatur entfällt diese visuelle Rückmeldung zwar am Hahn selbst, aber das Acuva-Hauptgerät besitzt auf der Gehäuseoberseite exakt die identischen Status-LEDs (das Acuva-Logo leuchtet bei Funktion strahlend blau). Da die Box gut geschützt in der Pantry unter der Spüle verbaut ist, sieht man diese Warnung zwar nicht auf den ersten Blick, aber wer maximale Sicherheit wünscht, kann an das Steuerungskabel ganz einfach eine kleine, dezente 12V-LED-Kontrollleuchte anlöten und unauffällig in der Pantry-Wand verbauen.

Frechdachs Kasha kam dann etwas überraschend ebenfalls an Bord geschlendert, um uns Gesellschaft zu leisten und ein bisschen mit anzupacken. Deli hatte nämlich kurzfristig einen Anruf bekommen und musste noch zu einem Termin, und alleine hatte die Süße verständlicherweise keine Lust, sich in der Stadt herumzutreiben. Na gut, davon ließen wir uns natürlich keineswegs stören! Sie ist schließlich nicht nur ein optisch bezaubernder Hingucker, sondern kann sich durchaus nützlich machen, scheut sich nicht vor Schmutz oder harter Arbeit, ist allerdings technisch nicht unbedingt sonderlich versiert.

 

Vielleicht eine gute halbe Stunde später hatte ich gerade meinen Kopf und einen guten Teil meines Oberkörpers tief in der Achterpiek stecken. Diese ist durch eine einfache, hübsche Holz-Doppelklappe direkt am Kopfteil des achteren Doppelbettes zugänglich und beherbergt unter anderem den mächtigen Ruderstock-Quanten samt der Autopilot-Hydrauliksteuerung sowie diverse weitere technische Bordinstallationen. An Bord eines solchen Langfahrtschiffes wird schließlich wirklich jeder noch so kleine Winkel ausgenutzt, um Installationen oder wertvolle Stauraum-Schapps unterzubringen.

»Hey, ich benutze mal eben dein Bad – Sascha blockiert das vordere gerade mit einem ausgiebigen Scheißerchen, haha!«, platzte Kasha völlig unvermittelt herein und erschreckte mich dabei derart, dass ich reflexartig zurückzuckte und mir seitlich am Kopf eine ordentliche Beule holte, als ich mit Wucht gegen die massive Holzverkleidung knallte.

»Autsch! Verdammt, du kleines Biest…«, fluchte ich schmerzerfüllt, drehte meinen Kopf nach hinten und sah die unbekümmert lachende Freche bereits halbnackt im Eingangsschott stehen, während sie völlig achtlos einzelne Kleidungsstücke hinter sich auf den Boden fallen ließ.

»Selbst schuld, haha! Das kommt davon, weil du gar nicht schnell genug nach mir gucken konntest!«, lief sie sich munter weiter ausziehend zum Eingang der Badkabine und dachte typischerweise noch nicht einmal im Traum daran, deren Schott hinter sich zu schließen. Ich schaute schmunzelnd ihren knackigen, frech hüpfenden Pobacken hinterher und amüsierte mich mal wieder köstlich über Kasha.

Nun mag sich jeder normal denkende Mensch berechtigt fragen, wozu sie sich bitteschön komplett auszieht, nur um schlicht die Toilette zu benutzen? Nicht aber, wenn man junge Frauen von ihrer spezifischen Wesensart kennt! Erstens ist sie schlicht der geborene Frechdachs und tut sowieso kaum etwas lieber, als Männer mit ihren entzückenden Reizen zu verwirren – was ihr geradezu diebischen Spaß macht. 

 

Und zweitens wollte sie sich auch kurz im Navy-Stil abduschen, weil sie sich wohl vorhin bei irgendetwas schmutzig gemacht hatte, als sie Sascha vorne an Deck half; oder vielleicht auch einfach nur, weil sie schlicht gerne duscht. Wer weiß das schon so genau, oder welcher Mann versteht wirklich jemals komplett, was im Kopf solch exhibitionistischer Frechdachse vorgeht, die in ihrem gesamten Wesen manchmal eher noch verspielte Girls als erwachsene Frauen sind? schmunzel

Ich rieb mir kurz die schmerzende Stoßstelle direkt hinter der Schläfe und konnte gar nicht anders, als grinsend zuzugucken, wie Kasha sich verschmitzt lächelnd erst auf die Schüssel hockte und anschließend direkt ins Duschabteil stieg, wo gleich darauf das Wasser munter losplätscherte. Da in der Achterpiek ja sowieso alles in bester Ordnung war und meine Kontrolle im Grunde völlig überflüssig gewesen ist, schaute ich mich schwelgend in der Eignerkajüte um und überlegte gründlich:

Hatte ich wirklich nichts wichtiges vergessen? Ausreichend Kleidung für jede erdenkliche Wetterlage eingekauft und sicher verstaut? Gute Bücher zum Lesen, Tücher, nützlichen Männerkram, technisches Spielzeug wie unsere Kameradrohne, Ersatzhandy, Werkzeug, Schreibutensilien, Papier, leckere Knabbereien meiner persönlichen Vorlieben und was all der Dinge mehr sind, die man für das eigene Wohlbefinden halt gerne an Bord dabeihat? Gab es außerdem noch genügend freien Platz für Bellas Sachen und Frauenkram, wenn sie demnächst an Bord einzieht, und welchen Raum benötigt zusätzliche Seeausrüstung für sie, da sie doch sicherlich vorrangig erst einmal nur normale, sexy Landklamotten im Gepäck haben dürfte?

Nach nicht einmal fünf Minuten kam Kasha auch schon wieder strahlend heraus und lächelte auf ihre ganz eigene, zauberhafte Frechdachs-Art.

»Na, freust du dich eigentlich schon auf diese Ella-Bella? Sie hat dich ja ganz schön beeindruckt, sagt Deli, hihi!«

»Gewiss freue ich mich, und du wirst sie ganz sicher auch sehr mögen«, zwinkerte ich schmunzelnd zurück und konnte ihr natürlich keine einzige Sekunde wegen der kleinen Beule böse sein. »Aber jetzt gerade freue ich mich erst einmal über deinen entzückenden Anblick, du kokette Freche!«

»Oller Charmeur duuuuu… aber ich freue mich natürlich auch, wenn du dich freust und dir, hihi, gefällt, was du siehst!«, konterte sie prompt gewohnt schlagfertig und ließ sich völlig unbekümmert und federnd neben mir aufs Bett plumpsen. »Mmh, dein Bett hier hinten ist aber auch größer und gemütlicher als das von Sascha und mir vorne. Das ist echt eine Gemeinheit!«

»Für Seine Herrlichkeit, den Captain, ist nun mal nur das Beste gut genug – und es ist auch absolut gerecht! Schließlich muss ich hier an Bord auch viel mehr schwere Verantwortung tragen!«, piekte ich ihr schelmisch kitzelnd in die Seite. Solche kleinen Späße liebt sie auf ihre noch etwas jugendlich verspielte Art viel zu sehr, obwohl sie längst eine voll erwachsene und in sinnlichen Liebesdingen richtig erfahrene Frau ist. Aber mal ganz ehrlich: Muss Mann solche bezaubernden Frechdachse nicht einfach total gernhaben, wenn sie noch so wunderbar verspielt kichern können wie pubertierende Teengirls?

»Aaaaahihihi… nicht! Du weißt doch ganz genau, dass ich total kitzelig bin!«, tat sie natürlich nur so, als wolle sie mich abwehren und flüchten, während es ihr in Wahrheit absolut gefiel.

»Ja eben, genau das macht doch den ganzen riesigen Spaß aus, hehe!«, startete ich eine richtige Kitzelattacke, und Kasha prustete begeistert und heftig los, bis wir beide vor lauter Lachen völlig außer Atem waren.

»Was treibt ihr zwei denn da schon wieder?!«, kam schließlich auch Sascha breit grinsend in die Achterkabine geschlendert und hockte sich entspannt auf das kleine Seitensofa am Steuerbord-Fußende, das aktuell mit einem gräulich-blauen, schön kuscheligen Stoff bezogen war. Ich glaube, wir haben sicher fünf verschiedenfarbige Schutzüberzüge an Bord dabei, was zusammen mit unterschiedlich gefärbter oder bunter Bettwäsche immer eine nette Abwechslung und schöne Farbtupfer im ansonsten dominierenden Braun der hochwertigen Holzvertäfelungen bietet.

Diese im besten Sinne traditionell-altmodischen Boote nach Hans-Christian-Design und Bauqualität sind wirklich so urgemütlich, wie man es selbst auf Yachten ähnlich hoher Bauqualität nur selten antrifft. Allerdings hat das naturgemäß, wie alles im Leben, seine zwei Seiten: Solch hochwertige, teure Holzvertäfelungen aus Mahagoni und Teak mit den edlen Bronze-Installationen wie Bullaugen, Badarmaturen und Beschlägen erfordern im salzig-feuchten Marineklima spürbar mehr Pflegeaufwand, um alles dauerhaft schön aussehen zu lassen. Wenn man diesen klassischen Yachtstil mag – und das tun viele leidenschaftliche Yachtleute nun einmal –, ist es aber wahrlich eine der schönsten und gemütlichsten Bordumgebungen überhaupt, in denen man sich auf See rundum wohlfühlen kann.

Wir sprachen ausgiebig über die oben detailliert beschriebene Segelplanung, wozu auch Sascha sehr fundierte Ansichten beitragen konnte. Er ist zwar noch ein junger Mann, aber dennoch schon ein richtig erfahrener Segler mit rund 10.000 Seemeilen im Kielwasser und ein echter norddeutscher Jung von der Waterkant bei Wilhelmshaven. Kasha versteht zu wenig von der tiefen Materie, um etwas fachlich Sinnvolles beizutragen, besitzt aber durchaus reichlich gesunden Menschenverstand und ist keineswegs nur eine oberflächliche, verspielte Girls-Frau. Dass das Upwind-Segeln gegen Wind, Strömung und Tide extrem ungemütlich werden kann, wenn es denn hart auf hart kommt, ist auch ihr völlig klar.

Später spazierten wir gemeinsam zum Mittagessen rüber ins historische Haus der alten Dame, machten uns kurz frisch, stärkten uns ausgiebig und legten eine kleine, erholsame Siesta ein. Für die nötige körperliche Bewegung folgte danach ein ausführlicher Spaziergang über die weitläufigen Hafenanlagen bis hinunter zum Strand und zurück durch das malerische Städtchen. Es war heute wirklich wunderschön sonnig, und die Strahlen hatten noch richtig wärmende Kraft.

Die leicht salzige Seeluft umschmeichelte uns und die anderen Spaziergänger bei angenehmen fast 22 Grad. Die Seevögel kreischten hoch am Himmel oder zogen majestätisch gleitend ihre Kreise. Ab und zu wurde sogar ein allzu leichtsinniger Fischbrötchenesser von einer Möwe attackiert, weil die lernfähigen Vögel das schlicht als Einladung zum kostenlosen, einfachen Imbiss ohne eigene Jagdarbeit interpretierten. 


 

Manche dieser Birdies können dabei sogar richtig aggressiv werden und Menschen verletzen – dann ist das absolut kein Spaß mehr! Aber wie so oft in solchen Fällen entstand dieses Problem erst durch das dumme Fehlverhalten von Menschen, welche die Vögel zuvor jahrelang gefüttert haben, bis diese sich daran gewöhnten und nun sozusagen fest glauben, jeder Zweibeiner wäre dazu verpflichtet ihnen Futter zukommen zu lassen.

Schließlich holten wir Bella pünktlich am Bahnhof ab. Es gab erst einmal ein riesiges Hallo mit ausführlichen Begrüßungsumarmungen, Küsschen und einem ausgesprochen erotischen Kuss für mich. Sie war schick in ein hellrosa Kostüm mit einer hautengen Hose im Tigerpranken-Look gestylt und zog mit ihrer blonden Mähne naturgemäß eine ganze Menge erfreuter Männerblicke auf sich. Zusammen mit Deli und Kasha waren wir nun mit gleich drei reizenden Schönheiten unterwegs – jede auf ihre ganz eigene Art beeindruckend und auffällig –, sodass wir sowieso auf den Straßen ziemlich aus dem Rahmen fielen. schmunzel

Wir geleiteten sie plaudernd, lachend und scherzend zum Stadthaus von Mevrouw Margriet, welche Bella selbstverständlich ebenfalls aufs Herzlichste willkommen hieß und offensichtlich sogleich Gefallen an ihr fand. Ich werde bei passender Gelegenheit aber unbedingt noch einmal ein ernstes Wörtchen mit der lieben alten Dame sprechen müssen: Sie füttert Kasha, Sascha, mich und nun auch noch Bella wie liebe Familienmitglieder quasi komplett kostenlos durch und lässt uns in ihrem schönen Haus wohnen, ohne auch nur irgendeine Gegenleistung zu erwarten oder zu verlangen. Ich meine, sie ist fraglos vermögend, aber eben nicht wirklich reich; eigentlich wäre es mehr als angemessen, wenn sie mir erlaubt, zumindest einen fairen Kostenanteil beizusteuern, was sie aber wahrscheinlich stolz ablehnen wird.

 

Den restlichen Spätnachmittag und Abend ging es dann ordentlich rund, sodass ich kaum noch Zeit zum Schreiben fand. Bella wollte voll brennender Neugierde unbedingt sofort das Boot sehen und quittierte den Anblick begeistert mit: »Och, was für ein voll süßes, klassisch schönes Boot!« Dazu sollte man bedenken, dass ein so attraktives Model wie sie fraglos schon häufiger als Partygast auf den Decks von gigantischen Super- und Megayachten unterwegs war.

Eine vergleichsweise kleine Segelyacht ist also gewiss nicht beeindruckend für sie; aber sie ist eben auch ein bodenständiger Typ und keine hochnäsig verwöhnte Luxus-Tusse der Edel-Callgirl-Sorte, die sich nur zu gerne an Megayacht-Eigner anbiedern und im Grunde wie Huren für Geld zu allem bereit sind. Von der Sorte gibt es in der schillernden Modelwelt auch nicht gerade wenig, und die würden über unser traditionelles Segelboot nur abfällig lachen.

Am Abend besuchten wir noch das recht gute China-Restaurant De Lange Muur am Alexander Gogelweg 59. Da wir alle asiatische Küche sehr mögen, genossen wir die delikaten Speisen in vollen Zügen. Es ist zwar kein Gourmet-Tempel, aber wirklich richtig gut, und die Durchschnittsbewertung von 4,4 Sternen auf Google fand ich absolut angemessen. Für etwa 20 bis 30 Euro pro Person kann man dort in sehr nettem Ambiente ausgiebig von einem üppigen Buffet schlemmen und mehr als satt werden. Der für mich einzige echte Störfaktor: Sie haben erstaunlicherweise nur von 16:00 bis 21:00 Uhr geöffnet.

 

Danach vergnügten wir uns noch bis etwas nach Mitternacht im bis 02:00 Uhr geöffneten Irish Pub The Wicked in der Nieuwendijk 31 und hatten dort mitten in der Woche eine Menge Spaß – unter anderem bei einem amüsanten Dart-Wettbewerb mit einheimischen Gästen. Es handelt sich um einen typischen, eher kleinen Irish Pub mit uriger Einrichtung, netten Wirten und durchweg gutgelaunten Gästen. Die Pint Guinness zu 7,00 € ist heutzutage in Europa wohl als normal zu bezeichnen, aber sie bieten auch sonst eine riesige Getränkeauswahl. Ich bin ja bekanntlich bevorzugt Weintrinker, aber in so einem urigen Pub lasse ich mir auch gerne mal ein frisch gezapftes, klassisches Guinness schmecken.

Gut gelaunt lachend, plaudernd und ehrlich gesagt auch alle ein klitzekleines bisschen beschwipst, spazierten wir schließlich zurück zum Wohnhaus. Dort bemühten wir uns natürlich, möglichst leise zu sein, um den verdienten Schlaf der alten Dame nicht zu stören. Schnell noch einmal frisch geduscht, krochen wir immer noch lächelnd ins Bett und versanken schon nach kurzer Zeit tief im Reich der Träume.

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Antwerpen, erst Bella, dann Sightseeing zu dritt

 


#26.08.30 – Antwerpen, erst Bella, dann Sightseeing zu dritt

»Mädels, wenn ihr weiter so rumtrödelt, falle ich hier noch glatt um vor Hunger und ihr müsst am Ende noch den Notarzt rufen!«, versuchte ich Bella und Deli ein bisschen anzutreiben.

Ich war längst komplett fertig angezogen zum Ausgehen und Frühstücken, während die beiden immer noch vollkommen unbekleidet durch das Hotelzimmer turnten und auf typische Frauenart endlos über die passenden Klamotten diskutierten. Immerhin waren sie bereits dezent geschminkt, hatten die Haare schön geföhnt und boten natürlich einen höchst entzückenden Anblick. Aber wir hatten heute noch einiges vor und schlichtweg noch nichts im Magen.

»Hetz mal nicht so rum, du Sklaventreiber, haha!«, konterte Deli wie immer schlagfertig, lustig und strahlend vor guter Laune. »Altes chinesisches Sprichwort sagen: Gut Ding will Weile haben! Und versuch erst gar nicht so zu tun, als würdest du unseren Anblick nicht mit größtem Vergnügen mit deinen Augen verschlingen!«

»Ich gestehe ehrlich, dass ich euch mit größter Freude noch stundenlang zuschauen könnte«, grinste ich amüsiert über solch freche Sprüche. »Aber im Ernst: Ich habe riesigen Hunger, ihr bestimmt auch, und du, liebe Deli, hast nachher schließlich noch einen Termin. Also los jetzt, auf gehts!« Ich erlaubte mir, beiden zärtlich auf die reizvollen Pobacken zu patschen. Darüber lachten sie nur noch mehr, schauten nun aber doch auf die Uhr, spürten den eigenen Appetit und sputeten sich jetzt deutlich gezielter.

Ich ging schon einmal nach unten und rauchte draußen genüsslich eine Zigarette. Das Wetter war bewölkt mit leichtem Regen – manchmal nur ein paar Tröpfchen, dann wieder Nieselregen oder ein kleiner Schauer. Laut Vorhersage sollte das den ganzen Vormittag bei 18 bis 23 Grad so bleiben und es erst um die Mittagszeit sonniger werden.

Mit einer guten, leichten Regen- und Windschutzjacke über meinem Gentleman-Outfit sowie einer Schirmmütze war das absolut kein Problem und wirkte sogar ein wenig romantisch, so nach dem Motto »Antwerpen im spätsommerlichen Regen erleben«. Die Luft in der immerhin rund 563.000 Einwohner zählenden Stadt duftete sauber und feucht so angenehm, wie es nur nach einem Frühlings- oder Sommerregen der Fall ist.

Eine knappe Viertelstunde später erschienen die Schönheiten: Deli in einem eleganten Trenchcoat, Bella in einem hellgelben, sehr kurzen Regenmantel und beide mit wehender Blondmähne. Sie boten einen Anblick verlockender Weiblichkeit, der nicht wenige Blicke vorbeikommender Männer auf sich zog. Deli verabschiedete sich kurz darauf zu ihrer Frühstücksverabredung mit Bekannten in Antwerpen, wohin sie nicht einfach Fremde mitbringen konnte.

Bella und ich spazierten untergehakt zum nicht weit entfernten kleinen Geheimtipp Kafeïno Meir in der Jezusstraat 8. Das ist ein geniales Café mit einer nicht zufällig ungewöhnlich hohen 4,7-Sterne-Bewertung auf Google. Äußerst freundlich-kompetentes Personal sorgt hier für hervorragenden Kaffee und sehr leckere Speisen sowie Gebäck in gemütlichem Ambiente zu angemessenen, fast schon günstig zu nennenden Preisen. Alles wird frisch und mit Liebe zubereitet, wie man so schön sagt, und die leckeren Brote oder Panini sind wirklich üppig belegt.

 

»Komm schon, nix wie rein, ich verhungere sonst noch!«, lächelte Bella, während ich draußen noch schnell ein Foto von ihr vor dem Eingang schoss.

»Hättet ihr Grazien vorhin nicht so lange rumgetrödelt, wären wir schon…«

»Ja, ja, papperlapapp, hätte, hätte, Fahrradkette, haha!«, unterbrach sie mich lachend, zog mich hinter sich her ins Warme und wir bestellten zunächst köstlichen Kaffee und frische Fruchtsäfte. Danach folgten delikat belegte, gegrillte Panini-Brote in einer Menge, die mühelos für ein vollständiges Mittagessen ausgereicht hätte.

»Madame…«, wollte ich ihr gentlemanlike aus dem kurzen gelben Regenmantel helfen, aber sie wehrte mich verschmitzt lächelnd ab und kicherte:

»Nein, Steve, darunter habe ich nur sexy Dessous an, hihi!«, blitzten ihre Augen frech.

»Oha!«, grinste ich breit. »Ein bisschen unpraktisch bei diesem Wetter, aber typisch Frau und fraglos ein entzückender Anblick, du Freche.«

»Als Frau habe ich schließlich das naturgegebene Recht, unlogisch und unpraktisch zu sein, haha!«, meinte sie, während wir es uns an einem Tisch gemütlich machten. Aktuell waren nur ganz wenige andere Gäste hier und wir wurden schnell mit allem Gewünschten versorgt.

»Ja… spiel du nur das unschuldige Weibchen… und wenn du damit fertig bist, dann verrate mir doch mal, was der eigentliche Grund ist, weshalb Deli mich her- und uns beide zusammengebracht hat!«, schaute ich ihr fest in die strahlenden Augen.

»Wa… ja verflixt, was bist du nur für ein cleverer Kerl, haha?!«, guckte sie kurz überrascht, dann vor allem über sich selbst belustigt, mit einer Spur anerkennendem Respekt für mich. Wie sie nun mal ist, reagierte sie vollkommen offen und ehrlich: »Deli hat mich ja gewarnt… ist das wirklich so durchsichtig, haha?«

»Na ja, allzu schwer zu erraten war es nicht gerade. Ich habe sozusagen das Erkennen von klassischen Weiberverschwörungen gegen das ehrenwerte männliche Geschlecht eingehend studiert, hehe.«

»Was für ein Gauner! Aber ein echt lieber, charmanter Gentleman-Gauner«, lächelte sie zauberhaft und mit ein klein wenig Ernsthaftigkeit im Blick, während sie geradezu erotisch von ihrem Kaffee schlürfte.

Ich biss herzhaft und innerlich stark schmunzelnd von einem köstlich belegten Panini ab und kaute mit Genuss. So herrschte ein Moment der Stille, in dem wir uns stärkten. Dabei trafen sich ständig unsere Blicke, die sehr viel gegenseitige Sympathie und auch schon etwas ehrliche Zuneigung zueinander verrieten. Bella biss ebenfalls mit spürbarem Appetit in eines der leckeren Brote, kaute unbekümmert und schien meine Gesellschaft ebenso zu genießen wie ich die ihre.

»Natürlich – das muss ich doch wohl nicht extra betonen – musst du mir überhaupt nichts verraten«, lächelte ich vergnügt und ehrlich fasziniert von Bella. »Aber ich schätze mal, das wäre gar nicht deine Intention, stimmts?«

»Nö, natürlich nicht, du Schlaumeier, haha!«, hatte sie einen Blick drauf, der selbst gestandenen Männern leicht wackelige Knie verursachen könnte.

Nicht allein ihre Schönheit, ihr Sexappeal, ihr weiblicher Charme und die verlockende Erotik sind das besonders Faszinierende an Ella-Bella. Es ist vielmehr ihre direkte Wesensart, wie sie ohne Arg oder Hintergedanken ihr Herz auf der Zunge trägt. Als erfahrenes Model in einer harten Branche hat sie fraglos auch lernen müssen, einen gewissen berechnenden Selbstschutz einzubauen. Doch offensichtlich ist sie am allerliebsten das unbeschwerte, sonnige, herzlich gerne lachende Gemüt und möchte die Welt mit guter Laune und Freundlichkeit verschönern.

Wenn sie lacht und mit dir scherzt, spürst und siehst du sofort vor allem in ihren Augen: Da kommt alles absolut ehrlich von innen heraus, ohne die geringste Berechnung, um mit weiblicher Raffinesse etwas Bestimmtes zu erreichen. Menschen und insbesondere Frauen dieser offenen Wesensart haben es in dieser brutal kapitalistischen Welt keineswegs einfach und werden häufig ausgenutzt oder benutzt.

»Hoi, was grübelst du da gerade hinter deiner Denkerstirn, Steve?«, hakte sie nach.

»Willst du es wirklich wissen oder fragst du nur so im Gesprächsverlauf?«, winkte ich dem bärtigen Mann hinter der Theke und bestellte zwei frische Kaffee.

»Doch, ja, das will ich wirklich wissen! Ich finde es ehrlich gesagt ganz schön faszinierend, wie du denkst.«

»Na gut, du wolltest es so, aber dann beschwer dich hinterher nicht!«, zwinkerte ich und erzählte ihr nahezu wortgleich genau das, was ich eben aufgeschrieben habe.

»WOW…«, schluckte sie, verschluckte sich fast an einem Happen und schaute mich auf kaum zu beschreibende Art an. »… du bist echt… erstaunlich! Und verblüffend! Und, hihi, ich mag es voll, wie du mich anschaust!«

»Ach ja, wie schaue ich denn?«, grinste ich. Ich kannte die Antwort im Grunde schon, weil ich das schon häufiger von cleveren Frauen gesagt bekommen habe. Aber ich wollte hören, wie Bella es formulierte.

»Frauen wie Deli und ich sind es gewohnt, von den meisten Männern wie Sexobjekte betrachtet zu werden. So nach dem Motto: ›WOW, geiles Stück, die will ich haben und durchficken, bis sie mich für ihren Gott hält!‹ Du weißt natürlich, was ich meine?«

»Ja natürlich, Bella.«

»Du dagegen schaust uns mit einem genüsslich bewundernden Respekt an. Ganz egal, ob wir wie vorhin nackt im Hotelzimmer vor dir stehen oder komplett bekleidet – dein Blick gilt nie nur der äußerlich reizvollen Fassade, sondern immer dem Menschen, der Frau dahinter. Du genießt unsere Schönheit und verlockende Weiblichkeit, freust dich wie ein Kind über liebreizende Gesellschaft und schätzt es, wenn du uns in all unserer Pracht unverhüllt sehen darfst. Aber du guckst uns eben niemals an wie bloße Objekte zur Befriedigung männlicher Gelüste, die gefälligst stets dienstbereit zu sein haben. Für dich sind wir wie ein kostbares Geschenk, das du zutiefst wertschätzt. Du guckst… einfach voll lieb und ehrlich. Und genau das genieße ich sehr. Besser kann ich es nicht erklären – ich bin schließlich keine so intellektuelle Denkerin wie du, haha!“

„Willst du noch etwas ganz ehrlich wissen, Bella?“

„Äh, was denn, haha?“, konnte sie offensichtlich kaum ein paar Worte sagen, ohne direkt wieder zu lachen oder zumindest strahlend zu lächeln.


„Jetzt sage ich WOW! Weil ich dir, ganz offen gestanden, gar nicht zugetraut hatte, solche komplexen Gedanken so treffend zu formulieren und auszusprechen. Das wiederum sagt mir, dass hinter deiner scheinbar leichtlebig-unbeschwerten Fassade weit mehr steckt, als man zunächst vermutet, wenn man dich flüchtig erlebt. Du hast einen klugen, schönen Kopf auf den Schultern, mit dem du tiefgründiger und reflektierter denken kannst als sehr viele andere Menschen.“

 Ich dozierte mal wieder ein bisschen zu sehr und bremste mich deshalb an dieser Stelle schnell selbst ein, obwohl ich eigentlich noch viel mehr sagen wollte… aber ihr Blick in diesem Augenblick war schlichtweg herzerwärmend.

„Ach herrjemine… wenn das nicht das schönste Kompliment ever für mich war, dann weiß ich auch nicht. Schaust du eigentlich immer so schnell und tief hinter die Fassade von Menschen?“

„Nicht immer, aber sehr oft – fast immer“, lächelte ich und hätte in diesem Moment in ihren schönen Augen wie in einem bodenlosen See versinken können.

Also gut, du Klugkopf, hihi, hier kommt das, was hinter dieser besagten ‚Weiberverschwörung‘ wirklich steckt!“, kicherte Bella fast ein bisschen mädchenhaft. Sie zog ein sorgfältig zusammengefaltetes Blatt Papier aus ihrer Handtasche. „Du kennst doch bestimmt die Selbstbeschreibungen, die wir Models manchmal an Agenturen, Agenten, Fotografen oder zur Befriedigung neugieriger Fans über uns abgeben müssen? Hier habe ich dir eine absolut ehrliche Version von mir mitgebracht – lies das mal!“

„Lass sehen, jetzt bin ich aber doch ganz schön neugierig geworden!“, nahm ich den Zettel lächelnd entgegen. Ich entfaltete ihn und las, während ich gemütlich weiter futterte, was darauf geschrieben stand:

Hi, ich bin Ella, von vielen aber nur Bella genannt – ein durch und durch lebensfrohes Mädchen und eine echte Weltbürgerin. Bei mir dreht sich alles um positive Energie, die pure Liebe zum Leben und darum, jeden schönen Moment voll auszukosten. Ob beim Reisen, bei spontanen Abenteuern oder beim Genießen der kleinen Dinge des Alltags – ich bin immer mit viel Lachen und bester Laune dabei!

Ich liebe viel zu viele Dinge, um sie hier alle einzeln aufzuschreiben, aber seit ein paar Jahren haben es mir schöne Boote und das Fahrtensegeln besonders angetan. Ich träume oft davon, mit einem guten, erfahrenen Skipper auf Langfahrt-Törn zu gehen – vielleicht sogar ganz klassisch die Welt zu umsegeln. Das wäre die perfekte Entschleunigung in unserer hektischen, modernen Welt!

Als Fine-Art-Akt- und Erotikmodel liebe ich es total, reizvoll und ästhetisch für gute Fotografen zu posieren – aber niemals pornografisch. Wenn meine Art den Menschen, vor allem den Männern, gefällt und sie mir nette Kommentare schreiben, freut mich das riesig. Es gibt meiner Motivation immer wieder neuen Schub.

Yoga und Meditation sind meine persönlichen Geheimwaffen, um Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen – für mich ist die innere Balance einfach das A und O! Apropos Balance: Ich liebe die stimmige Kombination aus meinen fraulichen Kurven und meiner schlanken Figur. Es geht schließlich darum, genau das zu lieben, was mich ausmacht – eben mich selbst!

Und wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, dann wäre es definitiv die, überall Glück zu verbreiten und die Menschen um mich herum zum Lächeln zu bringen. Das ist mein allergrößtes Ziel! So bin ich nun mal, eure Ella-Bella, haha. 😉

„Ah ja… alles klar, liebe Bella. Wenn das kein überdeutlicher Wink mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl ist, was bitte dann, hoho!“, gluckste ich sehr amüsiert. Ich war vor allem ehrlich fasziniert von der Offenheit ihrer Selbstbeschreibung. Die meisten Models schwindeln bei solchen Texten typischerweise und schreiben schlicht das, von dem sie glauben, dass die Leute es hören wollen. „Du möchtest wohl gerne bei uns auf das gerade aufgerüstete Fahrtenboot in Vlissingen einsteigen?“

„Also eigentlich meinte Deli, haha, wenn sie doch selbst vorerst keine Zeit zum Mitsegeln hat, wäre ich der perfekte Ersatz für sie. Um mich ein bisschen um das Wohlbefinden des Captains zu kümmern, hahaha!“, überzog doch tatsächlich eine hauchdünne, kaum wahrnehmbare Röte die zarten Wangen ihres schönen Gesichts. Denn eines war natürlich auch sofort klar: Das würde unvermeidlich dazu führen, dass sie in meinem Bett landet – so sehr, wie wir uns jetzt schon zueinander hingezogen fühlten.

„Also doch eine klassische Weiberverschwörung, hoho! Hast du denn überhaupt schon praktische Erfahrung und weißt, wie das Leben auf einem echten Fahrtenboot wirklich aussieht?“

„Ehrlich gesagt nicht allzu viel, Steve. Ich kann einen Palstek knoten, am Ruder stehen, Segel setzen und bergen und kenne viele Seemannsregeln – allerdings mehr aus der grauen Theorie als aus echter Praxis. Ich werde dir aber bestimmt nicht aus Dummheit dein Boot versenken, haha, keine Sorge! Außerdem lerne ich schnell, passe mich problemlos an. Und natürlich ist mir völlig klar, dass das rein gar nichts mit dem Schlürfen von Drinks im Bikini an Deck im Sonnenuntergang auf einem Kreuzfahrtschiff zu tun hat, bei dem andere die Drecksarbeit erledigen.“

„Hm, das hört sich doch schon mal gar nicht so schlecht an, schöne Bella“, lächelte ich, von dem Gedanken, sie mit an Bord zu nehmen, ziemlich angetan. „Hast du denn Probleme mit Seekrankheit? Kannst du es ertragen, wenn sie dich irgendwo auf See erwischt? Oder flüchtest du dann sofort jammernd zurück an Land, sobald sich die erste Möglichkeit bietet?“

„Also echt, ich mag ja vieles sein, aber ganz bestimmt kein Jammerlappen, haha!“, lachte sie auf ihre so bezaubernd offene Weise. „Ich war durchaus schon mal seekrank und schön ist das echt nicht! Aber ich komme damit klar. Ich habe da allerdings noch einen ganz anderen Hintergedanken…“

„Ach ja? Welchen denn?“

„Dazu muss ich ein bisschen weiter ausholen, Steve: Ich hatte mal einen Lover, der gleichzeitig mein Manager war. Das funktionierte jahrelang sehr gut und wir hatten den gemeinsamen Traum, genug Geld für ein eigenes Boot zusammenzubekommen. Ich habe damals geshootet wie eine Wahnsinnige, um möglichst hohe Einnahmen zu generieren. Aber da ich supergerne vor der Kamera stehe, machte mir der Stress sogar Freude. Dann erwies sich der Kerl allerdings als riesiges Arschloch. Er wollte mich unbedingt in die Pornobranche und zu perversen Sachen drängen. Als ich das strikt ablehnte und unsere Beziehung immer stärker kriselte, haute das Schwein schließlich einfach ab – und nahm einen Großteil meiner bis dahin hart verdienten Model-Gagen gleich mit. Dämlich und naiv wie ich war, hatte ich ihm damals die volle Verfügungsgewalt über meine Konten überlassen.“

„Oh je, eine klassische und leider gar nicht so seltene Geschichte von jungen, schönen, aber naiven Models und den Arschlöchern, die sie eiskalt ausnutzen. Tut mir wirklich leid für dich – aber wie gehst du jetzt damit um?“, fragte ich einfühlsam. Ich griff kurz über den Tisch, um ihr freundschaftlich tröstend über die zarte Wange zu streicheln.

„Von so einem Depp lasse ich mich doch nicht unterkriegen, haha! Inzwischen habe ich mir schon wieder einiges neu verdient und baue mir gerade eine reine Selbstvermarktung auf. Keine Agenten mehr, keine Agenturen, die am Ende alle nur von meiner Arbeit abkassieren wollen!“, erklärte sie stolz. Sie musste gar nicht viel dazu sagen. Als erfahrene Profis wussten wir natürlich auch so recht genau, wie das Geschäft läuft. „Ich habe gut 50.000 Follower und einige echte Fans, die mir auf Abo-Basis und durch Einzelspenden Geld zukommen lassen. Dafür bekommen sie exklusive Einblicke in mein Leben, schöne Fotos und softerotische Bilderserien. Das bringt mir zwar keine Reichtümer, aber dafür sichere, regelmäßige Einnahmen, die ganz allein an mich fließen – ohne dass außer den üblichen Finanzgebühren noch jemand mitverdient.“

„Ich verstehe, Bella, und ich weiß auch schon, was als Nächstes kommt. Dazu benötigst du natürlich ständig einen guten Fotografen um dich herum, der täglich ausreichend schöne Pics von dir schießt, mit denen du deine Fans und Abonnenten zufriedenstellen kannst.“ Ich nahm den letzten Bissen meiner Paninis und bestellte beim Kellner erneut frischen Kaffee und  Mineralwasser.

„Ganz genau, Steve! Und du bist doch ein richtig guter Knipser, wie Deli mir erzählt hat!“, lächelte sie mit spürbarer Begeisterung und wohl auch mit ein bisschen Hoffnung in den Augen. „Außerdem bist du ein erfahrener Geschäftsmann, ein echter Gentleman, ein versierter Skipper und… haha, eindeutig ein klasse Typ! So die Kategorie Beschützerbär, der niemals eine Frau ausnutzen würde, stimmt’s?! Da würde ich mit dir auf eurem schönen Boot – Deli hat mir schon tolle Fotos gezeigt – doch glatt mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, haha!“

„Herrje, deine schönen Augen sprühen gerade so viele begeisterte Funken, dass ich als Betreiber dieses Cafés ernsthafte Angst vor einem Brand hätte, hoho!“, gluckste ich sehr amüsiert, aber auch ehrlich fasziniert von ihrem weiblichen Zauber. „Okay, reden wir mal Tacheles: Wann und wie lange könntest du als Crew-Mitglied bei uns einsteigen? Und ist dir völlig klar, dass an Bord bereits alle Kojen fest vergeben sind? Du könntest also vorerst nur bei mir in der achteren Eignerkabine mit in meinem Bett schlafen, bis wieder jemand aussteigen muss. Und da wir zwei erwachsene Menschen sind, die sich eindeutig sehr mögen, ist ebenso klar, wohin das unvermeidlich führen würde, wenn gerade weder Deli noch eine andere Geliebte mein Bett teilt! Nicht dass ich das in irgendeiner Form zur Bedingung machen würde – auf keinen Fall –, aber reden wir nicht drum herum: Wir würden garantiert sehr schnell miteinander intim werden. Stimmt’s?!“

„Jaaa-haha…!“, prustete diese bezaubernde Schönheit los. „…na und?! Deli sagt, du bist obendrein ein fantastischer, unglaublich zärtlicher Liebhaber – und soll ich dir mal ganz ehrlich was sagen, haha? Ich glaube, es wäre einfach nur wunderschön mit dir, genauso, wie du offenbar als echter Gentleman bist!“

„Mal ganz ehrlich? Ich dachte eigentlich, du wärst die ganze Zeit ehrlich zu mir – oder hast du etwa irgendwo geschwindelt, hehe?“

„Du Wortklauber, du, hahaha!“, knuffte sie mir verspielt gegen den Oberarm. „Führ mich gefälligst nicht aufs Glatteis, indem du alles, was ich da so plappere sofort auf die Goldwaage legst! Und schau mich gefälligst nicht so an, Mensch!“

„Wieso, wie schaue ich denn, hoho?“, funkten wir uns mit derart viel spürbarer Sympathie und gegenseitiger Zuneigung an, als wollten wir augenblicklich in diesem gemütlichen Café übereinander herfallen und spontan in aller Öffentlichkeit heftig Liebe machen. Und das nach deutlich weniger als 48 Stunden des Kennenlernens! Bellas Gesichtsausdruck, ihre gesamte Körpersprache und vor allem das, was aus ihren leuchtenden Augen sprühte… um das treffend zu beschreiben, fehlen mir schlichtweg die passenden Worte.

„Wie… warte mal kurz…“, nahm sie eine Papierservierte, wischte mir superlieb lächelnd einen kleinen Krümel aus dem Mundwinkel und ließ ihre zarten Finger einen Moment länger als nötig streichelnd meine Wange berühren. „So ist es besser, hihi. Du schaust wie ein sechsjähriger Bub vor dem funkelnden Weihnachtsbaum voller toller Geschenke!“

„Genauso fühle ich mich ehrlich gesagt gerade auch, hoho, und amüsanterweise hat erst vor kurzem eine Frau das gleiche zu mir gesagt. Versuchst du mich hier etwa nach allen Regeln der Kunst zu verführen?“

„Ich dich? Ahaha, ist der feine Herr vielleicht ein klitzekleines bisschen zu sehr von sich überzeugt, hihi? Pah, wie käme ich denn bitte dazu?!“, sprühten ihre Augen geradezu ein optisches Feuerwerk ab.

Meine Güte, wie lange hockten wir jetzt eigentlich schon in diesem netten Café und wie viel Koffein hatte ich mittlerweile intus? Und sie erst? Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass es tatsächlich schon auf die Mittagszeit zuging, während um uns herum ständig andere Gäste gekommen und gegangen waren, ohne dass wir das auch nur ansatzweise registriert hätten. Ella-Bella würden fraglos nicht wenige Männer ohne Zögern als „Traumfrau“ bezeichnen, und sie gefiel mir sogar ein Stück weit besser als Deli – wobei die beiden in vielen Dingen sehr ähnlich sind.

Aber ein im Leben so erfahrener Mann wie ich weiß natürlich auch nur zu gut, dass es so etwas wie Traumfrauen im echten Leben schlichtweg nicht gibt – genauso wenig wie es den perfekten Traummann gibt. Und jemand meiner Natur verknallt sich auch nicht mal eben hopplahopp einfach so, egal wie hinreißend eine Frau auch sein mag. Aber verdammt noch mal: Was sich da mit Bella unübersehbar anbahnte, könnte wirklich etwas ganz Besonderes werden – und so etwas schreibe ich nun wahrlich nicht leichtfertig.

Unsere beiden Handys klingelten exakt gleichzeitig und natürlich war Deli am anderen Ende der Leitung:

»Hoi ihr Süßen! Jetzt hattet ihr aber wirklich genug Zeit zum Turteln, haha!«, lachte sie hörbar heiter durchs Telefon. »Jetzt muss ich nicht mehr so tun, als hätte ich einen wichtigen anderen Termin, haha! Schaut mal raus: Die Sonne kommt endlich zum Vorschein, wir haben angenehme 21 Grad – los, lasst uns Sightseeing machen!«

Uff! Hatten die beiden Schönheiten sich also tatsächlich in einer klassischen »Weiberverschwörung« hinter meinem Rücken abgesprochen, und Delis angebliche Verabredung war nur vorgeschoben, um mich mit Bella allein zu lassen… was für raffinierte Komplizinnen, hohoho! Ich musste heftig glucksend lachen und amüsierte mich köstlich darüber, während die zwei Grazien am Telefon sogleich einen Treffpunkt vereinbarten. Schnell bezahlte ich die Rechnung im Kafeïno Meir und wir liefen los, während ich immer noch extrem breit grinste.

»Ihr seid mir ja zwei hochprofessionelle Verschwörerinnen, haha! Da haben wir armen, ahnungslosen Männer gar keine Chance!«

»Am besten, haha, du kapitulierst gleich völlig bedingungslos, dann lassen wir eventuell Gnade walten… gnihihi!«, lach-kicherte Bella völlig unbeschwert. Und doch entdeckte ich in ihrem belustigten Seitenblick so etwas wie respektvolle Anerkennung dafür, dass ich keineswegs sauer reagierte, sondern mich darüber ebenfalls herzlich amüsierte. Es war doch wirklich zu köstlich, wie geschickt sie das eingefädelt hatten und es nun auch ganz offen zugaben.

Wir spazierten zum hübschen, ungefähr einen Kilometer entfernten »Historisch centrum«, der Altstadt von Antwerpen, wo Deli wie ein leuchtend blondes Signalfeuer bestens gelaunt vor den beeindruckenden Fassaden historischer Bürgerhäuser auf uns wartete. Diese verkündeten ganz ungeniert den Wohlstand der ehemals kriegerischen, seefahrend weltweit agierenden Handelsnation der Niederlande.

»Auf ihr Hübschen, ich habe schon ordentlich Fakten über Antwerpen für deinen Blog recherchiert! Hey, ihr seht übrigens schon aus wie ein richtig attraktives Paar, hahaha!«, stichelte Deli wie immer in allerbester Laune. Die Selbstbeschreibung von Bella hätte im Grunde genauso haargenau auf ihre Freundin gepasst. Natürlich entwickelten sich daraus sofort amüsante Wortgefechte und Scharmützel, während wir gemeinsam herumschlenderten und uns umschauten. Da dieser Beitrag aber ohnehin schon recht lang geraten ist, erzähle ich ab hier etwas zusammenfassender.

Und was für eine gigantische Kulisse das war! Wer Antwerpen nur flüchtig kennt, vergisst leicht, dass diese Stadt an der Schelde im 16. Jahrhundert die reichste Handelsmetropole Europas war. Das spürt man hier tatsächlich an jeder Ecke. Der gewaltige Grote Markt wird gesäumt von prachtvollen Zunfthäusern aus der Renaissance, deren goldverzierte Spitzen regelrecht mit den herbstlichen Sonnenstrahlen um die Wette eiferten, die sich nun endlich Bahn brachen. Mittendrin ragt der berühmte Brabo-Brunnen empor – ein herrlich monumentales Spektakel aus Bronze, das die Legende der Stadtgründung zelebriert.

Wir schlenderten zu dritt weiter durch das Labyrinth aus kopfsteingepflasterten Gassen. Antwerpen besitzt diesen ganz besonderen, unwiderstehlichen Vibe: Auf der einen Seite atmet die Stadt pure, altehrwürdige Geschichte, auf der anderen Seite ist sie die unbestrittene Mode- und Diamantenmetropole der Region. Diese Mischung aus historischer Opulenz und moderner, fast schon avantgardistischer Eleganz zieht einen sofort in ihren Bann. Über allem thront majestätisch die Liebfrauenkathedrale, deren filigraner, gotischer Turm wie ein steinerner Finger in den flämischen Himmel ragt und in der die weltberühmten Meisterwerke von Peter Paul Rubens hängen.

Besonders faszinierend fand ich das Spiel der Kontraste an diesem Nachmittag: Auf der einen Seite diese gewaltigen, steinernen Zeugen einer reichen, von Seefahrern und Händlern geprägten Vergangenheit – und auf der anderen Seite zwei umwerfende, moderne Frauen an meiner Seite, die mit ihrer unbeschwerten, sonnigen Art die altehrwürdige Kulisse regelrecht zum Leben erweckten.

Der spätsommerliche Regen hatte sich mittlerweile komplett verflüchtigt. Die feuchten Pflastersteine glänzten glatt in der warmen Mittagssonne, während wir uns treiben ließen, die leicht salzige Brise des nahegelegenen Hafens schnupperten und die imposante Architektur dieser flämischen Perle mit allen Sinnen genossen.

An den verlockenden Köstlichkeiten von Elle Chocolates am Grote Markt – die sonntags erfreulicherweise bis 18 Uhr geöffnet haben – konnten die beiden Verschwörerinnen natürlich unmöglich achtlos vorbeigehen. Die erfahrene Verkäuferin erkannte in den beiden Model-Schönheiten und ihrer Begleitung durch einen distinguierten Gentleman sofort die überaus zahlungskräftige Kundschaft. Sie legte sich geschickt ins Zeug, um uns möglichst viele Scheine aus dem Portemonnaie beziehungsweise vom Kreditkartenkonto zu locken. Eine solche Edelmanufaktur hat zweifellos ihren Preis, aber wir blieben einigermaßen standhaft und erlaubten uns lediglich, ein paar kleine, exquisite Süßigkeiten zu erwerben.


 

Da auch Deli üppig gefrühstückt hatte, ließen wir das Mittagessen komplett ausfallen und beschlossen, stattdessen relativ früh zu Abend zu essen. Zuvor schauten wir uns jedoch noch ausgiebig in der Stadt um, und natürlich zog es uns auch direkt an das geschäftige Flussufer der Schelde.

Für alle maritim Interessierten unter euch hier ein paar spannende Fakten: Obwohl Antwerpen etwa 80 Kilometer landeinwärts liegt, ist die Schelde – genauer gesagt die Westerschelde – bis hierher für die weltweite Seeschifffahrt uneingeschränkt zugänglich. Der Hafen von Antwerpen-Brügge ist nach Rotterdam immerhin der zweitgrößte Seehafen ganz Europas.

Die Unterelbe und die Westerschelde teilen ein ganz ähnliches Phänomen: Sie sind massiv von der Nordsee geprägte Gezeitenflüsse. Das bedeutet, dass selbst gigantische Containerschiffe, riesige Autotransporter und Massengutfrachter mit beträchtlichem Tiefgang flussaufwärts bis direkt an die monumentalen Schleusen und Hafenbecken fahren können. Der Tidenhub beträgt in Antwerpen beachtliche 4 bis 5 Meter.

Wer vom Atlantik oder der Nordsee hierherwill, muss zuerst durch die Mündung der Westerschelde fahren. Diese Mündung liegt allerdings komplett auf niederländischem Staatsgebiet in der Provinz Zeeland. Aus diesem Grund garantieren jahrhundertealte völkerrechtliche Verträge zwischen Belgien und den Niederlanden strikt, dass die Niederländer die Fahrrinne stets tief genug halten und kontinuierlich ausbaggern. Zum Schutz vor dem starken Gezeitenstrom ist der Hafen durch riesige Schleusen gesichert. Am rechten Ufer befindet sich die 2016 eröffnete Kieldrecht-Schleuse – gemessen am Wasservolumen die größte Schleuse der Welt. Sie ist sagenhafte 500 Meter lang, 68 Meter breit und knapp 18 Meter tief. Selbst große Kreuzfahrtschiffe nutzen den Fluss und legen oft extrem zentral am Zeescheldekaai an, nur einen kurzen Spaziergang vom Grote Markt entfernt.

 

Der ständige Wechsel zwischen dichterer Bewölkung, aufbrechendem blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein sorgte für fantastische Lichteffekte während unserer kurzen, aber schönen Besichtigungstour.

So langsam muss ich nun allerdings wirklich zum Schluss kommen. Deli und ich mussten heute Abend schließlich noch zurück nach Vlissingen fahren, weshalb ich beim Abendessen konsequent auf jeglichen Alkohol verzichtete. Wir wählten das erstklassige, hochgelobte japanische Restaurant I Ro Ha in der Haarstraat 8. Eine treffende Online-Rezension beschreibt die Atmosphäre dort perfekt:

»Ein rundum perfektes Erlebnis im Restaurant von Mineko und Kyoshi! Die Atmosphäre, das Essen – die Sorgfalt bei der Zubereitung und dem Servieren der Speisen sorgte für ein wirklich genussvolles Erlebnis. Alles war köstlich, und die Empfehlungen waren hervorragend. Mineko, die Bedienung, bot einen außergewöhnlichen Service. Ich kann dieses Restaurant wärmstens empfehlen. Authentische japanische Küche. Vielen Dank, dass Sie Ihre Kultur mit uns geteilt haben.«

Man kann dieses Lokal ohne Übertreibung als authentischen Gourmet-Tempel für exzellente Speisen aus dem Reich der aufgehenden Sonne bezeichnen. Man sollte etwa 50 bis 80 Euro pro Person einplanen, was sich für echte Liebhaber der fernöstlichen Küche jedoch in jeder Hinsicht lohnt. Wichtig zu wissen: Es ist ausschließlich von Freitag bis Sonntag zwischen 18:00 und 21:30 Uhr geöffnet, und eine rechtzeitige Reservierung ist dringend zu empfehlen! Wir wussten das vorher natürlich nicht und platzten einfach so hinein. Trotzdem wurden wir mit der typisch japanischen, erlesenen Höflichkeit empfangen und durften an den letzten freien Plätzen ausgiebig schlemmen.

 

Übrigens lohnt sich hier eine kleine Anmerkung zu den beiden ansonsten so lebensfreudig-ungenierten Schönheiten Deli und Bella: Ohne jeden Hinweis von meiner Seite passten sie sich sofort den feinen Gepflogenheiten der japanischen Gastronomie an. In Japan gilt es als ausgesprochen unhöflich, in öffentlichen Gaststätten laut zu plaudern oder zu lachen und dadurch andere Gäste beim konzentrierten Genießen zu stören.

Der Besuch von echten Edelrestaurants abseits der lauten Touristenströme gleicht dort tatsächlich fast dem Besuch einer religiösen Stätte. Köche und Personal zelebrieren die Zubereitung und den Verzehr exquisiter Speisen zusammen mit den Gästen beinahe wie einen Gottesdienst. Bella und Deli waren plötzlich ganz ruhig, kicherten nur noch leise unterdrückt mit vorgehaltener Hand und wir unterhielten uns ausschließlich in sehr gedämpftem Tonfall.

In ihrer typischen Höflichkeit würden Japaner einen ausländischen Gaijin niemals direkt auf Fehltritte ansprechen; man wird höchstens tolerant belächelt. Aber echten Respekt erntet man auf diese Weise natürlich nicht. Beim nächsten Besuch kann es einem dann passieren, dass man unter dem Vorwand, es sei bereits alles besetzt oder reserviert, gar nicht mehr hineingelassen wird. Schlechtes Benehmen gilt unter Japanern als unverzeihlicher Gesichtsverlust.

Okay, ich schweife schon wieder viel zu sehr ab – höchste Zeit für das Finale!

Gegen 22:15 Uhr verabschiedeten wir uns schließlich schweren Herzens von Bella. Zum Abschied bekam ich von der Model-Schönheit einen derart intensiven, hocherotischen Kuss voller unausgesprochener Versprechungen, dass selbst mir als gestandenem Gentleman kurzzeitig die Knie etwas weich wurden. Sie wird in den nächsten zwei oder drei Tagen nach Vlissingen nachkommen und möchte sofort fest als Crew-Mitglied einsteigen, sobald wir die Leinen losmachen.

Anfang September bricht für uns damit die Schlussphase an, um die HC-48T komplett seeklar zu machen. Vermutlich legen wir bereits kommende Woche mit Kurs Süd ab. Gerade noch rechtzeitig, wie ich hoffe, bevor die berüchtigten Herbststürme den Ärmelkanal und besonders die Biskaya richtig ungemütlich und gefährlich machen.

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