Cádiz, Spanien, viele interessante Erlebnisse und noch mehr Spaß

 

#26.07.22 – Cádiz, Spanien, viele interessante Erlebnisse und noch mehr Spaß

Am Morgen war es noch etwas dunstig-bewölkt, aber mit gut 23° angenehm mild, nicht zu heiß und keineswegs zu kühl. Die letzte Nacht hatten wir ehrlich gesagt bescheiden geschlafen, da unser Liegeplatz im Puerto América ganz nahe neben dem REAL CLUB NÁUTICO DE CÁDIZ liegt; dort finden regelmäßig laute Partys mit dröhnenden Bässen bis tief in die Nacht statt. Derzeit herrscht nach der gewonnenen Fußball-WM ohnehin eine hemmungslose Partystimmung praktisch überall, wo man hinkommt, und zudem läuft ja auch die Touristen-Hauptsaison auf Hochtouren.

Wir mussten schließlich alle Luken dicht verriegeln und nur durch die Lüfter-Doraden mühsam Luft hereinlassen, um den dröhnenden Schall einigermaßen auszusperren. Doch auch eine relativ massiv gebaute GFK-Yacht ist, wie die allermeisten Boote, schlichtweg nicht gut schallisoliert. Dementsprechend noch heftig gähnend, aber dennoch bei bester Laune, versammelten wir uns zum Frühstück im Cockpit und genossen die ersten, durchkommenden Sonnenstrahlen auf der Haut.

»Moin Leute…, oh man, ich hab garantiert nichts gegen Partys; aber was hier die letzten Tage abgeht, ist voll krass.« Meinte Britt, rieb sich die müden Augen und schlürfte ihren letzten Schluck Kaffee.

»Jammer nicht so scheinheilig! Wärst du auf der Party mit am Abfeiern gewesen, hättest du auch keinen Gedanken an die Leute verschwendet, die daneben schlafen wollen, stimmts?!« Zwinkerte ich leicht amüsiert, obwohl mich der stundenlange Radau wahrscheinlich am meisten genervt hatte. Aber es ist halt, wie es ist, und genau wie beim Wetter hat es wenig Sinn, sich darüber groß zu ärgern.

»Haha, stimmt schon, du Schlaumeier.« Gab sie schmunzelnd zu, schmiss aber prompt einen Brotkrumen zur Strafe nach mir, weil ich unnötigerweise erwähnte, was sowieso alle wussten.

Bald darauf schnappte sich Demo eine große Umhänge-Reisetasche mit Britts Sachen, während sie sich selbst in einem hübschen hell-dunkelblau gemusterten Sommerkleid noch eine kleinere Tasche mit typischem Frauenkram umhängte. Geschwind wurde die Yacht oben verriegelt, dann spazierten wir gemütlich durch die warme Morgenluft zu Europcar nahe dem Hauptbahnhof am Hafen. Dort hatten wir gestern einen Wagen bestellt, um Britt zum Aeropuerto de Jerez zu bringen.

 

Sie fliegt für ein paar Tage zu einem lukrativen Shooting nach Mailand, um wieder extra Geld für sich selbst und die Bordkasse zu verdienen. Das eingebaute Navi in einem schnuckeligen Citroën C3 veranschlagte bei der aktuellen Verkehrslage entspannte 37 Minuten für die Fahrt, und Vicky übernahm gewohnt energisch das Steuer mit der durchaus nicht unzutreffenden Begründung:

»Unser luxusverwöhnter Captain fährt doch freiwillig nichts anderes als Mercedes Oberklasse oder ähnliche Luxusschlitten, haha! Stimmts Brummelbärchen?«

»Stimmt auffallend, du kennst mich einfach viel zu gut, hoho!« Lachte ich vergnügt mit ihr und den anderen. Ganz so extrem ist es zwar nicht, ein kleinerer Benz wäre mir auch recht gewesen, aber es steckte schon einige Wahrheit in ihrer Aussage: Ich bin diesbezüglich schlicht etwas luxusverwöhnt und bevorzuge, wann immer möglich, bekanntlich stets Mercedes-Autos mit dem nötigen Komfort.

Wegen unserer noch latenten Müdigkeit in den Knochen und weil sich Vicky in einem ungewohnten Auto auf den stellenweise recht chaotischen, südländischen Verkehr konzentrieren musste, verlief die kurze Fahrt eher ruhig. Auch am Flughafen machten wir nicht lange rührselig rum, rauchten draußen im Schatten noch eine schnelle Kippe, Britt und Demo küssten sich kurz leidenschaftlich, und dann checkte die schöne Schwedin auch schon flink ein. Ein letztes Winken durch die Glasscheibe, dann stiegen wir wieder in den Wagen und fuhren weiter.


 

Es ging zu einer Verabredung mit dieser rassigen Malerin und Künstlerin Conchita. Sie lebt eigentlich in einer urigen Atelier-Altbauwohnung mitten in der Altstadt; doch momentan hält sie sich die meiste Zeit als Haussitterin in einer hübschen, kleinen Ferienhaus-Villa nordwestlich von Cádiz auf, die einem abwesenden, sie fördernden Kunstmäzen gehört. Da dieses Anwesen in einer gut bewachten Closed-Community liegt, muss sie dort nichts groß bewachen, sondern nur Blumen gießen und gelegentlich ein paar technische Geräte laufen lassen, damit diese auch einwandfrei funktionieren, wenn der Eigentümer herkommt. Weshalb das kein festes Hauspersonal macht…, nun, keine Ahnung. Vielleicht hat er hier noch keine vertrauenswürdigen Angestellten oder so?

Wir trafen uns im gegenüber der bewachten Einfahrt außerhalb gelegenen Momentum House Coffee Roaster and Boba tea, einem offenbar beachtlich guten, kleinen Caféhaus, das auf Google mit hohen 4,7 Sternen bewertet wird. Eindeutig zu Recht, wie beste Kaffeespezialitäten, verführerische Snacks, feines Gebäck, frischer Kuchen und Törtchen schnell bewiesen. Der Service war auch supernett, flott und kompetent. Man fühlt sich im hübschen Ambiente oder auf der kleinen Außenterrasse wohl, und die Preise sind überraschenderweise sogar erstaunlich günstig.

Die meisten Rezensionen fallen geradezu enthusiastisch aus, wie beispielsweise die von Hannah Ibarra, welche ich mal hier reinkopiere: »Das beste Café in Südspanien! Es ist so gemütlich und einladend! Die Getränke sind köstlich und immer kreativ. Die Inhaber sind sehr bodenständig und kümmern sich wirklich um ihre Produkte und Kunden. Die Baristas sind fantastisch und sorgen dafür, dass man sich sofort wohlfühlt. Absolut empfehlenswert!«

Quasi nahe daneben liegt die Base Naval de Rota mit einem auch an Land riesigen Militärgelände. Es ist also nicht wirklich ein klassisches Touristengebiet, und viele Gäste dürften Militärpersonal sein, welche es finanziell meist nicht so dicke haben; daher dürften auch die recht günstigen Preise kommen. Auch der Teil der jetzigen Closed-Community gehörte ehemals dazu, und soweit ich es herausfinden konnte, wohnen dort heutzutage nicht nur vermögende Zivilisten, sondern auch höhere Militärs gut abgeschirmt. Typischerweise gibt es über solche militärisch geprägten Gebiete nur begrenzte Informationen, kaum öffentliche Fotos, und was ich dazu schreibe, sind eher begründete Vermutungen als harte Fakten. Conchita weiß auch nichts Genaueres darüber, und es spielt für uns ja letztlich auch keine wesentliche Rolle.

 

Als wir schließlich hinein zur Villa fuhren, sah das bewachte Gelände eindeutig ehemals militärisch geprägt nach einer früheren Wohnsiedlung für hohe Offiziere aus. Noch vor gerade mal 51 Jahren wurde Spanien schließlich jahrzehntelang von der sehr brutalen, faschistischen Franco-Diktatur beherrscht. Für solche Machtsysteme ist es völlig üblich, Militärangehörigen und Sicherheitsdiensten besondere Privilegien zuzugestehen, damit diese die herrschende Clique schützen. Natürlich bekamen das nur skrupellos-korrupte Offiziere und höhere Dienstgrade, während einfache Soldaten sogar noch schlimmer behandelt wurden als das ohnehin unterdrückte Volk. Die Villa im Finca-Stil dürfte nach meiner fachlichen Einschätzung ein gründlich renovierter und modernisierter ehemaliger Generals- oder Admirals-Dienst- und Wohnsitz gewesen sein.

Es war jedenfalls ausgesprochen interessant und auch optisch hübsch, das weitläufige Gelände und die ruhige Siedlung zu besichtigen. Es gibt ein gar nicht mal so kleines Wäldchen mit gepflegten Wegen zum Spazierengehen; viele Bäume und blühende Pflanzen wurden im Gelände gesetzt, ein großer Kinder- und ein kleinerer Grillplatz liegen im östlichen Teil. Die Hauptsiedlung erinnert stark an gepflegte US-Vorstädte für die obere Mittelschicht, aber natürlich konsequent im spanischen Stil gehalten. Es ist weitestgehend sauber, gepflegt und aufgeräumt; ich konnte weder achtlos weggeworfenen Zivilisationsmüll noch vernachlässigte, schäbige Gebäude entdecken.

Leider darf ich davon keine Fotos zeigen. Es ist nun mal eine geschlossene, diskrete Closed-Community, deren Bewohner verständlicherweise nicht wünschen, dass beispielsweise in einem öffentlichen Blog Einbrecherbanden genau sehen können, wie das Innere gestaltet ist, um ihren nächsten Raubzug zu planen. Die Bewohner legen viel Wert auf Diskretion und Anonymität, obwohl es definitiv keine reine Superreichen-Siedlung ist. Es gibt ein paar schöne, beeindruckende, größere Villen, aber das meiste entspricht wie gesagt der vermögenden, jedoch nicht besonders reichen gehobenen Mittelschicht.

Nach einer guten Stunde fuhren wir gemeinsam zurück in die malerische Altstadt und querten dazu den Sund zwischen dem Festland und der vorgelagerten Halbinsel über die schön gebaute, beeindruckende Puente de la Constitución de 1812 Brücke.

Kurze Beschreibung: Die Puente de la Constitución de 1812 (auch Puente de la Pepa genannt) ist eine der bekanntesten und markantesten Brücken von Cádiz.

Wichtige Infos: Gesamtkosten: ca. 120 Millionen Euro Bauzeit: 2009 – 2015 (6 Jahre) Finanzierung: Überwiegend durch die spanische Regierung und die Region Andalusien. Eröffnung: 2015 (zum 200-jährigen Jubiläum der spanischen Verfassung von 1812)

Länge: ca. 1.650 Meter Typ: Schrägseilbrücke (Cable-Stayed Bridge) mit einem markanten weißen Pylon Funktion: Sie verbindet die Altstadt von Cádiz mit dem Festland (über die Bahía de Cádiz) und entlastet die ältere Puente de Cádiz.

Besonderheiten: Der Name erinnert an die Liberale Verfassung von 1812, die in Cádiz verabschiedet wurde und als eine der fortschrittlichsten Verfassungen ihrer Zeit gilt. Die Brücke ist architektonisch sehr elegant und nachts schön beleuchtet. Sie hat separate Spuren für Autos, Radfahrer und Fußgänger und bietet schöne Ausblicke auf die Bucht und die Stadt. Sie ist heute eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen für Cádiz und ein modernes Wahrzeichen der Stadt.

 

Demo fuhr mit dem Mietwagen weiter, um diverse Ersatzteile für die Vikarelia einzukaufen und das Fahrzeug anschließend wieder abzugeben. Conchita, Vicky und ich spazierten derweil durch die malerischen Gassen der Altstadt zu Conchitas Atelier-Wohnung im Obergeschoss eines stimmungsvollen Altbaus, wo Conchita ihre Bilder erschafft.

Der Studiotrakt war typisch für echte, leidenschaftliche Künstler: herrlich chaotisch, etwas schmutzig, voller Farbspritzer überall und es roch intensiv nach Terpentin, Farben, Leinwänden usw., bis wir jetzt wieder alle Fenster weit öffneten und durchlüfteten. Daran angeschlossen gibt es eine kleine, höchstens 30 qm Appartementwohnung für sie, mit Bett, Sitz- und Essecke, TV, einem kleinen Bad und einer halboffenen, immerhin voll ausgestatteten Küche.

Vom Typ her ähnelt Conchita unserer Vicky sehr. Auch sie ist sehr attraktiv und besitzt eine schlanke, sportliche, wohlgeformte Figur von Model-Format. Sehr fraulich selbstbewusst, ungeniert, clever, mit ausgeprägter exhibitionistischer Ader und leidenschaftlich ihre Kunst produzierend, weiß sie ihr rassiges Sexappeal geschickt verkaufsfördernd einzusetzen.

Dazu sollte ich auch ein paar reizvolle Fotos von ihr schießen; beispielsweise im Malerkittel mit nichts darunter und auch farbbespritzt nackt im Atelier, allerdings ohne dass man wirklich Geschlechtsteile von ihr sehen konnte. Also klassische, fantasieanregende und vor allem bei zahlungskräftiger Kundschaft Kopfkino auslösende, softerotisch-verlockende Fotos, welche bei der anvisierten Zielgruppe Interesse an ihrer Kunst wecken und diese natürlich überwiegend männlichen Kunden dazu animieren sollen, Conchita im Atelier besuchen zu kommen. Einmal drinnen, sitzen die »Herren« dann quasi in der sprichwörtlichen weiblichen Falle und kommen kaum noch raus, ohne ein Bild von ihr zu erwerben. lach

 

Ihre Kunst fand ich als eher Kunstmuffel, der nicht viel davon versteht, ziemlich reizvoll. Sie malt künstlerisch verfremdete, aber noch viel Realismus zeigende Öl- und andere Farbbilder, sowie interessanterweise auch ähnliche, aber kleinformatige Kohlezeichnungen wie Vicky. Die zwei jungen, schönen Frauen verstanden sich menschlich und künstlerisch bestens, diskutierten nahezu ununterbrochen mit Fachausdrücken über Kunst generell und das, was beide machen im Besonderen; ich hielt mich weitestgehend zurück und ließ sie ungestört miteinander schwätzen, hörte aber aufmerksam zu.

Ich mag zwar eher der Kunstbanausen-Typus sein, aber ich bin nicht generell uninteressiert daran und lerne auch gern dazu. Außerdem respektiere ich bei jedem Künstler, selbst wenn mir die Werke überhaupt nicht gefallen, wenn jemand das, was er oder sie tut, mit Leidenschaft und Einsatz betreibt. Echte Künstler sind zwar nicht selten auch ganz schön egozentrisch, ehrgeizig und mehr oder weniger narzisstisch, was natürlich nervend werden kann, wenn sie glauben, sie und ihre Kunst seien das Wichtigste überhaupt.

Aber Conchita und Vicky sind vor allen Dingen attraktive, charmante, überdurchschnittlich gebildete, kluge und sympathische Frauen. Diese Sorte, welche einfach gern schöne, reizvolle und verlockende Frauen sind; die sich bei allem gleichberechtigten Selbstbewusstsein aber nicht wie verbissene Feministinnen verbiegen, sondern die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, typisch männliche und weibliche Verhaltensweisen als das Selbstverständlichste, Natürlichste der Welt akzeptieren und es auch genauso haben wollen.

Frauen dieser Wesensart halten es schlicht für lächerlich, dumm und scheinheilig verlogen, wenn Frauen sich nicht klassisch »Und ewig lockt das Weib« verlockend und verführerisch benehmen; ihr Sexappeal, ihre Reize und ihre weibliche Sexualität nicht so einsetzen, wie Natur und Evolution es nun mal vorgesehen haben. Oder dass Männer sich nicht eben wie Männer benehmen und dieses uralte, reizvolle Spiel zwischen den Geschlechtern nicht genauso gekonnt spielen. Aber selbstverständlich alles mit Stil, einem gewissen Niveau und nicht wie schweinische, animalische Tiere.

Als die beiden ein-zwei Tage später lasen, was ich hier geschrieben habe, zogen sie mich fraulich amüsiert scherzhaft mit spitzen Bemerkungen ein bisschen auf. Aber, und das ist wichtig, mit einem Ausdruck in Gesicht und Augen, der auch anerkennenden Respekt zeigte. Was solche Frauen todlangweilig finden, sind dumme, nach ihnen geifernde und kinderleicht zu manipulierende Männer. Doch wenn sie es mit intellektuell reflektierenden, selbstbewusst beherrschten Gentlemen mit Klasse zu tun haben, die sich angesichts ihres ungenierten Sexappeals nicht gleich in geifernde Idioten verwandeln, dann wirst du sehr interessant für sie, dann respektieren sie dich.

Und auch wenn ich als Mann nicht so sehr auf den dunkel-rassigen, sehr leidenschaftlichen Typ Frau stehe, gebe ich gern offen zu: Diese Conchita »hat was« und könnte es schaffen, sogar mir als an den Umgang mit erotischen, kaum oder gar nicht bekleideten Schönheiten gewohnten Mann zumindest etwas den Kopf zu verdrehen. Definitiv eine WOW-Frau mit Charakter und Persönlichkeit, Klasse, erotischer Ausstrahlung, jeder Menge Sexappeal, Humor und einem sehr gut funktionierenden Hirn. Solche Frauen sind viel interessanter als irgendwelche hübschen Püppchen oder gar schöne, aber dämliche Tussis, die glauben, nur weil sie schön und sexy sind, müssten alle Männer verrückt nach ihnen sein. Letztere sind für mich ätzend langweilig.

Erst um 14 Uhr, bei inzwischen etwa 28° Lufttemperatur, spazierten wir zum Mittagessen ins La Evolución Comida Casera y Sin Gluten Cádiz, an der C. Sta. Cruz de Tenerife, 10. Das auf Google mit beachtlichen 4,5 Sternen im Schnitt bewertete Lokal könnte man als klassische, spanische Tapas-Bar bezeichnen. Superfreundliches Personal, vor allem eine kompetent-humorvolle Ana, umsorgt und animiert die Gäste, eine außergewöhnlich große Auswahl an köstlichen vegetarischen Gerichten zu probieren. Fisch- und Fleischgerichte gibt es aber auch, was ich bevorzugte, und wir schlemmten ausgiebig in typischer Tapas-Art mit verschiedenen, eher klein portionierten Gerichten.

 

Alles schmeckte sehr delikat und war handwerklich gut zubereitet. Preislich liegen sie im fairen Mittelfeld; man kann für 15–20 € leckere Happen und einen Drink genießen, oder wie wir ausgiebiger schlemmen; mehr als etwa 30–40 Euro kann man pro Person aber kaum ausgeben, sonst würden selbst »große Esser« mit viel Appetit platzen, denn klein sind die einzelnen Portionen wahrlich auch nicht. Geöffnet haben sie täglich von 08 bis leider nur 16:30 Uhr, und wer solche Tapas-Gerichte mag, ist dort sehr gut aufgehoben, wird sich wohlfühlen und delikat satt werden.

»Oh la la, du lädst mich ein und ich soll ungeniert bestellen, worauf immer ich Lust habe?« Schmunzelte Conchita sehr charmant fraulich und streichelte mir elektrisch kribbelnd über den Unterarm. »Vorsicht Amigo, ich kann hemmungslos verlangend werden, haha!« Flirtete sie bewusst mehrdeutig und fixierte mich mit ihren dunklen Augen.

»Darauf wette ich, Conchita.« Grinste ich männlich cool zurück. »Und wenn ein Mann nicht aufpasst, saugst du ihn aus wie eine schwarze Witwe. Wo entsorgst du die leeren Gerippe, oder gibt es einen Schrank in deinem Atelier, in welchen du sie stopfst, hoho?«

»Ach was, die werfe ich einfach aus dem Fenster auf die Gasse, wo die Müllabfuhr sie entsorgt.« Konterte sie schlagfertig und bewusst auf eine Art, als würde sie das todernst meinen.

»Die armen Müllabfuhr-Jungs müssen doch total überarbeitet sein, hahaha!« Lachte Vicky passend dazu, und bei der kurzen Kopfkino-Vorstellung darüber mussten wir alle drei heftig lachen.

»Das könnte man als herrlich morbide, schwarze Slapstick-Komödie verfilmen. Unzählige Männer werden von deinen sexy-verlockenden Werbefotos und Bildern in dein Studio gelockt. Am nächsten Tag fliegen leergesaugte Gerippe aus dem Fenster und schwitzende, überarbeitete Müllmänner lassen sie wortlos verschwinden; als Lohn dürfen sie ab und zu durch ein Fenster lugen, während du nackt an einer Leinwand mit Leidenschaft dein neuestes Werk erschaffst. Irgendwann kann ein besonders mutiger Verliebter nicht mehr widerstehen, betritt auch dein Atelier… und landet am nächsten Tag als leere Hülle auf der Straße, wo ihn seine lebenden Kollegen mit ›wir haben ihn gewarnt, aber er wollte nicht hören!‹-Attitüde entsorgen…«

»Ahahaha…« Prusteten die Frauen los. »Hör bloß auf, das hält doch keiner aus! Schreib ein Drehbuch, das wird ein Blockbuster in Adult-Kinos und dann wird die Warteschlange vor meiner Bude kilometerlang, hahaha.«

Ja, diese Kopfkino-Vorstellung war einfach zu amüsant, und so ein Erotikfilm würde mit guten Schauspielern, Conchita in der Hauptrolle und toller Regie selbst heutzutage wohl tatsächlich so was wie ein legendärer Kultfilm und Kassenschlager werden. Am schwierigsten wäre es sicherlich, eine originelle, passende Schlussszene für so einen Film zu finden. Und es sollte mindestens das erste Drittel oder die Hälfte des Films nicht klar sein, was eigentlich passiert, nur langsam die Spannung aufgebaut werden, indem auf unerklärliche Art Männer aus der Stadt spurlos verschwinden. Vielleicht sollte ich als Drehbuchschreiber so ein Projekt promoten? schmunzel

 

Gegen 17 Uhr trennten wir uns vorerst und legten eine ausgiebige Siesta mit Schlaf auf Vorrat ein. Nicht ohne dass sich Conchita zuvor auf verflucht erotische Art mit einer sehr engen Dankesküsse-Umarmung bei mir für die Essenseinladung bedankte. Demo hatte inzwischen alles eingekauft und bei Wartungsarbeiten an Bord ordentlich geschwitzt. Wir ruhten uns mit sinnlichem Schmusen plus Siesta-Nickerchen bis 19:40 Uhr aus. Dann trafen wir uns frisch geduscht und locker gekleidet wieder mit Conchita.

Die rassige, leidenschaftliche Schönheit schleppte uns zu diversen öffentlichen oder privaten Künstlertreffs, durch etliche Kneipen und volle Tapas-Bars. Mit leckeren Speisen, guten Weinen und Drinks sowie vielen interessanten Typen im blühenden, südländischen Nachtleben von Cádiz in der Hauptsaison, hatten wir massig Spaß. Es waren viel zu viele Orte und Ereignisse, als dass ich sie nacheinander beschreiben könnte; das würde sonst ein ausgemachter Roman werden.

Superguter Laune und mit beachtlichen Mengen Alkohol intus, angetrunken, aber selbstverständlich auch nicht unangenehm besoffen, kamen wir erst kurz vor 03 Uhr zurück an Bord. Trotz des Schlafmangels durch den Party-Radau letzte Nacht waren wir noch zu aufgekratzt, um sofort schlafenzugehen. Also nahmen wir noch ein letztes, kleines Glas Wein aus dem Bordvorrat im Cockpit, respektive Demo ein heimisches Craft-Bier, und rauchten eine letzte Zigarette in der lauen Nachtluft.

Conchita war noch bei uns, weil sie in alkoholisierter Spontanität unbedingt mal unser Segelboot sehen wollte. Natürlich war sie als lebenslustige, schöne Künstlerin auch schon zu Gast auf wesentlich größeren, schicken Yachten von Kunden oder Mäzenen geladen. Aber gerade weil wir auf einer relativ kleinen Fahrtenyacht unterwegs sind, was etwas ganz anderes ist als eine schicke Angeber-Yacht, reizte es sie besonders und sie war verdammt neugierig darauf.

Leise, um schlafende Crews auf anderen Yachten in der eng gepackten Marina nicht zu stören, lachten und plauderten wir über all die Ereignisse der Nacht, in welcher es auch kurz einen unangenehmen Vorfall gegeben hatte. Nichts Schlimmes oder wirklich Gefährliches, nur ein allzu betrunkenes, dünnes und wohl schwer in Conchita verknalltes Männchen wurde zu aufdringlich. Als ich ihn etwas auf Abstand halten wollte, versuchte er mich trainierten, kräftigen Bären von Mann in betrunkener Selbstüberschätzung schlicht zu schlagen.

Das war natürlich völliger Schwachsinn, aber auch allzu betrunkene, vergleichsweise schwache Männchen können in ihrem Kontrollverlust gefährlich werden, wenn sie beispielsweise ein Messer einstecken haben oder eine Flasche zerschlagen, um mit der scharfen Kante zuzuschlagen. Da ich den Typ ja nicht kannte und ihn daher nicht richtig einschätzen konnte, blieb mir gar nichts anderes übrig, als ihn zur Sicherheit ruckzuck flachzulegen und kampfunfähig zu machen. Allerdings ohne ihn dabei grob zu verletzen oder so; der Schock, plötzlich hilflos ausgeliefert auf dem Boden zu liegen, genügt bei Nichtprofis meist völlig, um sie schlagartig wieder runterzuholen und etwas zu ernüchtern.

»Ich hab das ja gar nicht richtig mitbekommen.« Sinnierte Conchita eher amüsiert. »Grad stand der Depp noch vor meiner Nase, laberte mich voll und versuchte mich anzugrabschen, da ging euer Captain dazwischen und der Trottel auf ihn los… und nen Sekundenbruchteil später liegt er auf dem Rücken, bettelt wie ein Hund um Gnade; was für ein Idiot, der war doch kaum halb so schwer und viel kleiner als Steve!«

»Ich habs gar nicht gecheckt, sprach gerade weggedreht mit Igor.« Womit Vicky einen weiteren Künstler älteren Semesters meinte. »Und plötzlich rumpelts, Sekunden später war schon alles vorbei und der Kellner schmiss den Trottel raus. Immer diese Besoffenen, die gar nicht mehr wissen, was sie tun.«

»Ich schätze, man muss schon arg doof oder total besoffen sein, um sich als Leichtgewicht mit einem Kerl wie Steve anzulegen.« Überwand sogar Demo seine gewohnte Mundfaulheit. »Das ging echt blitzschnell und ich bekam noch nicht mal mit, wie sich Steve plötzlich bewegte.«

»Nun ja, anderes Thema bitte!« Grinste ich etwas säuerlich, denn ich verabscheue Gewalt zutiefst und solche Zwischenfälle, die im Nachtleben leider besonders durch viel zu betrunkene Kerle immer mal wieder vorkommen. »Es war nicht wirklich gefährlich, aber weil ich den Typ nicht kannte, musste ich zur Sicherheit…« Erklärte ich kurz das oben Beschriebene.

»Hattest du mal eine militärische Kampfausbildung, oder so was?« Wollte Conchita dennoch mit sehr neugierig funkelnden Augen wissen.

»Ja, und ›oder so was‹ auch noch, aber darüber möchte ich jetzt wirklich nicht sprechen. Es war nur ein winziger Moment an einem ansonsten großartigen, schönen Abend. Du hast eine Menge interessanter Künstlerfreunde.« Versuchte ich das Thema endgültig zu wechseln. Vicky ging darauf ein und fügte hinzu:

»Wetten, er meint vor allem dieses erotische Vollweib Stasiia, haha! Was war sie nochmal? Russin? Ukrainerin und Model?«

»Stasii, mit zwei ›ii‹, haha, ist ne Ukraine-Flüchtlingsfrau und erst seit Kurzem hier. Ich glaube, sie jobbt vor allem als Model und ist als Influencerin Online unterwegs.« Erkannte auch Conchita, dass ich wirklich nicht weiter über diesen dämlichen Vorfall sprechen wollte. »Voll erotisch, oder? Und clever ist sie, glaube ich, auch. Wirst du mit ihr shooten und bist schon scharf darauf, sie nackt zu sehen, haha?«

»Beides…, hoffe ich, hehe!« Gluckste ich amüsiert und dachte: Nein, mein Typ als Frau wäre auch diese Stasiia nicht wirklich. Aber als Model dürfte sie höchstwahrscheinlich toll sein und auch als Mensch hatte sie nicht unsympathisch auf mich gewirkt. Allerdings hatte ich nur wenige Worte mit ihr gesprochen und wusste somit fast nichts über sie.

 

So palaverten wir noch fast eine Stunde weiter, wobei immer heftiger gegähnt wurde. Noch eine allerletzte Zigarette, dann schnell abduschen und ab in die Kojen! Für Conchita riefen wir ein Taxi, respektive bestand ich darauf, denn sie wollte eigentlich laufen. Es war ja auch nicht sehr weit zu ihrer Atelierwohnung in der Altstadt. Doch dazu müsste sie durch das noch nachtdunkle Industriegelände voller Container und sonstigem Kram eines betriebsamen Hafens rund um die Marina, wo sich nachts auch lichtscheues Gesindel rumdrücken könnte.

Sie einfach so allein gehen zu lassen, gefiel mir ganz und gar nicht. Da kommt bei mir dann doch immer sehr der vielleicht etwas altmodische Gentleman und Beschützerbär holder Weiblichkeit durch. Hätte sie darauf bestanden zu laufen, würde ich darauf bestehen, sie auch hundemüde zumindest heimzubringen. Doch sie ließ sich überzeugen und bestellte selbst einen Wagen mit einem ihr gut bekannten Taxifahrer der Nachtschicht. Fünf Minuten später stieg sie ein, wir krochen endlich in die Betten und pennten praktisch sofort ein… schnarch

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Cadiz, Spanien, Ankunft und erste Erkundungen mit viel Spaß

 

#26.07.19 – Cadiz, Spanien, Ankunft und erste Erkundungen mit viel Spaß

»Moin Herr Kaleu, Kurs 101° mit vollen Genua und Großsegeln, 12-15 kn Wind aus Nordwest zu Nord, etwa 1 m Wellengang; das Boot macht 6,6 bis fast 8,5 kn Fahrt über Grund; voraussichtliche ETA jetzt 11:50 Uhr. Alles stabil, null Problemo, haha«, meldete Britt sichtlich bester Laune in einem hübschen, luftigen weißen Sommerkleid, als ich bestens ausgeschlafen gegen 07:40 Uhr an Deck kam.

»Fein, fein Ma’am Steuerfrau, weitermachen!« Grinste ich ebenfalls vergnügt.

Wie meistens auf See, wenn die Bedingungen nicht zu hart sind und eine Yacht nur sanft schaukelnd rollt und giert, hatte ich bestens geschlafen und war erholt. Vicky hatte sich nach ihrer langweilig-anstrengenden Nachtwache noch mal hingelegt und schlummerte tief in der Koje. Eine Banane hatte ich bereits in der Pantry gegessen, mich mit einem guten Café-Crema aus der Kapselmaschine versorgt und zündete mir jetzt genüsslich meine geliebte Morgenzigarette an.

Der Autopilot steuerte die Vikarelia sicher durch den erstaunlich geringen Wellengang, Demo werkelte mit angelegter Rettungsweste konzentriert irgendwas auf dem Vordeck, und nicht weit entfernt zog eine andere, wunderschöne Traditionsyacht ihre Bahn durchs tiefe Blau des Meeres. Es war eindeutig eine klassische Yawl mit riesigem Gennaker ohne Großsegel, charakterisiert durch einen eleganten Kanubug, ein markantes Heck und ein langes Bugspriet. Die originalen Holzmasten unterstrichen den klassischen Look. Ein Traum von einem Boot mit schneeweißem Rumpf, gut 18 bis 20 Meter lang, vermutlich ein edler Bau aus den 1920er oder 30er Jahren. Eine wahre Augenweide für jeden Liebhaber klassischen Yacht-Designs.

 

Höchst erfreuliche Anblicke natürlicher Ästhetik gab es allerdings auch an Bord, direkt vor meiner Nase. Gerade wehte ein kräftiger Windstoß Britts luftig schwingenden Rocksaum weit nach oben und entblößte ihre wunderschönen Beine und Hüften. Darunter blitzte ein so knapper Tangaslip hervor, dass man von hinten fast glauben konnte, sie sei vollkommen unten ohne. Ein Anblick, der Männeraugen unvermeidlich wie ein superstarker Magnet anzieht und eine enorme Faszination ausübt.

Eigentlich ist das natürlich ziemlich amüsant und typisch männlich ein bisschen bescheuert. Ich meine, wir sehen uns so oft völlig nackt, beispielsweise beim erfrischenden Baden im Meer; ich kenne im Grunde jeden Millimeter von Britts schönem Körper in- und auswendig. Dennoch wirkt so ein hochgewehter Rock, der unerwartet Beine und Pobacken freigibt, instinktiv erotisch inspirierend auf mich als Mann und löst sofort ein kribbelndes Verlangen auf mehr aus. Es ist schon faszinierend, wie Natur und Evolution uns programmiert haben – selbst ein so erfahrener, selbstbeherrschter Mann wie ich kann sich diesen evolutionären Impulsen einfach nicht entziehen. »Man bleibt eben Mann, und das ist auch gut so«, schmunzelte ich leise vor mich hin.

Meine Blicke genau registrierend, kam Britt mit lächelnd funkelnden Augen zu mir rüber und schnappte sich wie so oft meine Hand mit der glimmenden Zigarette, um sich wortlos zwei, drei Züge zu klauen. Typischerweise nahm sie sich dabei nicht etwa die Zigarette aus den Fingern, sondern führte meine Hand direkt an ihren Mund, sodass ich an meinen Fingerspitzen ihre weichen, sinnlichen Lippen spürte. Wie sie als schöne Frau und Profi-Model besonders charmant sein und Männer ein bisschen verrückt machen kann, weiß Britt selbstverständlich ganz genau.

Im privaten Alltag denkt sie über solche Dinge eher wenig nach; sie ist als weibliches Wesen einfach ganz natürlich so – es sei denn, sie ist als selbstbewusste Skandinavierin scharf auf einen Kerl und will ihn gezielt verführen. Dann kann sie eine ungeheure erotische Anziehungskraft entwickeln. Viele skandinavische Frauen nehmen sich völlig gleichberechtigt dieselben Rechte heraus wie wir Männer, agieren gern selbstbestimmt und warten nicht erst passiv auf den ersten männlichen Schritt.

Demo kam mit federnden Schritten vom Vordeck nach achtern ins Cockpit, schüttelte sich ein paar salzige Wassertropfen aus den Haaren und meinte gewohnt wortkarg:

»Hab zwei Stagreiter an der Sturmfock ausgewechselt; zwei weitere sollten auch bald getauscht werden, aber wir haben leider keinen passenden Ersatz mehr an Bord.«

»Dann schreib auf die To-do-Liste, was uns fehlt. Sobald wir in Cádiz festgemacht haben, besorgen wir im nächsten Shipchandler neue Vorräte und Ersatzteile«, kommentierte ich zustimmend und mit aufforderndem Nicken.

In ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen an Bord agiert die Crew weitgehend eigenständig und bezahlt kleinere Besorgungen unkompliziert aus der gemeinsamen Bordkasse. Nur bei größeren Anschaffungen ab 500 Euro stimmen sie sich vorher ab. Man darf auch nicht vergessen: Die Vikarelia gehört rechtlich Vicky und Demo. Ich bin nur temporär als Freund, Liebhaber und Erfahrungen weitergebender Skipper dabei. Die beiden haben die Yacht damals gemeinsam gekauft und erhebliche Summen in das aufwendige Refit investiert. Britt ist als geschätzte Mitseglerin an Bord und trägt im Rahmen ihrer Möglichkeiten fair zur Bordkasse bei, ist an einer echten Beteiligung am Schiffseigentum jedoch nicht interessiert.

Sie ist ohnehin nicht die gesamte, weite Strecke vom Baltikum in den tiefen Süden mitgesegelt, sondern klinkt sich zwischendurch immer wieder für einige Tage oder Wochen aus, um für gut bezahlte Model-Jobs um die Welt zu fliegen. Als diszipliniertes und gefragtes Model verdient sie so ihr eigenes Geld – auch wenn es in der Branche bekanntlich nicht leichter wird, wenn man sich nicht ständig auf den Branchenevents der Model-Metropolen zeigt. Das stört ihre gelassene Art jedoch kein bisschen. So kann sie sich gezielt die wirklich guten Engagements mit interessanten Künstlern und Fotografen aussuchen.

Demo wiederum steuert finanziell wohl am wenigsten zur Bordkasse bei – er verdient gelegentlich etwas mit handwerklichen Helferjobs dazu, wie damals am Rio Arade. Dafür ist sein unbezahlbarer Beitrag der ständige, intensive Einsatz für Wartung, Motor und Technik der Yacht, was er meisterhaft beherrscht. Den Löwenanteil des Geldes für das süße Seglerleben erwirtschaftet Vicky als freischaffende Künstlerin durch den Verkauf ihrer großformatigen Werke und gut bezahlte Live-Performances an Land. Zusätzlich generieren die beiden Frauen über ihre Social-Media-Kanäle ein kleines, aber erfreulich stetiges Zusatzeinkommen.

Das dauerhafte Leben auf einer Segelyacht ist eben deutlich teurer, als es sich manch ein romantischer Träumer an Land vorstellt. Ein solches Schiff verursacht unablässig Kosten für laufende Wartung, unvorhergesehene Reparaturen, teure Versicherungen, Liegeplatzgebühren in den Marinas und Dieselkraftstoff. Zumal die drei auch keineswegs spartanisch leben: Sie schätzen moderne Technik, gehen leidenschaftlich gern gut essen, kaufen auf den Märkten hochwertige Lebensmittel und genießen das Leben in vollen Zügen.

Alles in allem ist die Crew finanziell zwar gesund aufgestellt und kann das Abenteuer noch viele Jahre fortsetzen, doch die Realität schlägt im Schnitt mit 1.800 bis 3.500 Euro pro Monat zu Buche – je nach Reiseabschnitt und Hafen. Und darin sind die nötigen Rücklagen für die großen Brocken noch gar nicht enthalten. Allein eine neue Rollgenua aus haltbarem Tuch kostet schnell zwischen 3.200 und 4.500 Euro, während ein kompletter neuer Segelsatz die Kasse mal eben um 15.000 Euro erleichtert. Ganz zu schweigen von plötzlichen Getriebeschäden oder streikender Navigationselektronik. Ein Boot ist und bleibt eben ein wunderschönes, aber auch verdammt teures Vergnügen – besonders auf Langfahrt.

Bald darauf kam Vicky heftig gähnend an Deck, grüßte mit einem fröhlichen »Moin Leute« und legte sich, wie könnte es bei ihr anders sein, so splitternackt wie sie war aufs Vordeck, um die warme Morgensonne zu genießen. Am Himmel standen noch ein paar dunstige Schleierwolken, bei auf See bereits sehr angenehmen 23 Grad – für die drei Nordlichter fühlt sich das bereits hochsommerlich warm an. Laut der Wettervorhersage erwarteten uns in Cádiz um die Nachmittagszeit herrliche 27 bis knapp 30 Grad.

Da es schon fast neun Uhr war, frühstückten wir nur eine Kleinigkeit – heute gab es mal ganz gesundes Müsli mit viel frischem Obst. Nach der Ankunft in Spanien planten wir schließlich das von uns gern rituell zelebrierte Einlaufvergnügen. Das bedeutet konkret: Nach dem Festmachen und Aufklaren des Bootes folgt ein ausgiebiges, gemeinsames Essen nach Lust und Laune in einer exzellenten lokalen Lokalität, traditionell bezahlt aus der Bordkasse, oder ich spendiere es als Skipper spontan selbst.

Etwa 10 Seemeilen vor der Küste nutzte ich die stabilen Bedingungen und ordnete zur Übung ein weiteres Mann-über-Bord-Manöver an. Das gelang ähnlich gut wie beim letzten Mal, ging mit etwas über fünf Minuten aber deutlich schneller, weil die Crew diesmal spürbar entschlossener und ohne zögerliche Unsicherheiten agierte. Übung macht eben den Meister. Wenn sie so weit sind, das Manöver in rund drei Minuten fehlerfrei zu fahren, sind sie als eingespielte Crew ausreichend sicher unterwegs.

 

Nach dieser reibungslosen Fahrt erreichten wir schließlich problemlos das geschichtsträchtige Cádiz und steuerten direkt die Marina Puerto América an. Optisch ist der Hafen zwar wahrlich kein architektonisches Highlight, aber er liegt spürbar ruhiger und ist vor allem deutlich preiswerter als der direkt daneben angesiedelte Real Club Náutico de Cádiz.

Obwohl das Areal dank des aufmerksamen Sicherheitspersonals und einer lückenlosen Videoüberwachung rund um die Uhr bewacht und sicher ist, muss man für das Prozedere der Anmeldung, die Bezahlung und die üblichen behördlichen Formalitäten die regulären Bürozeiten nutzen. Das Hafenbüro hat ganzjährig täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr geöffnet, wobei sich die Zeiten in den Wochen der betriebsamen Hauptsaison auch schon mal bis 21:00 Uhr verlängern können.

Für unsere 42-Fuß-Nauticat mit einer Gesamtlänge von rund 12,80 Metern – sind die Liegeplatzgebühren hier erfreulich fair gestaffelt, wenn man die aktuellen Tarife betrachtet. In der ruhigen Nebensaison von November bis März schlägt die Nacht mit etwa 28 bis 35 Euro zu Buche. In der Zwischensaison, also in den Monaten April, Mai und Oktober, klettert der Preis auf moderate 38 bis 48 Euro, während in der sommerlichen Hauptsaison von Juni bis September zwischen 52 und 65 Euro inklusive Mehrwertsteuer pro Nacht fällig werden. Ein netter Nebeneffekt für Langzeitlieger: Bleibt man länger als sieben bis zehn Tage, gewährt die Marina meist einen spürbaren Rabatt von 10 bis 20 Prozent auf den Gesamtpreis.

Was die Ausstattung der Gastliegeplätze betrifft, lässt der Hafen kaum Wünsche offen. Der Strom fließt zuverlässig mit 220 Volt und liefert je nach Liegeplatz ordentliche 32 bis 63 Ampere, was unsere modernen Lithium-Akkus im Nu wieder füllt, selbst wenn die stromfressende Klimaanlage läuft. Frischwasser gibt es an fast jedem Stegplatz, eine Absaugstation für das Abwasser ist vorhanden, und das kostenlose WLAN erfüllt zumindest für den normalen Alltagsgebrauch seinen Zweck, auch wenn die Verbindungsqualität eher mittelmäßig ausfällt.

Die Sanitäranlagen sind sauber und völlig zurecht gut bewertet, und praktische Annehmlichkeiten wie Waschmaschinen, Trockner, eine eigene Tankstelle sowie eine gut sortierte Werft in der näheren Umgebung runden das Angebot ab. Mein Gesamtfazit fällt daher durchweg positiv aus: Die Marina Puerto América gehört definitiv zu den besseren, sauberen und modern ausgestatteten Häfen in Andalusien und wird von vielen Langfahrtseglern völlig zu Recht als angenehmer Zwischenstopp gelobt.

Da wir selbst eine gute Waschmaschinen-Trockner-Kombination an Bord haben, über Starlink kommunizieren und komfortable Nasszellen besitzen, benötigen wir von der Infrastruktur meist kaum mehr als Landstrom, Frischwasser und eben den sicheren Liegeplatz an sich. Innerhalb von knapp zwanzig Minuten hatten wir die festgezurrte Vikarelia perfekt aufgeklart, sodass sich alle frisch geduscht und in lockerer Sommerkleidung auf die berühmten Köstlichkeiten der andalusischen Küche freuten.

 

Sobald man den Fuß von den Stegen der Marina setzt und das eher funktional-unschöne, von Containern und Gewerbe geprägte Hafenumfeld hinter sich lässt, spürt man sofort den ganz besonderen Atem der Geschichte, der durch die engen Gassen weht. Cádiz gilt als die älteste durchgehend bewohnte Stadt Westeuropas. Phönizische Seefahrer gründeten die Festung bereits um 1100 vor Christus unter dem Namen Gadir. Später hinterließen Karthager, Römer und Mauren ihre Spuren in der strategisch genial auf einer Landzunge gelegenen Atlantik-Metropole. Die stolze Stadt zählt heute im eigentlichen Stadtgebiet etwa 110.000 Einwohner, während im gesamten Großraum der gleichnamigen Provinz rund 1,1 Millionen Menschen leben.

Ihren absoluten Boom erlebte die Stadt jedoch im 18. Jahrhundert, als sie Sevilla den Rang ablief und zum stolzen Hauptumschlagsplatz für das spanische Silber und den gesamten Überseehandel mit Amerika aufstieg. Der Reichtum dieser Epoche spiegelt sich noch heute im prächtigen Stadtbild wider – allen voran in der monumentalen, barocken Kathedrale mit ihrer weithin leuchtenden, goldenen Kuppel, die direkt am Meer thront. Für uns Segler ist es faszinierend zu wissen, dass schon Christoph Kolumbus von genau dieser Bucht aus zu seiner zweiten und vierten Entdeckungsreise in die Neue Welt aufbrach. Wer tiefer in die packende Historie dieser seefahrerischen Perle eintauchen möchte, findet auf Wikipedia jede Menge spannenden Lesestoff.

»Steil, ich freu mich schon auf geniale Tapas und Meeresfrüchte«, meinte Britt voller Vorfreude, während wir gut gelaunt losspazierten.

»Oh ja! Kann man das hier am offenen Atlantik eigentlich noch südländisch-mediterrane Küche nennen? Ganz egal, ich LIEBE das einfach!« Seufzte auch Vicky glücklich. Demo brummte ein seltenes, aber rundum zustimmendes Murmeln, und ich ergänzte grinsend:

»Völlig shiet-egal, wie man es nennt! Jedenfalls sind die südländischen Speisen und die entspannte Lebensart in diesen sonnenverwöhnten Gefilden tausendmal besser als im kühlen Norden!« Ich verkniff mir an dieser Stelle weitere typische Steve-Erklärungen – wie etwa den Fakt, dass ich den Norden, seine raue Natur und die bodenständige Küche natürlich trotzdem schätze und diese drei skandinavischen Nordlichter sowieso. Es war auch so völlig klar, was ich meinte, und die Crew empfand das spürbar genauso.

 

Kurz nach 13 Uhr erreichten wir das von mir vorab ausgewählte und telefonisch reservierte Restaurante Balandro in der Alameda Apodaca 22, direkt an der markanten, bogenförmigen Nordküste der Landzunge. Das Lokal wird oft als klassische Tapas-Bar betitelt, ist in Wahrheit aber ein hervorragendes, vollwertiges Restaurant mit einer kreativen, regionalen Küche, die exzellente Meeresfrüchte, erstklassige Fleischgerichte und eine wunderbare Weinauswahl in einem stilvoll-eleganten Ambiente mit grandiosem Buchtblick vereint. Man kann entweder direkt an der lebhaften Bar erstklassige Tapas genießen oder sich, wie wir es taten, in den eleganten Restaurantbereich setzen und ausgiebig schlemmen.

Das Balandro wird im Netz im Schnitt mit 4,4 Sternen bewertet – nach unserer heutigen Erfahrung hat es locker eine 4,6 verdient. Es wird spürbar mit echter Gastronomen-Leidenschaft und viel Liebe zum Detail geführt. Das Personal war ungeheuer freundlich und bewies bei unseren sprachlichen Barrieren eine charmante Geduld. Wie gewohnt bestellten wir eine bunte Auswahl verschiedener Vorspeisen und Tapas zum Teilen, gefolgt von individuellen Hauptgerichten und feinen Desserts, um möglichst viele Aromen auszuprobieren. Alles war handwerklich exzellent zubereitet, frisch und so intensiv gewürzt, wie man es eben nur im tiefen Süden erleben kann.

»Mmmhhh… diese Muscheln hier sind ein absoluter Traum!« Britt schaufelte sich beinahe gierig eine weitere Muschel in den Mund, kombiniert mit einem wunderbar cremigen Risotto und knackigen Salatbeilagen. Die Weinauswahl hatten wir komplett unserer supernetten Bedienung überlassen, und sie hatte voll ins Schwarze getroffen.

Die junge Kellnerin sprach und verstand glücklicherweise passables Englisch, sodass wir gemeinsam viel über spanische Begriffe und kleine Missverständnisse lachen konnten. Flott im Service, hübsch anzusehen und verdammt schlagfertig war die Mittzwanzigerin obendrein. Sie sorgte mit ihrer herzlichen Art dafür, dass wir uns im Balandro rundum wohlfühlten, ohne dabei jemals aufdringlich zu wirken.

Geöffnet hat dieses empfehlenswerte Haus täglich von 13:00 bis 16:15 Uhr sowie abends von 20:00 bis 23:15 Uhr. Preislich bewegt sich das Restaurant im gehobenen Segment, wobei man auch für einen Zwanziger schon sehr glücklich werden kann. Wer allerdings so ausgiebig schlemmt wie wir – mit drei Gängen und feinen Weinen, Mineralwasser und dem obligatorischen Café con leche zum Abschluss –, sollte faire 40 bis 60 Euro pro Person einplanen.

 

»Vielen Dank für deinen fantastischen und humorvollen Service, Lucia«, lobte ich die sympathische junge Frau beim Bezahlen und ließ das Ganze natürlich von einem sehr ordentlichen Trinkgeld begleiten.

Unsere Rechnung belief sich am Ende auf 228 Euro und ein paar Zerquetschte. Mit den typischen zehn Prozent Trinkgeld landete man also bei runden 250 Euro, doch ich fand, dass sich Lucia aufgrund ihres engagierten Einsatzes und ihres Charmes ein bisschen mehr verdient hatte. Wichtig zu wissen für Spanien-Reisende: Trinkgeld sollte man hierzulande fast immer bar hinterlassen. Selbst wenn man die Hauptrechnung bequem mit Kreditkarte zahlt, ist es unüblich, den Tipp einfach auf den Kartenbetrag aufzuschlagen. Man legt die Münzen oder Scheine stattdessen traditionell auf den kleinen Rechnungssteller oder den Tisch. Das monatliche Grundgehalt für das Servicepersonal ist oft sehr knapp bemessen, weshalb Trinkgelder eine existenzielle Einnahmequelle für die Angestellten darstellen.

Weil das für Reisende ein durchaus wichtiger Aspekt ist, möchte ich kurz die Realität beleuchten: In Andalusien verdient eine Servicekraft in Vollzeit typischerweise ein Grundgehalt von gerade einmal 1.200 bis 1.450 Euro brutto im Monat. Nach Abzug der Sozialabgaben bleibt oft ein Nettoverdienst von mageren 1.100 Euro auf dem Konto. Trinkgelder sind daher das entscheidende Zubrot, um die niedrigen Löhne aufzubessern.

Anders als in den USA sind spanische Kellner zwar regulär sozialversichert und nicht rein vom Gast abhängig, aber es schmerzt die Belegschaft dennoch merklich, wenn gar nichts hinterlassen wird. Die Lebenshaltungskosten und vor allem die Mieten in den Tourismus-Hotspots sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Das Grundgehalt allein reicht kaum aus; die monatlichen Trinkgelder entscheiden oft darüber, ob die Angestellten gut über die Runden kommen.

Dabei gilt in den meisten traditionellen Bars und Restaurants das sogenannte Bote-Prinzip: Die Trinkgelder werden gesammelt (el bote) und am Ende des Tages oder der Woche zu gleichen Teilen unter dem gesamten Team aufgeteilt – davon profitieren also auch die Köche und Spülkräfte im Hintergrund. Ein guter Tipp hilft der gesamten Belegschaft und sollte idealerweise bei acht bis zehn Prozent liegen. Ich legte also noch einen Zwanziger bar obenauf, was Lucias Augen sichtlich zum Leuchten brachte. smile

»Die war wirklich unglaublich sympathisch. Lieb von dir, dass du fast zwanzig Prozent gegeben hast«, meinte Britt anerkennend, als wir das Lokal verließen und ich mir erst einmal die heißgeliebte Zigarette nach dem Essen anzündete; die anderen taten es mir gleich.

»Und charmant und hübsch war sie obendrein, was unser Captain ja bekanntlich immer ganz besonders zu schätzen weiß, haha!« Lachte Vicky mit einem liebevollen Knuff in meine Seite, während auch sie genüsslich den blauen Rauch in den andalusischen Himmel blies.

»Stimmt auffallend, haha! Und was unternehmen wir als Nächstes?« Die Frauen waren sich einig, was Demo und mir ein amüsiertes Grinsen entlockte.

»Wie wäre es mit den Jardines del Paseo de Carlos III direkt beim Parque Genovés?« Schlug ich vor. »Das ist eine malerische Parkanlage mit einer faszinierenden botanischen Vielfalt, und schönen Spazierwegen.« Ich zeigte ihnen kurz den historischen Hintergrund auf meinem Smartphone unter: Paseo de Carlos III.

 

»Jau, sehr gern. Warst du etwa schon mal dort?« Fragte Britt neugierig, während wir gemütlich in Richtung der grünen Oase flanierten.

»Nein, ich habe das im Vorfeld unserer Route ein bisschen recherchiert und fand die Fotos extrem einladend. Der Paseo de Carlos III liegt genau zwischen dem Genovés-Park und der Alameda de Apodaca. Dieser kunstvoll gestaltete Komplex verläuft parallel zur Küstenpromenade direkt an der weiten Bucht und wurde bereits 1927 vom renommierten Architekten Juan Talavera y Heredia entworfen.«

»Also los, das klingt nach einem wunderbaren Plan«, meinte Vicky, und wenige Minuten später standen wir auch schon inmitten der üppigen Pracht.

Der dreieckige Garten verläuft parallel zur Uferpromenade, ist zwar eher überschaubar, aber architektonisch ein Juwel. Die dichte, mediterrane Bepflanzung spendet wunderbaren Schatten und kühlt die Luft an heißen Tagen spürbar ab. Die Anlage ist im charmanten andalusischen Regionalismus-Stil gehalten, und ein echter Hingucker ist der kunstvolle Boden, der mit Fliesen in einem strengen Schachbrettmuster ausgelegt ist. 

 

Der Außenbereich wird von prächtigen Platanen gesäumt, während die schattigen Pergolen üppig mit Bougainvilleas, Trompetenblumen und duftendem Geißblatt bewachsen sind. Dazwischen entdeckt man immer wieder exotische Raritäten wie uralte Drachenbäume. Das gestalterische Herzstück bilden die charmanten Springbrunnen, die mit historischen Keramiken aus Triana verziert sind. Der Park ist vollkommen frei zugänglich, täglich 24 Stunden geöffnet, hundefreundlich, barrierefrei und schlicht der perfekte Ort für einen ruhigen Spaziergang mit weitem Blick über den Atlantik. Genau genommen handelt es sich um mehrere, nahtlos ineinander übergehende Parkanlagen unter verschiedenen Namen.

»Zauberhaft, das gefällt mir unglaublich gut. Der perfekte Ort zum Entspannen oder für eine ausgiebige südländische Siesta«, lächelte Britt, während wir die kunstvollen Pfade entlangschlenderten.

»Und alles ist so wunderbar gepflegt und sauber hier. Kein achtlos weggeworfener Zivilisationsabfall, keine Zigarettenkippen; wirklich wunderschön!« Vicky war sichtlich begeistert von der Ästhetik.


 

Ich werde im Blog hauptsächlich die geschossenen Fotos für sich sprechen lassen, denn sie vermitteln einen weitaus besseren Eindruck von der blühenden Pracht, den subtilen Pflanzenfarben und den reizvollen Ausblicken auf das Meer, als es Worte je könnten. Solche Parkanlagen haben überall ihren Reiz, aber unter der warmen, südländischen Sonne und direkt an der salzigen Meeresluft gewinnt die Kulisse noch einmal eine ganz andere, bezaubernde Dimension als ein barocker Schlosspark im kühlen Mitteleuropa. Die Vibes sind hier einfach anders, gelassener, und man spürt augenblicklich die Lust auf das süße Nichtstun.

Jedenfalls fühlten wir uns auf Anhieb pudelwohl, ließen die Seele baumeln und schalteten komplett in den Chill-Modus. Besonders die Frauen versetzte die malerische, romantische Kulisse in eine spürbar verschmuste Stimmung, was bald zu intensiven Küssen, zärtlichen Berührungen und innigem Schmusen auf einer der schattigen Bänke führte. Da wir aus verschiedenen Gründen voraussichtlich ein bis zwei Wochen hier in Cádiz verbringen werden – dazu erzähle ich in den nächsten Beiträgen mehr –, hatten wir es mit dem touristischen Pflichtprogramm ohnehin nicht eilig. Und damit dieser Eintrag nicht den Rahmen sprengt, mache ich es für heute kurz.


 

Ab 17:30 Uhr legten wir an Bord der Vikarelia erst einmal eine ausgiebige, wunderbare Siesta ein, einschließlich leidenschaftlichem Liebesspiel und einem erfrischenden Nickerchen. Frisch gemacht und passend locker für die laue andalusische Nacht gekleidet – das Thermometer sank selbst tief nachts nicht unter 22 Grad –, starteten wir zu viert eine ausgiebige Pub-Crawl-Tour durch die urigen, lebendigen Kneipen der malerischen Altstadt.

Großartige lokale Weine, köstliche Tapas als ausreichend sättigende Häppchen im Stehen und lebensfrohe Menschen mitten im südländischen Dolce Vita… kurz gesagt: Wir hatten unglaublich viel Spaß und kamen mit etlichen interessanten Charakteren ins Gespräch. Darunter war auch die rassig-attraktive, junge Künstlerin und Malerin Conchita, mit der wir direkt  Kontaktdaten austauschten und uns für die nächsten Tage zu weiteren Treffen verabredeten.

 

Mit einem recht ordentlichen, aber überaus angenehmen Schwips, leicht aufgekratzt, in bester Laune und wohlig müde enterten wir erst weit nach zwei Uhr morgens wieder unser Boot und verschwanden kurz darauf in den gemütlichen Kojen. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen schlummerten wir nach diesem perfekten Tag zügig ein, und es kehrte eine friedliche Schlafensstille an Bord ein.

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