Vlissingen, Yachtbesichtigung und ein romantisches Abendessen

 

#26.08.18b – Vlissingen, Yachtbesichtigung und ein romantisches Abendessen

Der Wetterbericht für Vlissingen verhieß eine recht wechselhafte Mischung: Während es in der Region noch dicht bewölkt bleibt, gibt es am Mittwoch und Donnerstag ein stetiges Wechselspiel aus Sonne und Wolken. Dabei muss morgen und am Donnerstag immer wieder mit vereinzelten Regenschauern gerechnet werden, und auch am Mittwoch fällt spürbar Regen. Dazu weht ein böig auffrischender Küstenwind bei Höchstwerten um die 21 °C.

Na gut, das Wetter ist nun einmal, wie es ist, und sich darüber graue Haare wachsen zu lassen oder sich zu ärgern, ändert es kein bisschen. Eingehüllt in eine gute, schicke Regen- und Windschutzjacke, darunter ein kuscheliges Flanellhemd und ein weiches Baumwoll-Shirt sowie eine bequeme Jeans, machte ich mich am Vormittag auf den Weg zum Liegeplatz des Bootes.

Der Laptop in der Umhängetasche war darin ebenfalls bestens vor Nässe geschützt, und momentan tröpfelte es zum Glück nur leicht aus den tiefhängenden grauen Wolken. Trotzdem erinnerte das kühle Wetter hier an der Küste schon eher an den feuchtkalten Herbst als an einen milden, sommerlichen August, da gerade eine feuchte Regen- und Kaltfront über Zeeland hinwegzieht.

Erst gegen Ende der Woche soll es schrittweise besser, sonniger und mit Werten bis zu 24 °C spürbar angenehmer werden, wobei die Nächte allerdings jetzt schon empfindlich kühl ausfallen. Typisches Nordseewetter, könnte man sagen, aber alles in allem noch akzeptabel und längst nicht so rau oder ungemütlich, wie es im späteren September und Oktober hier werden kann. Wenn alles nach Plan läuft, bin ich bis dahin mit dem Boot ohnehin längst wieder in südlicheren Gefilden mit spürbar milderem Klima unterwegs.

Die klassische Segelyacht lag als inneres Boot im Doppelpäckchen festgemacht am befestigten Ufer eines eher schmalen Kanal-Wasserlaufs, davor und dahinter noch etliche weitere Segelboote. Dieser Abschnitt ist, wie weite Teile der inneren Hafen-Wasserzonen, durch Schleusen vor den Tiden, also dem stetigen Spiel von Ebbe und Flut, geschützt. Der Wasserstand ändert sich zwischen Hoch- und Niedrigwasser im Bereich Vlissingen während normaler Tiden um immerhin etwa 4 bis 4,50 Meter. Durch diesen Höhenunterschied fließt in den sechs Stunden dazwischen extrem viel Wasser im Eiltempo ab oder drückt wieder mächtig an die Küste, was außerhalb geschützter Bereiche natürlich kräftige Strömungen verursacht.

 

Direkt vor Vlissingen, entlang der schmucken Stadtpromenade und den breiten Sandstrände, gibt es kaum klassisches Watt. Das Wasser wird flacher, die Sandstrände breiter, und der Meeresboden fällt hier stellenweise überraschend steil ab. In der Umgebung der Westerschelde, nur wenige Kilometer weiter östlich und auf der gegenüberliegenden Flussseite, sieht das hingegen ganz anders aus: Dort fallen bei Ebbe riesige, kilometerbreite Schlick- und Sandbänke, die hier lokal »Platen« genannt werden, komplett trocken. In den durch Schleusen geschützten Hafenbecken bleibt der Wasserstand dagegen erfreulicher auf weitgehend gleichem Niveau.

Vom gepflasterten Uferweg aus bewunderte ich erst einmal ausgiebig die zeitlos klassischen Linien und die extrem hochwertigen Hölzer des gut 20 Tonnen schweren S-Spant-Langkielers aus massivem GFK. Für Fans und Eingeweihte: Es handelt sich um einen edlen Sonderbau aus dem Jahr 2009 im klassischen Hans-Christian-48T-Europa-Design, gebaut von einer hochangesehenen Werft nach höchsten Standards und in erstklassiger Verarbeitungsqualität. Ich werde in den nächsten Tagen noch eine eigene Unterseite mit allen detaillierten Bootsdaten aufschalten, was maritim Interessierte oder andere Segler sicher gern wissen möchten.

Wie alles im Leben sind natürlich auch solche traditionellen Schiffe reine Geschmackssache und auf jeden Fall etwas ganz anderes als die modernen, leichten Serien-Yachten. Aber trotz des hohen Gewichts und der soliden Bauweise mit gemäßigtem Langkiel, gut geschütztem Ruder und einer Schraube mit Verstell-Propeller sowie mit einem knapp 20 Meter hohen Mast eher zurückhaltend bemessener Segelfläche mit Kutter-Rigg, sind es erstaunlich gute und verlässliche Segler.

Über 20 Tonnen Leergewicht – voll geladen, getankt und komplett ausgerüstet als Langfahrt-Boot dürften es spielend 24 Tonnen und mehr werden – sind natürlich das genaue Gegenteil von spritzig und gar nicht so leicht in Bewegung zu setzen. Aber einmal richtig in Fahrt gekommen, schneiden die HCs wuchtig und sanft durch nahezu jede Welle, verhalten sich gutmütig und geben dir an Bord ein spürbar angenehmes, sehr sicheres Gefühl. Mit solchen extrem starken, stabilen Booten könnte man zur Not sogar einen echten Hurrikan auf See abwettern und einigermaßen heil überstehen. Mit einer typischen, modernen, flachen Leichtbau-Yacht wäre das eine ganz andere, erheblich unsicherere Angelegenheit.

Dieses Schiff wurde vom Ersteigner überwiegend in nördlichen Regionen gesegelt, im Winter stets trocken und geschützt in einer Halle gelagert sowie bestens gepflegt und gewartet. Ab 2021/22 und bis heute wurden noch einmal viele umfangreiche Refits und Modernisierungen vorgenommen. Vor etlichen Monaten gab der Eigner das Boot an einen neuen Eigentümer weiter, der zusätzlich richtig viel Geld hineinsteckte und es beispielsweise mit modernen Solaranlagen zur autarken Energieversorgung aufrüstete.

 

Dann erwischte ihn leider ein schwerer Herzinfarkt, und nun ist Langstrecken- oder auch nur normales Küstensegeln für ihn gesundheitlich schlicht nicht mehr drin. An diesem Punkt, nachdem er das schweren Herzens eingesehen hatte und die HC leider wieder verkaufen musste, stieg ich zu einem angemessenen Preis ein. Der Zustand ist für ein immerhin 17 Jahre altes, viel gesegeltes Boot wirklich top, alles ist gepflegt, mit viel Sachverstand und echter Bootsliebe so gewartet, wie es besser eigentlich gar nicht möglich ist.

Ich will die Blog-Leser hier nicht mit allzu vielen technischen Details langweilen – die können sich Interessierte später auf der noch einzufügenden Webseite genauer anschauen. Jedenfalls könnte man im Grunde fast sofort mit der Segelyacht zu langen Weltreisen auf allen Weltmeeren aufbrechen. Aber ich möchte eben noch ein paar spezielle Aufrüstungen vornehmen, und selbstverständlich muss jetzt auch erst die ganze, typische »normale« Ausrüstung zum täglichen Leben neu an Bord, nachdem der Voreigner wirklich alles mitgenommen hat. Sogar die Gewürze, den Salzstreuer und solche kleinen Dinge nahm er mit, sodass momentan noch nicht einmal ein einziges Glas oder ein Becher an Bord ist, um gemütlich etwas zu trinken.

Wer sich damit nicht auskennt, stellt sich das vermutlich ganz einfach und schnell zu erledigen vor. Doch um eine echte Fahrtenyacht von Grund auf mit allem auszustatten, was man auf langer Fahrt dabeihaben möchte und sollte, ist ein riesiger Aufwand. Besteck, möglichst bruchsicheres Geschirr, Pfannen, Töpfe, Bettwäsche, Handtücher, Fachbücher, ein paar Dekoartikel, unzählige Werkzeuge und spezifische Ersatzteile… die Liste ist schier endlos und wird am Ende einen beachtlichen, fünfstelligen Betrag verschlingen.

Nun gut, mit dem gründlichen Survey der bereits durchgeführten Refits und Upgrades war ich den ganzen Tag intensiv beschäftigt, kroch in jede nur erreichbare Ecke und war rundum zufrieden mit der hohen Qualität der geleisteten Arbeit. 

 

Zur Mittagspause kam ich an einem düsteren Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg vorbei, dem aus Hitlers größenwahnsinnigem Atlantikwall stammenden Stützpunkt Nettelbeck 1 - Bunker Type 630 Vlissingen, und schaute ihn mir ein bisschen genauer an. Was für gigantische Materialverschwendungen die Nazis trotz massiver Ressourcenknappheit überall durchführten, ist schon bemerkenswert und fraglos auch ein Mosaikstein für ihre verdiente Niederlage im Weltkrieg. Glücklicherweise gab es genügend Spinner im 3. Reich – der Größte saß bekanntlich in diversen Führerbunkern –, muss man aus heutiger Sicht sagen; denn in was für einer schrecklichen Welt würden wir heute leben, hätten sie damals klüger agiert und den Weltkrieg gewonnen?!

Lecker gestärkt beim Speisen und gemütlichen Plaudern mit der reizenden Mevrouw Margriet ging es am Nachmittag zügig weiter. Erstaunlicherweise ließ der Voreigner gute Matratzen, Kissen und Polster an Bord zurück, obwohl er sonst wirklich nahezu alles ausräumen ließ und mitnahm. Auch die prüfte ich eingehend, befand sie für noch richtig gut, und somit fällt dieser Posten zumindest aus der schier endlosen Liste für Neuanschaffungen heraus.

Die Bilge ist knochentrocken und komplett sauber, und alle installierten Geräte – selbst die älteren Modelle aus dem Baujahr – funktionieren einwandfrei. Der gute, alte YANMAR-Motor vom Typ 4LHA-HTE mit seinen satten 160 PS springt sofort an und schnurrt wie eine zufriedene Nähmaschine vor sich hin. Gleiches gilt für den Mastervolt Whisper Ultra 6-kW-Generator; beide haben verblüffend wenige Betriebsstunden auf dem Zähler und werden bei guter Wartung noch viele Jahre treu ihren Dienst verrichten, genau wie der kräftige Bow-Thruster.

 

Die neu eingebauten LiFePO4-Lithium-Batterien speichern satte 1.300 Ah und werden über doppelte Lichtmaschinen, den Generator, vor allem aber über nagelneue Premium-Solarmodule und eine unverwüstliche Eclectic Energy D400 Windturbine im Idealfall mit über 2.000 Watt geladen; im typischen Realbetrieb dürften es eher 500 bis über 1.000 Watt sein. Drei der neuen Paneele müssen allerdings noch fachgerecht auf dem Hardtop installiert, ordentlich verkabelt und angeschlossen werden.

Das dürfte jedoch dicke ausreichen, um die tägliche, komplett landunabhängige Stromversorgung für den Betrieb der Anlagen an Bord sicherzustellen – solange man nicht auch noch die Klimaanlage, die Waschmaschine, den Mini-Geschirrspüler und den energiefressenden Wassermacher allzu oft gleichzeitig laufen lässt. Die ältere Navigationselektronik der Raymarine-ST60-Serie ist zwar längst nicht so sparsam wie moderne Anlagen, aber immer noch richtig gut und zumindest vorerst ausreichend benutzbar.


 

Okay, aber jetzt verzettle ich mich doch wieder zu sehr in technischen Details, die den meisten Lesern ohnehin nicht viel sagen. Zum Abendessen hatte ich mich schließlich mit Deli im Grieks Restaurant Poseidon verabredet, gelegen am Zeilmarkt 22, direkt am Michiel de Ruijter Harbor Marina / Vissershaven-Becken. Das ist ein typischer Grieche: gemütlich eingerichtet, sehr beliebt, mit freundlichem Personal und üppigen Portionen auf gutem 4,3-Google-Sterne-Niveau – mit allerdings auch ziemlich üppigen, leicht übertriebenen Preisen.

Wir wollten vor allem in aller Ruhe besprechen, inwieweit sie mir bei der kompletten Innenausstattung der Yacht hilfreich zur Hand gehen oder sogar weitgehend eigenständig nach abgestimmten Vorgaben agieren kann. Eine Frau mit Segelbooterfahrung seit Kindertagen und offensichtlich auch persönlicher Klasse, dürfte für viele dieser Aufgaben sogar geeigneter sein als ein Mann.

Das betrifft beispielsweise die geschmackvolle Auswahl von hübschem, aber eben auch praktischem Besteck, bruchsicherem Geschirr, wertigen Stoffen, weichen Tüchern, durchdachten Kombüsen-Utensilien und netten Dekoartikeln für die nötige Gemütlichkeit an Bord. Dann könnte ich mich überwiegend auf die rein technische Ausrüstung, Werkzeuge und Ersatzteile konzentrieren, und so wie ich Deli einschätzte, dürfte sie das richtig gut und gewissenhaft machen.

 

»Ich mag mediterrane Küche sehr, danke für die liebe Einladung!«, freute sich die Schöne, als wir von der hübschen Stadthaus-Villa der alten Dame gemeinsam zum Lokal spazierten. Bei dem nasskühlen Wetter trug auch sie eine gut schützende und wärmende Überjacke, darunter aber nur eine raffiniert-offenherzige Bluse mit tiefem Ausschnitt, einen eleganten, knapp knielangen Rock und bequeme, aber dennoch schicke Schuhe mit nur leicht erhöhten Absätzen.

»Na dann hau gleich mal ordentlich rein und futtere ganz ungehemmt, worauf immer du Lust hast!«, schmunzelte ich, durchaus auch als Mann erfreut über ihre angenehme Gesellschaft.

»Mache ich auf dich etwa den Eindruck einer zurückhaltenden Begleiterin, die schamhaft auf einem Salatblatt herumkaut, haha?«

»Oh nein, kein bisschen, Deli, hoho!«, gluckste ich amüsiert, und schon hatte sie mich wieder einmal zum Lachen gebracht.

»Dein Glück, sonst hätte ich dich glatt als ein bisschen doof eingestuft!«, knuffte sie mich heiter und leicht in die Seite, und das sozusagen ganz automatisch auf eine Art, als wären wir schon viele Jahre vertraute Freunde – was uns beiden völlig normal vorkam.

Was weibliche Wesen betrifft, bin ich bekanntlich ein echter Glückspilz. Das liegt aber auch daran – und darüber schreibe ich eher selten –, dass ich mir nervende Tussis von vornherein möglichst konsequent vom Hals halte und nur gute Typen mit ehrlichem Charakter und Klasse näher kennenlernen möchte. Oder anders gesagt: Wäre Deli nicht so, wie sie offensichtlich ist, hätte ich gar nicht erst in Erwägung gezogen, sie mit der Innenausstattung zu beauftragen und sie zum Abendessen einzuladen. Ich hätte stattdessen nur distanzierten, rein geschäftlichen Kontakt wegen ihrer Aufgaben gehalten, ganz gleich wie verlockend schön und sexy sie äußerlich auch sein mag.

Wir nahmen im Restaurant an einem hübsch-gemütlichen Fenstertisch Platz. Noch herrschte nicht allzu viel Betrieb in dem Gastraum, doch im Laufe des weiteren Abends wurde es rasch recht voll. Auf Vorspeisen verzichteten wir einvernehmlich, da Deli meinte, dass die Hauptgerichte hier wirklich üppig portioniert seien und sie unbedingt noch ein ziemlich umfangreiches Dessert bestellen wolle. Wir nahmen zunächst einfaches Mineralwasser sowie einen typischen holländischen Aperitif; dann orderten wir eine umfangreiche Zwei-Personen-Fischplatte mit vielen Beilagen und knackigem griechischem Hirtensalat.

»Also, liebe Deli, ebenfalls vielen Dank für deine Annahme dieser Einladung, Jammas!«, hob ich das kristallene Weinglas zum klirrenden Anstoßen.

»Jammas!«, meinte sie mit funkelnden, leicht bläulich-grauen Augen. »Du willst jetzt natürlich herausfinden, wie sehr du mir bei der Anschaffung der Innenausstattung vertrauen und freie Hand geben kannst... stimmt’s?!«

»Exakt... und wer ist jetzt hier der Klugscheißer, hoho?«, spielte ich auf ihre gestrige Bemerkung an.

»Ich, haha, also heute zwei Klugscheißer auf einmal! Das kann ja was werden...«, lachte sie einfach mitreißend.

»Oh ja! Und?«

»Und was?«

»Und wie weit kann ich dir nun freie Hand geben und vertrauen?«, grinste ich verschmitzt.

»Gar kein Problem!«, tat sie offensichtlich bewusst übertrieben weiblich-einschmeichelnd. »Gib mir einfach deine Kreditkarte, die PIN und eine unbeschränkte Vollmacht, dann... hahaha, schicke ich dir auch eine ganz liebe Postkarte aus der Karibik oder Südsee oder so!«

»Hohoho... könnte es sein, dass diese Deern an meinem Tisch für ihr Leben gern frech ist und dabei gleichzeitig geschickt austestet, mit was für einer Art Mann sie es hier eigentlich zu tun hat?«, musste ich unwillkürlich herzlich mit ihr lachen.

»Verdammt! Ich glaube, du bist einfach zu clever und fällst nicht so leicht auf typisch weibliche Tricks rein, hahaha!« Wir funkelten uns voller Sympathie an, und ja, unübersehbar flogen dabei auch ein paar typische Funken zwischen uns als Mann und Frau. Das heiße Essen wurde serviert, und wir waren erst einmal intensiv mit dem Schlemmen beschäftigt, wobei wir eher allgemeinen Small-Talk zum näheren Kennenlernen führten.

Wie schon von mir vermutet, hatte sie sich im Vorfeld unserer eigentlich geschäftlichen Begegnung intensiv über mich informiert, insbesondere über meine Blog-Texte. Den bereits veröffentlichten Beitrag über den Abschied in Spanien und meine Beschreibungen unserer ersten Begegnung inklusive meiner Charakterisierungen von ihr als Frau, hatte sie ebenfalls schon gelesen und fand es überaus amüsant. Darüber mussten wir gemeinsam lachen, und sie fand es zudem faszinierend, dass ich so offen und ungeschminkt über private und intime Dinge schreibe, ohne jedoch primitiv-pornografisch zu werden oder Frauen rein als schöne Sexobjekte darzustellen.

Auch Deli sprach offensichtlich sehr offen und ehrlich über sich selbst, und ich erfuhr einige unerwartete, ebenso interessante Dinge über sie. Sie ist gar keine gebürtige Holländerin und arbeitet auch keineswegs als Festangestellte für die von mir beauftragte Firma. Sie stammt ursprünglich aus Russland und kam vor über zehn Jahren als Teengirl in den Westen, wo sie schließlich eher zufällig in den Niederlanden hängen blieb.

Außerdem verdient sie ihr Geld hauptsächlich als semi-professionelles Model, macht gelegentlich Praktika in Bereichen, die sie persönlich interessieren, oder nimmt gesonderte Aufträge als eine Art Promoterin und Betreuerin von Kunden an. Sie kann schlichtweg hervorragend mit Menschen umgehen und Firmenkunden mit ihrer Schönheit und ihrem Sexappeal genau so charmant umgarnen, wie die auftraggebenden Firmen sich das wünschen – so eben auch in meinem Fall.

 

»Delilah – Deli – ist eigentlich einer meiner Künstlernamen, richtig heiße ich Natalie.« Lächelte sie wie immer strahlend und blickte mich aus ihren wachen Augen offen an. »Aber nenn mich ruhig weiter Deli; inzwischen ist der irgendwie mein Ruf- und Lieblingsname für Freunde geworden.«

»Ah, so ist das. Natalie ist aber auch ein sehr schöner Name.« Lächelte ich nicht wirklich überrascht über dieses kleine Geständnis. Viele kluge Models benutzen Künstlernamen, manchmal sogar gleich mehrere für verschiedene Arten von Model-Jobs; damit anhängliche Fans, von denen manche sogar bedrohlich aufdringlich werden können, das Model nicht so leicht als Privatperson im Alltag aufspüren. »Wusstest du eigentlich, dass es einen typisch französischen Liebes-Chanson von Gilbert Bécaud namens Nathalie gibt?«

»Was, echt?« Guckte sie überrascht und neigte leicht den Kopf.

»Aber ja, und der passt auf eine geborene Russin wie dich sogar wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge!« Rief ich ihr etwas später den dazugehörigen Hintergrund, das Video auf YouTube und den Songtext auf Französisch, Russisch und Deutsch aus dem Netz auf meinem Smartphone auf.

-Die Erinnerungen an Paris und das elegante Café de la Paix, der leuchtende Goldherbst in den historischen Straßen Moskaus, das rote Plakat am Eingang der Universität – das ist genau der Stoff, aus dem Gilbert Bécaud und Pierre Delanoë dieses unvergessliche Meisterwerk von 1964 im feinfühligen Kontext der damaligen Zeit gesponnen haben.-

Hier ist die deutsche Übersetzung des Liedes, die sich eng am poetischen und melancholischen Ton des Originals orientiert:

Nathalie

Wir gingen Kaffeetrinken im Café de la Paix, das war die Abmachung. Ich sah dich warten, ich erkannte dich sofort, Nathalie.

Du trugst diesen Mantel aus Astrakan, dein Blick war etwas verschreckt, und ich war so verloren in diesem großen Moskau. Du hast mich an der Hand genommen, wir gingen über den Roten Platz. Du hast mir mit ein bisschen Stolz dein Moskau gezeigt: die Metro mit ihren Palästen und das lachende Gesicht dieser jungen Leute in diesem roten Herbst.

Dann sind wir in deine Stube gegangen, dort warteten schon ein paar Studenten, Freunde aus der Sorbonne, die du eingeladen hattest. Es gab Champagner, und wir haben gelacht, wir haben getanzt, als gäbe es kein Morgen, und wir haben von einer Welt geträumt, in der man die Grenzen vergisst. Einer von ihnen sprach von Revolution, ein anderer erzählte von Gedichten, und die Stunden vergingen im Rauch unserer Zigaretten.

Nathalie, du warst das Herz dieses Abends, die Brücke zwischen zwei Welten, die sich sonst so fern sind.

Und plötzlich ist das Bild verblasst, das Café de la Paix ist so weit fort. Ich bin nicht mehr in Moskau, Nathalie, und ich frage mich oft, ob du dich noch an diese Stunden erinnerst, ob das rote Plakat noch leuchtet und ob ich eines Tages nach Moskau zurückkehre, um deinen Kaffee zu trinken, Nathalie.

»Ach Gottchen…, ist das berührend…« bekam Deli doch tatsächlich kleine, glitzernde Tränchen in den Augenwinkeln, was ich nur zu gut verstehen konnte.

Praktisch alle Russen, die ich je traf und näher kennenlernen durfte – und das war im Laufe der Jahre eine ganze Menge Leute –, lieben ihr »Mütterchen Russland« doch sehr tief und aufrichtig im Herzen. Ganz unabhängig davon, ob sie ihre Heimat einst freiwillig, gezwungen, aus wirtschaftlichen oder politischen Dissidenten-Gründen verlassen haben und wie sehr sie die aktuelle, traditionell meist brutal diktatorische Führung ihres Heimatlandes verachten und ablehnen.

Ich griff behutsam über den Tisch und streichelte ihr lieb-freundschaftlich über die zarte Wange, was sie mit einem dankbaren, tiefen Blick quittierte. Doch nur kurz darauf war sie auch schon wieder in ihrem so typischen, locker-humorvollen, ständig lächelnden und gute Laune verbreitenden »Sunshine-Girl«-Modus zurück.

Noch interessanter wurde es, als mir Deli völlig locker-ungekünstelt und nach meiner Einschätzung ehrlich von ihrem Privatleben erzählte. Das sieht nämlich verblüffend ähnlich aus wie meines. Im Grunde lebt auch sie polyamor, legt extrem viel Wert auf persönliche Freiheit ohne einengende Besitzansprüche, Eifersucht und die typischen Beziehungs-Dramen.

Aus der Art, wie sie das erzählte, konnte man leicht schlussfolgern, dass sie sehr clever, selbstbewusst und unabhängig ist. Sie hat Charakter, Klasse und Niveau, setzt ihre Attraktivität niemals auf billig-berechnende Weise ein, ist aber wie viele Frauen ihrer Sorte schlichtweg gerne eine schöne Frau und weiß das natürlich auch gekonnt, mit weiblicher Raffinesse ein bisschen zu ihrem Vorteil zu nutzen.

»Aha, das erklärt eine ganze Menge!«, lächelte ich, nun noch interessierter an ihr als ohnehin schon. »Ich dachte mir gleich von Anfang an, dass du eher wie ein typisches, cleveres und sehr selbstbewusstes Model wirkst als wie eine klassische Firmen-Mitarbeiterin.«

»Das ist doch ziemlich offensichtlich, oder?«, schmunzelte sie fraulich und, wie es offenbar ihre Art ist, fast ständig auf sympathische Weise lächelnd.

»Ja, schon, nur weil du mir halt als quasi Firmen-Mitarbeiterin, Empfangsdame und Kundenbetreuerin angekündigt warst, rechnete ich nicht direkt damit. Ganz schön clever von Rutger, jemanden wie dich zum Empfang von jemandem wie mir einzusetzen. Habt ihr beiden eigentlich was miteinander laufen?«, fragte ich ganz direkt. 

 

Rutger ist der Chef der von mir beauftragten Firma, die sich in letzter Zeit mit der Aufrüstung der Yacht befasste. Diese Firma ist nicht in Vlissingen heimisch, sondern eine unabhängig international agierende, kleine, seriöse Gutachter-Firma, die als überwachende Sachverständige im Auftrag von Bootseignern oder Kaufinteressenten für Yachten agiert. Ähnlich wie Architekturbüros überwachen, koordinieren und leiten sie dabei die einzelnen Fachbetriebe, welche dann die tatsächliche, handwerkliche Arbeit auf den Schiffen durchführen.

»Er würde zu gern, haha... und unsympathisch wäre er mir auch nicht«, lachte Deli typischerweise wieder völlig locker und nicht im Geringsten eingeschnappt wegen meiner sehr direkten Nachfrage zu etwas, was mich eigentlich gar nichts angeht. »Aber er ist eben auch ein arg besitzergreifender Typ bei Frauen, was ich überhaupt nicht mag. Und nicht zuletzt hat er Familie mit Kindern. Ließe ich mich mit ihm ein, könnte das die Familie zerstören, und für so etwas will ich auf keinen Fall verantwortlich sein.«

»Verstehe, und das spricht natürlich sehr für deinen Charakter«, ging ich darauf ein. »Es geht mich auch streng genommen nichts an und interessiert mich nicht wirklich. Doch Typen wie er setzen für solche etwas diffizilen Kundenbetreuungs-Aufgaben ganz gerne mal schöne Ex-Geliebte und Models ein, deshalb war ich schlichtweg neugierig.«

»Stimmt, du kennst dich aus!«, lächelte Deli so strahlend wie fast immer. »So manche glauben auch, für die richtige Gage ginge ich mit ihren Kunden ins Bett, horchte sie aus und sorgte dafür, dass sie schwach manipulierbar tun, was die Firma will. Aber wenn ich mit jemandem intim werde, dann nur weil er mir gefällt und ich selbst Lust auf ein Abenteuer habe. Ich bin kein Callgirl oder, um es brutaler auszudrücken, keine käufliche Hure!«

»Das wäre auch jammerschade, und du würdest so etwas irgendwann sehr schmerzlich bereuen. Ich muss jemandem wie dir sicherlich nicht erklären, weshalb?!«, schnappte ich mir schmunzelnd die letzte Scampi von unserer üppigen Mixed-Fischplatte.

»Nö, musst du nicht... hey, die wollte ich mir gerade nehmen!«

»Glaube ich dir nicht!«, grinste ich breit.

»Doch, wollte ich, du gemeiner Kerl!«, funkelten ihre Augen, wie eigentlich dauernd, nur so vor Humor.

»Na dann... wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, sagte mal ein kluger Kopf, hoho!«

»Jetzt bringst du auch noch Gorbatschow-Zitate, oh Gott! Hat er das überhaupt jemals wirklich so gesagt, haha?«

»Wer weiß, genau so wohl eher nicht. Aber so wurde es später kolportiert und verbreitet, und, hehe, auf die Scampi bezogen stimmt es jedenfalls haargenau!«

»Die arme Garnele kann gar nichts dafür, du Gauner!«, schnippte Deli gekonnt ein kleines Reiskörnchen in meine Richtung. Nebenbei sei angemerkt: Wenn sie sich im Eifer unseres Gesprächs mal weiter vorlehnte, erhielt ich höchst reizvolle, tiefe Einblicke in ihr Dekolleté mit den wunderschönen Rundungen prächtiger, halterloser Brüste darin. Und selbstverständlich registrierte sie als aufmerksame Frau sehr genau jeden meiner männlichen Blicke.

»Zugegeben, die leckere Scampi war völlig unschuldig und erfreute meine Geschmacksnerven mit ihrer jungfräulichen Frische, hoho!«, grinste ich sehr breit, während das Reiskorn haarscharf an meinem linken Ohr vorbeizischte. »Aber wenn du mich ganz lieb bittest, bestelle ich dir gerne noch einige dazu.«

»Ahaha, du bist mir einer!«, prustete sie heiter. »Um Himmels willen nein, wir schaffen die riesige Platte doch so schon kaum, obwohl du so ein großer Kerl bist und futterst wie ein hungriger Bär.«

Nach dem leckeren Essen unterhielten wir uns bei starkem griechischen Mokka, betäubend duftendem, 40-jährigem Metaxa sowie reichlich Mineralwasser und Wein gleichzeitig ähnlich lustig, aber auch ernsthaft über die praktische Ausstattung des Bootes. Sofort wurde erkennbar, dass Deli sich damit wirklich gut auskennt, ganz sicher keinen hübschen, aber unpraktischen Krimskrams im Auge hat und sogar eine ganze Menge von technischen Dingen versteht. Das freute mich natürlich riesig, und ich beschloss bereits im Hinterkopf, ihr dabei weitestgehend freie Hand in einem vernünftigen finanziellen Rahmen zu geben.

Was allgemeine Dinge wie Bettwäsche, Hand- und Badetücher, Geschirr, Besteck, Töpfe, Pfannen, Putzmittel, Seifen, Shampoos, Küchengerätschaften und auch ein paar hübsche Sachen für das wohnliche Wohlbefinden betrifft, haben Frauen sowieso meist ein deutlich besseres Händchen als Männer. Und da sie alle Maße an Bord für die Unterbringung kennt oder aus den detaillierten Bootsplänen nachschlagen kann und weiß, dass es auf einer Fahrtenyacht nicht nur um hübsch, sondern vor allem um praktisch und tauglich für den rauen Alltag auf einem schwankenden Schiff ankommt, dürfte sie genau die richtige Wahl treffen.

»Was ich noch unbedingt wissen muss...«, überlegte sie gleichzeitig stirnrunzelnd und strahlend lächelnd, »...soll es eine vor allem männlich-maskuline Ausstattung für dich und deinen Geschmack sein, oder darf ich auch im Sinne weiblicher Mitreisender einkaufen? Ein Typ wie du wird doch garantiert nicht einhand als Solo-Segler unterwegs sein, stimmt’s, haha?!«

»Stimmt, hoho, du clevere Freche!«, schmunzelte ich. »Aber ich habe noch keine Mitseglerin ausgewählt und es auch nicht übermäßig eilig damit. Ich beabsichtige nämlich wirklich ›auszusteigen‹, wie man so schön sagt, dauerhaft als Fahrtensegler auf dem Boot zu leben und unterwegs zu sein. Für diesen Lebensstil eignen sich keine x-beliebigen, hübschen Mitseglerinnen. Das erfordert einen ganz bestimmten Menschenschlag mit einer ähnlichen Lebensphilosophie, und wie du sicherlich weißt, ist das Leben auf so einer schwankenden Fahrtenyacht auch keineswegs immer nur einfach schön. Dabei kann es viele Probleme geben, und es wird gelegentlich auch sehr ungemütlich und schwierig.«

»Ja, das weiß ich, Steve«, lächelte sie wieder derart strahlend, obwohl sie eigentlich ernsthaft sprach, wie es nur sehr sonnige, humorvolle Gemüter können. »Mit echtem, dauerhaftem Langstrecken-Fahrtensegler-Alltag habe ich zwar noch keine eigene Erfahrung, aber ich bin ja nicht doof und beschäftige mich schon lange mit dieser Thematik – wie viele, die schon vom Aussteigen und Davonsegeln träumten.«

»Nein, doof bist du ganz sicher nicht! Und stimmt, viele träumen davon, aber nur sehr wenige schaffen es am Ende, ihre Träume auch wirklich wahrzumachen«, lächelte ich zurück. »Und noch mehr versuchen es, stellen dann aber schnell fest, dass es ganz anders und viel schwerer ist, als sie es sich vorgestellt haben, oder sie scheitern an den harten Fakten. Das sind dann all die vielen, einst mit großem Aufwand und Enthusiasmus hergerichteten Boote, die in der Karibik oder sonst wo allein gelassen vor sich hingammeln und per Notverkauf schnell wieder abgestoßen werden sollen, was selten gelingt. Tatsächlich scheitern nach seriösen Untersuchungen an die 90 % aller Möchtegerne-Aussteiger-Fahrtensegler, verschwinden wieder an Land, und man hört nie mehr von ihnen. Manche kommen dabei sogar ums Leben, was im Mainstream all der heutigen enthusiastischen Fahrtensegler-Berichte und Segel-Videokanälen meist unbeachtet untergeht, wo nur auf die etwa 10 % geschaut wird, die es wirklich schaffen.«

»Das, haha, ist wohl wieder so eine typische Steve-Antwort, wie es deine Freunde gerne nennen, wie?!«, lachte sie heiter. »Aber du hast natürlich recht, ich hörte auch schon davon. Echt 90 %, die scheitern? Das ist heftig!«

»So ungefähr, Deli. Ganz genau weiß das natürlich niemand, aber es gibt ziemlich aussagekräftige Untersuchungen von damit befassten Fachfirmen, und die sprechen eine sehr eindeutige Sprache. Überwiegend betrifft das US-Leute und Segler in der Karibik, weil sehr viele Amis, gerade auch jüngere Leute, so etwas versuchen und häufig glauben, es wäre ganz einfach, wenn sie nur erst einmal genug Geld aufgebracht haben, um sich irgendeinen oft schrottigen Kahn preiswert zu kaufen.«

»Spannend, darüber musst du mir unbedingt mehr erzählen!«, meinte Deli, als ich die Rechnung beglich und wir zusammen rausgingen, wo ich erst einmal genüsslich eine Zigarette schmauchte. Inzwischen war es draußen trocken und die Abendluft spürbar milder geworden. »Wie wäre es jetzt mit noch etwas Spaß, auch wenn du nicht rein zum Vergnügen hier bist?«

»Gerne, was schwebt dir vor?«

»Folge mir einfach oder besser begleite mich als Beschützer, haha; ich schätze, es wird dir gefallen!« Sie führte mich zu einem typisch holländischen, sehr gemütlichen »Café«, wobei hierzulande Cafés absolut nicht das sind, was man sich in Deutschland darunter vorstellt. Hier sind das meist gemütliche Lokale, die man bei uns Kneipen oder Bars nennt.

Ich soll dessen Namen auf ihren Wunsch hin nicht öffentlich im Blog nennen, damit nicht gleich jeder Leser weiß, wo sich Deli in Vlissingen gerne herumtreibt, aber sie hatte vollkommen richtig geschätzt: Es waren dort zwar überwiegend jüngere Menschen zu Gast – darunter auch etliche blonde Schönheiten, Studenten, Künstler und einige intellektuelle Typen (oder solche, die sich dafür ausgaben) –, und es herrschte eine supergute Stimmung im Lokal. Die Cocktails waren ausgezeichnet, das Personal und der Wirt ausgesprochen nett, und wir vergnügten uns prima bis ein Uhr nachts.

Nicht nur oberflächliche, alkoholisierte Nachtschwärmer-Spielchen und Spaß, sondern auch etliche intelligente Gespräche mit den dazugehörigen, interessanten Typen – darunter einigen wirklich sehr schönen, reizvollen jungen Frauen – erfreuten auch meinen Intellekt und männlich-ästhetisches Interesse am anderen Geschlecht. zwinker

 

Da Deli einige Bekannte oder Freunde traf und wir gleich voll in die aktuell laufende Gruppen- und Kneipendynamik integriert wurden, sprachen Deli und ich im weiteren Verlauf nicht mehr allzu viel direkt miteinander. Jedenfalls war das wirklich ein sehr gelungener Abschluss und ein wunderbarer Abend, wie man ihn sich als Nachtschwärmer in einer urigen Kneipe kaum besser wünschen kann.

Schließlich spazierten wir leicht aufgedreht und mit auch nicht wenig Alkohol intus, plaudernd und lachend zurück zum Stadthaus der reizenden alten Witwe. Dort angekommen bemühten wir uns natürlich sehr, leise zu sein, um die alte Dame in ihrem Wohnteil nicht zu stören.

Ich bekam im Flur noch einen verdammt erotischen Dankes-Abschiedskuss für den schönen Abend auf meine Kosten, wobei ich viel von Delis prächtiger Fraulichkeit spüren durfte. Dann verschwanden wir rasch in unseren jeweiligen Räumlichkeiten. Noch kurz abduschen, Zähne putzen und so weiter, dann fiel ich kurz vor zwei Uhr nachts müde und gähnend in die Federn, kuschelte mich ein und versank praktisch sofort in einen tiefen Schlaf... schnarch

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Niederlande, Vlissingen, Ankunft mit bezaubernder Überraschung

 

#26.08.18 – Niederlande, Vlissingen, Ankunft mit bezaubernder Überraschung

Der Abschied fiel uns allen verdammt schwer. Auch mir, der ich seit vielen, vielen Jahren durch mein ständiges Reisen und Umherziehen eigentlich bestens an das stetige Kommen und Gehen gewohnt bin. Britt, Vicky und Demo sind einfach eine tolle Crew und auch als Menschen klasse – exakt von der Sorte Persönlichkeiten, mit denen man gerne befreundet ist und Zeit miteinander verbringt. Trotz unseres nicht ganz unerheblichen Altersunterschieds hatten wir uns supergut verstanden und während des gesamten Törns wirklich sehr viel Spaß miteinander gehabt. Aber es half alles nichts, nun musste ich weiterziehen. seufz

In den Niederlanden wartete eine frisch refittete und aufgerüstete Segelyacht auf mich, die jedoch noch etwas mehr Teile, Ausrüstung sowie weitere Modernisierungen benötigt. Vor dem Heraufziehen der ersten tückischen Herbststürme soll das Boot unbedingt fertiggestellt werden, um es dann sicher in den Süden zu segeln. Die berüchtigte Biskaya ist bekanntlich zu jeder Jahreszeit mit Vorsicht zu genießen; wenn die herbst- und winterlichen Stürme dort erst einmal loslegen, kann es mehr als ungemütlich und sehr gefährlich werden. Also sollte das Boot nach Möglichkeit noch im August, spätestens Anfang September fertig werden, damit ich sie vor Oktober, wenn die schweren Herbststürme meist loslegen, in südländische Gefilde segeln kann.

 

Nach dem gemeinsamen Frühstück, das wie gewohnt munter und lustig verlief, heute aber von einer spürbaren, schwermütigen Süße wegen des Abschieds durchzogen war, brachte mich die Crew zur Estación de Autobuses de La Línea de la Concepción, einem geschäftigen Busbahnhof. Mit Ausnahme von Demo wurde dort noch einmal heftig und ausgiebig geknutscht, und ich sprach den dreien ein letztes Mal aufmunternd Mut zu. Sie sind zwar noch keine wirklich erfahrenen Segler, aber als Crew bereits sehr gut und brachten die Vikarelia ja auch ohne mich vom Baltikum bis an die Algarve. Wenn sie jetzt allein als Crew weitermachen und wahrscheinlich auch die große Atlantiküberquerung in die Karibik angehen, werden sie auch das ohne mich schaffen.

»Och, Mensch, zu schade…« seufzte Britt und küsste mich so erotisch ab, als wäre ich und nicht Demo ihr Geliebter, der jetzt in den Krieg ziehen muss, oder so. »Aber ich…, wir verstehen, warum du dorthin musst. Alles Gute und vielleicht treffen wir uns ja auf den Kanaren, vor der Atlantiküberquerung nochmal im Hafen.«

 

»Das könnte tatsächlich klappen, mal schauen«, hielt ich sie vergnügt in einer engen Bärenumarmung und spürte durchaus etwas kribbelnd ihre wunderschöne, weiche und herrlich duftende Weiblichkeit hauteng an mir.

Mit Vicky wurde natürlich auch noch leidenschaftlich geküsst und ein bisschen sinnlich gefummelt, während Demo und ich uns als Männerfreunde in einer herzlichen Umarmung kräftig auf die Schultern klopften.

Der Bus brachte mich zum Aeropuerto de Málaga Costa del Sol, von dort aus ging es mit dem Flieger nach Rotterdam The Hague Airport. Dort angekommen war die kühle Begrüßung bei verregneten 18 °C ein kleiner Schock für meinen nun viele Wochen an südländische Hitze gewöhnten Körper. Aber eine erfrischende Abkühlung war es auch, und es tat mir eigentlich ganz gut, nicht mehr so schnell und viel zu schwitzen.



 

Ein weiterer Bus brachte mich zum Hauptbahnhof Rotterdam Centraal und von dort ein Zug weiter nach Vlissingen. Die niederländische Hafenstadt Vlissingen in der Provinz Zeeland hat 45.893 Einwohner und wird als frühere britische Garnisonsstadt auch Flushing genannt. Ansonsten ist es ein typisch holländisches, hübsches Kleinstädtchen an der Mündung der Westerschelde und an der Südküste der Halbinsel Walcheren.

 

Niederländische Gemeinden (Gemeenten) umfassen in vielen Fällen sehr große Wasserflächen. Bei Vlissingen ist das besonders extrem: Die gesamte Gemeindefläche umfasst ca. 345 km², wovon nur ca. 34 km² Land- oder Stadtfläche sind; die Wasserfläche beträgt hingegen ca. 311 km². Die Gemeindegrenze von Vlissingen geht also weit in die Westerschelde hinein. Das ist in den Niederlanden ganz normal – viele Küsten- und Inselgemeinden haben einen sehr hohen Wasseranteil an ihrer offiziellen Fläche gemäß Kadaster und CBS-Daten.

Auch der kleine Kopfbahnhof wirkt fast so, als gehöre er eher zum Hafen als zur Stadt. Ab 1873/1875 war Vlissingen ein wichtiger Übergangspunkt für die Verbindung nach England. Die Stoomvaart Maatschappij Zeeland (SMZ) betrieb ab 1875 eine regelmäßige Fähr- und Postdampfschiff-Linie von Vlissingen nach England; zuerst nach Sheerness, später nach Queenborough, Folkestone und Harwich.

Dazu gehörten die sogenannten »Boottreinen« (Bootstrains) aus dem Inland und sogar aus Deutschland, z. B. Berlin–Vlissingen. Das Bahnhofsgelände, damals »Vlissingen Haven« genannt, wurde bewusst sehr nah am Hafen und den Anlegestellen angelegt, damit Passagiere und vor allem die Post möglichst schnell umsteigen bzw. umgeladen werden konnten.

Es gab sogar einen königlichen Wartesaal, weil die Verbindung auch von Fürsten und Diplomaten genutzt wurde. Die Gleise reichten also weit in den Hafenbereich hinein, damit die Züge möglichst nah an den Schiffen halten konnten. Es handelte sich aber um einen klassischen Passagier- und Postumschlag, nicht um Eisenbahnfähren, bei denen Waggons mit an Bord genommen wurden, wie z. B. früher auf der Ostsee oder im Ärmelkanal bei Dover–Dünkirchen. Diese wichtige Funktion hatte Vlissingen vor allem von den 1870er-Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg verlagerte sich der England-Verkehr stärker nach Hoek van Holland, und mit dem Eurotunnel (1994) verlor die Fährverbindung endgültig an Bedeutung.

 

Bei meiner Ankunft tröpfelte es noch vom überwiegend grau verhangenen Himmel, und ein feiner Dunstschleier lag über der Küste. Doch ab und zu, leider nur sehr selten, blinzelten auch ein paar Sonnenstrahlen durch kleine Wolkenlücken, die sich rasch wieder zuzogen. Meine ersten Erfahrungen mit dem Meer als Bub machte ich einst an der deutschen Nordseeküste. Solche kindlichen Erfahrungen und Abenteuer graben sich einem tief ins unterbewusste Gedächtnis, und deshalb war ich nicht überrascht, dass sich sogleich wieder typisches Nordsee-Feeling mit einigen lebhaften Flashback-Erinnerungen einstellte.

Möwen kreischten laut im windigen Küstenwetter, und natürlich haben die Biester auch hier längst gelernt, dass Menschen Essen in der Hand halten, was sie als freies Buffet-Angebot nutzen. Besonders aggressiv werden sie, wenn man das Essen ungeschützt trägt oder kurz wegsieht. Ich sog die frische, salzige Luft von derzeit 19–20 °C, gefühlt eher 18 °C, tief in die Lungen; nach all der südlichen Wärme empfand ich es sogar als unangenehm frisch mit leichtem Frösteln, obwohl ich eine gute, schützende Jacke übergezogen hatte. Das dürfte ich typischerweise zwei bis vier Tage so empfinden, bis sich der Körper vollends akklimatisiert hat.

»Hoi, du musst der berüchtigte Captain Steve sein? Frierst du etwa, haha?« lachte eine blonde Schönheit von eindeutigem WOW!-Format, nur in einem dünnen Trägershirt mit unübersehbar prächtigem Busen darunter sowie Jeans und Turnschuhen.

»Berüchtigt?« grinste ich belustigt und schätzte die wirklich sehr attraktive Frau von Linda-de-Mol-Zuschnitt mit erfahrenen Fotografenaugen auf ca. Mitte 20, mit klassischen 90-60-90-Maßen, verteilt auf wohl knapp 170 cm. »Und ja, nach Südspanien ist es hier doch etwas frisch. Ich nehme an, du bist Delilah? Hoi, nett dich kennenzulernen.«

»Aye Captain, bin ich; nenn mich einfach Deli, wie alle, und ich verstehe dein Frösteln als verwöhnter Südsegler, haha; und das berüchtigt bezieht sich natürlich auf deinen Ruf«, lachte die offensichtlich sehr humorvoll-lockere Schöne in perfekterem Deutsch, als es die meisten Deutschen beherrschen, mit nur einem ganz kleinen, süßen holländischen Dialekt.

»Meinen Ruf? Als Segler oder als Mann, hoho?« konterte ich direkt und fand sie auf Anhieb ausgesprochen sympathisch – offensichtlich nett-frech, clever und schlagfertig, also genauso, wie ich es liebe.

Dennoch war ihr Verhalten als beauftragte Empfangsdame der von mir mit der Aufrüstung der Yacht beauftragten Fachfirma doch eher recht ungewöhnlich. Solche Leute sind im Allgemeinen sehr bemüht, den viel Geld ausgebenden und für Umsatz sorgenden Kunden möglichst höflich-freundlich zu empfangenen; wobei sie darauf achten, ja nichts Falsches zu sagen, was den Auftraggeber vielleicht verärgern könnte, wenn er irgendwas in den falschen Hals bekommt. Deli hatte also offenbar sehr sorgfältig recherchiert, wer, was und wie ich so drauf bin, vermutlich über den Blog, was auch für ihre Cleverness sprach.

»Sowohl als auch, Meneer Kapitein und Gentleman-Casanova«, zwinkerte sie schon regelrecht flirtend mit wachem Blick und neugierig-freundlich funkelnden Augen. »Willst du gleich auf dem Boot einziehen oder in einer Landunterkunft?«

»Ist der Kahn denn schon bewohnbar?« steuerte ich zu einem Kaffeestand mit kleinen Imbisshappen, ähnlich wie eine Brezelbude, nur ohne Brezeln, schaute Deli fragend an, die zustimmend nickte, und bestellte uns zwei Becher eher mittelmäßigen Kaffee; damit gingen wir zur Seite, damit ich auch eine Zigarette rauchen konnte.

In den Niederlanden ist das öffentliche Rauchen klar geregelt – innen streng, außen eher locker. Verboten ist Tabakrauchen in allen Innenräumen der Gastronomie (Cafés, Restaurants, Bars, Coffeeshops etc.), in öffentlichen Gebäuden, an Arbeitsplätzen, in Schulen und deren Geländen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Bahnhöfen/Bahnsteigen sowie in geschlossenen Wartebereichen. Erlaubt ist das Rauchen auf der Straße und in Parks, meist ohne Einschränkung. Auf Außenterrassen der Gastronomie ist es gestattet, solange die Terrasse wirklich offen ist, mindestens eine Seite komplett offen bleibt und der Rauch nicht nach innen zieht. Kurz gesagt: Innen wird streng auf das Rauchverbot geachtet, außen wird es eher entspannt und alltagstauglich gehandhabt. Wer draußen raucht, fällt nicht besonders auf und wird in der Regel völlig in Ruhe gelassen.

»Dein Kahn, haha, den ich übrigens wunderschön finde – ich liebe klassischen Yachtbau – ist definitiv bewohnbar, mit Strom- und Wasseranschluss«, lachte sie wieder, wie sie es offenbar fast ständig sehr gern tut. »Aber er ist sozusagen völlig kahl; der letzte Eigner hat alles ausräumen lassen und mitgenommen, was Mensch so zum Leben braucht. Du müsstest also erstmal massiv alles einkaufen: Handtücher, Geschirr, Bettwäsche, Besteck, Kochgeräte…, halt alles. Wie in einer bis auf die Möbel und Gerätschaften völlig ausgeräumten Wohnung.«

»Aha, und was will er mit all dem Zeug, wenn er doch selbst nie mehr segeln kann? Verstehst du viel von Yachten und Segeln?«

»Woher soll ich das wissen? Vielleicht hofft er insgeheim, in ein paar Jahren wieder gesund genug zu sein, um doch mit einer neuen Yacht segeln gehen zu können?« antwortete Deli sachlich, aber nahezu permanent reizend lächelnd; sie ist eindeutig ein sehr sonniges Gemüt, wie man so sagt. »Ja, ich ging schon auf Segelboote, bevor ich richtig laufen konnte, haha.«

»Hm, das ist nicht ganz korrekt ausgedrückt. Du gingst nicht auf, sondern deine Eltern nahmen dich mit auf Boote, bis du alt genug warst, das selbst entscheiden zu können«, zwinkerte ich, und viele meiner Freunde würden das als typische Steve-Bemerkung bezeichnen. Mit einer Mischung aus minimaler Verärgerung und viel mehr belustigtem Amüsement reagierte Deli darauf und meinte lachend:

»Ach was, haha, bist du immer so ein Klugscheißer?«

»Ähm ja, meistens oder zumindest recht häufig, hoho«, musste ich darüber glucksen und bewunderte insgeheim ihre ungekünstelt direkte Schlagfertigkeit. Das würde sich normalerweise kein Mitarbeiter einer Firma gegenüber einem nicht ganz unwichtigen Kunden erlauben. »Also erst mal in eine Landunterkunft! Den ganzen Kram passend anzuschaffen wird mindestens Tage dauern.«

»Hoi, dabei könnte ich dir gern helfen«, lächelte die Schönheit schon wieder so strahlend wie eine humorvoll aufgehende Sonne. »Shopping ist immer geil und ich kenne mich mit allen Bordsachen gut aus.«

»Klaro, Frauen und Shopping…, wer kennt das nicht zu gut, hehe«, brachte sie mich erneut zum Mitlachen. »Aber solche Hilfe wäre sehr willkommen. Wenn der Arme wirklich alles ausgeräumt hat, ist die Ausstattung einer Fahrtenyacht doch ein Riesenaufwand. Welche Landunterkunft kannst du mir empfehlen?«

»Vlissingen ist eine Kleinstadt, aber auch ein Touristenort. Es gibt viele mehr oder weniger gute Pensionen und Hotels in der Stadt und an den Küstenstränden…« überlegte sie kurz und ergänzte: »…aber hey, wenn du möglichst nahe am Liegeplatz deines Bootes eine richtig gemütliche, nette Villenunterkunft bei einer reizenden, alten Witwe möchtest, könnte ich mit meiner Vermieterin reden. Dort lebe ich auch seit jetzt…, warte…, neun Wochen und es gibt noch viel Platz. Die liebe, alte Dame freut sich über jüngere Gesellschaft, kennt hier Gott und die Welt und kennt sich als Ex-Kapitänsehefrau auch mit Seefahrt- und Seglersachen gut aus.«

 

»Na, das klingt doch gut und passend. Eine schöne Unterkunft in Bootsnähe wäre natürlich praktisch. Sollte ich was über die alte Dame wissen, um nichts Falsches zu sagen, damit sie mich aufnimmt?« zwinkerte ich und gestehe hier schon mal ganz offen, dass die Vorstellung, quasi nahe mit Deli zu leben, durchaus einen nicht gar so kleinen Reiz für mich hatte. Auf meine Menschenkenntnis, viel Erfahrung, Intuition und Bauchgefühl vertrauend – wobei ich mich bekanntlich so gut wie nie täusche – stufte ich sie als einfach klasse Typ ein, mit dem man gern näheren Kontakt hat; mal ganz abgesehen von ihrer äußerlichen Attraktivität als reizvolle Frau, was selbstverständlich auch eine gewisse Rolle spielte; schließlich bin ich ein Mann und noch dazu einer, der genau diesen cleveren, schlagfertigen und humorvollen Frauentypus mit zudem auffälliger Schönheit sehr schätzt.

»Ach was, haha, ein Gentleman-Casanova deiner Art wird die alte Dame auch so bestimmt schnell ein bisschen verzaubern«, lachte Deli vergnügt augenzwinkernd.

Also machten wir uns mit meinen zwei großen Rollkoffern sowie einer Umhänge-Aktentasche – heutzutage sagt man eher Laptoptasche dazu – auf den Weg durch die kühlen, feuchten Straßen. Es tröpfelte unverändert nur ganz leicht, und da es kein weiter Weg war, gingen wir einfach zu Fuß. Ohne zu fragen schnappte sich Deli unkompliziert einen der schweren Rollkoffer und marschierte zielstrebig voraus, während das Klackern der Rollen auf dem Pflaster hallte. Dabei plauderten wir weiter in dieser von mir und offensichtlich auch ihr so geliebten, locker-lustig-humorvollen Art. Aber das kann ich nicht alles aufschreiben, obwohl es für die Leser sicherlich amüsant wäre.

Fotos soll ich vom Heim der alten Dame nicht öffentlich zeigen, aber es handelte sich um eine schicke, sehr gepflegte Mischung aus Stadthaus und Landvilla, mit hübschem, kleinem Garten voller duftender Rosenbüsche und wohnlich-gemütlicher Einrichtung; einige Teile, die von der tatsächlich schon 83-jährigen Witwe bewohnt werden, sind von erlesener, repräsentativer Qualität, andere Teile etwas vernachlässigt altmodisch, eher einfach und praktisch. Deli bewohnte eines der ehemaligen Gästezimmer, eher wie eine Suite oder ein kleines Appartement, ehemals für die noch nicht verheirateten Kinder gedacht, mit eigener kleiner Küche und natürlich auch einem Badezimmer.

Etwas Ähnliches bot die alte Dame auch mir an, nachdem wir uns bei duftendem Kaffee und frischem Kuchen kennengelernt hatten und sie mich offensichtlich als mindestens akzeptabel eingestuft hatte. Trotz ihres Alters ist die Witwe noch richtig flink im Kopf, redet, erzählt und plaudert wie viele alte Menschen eindeutig sehr gern und besitzt ebenfalls einen sehr gesunden, schlagfertigen Humor. Bezeichnenderweise bestand sie darauf, mich als nichtzahlenden Gast aufzunehmen, und auch Deli bezahlt als Untermieterin einen nur symbolischen Betrag, weil:

»Hier steht doch sowieso viel zu viel leer und wird kaum benutzt. Ich freue mich, wenn das Haus ein bisschen mit jungem Leben gefüllt wird«, zwinkerte die alte Dame und Witwe, schelmisch.

»Mevrouw Margriet, passen Sie bloß auf uns beide auf, sonst stellen wir die Villa noch auf den Kopf«, konterte ich, Deli miteinbeziehend, und typischerweise dürfte die alte Dame spielerisch die Rolle der »strengen, aber amüsierten Aufseherin« mit einem Lächeln annehmen.

Kurz gesagt: Wir kamen auf Anhieb erstaunlich gut miteinander aus, lachten und scherzten bereits wie alte Bekannte, und ich richtete mich dann erst mal in dem mir großzügig-herzlich überlassenen Gastbereich ein. Eine warme Dusche zum Frischmachen nach der etwas umständlichen Anreise tat ebenfalls verdammt gut. Da schon fast Mittagszeit war und uns Mevrouw Margriet natürlich sogleich zum gemeinsamen Speisen einlud, verzichtete ich vorerst auf eine Besichtigung der Yacht.

Natürlich war ich neugierig, welche Arbeiten bereits in welcher Qualität durchgeführt worden waren; und es musste geplant oder beauftragt werden, welche zusätzlichen Upgrades noch von der Fachfirma, für die Deli jobbt, erledigt werden sollen, bevor ich ablege und nach Süden segle. Aber dafür war noch genug Zeit. Nach meiner vorläufigen Planung werde ich vermutlich zwei bis drei Wochen hier verbringen, bevor es weitergeht, und dazu gibt es noch viel zu erzählen. Das ist dann jedoch Thema für einen neuen Blog, sonst wird es zu viel auf einmal.

 

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