Algarve, Wartungsplanung, Britt, Demo und spannende Erlebnisse

 

#26.06.08 – Algarve, Wartungsplanung, Britt, Demo und spannende Erlebnisse

Ich wurde sanft wach, weil das Boot plötzlich ungewohnt stärker schaukelte, und stellte beim schläfrigen Herumtasten fest, dass Vicky nicht mehr neben mir im Bett lag. Gestern mussten wir den bequemen Anlegesteg verlassen und ankerten jetzt im Strom des Rio Arade. Vermutlich war gerade irgendein größeres Schiff vorbeigefahren und hatte mit seiner Bugwelle ordentlichen Schwell ausgelöst, wodurch die Yacht an Bug- und Heckanker im Strom stärker schwankte und in den Leinen ruckte.

Vicky war wohl schon eine Weile wach und trieb sich irgendwo an Bord oder auf Deck herum. Noch leicht verschlafen und mit struppigen Haaren kroch ich ebenfalls aus den Federn, streckte meine Bärengestalt und ging im weichen Deckshaus-Licht nachschauen, wo sie abgeblieben war.

»Morgen, du Schlafmütze!« rief sie mir fröhlich entgegen, als mein Kopf im Niedergang auftauchte. Sie hockte herrlich ungeniert und nur nachlässig in ein großes, buntes Badetuch gewickelt im Bugkorb, wo sie bereits genüsslich ihre Morgenzigarette gequalmt hatte. Ich zündete mir ebenfalls eine Kippe an, inhalierte den ersten tiefen Zug und erwiderte lächelnd den klassischen norddeutschen Waterkant-Gruß:


 

»Moin, Moin! Schon so früh wach?« Ein schneller, erfahrener Rundumblick zeigte mir das bereits ein gutes Stück entfernt den Fluss hinauftuckende Boot, welches den unangenehmen Wellengang verursacht und unser Boot so kräftig zum Schaukeln gebracht hatte. Ein langes Wolkenband verzog sich gerade nach Südosten, während aus Nordwesten ein mäßiger, angenehm erfrischender Wind unter einem strahlend blauen Himmel wehte.

Wir hatten bereits jetzt am frühen Morgen sehr angenehme 22 °C Lufttemperatur. Ein paar Seevögel zogen weit oben majestätisch und ruhig ihre Bahnen, oder kreischten weiter unten aufgeregt um ein kleines Fischerboot herum, das nur etwa 40 bis 50 Meter entfernt von uns gerade einen fangfrischen Schwung Frischfisch anlandete. Rundum an den Ufern herrschte bereits geschäftiges Treiben auf den Booten und an Land.

»So früh? Es ist schon fast 08 Uhr, Captain Schlafmütze!« zwinkerte mir Vicky belustigt zu und musste laut auflachen, als sie zu einem der Fischer hinüberschaute. Der Mann schleppte gerade schwer an einer oben offenen Fischkiste, als ihm ein großer Seevogel mit geradezu akrobatischen, millimetergenauen Flugkünsten soeben einen dicken Fisch dreist aus der Kiste klaute. »Schau dir das an, haha, was für Flugkünste! Der absolute Wahnsinn!«

»Ja, beeindruckend…« grinste ich fasziniert und schnappte mir schnell die kleine Snapshot-Ixus, die griffbereit im Cockpit lag, in der festen Erwartung, dass gleich der nächste gefiederte Dieb das Kunststück zu wiederholen versuchen würde. So war es auch, und obwohl es verdammt schwer war, in der Bewegung den exakt richtigen Moment zu erwischen, gelang mir ein wirklich guter, scharfer Schnappschuss. 

 

Die hart arbeitenden Fischer störten sich anscheinend gar nicht an den fliegenden Fischdieben, betrachteten das wohl als eine Art traditionelle, dankende Gabe an die Naturgötter für ihren offenbar recht üppigen Fang. Oder aber die Kerle waren einfach viel zu stark abgelenkt von Vickys extrem sexy Anblick, wie sie da kaum bedeckt von dem verräterischen Badetuch im Wind hockte? Wer weiß, hoho, zuzutrauen wäre es den Männern jedenfalls. schmunzel

»Was lachst du dir da so in den Bart? Frühstück? Nein, mein Lieber, erst wird geduscht!« Kam sie mit federnden Schritten zu mir an den Niedergang und klaute sich frech noch einen letzten Zug aus meiner brennenden Kippe.

»Ich glaube einfach, dein entzückender Anblick lenkt die armen Fischer da drüben viel zu sehr von ihrer Arbeit ab«, grinste ich breit, worüber sie nur noch mehr lachte und den schwer schuftenden Männern am Kai fröhlich und ungeniert zuwinkte.

Wir gingen wieder gemeinsam unter Deck, duschten uns frisch und bereiteten dann in der Kombüse ein deftiges Frühstück zu. Ganz klassisch gab es reichlich Rührei mit krossem Speck und Zwiebeln auf gut gebuttertem, dunklem Brot, sowie würzige geräucherte Wurst, etwas reifen Käse, Oliven, Peperoni, frische Tomaten und scharfe Jalapeños; einfach, rustikal, aber richtig lecker. Dabei besprachen wir in aller Ruhe unsere Tagesabsichten und Pläne.

 

Demo hatte bereits nach der Orca Attacke die gesamte Ruderanlage im Rumpf akribisch kontrolliert und dort glücklicherweise keine Schäden feststellen können, genauso wenig wie bei der ersten Sichtprüfung, als er tauchend von außen den Rumpf inspizierte. Dennoch gebot gute, verantwortungsvolle Seemannschaft zur Sicherheit eine genaue Prüfung auf möglicherweise nicht mit bloßem Auge erkennbare, versteckte Strukturbeschädigungen am Ruder oder der massiven Aufhängung am Skeg. Dazu muss die Yacht zwangsläufig mit einem großen Boot-Travellift komplett aus dem Wasser genommen werden, wozu Vicky bereits folgende professionelle Firma in einem modernen, maritimen Dienstleistungszentrum herausgesucht hatte:

Estaleiro - Boatyard Marina de Portimão

  • Lage: Direkt am Rio Arade (Portimão Naval Shipyard Area), ca. 1 Seemeile von der eigentlichen Marina entfernt.
  • Infrastruktur: Ein 50-Tonnen-Travel-Lift (für Schiffe bis ca. 5,70 m Breite) sowie ein mächtiger 300-Tonnen-Travel-Lift (bis 9 m Breite) – letzterer betrieben in enger Kooperation mit der Atlantic Boatyard als professioneller Service-Partner.
  • Zusätzliche Services (ideal für eine umfassende Inspektion): Gründliche Hochdruck-Reinigung des Rumpfes, Hardstand-Plätze an Land (auf Wunsch auch überdacht), Kranarbeiten, diverse Werft-Dienstleistungen wie Lackierung, Antifouling-Schichten, Osmose-Behandlung, Inspektionen, Reparaturen, Schweißarbeiten usw.
  • Reputation: Eine professionelle, hervorragend ausgestattete Anlage mit erstklassigem Ruf für Yachten aller Größenordnungen.
  • Kontakt: Tel.: +351 282 400 680
  • E-Mail: estaleiro@marinadeportimao.com.pt (oder info@atlanticboatyard.pt für den schweren 300t-Service)
  • Website: marinadeportimao.com/en/boatyard


 

Die Firma oder vielmehr der Gemeinschaftsbetrieb dieser großen Anlage hat in Seglerkreisen einen wirklich guten Ruf. Allerdings ist jetzt auch hier an der Algarve die Feriensaison vol im Gange, was es vermutlich schwierig machen wird, zeitnah einen freien Termin zu bekommen. Die geschätzten Anfangskosten nur fürs Kranen und Aufbocken belaufen sich locker auf 1.500 bis 2.000,- Euro, danach ist alles natürlich abhängig von den tatsächlich notwendigen oder zusätzlich beauftragten Arbeiten. Vielleicht lassen wir bei dieser Gelegenheit auch gleich das gesamte Unterwasserschiff komplett per Hochdruckstrahler reinigen und einen neuen, schützenden Antifouling-Anstrich aufbringen, mal schauen, was terminlich möglich ist.

Ich setzte mich also mit einer Tasse Kaffee an den Laptop, schickte zunächst eine detaillierte Mail mit den genauen Infos und Bootsdaten ab und rief danach direkt in der Werft an. Eine sehr freundliche Service-Mitarbeiterin mit perfektem, akzentfreiem Englisch bot mir am Telefon an, dass wir gegen 10:30 Uhr einfach mal vorbeikommen und mit einem Fachmann die Angelegenheit vor Ort besprechen könnten.

Terminmäßig sah es für das Liften der Yacht erwartungsgemäß erst mal gar nicht gut aus, es herrscht halt saisonbedingter, sommerlicher Hochbetrieb und die Auftragsbücher sind voll. Aber da eine 42er Nauticat ja kein gigantisch großes Boot ist und nach der Orca-Attacke eine gewisse, akute Notsituation vorliegt (so könnte man es beim Werftchef geschickt „drehen“, schlug die clevere Mitarbeiterin von sich aus augenzwinkernd vor), wäre es vielleicht doch möglich, unser Boot irgendwie dazwischenzuschieben.

»Hey, das hört sich doch schon mal super an…« freute sich Vicky, die inzwischen etwas »Haushaltsarbeiten« erledigt und eine Ladung Wäsche gewaschen hatte; dann seufzte sie jedoch leise auf. »…aber ein paar Tausender nur fürs Nachgucken…, oh je, das tut weh.«

»Sieh es positiv, Vicky. Was sein muss, muss halt sein. Stell dir vor, ihr startet im Herbst tatsächlich die große Atlantiküberquerung Richtung Karibik… und irgendwo auf hoher See, tausende Meilen von jedem sicheren Hafen entfernt, versagt plötzlich das Ruder wegen irgendeines versteckten Haarrisses durch die Orca-Attacke. Das wäre der absolute Albtraum, den würde ich auf keinen Fall riskieren wollen und du sicherlich auch nicht, oder?!«

»Hast ja recht, Steve«, sagte sie einsichtig, schlüpfte kurzerhand auf meinen Schoß und gab mir einen dicken Kuss. »Aber was die laufenden Unterhaltskosten so eines Bootes betrifft, wenn man dauerhaft darauf lebt und im Ausland unterwegs ist, das hatte ich in meiner anfänglichen Euphorie wohl doch etwas unterschätzt.«

»Mach dir nichts daraus, diesen typischen Fehler machen am Anfang sehr viele«, erklärte ich ihr ruhig und strich ihr über den Rücken. »Der Kauf einer Yacht ist immer nur der erste große Kostenblock; an das, was danach kommt, darüber denken die Leute meist nicht ausreichend nach. Um ein dauerhaft genutztes Boot oder Schiff wirklich seetüchtig und fit zu halten, veranschlagt man im Jahr gewöhnlich solide 8 bis 10 % der ursprünglichen Kaufpreis-Höhe als reine Erhaltungskosten. Mit viel fleißiger Eigenarbeit oder etwas mehr Wartungsvernachlässigung kann man diese laufenden Kosten zwar temporär massiv nach unten drücken. Aber wie man es auch dreht und wendet, jedes Boot frisst fortlaufend Geld, selbst wenn man es ungenutzt in einem Hafen vergammeln lässt, denn die Liegegebühren sind auch nicht gerade billig.«

»Das wusste ich theoretisch eigentlich alles, aber in der Realität habe ich es doch unterschätzt«, seufzte sie noch einmal, diesmal aber wieder mit einem tapferen Lächeln auf den Lippen.

Ich erzählte ihr beim Aufräumen noch ein bisschen von erfolgreichen, erfahrenen Geschäftsleuten mit hohen, regelmäßigen Einkommen, die trotzdem massiv unterschätzten, was eine größere Yacht an laufenden Kosten verursacht. Oder von idealistischen Leuten mit knapperen Finanzen, die ihren Traum von der Weltumseglung unbedingt wahrmachen wollten und das meiste verfügbare Geld in eine möglichst gute Yacht steckten, weil sie vor allem starr an den reinen Kaufpreis dachten.

Dann stellen diese Leute auf einmal unterwegs fest, dass sie zu wenig Mittel zur Verfügung haben, um ihr Traumboot auch jahrelang seetüchtig in Betrieb zu halten, und müssen manchmal sogar ihre geliebte Yacht per Notverkauf weit unter Wert im Ausland abstoßen. Danach sind sie finanziell deutlich ärmer, aber um eine harte Erfahrung reicher. All das passiert in der Szene ständig.

Beispielsweise gerade in der Karibik gibt es jedes Jahr massenweise günstige Yachten von Leuten, die optimistisch aus Europa kommend »rüber« segelten und dann ernüchtert feststellten, dass echtes Sailing-Saltlife doch deutlich teurer, härter und unbequemer ist, als sie es sich in ihren kühnsten Träumen ausgemalt hatten. Dann fliegen sie lieber ganz schnell wieder »heim zu Mami«, wie man so schön sagt, und wollen ihre tollen Yachten möglichst schnell zu guten Preisen abstoßen.

Doch Yachten verkaufen sich gewöhnlich nicht mal eben so einfach wie Autosl. Es gibt wirklich gute, großartig ausgerüstete Boote, die ein bis zwei Jahre in den Marinas wie Sauerbier angeboten werden, ohne einen Käufer zu finden, und deren Verkaufspreis dabei stetig massiv in den Keller sinkt. Währenddessen verursachen sie für die festsitzenden Eigner natürlich weiter laufende Liege- und Versicherungskosten, welche dann irgendwann schon froh sind, wenn sie schließlich viel weniger dafür bekommen, als sie selbst jemals hineingesteckt haben. Kluge, erfahrene Schnäppchenjäger suchen sich im Web gern genau solche Yachten von solchen verzweifelten Eignern heraus.

Langer Rede, kurzer Sinn: Das Yacht-Life, das Bootfahren sowie die See- und Schifffahrt generell sind einfach nichts für Träumer oder zu unerfahrene Leute, die gar nicht genau wissen, worauf sie sich mit all dem nicht nur finanziell, sondern oft auch rechtlich eingelassen haben. Die allermeisten teuren Yachten liegen sowieso zu horrenden Kosten permanent als reine Angeber-Objekte in den Marinas herum, altern und gammeln langsam vor sich hin und werden nach der euphorischen Anfangszeit der Besitzer kaum noch wirklich für das genutzt, wofür sie von den Werften eigentlich mal gebaut wurden.

 

Zum vereinbarten Zeitpunkt besuchten wir am späten Vormittag mit dem kleinen Außenborder-Tender das Gelände des Estaleiro - Boatyard Marina de Portimão, wo geschäftiges Treiben herrschte. Es dauerte einige Zeit im Hafenbüro, bis eine der Mitarbeiterinnen den momentanen Aufenthaltsort unseres Ansprechpartners, dem geschätzten »Meister Joao«, herausfand.

Dann meinte sie lächelnd, wir sollten am besten einfach direkt zu Fuß dorthin laufen, wo er gerade mit ein paar Kollegen Vesperpause machte und etwas aß, um direkt mit ihm zu reden. Sie erklärte uns den Weg in die Südostecke des großen Werftgeländes, wo sich eine Fischkooperative, eine Frischfisch-Handlung und ein erstaunlich gutes Restaurant befinden.

Wir fanden diese urige Personalkantine recht schnell und wurden von den Männern auch sofort freundlich eingeladen, am Tisch Platz zu nehmen, wo Joao mit fünf oder sechs Kollegen gerade deftig gegessen hatte, noch etwas Kühles trank und plauderte. Bei solchen gestandenen Werftarbeitern kommt es immer ganz entscheidend darauf an, dass man sich keinesfalls wie ein arrogant-überheblicher Yachtbesitzer gegenüber den Angestellten benimmt – dann sind sie meist gern und sofort hilfsbereit. 

 

Zudem mögen die meisten Werftarbeiter Fahrtensegler auf kleineren Yachten, weil viele von ihnen selbst insgeheim davon träumen, mal so ein freies Leben auf dem Wasser zu führen. Und nicht zuletzt schadet es natürlich auch überhaupt nicht, eine sehr hübsche, nett-charmante und sexy gekleidete Frau wie Vicky dabei zu haben, die mit einem einzigen reizenden Lächeln manchmal mehr erreichen kann als ich stämmiger Mann mit stundenlangen, harten Verhandlungen. zwinker

Joao ist ein wuchtiger, wettergebräunter und eindeutig kompetent-ernsthafter Mann mit einem herrlich trockenen Humor. Es dauert immer ein kleines bisschen, bis er bei Fremden auftaut und dich als Segler akzeptiert, aber dann ist er ungemein freundlich bemüht zu helfen und die Anliegen der Leute schnell zu erfüllen. Er und ein Kollege recherchierten auf ihren Smartphones gleich mal direkt im internen Kalender die anstehenden Lift-Termine des kleineren 50 to. Travellifts und hatten großes Verständnis für unsere Sorge. Natürlich haben sie hier an der Algarveküste auch schon jede Menge Erfahrung mit diesen seltsamen Orca-Attacken auf die Ruder von Segelbooten gesammelt, denn die kommen in dieser Region ja leider immer wieder vor.

Vicky erklärte ihm mit ihrem strahlend-sympathischsten Lächeln, dass sie die nächste gründliche Reinigung und den Neuanstrich des Unterwasserschiffs eigentlich erst für das nächste Jahr geplant hatte. Doch wenn sie es in der Werft terminlich so hinbekommen könnten, dass sie bei dieser Gelegenheit des ohnehin teuren Vorgangs, das Boot aus dem Wasser zu holen, gleich alles miterledigen und in wenigen Tagen durchziehen würden, dann wollte sie das gern sofort beauftragen.

Natürlich hatte sie mich deshalb vorher schon um Rat und Zustimmung gefragt, denn das bedeutet ja deutlich höhere Sofortkosten, welche sie momentan nicht aus ihrer eigenen Tasche bezahlen könnte. Ein fach- und sachgerechter Neuanstrich des Unterwasserrumpfes nach vorheriger gründlicher Hochdruckstrahl-Reinigung ist schließlich keine Kleinigkeit und erst recht nicht billig, wenn es gut, haltbar und richtig gemacht werden soll.

Zwei der Kollegen von Joao mussten dann auch schon wieder aufbrechen zum nächsten Arbeitseinsatz an einem großen Katamaran, aber drei der Männer blieben offensichtlich vor allem deshalb noch gerne ein bisschen länger am Tisch sitzen, um so charmant mit einer sexy Frau wie Vicky plaudern zu können, die locker-nahbar und selbstbewusst mit ihnen scherzte und lachte.

Sie trug das gleiche weiße Outfit, wie ich es kürzlich erst beschrieben hatte: Ein hautenges Tanktop ohne BH, unter dem sich ihre wohlgeformten Brüste und die Brustwarzen deutlich und reizvoll abzeichneten, sowie die lässige Dreiviertel-Cargo-Hose. Von Frauen dieser unkomplizierten, aufregenden Wesensart können die allermeisten Männer im Alltag nur träumen, während sie abends an ihre eher unattraktiven, nörgelnden Ehefrauen daheim denken müssen. Vicky machte das jedenfalls sehr geschickt und selbstverständlich keineswegs wie eine primitiv-provokante Anmache, um die Männer plump zu manipulieren und dazu zu bringen, zu tun was sie will, sondern einfach wunderbar locker-nett, authentisch und eben »very charming«. schmunzel

Schließlich vereinbarten wir, dass sich Joao heute Spätnachmittag oder spätestens morgen Vormittag telefonisch bei uns meldet, um mitzuteilen, ob es noch in dieser Woche klappt, ihre Nauticat aus dem Wasser zu heben. Dazu musste er sich erst noch mit der internen Abteilung oder der Subunternehmer-Firma absprechen, welche für die eigentliche Unterwasserschiff-Reinigung und den Neuanstrich zuständig ist. Die fachgerechte, genaue Prüfung der Ruderanlage und des Skegs wird er dann höchstpersönlich oder einer seiner besten Gesellen vornehmen.

Gibt es keine versteckten Schäden – wonach es ja nach Demos erster Prüfung glücklicherweise aussieht – und bleibt das portugiesische Wetter weiterhin so schön trocken und sonnig, könnten die gesamten Arbeiten an Land in zwei bis maximal fünf Tagen komplett erledigt sein. Er gab uns auch gleich einen ungefähren, ehrlichen Kostenvoranschlag mit auf den Weg, der ziemlich genau dem entsprach, was ich im Vorfeld ohnehin grob erwartet hatte. Einen festen Auftrag oder den Werftvertrag können wir offiziell unterschreiben, sobald final geklärt ist, wann der Lifttermin frei ist. Sollte es wider Erwarten doch einen versteckten, fiesen Schaden geben, wie z. B. Haarrisse in der Rumpfaufhängung von Ruderstock- und Skeg oder Ähnliches, die sich nur mit Ultraschall und speziellen Prüfverfahren finden lassen, würde es natürlich deutlich teurer werden und erheblich länger dauern.

»Hoffentlich geht alles gut und sie finden beim Liften keinen tieferen Strukturschaden im Laminat!« Seufzte Vicky besorgt, nachdem wir uns freundlich von den Männern verabschiedet hatten und langsam zum Tender zurückgingen. »Sonst muss ich noch viel länger deinem großzügigen Vorschuss abbezahlen, Steve.«

»Ach, Kopf hoch, Vicky, hoffentlich ist alles okay! Aber wenn doch was sein sollte, dann ist es halt absolut notwendig und verdammt wichtig für die Sicherheit eurer weiteren Seereisen mit der Yacht. Und du weißt genau, du kannst dir beim Abstottern des Geldes alle Zeit der Welt lassen, ich dränge dich nicht.« Ich nahm sie kurz zärtlich seitlich in den Arm und drückte sie aufmunternd an meine breite Brust.

»Das stimmt natürlich…, ach, du bist einfach ein toller, wunderbarer Freund, danke für alles!« Dafür bekam ich auf dem Steg einen lieben, aber auch unmissverständlich erotischen Kuss auf die Lippen gedrückt.

Inzwischen wusste ich aus unseren langen Gesprächen unter Deck, dass Vicky ungefähr 70 bis 80 % des gesamten Kaufpreises und der laufenden Unterhaltskosten ihrer hübschen, kleinen Yacht allein begleicht. Demo konnte am Anfang zwar noch gut mit seinen Ersparnissen aushelfen und steuerte neben viel harter Eigenarbeit auch einiges von seinem damaligen Einkommen bei.

Aber seit sie im Frühsommer gemeinsam vom Baltikum losgesegelt sind, kann er natürlich nur noch sporadisch mit eher kleineren Nebenjobs in den Häfen und Marinas für andere Schiffsbesitzer finanziell etwas beisteuern. Vicky verdient dagegen mit ihren kreativen Kunstprojekten als Malerin und Zeichnerin, sowie durch gelegentliche professionelle Fotoshootings oder als Aktmodel für Foto- und sonstige Künstler zwischendurch das meiste Geld.

Die beiden sind wirklich gute Freunde und waren in der Vergangenheit gelegentlich auch in einer locker-offenen und freien Beziehung miteinander intim; im Grunde leben sie ähnlich polyamourös ohne Eifersucht und einengende Besitzansprüche, genau wie ich. Das ganze Projekt war zudem Vickys ureigene Idee gewesen, und sie erhielten die Nauticat damals glücklicherweise sehr günstig in Ratenzahlung von einem ihrer entfernten Onkels väterlicherseits. Deshalb stört sie die Konstellation überhaupt nicht, und in den offiziellen Schiffspapieren ist sie folgerichtig zu 75 % und Demo zu 25 % als rechtmäßiger Schiffseigner eingetragen.

Das Ganze ist übrigens ein sehr diffiziles, hochkomplexes Thema, wenn man vorhat, international weltweit eine eigene Yacht zu betreiben. Wo und unter welcher Flagge registriert man das Schiff am besten, welche steuerlichen und zollrechtlichen Auswirkungen hat das im Detail, was bedeutet es für Europäer, wenn man mit einem Boot den EU-Raum für längere Zeit verlässt (Stichwort: Drei-Jahres-Regel für die Rückwarenregelung der Mehrwertsteuer), und was passiert, wenn die gekaufte Yacht unter einer Nicht-EU-Flagge registriert ist, der Vorbesitzer aus ganz anderen Ländern stammt, und so weiter.

Es würde an dieser Stelle viel zu weit führen, das alles hier im Blog haarklein aufzuschlüsseln und zu erklären. Aber allen meinen Lesern, die Ähnliches planen, kann ich nur dringend raten, sich rechtzeitig fachkundigen Rat einzuholen, bevor man im ersten großen Überschwang des »mit der eigenen Yacht die Welt segeln«-Traumes Fehler macht, die nachträglich extrem teuer werden und jede Menge bitteren Stress mit den internationalen Behörden verursachen können!

 

Vor Mittag trafen wir uns dann mit Britt und Demo, die gut gelaunt von ihrem Party-Wochenende mit den neuen Freunden zurückkamen. Und ja, WOW, diese blond gefärbte, nordische Model-Schönheit Britt war in der Realität tatsächlich genauso beeindruckend und augenfällig, wie Vicky es mir am Flughafen bereits vorschwärmt hatte. Sie trug ein sehr hübsches, bunt bedrucktes, sexy, aber dennoch geschmackvolles Sommerkleid und sah darin mit ihren fraulich-jungen Formen ziemlich umwerfend aus. Nett, locker, skandinavisch selbstbewusst und clever ist sie eindeutig auch, zudem wirkte sie auf Anhieb sympathisch und keineswegs so oberflächlich oder zickig, wie man es bei noch recht jungen Schönheiten im Model-Business leider häufiger antrifft.

Bei inzwischen um die 30 °C, also richtig sommerlicher, drückender Hitze im Landesinneren, lud ich die ganze Truppe kurzerhand in das japanisch-asiatische Restaurant Lagoya, Av. Afonso Henriques, 8500-802 Portimão, ein. Von außen wirkt der Laden eher unscheinbar, drinnen ist es etwas altmodisch, aber dafür gemütlich eingerichtet. Auf Google werden sie von den Gästen mit meist ausreichend guten 4,1 Sternen bewertet.

Unsere eigenen Erfahrungen mit den servierten Speisen waren aber ehrlich gesagt deutlich besser, ich würde ihnen auf Anhieb eine 4,3 oder 4,4 geben – und ich genoss bekanntlich erst letztes Jahr ausführlich in Japan die echten Original-Speisen vor Ort, habe also einen guten Vergleich. Das Service-Personal wirkte zwar phasenweise etwas zerstreut und langsam, war aber durchweg recht freundlich; das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dafür voll in Ordnung. Bereits für 15 bis 20,- Euro kann man hier wirklich lecker satt werden. Wir schlemmten ausgiebig und zahlten am Ende insgesamt rund 28,- € pro Person, was ich hinsichtlich der hohen Qualität und der reichlichen Menge absolut angemessen nennen würde. Geöffnet haben sie täglich von 11 bis 15 Uhr und abends wieder von 18 bis 23 Uhr

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Vicky und ich informierten Britt und Demo während des Essens ausführlich über unsere heutige Besprechung auf der Werft und dass die Nauticat hoffentlich bald aus dem Wasser gehoben werden kann. Das erfordert dann natürlich zwingend, dass wir für diese Tage – ich rechnete im Kopf zur Sicherheit mit mindestens einer Woche reiner Arbeitszeit, in der man wegen der Arbeiten nicht an Bord wohnen kann – irgendwo anders an Land adäquat wohnen und leben müssen.

Darüber diskutierten wir beim Speisen ausführlich und wägten alle Optionen ab: Ein Hotel wäre für die Zeit unnötig teuer, und eine gemütliche Ferienwohnung oder ein nicht zu großer Ferien-Bungalow/Haus dürfte in dem bereits voll begonnenen Feriensaison-Trubel so kurzfristig kaum noch irgendwo aufzutreiben sein.Britt hatte jedoch gleich einen genialen Vorschlag parat.

»Ich weiß vielleicht was«, sprudelte es direkt aus ihr heraus. »Auf der Party versuchte mich so ein Typ – Kategorie ›verwöhntes, reiches, gutaussehendes Söhnchen‹ – damit zu beeindrucken, dass seinem wohlhabenden Vater hier an der Küste etliche Ferienunterkünfte der gehobenen Kategorie gehören. Das war natürlich die ganz plumpe Masche, um mich irgendwie ins Bett zu kriegen, haha. Ich wollte zwar nichts von ihm wissen, aber irgendwo habe ich mir seine Telefonnummer notiert…« Schon kramte sie fleißig in ihrer Handtasche, in der das sprichwörtliche, typische Frauen-Chaos herrschte, und beförderte nach einigem Suchen und Wühlen tatsächlich einen kleinen Zettel zutage. »Was meint ihr? Soll ich den Schönling gleich mal anrufen und ihm ein kleines bisschen Hoffnung machen? Wenn es noch freie Unterkünfte gibt, legt er sich für uns bestimmt mächtig ins Zeug, um was Gutes rauszusuchen!«

»Klar, mach das, haha! Aber sei bloß vorsichtig, nicht dass er sich am Ende zu viele Hoffnungen macht und glaubt, deine Anfrage wäre gleichbedeutend mit einer Einladung in dein Bett«, lachte Vicky amüsiert auf. Die beiden selbstsicheren Frauen – insbesondere die klassisch blonde Skandinavierin Britt mit ihrer umwerfenden Ausstrahlung – wissen natürlich aus jahrelanger Erfahrung ganz genau, wie solche südländischen Möchtegern-Machos zu handhaben sind, damit die am Ende gar nicht merken, wie leicht sie sich manipulieren lassen. schmunzel

»Ja, übertreib es lieber nicht zu sehr, Britt!« klinkte ich mich mit einem etwas ernsteren Grinsen in das Gespräch ein. »Gerade solche Typen können nämlich auch verdammt unangenehm aufdringlich oder gar heißblütig wütend werden, wenn sie im Nachhinein merken, dass man sie nur verarscht hat, und das nicht funktioniert, was sie sich von einer bildhübschen Frau wie dir erhofft hatten.«

»Keine Sorge, Steve, ich bin doch nicht doof, haha!« lachte Britt selbstbewusst ab, tippte die Nummer ein und rief den Typen ohne großes Zögern an.

Viele dieser enorm selbstbewussten, von klein auf vollkommen gleichberechtigt erzogenen Skandinavierinnen – und erst recht die wirklich attraktiven Model-Typen wie Britt – haben schon seit ihrer frühen Jugend reichlich Erfahrungen mit den Flirtversuchen heißblütiger Männer gesammelt. Ich hatte das ja erst um die Weihnachtszeit bei unserem gemeinsamen Schneeurlaub im hohen Norden ausführlich erzählt: So mancher Möchtegern-Macho ist schon regelrecht entsetzt geflüchtet, wenn plötzlich eine emanzipierte Nordländerin selbstbewusst die Führung übernahm – und eben nicht umgekehrt, wie die Kerle es gewohnt sind. In ihrer Welt ist es ganz normal, dass die Frauen die aktive Rolle übernehmen und ganz ungeniert den Typen anmachen, mit dem sie die Nacht verbringen wollen. Oder eben ohne Angst deutlich zu verstehen geben, was sie nicht wollen.

Der Typ ging auch fast sofort an sein Handy und Britt umgarnte ihn am Telefon sehr gekonnt und mit charmanten Worten. Er versprach sofort, die Anfrage direkt mit seinem Vater abzuklären und sich morgen zu einem Treffen zu melden, sofern es noch einen freien Bungalow oder ein Ferienhaus an der Küste gäbe.

Natürlich wollte er Britt auf jeden Fall unbedingt wiedersehen, sich mit ihr treffen und sie exklusiv zum Abendessen ausführen, um sie danach in sein Bett zu ziehen; jedenfalls hoffte er inständig darauf. Sie drehte das Gespräch am Telefon aber geschickt so, dass es eben von vornherein um eine Unterkunft für ihre Clique, bestehend aus Vicky, Demo (den er ja von der Party her auch schon flüchtig kennt), und mir geht; ausdrücklich also nicht um ein romantisches Liebesnest für Britt und ihn allein. Das akzeptierte er zähneknirschend, jedoch fraglos mit der festen Absicht, sie dann vor Ort doch noch irgendwie rumzubekommen. lach

 

Am Nachmittag machten wir vier noch einen schönen Ausflug zum Forte de São João do Arade drüben in Ferragudo. Das alte, teilweise verfallene Burgschloss thront richtig dramatisch auf einem steilen Felsen direkt an der Flussmündung des Arade und bietet einen absolut grandiosen Blick hinüber nach Portimão und auf die beiden schönen Sandstrände Praia da Angrinha und Praia Grande.

Leider befindet sich die Anlage in Privatbesitz und kann von Touristen nicht betreten werden, aber schon von unten vom Strand aus sieht das alte Gemäuer verdammt beeindruckend aus – wie ein vergessener, steinerner Wächter der rauen Atlantikküste. Wir kletterten ausgiebig in den Felsen herum, um ein paar Kalorien zu verbrennen, schossen Fotos in der goldenen Nachmittagssonne und genossen einfach die historische, geschichtsträchtige Atmosphäre.

Auch dabei waren besonders die beiden Frauen wieder herrlich selbstbewusst, frech und kletterten mutig in Bereiche herum, wo man eigentlich gar nicht hin darf. Demo und ich beobachteten das Treiben von unten grinsend. Als ich sie schließlich lautstark etwas zur Vorsicht mahnte, kamen prompt die typischen Sprüche als schlagfertige Antwort zurück:

»Ach was, wieso denn? Stecken sie uns sonst hier etwa gleich in den alten Folterkerker, haha?« Oder von der anderen Seite: »Sei nicht so ein unverbesserlicher Egoist, Steve, und gönn den Burgbesitzern doch zwei so reizende Frauen wie uns zum Einfangen!« Und ähnlich schlagfertige Konter mit richtig gutem Wortwitz, über die Demo und ich natürlich auch herzlich lachen mussten. Auweia – Britt und Vicky zusammen können uns arme Männer wirklich gekonnt reizen und um den Verstand bringen. Dabei übertreiben sie es aber zum Glück nie so sehr, dass es irgendwie nervig, peinlich oder zu leichtsinnig wird.

Besonders entzückend war für mich der Moment, als Britt in ihrem für so eine raue Kletterei eigentlich viel zu schönen, leichten Sommerkleid direkt über mir in den Felsen hing und ein kräftiger Windstoß vom Atlantik mir höchst willkommene, tiefe Einblicke auf ihre fantastischen, langen Beine und einen verdammt knappen Tanga-Slip gewährte. Hoho, danke Aeolus – oder wie auch immer die portugiesische Windgottheit heißen mag, das war perfektes Timing! WOW. Sie ist tatsächlich ein makelloses Musterbeispiel nordisch-blonder Schönheit: Mit einem perfekt geformten Körper und einem bildschönen Gesicht, bei dem Männer unvermeidlich ins Träumen geraten müssen.

 

Nach ihrem fraglos anstrengenden, durchfeierten Party-Wochenende – man weiß ja schließlich, wie intensiv junge Leute sich bei so was austoben können – verlangte es Britt und Demo am Abend eher nach Ruhe, Entspannung und frühem Schlafengehen. Wir machten es uns also auf der im Fluss sicher ankernden Yacht gemütlich, genossen zusammen noch einen kleinen, aber sehr leckeren Imbiss im Cockpit und unternahmen sonst nichts Weiteres mehr an Land. Vicky und ich arbeiteten noch eine Weile an unseren Laptops, als sich die beiden erschöpft in ihre Bugkabine verabschiedeten. Aber wie nicht anders zu erwarten, hatten sie dort zunächst doch noch etwas ganz anderes als erholsamen Schlaf im Sinn, hoho.

Bald waren durch die dünnen Holzschotten unüberhörbar die typischen, rhythmischen Geräusche eines Paares in voller Liebes-Aktion zu hören, worüber wir beide schmunzeln mussten, uns aber ansonsten nicht weiter bei der Arbeit ablenken ließen. Als sie sich danach und vor dem eigentlichen Schlafen noch im vorderen Steuerbord-Bad abduschten, durfte ich im Gang zumindest kurz auch eine vollkommen selbstbewusst-ungeniert nackte Britt tropfnass bewundern. Natürlich, wie könnte es bei ihrem Charakter auch anders sein, quittierte sie meinen Blick lachend mit einer extra frechen, leicht provokanten Anmerkung:

»Dein Captain blinzelt ja gar nicht, Vicky! Ich glaub, haha, dem gefällt verdammt gut, was er da sieht!«

»Warte nur ab, bis du ihn erst näher kennengelernt hast, haha!« lachte auch Vicky sofort als treue weibliche Komplizin mit ihr. »NICHTS auf dieser Welt gefällt dem Schuft mehr als schöne, nackte Frauen!«

 

Ich grinste nur genüsslich schweigend vor mich hin, während die Frauen miteinander prustend über uns Männer lachten. Bevor Vicky und ich dann schließlich in der Heckkabine schlafen gingen, machten wir natürlich auch noch ein schönes, langes Liebesspiel. Wenn Britt und Demo bis dahin nicht schon tief im Reich der Träume versunken waren, amüsierten sie sich fraglos genauso über die dazugehörigen Geräusche von unserer Seite.

An Bord so einer relativ kleinen Segelyacht gibt es nun mal bauartbedingt kaum Privatsphäre; man bekommt unvermeidlich fast alles mit, was die anderen an Bord gerade treiben. Insbesondere dann, wenn niemand schüchtern oder ein verklemmter Moralapostel ist und sich keiner der Beteiligten großartig für seinen Körper schämt.

Tja, und das war dann ein weiterer spannender, schöner und ereignisreicher Tag an der Algarve. Ebenfalls noch mal geschwind frisch geduscht, krochen Vicky und ich wieder in das gemütliche Queen-Size-Doppelbett im Heck, kuschelten uns nackig eng aneinander, und das sanft schaukelnde Boot im Strom des Flusses wiegte uns schnell in einen tiefen, zufriedenen Schlaf.

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Algarve, Portimão, Vicky und Orca Attacken auf Segelboote

 

#26.06.06 – Algarve, Portimão, Vicky und Orca Attacken auf Segelboote

»Steviieee…, toll dass du kommen konntest! Danke, du Lieber!« wurde ich am Flughafen Faro International Airport heftig und geradezu erotisch umärmelt und abgeknutscht. Es war ein Wiedersehen, das die Vorfreude auf die kommenden Tage bei strahlendem Sonnenschein sofort steigerte und in gewisse, reizvolle Bahnen lenkte.

»Gern doch Vicky, wie du weißt, helfe ich immer gern, wenn irgend möglich und ja, ich freue mich auch dich zu fühlen…, ähm, zu sehen, hoho.« gluckste ich vergnügt und leicht amüsiert, während ich sie ebenso herzlich und etwas fester an mich drückte, als wir inmitten des Flughafentrubels standen.

Und wieder einmal war es ganz anders gekommen, als gedacht und geplant. Eigentlich wollte ich noch mindestens zwei Wochen, vielleicht sogar bis Ende Juni, mit Tori, Allan und Paul in Griechenland segeln und dort die Vorzüge der Ägäis genießen. Doch dann kam diese Mail von Vicky, einer talentierten Künstlerin und Model, die mich um Hilfe in Portugal bat. Da konnte und wollte ich nicht Nein sagen. Außerdem ging es dabei wieder um ein Segelboot – eine gut gepflegte Nauticat der renommierten, leider nicht mehr existierenden finnischen Werft. Bekanntlich reizt mich alles, was mit Seefahrt und Booten zu tun hat, und Vicky ist zudem eine gute Freundin, der ich wirklich gern helfe.


 

Zusammen mit ihrem guten Freund Demo hatte sie die gebrauchte, solide Nauticat vom Baltikum nach Portugal gesegelt. Vor der Küste wurde das Boot leider von Orcas am Ruder attackiert. Vielleicht hat der eine oder andere Leser schon von diesen ungewöhnlichen Wal-Interaktionen um Iberien herum gehört. Richtige »Angriffe« im Sinne von gezielter Aggression sind das eigentlich nicht. Es ist wohl eher fehlgeleitete, spielerische Neugierde dieser klugen und gut organisierten Orca-Gruppen, die in den Gewässern vor der Iberischen Halbinsel ihre Bahnen ziehen.

Es folgen die aktuellsten Erkenntnisse (Stand Juni 2026) zu den Orca-Interaktionen vor Portugal und Spanien, basierend auf wissenschaftlichen Studien, Erfahrungsberichten und Analysen von Seglern, Meeresbiologen und Behörden. Die Daten zeigen klare Muster bei den betroffenen Booten und Situationen. Die Orca-Aktivitäten vor der portugiesischen Küste sind nach wie vor aktuell, allerdings mit nachlassender Dynamik, was viele Segler sehr erleichtert.

Die Orca-Interaktionen vor Portugal und Galicien sind nach wie vor ein Thema, auch wenn die Häufigkeit schwerer Vorfälle seit dem Höhepunkt 2022–2024 etwas zurückgegangen ist. Dennoch gibt es weiterhin regelmäßig Meldungen über Attacken – Stand Juni 2026 wurden allein in diesem Jahr bereits mehrere Vorfälle dokumentiert, die die Schiffsführer zu vorsichtigem Verhalten mahnen.

Besonders betroffen sind moderne Serienyachten mit Finne und Ruderschwert (Beneteau, Jeanneau,, Bavaria, Dufour etc.). Diese Boote machen den Löwenanteil der Opfer aus, weil ihr Ruder beweglich und relativ leicht erreichbar ist. Klassische Langkiel-Yachten (z. B. Hallberg-Rassy, Hans Christian) werden deutlich seltener angegangen – ihr tiefer und stabiler montiertes Ruder scheint für die Orcas weniger attraktiv zu sein.

Die Angriffe erfolgen fast immer bei langsamer Fahrt (3–8 Knoten), egal ob unter Segel oder mit Motor. Steht das Boot vor Anker oder fährt es schneller, sinkt das Risiko spürbar. Die Orcas (vor allem junge Tiere der sogenannten iberischen Population) scheinen die Ruder als Spielzeug oder Trainingsobjekt zu behandeln – ein erlerntes Verhalten, das sich innerhalb der Gruppe ausbreitet und stetig an die nächste Generation weitergegeben wird.


 

Wissenschaftler sehen mehrere mögliche Gründe: Spielverhalten, Neugier, soziales Lernen oder eine Reaktion auf zurückgehende Nahrungsressourcen durch Überfischung und Klimaveränderungen. Wichtig: Es gibt keine dokumentierten Angriffe auf Menschen. Die Orcas interessieren sich ausschließlich für die Boote, was diese Interaktionen so skurril macht.

Praktische Tipps für Segler:

  • Bei Orca-Sichtung: Ruder hochziehen, wenn bautechnisch möglich, um den Kontakt zu minimieren.
  • Geschwindigkeit erhöhen: Wenn machbar, den Motor nutzen, um die Fluchtgeschwindigkeit zu steigern.
  • Nicht stoppen oder im Kreis fahren (das reizt sie oft zusätzlich und animiert sie zum Spiel).
  • Notfall-Ruder mitführen: Ein unverzichtbares Ausrüstungsstück für Fahrtensegler in dieser Zone.
  • Andere Boote per Funk/AIS warnen: Solidarität unter Seglern ist hier das oberste Gebot.

Die Region zwischen Porto und Galicien bleibt ein Hotspot, aber mit vernünftiger Vorsicht und etwas Glück kommt man meist ohne Probleme durch. Es bleibt ein faszinierendes, wenn auch etwas nervenaufreibendes Phänomen – Orcas, die sich Segelboote als neues Spielzeug ausgesucht haben.

Für Interessierte: Unter folgendem Link könnt ihr eine ausführliche Analyse aufrufen: https://sea-nomads.blogspot.com/p/orca-attacken-auf-segelboote-vor.html


 

Durch die malerischen Dörfer, Städtchen und Landschaften fuhren wir zum Arade-Fluss, wo die Yacht momentan an einem Anlegesteg in einer Marina festgemacht liegt. Vicky erzählte mir ausführlich von dem Schreck, ja regelrechten Schock, als die Nauticat auf See plötzlich von einem Orca attackiert wurde. Der Verlust des Ruders auf offener See ist für jeden Segler eine schreckliche Vorstellung und im schlimmsten Fall eine lebensgefährliche Katastrophe, die man nicht einmal seinen ärgsten Feinden wünscht.

Aber sie hatten Glück. Nauticats sind ungewöhnlich stabil und robust gebaut. Das Ruder funktionierte weiterhin, sodass sie sicher in den Arade einlaufen konnten. Eine erste getauchte Sichtprüfung unter Wasser zeigte keine erkennbaren schweren Schäden, nur etwas abgescheuerten Lack. Dennoch war der Stoß gegen Ruder und Skeg kräftig genug, dass eine genaue Untersuchung auf der Slipanlage sinnvoll erschien, um auch Haarrissen im Laminat vorzubeugen.

»Wir…, ich hoffte, du kannst uns mit deiner riesigen Erfahrung etwas helfen und wie ich dir schon in der Mail schrieb, naja…, auch einen kleinen Kredit geben. Momentan sind wir finanziell etwas knapp, bis ich wieder mehr Geld mit Kunst oder als Model verdienen kann«, lächelte sie verlegen, während sie mich aus sympathisch zwinkernden Augen erwartungsvoll ansah.

»Das kriegen wir schon hin, keine Sorge«, lächelte ich aufmunternd und streichelte ihr ebenso über den Oberarm. Wir hatten schon mal eine intime Affäre, sind miteinander vertraut, kennen und mögen uns beide wie echte Freunde, weshalb mich ihre Bitte auch persönlich berührte; ich mag und respektiere sie.

Angekommen schafften wir erstmal meine Sachen an Bord und unter Deck. Natürlich war ich neugierig auf das Boot. Demo ist ein talentierter Handwerker und Selfmade-Mann mit viel Improvisationskunst und in der Lage, die meiste Technik und Einrichtung einer Yacht ordentlich zu warten, reparieren oder auch moderne Teile einzubauen. Vicky ist zwar eine schlanke, attraktive Künstlerin und Model, aber keineswegs von der verwöhnten Sorte. Auch sie versteht nicht wenig von Yachten und scheut sich nicht vor unangenehmen, schmutzigen Arbeiten. So sah alles für ein rund 10 Jahre altes Boot sehr sauber und gepflegt aus, was meinen Erwartungen entsprach.

Aber nach viel Sitzen und wenig Bewegung wollte ich zunächst einen ausführlichen Spaziergang in der reizvollen Umgebung machen. Wir hatten am Nachmittag strahlend sonnige 27–28 °C mit mäßig bis schwachen Wind aus Westen – sehr angenehm für einen Ausflug. Der Rio Arade mündet bei Portimão in den Atlantik und prägt die gesamte Region stark. Die Gegend ist überwiegend touristisch ausgerichtet, hat aber eine deutlich stärkere industrielle und maritime Vergangenheit, die teilweise heute noch aktiv ist, als viele andere Orte an der Algarve, was mir besonders gefällt.

»Moment, ich zieh mir was Leichteres und Bequemeres über…« zog sich Vicky geschwind um. In einem weißen Tank-Top-Shirt, offensichtlich ohne BH darunter, und ebenfalls schneeweißen Dreiviertel-Cargo-Hosen sah sie noch reizvoller aus. Sie ist ein überwiegend natürlicher Typ, schminkt und stylt sich privat selten mehr als minimal. Natürlich kann sie sich auch schick-ladylike zum Ausgehen herrichten, wenn sie Lust dazu hat, doch diese Schlichtheit betont ihr natürliches Sexappeal.


 

Am allerliebsten läuft sie wie Nudisten nackig herum. Als sehr ungeniert lockeres, sympathisches, humorvolles, aber auch diszipliniert arbeitendes Model, macht sie gern meistens Akt-Aufnahmen und arbeitete schon mit einigen guten, bekannten Aktfotografen oder Künstlern zusammen. Für sie ist Nacktheit etwas völlig Natürliches. Diesbezüglich verklemmte Moralapostel belächelt sie bestenfalls milde, da sie ihre Freiheit über Konventionen stellt.

»Eine wirklich hübsche Gegend«, lächelte ich, während wir an einem der sandigen und teils felsigen Strände entlangspazierten, wovon die Gegend nur so wimmelt. Auf einem ins Flusswasser reichenden Felsenkliff ragte eine halb verfallene Burgruine empor, ich glaube, es ist das Forte de São João do Arade, das stolz über den Eingang zum Fluss wacht.

»Ja Steve, warst du noch nicht an der Algarve? Ich bin erstmals hier und finde es entzückend!« fragte sie begeistert, während der Wind leicht mit ihrem Haar spielte.

»Doch war ich schon, aber das ist arg lange her, sodass ich mich kaum noch erinnern kann. Die Algarve ist berühmt als wildromantische Küstenlandschaft mit fantastischen Felsformationen, kleineren, größeren oder versteckten Höhlen und wunderschönen Sandstränden. Sehr beliebt bei Urlaubern seit vielen Jahrzehnten«, erzählte ich mit einer gewissen Nostalgie. »Aber weil es eine eher raue Küstenlandschaft am Atlantik ohne Inseln ist, ist es halt kein so beliebtes Segelrevier wie beispielsweise Griechenland und die Ägäis, wo man das Inselhüpfen so herrlich genießen kann.«

»Davon merkt man aber kaum etwas; schau nur, es wimmelt doch von Yachten und Marinas!« entgegnete sie und deutete auf die vielen Masten im Hafen.

»Ja klar, es ist ja auch sehr reizvoll und Portugal hat eine uralte Seefahrertradition. Ich meine nur so zum Vergleich. Wenn es mich zum Segeln zieht, bevorzuge ich doch lieber Regionen im Mittelmeer. Es sei denn, ich gehe auf Langstrecke mit Ozeanüberquerung in die Karibik oder so«, plauderte ich locker, während wir den Blick über den Horizont schweifen ließen. »Habt ihr eigentlich vor, im Herbst über den ‚großen Teich‘ in die Karibik zu segeln… und wo ist Demo?«

»Ach so, ja verstehe ich. Wenn wir es finanziell hinbekommen, bis dahin genügend Reserven haben…, ja, dann würden wir gern ‚rüber‘ segeln. Demo ist mit seiner Freundin Britt zu einer Wochenendparty mit neuen Freunden von hier gestartet; die kommen erst Sonntagnacht oder Montag zurück.«

»Britt?« grinste ich fragend und hob die Augenbrauen.

»Ne skandinavische, hellblond gefärbte Model-Schönheit, die er sich…, oder hat sie sich ihn angelacht, haha?« fügte sie mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.

»So, so, eine nordische Model-Schönheit, der Glückliche«, schmunzelte ich. »Skandinavierinnen sind schon allgemein meist sehr selbstbewusst, voll gleichberechtigt emanzipiert und suchen sich nicht selten gezielt ihre Lover aus; Models umso mehr. Also schätze ich, sie hat eher ihn angemacht, als umgekehrt, was bei ihrem Typ wohl auch nicht lange dauerte.«

»Da schätzt du richtig, haha. Britt müsste dir gefallen, wie ich dich kenne«, lachte sie und boxte mir leicht in die Seite.

Nach dem langen Spaziergang checkte ich meinen Laptop, beantwortete ein paar Mails und legten wir eine kleine Siesta ein, um die Kräfte für den Abend zu sammeln. Zum Abendessen empfahl Vicky das am Flussufer gelegene, hübsch-gemütliche und gute Restaurante Borda do Cais, R. Infante Santo 75, 8400-252 Ferragudo. Frisch geduscht und für die langsam einsetzende abendliche Kühle passend gekleidet, schlenderten wir dorthin, wobei die Abendsonne alles in ein warmes, weiches Licht tauchte.


 

Das Borda do Cais wird auf Google im Schnitt mit 4,5 Sternen bewertet und gefiel mir richtig gut. Freundliches Personal bemüht sich um die Gäste und bringt Köstlichkeiten der portugiesischen Küche auf die Tische. Die Portionen sind recht üppig und wenn man mit einer Flasche guten Wein schlemmt, sollte man pro Person etwa 25–35 € einplanen. Die Lage am Flussufer mit Aussicht auf das schräg gegenüberliegende, romantisch beleuchtete Portimão von der Außenterrasse ist prima. Einziges Manko: Sie haben täglich von 12:30 bis nur 21:45 Uhr geöffnet; man kann also nicht noch länger gemütlich sitzenbleiben, wie man es in südlichen Ländern doch eigentlich gern tut, was uns ein wenig wehmütig stimmte.

Dazu und für noch etwas Unterhaltung liefen wir pappsatt zur nicht weit entfernten, rustikalen Bar Os Três Macacos, R. Vasco da Gama 18. Diese öffnet überhaupt erst um 21 Uhr und ist dann täglich, außer Montag, bis 02 Uhr offen. Sie liegt im malerisch-rustikalen Ambiente inmitten der Ruinen einer alten Kirche mit großem, bepflanztem Außen-Innenhof und wird tatsächlich mit erstaunlich hohen 4,8 Sternen bewertet.

 

Das ist definitiv etwas übertrieben, zeigt aber, wie wohl sich dort die überwiegend einheimischen Stammgäste und Touristen fühlen. Der Service ist superfreundlich und flott, die Drinks sind gut und zu fairen Preisen. Der Betreiber bemüht sich sympathisch darum, dass sich alle wohlfühlen und Spaß haben. Besonders für jüngeres Publikum gibt es auch Spielgeräte wie Tischfußball und Billard. Anscheinend gibt es auch regelmäßig typische Fado-Livemusik mit Gitarristen und wer will, kann auch tanzen.

Das Publikum ist einfach nett, gut gelaunt und genießt das Leben. Man kann, wenn man möchte und sich ebenfalls freundlich der hiesigen Kultur anpasst, leicht Bekanntschaften zu Einheimischen oder fremden Urlaubsgästen knüpfen. Viele Portugiesen sprechen und verstehen mehr oder weniger gut Englisch, da das Land jahrhundertelang mit dem britischen Empire verbündet war oder zusammenarbeitete.

Die Anglo-Portugiesische Allianz ist tatsächlich das älteste bestehende Bündnis der Welt (seit 1373/1386). Sie war jahrhundertelang wichtig für Handel, Militär und Diplomatie. Portugal gehört weltweit zu den Ländern mit den besten Englischkenntnissen als Zweitsprache, was das Reisen hier so ungemein komfortabel macht.

Allerdings ist das nicht die Hauptursache für die heutigen guten Englischkenntnisse vieler, vor allem jüngerer Portugiesen. Die eigentlichen Hauptgründe sind das Schulsystem, Medienkonsum (Filme und Serien mit Untertiteln) sowie Tourismus und internationale Ausrichtung, die das Land für junge Menschen so attraktiv machen.

In touristisch stark frequentierten Regionen wie der Algarve sprechen wegen deutscher Urlauber auch mehr Leute Deutsch, während es sonst im Land gerade mal 0,4 % der Bevölkerung sind. Die Algarve ist eines der beliebtesten und wichtigsten Tourismusziele Europas, besonders bei Europäern auf der Suche nach Sonne, Stränden und Golf, die hier in den zahlreichen Resorts oder wildromantischen Buchten ihr Paradies finden.

»Mir gefällt es hier sehr und das Klima ist so angenehm mild«, schmuste sich Vicky leicht beschwipst ein bisschen seitlich an mich. Sie stammt ja aus dem kalten Norden, Karelien, wenn ich mich recht erinnere. Für solche Menschen sind knapp über 20 °C schon geradezu hochsommerliche Temperaturen, die man voll auskosten muss.

»Ja, die Algarve hat was. In winterlichen Stürmen vom Atlantik kann es allerdings auch hier ganz schön ungemütlich werden.« Diese Aussage musste ich wiederholen, weil der aktuelle Gitarrist gerade temperamentvoll aufdrehte und die Gäste begeistert klatschten und Lob riefen. Im Os Três Macacos scheint es generell recht laut zuzugehen; manchmal auch im Innenhof unter freiem Himmel, weil die alten Steinwände rundum den Schall zurückwerfen, was die Atmosphäre intensiviert.

»Ach was, Schlaufkopf. Sonst fällt dir nichts ein?« stichelte Vicky lieb-frech und sah mich mit glänzenden Augen an.

»Hmm…, was könnte mir sonst noch einfallen? Wie wäre es mit einer soziokulturellen Abhan…«

»Untersteh dich, haha!« unterbrach sie mich mit einem recht kraftvollen Ellenbogen-Stubs und jubelte ebenfalls in Richtung des Gitarristen: »Bravo, Bravissimo, molto obrigado!«

Der recht attraktive, südländisch heißblütige Gitarrist von ca. Anfang 30, warf männlich interessierte Blicke auf sie in ihrem sexy Kleid. Heute Nacht war sie eindeutig die attraktivste Frau in der Bar. Mit ihrer von Natur aus etwas bräunlichen Hauttönung wirkte sie zudem eher wie eine Südländerin statt wie ein Nordlicht. Aber dann wanderte der Blick des Gitarristen zu meiner Bärengestalt, an die sie sich wieder leicht seitlich schmiegte, und verzog sich sein Gesicht unerfreut. schmunzel

Gegen 01 Uhr machten wir uns bei 19–20 °C auf den Rückweg zur angelegten Yacht am Steg. Nach einer 0,7-l-Flasche schweren Rotwein beim Essen und einer weiteren Flasche fruchtig-frischen Rosé in der Bar, im Magen gemischt mit den Speisen und Mineralwasser, hatten wir doch einen leichten Schwips, der uns beschwingt durch die Nacht trug. Vicky mit ihrem höchstens 50 kg Körpervolumen etwas mehr als ich mit meinen 94 kg, aber ganz nüchtern war ich auch nicht mehr, was die Stimmung nur noch weiter auflockerte.

 

Den ganzen Abend hatte sie schon recht deutlich zu verstehen gegeben, dass sie unsere frühere Affäre gern wieder anheizen würde. Und so fielen wir in der Heckkabine recht schnell übereinander her und liebten uns ziemlich leidenschaftlich, aber auch sinnlich verspielt. Vicky hat viel gesunden Humor und lacht wie die meisten jungen Frauen sehr gern; macht auch vergnügt gern ein bisschen Blödsinn. Also war es nicht einfach nur geiler Sex, sondern ein wirklich schönes Liebesspiel, durchaus auch mit Gefühl, gegenseitiger Sympathie, Lachen und Zuneigung, wie ich es bekanntlich stets bevorzuge.

Frisch geduscht zogen wir geschwind neue Bettwäsche über das Liebes-Schlachtfeld auf. Diese rund 13 m Nauticat hat in der Heckkabine ein vollwertiges Queen-Size-Doppelbett und für ein Boot dieser Größe ein ungewöhnlich großes Bad mit separater Duschkabine. Der typisch für Nauticat etwas erhöhte Heckabschnitt mit Mittelcockpit und eingebettetem Decksaloon bietet mehr Platz als auf den meisten modernen 42-ft-Yachten. Sie gelten in der nautischen Seglersprache mehr als Motorsegler, haben mit moderatem Langkiel und großem, stabilem Heckruder aber auch recht gute Segeleigenschaften.


 

Als Vicky und Demo das Boot übernommen haben, war es bereits als gut gepflegte »Bluewater«-Langfahrtenyacht ausgelegt und ausgerüstet. Ein knappes Jahr arbeiteten sie an Modernisierungen und Aufrüstungen; so eine Yacht wird niemals völlig fertig, es gibt immer irgendwas daran zu reparieren, zu warten oder nachzurüsten. Sie segelten es dann diesen Frühsommer vom Baltikum an die Algarve. Vicky war früher schon mal etwas länger mit mir segeln und träumte seither von einer eigenen Yacht für weltweite Fahrt, für ein paar Jahre Sailing-Saltlife, was sie sehr mag und sich nun endlich verwirklicht hat.

Ach übrigens, wer sich über den Namen »Demo« wundert. Das ist natürlich nicht sein richtiger Vor-, sondern ein Spitzname, den er von Freunden verpasst bekommen hat und der hängenblieb. So viel ich weiß, weil er in seinem Job ständig Demos produzierte und in Privatgesprächen allzu häufig erwähnte »Hab heut wieder ne Demo veröffentlicht«. Deshalb nannten sie ihn naheliegenderweise oft »hey, da kommt Demo« und so. schmunzel

Als Künstlerin und Model verdient Vicky zwar recht gutes Geld, aber auch für eine gepflegte Gebrauchtyacht dieser Größe hätten ihre und Demos Finanzen normalerweise nicht gereicht. Die Nauticat gehörte jedoch einem entfernten Verwandten, der sie aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr nutzen konnte und auch nicht dringend Geld braucht. So gab er das Boot für einen ungewöhnlich günstigen Preis ab, der auch nicht sofort komplett beglichen werden muss, sondern in Raten, was ihnen den Start erst ermöglichte.

Trotzdem funktioniert das nur mit viel Eigenarbeit, denn wie gesagt: so eine Fahrtenyacht wird niemals fertig. Man muss ständig Arbeit und Geld hineinstecken, um sie seetüchtig zu halten, wenn man permanent auf ihr lebt und segelt. Deshalb sagen langjährige Fahrtensegler auch immer gern: »Wir segeln nicht um die Welt, wir arbeiten uns herum und segeln ab und zu Stück für Stück weiter«. Im Schnitt gilt unter Fahrtenseglern die Regel: 70–80 % Arbeit am Boot, 30–20 % tatsächliches Segeln zu und in schönen Segelrevieren zum Ankern, was für einen unbedarften Außenstehenden oft kaum nachvollziehbar ist.

Mir persönlich als knapp 190 cm Kerl mit Bärenstatur wäre eine 42er etwas zu klein und eng. Ich bevorzuge gewöhnlich mindestens 48er bis 60er als idealen Kompromiss für Seetüchtigkeit, Platz und noch beherrschbar für eine kleine Crew. Doch die Nauticat 42 macht die Enge durch ihre spezielle Bauart für mich noch akzeptabel… und mit diesen Gedanken schlief ich mit der angekuschelten Vicky in den Armen ein, während das sanfte Schaukeln des Bootes uns in den Schlaf wiegte. 


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