Lagos nach Cadiz, Bittersüße Abschiede, Bordenergie & Starlink

 

#26.07.18 – Lagos nach Cadiz, Bittersüße Abschiede, Bordenergie & Starlink

Den Vormittag über erfreuten wir uns noch ein letztes Mal an herrlichem Badespaß an der malerischen Küste der Algarve und genossen Rodrigos unvergleichliche Gastfreundschaft in seiner hübschen Finca. Am späteren Nachmittag nahte jedoch der für Segler und Globetrotter unausweichliche, immer ein bisschen traurig-melancholische Moment des Abschiednehmens von lieb gewonnenen, neuen Freunden. 

 

Vicky und Britt knutschten und drückten den alten Herrn, bis er kaum noch Luft bekam. Unterdessen verdrückten Lena, Olga und Olea sogar ein paar süße Tränchen, während sie voller Herzlichkeit auch Demo und mich heftig umarmten und endlos Abschiedsküsschen verteilten.

»Och, mennoooo…, es wär so geil, wenn ich mit euch segeln könnte!« sniefte Lena und knutschte vor allem mich ab, als wäre ich ihr fester Liebhaber, der seine Liebste verlassen und in die weite Welt hinausziehen muss. schmunzel

Wir hatten darüber zuvor schon ausführlich gesprochen und hätten den sympathischen Frechdachs natürlich auch gern mitgenommen. Lena versteht sogar ein bisschen was vom Segeln, da sie in ihrer schwedischen Heimat Freunde mit Booten hat und schon auf einigen Küstentörns dabei war. Von Cádiz über den Landweg zurück nach Lagos zu kommen, oder von Spanien aus am Ende ihres Sommerurlaubs direkt zurück nach Schweden zu fliegen, wäre für sie ein Leichtes gewesen.

Aber da zeigte sich auch wieder ihr wunderbarer, treuer Charakter. Für ihre liebe Gastfamilie – die wir anderen inzwischen ebenfalls kennengelernt hatten und die für sie wie eine Art Großeltern waren – ist Lena fast so etwas wie eine eigene Enkelin und der Sonnenschein im gehobenen Alter. Diese wollte sie nicht, ein bisschen undankbar oder egoistisch wirkend, einfach zurücklassen. Also blieb der Frechdachs aus eigener Entscheidung hier.

Unsere ganzen Sachen hatten wir im Laufe des Nachmittags bereits zurück an Bord unserer Nauticat geschafft. Vor allem Demo übernahm pflichtbewusst die üblichen Vorbereitungen, um die Yacht komplett seeklar zu machen: Beispielsweise das Inbetriebnehmen des Umkehrosmose-Wassermachers inklusive dem anschließenden Durchspülen der Membranen, die sorgfältige Kontrolle von Hauptmaschine und Rigg sowie die Überprüfung von stehendem und laufendem Gut. Jedes Segel, alle Fallen, Schoten und Schäkel wurden inspiziert – eben alles, was absolut dazugehört, um mit einer Segelyacht sicher und beruhigt auf Langfahrt zu gehen.

Die Frauen beschäftigten sich derweil hauptsächlich mit letzten Einkäufen an frischen Lebensmitteln, allerdings nur in überschaubaren Mengen. Heute Abend wollten wir pünktlich um 18:30 Uhr auslaufen und das rund 122 nautische Meilen entfernte Cádiz an Spaniens geschichtsträchtiger Atlantikküste ansteuern. Bei den vorhergesagten Wetter- und Windbedingungen – solide 17 Knoten Wind aus Nordwest, in Böen auch mal bis zu 26 Knoten – sollten wir die Strecke mit achterlichen Winden und einem Schnitt von über 6 Knoten Fahrt über Grund (SOG) in etwa 18 Stunden bewältigen. Unsere voraussichtliche Ankunftszeit (ETA) lag damit um 13:30 Uhr am nächsten Mittag.

Rodrigo, Olga, Lena, Lois und Olea warteten geduldig am Hafenkanal, um uns ein letztes Mal zum Abschied zu winken, als wir exakt nach Zeitplan aus der Marina ablegten und unter der geöffneten Fußgängerbrücke den Kanal zur Hafenausfahrt entlangtuckerten. Wir winkten natürlich zurück, mussten uns im Cockpit aber gleichermaßen auf das fehlerfreie Steuern durch das schmale Fahrwasser, das korrekte Abmelden per Funk bei der Hafenmeisterei und das Bereitmachen der Segel konzentrieren.

 

Gern wären wir noch bei diesen lieben Menschen in Lagos geblieben. Aber wir waren ohnehin schon wesentlich länger dort verweilt als ursprünglich geplant, und irgendwann zieht man als permanent Reisender eben unvermeidlich weiter; so ist nun mal der Lauf der Dinge. Lois ist als Model und Künstlerin gleichermaßen an häufig wechselnde Aufenthaltsorte gewöhnt und nahm den Abschied entsprechend cooler – und wer weiß, vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja mal wieder. Jedenfalls hatten wir eine fantastische Zeit miteinander, jede Menge Spaß, haben viel fotografiert und verstanden uns so außergewöhnlich gut, als wären wir schon seit halben Ewigkeiten beste Freunde.

Amüsanterweise und typisch für Vicky mit ihrer naturverbundenen, völlig ungenierten Art, machte sie sich noch im Hafenkanal kurzerhand komplett nackt und setzte sich stolz in den Bugkorb. Dass die vielen Spaziergänger, Touristen, Einheimischen und andere Bootsfahrer sie in ihrer ganzen Pracht bestaunen konnten, störte sie kein bisschen. Eher im Gegenteil: Sie empfindet es selbst als aufregend kribbelnd, so ungeniert angeschaut zu werden, und genießt es durchaus, ein wenig provokant aufzutreten. lach

»Ich schätze, Lagos Männerwelt wird deinen Besuch hier so schnell nicht vergessen, hoho«, gluckste ich amüsiert.

»Ha! Niemand, der mich treffen und sehen durfte, vergisst mich jemals wieder, haha!« konterte sie gewohnt schlagfertig, worüber auch Britt und Demo breit lächelten.

Dann erreichten wir das offene Meer. Der Wind wehte mit etwa 17 Knoten aus Nordwest – für uns ein klassischer, tiefer Vorwindkurs bei unserem anliegenden Kurs von 126 Grad. Aktuell befand sich Britt am Steuer. Sie blickte kurz prüfend zum Windrichtungs- und Stärke-Anzeigeinstrument im Cockpit, dann drehte sie die Segelyacht sanft fast flach an den Wind und kommandierte mit fester Stimme:

»Klar zum Segelsetzen! Zuerst das Groß!«

Ein Knopfdruck genügte, und das Rollgroßsegel glitt mit einem leisen, kraftvollen Surren der elektrischen Cockpitwinschen aus dem Mast. Alle Schoten, Fallen und Reffleinen waren bequem ins Cockpit umgelenkt, sodass wir die Segelfläche flott und ohne große körperliche Anstrengung bändigen konnten. Kaum stand das Groß, fiel Britt wieder ab, drehte den Bug also weg vom Wind, und rief: »Und nun die Fock!«

Das Vorsegel rollte sich geschmeidig aus, die Tücher fassten kurz flappend und mit einem dumpfen, energischen Schlagen den frischen Wind, bevor sie sich prall und lautlos blähten. Britt ging auf endgültigen Steuerkurs, aktivierte den Autopiloten, deaktivierte die Maschine und atmete sichtlich zufrieden die salzige Luft ein. Übrigens lässt sich dieses Boot auch hervorragend einhand segeln, wenn man ausreichend Erfahrung mitbringt. Nun war es Zeit für unser traditionelles Auslaufritual – eine kleine Gabe für Poseidon darf schließlich nie fehlen.

»Cheers!« stießen wir passend zu Portugal mit einem schweren, mir zu süßlichen Portwein an und gossen andächtig einen großzügigen Schluck davon über Bord in das weiße schäumende Wasser, das um den Rumpf rauschte. Ein kleiner Tribut, um die Meeresgötter für unseren Törn gnädig zu stimmen. Nicht, dass ich an so einen Blödsinn glauben würde; für mich ist das einfach ein Spaß und traditionelle Seemannspflege, während es selbst in unserer aufgeklärten Zeit gar nicht so wenige Segler gibt, die dieses Ritual bitterernst nehmen. schmunzel

17 Knoten Windgeschwindigkeit sind immerhin eine stolze Windstärke von 5 auf der Beaufortskala. Bei diesem Wind kam selbst ein schwerer, solider Verdränger wie unsere SV-Vikarelia vor dem Wind so richtig ordentlich ins Laufen. Der Bug schnitt mit 6,5 bis 7,7 Knoten durch die Wellen, die hier in der schützenden Landabdeckung noch recht flach blieben, während die lange, tiefe Atlantikdünung das Boot bereits wie eine riesige Wiege sanft hob und senkte. Bis Mitternacht sollte der Wind laut Wettervorhersage auf gemütliche 3 Beaufort abflauen, bevor er gegen Morgen wieder langsam zulegen würde. Für alle Leser, die sich mit den nautischen Begriffen nicht ganz so auskennen, füge ich unten mal eine Windstärkentabelle an.

 

Insgesamt kann man die Windstärken 3 bis 5, in Böen vielleicht mal eine 6, als Schönwettersegeln bezeichnen, bei dem das Reisen auf dem Wasser einfach nur pure Freude bereitet. Das Boot glitt mit einer leichten Lage von 15 bis 20 Grad ruhig und ein rundum sicheres Gefühl gebend durch die bald zunehmenden Wellen. Dennoch darf man die immense Windkraft auf so vielen Quadratmetern Segeltuch keineswegs unterschätzen. Die Kräfte, die da im Rigg und an den Schoten wirken, können einen leicht übel verletzen oder unbarmherzig über Bord schleudern.

Da uns ein Nachttörn bevorstand, entschieden wir uns bewusst dazu, nur die kleinere, stabilere Stagfock und nicht die große Genua zu setzen. Unangenehme Überraschungen wie ein plötzlicher Squall – eine jener gefürchteten Gewitterböen mit schlagartigem Starkwind – muss man auf See einfach immer einplanen. Und in der pechschwarzen Dunkelheit dieser Neumondnacht sieht man diese Wetterwände oft erst dann kommen, wenn es bereits zu spät ist, um die Segelfläche noch risikofrei zu verkleinern.

Fahrtensegler sind schließlich keine Regattasegler, die jedes Zehntelknoten zusätzliche Geschwindigkeit ausreizen, sondern im Allgemeinen eher defensiv und gemütlich unterwegs, wobei die Sicherheit immer oberste Priorität hat. Radar und AIS informierten die Wachhabende – aktuell laut Wachplan eben Britt auf dem Nav-Plotter – zuverlässig über andere Boote und Schiffe in der Umgebung, soweit wir sie im schwindenden Abendlicht nicht ohnehin noch sehen konnten. Aktuell wurden uns fünf andere Seefahrzeuge angezeigt, alle weit genug entfernt und auf Kursen, die keinerlei Gefahr darstellten.

»Gut gemacht, Leute«, lobte ich aus meiner nur zuschauend kontrollierenden Kapitäns-Perspektive und hakte grinsend nach: »Wer hat laut Plan gerade Küchendienst und versorgt den darbenden Captain bald mit einem guten Abendessen?«

»Ähm, ich…« antwortete Demo leicht säuerlich. Er vergräbt sich nun mal viel lieber in der Technik, den Maschinenraum oder erledigt handwerkliche Arbeiten, anstatt in der Kombüse zu stehen.

»Komm, das erledigen wir zusammen, bevor uns der allmächtige Captain noch kielholen lässt«, lächelte Vicky spitz, blickte nach oben und seufzte: »Ach herrlich, endlich wieder ein echter Segeltörn!«

Die zwei blieben noch einen Moment an Deck und genossen das für Nichtsegler kaum fassbare Gefühl, ohne jeden Maschinenlärm, nur angetrieben von der Natur, durch den zunehmenden Wellengang zu rauschen. Britt und ich machten es uns nach einem letzten Kontrollrundumblick auf der leeseitigen Cockpitbank bequem. Ich zündete mir eine Zigarette an und paffte genüsslich.

»Lass mich mal ziehen…« griff Britt nach meiner Hand, führte den Glimmstängel an ihre sinnlichen Lippen und nahm einen tiefen Zug. Von uns vieren raucht sie am wenigsten und am seltensten; meist ist sie schon mit zwei, drei Zügen ein paar Mal am Tag vollkommen zufrieden. »…was meinst du, Steve? Mein Ablegemanöver in der engen Marina war vorhin nicht so toll, oder?«

»Realistisch selbst eingeschätzt, Britt. Aber du hast es dennoch gut gemeistert, ohne dass es wirklich gefährlich wurde oder ich hätte eingreifen müssen«, lächelte ich durchaus anerkennend.

In einer engen, vollgepackten Marina bei guten 5 Beaufort Wind aus ungünstiger Richtung abzulegen, ist wahrlich kein Kinderspiel. Da kommen selbst erfahrene Seebären nicht selten heftig ins Schwitzen, und es kommt schnell zu unschönen Rumpfkollisionen.

»Danke…, aber was sichere Hafenmanöver betrifft, haben wir drei alle noch eine Menge zu lernen. Genau wie mit den Mann-über-Bord-Manövern, die du bei der Herfahrt mit uns geübt hast«, erklärte sie leicht nachdenklich.

Das zeigt wieder einmal, dass sie trotz ihrer Jugend und der Verwöhnung als schöne Frau und erfolgreiches Model, eine erstaunlich realistische Selbsteinschätzung besitzt. Sie kann ehrlich reflektiert nachdenken, besitzt eine Menge Selbstdisziplin und durchaus mehr Vernunft als viele umschwärmte Schönheiten ihres Alters.

»Da mach dir mal nicht zu viele Gedanken«, ich nahm einen letzten, tiefen Zug aus der Zigarette und drückte sie im windgeschützten Cockpit-Ascher aus. »Ich kenne Bootsführer mit etlichen Jahren Erfahrung, die bei Hafenmanövern unter solchen Bedingungen immer noch heftig ins Schwitzen kommen und gelegentlich Stege und Nachbarboote demolieren. Man lernt nie aus, auch ich nicht, und ihr drei seid für eure überschaubare Erfahrung bereits eine ziemlich gute Crew. Demnächst üben wir einfach wieder MoB und andere Manöver.«

»Danke, Captain, haha!« Sie lehnte sich seitlich vertrauensvoll an mich und strich sich in einer typisch weiblichen Geste eine vom Wind verwehte Haarsträhne aus dem Gesicht. Natürlich blies ihr der Wind sofort neue Haare in die Augen, und ich bekam noch ein zärtliches Backenküsschen. »Du bist ein guter Kapitän.«

»Essen ist fertig!« rief da schon Vicky von unten aus dem Niedergang. »Hört auf zu turteln, kommt und holt es euch!«

Trotz der spürbaren Schräglage und des inzwischen stärkeren Schaukelns durch die höheren Wellen außerhalb der schützenden Landabdeckung, speisten wir bei noch angenehmen 25°C im Cockpit. Es gab ein einfaches, aber leckeres Gericht: hergerichtete Appetithappen in Tapas-Art, gefolgt von einer großen Schüssel Nudelsalat mit saftigem Lachs und frischem Gemüse wie Erbsen, Mais und Tomaten. Zum krönenden Abschluss gab es, vor allem für mich, mit würzigen Käsesorten belegte Salzkräcker, Weintrauben und jede Menge saftige Wassermelone.

Dazu tranken wir ein wenig Weißwein, Demo hingegen lieber ein kräftiges Craft-Bier, während uns der Autopilot zuverlässig durch einen farbenfrohen Sonnenuntergang steuerte. In unserer östlichen Kursrichtung dämmerte es bereits stark, während hinter uns im Westen die glühende Sonnenscheibe dem Horizont immer näherkam und langsam dahinter versank.

 

»Sonnenuntergänge auf See sind jedes Mal etwas ganz Besonderes, egal wie viele man davon schon im Leben gesehen hat, nicht wahr?!« meinte Vicky in fast schon besinnlicher Stimmung.

»Und so unendlich romantisch!« stimmte Britt leise zu.

»Aufgepasst, Demo!« grinste ich breit. »Wenn Frauen bei Sonnenuntergängen in solchen Situationen von Romantik reden, wird es meistens gefährlich oder anstrengend für uns Männer, hoho!«

»Du Schuft wieder, haha!« Dafür kassierte ich prompt zwei kräftig-liebevolle Knüffe von beiden Seiten in die Rippen.

»Stimmt auffallend…« grinste Demo, wie meist eher wortkarg, umarmte Britt von hinten und knetete sanft ihre schönen Brüste. Das hielt wiederum ich für eine nachahmenswerte Vorgehensweise bei Vicky, die immer noch unverändert nackig herumlief.

So steuerten wir in die tiefe Nacht – respektive übernahm der Autopilot die Arbeit, während wir knutschend den rauschenden Wind, das regelmäßige Plätschern der See am Bootsrumpf und das rhythmische Schaukeln des Bootes genossen, das wie auf Schienen sicher durch die Wellen schnitt.

Übrigens erkennt man an genau solchen Momenten immer schnell die unerfahrenen Landratten. Die wollen meist zu gern selbst am Steuerrad stehen und sich wie ein großer Captain fühlen. Für erfahrene Segler ist das stumpfe Steuern eines Bootes am Ruderstand auf Langfahrt eher langweilig, solange es nicht wegen Kurswechseln oder dem Segeltrimmen gerade notwendig ist. Fahrtensegler lassen lieber den Autopiloten oder eine Windfahnensteuerung die Arbeit machen, während sie sich selbst mit anderen Dingen beschäftigen, lesen, aufs Meer schauen, Aufräumen, Kombüsendienst erledigen oder notwendige Wartungsarbeiten vornehmen.

Ab 22:00 Uhr übernahm Demo planmäßig die Wache von Britt, und Vicky sollte ihn um 02:00 Uhr ablösen. Momentan fuhren wir ein klassisches vierstündiges Dreiwachen-System, wobei ich mich als Springer & Captain nur gelegentlich einmische oder mal freiwillig eine Wache übernehme. Anzeichen von Seekrankheit zeigte zum Glück niemand, obwohl wir nun viele Wochen an Land verbracht hatten und nicht mehr an das schaukelnde Segeln bei Lage gewohnt waren.

Vicky schlummerte deshalb in der Koje etwas auf Vorrat, während Britt und ich Demo an Deck noch ein wenig Gesellschaft leisteten. Später arbeitete ich dank Starlink noch eine Weile online am Laptop. Bekanntlich bin ich alles andere als ein Fan von Elon, aber was er mit Hilfe seiner Ingenieure bei Tesla, SpaceX und Starlink auf die Beine gestellt hat, ist technologisch schon eine Wucht. Bis vor wenigen Jahren waren stabile Online-Satellitenverbindungen auf See mit ähnlichen Datenübertragungsraten wie an Land reine Fantasieträume.

Jetzt bekommt man mit über 10.000 Starlink-Satelliten in niedrigen Orbits bereits fast überall auf den Weltmeeren blitzschnelle Verbindungen. Datenraten von 40 bis 220 Megabit pro Sekunde im Download und 10 bis 25 im Upload sind plötzlich auf dem Ozean völlig normal geworden. Die Latenz bewegt sich meist zwischen schmalen 40 und 60 Millisekunden. Zuvor hatte man mühsamen Kurzwellen-Funk & PACTOR oder sündhaft teure Iridium-Anlagen mit bestenfalls homöopathischen Übertragungsraten und schweineteuren Tarifen.

Starlink Maritim ist auf See ein echter Gamechanger, der unterwegs genauso sorgenfreies Arbeiten und Surfen erlaubt, wie man es von zu Hause kennt. Für die echte Ozean-Abdeckung ist der Mobile-Priority-Service notwendig. Die Tarife unterscheiden sich im Grunde nur anhand des inkludierten Highspeed-Datenvolumens, und solange man ausreichend Energie an Bord zur Verfügung hat, flutscht das System problemlos. Dank moderner Solarpaneele ist die Stromversorgung auf Yachten heutzutage aber meist auch kein Thema mehr, sodass man den Generator (falls vorhanden) oder die Hauptmaschine nur noch selten laufen lassen muss.

 

Eine Windturbine haben Vicky, Britt und Demo aktuell zwar nicht an Bord, dafür aber nagelneue, extrem hochwertige Solarpaneele und moderne Lithium-Akkus, die in den typisch sonnigen Regionen für Fahrtensegler mehr als genug Energie für den täglichen Betrieb all der Geräte einspeisen. Nur bei intensiver Nutzung der Klimaanlage oder des energiefressenden Wassermachers wird es gelegentlich eng, und wir müssen den extra schallschutzgekapselten Westerbeke-Generator zuschalten.

Dank solcher moderner Solarpaneele ist die Stromversorgung auf Yachten heutzutage aber meist auch kein Thema mehr, sodass man den Generator oder die Hauptmaschine nur noch selten laufen lassen muss. Die drei, allen voran Vicky und Demo, haben eine Menge Geld in das Refit der zehn Jahre alten Yacht gesteckt.

Das gesamte Bordnetz läuft über ein hochmodernes Victron-System mit dem Cerbo GX MK2 als Kommunikationsknotenpunkt und passendem Touch-Display, kombiniert mit satten 810 Amperestunden LiFePO4-Servicebatterien von Battle Born. Geladen wird das Ganze primär über drei rigide 375-Watt-Solarpaneele. Nur wenn der energiefressende Wassermacher oder die Klimaanlage zu lange laufen, schalten wir den extra schallschutzgekapselten Westerbeke-Generator mit seinen 4 Kilowatt hinzu, der mit gerade einmal 215 Betriebsstunden noch wie neu im Motorraum schnurrt.

Für ein weltweites Starlink-Komplettpaket auf einer Segelyacht mit hoher Datennutzung auf dem offenen Ozean muss man mit einmaligen Hardwarekosten von ca. 2.400 € bis 2.850 € und monatlichen Abo-Kosten zwischen 240 € und 1.120 € rechnen. Für die Nutzung auf hoher See und während der Fahrt wird von SpaceX offiziell die Flat High Performance Antenne vorgeschrieben. Zusatzkosten für Halterungen, seewasserbeständige Kabelführungen und die Integration in das Bordnetz schlagen meist noch mit 200 € bis 500 € für die Installation zu Buche.

Ein guter Tipp unter Cruisern: Viele Langfahrtsegler nutzen mittlerweile auch das kleinere Starlink Mini-Kit für rund 400 €. Das spart Anschaffungskosten, ist aber offiziell von Starlink nicht für extreme Bedingungen auf dem Ozean lizenziert. Billig ist der Spaß also nicht, aber es gehört bei vielen Fahrtenseglern inzwischen fast zur Standardausrüstung – auch weil es sich relativ einfach selbst installieren lässt, wenn man ein bisschen Ahnung hat. Und die meisten echten Fahrtensegler haben von solchen Arbeiten ohnehin jede Menge Ahnung.

Das ideale Hybrid-Modell für Segler sieht in der Praxis so aus: Man muss auf der Yacht nicht dauerhaft den teuren Ozean-Tarif bezahlen. Die meisten nutzen eine clevere Kombination. Sie buchen den normalen Reise-Tarif für rund 95 € im Monat, solange sie in bis zu 12 sm Entfernung der Küste segeln, in Buchten ankern oder im Hafen liegen. Vor dem Aufbruch zu einer echten Hochseepassage wechselt man in der Starlink-App einfach per Klick auf den teuren Mobile Priority Tarif. Nach der Ankunft im neuen Zielgebiet stellt man den Tarif in der App ebenso einfach wieder zurück.

Gegen Mitternacht gingen auch Britt und ich schließlich schlafen, womit sie nach sechs Stunden Schlaf wieder erholt genug sein wird, um ab 06:00 Uhr die Wache von Vicky zu übernehmen. Was mich betrifft, pennte ich neben der selig schlummernden Vicky schnell ein. Als sie um 02:00 Uhr die Wache übernahm und leise aufstand, wurde ich nur kurz halbwach und versank sofort wieder im Reich der Träume. Alte, tief verinnerlichte Seefahrerinstinkte würden mich ohnehin sofort hellwach machen, sollte es auf dem Boot nachts auf See irgendwelche ungewöhnlichen Geräusche oder Rumpfbewegungen geben, die auf Gefahr hindeuten.

 


 

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Algarve, Lagos, Strandabenteuer und viel Spaß

 

#26.07.15 - Algarve, Lagos, Strandabenteuer und viel Spaß

Nach blühenden Pflanzen und dem Salz des Meeres duftende, frische Luft strömte am Morgen durch die weit geöffneten Fenster herein. Noch hatten wir kaum 22 °C, doch es war bereits in den ersten Morgenstunden zu spüren, dass sich die Kaltluftfront der letzten Tage verzog und wir heute um die 30 °C bekommen würden. Vicky räkelte sich genüsslich neben mir im großen Bett, strampelte die Reste der sie noch bedeckenden, leichten Decke von ihrem wohlgeformten, nackten Körper und seufzte leise:

»Verflixt… und ich muss bei dem schönen Wetter dringend am Bild weiterarbeiten, sonst wird es diese Woche nicht fertig.«

»Aber vorher musst du noch andere, viel wichtigere Pflichten erfüllen, hehe!« grinste ich männlich verlangend, drehte mich über sie und spürte sofort ihre wohlige Wärme. Das führte natürlich zu sinnlichen Handlungen, stetig steigendem Verlangen und einem ausgiebigen, wunderbar intensiven morgendlichen Liebesspiel.

Angenehm befriedigt duschten wir uns frisch und erledigten die typische Badroutine. Dann begann mein gewohntes Morgenritual vor dem eigentlichen Frühstück, also genau so, wie ich es liebe: erst ein paar Happen frisches Obst, dazu ein guter, heißer Café Crema und schließlich das genüssliche Schmauchen meiner geliebten Morgenzigarette im Freien am Beckenrand.

Alle anderen waren auch schon munter und am beschatteten Gartentisch auf der Pool-Terrasse mit dem Frühstücken beschäftigt, wobei wie üblich munter gescherzt, gelacht und laut geplaudert wurde. Rodrigo präsidierte vergnügt am Tisch der munteren Versammlung und lächelte väterlich über die Truppe junger Menschen; kurz darauf schloss ich mich an und langte ebenfalls ordentlich zu.

»Was unternehmen wir heute?« fragte Lena in die Runde, während sie sich ein Stück Melone in den Mund schob. »Es soll richtig schön sonnig und heiß werden!«

»Also ich bin voll und ganz für einen ausgiebigen Beach-Day!« antwortete Britt als Erste mit viel Nachdruck in der Stimme.

»Yup, ich auch«, murmelte Demo gewohnt mundfaul und mit einem dicken Bissen leckerem Futter im Mund.

»Finde ich gut, bin auch absolut dafür«, meinte Lois kaffeeschlürfend, und für einen Moment wurden wir alle abgelenkt.

Ein süßes kleines Vögelchen, ähnlich einer Meise, landete frech und piepsend mitten auf dem gedeckten Esstisch, schnappte sich flink ein heruntergefallenes Brotstückchen, flatterte schnell wieder davon und hinterließ uns mit einem Schmunzeln im Gesicht. Vicky erklärte uns dann, erst später am Nachmittag zu uns stoßen zu können, weil sie unbedingt an ihrer großformatigen Kohlezeichnung weiterarbeiten musste.

Rodrigo wiederum wollte den Hausmädchen Olga und Olea heute komplett freigeben, sodass sie mit uns kommen konnten, während er in der kühlen Finca blieb und im Hausbüro einige geschäftliche Dinge zu regeln hatte.

»Yuhuuu…, danke, lieber Dominus…« freuten sich Olga und Olea überschwänglich, bedankten sich mit süßen, frechen Dankesküsschen auf die Wange des alten Hausherren und freuten sich sichtlich über ihren großzügigen Arbeitgeber. Es verrät so einiges über Rodrigos Charakter, dass er sein Hauspersonal stets freundlich wie Gleichgestellte behandelt. Beispielsweise bekommen sie auch kein billigeres Personalessen, sondern exakt die gleichen hochwertigen Speisen wie er selbst und seine Hausgäste.

Also blieb mir gar nichts anderes übrig, als ebenfalls für den Strandtag zu stimmen, was ich aber sehr gerne tat, weil ich durchaus ebenfalls Lust auf Sand und Wellen hatte. Allerdings musste ich zunächst noch eine knappe Stunde meinen Laptop checken und ein bisschen arbeiten, aber es lag glücklicherweise nichts Wichtiges oder Dringendes vor.

Die anderen hatten unterdessen mit Köchin Marias tatkräftiger Hilfe unsere Strandsachen und zwei große Kühlrucksäcke mit kalten Getränken, frischem Obst und kleinen Knabbereien vorbereitet. Zum Mittagessen wollten wir wieder hoch zur Finca kommen, also nahmen wir sonst kein Essen mit. Mit ihren hervorragenden Ortskenntnissen führte uns Lois abseits der bekannten Routen über nicht so von Urlaubern überlaufene Pfade die rauen, malerischen Klippen hinunter zum Meer.

 

Selbst jetzt in der vollen Hauptsaison gibt es immer noch versteckte Plätze und windgeschützte Ecken an dieser faszinierenden Felsenküste, wo es zumindest nicht so voll ist oder für längere Zeit überhaupt keine Menschen hinkommen. Völlig und dauerhaft einsame Plätze findet man derzeit an der Algarve aber so gut wie gar keine; dazu müsste man sich schon weit von den beliebten Touristenküsten entfernen.

Daher wechselten wir oft vom paradiesisch natürlichen, nackten Badespaß in unsere Badekleidung und wieder zurück – je nachdem, wo wir uns gerade aufhielten und wie viele oder welche anderen Menschen gerade in Sichtweite waren.

Dazu blieben wir nicht nur an einem einzigen Fleck, sondern wechselten häufiger die Location. Das Erkunden dieser bezaubernden Küste mit ihren versteckten Sandstränden, den natürlich entstandenen oder mühsam in die Felsen geschlagenen Höhlen, dunklen Tunneln und fantastischen Felsformationen macht einfach viel Spaß. Besonders für junge fantasiebegabte oder geistig junggebliebene Menschen ist es ein reizvolles Abenteuer herumzulaufen, auf die Klippen zu klettern und ständig etwas Neues vom genialen Künstler Natur zu entdecken.

Auf zwei hohen, mit einem vom Wasser ausgespülten Felsenbogen verbundenen Felsformationen kletterten irgendwann Olga, Olea und Lena wie drei splitternackte Nymphen herum und riefen dann lautstark lustige Sprüche zu uns vermeintlichen Feiglingen herunter. Voll überschäumender Lebens- und Abenteuerlust sprangen sie ziemlich gewagt auf der schmalen, verbindenden Felsbrücke herum und verlangten nach schönen Schnappschüssen. So etwas sind natürlich sehr reizvolle Fotomotive, die ich sowieso zu knipsen versucht hätte.

Aber beinahe versenkte ich dabei meine kleine Schnappschuss-Ixus im salzigen Meer, weil ich für den optimalen Winkel recht tief in die Dünung gehen musste, von einer unerwartet höheren Welle fast umgeworfen wurde und zudem auch noch auf dem glitschigen, von Algen bewachsenen Untergrund den Halt verlor.

 

»Ahaha… kletterst du jetzt zu uns hoch, oder müssen wir runterspringen und den tapsigen Kapitänsbären retten?« prusteten unvermeidlich mit viel schadenfreudigem Lachen die drei Frechen oben auf dem windigen Felsbogen.

Dann sprangen sie tatsächlich nacheinander jauchzend hinunter ins erfrischende Meerwasser, was ich allerdings niemandem raten würde, der sich hier nicht bestens auskennt. Knapp unter der Meeresoberfläche könnten sich raue Felsen verbergen, die man wegen der rauschenden, um die Felsspitzen verwirbelten Brandung schlichtweg nicht sehen kann. Das würde aus dieser Höhe mindestens mit üblen Knochenbrüchen enden, wenn nicht gar mit Schlimmerem.

Aber Olga und Olea waren schon früher hier und wussten, dass man an dieser speziellen Stelle gefahrlos in ausreichend tiefes Wasser herunterspringen kann. Daher kannten sie auch den vom Ufer aus nicht sichtbaren Pfad, auf dem man mit etwas Klettergeschick auf die ansonsten unzugänglichen Felsformationen hochkommt.

Wie könnte es anders sein, wollten das jetzt natürlich alle nachmachen – auch ich mit meiner zum Glück recht gut durchtrainierten Bärenstatur. Und ja, so ein kleiner Nervenkitzel macht einfach riesigen Spaß. Selbst Lois kannte diese Stelle noch nicht und zögerte zunächst, doch auch sie ist als Model sehr fit und schaffte es langsam, aber sicher nach oben.

Das Riskanteste an der ganzen Sache war, dass man, um auf den Felsbogen zu gelangen, sich auf einem schmalen, etwas bröckeligen Grat erst vorsichtig um die äußere Felsnadel herumarbeiten musste. Ganz ungefährlich ist es also wirklich nicht, aber was wäre das Leben ohne ein bisschen riskantes Abenteuer?! Man sollte allerdings wirklich fit sein und zumindest etwas Erfahrung im Felsklettern haben, sonst könnte so ein Ausflug übel enden.

 

Der steile Rückweg hinauf zur Finca verlangte uns in der sengenden Mittagshitze dann noch mal einiges ab. Mit staubigen Füßen, leicht verschwitzt, aber bester Laune stapften wir die ausgetretenen Klippenpfade empor, wobei uns der köstliche Duft aus Marias Küche schon von Weitem wie ein unsichtbarer Wegweiser entgegenwehte.

Wie vereinbart kamen wir gegen 13:15 Uhr zurück in die Finca, um uns an einem leckeren, von Maria zubereiteten Mittagessen zu erfreuen und uns mit neuen Kräften zu stärken. Es gab zunächst kalte, köstliche Antipasti in Tapas-Art mit eingelegten Oliven, Schafskäse, Avocado, Sardellen, Paprika und Tomaten, die wunderbar delikat schmeckten und beim Verzehr in größeren Mengen auch locker als komplette Mahlzeit ausgereicht hätten.

Es folgten zarte Hähnchenbrüste auf einem frischen Gemüsebett, serviert mit der portugiesischen Variante von würzigem Djuvec-Reis, abgerundet durch einen schmackhaften Tomaten-Kräutersalat. Selbstverständlich kann man die hiesigen Tomaten nicht mit dem eher geschmacklosen Gemüse vergleichen, das man in deutschen Märkten bekommt. Hier an der Algarve sind sie, genau wie in Italien, prallvoll mit Sonne, fleischig und geschmacksintensiv – ein echter Genuss. Dazu tranken wir gut gekühlten, fruchtigen Roséwein und eiskaltes Mineralwasser.

Zum krönenden Abschluss gab es feines Krokant-Eis, einen herrlich frischen Fruchtsalat mit viel Wasser- und Honigmelone, süßen Erdbeeren und einem großzügigen Schuss Portwein sowie eine würzige Käsemischung auf Crackern mit Weintrauben und natürlich exzellenten Kaffee.

Rodrigo schaute sichtlich amüsiert zu, wie die schlanken, ansonsten sehr auf ihre Figur bedachten jungen Frauen dennoch mit erstaunlich gesundem Appetit zulangten und teils beachtliche Mengen verdrückten. Natürlich wurde in der munteren Tischrunde auch wieder ausgiebig gescherzt, gefrotzelt, gelacht, und vor allem Lena berichtete dem Hausherrn mit leuchtenden Augen haarklein von unseren Küstenabenteuern.

Wie schon mal beschrieben, kennt Rodrigo das selbst natürlich alles in- und auswendig, war er doch als Kind und Jugendlicher schon unzählige Male an dieser Küste unterwegs gewesen. Diese Finca gehört seiner erfolgreichen Unternehmerfamilie schließlich schon seit Generationen. Doch wenn einem alten Mann so junge, sympathische und vor Lebenslust nur so sprühende Frauen mit funkelnden Augen von ihren Erlebnissen erzählen, dann lächelt man unvermeidlich gerührt dazu und erfreut sich an all diesem jugendlichen Enthusiasmus. Die mitreißende Energie junger Menschen, insbesondere hübscher, charmanter Frauen, kann auf einen reiferen Herrn wie ein wahrer Jungbrunnen wirken und neue Lebensfreude schenken.

Wie es die Vorhersage versprochen hatte, zeigten die Thermometer inzwischen an die 30 °C Lufttemperatur. Etwas vollgefressen legten wir alle erst einmal eine kleine Siesta ein und genossen die angenehme Brise am Pool mit einem guten Kaffee oder kalten Erfrischungsdrinks. Vicky war derweil mit ihrem Kohlebild fast fertig geworden, wollte morgen nur noch den letzten Feinschliff erledigen und schloss sich uns jetzt gut gelaunt an, als wir am späten Nachmittag erneut über die malerischen Klippen hinunter ans Meer stiegen.


 

Wir suchten uns ein paar schattige Plätze in der warmen Nachmittagssonne, und es ging spürbar ruhiger zu als noch am Vormittag. Vor allem mich verlangte es nach einem gemütlichen Nickerchen im warmen Sand, und prompt schlummerte ich für eine gute Dreiviertelstunde tief und fest ein. Ach, das tat gut. Das sanfte Plätschern der Brandungswellen am Ufer, das leise Säuseln des Seewinds und die gedämpften Stimmen der anderen im Hintergrund wirkten wie eine perfekte, einschläfernde Kulisse. Doch die Ruhe hielt nicht ewig…

»Wie lange willst du Faulenzer hier eigentlich noch pennen, haha-hihi?« Mit diesen Worten warf sich Lena superfrech, klatschnass direkt aus dem Meer kommend, mit ihrem abgekühlen Körper direkt auf mich.

»Na warte, du Frechdachs!« rief ich, schloss meine Arme wie fixierende Klammern um ihren gertenschlanken Körper und trommelte kräftig, aber selbstverständlich trotzdem zärtlich und spielerisch auf ihren knackigen Pobacken herum.

»Hiiiiilfeeee…, ein grausames Bärenmonster foltert mich…« kreischte sie prompt begeistert auf und schmiegte ihre entzückend nackigen, jugendlichen Formen extra frech und leicht provozierend an meine Brust.

»Mmh… so köstliches, zartes Mädchenfleisch«, fletschte ich die Zähne und biss ihr spielerisch sanft in die nasse Schulter.

»Aaiiiih… und jetzt frisst er mich auch noch auf, hihi!« prustete der Frechdachs mit wild funkelnden Augen, während sie sich lachend wand, aber mir nicht wirklich entkommen wollte.

»Deine eigene Schuld, das hast du dir ganz allein eingebrockt, haha!« lachten die anderen amüsiert, und Vicky reichte mir einen kühlen Fruchtsaft-Mineralwasser-Mix aus einer der Kühltaschen.

Sie weiß, dass ich nach dem Aufwachen aus einem Nickerchen oder richtigem Schlaf immer als Erstes etwas trinken möchte. Ich habe nun mal die Unart, mit leicht geöffnetem Mund zu schlummern, wodurch mein Mundraum schnell austrocknet – was durch meine Rauchgewohnheiten natürlich noch verstärkt wird. Nachdem wir uns lachend wieder auseinandergesetzt hatten, zündete ich mir auch gleich eine Zigarette an und paffte genüsslich.

»Bah, du mit deiner doofen Qualmerei…« wedelte Lena mir die Rauchfahne weg, die typischerweise wieder mal ausgerechnet zu ihr, der Nichtraucherin neben mir, herüberzog.

Sie, Olga und Olea rauchen vernünftigerweise nicht, ganz im Gegensatz zu Vicky, Britt, Demo und mir. Es ist wirklich eines der unerklärlichen Paradoxa des Lebens, dass der Qualm von Rauchern fast immer zielsicher zu den Nichtrauchern zieht, völlig egal, wie man die Zigarette hält oder woher der Wind weht.

»Entschuldige bitte, dass ich lebe, atme… und rauche«, grinste ich und kitzelte sie mit der Fingerspitze an der Seite.

Lachend und fast mädchenhaft kichernd sprang sie auf und lief flink mit hüpfenden, süßen Brüsten und Pobacken zu Olga und Olea hinüber, die es sich in der tiefen, kühlen Schattenhöhle einer Felsformation gemütlich gemacht hatten.

»Ja, komm nur zu uns, wir beschützen dich vor dem großen Kapitänsmonster, haha!« riefen die beiden lachend.

Nachdem ich fertig geraucht hatte, lief ich ins Meer und schwamm sportlich kraulend weit hinaus, wo ich mich entspannt auf dem Rücken treiben ließ, wie ich es so sehr liebe. Inzwischen dürfte es etwa 16:00 Uhr gewesen sein, und die Sonnenstrahlen brannten noch kräftig schräg vom tiefblauen Himmel herunter. Nur ab und zu milderten ein paar feine Schleier- oder Schäfchenwolken die Hitze der Sonne ab. Je nach Wellengang und Dünung glitzerten die Strahlen blendend auf dem Wasser.

 

Beim gemütlichen Treibenlassen passte ich dennoch gut auf: Jetzt in der Hauptsaison sind auch nicht wenige Sportbootfahrer auf dem küstennahen Meer unterwegs, und die können den kleinen Kopf eines Schwimmers zwischen den Wellen leicht mal übersehen.

Als ich zurückschwamm und ans Ufer watete, staunte ich nicht schlecht über eine weitere schlanke Schönheit von echtem Model-Format, die sich in Begleitung von zwei jungen Männern gerade genauso ungeniert wie wir nackt im Meer erfrischte.

»Das ist Abby, eine Model-Freundin von mir aus Paris«, erklärte mir Britt. »Wir sind gerade völlig überraschend aufeinandergetroffen. Sie macht einen kurzen Urlaub an der Algarve, und die beiden Typen sind ihre Begleiter.«

»Aha, Begleiter oder Lover?« zwinkerte ich, und Britt lachte amüsiert auf.

»Haha, es könnten gut beide ihre Lover sein. Abby ist sexuell sehr aktiv und mag auch gern Dreier oder sogar Gruppensex.«

Das überraschte mich natürlich kein bisschen. In der schillernden Model-Welt habe ich im Laufe der Jahre schon ganz andere, verrückte Sachen erlebt. Gleich darauf machte uns Britt alle miteinander bekannt, und die schöne Abby entpuppte sich als sehr clever, unkonventionell und mindestens genauso exhibitionistisch gepolt wie Vicky. Definitiv ein interessanter, ungewöhnlicher Charakter, zudem wunderschön und mit einer fantastischen Top-Figur gesegnet.

 

Menschlich oder charakterlich entsprach sie allerdings nicht unbedingt dem Typ Frau, mit dem ich privat gern enger befreundet wäre. Das merkte ich mit meinem großen Erfahrungsschatz und meiner ausgezeichneten Menschenkenntnis schon nach wenigen Minuten Smalltalk. Privat mag sie ja durchaus sympathisch und verführerisch sein, doch eindeutig gehört sie zu jener Sorte kühl berechnender Frauen, die den ihnen von der Natur geschenkten Vorteil außergewöhnlicher Schönheit und Cleverness sehr gezielt zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen wissen. Und zu der mir noch nie sonderlich willkommenen Kategorie »Für Geld oder Erfolg tue ich so gut wie alles« gehört Abby eben leider auch.

Nicht, dass ich solche Menschen deshalb pauschal verurteilen oder abwerten würde. Wir leben nun mal in einer harten, kapitalistischen Welt, in der solche Verhaltensweisen durchaus nützlich und manchmal sogar notwendig sein können. Aber sympathisch muss es mir deshalb ja noch lange nicht sein. Ich bevorzugte schon immer die eher ehrlichen, guten Menschen mit einem gewissen Anstand, die eben nicht für jeden materiellen Vorteil sofort ihre Prinzipien über Bord werfen.

Na ja, egal, es betrifft mich ja im Grunde nicht, wer oder was diese Abby und ihre Begleiter tatsächlich sind. Wir hatten jedenfalls noch jede Menge Spaß miteinander an dieser malerischen Küste und blieben bis zum romantischen Sonnenuntergang gegen 20:55 Uhr am Strand. Um diese Zeit waren die allermeisten Badegäste längst abgezogen, sodass wir noch mal völlig ungezwungen und in natürlicher Nacktheit in den herrlich erfrischenden Meeresfluten plantschen konnten. Seit gut zwei Stunden hatten wir uns keine Badesachen mehr überziehen müssen, weil einfach keine Fremden mehr an unseren Platz kamen.

 

Nach all den vielen Aktivitäten, den Strandspielen und den Klettereien in den Felsen kamen wir am doch ein bisschen wohlig müde und erschöpft zurück in die Finca. Frisch geduscht und luftig bekleidet, nahmen wir gemeinsam mit Rodrigo noch ein spätes, delikates Abendessen ein.

Ich ergötzte mich beispielsweise an gutem, dunklem Körnerbrot mit frischer Butter, hausgemachtem Aioli, Avocado und köstlichem Räucherfisch, reichlich garniert mit Oliven, Peperoni und scharfen Jalapeños, wie ich es deftig und würzig liebe. Dazu tranken wir einen hervorragenden Rotwein und eiskaltes Mineralwasser, während wir gemütlich miteinander plauderten und uns einfach nur wohlfühlten.

Rodrigo kann ein wirklich unterhaltsamer Geschichtenerzähler sein, voll von Anekdoten mit einem herrlich trockenen Humor, den man manchmal erst mit einer kleinen Verzögerung versteht; dann aber umso herzhafter lachen muss, wenn es im Kopf erst einmal Klick gemacht hat. Und heute Abend war der alte Herr sichtlich in Bestform. schmunzel

Bevor wir schließlich ins Bett schlüpften, zog mich Vicky noch an der Hand in das Atelier vor ihre Staffelei, um mir stolz ihr fast vollendetes Werk zu präsentieren. Die kraftvollen, kontrastreichen Kohlestriche fingen das Licht der Algarve auf eine so faszinierende Weise ein, dass ich sie einfach nur bewundernd in den Arm nehmen und küssen konnte. Ich bin eigentlich kein Fan von einfarbigen Kohlezeichnungen, erkenne aber mit Respekt gern an, dass sie diesbezüglich wirklich viel Talent hat und mit echter Künstlerleidenschaft agiert. Das kann ich bewundern, auch wenn solche großformatigen Bilder nicht dem Stil entsprechen, den ich mir selbst gern an die Wände hängen würde.

Kurz nach 23:00 Uhr zog sich Rodrigo schließlich in seine Gemächer zurück, und auch wir anderen verschwanden bald darauf in unseren jeweiligen Betten. Nach einem noch recht ruhigen, aber wunderbar sinnlichen Liebesspiel duschten wir uns noch mal kurz ab und pennten nach diesem erneut traumhaften Tag an der Algarve kurz nach Mitternacht glücklich und zufrieden ein.

Ach ja… schönes Sommerwetter, faszinierende Landschaften, zauberhafte Strände, köstliches Essen und nette, gute Menschen um sich herum – nicht zuletzt auch außergewöhnlich schöne, charmante Frauen, mit denen man jede Menge Spaß haben kann. Was will man mehr?

 

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