Algarve. Morgengedanken, Coppercoat, portugiesische Genüsse & Frauen

 

#26.09.20 – Algarve. Morgengedanken, Coppercoat, portugiesische Genüsse & Frauen

»Aaaach… jaaaa…«, reckte und streckte ich mich ausgiebig im bequemen Gästebett und dachte schmunzelnd: »…diese Ruhe ist gar nicht so übel!«

Natürlich vermisste ich es schon, momentan keine Schmusepartnerin zum Kuscheln im Bett zu haben und keine lustige Crew zum Scherzen und Lachen. Aber ganz ehrlich, Alleinsein war für mich noch nie ein Problem. Mal ein paar Tage Ruhe im Bett und sonst wo zu haben, tut einfach gut. So konnte ich mal wieder völlig ungestört und unabgelenkt meine Gedanken frei schweifen lassen, was ich sehr mag.

Dann schnappte ich mir das Smartphone und schaute nach der Wettervorhersage, was ich gestern Abend vergessen hatte. Diese versprach schon am Vormittag über 30 °C, reichlich strahlenden Sonnenschein und im Laufe des Nachmittags sogar heftige Hitze mit bis zu 36 oder 37 °C. Uff, das ist ja wirklich wie Hochsommer – und das Ende September! Statistisch liegt der Tageshöchstwert für Portimão und die West-Algarve Ende September bei ca. 25 °C bis 26 °C. Solche extremen Spätsommer-Temperaturen entstehen meist durch eine ganz spezifische Wetterlage:

  • Der Leste (Sirocco-Effekt): Normalerweise bläst an der Südwestspitze Portugals der frische, vom Atlantik kühlende Nordwestwind (Nortada). Wenn das Azorenhoch jedoch ungewöhnlich platziert ist und ein Tiefdruckgebiet vor der marokkanischen Küste liegt, dreht der Wind auf Ost bis Südost.
  • Wüstensand & Föhneffekt: Dieser heizt die Luft extrem auf, bringt trockene, heiße Saharaluft herüber und wird beim Überqueren der südportugiesischen Hügelketten durch das Absinken noch zusätzlich komprimiert und erwärmt.

Immerhin sorgt der Atlantik als natürliche Klimaanlage zumindest nachts für angenehme Schlaftemperaturen, und jetzt am Morgen war es mit 23 °C noch gemütlich. Die Sonne knallte jedoch bereits mit verblüffender Kraft vom Himmel, und in der Luft konnte man spüren, dass es heute richtig heiß werden dürfte. Also schnell frühstücken und dann das aufgebockte Boot an Land bei der Fachfirma auf die beginnenden Arbeiten am Unterwasserschiff kontrollieren, bevor es so heiß wird, dass man sich besser nicht mehr im Freien aufhält!

Manolos Familie war längst munter. Er selbst war bei der Arbeit, die Kinder in der Schule, und seine sympathisch-mütterliche Frau versorgte mich mit einem kräftigen Frühstück, wie ich es liebe. Da sie gut Englisch beherrscht, gab es keinerlei Verständigungsprobleme. Als humorvoller Mensch scherzt auch sie als Hausmütterchen gern mit Gästen wie mir, sodass wir einiges zu lachen hatten und die Stimmung hervorragend war.

Noch einen guten Kaffee danach und im Freien dazu eine Kippe anzünden, beides genüsslich schlürfen und schmauchen – dann war ich bereit für den Tag. Das ziemlich geniale Tern Vektron P5i E-Klappbike war vollgeladen. Es schafft selbst mit einem 94-kg-Brocken als Fahrer locker 50 bis 100 km Reichweite. Das hängt natürlich stark von der Fahrweise, der eingestellten Unterstützungsstufe und dem Gelände ab. Radelt man ständig auf höchster Stufe bergauf, liegt man eher bei 50 km oder darunter. Bei normaler Fahrweise im Terrain rund um die Städte dieser Region sollten jedoch mindestens 75 bis 90 km drin sein – für längere Ausflüge also völlig ausreichend.


 

Von Manolos hübschem Uferhaus zum maritimen Dienstleistungszentrum mit all den Firmen, Travellifts, Werften und Landstellplätzen sind es gerade mal rund 2,5 km, die ich locker in etwa 10 Minuten schaffte. Dort war man längst fleißig: Das alte Antifouling wurde idealerweise durch sanftes Sandstrahlen komplett entfernt. Jetzt muss der Rumpf noch etwas abtrocknen, bevor es weitergeht, was bei der aktuellen Hitze schneller gehen dürfte. Die Werft misst vor dem ersten Primerauftrag selbstverständlich erst noch die Feuchte im Laminat. Sehr wichtig: Oberflächlich trocken reicht nicht, auch tief im Laminat muss die Restfeuchte komplett verdunstet sein!

Die typischen Abläufe für das komplizierte, fachgerecht aufzutragende, dafür aber bis zu über 10 Jahre Ruhe gebende Coppercoat sehen folgendermaßen aus:

Besonderheit: Coppercoat fürs Unterwasserschiff und warum das genial ist. Wenn es richtig ausgeführt wird, ist es für Bootsfahrer der absolute Traum:

  • Die Haltbarkeit: Statt jedes Jahr oder alle zwei Jahre den Kahn aus dem Wasser zu kranen und neues Antifouling zu streichen, hat man bei Coppercoat tatsächlich oft 10 bis 15 Jahre Ruhe.
  • Kein Schichtenaufbau: Es entstehen keine dicken, abblätternden Altschichten wie bei normalem Antifouling. Das Unterwasserschiff bleibt glatt.
  • Robuster Schutz: Da es sich um ein echtes Epoxidharz handelt, bietet es gleichzeitig einen fantastischen zusätzlichen Schutz gegen Osmose.

Wenn das alte Antifouling bis auf das nackte GFK (oder das gelbe/weiße Gelcoat) durch Strahlen entfernt wurde, darf Coppercoat niemals direkt auf das Gelcoat aufgetragen werden. Es braucht zwingend eine ordnungsgemäße Vorbereitung und eine geeignete Grundierung.

Wer sich diesen Kram schon mal angetan hat, weiß aus teurer Erfahrung: Lass es besser eine seriöse Fachfirma erledigen, wenn du nicht selbst ein mit Coppercoat erfahrener Facharbeiter bist. Und selbst dann, sind die Arbeitsabläufe als Einzelperson unmöglich korrekt einzuhalten.

Der korrekte Systemaufbau nach dem Strahlen:

1.     Reinigung & Trocknung: Nach dem Strahlen muss der Rumpf gründlich entstaubt und entfettet werden (ausschließlich mit Isopropanol, keinesfalls mit Aceton). Der Hersteller von Coppercoat (Aquarius Marine Coatings) warnt explizit davor, vor dem Anstrich Aceton oder sonstige lösungsmittel- beziehungsweise ölbasierte Reiniger auf dem blanken Rumpf zu verwenden. Für das Reinigen empfiehlt der Hersteller ausschließlich Isopropanol (oder klares Wasser), da Aceton Rückstände hinterlassen kann, die das Aushärten des Epoxids beeinträchtigen.

2.     Feuchtigkeitsmessung: Das Laminat muss absolut trocken sein. Wenn nach dem Strahlen Restfeuchte im GFK steckt und man sie mit Epoxid versiegelt, riskiert man spätere Osmoseblasen.

3.     Feinspachtel (falls nötig): Trockeneis- oder Sandstrahlen hinterlässt oft eine leicht raue Oberfläche oder legt kleine Lunker/Krater im Gelcoat frei. Diese werden mit einem 2-Komponenten-Epoxidspachtel plangezogen und beigeschliffen.

4.     Die Epoxid-Grundierung (Primer): Auf das blanke Gelcoat kommt mindestens eine, meist aber 1 bis 2 Schichten eines reinen 2K-Epoxidprimers (z. B. GELSHIELD 200 oder eine herstellereigene Epoxid-Grundierung). Warum? Dieser Primer dient als Haftvermittler für das Coppercoat und baut gleichzeitig eine wasserdichte Osmose-Sperrschicht auf.

5.     Auftrag von Coppercoat (nass-in-nass): Sobald die letzte Primerschicht den richtigen Aushärtungsgrad erreicht hat (oft noch leicht klebrig/»tacky« für eine optimale chemische Verbindung), werden die 4 Schichten Coppercoat in einem Arbeitsgang zügig hintereinander aufgetragen.

Coppercoat basiert zwar selbst auf einem Epoxidharz, ist aber durch den extrem hohen Kupferanteil (rund 84 %) hochgradig mit Metallpartikeln gefüllt. Es hat dadurch nicht dieselben kriechenden, abdichtenden und tiefenhaftenden Eigenschaften wie ein reiner, ungefüllter Epoxid-Sperrgrund.

Wird Coppercoat direkt auf das Gelcoat gerollt, drohen mittelfristig zwei Probleme:

  • Haftungsverlust: Das schwere Material kann sich großflächig abplatzen lassen.
  • Mangelnder Osmoseschutz: Es bildet für sich genommen keine verlässliche Dampfsperre gegen Feuchtigkeit.

Der Schlüssel für ein Coppercoat, das dann auch wirklich 10 bis 15 Jahre hält, liegt also fast mehr in der Epoxid-Basis als im Kupfer selbst.

Die harte Realität: Warum es oft schiefgeht

Coppercoat ist kein normales Antifouling, sondern reines Chemie- und Präzisions-Handwerk. Es verzeiht nicht den geringsten Fehler. Wenn es nicht funktioniert, hat man teuren Elektroschrott am Rumpf kleben, der wie eine normale GFK-Schicht fest am Boot sitzt und kaum noch runtergeht.

Da steht man dann mit der Kaffeetasse am Rumpf und denkt an die drei kritischen Phasen, warum du das unbedingt einer spezialisierten Fachfirma überlassen solltest:

1.     Die mörderische Vorbereitung (Der Untergrund): Das alte Antifouling muss zu 100 % runter, idealerweise durch sanftes Trockeneis- oder Sandstrahlen. Der Rumpf muss klinisch rein, staubfrei und absolut trocken sein. Wenn hier geschlampt wird, blättert das teure Coppercoat später flächig ab.

2.     Das Zeitfenster beim Auftragen (»Nass-in-Nass«): Coppercoat besteht aus Epoxidharz und reinem Kupferpulver. Es müssen meist 4 bis 5 Schichten aufgetragen werden. Das Tückische: Jede Schicht muss aufgetragen werden, wenn die vorherige Schicht angetrocknet, aber noch klebrig ist (chemische Verbindung). Ist die Werft zu langsam oder das Wetter zu heiß/feucht, verbinden sich die Schichten nicht. Das erfordert ein eingespieltes, großes Team, das wie am Fließband um deine Yacht herumjagt.

3.     Das »Aktivieren« (Der wichtigste Schritt): Nach dem Aushärten ist das Kupfer komplett im Epoxidharz eingeschlossen und wirkt überhaupt nicht. Erst kurz vor dem Zurücksetzen ins Wasser muss das gesamte Unterwasserschiff fein angeschliffen werden (meist mit 400er Körnung), bis die Oberfläche matt und kupferfarben wird. Erst durch dieses Anschleifen wird das Kupfer an der Oberfläche freigelegt, sodass es im Wasser oxidieren kann. Wird hier zu zaghaft oder zu wild geschliffen, funktioniert der Bewuchsschutz nicht.

Fazit & dringende Empfehlung: Macht das auf gar keinen Fall in Eigenregie! Such dir eine Fachwerft, die nachweislich schon Dutzende Boote erfolgreich mit Coppercoat beschichtet hat und dir eine Garantie auf die Funktion gibt.

 

Bei einer Hans Christian mit ihrem riesigen, tiefen S-Spant-Unterwasserschiff ist die Fläche gewaltig. Bei einer seriösen Fachfirma in Westeuropa musst du für eine HC-48T mit Gesamtkosten von ca. 9.500 € bis 13.500 € rechnen. Auf Sicht von 10 Jahren rechnet sich jedoch jeder Cent durch gesparte Kran- und Antifoulingkosten – ganz zu schweigen von dem Luxus, sich im Pazifik oder der Karibik kaum noch anstrengend um den Rumpf kümmern zu müssen, außer ihn ab und zu mal mit einem Schwamm beim Schnorcheln abzuwischen.

Die Kalkulation einer professionellen Werft teilt sich in drei große Blöcke auf:

1.     Das mörderische Vorarbeiten (ca. 3.500 € – 4.500 €): Das ist der zeitaufwendigste Posten. Das alte Antifouling muss rückstandslos runter, ohne das darunterliegende Gelcoat zu beschädigen. Eine gute Fachfirma macht das per Trockeneisstrahlen oder feinem Sand-/Sodastrahlen. Das kostet inklusive Entsorgung des Sondermülls bei dieser Schiffsgröße allein rund 3.000 € bis 4.000 €. Dazu kommen Hallenmiete und Kran-/Bockgebühren für die Standzeit.

2.     Das Material (ca. 2.200 € – 2.600 €): Coppercoat ist im Einkauf teuer. Ein Liter (bestehend aus wasserbasiertem 2K-Epoxidharz und 2 kg reinem Kupferpulver) kostet aktuell ca. 146 €. Ein Liter reicht für ca. 4 m² bei der empfohlenen Schichtstärke (4 bis 5 Anstriche nahtlos nass-in-nass). Für ca. 60 m² Rumpffläche benötigt die Werft folglich rund 15 bis 17 Liter-Kits Coppercoat. Das macht rein für das Coppercoat-Material rund 2.200 € bis 2.500 €. Hinzu kommen spezielle Epoxid-Primer als Haftvermittler/Sperrschicht (ca. 200–300 €).

o    Das Coppercoat-Problem an den Durchlässen: Es darf niemals direkt an die edlen Bronze-Ventile oder die Geber (Logge/Lot) herangepinselt werden, ohne dass dort sauber abgeklebt oder isoliert wird (Gefahr einer galvanischen Reaktion, wenn unterschiedliche Metalle im Spiel sind). Die Werft muss diese Bereiche penibel vorbereiten.

3.     Das Auftragen & Aktivieren (ca. 3.800 € – 6.400 €): Das ist der Punkt, an dem du für die Perfektion bezahlst. Weil Coppercoat »nass-in-nass« gerollt werden muss, braucht die Werft für eine 48-Fuß-Yacht mindestens 3, eher 4 Facharbeiter gleichzeitig, die im Akkord um das Schiff herumrennen, um die Trocknungszeiten penibel einzuhalten. Ebenso kalkuliert eine gute Firma das extrem wichtige maschinelle Anschleifen (Aktivieren) kurz vor dem Einkranen mit ein. Das sind viele Stunden hochpräzise Arbeitszeit.

Werft-Check: Slick Hull Yacht Services & Sales in Portimão

Ich kann folgenden Betrieb guten Gewissens empfehlen:

  • Offizieller Händler & Fachbetrieb: Slick Hull Yacht Services & Sales in Portimão ist offizieller, gelisteter Distributor und Fachapplikateur für Coppercoat in Portugal. Das ist der wichtigste Punkt, da sie direkten Zugriff auf den technischen Support des Herstellers haben und die exakten Mischungsverhältnisse kennen.
  • Hervorragende Reputation: Die Werft hält auf Google Maps eine makellose 5,0-Sterne-Bewertung bei fast 200 abgegebenen Rezensionen.
  • Spezifische Coppercoat-Erfahrung: In den Kundenbewertungen wird das Team um den Leiter Vasil explizit für seine hervorragende Arbeit bei der Coppercoat-Applikation gelobt. Kunden betonen, dass sie das Boot primär wegen dieses speziellen Anstrichs dorthin gebracht haben und das Ergebnis perfekt war.
  • Infrastruktur für die Vorarbeit: Da sie auch auf Sand- und Mineralstrahlen (Sandblasting/Mineral blasting) spezialisiert sind, bekommt man das restlose Entfernen des aktuellen Altanstrichs dort aus einer Hand und auf professionellstem Niveau.

Ist Coppercoat wirklich sicher für dein Boot und die Umwelt?

Ja, es ist absolut sicher – und in vielen Bereichen sogar umweltfreundlicher als herkömmliche Anstriche. Deshalb ist es in Deutschland, der restlichen EU, den USA und Australien auch völlig legal und uneingeschränkt zugelassen.

  • Sicher für die Umwelt: Klassische Antifoulings funktionieren durch »Ablaugung« (Ablativ). Sie waschen sich beim Fahren permanent ab und geben Giftstoffe direkt ans Wasser ab. Ein massives GFK-Schiff hinterlässt so Jahr für Jahr eine regelrechte Mikroplastik- und Chemiespur. Coppercoat hingegen wäscht sich laut Herstellerberichten so gut wie gar nicht ab. Das Kupfer oxidiert nur minimal an der Oberfläche, um Bewuchs zu verhindern, bleibt aber fest in der harten Epoxidharz-Matrix verankert. Zudem enthält es im Gegensatz zu alten Produkten keine organischen Co-Biozide (wie das verbotene TBT).
  • Sicher für dein Boot: Gerade für ein massives GFK-Boot ist das im Coppercoat enthaltene Kupfer absolut unbedenklich. (Wichtiger Hinweis: Nur bei Aluminium-Rümpfen wäre es eine Katastrophe, da Kupfer und Aluminium im Seewasser eine galvanische Zelle bilden und das Aluminium wegfressen würden. Bei GFK isoliert das Epoxidharz perfekt.)
  • Zusätzlicher Osmoseschutz: Weil Coppercoat auf einem echten, harten 2-Komponenten-Epoxidharz basiert, versiegelt es das Unterwasserschiff mechanisch. Es wirkt in Kombination mit der Epoxid-Grundierung wie ein doppelter Schild gegen Feuchtigkeit und schützt deinen Rumpf somit sogar aktiv vor Osmose.

So, genug von all dem technischen Coppercoat-Kram! Wer sich diesen Aufwand schon einmal angetan hat, weiß aus teurer Erfahrung: Lass es besser eine erfahrene Fachfirma erledigen, wenn du nicht selbst ein mit diesem Spezialanstrich vertrauter Facharbeiter bist. Und selbst dann sind die strammen Arbeitsabläufe als Einzelperson unmöglich korrekt einzuhalten.

Bis am Unterwasserschiff alles fachgerecht fertiggestellt ist, dürfte es wohl der 5. Oktober werden. Maria aus dem Büro der Werft versorgte mich wie gewohnt aufmerksam mit einem kräftigen Kaffee und einem kühlen Erfrischungsgetränk, während ich im Außenbereich eine Zigarette genoss. Auf dem Werftgelände herrschte reges Treiben. Bei bereits knapp 30 °C beobachtete ich, wie der mächtige Travellift gerade eine elegante, moderne Motoryacht – eine Absolute 56 – sanft aus dem Wasser hob und auf den Böcken abstellte.

 

»Extra starker Kaffee für den extra starken Capitão«, meinte Maria mit einem verschmitzten Lächeln, als sie mir den Becher überreichte. »Eine wirklich schöne, klassische Yacht hast du da drüben stehen.«

»Danke, Maria. Wenn du neugierig bist, zeige ich sie dir gern einmal von innen, sobald sie wieder im Arade-Fluss schwimmt«, erwiderte ich im selben augenzwinkernden Tonfall. Sie ist schließlich nicht nur kompetent in ihrem Job, sondern auch eine sympathische und attraktive Erscheinung.

»Sehr gern, das würde mich tatsächlich interessieren«, antwortete sie prompt. Bei dieser kleinen Zigaretten- und Kaffeepause verplauderten wir sicher noch ein angenehmes Viertelstündchen.

Anschließend schwing ich mich wieder auf das E-Klapprad und steuerte über die Ponte Velha, die alte Bogenbrücke direkt neben dem Werftgelände, über den Arade hinüber nach Portimão. Mein Ziel war die Farmácia Do Rio an der Largo Francisco António Maurício nº 5. Dort hatte ich vorab einige spezielle Präparate für die Bordapotheke geordert, die nachbestellt werden mussten und nun abholbereit lagen.

Eigentlich hatte ich mir Lust, danach noch etwas durch die Gassen von Portimão zu schlendern. Doch das Thermometer kletterte unaufhaltsam über die 30-Grad-Marke. Der schwache Wind aus West brachte keinerlei Abkühlung, sondern fühlte sich eher an wie die Luftschneise eines aufdrehenden Heizlüfters – und das noch vor der Mittagszeit. Selbst in meiner leichten Leinenkleidung kam ich spürbar ins Schwitzen. Bei den für den Nachmittag angekündigten 35 °C und mehr war mir das Pflastertreten dann doch kein Vergnügen.

 

Also radelte ich zurück zum Anwesen meiner Gastgeber. Das schneeweiß gekalkte Haus ist im traditionellen südländischen Stil mit dicken Mauern gebaut, sodass das Innere auch ohne Klimaanlage erstaunlich kühl bleibt. Das funktioniert natürlich nur, wenn man tagsüber bei der Affenhitze Türen und Fenster konsequent geschlossen hält. Selbstverständlich heizen sich auch solche Häuser irgendwann auf, wenn eine Hitzewelle wochenlang anhält. Doch solange es nur ein paar extreme Spätsommertage sind und das Atlantikklima nachts für Abkühlung sorgt, kühlen die Mauern verlässlichen wieder aus.

Nach der kurzen Rückfahrt erfreute ich mich drinnen an angenehmen 25 °C und nutzte die Gelegenheit für eine frische Dusche. Dank der Motorunterstützung des Klapprads war die Fahrt zwar kaum anstrengend gewesen, aber das heiße Wetter verlangte dennoch seinen Tribut und ich wae etwas verschwitzt. Bis zum Mittagessen um 14:00 Uhr arbeitete ich entspannt am Laptop. Draußen brütete inzwischen die vorhergesagte Hitze von 35 °C, während es im Haus bei knapp 26 °C wunderbar auszuhalten war.

Muttchen Mariana servierte uns dann eine regionale Spezialität: die portugiesische Variante der bekannten spanischen Kaltspeise Gazpacho, an der Algarve bekannt als Arjamolho, gereicht mit frisch gegrilltem Fisch und krustigem Brot. Portugal pflegt hier eine ganz eigene Kulinarik. Während die spanische Gazpacho meist samtig-fein püriert im Glas oder tiefen Teller auf den Tisch kommt, bleibt das Gemüse in der traditionellen portugiesischen Zubereitung komplett gestückelt.

Besonders im Süden des Landes – im Alentejo und an der Algarve – gehören zwei regionale Varianten fest zum Sommer:

1. Gaspacho Alentejano (Region Alentejo)

Im Binnenland des Alentejo wird das Gemüse – reife Tomaten, knackige Gurken sowie rote und grüne Paprika – zusammen mit Knoblauch von Hand in winzige Würfel geschnitten, niemals püriert.

  • Die Zubereitung: Das fein gewürfelte Gemüse wird mit eiskaltem Wasser, hochwertigem Olivenöl, kräftigem Weinessig, Salz und etwas getrocknetem Oregano angerichtet.
  • Das Brot: Altbackenes, festes Weizenbrot (wie das traditionelle Pão Alentejano) wird ebenfalls gewürfelt und direkt unter die kalte Suppe gemengt. Es saugt die Vinaigrette auf und verleiht dem Gericht eine angenehme Griffigkeit.

2. Arjamolho (Region Algarve)

Hier an der Küste heißt der kulinarische Zwillingsbruder Arjamolho. Die Zutaten sind weitgehend identisch, die Zubereitung unterscheidet sich jedoch in Nuancen:

  • Die Zubereitung: Ein Teil des Knoblauchs, des Oreganos und der Tomaten wird vorab im Mörser zu einer aromatischen Paste zerstoßen, bevor das restliche gewürfelte Gemüse und eisgekühltes Wasser hinzugefügt werden.
  • Typische Beilage: Während die Suppe im Alentejo oft als eigenständige Mahlzeit gereicht wird, dient der Arjamolho an der Algarve als klassische Begleitung zu gegrillten Sardinen (Sardinhas Assadas) oder anderem Fisch. Die feine Essigsäure und das frische Gemüse schneiden wunderbar durch das Fett des gegrillten Fisches.

Wer die spanische Variante schätzt, aber Lust auf etwas mehr Textur und Kräuteraroma hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Die Kombination aus dem heißen, kross gegrillten Fisch und der eiskalten Suppe schmeckte hervorragend. Als weitere Beilage gab es Batatas Cozidas. Das klingt im ersten Moment spektakulärer als es ist – es handelt sich schlicht um gekochte Salzkartoffeln. Allerdings nehmen sie in der portugiesischen Küche eine wesentlich zentralere Rolle ein als in Mitteleuropa.

 

Was macht Batatas Cozidas zum Fisch so besonders?

  • Kochen mit Schale: Traditionell verwendet man kleinere, festkochende Kartoffeln, die mit der Schale im Salzwasser gar gekocht werden (oft auch als Batatas a Murro zubereitet, wenn sie danach leicht angequetscht werden). Das Meersalz im Kochwasser verleiht ihnen ein kräftiges Eigenaroma.
  • Das Finish bei Tisch: Die heißen Kartoffeln werden auf dem Teller halbiert oder leicht zerdrückt und reichlich mit gutem, nativem Olivenöl (Azeite) beträufelt. Oft gibt man noch fein gehackte Zwiebeln, Knoblauch oder frische Petersilie darüber.
  • Die Geschmackskombination: Die heiße Kartoffel nimmt das Öl und den salzigen Saft der gegrillten Sardine auf. Zusammen mit dem kühlen, säuerlichen Arjamolho entsteht ein perfektes Zusammenspiel für heiße Sommertage.

Ein klassischer portugiesischer Sommerteller sieht also folgendermaßen aus:

1.     Einige kochend heiße, frisch über Holzkohle gegrillte Sardinen.

2.     Ein paar Batatas Cozidas, beträufelt mit Olivenöl.

3.     Ein zünftiger Schöpflöffel des eiskalten Arjamolho, entweder in einer separaten Schale serviert oder direkt über die Kartoffeln gegeben.

Zu dieser Mischung passt hervorragend ein spritziger, säurebetonter Wein, der den Gaumen erfrischt – allen voran ein junger Vinho Verde. Der Quinta da Aveleda Vinho Verde ist hierfür ein verlässlicher Vertreter, den man gelegentlich auch in gut sortierten mitteleuropäischen Märkten findet. Für heiße Tage ist das eine leichte, schmackhafte Mahlzeit, die lange satt macht.

Als Abrundung gab es Pastel de Nata zusammen mit einer Bica – dem unsterblichen Dessert-Klassiker Portugals. Diese Blätterteigtörtchen mit Puddingfüllung passen einfach immer. Knuspriger Teig trifft auf eine cremig gebackene Vanille-Ei-Füllung, die vor dem Servieren mit etwas Zimt und Puderzucker bestreut wird. Man genießt sie lauwarm zusammen mit dem starken portugiesischen Espresso. Der dichte, bittersüße Kaffee balanciert die Süße des Gebäcks aus und vertreibt die Trägheit nach dem Essen.

Bei Tisch ging es in dieser humorvollen Runde ähnlich lebhaft zu, wie mit meiner Crew zuvor. Es wurde geplaudert, gescherzt und die eine oder andere Fopperei ausgetauscht. Gute Gespräche erkennt man schließlich daran, dass man sich gegenseitig schlagfertig aufziehen kann, ohne dass gleich jemand eingeschnappt reagiert.

So delikat gesättigt – ich gestehe, wieder einmal etwas mehr zugelangt zu haben, als der reine Hunger erfordert hätte – wäre etwas Bewegung eigentlich angebracht gewesen. Die Familie, allen voran Mutter Marijana, amüsierte sich köstlich über meinen gesunden Appetit und die von mir verputzten Mengen. Bei inzwischen 37 °C Außentemperatur stand mir der Sinn allerdings nicht nach einem Spaziergang oder Sport im Freien. Ein Fitnessraum war im Haus zwar nicht vorhanden, aber Gymnastik funktionieren schließlich überall. Tochter Emilia schloss sich spontan an, und so absolvierten wir eine gute halbe Stunde lang ein kleines, körperliches Programm.

Manolo hat durch seine Arbeit als Kleinunternehmer ohnehin ausreichend körperliche Betätigung; die ohnehin mütterlich-füllige Marijana hält sich beim Essen lieber etwas zurück, und die beiden jüngeren Kinder ließen sich von der Hitze ohnehin nicht bremsen. Kaum war der letzte Bissen geschluckt, verschwanden sie nach draußen zu ihren Freunden, um im Viertel herumzutoben – genau das Richtige für dieses Alter und allemal besser, als stundenlang vor einer Spielekonsole zu hocken.

Emilia zeigte sich im Umgang keineswegs mehr so spröde zurückhaltend wie zuvor, sondern begegnete dem weitgereisten, faszinierend fremden Gentleman Captain mit einer charmant-koketten Note. Es war diese feine, bewusst eingesetzte Zurückhaltung, mit der junge Frauen gern ihre Wirkung austesten.

Sie ist vielleicht keine auffällige Schönheit im klassischen Sinne, aber ausgesprochen hübsch, von hoher, schlanker Statur mit einer Figur wie aus dem Modekatalog. Wie ich inzwischen erfuhr, ist sie auch kein Teenager mehr; da hatte ich bei der ersten Vorstellung etwas missverstanden. Auch in der eher traditionell geprägten Provinz ist die jüngere Generation längst selbstbewusst unterwegs. Emilia hat fraglos ihre Verehrer, flirtet gern und weiß ihren Charme geschickt einzusetzen. Hinter der bescheidenen Art steckt eine aufgeweckte junge Frau, die recht genau weiß, was sie möchte, auch von Männern.

Ich stieg schmunzelnd auf ihre leicht verführerischen Versuche ein, den gestandenen Mann ein bisschen aus der Reserve zu locken. Es ist schließlich ein vertrautes Spiel, das ohne tiefere Hintergedanken einfach aus Neugierde und Spaß an solchen weiblichen Spielchen entsteht. Natürlich gilt ihr Hauptinteresse wohl eher Gleichaltrigen, aber das Austesten der eigenen Ausstrahlung an einem erfahrenen, distinguierten Gentleman, gehört in diesem Alter bei Vielen einfach dazu. Ein amüsanter Zeitvertreib an einem drückend heißen Nachmittag an der Algarve.

Tatsächlich bewegte sich Emilia dabei nur in einem dünnen, weißen Slip und einem ebenso zarten Top – worunter sie unübersehbar nichts weiter trug –, barfuß und grazil auf diese ganz eigene, verlockend weibliche Art. Aber stets so, als wäre ihr gar nicht bewusst, welch reizvolle Anblicke sie meinen genießenden Männeraugen bot – was natürlich nur gespielt war. In Wahrheit beobachtete sie meine Reaktionen darauf sehr genau und war sich völlig im Klaren darüber, wie anziehend sie als attraktive junge Frau wirken musste.

Nun, als erfahrener Fotograf weiblicher Schönheit, der schon mit vielen jungen Models gearbeitet hat, kenne ich mich mit solchen Spielchen natürlich bestens aus. Und ich gebe auch gern zu – was schließlich völlig normal ist –, dass mir ihr Anblick Freude bereitete und sie mir gefiel. Dieses ewige Spiel zwischen den Geschlechtern macht halt einfach Spaß, und wenn man sich sympathisch ist und es ein wenig kribbelt, umso mehr.

Aber eines ist auch klar: So etwas tun weibliche Wesen selten völlig ohne Hintergedanken. Deshalb wunderte es mich kein bisschen, als Emilia bald darauf nachfragte:

»Du, sag mal, du bist doch auch Profi-Fotograf und sehr erfahren mit Models, oder?«

»Ja, gewiss. Weshalb fragst du?«, ahnte ich schon, worauf sie hinauswollte, ließ mir aber nichts anmerken.

»Weil… also wenn du mich als Solcher anschaust: Würdest du sagen, ich wäre hübsch genug und geeignet als Model?«, fragte sie und sah mir selbstbewusst mit neugierigen, leicht verlockenden Augen direkt in die meinen.

»Ach komm, Emilia, jetzt tu nicht wie ein unerfahrenes, naives Mädchen!«, schmunzelte ich amüsiert über dieses Gespräch, das ich in meiner Laufbahn schon häufiger in sehr ähnlicher Art und Weise geführt habe. »Ein Blick in den Spiegel genügt, damit du weißt, wie hübsch du bist und was für eine tolle Figur du hast. Du bist viel zu clever, um das nicht ganz genau zu wissen!«

»Stimmt…«, lachte sie über sich selbst. »…aber wann trifft ein Girl wie ich schon mal auf einen so erfahrenen Vollprofi wie dich? Deshalb war und bin ich einfach neugierig auf deine objektive Einschätzung – sowohl als Fotograf wie auch als Mann.«

»Verstehe…«, meinte ich und ging ans Fenster, um mir eine Kippe anzuzünden, während sie sich verflixt fotogen, sogar ein klein wenig lasziv auf einer Liege mit weißer Überzugsdecke platzierte. Mit ihrer südländisch gebräunten Haut, den dunkel- rötlichbraunen Haaren und der hauchdünnen weißen Kleidung wirkte sie in dieser Pose sehr reizvoll. »…also ganz objektiv und ehrlich: Ja, du bist sehr attraktiv, ausgesprochen fotogen, hättest mit deiner Körpergröße beste Voraussetzungen und – hoho – ja, auch als Mann gefällt mir der Anblick außerordentlich. Möchtest du denn Model werden?«

 

»Não, não, Capitão... nicht wirklich! Ich will studieren«, antwortete sie mit festem Blick. »Es reizt mich einfach, mich mal auszuprobieren und schöne, sexy Aufnahmen von mir machen zu lassen. Du weißt schon: einfach um zu erleben, wie das ist. Und wenn ich irgendwann alt und grau bin, kann ich mir anschauen, wie jung und schön ich einmal war.«

»Das verstehe ich gut; diesen Wunsch haben viele junge Frauen«, lächelte ich verständnisvoll, woraufhin wir uns noch länger und auch ernsthaft darüber unterhielten.

Für die rund zehn Tage meines Aufenthalts sprach im Grunde nichts dagegen, mit Emilia Shootings zu machen – im Gegenteil, es wäre eine willkommene kreative Abwechslung. Doch als Gast im Haus einer einheimischen Familie, selbst wenn die Eltern sehr tolerant sind, ist es etwas diffizil und erfordert es Fingerspitzengefühl, mit der Tochter ästhetisch-reizvolle Fotos zu machen; auch wenn diese volljährig ist und selbst entscheiden darf. Deshalb bestand ich darauf, ein solches Projekt nur dann umzusetzen, wenn ihre Eltern damit einverstanden sind.

Wir schossen deshalb gleich ein paar Probeaufnahmen – und ja, Emilia besitzt definitv ein natürliches, sehr fotogenes Talent vor der Kamera. Diese Bilder kann sie nun ihren Eltern zeigen, um mit ihnen zu besprechen, ob sie Einwände haben. Selbstverständlich ging es hier nicht um Aktaufnahmen, sondern um geschmackvolle, weiblich-attraktive, leicht sexy Fotos, wie sich moderne junge Frauen heutzutage ganz selbstverständlich sowieso gern zeigen.

Am Abend überlegte ich kurz, noch zum Essen ausgehen, entschied mich dann aber für ein gemütliches Ausklingen im Haus und auf meinem Gästezimmer. Ich erledigte noch einige Dinge online am Laptop, schrieb unter anderem an diesem Blog und unternahm bei mittlerweile sehr angenehmen 25 °C noch einen ausgiebigen Spaziergang. Dieser führte mich zunächst am Flussufer und der romantisch beleuchteten Uferpromenade entlang und anschließend durch die malerischen Dorfgassen.

Schließlich kehrte ich noch für eine halbe Stunde in die nette Bar Os Três Macacos in der R. Vasco da Gama 18 ein, die ich bereits bei meinem letzten Aufenthalt beschrieben hatte. Ich traf sogar ein paar bekannte Gesichter wieder. Nach ein paar heiteren Gesprächen und bester Stimmung, kehrte ich kurz nach Mitternacht zurück und legte mich zufrieden schlafen.

 

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Portugal. Ferragudo, Abschied und vorläufige Landunterkunft

 

#26.09.23 – Portugal. Ferragudo, Abschied und vorläufige Landunterkunft

»Ach je, jetzt werde ich doch ein bisschen traurig«, seufzte Bella, während wir uns im Bad fertig für einen Landgang und den baldigen Abschied machten.

Am Vormittag waren wir in den Rio Arade eingelaufen und ankerten zunächst nahe dem linken Flussufer, wo sich das hübsche Fischerdorf Ferragudo an der östlichen Seite entlangzieht. Quasi schräg gegenüber auf der Westseite liegt am rechten Flussufer das bekanntere Städtchen Portimão. Beim letzten Aufenthalt hier erwähnte ich bereits, dass diese Region mit den ganzen maritimen Firmen rund um die Werften und Marinas ein bei vielen Seglern äußerst beliebter Anlaufpunkt ist.

Hier gibt es alles, was nicht nur Yachten benötigen, sondern auch die Fischerboote und die Küstenschifffahrt: einschließlich Kräne, Travellifts und vieler Stellplätze an Land für anstehende Bootsarbeiten, betreut von überwiegend sehr kompetenten Fach- und Servicefirmen. Hier soll das Unterwasserschiff der Globetrotter einen neuen Coppercoat-Anstrich bekommen, bevor es weiter nach Süden geht. Das sachgerechte Auftragen und spätere Aktivieren von Coppercoat ist ein anspruchsvoller, diffiziler Prozess. Das erfordert hochkonzentrierte Arbeit über 5 bis 10 Tage von echten Fachleuten, die damit reichlich Erfahrung haben. Hier vor Ort gibt es eine solche Firma, mit der ich bereits gute Erfahrungen gesammelt habe. Doch dazu später mehr.

 

Jetzt packten erst einmal Kasha, Bella und Sascha ihre Sachen zusammen, denn sie werden noch heute abreisen, um sich daheim um ihre Privatangelegenheiten zu kümmern. Das machte uns natürlich alle ein bisschen traurig – waren wir doch eine wirklich tolle Crew und hatten massig Spaß miteinander.

Insbesondere Sascha würde zu gern für längere Zeit an Bord bleiben und dauerhaft mitsegeln, was mir sowohl menschlich als auch in Bezug auf seine umfassenden Segler- und Technikfähigkeiten sehr willkommen wäre. Doch wie das für »Normalbürger« mit Jobs und Verpflichtungen an Land nun mal so ist, können die drei nicht einfach so wochen-, monate- oder gar jahrelang auf einem Segelboot unterwegs sein. Daher ist vorerst unklar, ob und wann sie wieder an Bord kommen können. Hochwillkommen wären mir alle drei jederzeit.

»Jetzt schuldest du uns aber erst einmal Einlaufdrinks und ein tolles Abschiedsessen, haha!«, lachte Frechdachs Kasha. Nachdem wir das Boot aufgeklart hatten, setzten wir an Land über und machten zunächst einen ausgiebigen Spaziergang.

»Ja… aber nur, wenn ich auch viele, sehr viele Abschiedsküsschen bekomme, hoho«, konterte ich, woraufhin Sascha sofort breit grinsend einwarf:

»Aber hoffentlich nicht von mir!« Darüber lachten wir am meisten und vertrieben mit solchen typischen Blödeleien die leicht melancholische Abschiedsstimmung.

»Abgemacht, Deal!«, kicherte Kasha gespielt mädchenhaft und hob ihre Hand zum High Five und unsere Pfoten klatschten lachend gegeneinander.

Übrigens herrschten hier Ende September geradezu hochsommerliche Wetterverhältnisse mit Temperaturen von über 30 Grad im Tagesverlauf, viel strahlendem Sonnenschein und dem typischen, angenehmen Atlantikklima. Soll heißen: Nachts kühlt es deutlich auf unter 20 Grad ab, wodurch man wunderbar ohne Klimaanlage schlafen kann. Kurz vor 10 Uhr hatten wir angenehme 23 Grad und nutzten die Zeit für einen ausführlichen Spaziergang entlang des Ufers bis zu den Molen an der Flussmündung.


 

Nur wenige Minuten nach der Öffnung um 12 Uhr trafen wir uns mit Manolo im Restaurant Sueste - Vinhos e Petiscos direkt am Kai in der Rua Infante Santo 92. Manolo ist ein kleiner lokaler Unternehmer, Bekannter und Seglerfreund mit eigenem Boot, den ich bei meinem letzten Aufenthalt hier kennengelernt habe. Er saß drinnen im Lokal und scherzte mit dem ihm offensichtlich gut bekannten Personal. Wir setzten uns zunächst zu ihm, wechselten später zum gemeinsamen Schlemmen aber auf die Außenterrasse, um das herrliche Wetter und die Aussicht über den Fluss auf Portimão zu genießen.

Eines seiner Geschäfte ist die Vermietung von zwei Gästezimmern im Stil einer kleinen Pension in seinem Wohnhaus. Dort wollte ich unterkommen, während das Boot ab morgen mit dem Travellift an Land gehoben wird, um die fachgerechte Behandlung des Unterwasserschiffs durchzuführen. Er ist ein sympathischer Familienvater mit drei Kindern, aber definitiv auch ein Mann, der sich locker am Plaudern, Scherzen und unverbindlichen Flirten mit charmanten Schönheiten wie Bella und Kasha erfreut.

Den beiden zu widerstehen, ist für Männer ohnehin so gut wie unmöglich. Prompt ließen sie sich vergnügt auf das ewige Spiel zwischen den Geschlechtern ein. Da Manolo selbst ein charmanter Typ ist, nahezu perfektes Englisch beherrscht und viel Humor mitbringt, machte das allen Beteiligten richtig Spaß. Er ist schlicht ein freundlicher, hilfsbereiter Kerl, mit dem man sich gerne anfreundet.

Zum Sueste - Vinhos e Petiscos lässt sich sagen: Sie halten auf Google einen guten Schnitt von 4,3 Sternen – was mehr als ausreichend für delikates Schlemmen ist. Nach unserer heutigen Erfahrung würde ich ihnen sogar exzellente 4,5 Sterne zuerkennen. Zwei Rezensionen bringen es sehr gut auf den Punkt:

»Wir entdeckten dieses wunderschöne Restaurant eher zufällig bei einem Bummel durch die Straßen dieser charmanten Stadt. Abseits des Trubels der Touristenhochburgen gelegen, bietet dieses versteckte Juwel ein kulinarisches Erlebnis für ein anspruchsvolles Publikum. Die Küche ist wunderbar authentisch: Man wählt seinen frischen Fisch selbst aus, der dann direkt neben dem Restaurant fachmännisch gegrillt wird. Service und Ambiente waren absolut makellos, und Simona tat alles, um uns herzlich willkommen und bestens betreut zu fühlen. Als krönender Abschluss eines gelungenen Abends bietet jeder Tisch einen ungestörten Blick auf den Sonnenuntergang. Absolut empfehlenswert.«

»Das Sueste war eines unserer schönsten kulinarischen Erlebnisse an der Algarve! Die Lage ist einfach traumhaft, direkt neben dem charmanten Fischerhafen von Ferragudo, mit einem wunderschönen Sonnenuntergang und Blick über das Wasser nach Lagos. Der gegrillte Wolfsbarsch war perfekt zubereitet – frisch, aromatisch und eines der besten Fischgerichte, die wir in Portugal gegessen haben. Die Vorspeisen waren köstlich, die Sangria hervorragend und der Service den ganzen Abend über freundlich, aufmerksam und professionell. Die Kombination aus exzellentem Essen, atemberaubender Aussicht und entspannter Atmosphäre am Wasser machte das Abendessen unvergesslich. Wir kommen bei unserem nächsten Portugalbesuch auf jeden Fall wieder!«

Die erwähnte Simona übernahm auch den Service an unserem Tisch. Das Personal ist durchweg freundlich, flott und gut ausgebildet. Was aus der Küche kommt, ist perfekt zubereitet, gut gewürzt und wird in ziemlich üppigen Portionen aufgetischt. Lage und Ambiente sind überaus angenehm, man fühlt sich auf Anhieb wohl. Preislich gehört das Haus zur gehobenen Kategorie, was es durch Service und Küche jedoch vollkommen verdient; schlemmt man ausführlich inklusive guter Weine, sollte man etwa 35 bis 60 Euro pro Person einplanen. Man kann aber auch schon für 15 bis 20 Euro lecker satt werden. Geöffnet ist täglich von 12:00 bis 22:00 Uhr. Definitiv ein sehr empfehlenswertes Restaurant für alle, die Wert auf klassische gastronomische Tugenden, gekonnten Service und eine ausgezeichnete Küche legen.

»Oh man, diese südländische Gastronomie und all das superleckere Futter werde ich im kühlen Norden noch mehr vermissen als unseren Skipper, haha!«, lachte Kasha frech wie immer und knuffte mich zärtlich in die Seite.

»Ja, ehrlich, allein das wäre es wert, bald wiederzukommen!«, zwinkerte Bella und drückte mir ein ziemlich erotisches Küsschen auf die Wange.

»Agora estou a ficar um pouco com inveja do feliz Capitão Steve«, entfuhr es Manolo breit lächelnd auf Portugiesisch, bevor er sich korrigierte und auf Englisch übersetzte: »Jetzt werde ich ein bisschen neidisch auf den glücklichen Kapitän Steve.«

»Wenn du mir einen angemessenen Preis bietest, überlasse ich dir meine weibliche Crew vielleicht für einen sexy Törn, hoho«, gluckste ich als Konter.

»Hört euch den Schuft an! Jetzt verleiht er uns schon wie Sklavinnen!«, taten Kasha und Bella gespielt empört. Natürlich kassierte ich dafür sofort bestrafende Knuffe von beiden Seiten. Verflixt, wieso hatte ich mich auch genau zwischen die beiden gesetzt?

»Ich fürchte, dazu müsste ich meinen gesamten Besitz verkaufen, sonst könnte ich mir so schöne und charmante Mulheres gar nicht leisten«, zwinkerte Manolo vergnügt und versuchte, typisch Mann, den einen oder anderen tiefen Blick in die Dekolletés der sommerlich gekleideten Schönen zu erhaschen.

Nach der ausgiebigen Schlemmerorgie, die auf südländische Art nicht nur als Nahrungsaufnahme diente, sondern als soziales Erlebnis zelebriert wurde, hieß es bald Abschied nehmen.

Der VAMUS-Aerobus der Linie 56 fährt mehrmals täglich vom Busbahnhof Portimão Terminal Rodoviário direkt zum Faro International Airport. Die Fahrtdauer beträgt etwa 1 Stunde und 15 bis 40 Minuten zu einem Preis von ca. 6 bis 17 Euro. Abfahrten gibt es je nach Saison ungefähr alle 3 bis 4 Stunden. Dorthin brachte uns freundlicherweise Manolo mit seinem Großraum-Van, der reichlich Platz für das Gepäck der drei bot.

 

Wir veranstalteten kein großes Abschiedsdrama: Bella und ich küssten uns noch sehr innig, Kasha überhäufte mich, wie versprochen, mit süßen Küsschen und rieb dabei extra frech ihre entzückenden, gertenschlanken Formen an meiner Bärenstatur. Sascha und ich begnügten uns mit einer kräftigen, freundschaftlichen Männer-Umarmung. Schnell war das Gepäck im Bus verstaut, die drei stiegen ein und kurz darauf fuhr der Bus ab.

Vom Flughafen Faro gibt es auch zu dieser Jahreszeit etliche Direktflüge nach Mitteleuropa, denn die malerische Algarve ist nicht nur im Hochsommer ein beliebtes Reiseziel. Während ich noch eine Zigarette rauchte und wir dem abfahrenden Bus hinterherwinkten, sprachen Manolo und ich bereits über die Unterbringung bei ihm und seiner Familie.

Sie bewohnen ein hübsches, sehr sauberes und gepflegtes Stadthaus direkt am Flussufer, gar nicht weit vom Sueste. Manolos sehr mütterliche, sympathische Frau hält es drinnen tiptop in Schuss, während er und die drei Kinder im Alter von 12 bis 17 Jahren sich vor allem um das äußere Erscheinungsbild kümmern, oder auch der Mutter drinnen helfen. Zwei der Kinder waren unterwegs, das dritte und die Mutter begrüßten mich herzlich. Alle sprechen mehr oder weniger gutes Englisch.

Zusätzlicher Vorteil: Nur wenige Schritte entfernt am Uferkai gibt es Anlegeplätze für kleine Boote der Einheimischen, wo ich das Beiboot der Globetrotter sicher festmachen kann. Zusammen mit meinem mitgenommenen E-Klappbike bin ich damit an Land und auf dem Wasser völlig unabhängig mobil. Bei dem schönen Wetter ist das für den näheren Umkreis vollkommen ausreichend, ohne einen Mietwagen nehmen zu müssen.


 

Vom gemütlichen Gästezimmer und der kleinen Dachterrasse aus habe ich eine schöne Aussicht auf den Fluss und das gegenübergelegene Portimão. Die zwei Gästezimmer teilen sich zwar ein Bad, was mich jedoch nicht weiter stört – momentan ohnehin nicht, da das andere Zimmer unbelegt ist. Ein hübscher Hinterhofgarten und die sehr malerisch mit Bougainvillea bewachsenen Gassen sorgen zusätzlich für Wohlfühlatmosphäre. Im Ort findet man alles, was man braucht: Geschäfte, Lebensmittelläden, Restaurants und viele freundliche Menschen.

Wer sich in Portugal generell solche preiswerten und guten Unterkünfte mit Familienanschluss suchen möchte, sollte auf folgendes achten: An vielen echten Privatunterkünften und Pensionen hängen blaue Schilder mit der offiziellen Registernummer AL (für Alojamento Local). Siehst du eine solche Acryl-Tafel mit Kontaktdaten, weißt du sofort, dass der Betrieb legal registriert ist und die Sicherheits- sowie Hygienestandards erfüllt. Man kann dann direkt vor Ort nach einer Besichtigung und den Konditionen fragen.

Gerade in Ferragudo gibt es entlang der Gassen am Hang etliche traditionelle Fischerhäuser, deren Eigentümer einzelne Zimmer oder Einliegerwohnungen vermieten.

Drei praktische Tipps, wie man am schnellsten fündig wird:

  • Einfach anklopfen oder anrufen: Auf vielen dieser AL-Schilder steht direkt eine Telefonnummer. Oft wohnen die Vermieter im selben Haus oder gleich nebenan. Ein kurzes »Olá, tem quarto vago?« öffnet meist sofort Türen.
  • Die Gastro-Mundpropaganda nutzen: Frag am besten in einer der kleinen, von Einheimischen geführten Tascas oder Cafés rund um den Praça Rainha Dona Leonor (den Hauptplatz unten am Hafen). Das Personal oder die Stammgäste wissen fast immer sofort, wer in den oberen Gassen Zimmer frei hat.
  • Persönlicher Vorteil: Da man vor Ort ist und direkt bucht, umgeht man die Provisionsgebühren der großen Buchungsportale. Die Vermieter sparen Geld und geben im direkten Gespräch fast immer einen deutlich besseren Preis ab.

Die meisten dieser Häuser sind zwar alt, aber mit sichtbarem Besitzerstolz sehr gepflegt und mit moderner Technik ausgestattet. Beispielsweise gibt es einen riesigen Smartscreen-TV und einen 50-Mbit/s-Online-Anschluss in meinem Zimmer. Letzteren nutzt zwar das ganze Haus, und wenn mehrere Gäste gleichzeitig streamen, müssen sie sich die Bandbreite teilen, doch für die normale Nutzung genügen 50 Mbit/s völlig. Ich selbst benötige zum Online-Arbeiten und selbst beim Streamen selten mehr als 4 bis 6 Mbit/s. Ergo können 5 bis 8 Personen mit dieser Bandbreite problemlos klarkommen – vorausgesetzt, es lädt nicht gerade jemand parallel riesige Datenmengen herunter.

Nachdem ich ausreichend Privatsachen für bis zu 10 Tage an Land und in mein Zimmer geschafft hatte – wobei mir Manolo und eines seiner Kinder halfen –, waren diese natürlich sehr neugierig auf die als Fahrtenyacht ausgestattete Hans Christian 48T. Gern zeigte ich ihnen alles und dann schipperten wir auch gleich zu dem maritimen Dienstleistungszentrum, wo das Boot noch am selben Abend aus dem Wasser gehoben und an Land gestellt wurde. Mit den eigentlichen Arbeiten wird die seriöse Fachfirma frühestens übermorgen beginnen können, da das sachgerechte Auftragen von Coppercoat ein komplizierter, diffiziler Vorgang ist, der Rumpf zunächst gut austrocknen muss und alle Arbeitsschritte exakt eingehalten werden müssen.

 

Für Interessierte werde ich im nächsten Blogbeitrag noch genauer darauf eingehen. Doch jetzt mache ich erst einmal Schluss, denn ich habe noch ein paar Dinge zu erledigen. Aktuell bin ich ja allein und kann keine Aufgaben an die Crew – insbesondere an den mit Booten sehr erfahrenen Sascha – delegieren. So sehr ich die Truppe mochte und so viel Spaß wir hatten: Ich freue mich trotzdem auch ein bisschen auf die Ruhe allein. Dass ich mich für Manolos Unterkunft entschieden habe, statt offiziell irgendetwas anonymes anzumieten, freut mich ebenfalls sehr.

Am Abend genoss ich mit der Familie ein einfaches, aber sehr leckeres Abendessen und hatte mit den Leuten fast genauso viel Spaß wie mit der Crew. Die Kinder waren reizend, und eine richtig hübsche Teenagertochter haben sie zudem. Sie gab sich zwar etwas spröde-zurückhaltend, doch durchschaute ich sie fast sofort als in Wahrheit auch ein bisschen freche freche, flirtbereite junge Frau mit definitiv gesteigertem Interesse am männlichen Geschlecht generell – und dem beeindruckenden Gentlemen- Capitão Steve ebenso. schmunzel

Den Rest des Abends verbrachte ich online am Laptop, um diverse Routinearbeiten zu erledigen, darunter ein paar Videochats mit geschäftlichen und privaten Freunden. Kurz vor Mitternacht fiel ich frisch geduscht in das große, gemütliche Gästebett mit einer hervorragenden Matratze. Salzige, etwa 18 Grad kühle und nach Bougainvillea duftende Luft strömte durch meine zwei leicht geöffneten Fenster. So schlafe ich am liebsten und besten – Klimaanlagen mag ich bekanntlich gar nicht und schalte sie nur ein, wenn es sonst wirklich zu heiß oder schwül für einen angenehmen Schlaf ist.

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