#26.05.11 – Griechenland, Korfu, Flug, Ankunft und Umweltgedanken
Seit vergangenem Samstag-Nachmittag befinden wir uns nun schon an diesem absolut zauberhaften Ort und lassen uns von der herrlich milden Mittelmeerluft umschmeicheln, die den griechischen Frühling so unvergleichlich macht. Es ist diese ganz spezielle Zeit des Jahres, in der die Hitze noch nicht drückend ist, sondern wie eine sanfte, warme Decke wirkt, die sich über die Insel legt.
In diesem Fall genieße ich die Idylle nur mit Marina an meiner Seite. Sie hatte das große Glück, sich kurzfristig vom Studium freimachen zu können, und die Aussicht auf ein paar Tage unter der korfiotischen Sonne ließ sie nicht eine Sekunde zögern. Der Rest unserer lustigen Bodensee-Clique schaute leider in die Röhre; berufliche Verpflichtungen, dringende Projekte und unaufschiebbare Termine machten es den Freunden unmöglich, sich uns anzuschließen. Das war zwar einerseits schade, weil wir in der Gruppe immer eine Menge Spaß haben, aber andererseits verlieh es unserem Trip von Anfang an eine deutlich intimere, fast schon knisternde Note.
»So, so, du bist also Geschäftsmann, Fotograf, Gentleman-Casanova, Boots-Kapitän und jetzt auch noch ein echter Flugzeug-Pilot?« Marina zog die wohlgeformten Augenbrauen hoch und schenkte mir einen jener Blicke, die irgendwo zwischen amüsierter Skepsis, neckischer Provokation und echter Bewunderung schwankten.
Während sie das sagte, schlängelte sie sich mit jener katzenhaften Grazie, die ihr eigen ist, auf den Copiloten-Sitz unserer kleinen Maschine. Ihr Outfit war, wie man es von ihr gewohnt ist, gleichermaßen sexy wie strategisch klug gewählt: Ein verdammt kurzer Minirock aus hellem Stoff und ein luftiges, weit ausgeschnittenes Shirt, das bei jeder ihrer geschmeidigen Bewegungen interessante, tiefe Einblicke gewährte. »Ganz schön beeindruckend, Steve! Gibt’s eigentlich irgendwas auf dieser Welt, das du nicht kannst?« stichelte sie weiter, während sie sich im engen Cockpit zurechtfand und dabei ihre langen Beine sortierte.
»Aber sicher doch, jede Menge sogar!« erwiderte ich schmunzelnd, während ich versuchte, meine eher massige Bärenstatur wesentlich weniger elegant auf den Pilotensitz zu manövrieren. In der engen, technisch hochgerüsteten Kapsel der Eclipse 550 ist das für einen Mann meiner Statur jedes Mal aufs Neue eine kleine Herausforderung an die körperliche Gelenkigkeit und das räumliche Vorstellungsvermögen.
Bei diesen Maschinen handelt es sich um extrem flotte, kleine Minijets, die von ihren äußeren Dimensionen her kaum größer bemessen sind als ein gewöhnliches viersitziges Sportflugzeug mit Propellerantrieb. Das Faszinierende an der modernen Technik dieser sogenannten Very Light Jets ist ihr erstaunlich effizienter Verbrauch, der sich in Regionen bewegt, die man eher von einem luxuriösen Oberklasse-Auto auf einer schnellen Autobahnfahrt kennt.
Da ich für dieses spezifische Modell eine Zulassung besitze und mein persönliches Flugstundenkonto für die Erhaltung meiner FAA-Pilotenlizenz dringend wieder etwas Futter benötigte, hatte ich die gesamte Reise so organisiert, dass ich selbst am Steuerknüppel saß. Es gibt kaum ein größeres Gefühl von Freiheit, als selbst den Kurs zu bestimmen, während man die Alpen unter sich lässt.
»Ach… und was genau kannst du zum Beispiel nicht?« Marina ließ einfach nicht locker. Sie hatte geduldig abgewartet, bis ich das gesamte, recht komplexe Startprozedere, den umfangreichen Funkverkehr mit dem Tower am Friedrichshafen-Airport und den eigentlichen, kraftvollen Abflug hinter mich gebracht hatte. Mittlerweile zischte unser kleiner, weißer Jet auf der geplanten Reiseflughöhe FL410 dahin, und der Autopilot hielt uns mit stoischer Präzision stabil auf Südkurs.
Die anfängliche Arbeitsbelastung im Cockpit sank nun merklich, der ständige Funkverkehr mit den verschiedenen Sektoren verstummte weitgehend, und es blieb endlich die nötige Zeit, sich der reizenden Passagierin an meiner Seite zu widmen. Marina besitzt die seltene und für einen Piloten äußerst angenehme Gabe, genau zu wissen, wann volle Konzentration gefragt ist; sie rührt ungefragt keinen einzigen Schalter an und versteht es meisterhaft, sich im richtigen Moment zurückzunehmen, um dann im nächsten Augenblick wieder voll präsent zu sein.
»Na, zum Beispiel bin ich ein lausiger Tänzer, wie du ja aus leidvoller Erfahrung von unseren gemeinsamen Clubbesuchen weißt… und es ist mir beim besten Willen biologisch unmöglich, mich so sexy-verlockend in diesen schmalen Ledersitz zu schmiegen wie du es gerade tust.« Ich grinste breit und ließ meinen Blick dabei ganz ungeniert und genüsslich über ihre wohlgeformten, gebräunten Beine wandern.
Der knappe Stoff ihres Rocks ließ ohnehin kaum Spielraum für die männliche Fantasie und betonte jede Kurve ihrer Oberschenkel. Als wir am Bodensee aufgebrochen waren, herrschten dort bereits frühsommerliche 24 °C bei strahlendem Sonnenschein, und für unsere Ankunft auf Korfu waren die Prognosen sogar noch einen Tick vielversprechender. Dementsprechend freizügig und sommerlich-leicht war ihre Kleiderwahl ausgefallen. Die leistungsstarke Klimaanlage der Eclipse arbeitete jedoch perfekt und sorgte dafür, dass wir bei angenehm kühlen 23 °C im Cockpit nicht ins Schwitzen gerieten oder froren, während draußen in der dünnen Höhenluft eisige Temperaturen herrschten.
»Als der Riesenkerl, der du nun mal bist, staune ich ohnehin darüber, dass du dich überhaupt in dieses enge Cockpit gefaltet hast, ohne die Maschine dabei zu verbiegen, haha!« Sie lachte charmant, ein helles, fast schon perlendes Geräusch, das den gedämpften Lärm der Triebwerke im Hintergrund übertönte.
Dabei räkelte sie sich offensichtlich mit voller Absicht noch ein wenig provokanter in ihrem Sitz, als wollte sie die engen Platzverhältnisse austesten. Es geschah natürlich genau das, was geschehen musste und sie offensichtlich frech beabsichtigte: Der ohnehin schon grenzwertig kurze Rocksaum rutschte durch die Bewegung noch ein entscheidendes Stück weiter nach oben, und für einen reizvollen Moment blitzten einige Zentimeter ihres knappen Tanga-Slips hervor, genau dort im magischen Dreieck, wo das Kopfkino eines Mannes eingeschaltet wird. Marina weiß um die verheerende Wirkung ihrer Beine und ihrer gesamten weiblich-verlockenden Ausstrahlung, die dieses schwer greifbare »gewisse Etwas« besitzt, dem man sich als Mann mit Puls schlichtweg nicht entziehen kann.
»Yup, ich staune selbst jedes Mal aufs Neue, wie ich das in diesen winzigen, engen Kisten schaffe; frag mich bloß nicht nach dem Wie. Es ist wohl eine Mischung aus Atemtechnik und purer Sturheit.« Ich gluckste mit ihr um die Wette. Auf den Fotos mag das Cockpit einer Eclipse 550 ja geräumig und luftig wirken, aber für einen Mann, der fast 1,90 m erreicht und eine entsprechend kräftige Statur sein Eigen nennt, ist es wahrlich kein Zuckerschlecken, eine bequeme Sitzposition zu finden, in der man es über mehrere Stunden aushält.
»Ein kleines, biologisches Wunder, haha!« Sie zwinkerte mir mit jenem ganz speziellen, weiblich-rätselhaften Blick zu, der bei Männern zuverlässig für eine wohlige, kribbelnde Gänsehaut sorgt. Marina ist nicht nur äußerlich eine außergewöhnliche Erscheinung, sondern auch klug, schlagfertig und mit einem gesunden, modernen Selbstbewusstsein gesegnet.
Ihre Erfahrung als Fashion- und Aktmodel hat ihr beigebracht, wie sie ihre körperlichen Vorzüge perfekt und absolut zielgerichtet in Szene setzt. Mittlerweile hatte sie mir in einer ruhigen Minute erzählt, dass sie tatsächlich schon für eine renommierte Model-Agentur in der Modemetropole Paris gearbeitet hatte, unter anderem für große Kampagnen. Man merkte ihr an, dass sie dort nicht mehr viel lernen musste; sie ist einfach von Natur aus dieser Typ Frau, der eine unwiderstehliche, fast schon magnetische Anziehungskraft ausstrahlt, ohne dass es jemals angestrengt wirkt.
Nach einem kurzen, eher routinemäßigen Funkspruch mit einer Bodenstation in Oberitalien konnten wir unser privates Gespräch weiter vertiefen. Wir befanden uns zu diesem Zeitpunkt bereits über der Region Triest, die tiefblaue Adria glitzerte tausende Meter unter uns in der Mittagssonne wie ein mit Diamanten besetztes Tuch. Scheinbar gedankenlos und wie völlig zufällig ergriff sie meine rechte Hand, die locker neben dem Pilotensitz baumelte, und begann spielerisch mit meinen Fingern zu hantieren.
Mit der Konzentration einer mystischen Wahrsagerin betrachtete sie meine Handfläche und strich zart mit ihrem Daumen über die empfindliche Haut. Solche direkten körperlichen Berührungen von einer Frau wie ihr sind pure Elektrizität für die Nervenbahnen. Und als wäre das nicht schon Ablenkung genug für einen verantwortungsbewussten Piloten, platzierte sie meine Hand schließlich ziemlich weit oben auf ihrem warmen Schenkel, der sich unter meiner Handfläche gleichzeitig fest, kräftig und doch wunderbar weiblich-weich anfühlte. Uff, das war eine Ansage!
»Weißt du, Steve, was schon seit einer gefühlten Ewigkeit eine meiner heimlichen Fantasien ist?« Sie drehte ihren Kopf langsam zu mir und bohrte ihren Blick so tief in meine Augen, dass ich fast vergaß, auf den Horizont zu achten.
»Ich ahne da etwas… und es hat vermutlich nichts mit der korrekten Berechnung des Treibstoffverbrauchs zu tun, hoho.« Ich stieß einen theatralischen Seufzer aus, als würde ich eine mühsame, körperlich anstrengende Aufgabe erwarten, obwohl mein Herzschlag bereits deutlich im roten Bereich galoppierte. Ich wusste natürlich ziemlich genau, worauf sie hinauswollte. Es ist eine jener klassischen, „verbotenen“ Fantasien, die erstaunlich viele selbstbewusste und abenteuerlustige junge Frauen teilen, doch die wenigsten finden jemals den Mut, den richtigen Partner oder die passende Gelegenheit, sie in über 12.000 Metern Höhe auch wirklich in die Tat umzusetzen.
ZENSIERT *grins*
Wir blieben danach noch einige Minuten völlig außer Atem und verschwitzt still sitzen, während die Triebwerke leise ihr monotones Lied sangen. Dann schlängelte sie sich schließlich von mir herunter, suchte gelenkig im hinteren Gepäckabteil nach einer Packung Feuchttüchern und einer Flasche Wasser. Mit diesen Utensilien bewerkstelligten wir eine provisorische Reinigung, was angesichts der engen Platzverhältnisse erneut für heitere Momente und gegenseitiges Necken sorgte.
»Na…« sie lächelte mich mehrdeutig an, während sie sich wieder anzog, »…hat der Herr Pilot nun irgendwelche ernsthaften Einwände gegen das Ausleben meiner kleinen Fantasien, haha?«
»Oh nein, ganz im Gegenteil! Ich finde es eigentlich nur mehr als angemessen, wenn eine Passagierin auf diese höchst angenehme Art und Weise ihr Ticket für den Privatjet verdient!« Die Antwort brachte mir prompt einen freundschaftlichen, aber durchaus kräftigen Knuff in die Rippen ein.
»Werd bloß nicht frech, du verdammter Gentleman-Casanova! Ich hätte dich auch einfach am Steuer verhungern lassen können!«
»Verdammt?« Ich lachte laut auf, bewegte mich dabei jedoch wesentlich unbeholfener als sie und knallte bei dem Versuch, meine Hose wieder zu schließen, mehrfach schmerzhaft mit dem Kopf gegen die niedrige Deckenverkleidung, was Marina natürlich prompt wieder als lustig empfand.
»Ja, verdammt und verflucht! Du bist eine Gefahr für die weibliche Selbstbeherrschung!«
»Und weshalb bitteschön nicht einfach nur lieb, nett und zuvorkommend?« Ich grinste sie männlich-markant an, wohl wissend, worauf sie hinauswollte.
»Weil du dich als dieser verdammte, perfekte Gentleman so sehr beherrscht hast, dass ich schließlich selbst aktiv werden musste, damit es zwischen uns endlich passiert. Das war voll gemein von dir, mich so zappeln zu lassen!«
»Tja, da haben wir es wieder, ein perfektes Beispiel für die berühmte weibliche Unlogik«, konterte ich amüsiert, während ich mich mühsam wieder in meine offizielle Pilotenrolle zurückkämpfte. »Benimmt sich ein Mann mal nicht wie ein Gentleman, werft ihr uns genau das lautstark vor. Tut er es dann aber doch und zeigt Manieren, ist es auch wieder nicht recht! Also ist es schlichtweg typisch, dass wir Männer es euch Frauen nie ganz recht machen können und am Ende sowieso immer die alleinige Schuld tragen!«
Schnell überprüfte ich alle Instrumente und Systeme der Eclipse. Wie ich es erwartet hatte, hatte Marina im Eifer des Gefechts doch den einen oder anderen Schalter am unteren Panel mit ihren Gliedmaßen berührt und verstellt. Tatsächlich waren zwei unwichtige Lichter eingeschaltet worden, aber nichts Wesentliches oder gar Gefährliches war verstellt – sonst hätten der Bordcomputer und der Autopilot ohnehin sofort nervös Alarm gepiept.
»Klar doch! Du bist schließlich ein Mann, also bist du von Geburt an schuldig, sobald uns Frauen irgendwas nicht passt, haha!« Sie lachte unheimlich charmant und beugte sich noch einmal ganz zärtlich zu mir herüber, um mich lieb und lange zu küssen. Ein Friedensangebot, das ich natürlich nur zu gerne annahm.
Unterbrochen von gelegentlichem Funkverkehr mit den Bodenstationen in Kroatien, Albanien und schließlich Griechenland, plauderten wir die restliche Stunde des Fluges entspannt über dies und das. Wir sprachen auch über die halb geschäftlichen und halb privaten Hintergründe, weshalb ich diesen Trip nach Korfu machen musste und wollte.
Dann gelang mir eine butterweiche Landung auf der einzigen Start- und Landebahn 34 des Inselflughafens. Diese Bahn ist eine echte Besonderheit in Europa: Sie wurde zu fast zwei Dritteln auf künstlichem Grund direkt in die Halikiopoulo-Lagune hineingebaut, was den Anflug besonders für Passagiere spektakulär macht, da man das Gefühl hat, direkt auf dem Wasser aufzusetzen. Der Aeroporti Ndërkombëtar i Korfuzit »Ioannis Kapodistrias« (Corfu International Airport, IATA: CFU, ICAO: LGKR) liegt am nördlichen Ende der Bahn und ist nach dem ersten Staatsoberhaupt des unabhängigen Griechenlands benannt.
Der Flughafen selbst blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Er wurde bereits 1937 ursprünglich als Militärflugplatz konzipiert und errichtet. Während der dunklen Jahre des Zweiten Weltkriegs diente er sowohl den italienischen als auch den deutschen Besatzungsstreitkräften als strategisch wichtiger Stützpunkt im östlichen Mittelmeer. Der allererste kommerzielle Flug der Geschichte fand erst am 19. April 1949 statt, damals noch mit einer Propellermaschine aus Athen.
Über die Jahrzehnte wurde die Landebahn mehrfach erweitert, bis sie schließlich in den Jahren 1957 bis 1959 ihre heutige, beeindruckende Länge erreichte. Das Hauptterminal, so wie man es heute sieht, wurde ab 1968 gebaut und 1972 feierlich fertiggestellt. Seit 2017 wird der Flughafen übrigens von Fraport Greece betrieben, einem deutsch-griechischen Joint Venture. Man merkt dem Platz die stetigen Modernisierungen an – er ist sauber, funktional und trotz des enormen Ansturms von Charterflügen in der Sommersaison immer noch angenehm überschaubar und sehr touristisch ausgerichtet.
Nachdem wir auf der Landebahn ausgerollt waren, dirigierte mich der Tower mit knappen Funksprüchen zur speziellen Abstellfläche für Privat- und Business-Maschinen. Dort wartete bereits ein kleines Empfangskomitee auf uns. Es bestand aus zwei Beauftragten des örtlichen Handlers, die sich routiniert um die kleinen Maschinen kümmern, sowie einem Beamten und einem Fahrer der Firma »Corfu Swift Transfer – Private Transfers & Tours in Corfu«, der mit einem modernen, schwarz glänzenden und klimatisierten Wagen bereitstand. Alles war perfekt organisiert, genau so, wie ich es für diesen Aufenthalt geplant hatte.
Zusammen mit zwei elegant gekleideten Damen und einem jungen Mann, der wohl so etwas wie ein Privatsekretär oder Assistent war, brachte man uns in dem komfortablen Mercedes Van zu unseren jeweiligen Unterkünften. Zuerst wurden die anderen drei Passagiere an einem exklusiven Luxus-Resort & Spa direkt an der Küste mit ihrem umfangreichen Gepäck abgesetzt. Danach ging die Fahrt weiter für Marina und mich. Unser Ziel war ein wirklich schickes, dreistöckiges Villa-Anwesen direkt an der malerischen Gouvion Bucht, komplett mit einem eigenen, privaten Anlegesteg für Yachten. Dort wurden wir bereits von Sir Archibald erwartet, einem klassischen, älteren englischen Gentleman, Intellektuellen und Gelehrten der ganz alten Schule.
Obwohl wir draußen mittlerweile stolze 26 °C hatten und die Mittelmeer-Sonne kräftig vom stahlblauen Himmel herabbrannte, trug Sir Archibald in der natürlich voll klimatisierten Villa einen viel zu warm wirkenden, dunkelgrauen Wollanzug inklusive Weste. Man hätte fast glauben können, wir befänden uns im kühlen, verregneten England des 19. Jahrhunderts. Marina schaute bei der altmodisch-galanten Begrüßung – er deutete sogar eine leichte Verbeugung an – etwas verwundert aus der Wäsche, aber ich kenne den Mitte-Sechziger seit Jahren nicht anders. Wenn es draußen wirklich heiß wird und er sein Anwesen verlassen muss, kleidet er sich allenfalls in einen klassisch-altmodischen, hellen Tropenanzug aus Leinen, so wie man ihn aus Erzählungen und Fotos über die Zeiten des britischen Empire kennt. Aber niemals, wirklich unter gar keinen Umständen, würde dieser Mann so locker in Casual-Shirt und Shorts herumlaufen wie die Scharen von Touristen in der Stadt.
Das diskrete Personal wies uns sogleich ein wunderschönes, großes Zimmer zu – eigentlich war es eher eine kleine, luxuriöse Suite –, wo wir uns erst einmal ausgiebig frisch duschen und häuslich einrichten konnten. Von unserer überdachten Balkon-Terrasse aus genossen wir den malerischen Blick auf die Gouvion Bucht. Die weiße Villa ist architektonisch sehr verwinkelt im kolonialen Stil gebaut und verfügt über mehrere Terrassen und schattige Balkone. Während ich genüsslich eine erste Zigarette schmauchte, versorgte uns das Personal bereits mit eiskalten Erfrischungsdrinks. Marina schnorrte wie so oft ein, zwei Züge an meiner Kippe, wobei sie sich wunderbar weiblich-weich und erotisch verlockend an mich schmiegte, während sie die Aussicht bewunderte.
Für den späteren Nachmittag hatte sie sich bereits umgezogen und trug nun eine weiße, bauchfreie Leinenbluse und einen passenden Minirock. Ein frecher Sonnenschutz-Tropenhut und dezenter Goldschmuck rundeten ihr Bild ab. Neben ihren vielen anderen Qualitäten hat sie das beneidenswerte Talent, sich in ihrem Verhalten und ihrer Kleidung auf ganz natürliche Art an die jeweilige Situation und die vornehme Umgebung anzupassen. Sie kann gleichzeitig wie eine elegante Dame von Welt und eine sexy-verlockende Verführerin wirken, was eine hochexplosive Mischung darstellt.
Später am Tag gingen wir im großen, parkähnlichen Garten der Villa spazieren. Unten an der Küste, direkt am Wasser, trafen wir auf eine sehr attraktive Blondine mit einem männlichen Begleiter. Wie sich herausstellte, waren auch sie Gäste in Archibalds Villa. Die gelb-rot glühende Sonnenscheibe näherte sich bereits langsam dem Horizont und zauberte diese typische, leicht kitschige, aber wunderschöne romantische Stimmung eines »Sonnenuntergangs am Meer« herbei. Die Luft hatte immer noch angenehme 24 °C, und ein ganz lauer, salziger Wind wehte aus westlicher Richtung zu uns herüber, angereichert mit den intensiven Düften der blühenden griechischen Pflanzenwelt.
Im Mai ist das typische Grillenkonzert auf Korfu noch deutlich leiser und weniger intensiv als im Hochsommer. Es fängt gerade erst an, sich langsam aufzubauen. Viele Menschen verwechseln ja den deutlichen Unterschied zwischen Grillen und Zikaden, die vor allem im Hochsommer ein fast schon ohrenbetäubendes Konzert auf den griechischen Inseln aufführen. Grillen (Crickets) zirpen vor allem abends und nachts durch das rhythmische Reiben ihrer Flügel.
Das kann bei offenen Fenstern zwar etwas störend beim Schlafen sein, ist aber von der Lautstärke her moderat. Zikaden hingegen sind die eigentlichen Macher des legendären »Sommer-Soundtracks« in Griechenland. Ihr schrilleres, hohes und intensives Summen mit bis zu über 100 dB) wird durch spezielle Trommelorgane erzeugt. Sie lieben die sommerliche Hitze und sind vor allem tagsüber aktiv. Derzeit war es jedoch nur ein angenehmes, stetiges Hintergrundgeräusch, fast wie das laute Schnurren einer zufriedenen Katze.
»Hey… ihr müsst Marina und Captain Steve sein, von denen Archie schon erzählt hat.« Die blonde Schönheit lächelte uns verhalten, aber sichtlich neugierig an. »Archie sagte uns, dass ihr heute ankommen würdet. Das hier ist Allan und ich bin Viktoria; aber nennt mich bitte einfach Tori.«
»Hallo Tori, hallo Alan, sehr erfreut euch kennenzulernen.« Wir grüßten höflich zurück und spazierten gemeinsam ein Stück weiter durch den Garten, während wir den typischen Smalltalk zum Kennenlernen führten. Die beiden waren zusammen mit einem dritten Mann namens Paul auf einer typischen, modernen, weißen Segelyacht hier, die direkt am Anlegesteg der Villa festgemacht hatte. Es handelte sich um eine etwa 17–18 Meter lange Sloop französischen Designs.
Tori und ihre Begleiter waren offensichtlich clevere, gebildete Leute mit tadellosen Manieren. Ich muss gestehen, dass ich Tori auf Anhieb ungewöhnlich interessant und natürlich auch rein optisch sehr reizvoll fand. Sie dürfte so in der zweiten Hälfte der Zwanziger sein, eine kluge Schönheit mit einer beeindruckenden Willensstärke und einer völlig lockeren, sympathisch-selbstbewussten Weiblichkeit. Sie ist eine Kanadierin mit nordisch-skandinavischer Herkunft, während Allan und Paul englisch- und französischstämmige Kanadier sind.
Alle drei segeln leidenschaftlich gerne und verfügen über einige Erfahrung auf den Weltmeeren, was mir als begeistertem Segler natürlich sofort gefiel und viel Gesprächsstoff bot. Wir unterhielten uns ganz automatisch über technische Details und Segelreviere, wobei wir jedoch höflich darauf achteten, Marina immer wieder mit in das Gespräch einzubeziehen, da sie von der aktiven Yacht-Segelei so gut wie gar keine Ahnung hat und sich eher für das Sonnenbaden an Deck interessiert.
Inzwischen war der malerische Sonnenuntergang vorbei und es wurde, wie im Süden üblich, relativ schnell dunkel. Eine dünne Wolkenschicht breitete sich über dem Meer aus und dämpfte das restliche Licht. Etwa eine halbe Stunde später versammelten wir uns alle zum Abendessen im großen Speisezimmer der Villa. Sir Archibald agierte dabei als Tischherr in bester englischer Manier. Es wurde eine muntere, angeregte und intellektuell durchaus anspruchsvolle Unterhaltung über alles Mögliche geführt – vom Weltgeschehen bis hin zu den neuesten politischen Verrücktheiten Trumps in Washington. Das Personal servierte derweil eine Abfolge von griechischen Köstlichkeiten, die keine Wünsche offen ließen.
Es begann mit klassischen griechischen Antipasti: Gefüllte Weinblätter, gebratene Auberginen, Zucchini, bunte Paprika, Peperoni und echter Feta-Schafskäse, alles großzügig mit frischen Kräutern wie Thymian und Rosmarin bestreut. Davon gab es solche Mengen, dass man allein von der Vorspeise schon satt hätte werden können. Der Hauptgang war jedoch das eigentliche Highlight: Saftig-zarte Fleischspieße mit Stücken vom Kalb, Lamm, Schwein und Rind von offensichtlich bester Qualität. Das Fleisch war so zart, dass es einem förmlich auf der Zunge zerging. Dazu gab es eine würzige griechische Reismischung, ein paar goldbraune Pommes und viel gemischten mediterranen Salat mit Olivenöl.
Als krönenden Abschluss der Mahlzeit gab es Galaktoboureko. Das ist ein traditioneller Grieß-Creme-Kuchen aus feinstem Filo-Teig, der mit einer cremigen Milch-Grieß-Füllung gefüllt und nach dem Backen mit einem aromatischen Zuckersirup getränkt wird. Er ist außen buttrig-knusprig und innen herrlich weich-cremig. Unsere Variante heute Abend hatte zudem ein feines Aroma von frischen Orangenschalen. Eine würzige Käseauswahl sowie frisches Obst und süße Feigen rundeten das Festmahl ab.
Dazu tranken wir gute einheimische Weine der Insel, wie den komplexen Kakotrygis vom Nicoluzo Estate und den Livadiotis von Halikounas. Wir tranken natürlich nur in jenen angenehmen Mengen, die gerade für einen leichten, die Zunge lösenden Schwips reichten, ohne dass jemand wirklich betrunken wurde. Der Wein trug merklich dazu bei, dass die Stimmung immer entspannter und die Gespräche offener und persönlicher wurden.
Sir Archibald erwies sich als Gastgeber der alten Schule. In bester britischer Tradition herrschte am Tisch absolute Redefreiheit, gepaart mit der ungeschriebenen Regel, dass man selbst bei stark widersprüchlichen Ansichten niemals die Stimme erhebt oder gar streitet. Jeder durfte seine Meinung frei äußern, und Gegensätze wurden zivilisiert und mit einer Prise britischem Understatement ausdiskutiert.
Bis auf Alan vertraten wir ohnehin alle recht ähnliche liberale Ansichten. Alan schien mir jedoch etwas einfacher gestrickt zu sein und hatte sichtlich Mühe, mit dem intellektuellen Niveau der restlichen Runde mitzuhalten. Wir ließen ihn das natürlich niemals spüren, doch Viktoria, die derzeit wohl seine Geliebte ist, runzelte mehrmals unwillig die Stirn über seine eher schlichten Beiträge. Man sah ihr deutlich an, dass sie innerlich die Augen über ihn verdrehte.
Ich frage mich bei solchen Konstellationen ja immer wieder im Stillen: Warum tun sich Menschen das eigentlich an? Tori ist ihm intellektuell und rhetorisch um Welten überlegen. Wenn seine Ansichten sie schon bei einem gemeinsamen Abendessen sichtlich stören – warum hat sie sich dann überhaupt auf eine Affäre mit ihm eingelassen? Und umgekehrt gilt das Gleiche: Warum fängt ein kluger Mann etwas mit einer Partnerin an, an deren Ansichten er sich ständig reibt?
Selbstverständlich verstehe ich die pure, animalische Anziehungskraft nur zu gut. Manchmal sind zwei Menschen einfach nur körperlich extrem scharf aufeinander und genießen die rein physische Chemie. Das ist völlig legitim. Aber warum geht man dann gleich eine feste Beziehung ein und verbringt ganze Urlaubstage auf dem engen Raum einer Yacht zusammen? Das kann doch auf Dauer kaum gutgehen, ohne dass Frust entsteht. Oder bin ich hier einfach mal wieder viel zu analytisch und unterschätze die Macht des reinen »Scheiß drauf, wir sind halt gerade geil aufeinander«? schmunzel
Sir Archibald zog sich gegen 22:45 Uhr diskret in seine privaten Räumlichkeiten zurück, und auch wir anderen plauderten nicht mehr lange weiter. Vor allem Marina und ich waren müde, da wir auch in der letzten Nacht, nach der Abschiedsparty am Bodensee, kaum Schlaf abbekommen hatten. Da wir beide so hundemüde waren, verzichteten wir sogar gähnend auf weitere nächtliche Liebesspiele, kuschelten uns einfach nur eng in das bequeme, große Bett unserer Suite und schliefen innerhalb von Minuten tief und fest ein. Es war der perfekte Abschluss für einen ereignisreichen ersten Tag in Griechenland.
Ein kleiner Nachtrag für die Skeptiker: Warum der Jet im Vergleich zum Auto gewinnt
Da mich bereits einige umweltbewusste Freunde und Bekannte ungläubig bis fast schon empört darauf angesprochen haben, wie ich es wagen könne, den Treibstoffverbrauch eines kleinen Jets mit dem eines Autos zu vergleichen, möchte ich hier mal kurz mit ein paar harten Fakten aufräumen. Ich verstehe die Skepsis natürlich – für den Normalbürger klingt „Privatjet“ erst einmal nach purer Verschwendung. Aber die Mathematik und die reale Logistik erzählen eine etwas andere Geschichte.
Zunächst zur Geografie: Wer von Friedrichshafen nach Korfu mit dem Auto will, hat keine direkte Linie vor sich, sondern eine wahre Odyssee. Rund 1.580 Kilometer auf der Straße, die sich durch Österreich, Slowenien, Kroatien und den Balkan bis hinunter zum Fährhafen Igoumenitsa schlängeln. Die Eclipse hingegen nutzt die Freiheit der dritten Dimension und fliegt die direkte Luftlinie – nur etwa 1.050 Kilometer. Das sind bereits über 500 Kilometer gesparte Umwege, die der Asphalt erzwingt.
Kommen wir zu den Verbrauchszahlen. Wer mich kennt, weiß, dass ich für solche Langstrecken keinen Kleinwagen nehme, sondern eine standesgemäße, üppig motorisierte Luxuslimousine der Oberklasse. Ein solcher Bolide, voll beladen und mit zügigem Tempo über die Autobahnen gejagt, gönnt sich im Schnitt locker 15 bis 20 Liter Super Plus auf 100 Kilometer. Hochgerechnet auf 1.580 Kilometer landen wir bei gut 300 Litern Treibstoff.
In der gleichen Zeit hat die Eclipse 550 für den gesamten Flug von knapp zwei Stunden etwa 375 Liter Kerosin verbraucht. Ja, das sind absolut gesehen etwa 75 Liter mehr. Aber schauen wir uns das Gesamtbild an: Während wir bereits entspannt den ersten Sundowner auf der Terrasse genießen, sitzt der Autofahrer noch mindestens 18 bis 20 Stunden hinter dem Lenkrad. Er muss Grenzkontrollen, Mautstationen, die teure Fähre und mindestens eine, eher zwei Hotelübernachtungen einplanen, um nicht völlig übermüdet im Graben zu landen. Jede dieser Übernachtungen, jedes Essen unterwegs und jede zusätzliche Meile verursacht indirekt weitere Kosten und Emissionen, die in der reinen „Liter-pro-Kilometer“-Rechnung gerne vergessen werden.
Und wenn wir schon bei Elektroautos sind: Ein Trip mit meinem EQS wäre auf dieser Route zwar theoretisch denkbar, in der Praxis aber ein logistischer Albtraum. Die Lade-Infrastruktur im tiefen Balkan ist für solche High-Tech-Kisten derzeit noch viel zu lückenhaft. Man müsste massive Umwege zu den wenigen Schnellladern in Kauf nehmen, was die Fahrstrecke und den Zeitaufwand nochmals drastisch erhöhen würde.
Am Ende ist der Flug für mich deshalb nicht nur die schnellere, sondern in gewisser Weise auch die stressfreiere und – bei realistischer Gesamtbetrachtung – sogar die effizientere Lösung. Die Effizienz eines Jets bemisst sich eben nicht nur an Litern pro Stunde, sondern an der Fähigkeit, Zeit und Distanz auf ein Minimum zu reduzieren.
Die umweltfreundlichste Variante per Zug – das echte Abenteuer
Das ist natürlich die absolute Königsdisziplin, wenn man den ökologischen Gedanken konsequent zu Ende denkt. Ich habe mir den Spaß erlaubt, das mal durchzurechnen. Von Friedrichshafen nach Korfu mit der Bahn wird aus dem schnellen Trip plötzlich ein echtes, entschleunigtes Reiseabenteuer der alten Schule.
Zunächst quer durch die Alpen nach Italien – über Lindau, Innsbruck bis nach Verona oder Bologna. Von dort mit Trenitalia weiter die Adriaküste hinunter bis Bari oder Brindisi. Allein dafür braucht man 11 bis 14 Stunden reine Fahrtzeit. Dann kommt die Fähre nach Korfu – noch einmal 8 bis 10 Stunden. Rechnet man Transfers, Wartezeiten und Anschlüsse hinzu, landet man schnell bei 28 bis 32 Stunden Gesamtreisezeit. Das ist das 15-fache der Zeit, die ich im Cockpit der Eclipse verbringe.
Ich bin eine ähnliche Strecke auch schon mit Zug und Fähre unterwegs gewesen und habe es einerseits als romantisches Abenteuer genossen. Andererseits war es auch wirklich anstrengend, stressig und zeitaufwändig. Im Sinne von „der Weg ist das Ziel“ ein Erlebnis – aber nur, wenn man die Zeit dafür hat.
Fazit – Ehrlichkeit statt Ideologie
Natürlich ist die Bahnfahrt im reinen CO₂-Vergleich unschlagbar. Ein moderner Fernverkehrszug verbraucht pro Person nur einen Bruchteil der Energie eines Flugzeugs. Doch man muss bereit sein, den Preis in Form von Lebenszeit und Komfort zu zahlen. Für einen Romantiker, der gerne 30 Stunden aus dem Fenster starrt, ist das wunderbar. Für jemanden, der nebenbei noch ein Unternehmen führt und wertvolle Zeit auf der Insel verbringen möchte, sieht die Rechnung anders aus.
Ich versuche, im Alltag so umweltbewusst wie möglich zu leben – meistens mit dem EQS, manchmal mit dem Zug. Aber ich tue auch nicht so, als wäre absoluter ökologischer Purismus in der heutigen Welt realistisch. Selbst wenn wir uns alle in eine Hütte im Wald zurückziehen und nur zu Fuß unterwegs wären, würden wir immer noch Ressourcen verbrauchen – durch Heizung, Nahrung und Landnutzung.
Am Ende geht es für mich um eine ehrliche Gesamtabwägung: Zeit, Komfort, Logistik und Umwelt in vernünftiger Balance. Und in diesem konkreten Fall hat der kleine Jet einfach gewonnen.
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