Algarve, Lagos, Finca- & Felsküsten Vibes und ein neuer Kunstinteressent

 

#26.07.04 – Algarve, Lagos, Finca- & Felsküsten Vibes und ein neuer Kunstinteressent

Wir sind immer noch zu Gast in Rodrigos wunderschöner Villa etwas südlich von Lagos – deutlich länger als ursprünglich geplant. Der Grund: Rodrigo hatte Vicky einen weiteren Kunstliebhaber unter seinen Freunden vermittelt, den wir gestern Abend im lebhaften Nightlife von Lagos kennengelernt hatten.

Lagos mag zwar nur eine kleine Küstenstadt sein, doch in der Hochsaison tobt hier das Nachtleben richtig. Die engen Gassen wimmeln von Menschen, die Bars und Restaurants sind bis in die frühen Morgenstunden gefüllt, und die Luft ist erfüllt von Musik, Lachen und dem Duft von gegrilltem Fisch und Meeresfrüchten. Es war eine dieser Nächte, in denen man sich fragt, warum man jemals woanders sein möchte.

Nach der langen, ausgiebigen Nacht schliefen wir heute fast bis Mittag aus. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, und als wir endlich die Augen öffneten, empfing uns ein strahlend blauer Himmel und Temperaturen von bereits 34 °C. Der erste Weg führte uns zum hübschen Pool auf Rodrigos Grundstück, wo wir uns mit einem erfrischenden Bad von den letzten Resten der nächtlichen Exzesse befreiten. Das Wasser war kühl und einladend, und es war ein wahrer Genuss, die Hitze des Tages für einen Moment zu vergessen.

Rodrigo, sein neu aufgetauchter Freund und Kunstinteressent sowie natürlich auch ich genossen den Anblick – besonders, als Vicky und Britt selbstbewusst und völlig ungeniert im Pool plantschten. Die Wassertropfen glitzerten in der Sonne wie flüssige Diamanten auf ihrer Haut, und das Lachen der beiden hallte über das Grundstück. Lois, die uns in den letzten Tagen mit ihrer Lebensfreude bereichert hatte, war übrigens nicht mehr vor Ort. Sie war am Vortag zu einem Shooting und Model-Event nach Madrid aufgebrochen, und wir vermissten ihre fröhliche Art schon ein wenig.

 

Dann wurde auch schon das Mittagessen aufgetischt, und wir ließen uns gemütlich im kühlen Schatten der Terrasse nieder. Heute gab es ein wahrhaftes Festmahl, das uns sofort das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ. Als Vorspeise servierte Rodrigos Köchin einen würzigen Krabben-Cocktail in einer cremigen Sauce mit fruchtigen Stückchen. Der Geschmack war einfach himmlisch – frisch, aromatisch und perfekt abgestimmt.

Als Hauptgang folgte ein Teller mit gebratenen, saftigen Würsten vom Iberico-Schwein, die so zart waren, dass sie fast auf der Zunge zergingen. Dazu gab es goldbraun gebratene Süßkartoffeln, eine Fülle von knackigem Pfannengemüse und einen frischen, knusprigen gemischten Salat mit verschiedenen Blättern, Tomaten und Gurken. Dazu tranken wir einen exzellenten portugiesischen Wein, der perfekt zu den herzhaften Speisen passte.

Als Nachtisch gab es ein Erdbeer-Sorbet, das wie ein eiskalter Hauch von Winter auf der Zunge zerging, sowie eine Auswahl an geschmacksintensiven Käsesorten, begleitet von knusprigen Kräckern, süßen Weintrauben, saftigen Wassermelonenstücken und – natürlich – einem richtig guten Kaffee, der den Geschmack der Mahlzeit perfekt abrundete. Der Duft von frischem Obst und Kaffee vermischte sich mit der warmen Luft und schuf eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlud.

Die Gespräche am Tisch waren lebhaft und intelligent, und wir plauderten über die unterschiedlichsten Themen – von Kunst über Reisen bis hin zu den aktuellen weltpolitischen Entwicklungen.

Nach dem Kaffee begann der ernsthafte Teil des Tages: die Verhandlungen zwischen Vicky und dem neuen Interessenten. Dieser hatte sich in der Zwischenzeit Vickys verfügbare Werke angeschaut, doch keines davon schien ihm so recht zuzusagen. Stattdessen äußerte er den Wunsch, ein großes Auftragswerk in den Maßen 3 x 2 Meter bei ihr in Auftrag zu geben, das sie innerhalb von etwa ein-zwei Wochen nach seinen Wünschen und Vorstellungen erschaffen könnte. Rodrigo bot ihr dazu großzügig einen Raum als Atelier in seiner Villa an – ein Angebot, das Vicky natürlich mit großer Freude annahm.

Mit dem Verkauf eines kleineren Werkes an den vorherigen Interessenten und dem neu in Auftrag gegebenen Bild wäre sie dann sogar in der Lage, mir sofort alles zurückzuzahlen, was ich für die Yacht vorgeschossen hatte. Rodrigo erwies sich damit einmal mehr als ein echter Glücksfall für sie. Normalerweise verkauft sie nur alle paar Monate eines ihrer Bilder – jetzt waren es innerhalb weniger Wochen gleich drei. Solche Gelegenheiten sind für jeden Künstler Gold wert, denn sie kommen nicht so häufig. Es ist wie mit den Wellen hier an der Algarve: Manchmal kommt eine besonders große, und man muss sie nutzen, bevor sie wieder verschwindet.

»Kommt ihr mit an einen romantischen Strand, oder müsst ihr erst noch arbeiten?« fragte Britt mit sichtlicher Vorfreude in der Stimme, als sie sich zu Vicky und mir umdrehte. Ihre Augen funkelten vorfreudig, und es war klar, dass sie den Tag nutzen wollte.

»Vielleicht später, Schatz. Ich will gleich mit dem Bild anfangen«, erwiderte Vicky und strich sich dabei ein paar vom Wind verwehte Haarsträhnen aus dem Gesicht. Ihre Finger zupften dabei nachdenklich an einer Strähne, als würde sie bereits die ersten Linien ihrer Zeichnung vor ihrem inneren Auge sehen.

»Yep, später. Ich muss erst dringend ein paar Online-Sachen am Laptop erledigen«, fügte ich hinzu und trank den letzten Schluck meines Kaffees aus. »Viel Spaß, und pass auf, dass sich Demo nicht in eine maurische Höhlenprinzessin verliebt«, schmunzelte ich, während ich mir eine neue Zigarette anzündete. Der Rauch stieg träge in die warme Luft auf, und für einen Moment war alles still.

»Wenn er so doof ist, sich lieber mit Geistern zu vergnügen, statt mit mir, hat er Pech gehabt, haha«, lachte Britt und begann gemeinsam mit Demo, einen Kühlrucksack mit Getränken, Bade- und Strandtüchern vorzubereiten. Die beiden scherzten dabei so locker miteinander, wie es bei uns bekanntlich Standard ist.

Ich blieb also zurück und widmete mich gut zwei Stunden lang verschiedenen Routineangelegenheiten – teils geschäftlich, teils privat. Mails beantworten, empfangene Dateien sichten und beurteilen, eine kurze Net-Recherche mit KI-Hilfe durchführen, Börsencharts technisch analysieren und Anlagen umdisponieren – das Übliche halt. Lästig im Vergleich mit dem schönen Leben, das ich führen darf, aber nun mal notwendig, damit ich mir dieses Leben überhaupt leisten kann. Die Arbeit erforderte disziplinierte Konzentration, aber die Aussicht auf den Nachmittag am Strand machte alles wieder gut.

Als ich fertig war und nach Vicky schaute, war diese gerade so im künstlerischen Flow, dass sie weiter an ihrer Kohlezeichnung arbeiten wollte. Ihr Blick war konzentriert, und es war klar, dass sie in ihrer eigenen Kunstwelt versunken war. Also machte ich mich allein mit einem Kühlrucksack voller Getränke, einer saftigen Wassermelone, Erfrischungsgetränken und einem Handtuch auf den Weg.

Da wir uns an dieser zerklüfteten Felsküste mit ihren unzähligen versteckten Plätzen ohne Absprachen nur schwer finden würden, sprachen wir uns über die Handys ab. Demo kletterte die Klippen hinauf zu einem leicht zu findenden Treffpunkt, von dem aus wir uns dann gemeinsam wieder auf den Weg zu ihrem versteckten Plätzchen machten.

Die beiden hatten sich typischerweise irgendwo in diesen fantastischen, malerischen und rauen Felsformationen ein Plätzchen gesucht, an dem sie zumindest zeitweise ungeniert nackt baden konnten, ohne mögliche verklemmte Blicke auf sich zu ziehen. Die Felsen hier sind wie aus einem Märchen – wild, zerklüftet und voller versteckter Buchten, in denen man sich wie in einer anderen Welt fühlt. Und wie es der Zufall so wollte, waren sie dabei auf eine ähnlich selbstbewusste, ungeniert nackige junge Schwedin getroffen – eine Begegnung, die Britt natürlich besonders freute, denn so konnte sie mal wieder in ihrer Muttersprache über all die Dinge schwatzen, über die Girls bekanntlich endlos palavern können.


 

»Männliche Unterstützung ist sehr willkommen. Lena ist ’ne ganz schön rollige Freche«, grinste Demo, als wir uns über einen der steilen Pfade und Felstreppen zu ihnen hinabarbeiteten. Sein Grinsen war breit, und es war klar, dass er die neue Bekanntschaft amüsant fand.

»Noch so eine? Oh je!« grinste ich in männlicher Komplizenschaft zurück, dachte aber, dass er wohl nur scherzhaft übertrieb. Doch dann zeigte sich, dass diese sehr hübsche, weißblond gefärbte Lena mit ihrer altmodischen Pony-Frisur tatsächlich mit etwas Vorsicht zu genießen war.

Mit der in Skandinavien so verbreiteten Selbstsicherheit von vielen Frauen allgemein, die sich ganz selbstverständlich die gleichen Rechte wie Jungs oder Männer herausnehmen, befand sie sich eindeutig in der abenteuerlustigen Sturm-und-Drang-Phase. Wild neugierig darauf, alle möglichen Abenteuer mit dem anderen Geschlecht zu erleben, benahm sie sich zwar leicht provokativ, aber auf eine durchaus nette, liebreizende Art. Es war diese Mischung aus unbekümmerter Jugendlichkeit und fraulicher Frechheit, die sie so sympathisch machte.

Schwer zu sagen, ob Lena volljährig ist, aber ich schätzte den schlanken Nackedei mit Model-Figur eher jünger ein. Sie verbringt ihre schwedischen Sommerferien bei guten Freunden der Familie in der Region. Das alte schwedisch-portugiesische Paar im Großeltern-Alter ist natürlich nicht in der Lage, mit einem vor Lebensenergie nur so sprühenden, abenteuerlustigen Frechdachs mitzuhalten. Deshalb war Lena oft allein oder mit jugendlichen Freunden an diesem riesigen Abenteuerspielplatz der Algarve-Felsküste unterwegs. Es war, als hätte sie eine neue Welt für sich entdeckt – und wir durften für einen Nachmittag Teil dieser Welt sein.

Vom Typ her ist sie eindeutig ein liebeswerter, netter Frechdachs, den man unvermeidlich auf Anhieb gernhaben muss. Und natürlich wusste sie auch längst ganz genau, wie sie mit ihrem jugendlichen Sexappeal Jungs und Männer zum Schwitzen bringen konnte. Dass sie mit Britt nun auch noch ein leibhaftiges, erfolgreiches schwedisches Model getroffen hatte, fand sie natürlich „voll cool“ und spannend. Die meisten hübschen – und sogar nicht so hübschen – Teengirls träumen ja von einem glanzvollen, aufregenden Leben als umschwärmte Model-Schönheit in Paris oder ähnlich glamourösen Metropolen. Und wer weiß – vielleicht würde Lena eines Tages genau das erreichen. Aber heute war sie einfach nur ein selbstbewusst vor Lebensenergie sprühendes Girl, das den Tag genießen wollte. Schmunzel

Was Attraktivität, Figur, fotogene Ausstrahlung und die Fähigkeit, locker zu posieren, anbetraf, wäre sie sogar als Model geeignet; mit unter 170 cm war sie allerdings für die meisten Model-Agenturen zu klein. Na egal – jedenfalls hatten wir drei eine Menge Spaß miteinander. Wir plantschten im herrlich erfrischenden Meer, erkundeten geheimnisvolle Felshöhlen und machten die typischen Strand- und Wasserspiele.

Für Schwedinnen und den finnischen Demo sind die von mir als erfrischend kühl empfundenen 21 °C Wassertemperaturen geradezu warm; aus ihrer Heimat sind sie deutlich kälteren Badevergnügen gewohnt. Die drei lachten über meine Bezeichnungen wie „kühl“, während sie sich wie Fische im Wasser fühlten. Zudem hatten wir derzeit besonders heiße Tagesphasen mit Nachmittagstemperaturen von über 35 °C in der kräftig herunterbrennenden Sonne Portugals.

Für helle, nordische Haut war das nur mit starken Sonnenschutzmitteln oder im Schatten auszuhalten, wenn sie keinen üblen Sonnenbrand riskieren wollten. Aus diesem Grund hatten Britt und Demo einen Platz gewählt, an dem es am Nachmittag viel Schatten gab und zudem wehte ein kräftigerer, frischer Wind mit bis zu 5 Beaufort aus Südost. Der rauschte romantisch in den zerklüfteten Felsformationen und sorgte für eine angenehme Abkühlung.

Kurz nach 17 Uhr schlachteten wir die von mir mitgebrachte Wassermelone, die im guten Kühlrucksack herrlich frisch-kühl geblieben war. Wie schon so oft beschrieben, ist für mich Wassermelone einfach die ideale Sommererfrischung – saftig-süß, durstlöschend und leicht sättigend, ohne dass das auf der Zunge zergehende Fruchtfleisch schwer im Magen liegt. Die ersten Bissen waren wie ein Fest und genau das Richtige nach einem anstrengenden Nachmittag in der Hitze.

»Ist das steil! Voll magisch!« riefen Britt und Lena entzückt aus, als wir eine im unteren Drittel vom Meer geflutete Höhle entdeckten und hineinschwammen. Durch das auf der Meeresoberfläche reflektierte Sonnenlicht am Eingang war das Innere erstaunlich hell erleuchtet, und durch die sich ständig verändernden Reflexionen des leuchtend blauen Wassers wirkte es tatsächlich magisch verzaubert. Es war, als beträte man eine andere Welt – eine Welt, in der das Licht mit dem Wasser tanzte und die Felsen wie von Zauberhand geformt schienen.

Über einen schmalen Felsengrat an der Rückwand der Höhle konnte man mit etwas Klettergeschick zu einem Absatz nahe dem blendend hellstrahlenden Eingang gelangen und aus knapp zwei Metern Höhe ins dort tiefere Wasser springen. Das begeisterte vor allem Lena, die geradezu vor Lebensfreude und Energie platzte. Sie ist eindeutig der sprichwörtliche Kumpel-Typ zum Pferdestehlen, der unbedingt jeden – auch gefährlicheren – Blödsinn mit- oder vormachen will. Ihr freudiges Lachen hallte durch die Höhle, und es war ansteckend.


 

Nur einmal wurden wir von anderen Badegästen in der Nähe gestört und zogen kurz unsere Badesachen über. Ansonsten konnten wir den ganzen Nachmittag in natürlicher Nacktheit genießen. Es war ein Gefühl von Freiheit, das man nur an solchen abgelegenen Orten erleben kann. Lena blieb lange bei uns, als wären wir schon länger eng befreundet, was uns natürlich nicht störte, denn sie war bei aller manchmal etwas überdreht wirkender Lebensfreude doch ein sehr sympathischer, netter Typ. Bevor sie sich verabschiedete, tauschten wir auch Kontaktdaten aus.

Wir boten dem Frechdachs nämlich an, mit in Rodrigos Villa zu kommen und mit uns zu Abend zu essen. Doch sie hatte den lieben Alten, bei denen sie hier lebte, versprochen, bis 20 Uhr zurück zu sein und mit ihnen zu essen. Das wollte Lena auch lieb einhalten und nicht egoistisch mit zu uns kommen, was sie fraglos lieber getan hätte. Es war schön zu sehen, wie sie trotz ihrer freien Art auch Empathie für ihre gastfamilie zeigte. Wir verabredeten uns, morgen zu telefonieren und vielleicht gemeinsam etwas zu unternehmen oder auch mal miteinander auszugehen.

»Cool … ich freu mich schon …« verabschiedeten wir uns gegen 19:45 Uhr voneinander, wobei der Frechdachs es typischerweise nicht unterlassen konnte, ihre entzückenden Formen bei den Abschieds-Küsschen-Umarmungen leicht provokant an mir zu reiben. Klassisch abenteuerlustiges Teen-Girl halt – oder vielleicht doch schon erwachsene Frau, denn sie behauptete, bereits volljährig zu sein. Darauf gab ich natürlich nicht viel, denn in diesem Alter schwindeln junge Menschen gern mit dem Alter. Es war eine dieser Lockerheiten junger Menschen, die zeigen, dass das Leben manchmal einfach zu schön ist, um es immer ernst zu nehmen. schmunzel

Zurück in Rodrigos Finca spülten wir uns Sand, Salz und Schweiß ab, zogen uns locker-elegant für den Abend um, wobei Britt mal wieder alle ausstach. Professionell geschminkt und gestylt, in einem dünnen, schwarzen Rock über Sandalen, mit einem sehr raffinierten schwarzen Oberteil, das an den Seiten und im Rücken teilweise durchsichtig war, sah sie einfach umwerfend schön aus. Es war, als hätte sie sich extra für diesen Abend in Szene gesetzt – und das hatte sie natürlich auch.

»WOW! Vicky, du wirst ganz klar die Schönste des Abends sein!« lobte Vicky anerkennend, bevor Rodrigo und ich unsere bewundernden, männlich-galanten Komplimente dazugeben konnten. Die Rolle der kühlen nordischen Femme fatale mit heißem Blut und Sexappeal passt perfekt zu ihr, und sie spielte sie mit viel Vergnügen. Natürlich würde sie die Blicke der Männer magisch anziehen – und auch einige neidige weibliche.

 

Wir waren von Rodrigo in eine Art exklusiven Country-Club mit erstklassiger Restauration eingeladen, in dem sich die hiesige und urlaubende Oberschicht traf. Der Club lag etwas abseits der Touristenpfade und bot eine Atmosphäre von exklusiver Gelassenheit. Gleichzeitig war es eine prima Gelegenheit für Vicky, ihre eigene, spezielle Kunst vorzustellen und bekannt zu machen. Die Gäste waren eine Mischung aus Einheimischen und Urlaubern, alle mit einem Hang zu den schönen Dingen des Lebens. Von den typischerweise viel Wert auf Diskretion legenden Leuten, durfte ich typischerweise keine Fotos schießen; Reiche bleiben halt gern anononym.

Dazu gab es nach 23 Uhr noch eine ihrer futuristischen, sehr sexy Life-Performances, wie ich sie in einem früheren Blog schon einmal ein bisschen beschrieben habe. Im Hintergrund wurde die HD-Projektion einer futuristischen Sci-Fi-Stadtkulisse auf eine große Leinwand projiziert. Davor agierte Vicky topless in einem megakurzem, silbernem Minirock, mit ein paar futuristisch wirkenden Fantasie-Applikationen und so etwas wie einem silbernen Roboterhund, mit dem sie in der Art eines Bauchredners mit seiner Puppe interagierte. Es war eine Performance, die alle Blicke auf sich zog – und das nicht nur wegen der optischen Reize.

Rein optisch war das fraglos ein sehenswertes Schauspiel mit „Männer-Kopfkino“-auslösendem Sexappeal. Künstlerisch … nun ja, würde es wohl eher keine Preise gewinnen, aber ich verstehe nichts von moderner Kunst und habe bekanntlich mit dieser Art von Darbietungen wenig am Hut. Das sollen andere bewerten. Für mich zählt vor allem, dass Vicky Spaß daran hatte – und das hatte sie mit ihrer ohnehin stark ausgeprägten, exhibitionistischen Ader sicht- und spürbar.

Jedenfalls erfüllte es fraglos seinen Zweck, nämlich Aufmerksamkeit zu erregen – und das nicht nur bei den Männern. Fast alle der knapp zwei Dutzend Anwesenden waren Ehepaare der wohl situierten Oberschicht, die meisten im gesetzteren Alter. Und Vickys futuristische Interpretation von sexy-amüsant-ironischen Bauchredner-Interaktionen war durchaus unterhaltsam und gut gemacht. Es gab mehrmals reflexartiges Lachen im Publikum, und am Ende nicht nur höflichen, sondern anerkennenden bis leicht begeisterten Applaus. Vermutlich auch, weil es quasi etwas Neues, Ungewöhnliches war, wofür sich kunstaffine Menschen ja meist interessieren – und ihre Darbietung kam gut an.

Alles in allem würde ich aus meiner subjektiven Sicht dazu sagen: Es ist auf jeden Fall interessanter und geschmackvoller als der Besuch einer Table-Dance-Bar, um dort irgendwelchen Strip- und Nackttänzerinnen zuzuschauen. Letzteres gehört für mich in die Kategorie primitiver Vermarktung weiblicher Nacktheit für Proleten – dem konnte ich noch nie etwas abgewinnen. Kunst sollte etwas mehr sein als nur bloße Darstellung von Sexappeal – und Vicky verstand es gut, diese Grenze zu beachten.

Es war eine interessante Abendgesellschaft mit exzellentem Essen und Weinen, vielen neuen Bekanntschaften und – und für Vicky – dem Versprechen auf weitere Kunsterfolge. Die Atmosphäre war entspannt, und die Gespräche flossen wie der Wein. Zwei oder drei der Anwesenden zeigten tatsächlich gesteigertes Interesse an ihren Werken. Womöglich könnte sie also noch mehr Bilder verkaufen oder einige Kunstmäzene würden sie gut für die Aufführung weiterer Life-Performances bezahlen. Es war schön zu sehen, wie Vicky in ihrem Element war – selbstbewusst, charmant und voller Ideen.


 

All das gehört zum Handwerk der Selbst-Promotion. Denn selbst der beste Künstler hat nichts davon, wenn ihn niemand kennt und er nichts verkaufen kann. Gerade heutzutage, wo sich Abermillionen für Künstler halten und verzweifelt darum kämpfen, überhaupt wahrgenommen zu werden, muss man dieses Spiel gut beherrschen und verstehen, wie der elitäre Kunstmarkt wirklich funktioniert.

Es ist ein hartes Geschäft in der kapitalistischen Welt, und Vicky hatte gelernt, es mit Anmut und Charme zu meistern. Die meisten erfolgreichen, modernen Künstler sind keineswegs allein deshalb erfolgreich, weil ihre Werke qualitativ herausragen. Häufig ist es eher der Zufall der Entdeckung durch einflussreiche Promoter, Mäzene und Förderer, der eine Mode unter den finanzkräftigen Sammlern auslöst – und plötzlich werden die Werke eines bestimmten Künstlers zu hohen Preisen gehandelt. Vicky hatte das Glück, genau diese Art von Förderern in Rodrigo und seinem Kreis gefunden zu haben.

Erst nach 02 Uhr kamen wir gut gelaunt zurück in Rodrigos Finca, wo wir uns dann alle gleich schlaffertig machten und wohlig müde in die Betten krochen. Typisch für das atlantische Klima der Algarve hatten wir bis dahin angenehme Nachtluft von noch etwa 23–24 °C, die kühlend und nach subtropischen Pflanzen plus salziger Seeluft duftend durch die weit geöffneten Fenster hereinströmte – als wolle die Natur selbst uns eine Gute-Nacht mit erholsamem Schlaf ohne Schwitzen wünschen.

Kaum im Bett, nur nachlässig dünne Laken über die nackten Körper gezogen, schlummerten wir auch schon aneinander gekuschelt mit einem Lächeln auf den Lippen ein. Wieder mal einer dieser gelungenen Tage und Nächte, an denen man sich fragt, warum man nicht immer so zufrieden sein kann. Und die Antwort war einfach: Weil wir genau hier und jetzt waren – an der Algarve, mit guten Freunden, gutem Essen und der Gewissheit, dass das Leben schön ist.

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