Algarve, Lagos, Sightseeing, geheimnisvolle Orden und eine Fun-Night

 

#26.07.12 - Algarve, Lagos, Sightseeing, geheimnisvolle Orden und eine Fun-Night

»Morning Britt…« grinste ich am Morgen vergnügt und ließ meine Blicke bewundernd über ihre Silhouette schweifen. »…dein Anblick impliziert die sehr wichtige Frage: Ziehst du dich gerade an oder aus?«

Es war gerade mal 07:20 Uhr an diesem wunderbar stillen Morgen, an dem das erste Licht des Tages über die Finca kroch. Vicky und Demo schlummerten noch tief und fest in den Federn, und ich wollte mich eigentlich nur durch einen raschen Sprung in das kühle Nass des Pools erfrischen, um den Kopf freizubekommen.

Doch dort am Beckenrand stand die auch schon überraschend muntere Britt in einem einteiligen, strahlend weißen Badeanzug, den sie jedoch keck vom Oberkörper heruntergezogen hatte – stand also topless da, und das war im goldenen Morgenlicht natürlich ein überaus reizvoller, ästhetischer Anblick für meine Männeraugen. Mit einer breiten Schirmkappe auf den blonden Haaren, die ihre Augenpartie tief beschattete, schien es, als ob sie nachdenklich an den Fingernägeln knabberte, was jedoch überhaupt nicht zu ihrer ansonsten so diszipliniert und lebensfrohen Wesensart passen wollte.

»Morning Steve, weder noch«, schmunzelte sie mit einem herrlich weiblichen, wissenden Lächeln über meine genüsslichen Blicke, während sie ungerührt in ihrer Pose verharrte. »Ich versuche mir gerade eine widerspenstige Obstfaser aus einer Zahnlücke zu puhlen, verdammt!«

 

»Na, dann wünsche ich dir viel Glück dabei.« Ich entledigte mich mit einer fließenden Bewegung meines dünnen Seidenbademantels, unter dem ich wie gewohnt überhaupt nichts anhatte, trat an die Kante und sprang kopfüber mit einem hoffentlich eleganten, sauberen Eintauchen in den Pool.

Das Becken ist zwar unbestreitbar zu klein, um darin ernsthaft mehr als zwei-drei kräftige Züge am Stück zu schwimmen und somit nennenswert etwas für die sportliche Fitness zu tun, aber für eine willkommene, munter machende Erfrischung am frühen Morgen reicht es allemal. Keine zwei Minuten später wuchtete ich meinen noch klatschnassen Adonis-Körper schon wieder geschmeidig über den Beckenrand hinaus ins Freie und ging direkt in den hell gekachelten Dusch-Anbau, der sich seitlich an die Finca schmiegt, um mir das Chlorwasser rasch abzuspülen und die Haare gründlich zu säubern.

Eigentlich war Letzteres eher unnötig, denn momentan trage ich einen den Sommertemperaturen angepassten, sozusagen militärischen Kurzhaarschnitt; trotzdem will man sich beim morgendlichen Duschen ja auch ausgiebig mit duftendem Duschgel shampoonieren oder einseifen und sich nicht nur plump mit kaltem Wasser abspülen.

Das von drinnen hörbare, unbeschwerte weibliche Lachen und Kichern verriet mir schon vor dem Betreten des Raumes, dass sich vermutlich gerade die beiden Haushaltshilfen Olga und Olea unter den Brausen abduschten. Doch beim Eintreten sah ich: Nein, es waren Olga und unser allseits bekannter Frechdachs Lena, die also schon wieder mal früh am Morgen zu uns in die Finca gestoßen sein musste. Seit einigen Tagen ist sie fast ständig hier bei uns in Rodrigos Finca aktiv, beziehungsweise mit unserer gesamten Truppe unterwegs und geht eigentlich nur noch zum Schlafen spätnachts zu ihren lieben, alten Gastleuten zurück.

Diese hatten dafür genauso viel Verständnis wie wir selbst, denn für eine so lebens- und abenteuerlustige junge Frau von gerade mal Anfang 18 (erst frisch seit April), ist es bei den älteren Leuten natürlich vergleichsweise sterbenslangweilig, während sie mit uns viel mehr erleben, unternehmen und echten Spaß haben kann.

»Morning ihr Hübschen…« grinste ich, während ich den Vorhang beiseiteschob und meine Mundwinkel noch ein ganzes Stück breiter nach oben zog als zuvor bei Britt. »…lasst euch ruhig ganz viel Zeit beim genüsslichen Duschen und Abtrocknen, hoho.«

»Aaaahaha-hihi…, Morning Captain!« prusteten die zwei sehr hübschen Nackedeis wie aus einem Mund los und amüsierten sich prächtig, prompt wie junge Girls es in solchen Situationen halt unbeschwert gern tun. Olga ist höchstens ein Jahr älter als Lena, und in dieser speziellen Lebensphase sind junge Frauen, egal wie lebenserfahren sie sonst in manchen Dingen bereits sein mögen, halt doch noch zu gern, zumindest ab und zu, wie verspielte, jüngere Teengirls. »Sollen wir dir vielleicht ein bisschen beim Rücken einseifen helfen, hihi?«

Etwa 20 Minuten später versorgte ich mich, herrlich sauber, erfrischt und rundum munter bei Maria, der treuen Haushälterin und Köchin, zunächst mit einem guten, kräftigen Café Crema, einer reifen Banane und saftigen Wassermelonenstücken. Wir scherzten kurz in der Küche, während Olea fleißig bei den weiteren Frühstücksvorbereitungen half – sie ist im Grunde genauso eine junge, aufgeweckte Frechdachs-Frau wie Olga und Lena. Dann schlürfte ich draußen am Pool in der Morgensonne meinen heißen Kaffee und paffte dazu genüsslich meine geliebte Morgenzigarette noch vor dem eigentlichen Frühstück, wie ich es nun mal liebe und so gut wie jeden Morgen zelebriere.

Derzeit erleben wir hier an der Algarve noch diese für den Monat Juli etwas ungewöhnliche, kühle Wetterphase. Nachts sinkt die Temperatur teils unter die 20°-Marke und tagsüber klettert das Thermometer kaum über 25°C. Diese angenehme Wetterlage soll laut Vorhersage noch bis zum kommenden Montag anhalten, danach sollte es wieder richtig sommerlich heiß um oder über 30° werden.

Für uns war das eine ideale Phase für ausgiebige Inlandsausflüge oder allgemeines Sightseeing in Lagos, ohne direkt in schweißtreibende Hitze zu geraten. Darüber diskutierten wir dann auch wenig später beim sehr munteren, lockeren Frühstück am großen Tisch, das von viel Lachen und gegenseitigen Scherzen begleitet wurde. Rodrigo, der geradezu glücklich und sichtlich gerührt über so viel junges, unbeschwertes Leben in seiner sonst eher stillen Finca strahlte, hatte plötzlich einen feinen Vorschlag parat.

Wir fünf könnten uns am Vormittag erst einmal in aller Ruhe in Lagos umschauen, und am Mittag treffen wir uns dann mit ihm und Lois, die heute Vormittag von ihrem anstrengenden Mode-Shooting aus Madrid zurückkommt, in einem richtig guten Restaurant in der City. Nach dem gemeinsamen Mittagessen wollte er uns dann etwas »Geheimnisvolles« zeigen, was normale Touristen nicht zu sehen bekommen. Mehr verriet der alte Herr darüber zunächst beim besten Willen nicht, egal wie charmant, hartnäckig und weiblich raffiniert ihn Britt, Vicky und Lena mit Fragen löcherten. Schmunzel



 

Und genau so machten wir es dann auch. Bald nach dem reichhaltigen Frühstück brachen die drei Hübschen, Demo und ich gut gelaunt auf. Bei momentan sehr milden, angenehmen 23 bis 24°C spazierten wir gemächlich in die historische Altstadt von Lagos und schauten uns ohne ein besonderes Ziel einfach in den Gassen um. Natürlich wurden die Frauen auch diesmal wieder von den vielen hübschen, kleinen Geschäften, versteckten Boutiquen oder den typischen Touristen-Souvenirshops zum ausgiebigen Stöbern verlockt, was wir Männer mit einem milden, verständnisvollen Lächeln beobachteten und ihnen gern diesen typisch weiblichen Spaß gönnten.

Pünktlich um 13:15 Uhr trafen wir uns wie vereinbart mit Lois und Rodrigo im wunderschönen Traditionsrestaurant Don Sebastião>>>, Rua 25 de Abril 20-22. Eine Rezension auf Google beschreibt dieses sehr hübsche, exzellente Lokal wirklich treffend, weshalb ich den Text hier einfach unverändert reinkopiere:

»Wir verbrachten einen sehr schönen Abend im Don Sebastião in Lagos. Das Restaurant besticht durch sein klassisch-portugiesisches Interieur – traditionell und bestens gepflegt –, das eine authentische und behagliche Atmosphäre schafft. Der Service war hervorragend – aufmerksam, professionell und aufrichtig freundlich, ohne aufdringlich zu sein. Wir fühlten uns den ganzen Abend über bestens betreut. Das Essen war exzellent. Von den Vorspeisen bis zu den Hauptgerichten war alles hervorragend zubereitet, schmackhaft und ansprechend angerichtet. Man merkt deutlich, dass hier Qualität und Tradition großgeschrieben werden. Insgesamt ein sehr gelungenes Abendessen und ein Restaurant, das wir bei unserem nächsten Besuch in Lagos gerne wieder aufsuchen werden.«

 

Auf Google werden sie erstaunlicherweise nur mit 4,3 Sternen im Schnitt bewertet, was ich nach unserer heutigen, durchweg positiven Erfahrung beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Meiner persönlichen Ansicht nach verdienen sie mindestens eine 4,5 oder 4,6 für das stimmige Ambiente, den tollen Service und die hohe Qualität der Speisen. Geöffnet haben sie täglich durchgehend von 12:00 bis 22:30 Uhr, und je nachdem, wie intensiv man dort schlemmt und welchen der guten Weine man trinkt, sollte man etwa 40 bis 60 Euro pro Person einplanen. Man kann aber auch schon für knapp über 20 Euro mit einem einfachen Hauptgericht und einem Getränk delikat satt werden.

Wir fühlten uns jedenfalls pudelwohl, schlemmten ausgiebig mit köstlichen Vor- und Nachspeisen und bewunderten die klassische Inneneinrichtung sowie den wirklich beeindruckenden Weinkeller des Restaurants. Bei dem angenehmen Wetter, das weder zu heiß noch zu kalt war, speisten wir gemütlich draußen auf der malerischen Terrasse, wo man uns extra zwei runde Vierertische zusammengeschoben hatte. Aber wir gingen während des Aufenthalts immer wieder gerne abwechselnd ins Innere des Restaurants, um die bezaubernd altmodische, aber ungemein schicke und sehr gepflegte Einrichtung zu bestaunen.

Dort standen alte, hochwertige Holztische und Stühle, wobei jeder Tisch sorgfältig wie in bester, klassischer Gastronomie-Tradition hübsch und einladend eingedeckt war. Es gab eine ebenfalls sehr gepflegte, dunkel glänzende Holzbalkendecke, weiße Rundbögen und an den Wänden hingen unzählige bunte, historische Porzellanteller; der Fußboden ist in einem markanten hell-dunklen Schachbrettmuster gepflastert, und alles, bis hin zu den Toiletten, war pikobello sauber.

»Die Stühle sehen zwar ein bisschen unbequem aus, aber es ist echt voll hübsch hier drinnen, so herrlich altmodisch«, meinten Britt und Vicky übereinstimmend, während sie sich umsahen.

»Ein bisschen wie unser lieber Rodrigo, hihi«, stichelte Lena sogleich wieder süß-frech wie immer, was den elegant gekleideten alten Herrn amüsiert lächeln ließ, während er mit einem Zwinkern konterte.

»Deshalb mag ich dieses Restaurant besonders, liebe Lena, hier passe ich einfach perfekt hinein.«

»Als wäre es dein ganz persönliches Speisezimmer«, schmunzelte auch Lois liebevoll und streichelte ihm über den Unterarm.


 

Beim starken Kaffee nach dem üppigen Essen erzählte uns Rodrigo dann endlich in ruhigem Ton, was er uns später zeigen wollte und was besonders mich als geschichtsinteressierten Mann definitiv faszinierte. Portugal war historisch gesehen tatsächlich eines der wichtigsten Rückzugsgebiete für die sagenumwobenen Tempelritter, nach ihrer brutalen Verfolgung und Zerschlagung durch den französischen König Philipp IV. und Papst Clemens V. im schicksalhaften Jahr 1307.

Viele Templer flohen damals nach Portugal, wo der weitsichtige König Dinis I. sie bereitwillig schützte. Im Jahr 1319 gründete Dinis dann den Orden von Christus (Ordem de Cristo) – was eine direkte, geschickte Nachfolgeorganisation der Templer war. Der neue Orden übernahm kurzerhand viele der alten Besitzungen, wehrhaften Burgen und Privilegien der Templer auf portugiesischem Boden.

Die Festung von Lagos (Forte da Ponta da Bandeira) und die gesamte Küstenregion waren damals stark vom Orden von Christus geprägt. Der Orden hatte in der gesamten Algarve einen erheblichen Einfluss, besonders während der großen Epoche der Entdeckungszeit; kein Geringerer als Heinrich der Seefahrer war seinerzeit Großmeister des Ordens von Christus. Viele der hölzernen Schiffe der berühmten portugiesischen Entdecker trugen das Kreuz des Ordens von Christus auf den Segeln – das markante rote Kreuz auf weißem Grund, das später zum weltbekannten portugiesischen Nationalzeichen auf stürmischer See wurde.

Die berühmteste und am besten erhaltene Templer- und Christusritter-Burg in ganz Portugal ist das Convento de Cristo in Tomar, nördlich von Lissabon gelegen – ein absolutes, architektonisches Highlight und zu Recht UNESCO-Weltkulturerbe. Portugal war also ein sicherer Hafen für die verfolgten Templer, und der Orden von Christus war quasi ihre direkte portugiesische Fortsetzung im Gewand der Krone. In Lagos selbst gibt es zwar heute keine Templerburg zu bewundern, aber die gesamte Region war spürbar vom Geist und dem mächtigen Einfluss dieses Ordens durchdrungen.

Was es in Lagos und vermutlich in großen Teilen Portugals im Verborgenen aber bis heute gibt, ist eine aktive Außenstelle des Ordem Militar de Nosso-Senhor Jesus Cristo, oder kurz Ordem dos Templários… und unser Gastgeber Rodrigo ist tatsächlich ein echtes Mitglied des Ordem dos Templários instala Comendadoria de Santiago em Castro Marim, kurz Templar Corps oder auch Secular Militant Order of the Temple of Jerusalem, Außenstelle Lagos, und zwar im stolzen Rang eines »Knight Commander«.

Rodrigo deutete jetzt an, dass diese teilweise unter dem öffentlichen Radar zusammenarbeitenden Organisationen, in welcher er Mitglied ist, doch erheblich mehr Einfluss und Macht hat als allgemein bekannt. Das beeindruckte mich allerdings wenig. Es kommt erstaunlich häufig vor, dass sich selbst so intelligente, gebildete Mitglieder solcher elitärer Logen, Orden und Sekten selbst einreden, dass was sie da machen, sei wesentlich bedeutsamer und sie selbst wichtiger als es ist. Deshalb lächelte ich nur nichtssagend dazu, beschloss allerdings genauer darüber zu recherchieren.

 

Damit der tiefere Zusammenhang hier im Blog nicht vergessen wird, füge ich an dieser Stelle gleich ein, was meine eigene, gründliche Recherche im Nachgang über diese modernen Gruppierungen ergeben hat. Meine Erfahrung und mein Bauchgefühl haben mich da nämlich mal wieder nicht getäuscht:

1. Der historische Teil: Absolut wasserdicht!

Alles, was ich über die packende Geschichte der Templer in Portugal herausgefunden habe, ist historisch absolut korrekt. Der Zufluchtsort Portugal war eine historische Realität: Während Philipp IV. (der Schöne) die Templer in Frankreich 1307 auf dem Scheiterhaufen qualvoll brennen ließ, weigerte sich König Dinis I. von Portugal standhaft, dem Papst zu gehorchen. Er benötigte die immense militärische Macht und das taktische Wissen der Ritter dringend für die Rückeroberung (Reconquista) des Landes gegen die Mauren.

Die Umbenennung im Jahr 1319 war ein genialer Schachzug: Er löste die Templer formell auf, gründete den Christusorden und übertrug einfach alle Besitztümer, Ritter und die gesamte bewährte Struktur eins zu eins in den neuen Orden. Das war reine Kosmetik, um den Papst in Rom zu beruhigen. Heinrich der Seefahrer nutzte als Großmeister später das immense, angehäufte Vermögen des Ordens, um die portugiesischen Karavellen für ihre riskanten Fahrten in die neue Welt zu finanzieren. Und Tomar bleibt das absolute Epizentrum dieser Epoche.

2. Der moderne Teil: Der Mythos der Neo-Templer

Hier kommen wir nun zu Rodrigos geheimnisvollen Andeutungen und der Organisation, der er angehört. Das von ihm erwähnte Templar Corps International (beziehungsweise die OSMTH) existiert tatsächlich als weltweites Netzwerk. Psychologisch und realpolitisch sieht die nackte Realität im Vergleich zur Legende aber genau so aus, wie ich es vermutet hatte: Es handelt sich hierbei um sogenannte Neo-Templer-Orden. Diese Gruppen haben keinerlei legitime, geschichtlich ununterbrochene Nachfolgekette zum echten, historischen Templerorden, der 1312 von Papst Clemens V. offiziell und endgültig per Dekret aufgelöst wurde.

Es sind reine Neugründungen, die meist erst im 18. oder 19. Jahrhundert im Zuge der Freimaurer-Bewegung und der Epoche der Romantik entstanden sind. Heute sind diese Gruppen rechtlich als gemeinnützige Kultur- und Hilfsvereine (NGOs) registriert, sammeln brav Spenden für wohltätige Zwecke (oft im Heiligen Land), pflegen historische Traditionen und verleihen sich im stillen Kämmerlein gegenseitig prachtvolle Titel wie »Knight Commander«. Es gibt in diesen Zirkeln keine geheimen Netzwerke, die im Hintergrund die Fäden der Weltpolitik oder der globalen Wirtschaft ziehen. Der Vatikan erkennt diese Orden nicht als offizielle Ritterorden an, und sie besitzen keinerlei realen politischen Einfluss.

3. Die Psychologie dahinter: Warum Rodrigo das tut oder so gern daran glauben möchte

Meine Beobachtung trifft den psychologischen Kern solcher Zirkel perfekt. Warum neigen selbst intelligente, gebildete und wohlhabende Männer wie Rodrigo im Alter dazu, die Bedeutung solcher Orden aufzubauschen? Da ist zum einen das Eliten-Bedürfnis: Menschen in gehobenen gesellschaftlichen Positionen suchen oft nach Gleichgesinnten. Ein exklusiver Club mit edlen Gewändern, geheimnisvollen Ritualen und historischen Titeln befriedigt das zutiefst menschliche Bedürfnis nach Exklusivität und elitärer Zugehörigkeit.

Zum anderen ist es eine Flucht vor der gefühlten Bedeutungslosigkeit im Alter: Rodrigo ist Witwer, nicht mehr der Jüngste und lebt im Alltag recht zurückgezogen auf seiner Finca. Der klangvolle Rang eines »Knight Commander« in einem vermeintlich mächtigen, weltweiten Orden gibt dem Lebensabend eine tiefere, fast schon mystische Bedeutung. Es wertet das Ego auf und gibt einem das erhebende Gefühl, Teil von etwas Großem und Geheimem zu sein.

Das Einzige, was an Rodrigos Aussage über »Einfluss« wirklich stimmt, ist jedoch die rein informelle Ebene: In solchen Orden sitzen oft wohlhabende lokale Unternehmer, Anwälte, Ärzte oder regionale Politiker. Man hilft sich untereinander oder vermittelt diskret Kontakte und Geschäfte – aber das ist klassische Kungelei und simples Vitamin B, keine templarische Weltverschwörung.

Okay, so weit, so gut. Nach dem Kaffee führte uns Rodrigo dann stolz zu einem der besagten, angeblich »geheimen« Treffpunkte seines Ordens, wo aktuell tatsächlich einige wenige Mitglieder anwesend waren. Alle waren in meinen Augen in eher lächerliche Templer-Uniformen und schwere Umhänge gewandet, hantierten mit traditionellen Schwertern und pflegten ebenfalls eher amüsante, furchtbar förmliche Umgangsformen miteinander.

So etwas tun gewöhnlich Menschen, die sich halt im Inneren besonders wichtig und bedeutend fühlen wollen, es im harten, realen Leben da draußen aber oft nur sehr begrenzt sind. Die wirklich Mächtigen von heute haben solche theatralischen Spielchen überhaupt nicht nötig. Denen gehört sowieso fast alles auf der Welt, und sie können mit einem ganz sanften, unscheinbaren Wink im Hintergrund nahezu alles beeinflussen, was immer sie wollen.

 

Beeindruckend und optisch interessant war die Szenerie trotzdem, und ich gönne den Leuten in solchen Organisationen auch gern ihren Spaß oder die Freude, sich selbst im Alltag ein wenig aufzuwerten, wenn sie meinen, das für ihr Seelenheil zu brauchen, und solange sie damit keinen Schaden anrichten. So ticken nicht wenige Menschen nun mal auf dieser Welt, deshalb gibt es ja auch Religionen, Geheimbünde und unzählige Clubs und Vereine jedweder Art. Also hielt ich mich höflich zurück, schwieg gentlemanlike und lächelte nur still in mich hinein.

Architektonisch war dieser »geheime« Treffpunkt allerdings unbestreitbar spannend anzusehen. Er liegt verborgen in einer alten, mittelalterlichen Festung, ähnelt im Inneren stark einer düsteren Kapelle, und die geschichtsträchtigen Innenwände sind vollständig mit den traditionellen blau-weißen Azulejo-Kacheln ausgekleidet, die vermutlich aus dem späten 18. Jahrhundert stammen. Es ist ein tunnelähnliches, kühles Gewölbe mit schweren »Kardinals«-Stühlen an den Längsseiten und an der Kopfseite einer Art Altar, hinter welchem der »Knight General« oder »Knight Grand Cross« die Versammlungen leitet und sich dabei für ein paar Stunden furchtbar wichtig fühlen kann. schmunzel

Danach wechselten wir gut gelaunt zum offiziellen, nicht geheimen, wenn auch für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglichen Treffpunkt oder Clubhaus von Rodrigos Orden, Sekte oder wie immer man so eine Vereinigung am Ende auch nennen mag. Immerhin sind sie dort dann doch so modern eingestellt, dass es sogar einige, wenn auch ganz wenige Frauen als vollwertige Mitglieder gibt; das ist für einen katholischen Orden bereits ungewöhnlich fortschrittlich. Die meisten Logen und Orden ähnlicher Art bestehen ausschließlich auch Männern.

Neben den regelmäßigen Club-Treffen zum gegenseitigen verbalen Bauchpinseln, beschäftigen sie sich offenbar hauptsächlich mit regionaler Traditionspflege, sozialem Engagement und gelegentlich auch mit feierlichen, öffentlichen Auftritten in der Art von Karnevals- oder ähnlichen Traditionsvereinen zur Unterhaltung der einheimischen Leute und Touristen.

Die allermeisten Mitglieder dort waren typischerweise Männer in bereits gesetzterem Alter; der Jüngste, den ich dort erblickte, dürfte etwa Mitte 30 gewesen sein, die allermeisten waren locker über 50 oder älter. Und ebenso typisch, auch wenn sie es in ihrem stark katholisch-christlich geprägten Glauben und ihrer offiziellen Moral eigentlich nicht so offen zeigen und tun dürften: Sie waren selbstverständlich über den von Rodrigo mitgebrachten Besuch so charmanter, schöner junger Frauen insgeheim ziemlich erfreut und ließen ihre Blicke wandern. Scheinheilige Verlogenheit ist ja gerade im traditionellen Katholizismus sozusagen eine altbekannte Grundeinstellung, sonst gäbe es weltgeschichtlich nicht so viele pädophile Pfaffen und ähnlich fragwürdige Gestalten in den weitverzweigten Kirchenorganisationen.

Na, jedenfalls war es alles in allem ein durchaus interessanter, in Teilen amüsanter Nachmittag, bei dem wir fünf unseren Spaß hatten und viel Neues sahen. Gegen 18:00 Uhr abends kamen wir schließlich zurück in die Finca und legten frisch geduscht erst einmal eine schöne, ausgiebige und sinnliche Siesta in den Gemächern ein. Mit einem kleinen Nickerchen etwas Schlaf auf Vorrat zu tanken, war an diesem Tag auch wahrlich nicht die verkehrteste Idee.

Nach dem anstehenden Abendessen wollten wir nämlich alle, außer dem alten Rodrigo, der lieber geruhsam daheim blieb, richtig schön ausgehen und ganz klassisch Spaß bei einer feuchtfröhlichen Pub-Crawl-Tour durch diverse angesagte Lokale der Stadt haben. Wie schon mal erwähnt, kennt sich Lois hier in der Gegend durch bestens aus und kennt viele coole Lokalitäten oder eher private, versteckte Treffpunkte, wo junge Menschen ungestört Spaß haben und zu moderner Musik bis in den Morgen abtanzen können.

 

Das alles hier im Blog haarklein aufschlüsseln und in allen Einzelheiten beschreiben zu wollen, würde am Ende einfach viel zu viele Seiten Text erfordern und den Rahmen sprengen. Deshalb schreibe ich jetzt zum Abschluss nur noch kurz, dass wir uns alle zusammen prima amüsierten und bis fast 03:00 Uhr morgens ausgelassen feierten. Erst dann fielen wir, wohlig müde und leicht erschöpft von dem langen, ereignisreichen Tag und fast der ganzen durchgemachten Nacht, nach einer nur noch kurzen, schnellen Dusche glücklich in die Betten. Was Vicky und mich betraf, pennten wir nahezu sofort Arm in Arm ein, und den anderen in der Finca dürfte es in ihren Zimmern ganz genau so ergangen sein. Und das war es dann auch schon wieder für heute… schnarch

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