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Algarve, Portimão, Vicky und Orca Attacken auf Segelboote

 

#26.06.06 – Algarve, Portimão, Vicky und Orca Attacken auf Segelboote

»Steviieee…, toll dass du kommen konntest! Danke, du Lieber!« wurde ich am Flughafen Faro International Airport heftig und geradezu erotisch umärmelt und abgeknutscht. Es war ein Wiedersehen, das die Vorfreude auf die kommenden Tage bei strahlendem Sonnenschein sofort steigerte und in gewisse, reizvolle Bahnen lenkte.

»Gern doch Vicky, wie du weißt, helfe ich immer gern, wenn irgend möglich und ja, ich freue mich auch dich zu fühlen…, ähm, zu sehen, hoho.« gluckste ich vergnügt und leicht amüsiert, während ich sie ebenso herzlich und etwas fester an mich drückte, als wir inmitten des Flughafentrubels standen.

Und wieder einmal war es ganz anders gekommen, als gedacht und geplant. Eigentlich wollte ich noch mindestens zwei Wochen, vielleicht sogar bis Ende Juni, mit Tori, Allan und Paul in Griechenland segeln und dort die Vorzüge der Ägäis genießen. Doch dann kam diese Mail von Vicky, einer talentierten Künstlerin und Model, die mich um Hilfe in Portugal bat. Da konnte und wollte ich nicht Nein sagen. Außerdem ging es dabei wieder um ein Segelboot – eine gut gepflegte Nauticat der renommierten, leider nicht mehr existierenden finnischen Werft. Bekanntlich reizt mich alles, was mit Seefahrt und Booten zu tun hat, und Vicky ist zudem eine gute Freundin, der ich wirklich gern helfe.


 

Zusammen mit ihrem guten Freund Demo hatte sie die gebrauchte, solide Nauticat vom Baltikum nach Portugal gesegelt. Vor der Küste wurde das Boot leider von Orcas am Ruder attackiert. Vielleicht hat der eine oder andere Leser schon von diesen ungewöhnlichen Wal-Interaktionen um Iberien herum gehört. Richtige »Angriffe« im Sinne von gezielter Aggression sind das eigentlich nicht. Es ist wohl eher fehlgeleitete, spielerische Neugierde dieser klugen und gut organisierten Orca-Gruppen, die in den Gewässern vor der Iberischen Halbinsel ihre Bahnen ziehen.

Es folgen die aktuellsten Erkenntnisse (Stand Juni 2026) zu den Orca-Interaktionen vor Portugal und Spanien, basierend auf wissenschaftlichen Studien, Erfahrungsberichten und Analysen von Seglern, Meeresbiologen und Behörden. Die Daten zeigen klare Muster bei den betroffenen Booten und Situationen. Die Orca-Aktivitäten vor der portugiesischen Küste sind nach wie vor aktuell, allerdings mit nachlassender Dynamik, was viele Segler sehr erleichtert.

Die Orca-Interaktionen vor Portugal und Galicien sind nach wie vor ein Thema, auch wenn die Häufigkeit schwerer Vorfälle seit dem Höhepunkt 2022–2024 etwas zurückgegangen ist. Dennoch gibt es weiterhin regelmäßig Meldungen über Attacken – Stand Juni 2026 wurden allein in diesem Jahr bereits mehrere Vorfälle dokumentiert, die die Schiffsführer zu vorsichtigem Verhalten mahnen.

Besonders betroffen sind moderne Serienyachten mit Finne und Ruderschwert (Beneteau, Jeanneau,, Bavaria, Dufour etc.). Diese Boote machen den Löwenanteil der Opfer aus, weil ihr Ruder beweglich und relativ leicht erreichbar ist. Klassische Langkiel-Yachten (z. B. Hallberg-Rassy, Hans Christian) werden deutlich seltener angegangen – ihr tiefer und stabiler montiertes Ruder scheint für die Orcas weniger attraktiv zu sein.

Die Angriffe erfolgen fast immer bei langsamer Fahrt (3–8 Knoten), egal ob unter Segel oder mit Motor. Steht das Boot vor Anker oder fährt es schneller, sinkt das Risiko spürbar. Die Orcas (vor allem junge Tiere der sogenannten iberischen Population) scheinen die Ruder als Spielzeug oder Trainingsobjekt zu behandeln – ein erlerntes Verhalten, das sich innerhalb der Gruppe ausbreitet und stetig an die nächste Generation weitergegeben wird.


 

Wissenschaftler sehen mehrere mögliche Gründe: Spielverhalten, Neugier, soziales Lernen oder eine Reaktion auf zurückgehende Nahrungsressourcen durch Überfischung und Klimaveränderungen. Wichtig: Es gibt keine dokumentierten Angriffe auf Menschen. Die Orcas interessieren sich ausschließlich für die Boote, was diese Interaktionen so skurril macht.

Praktische Tipps für Segler:

  • Bei Orca-Sichtung: Ruder hochziehen, wenn bautechnisch möglich, um den Kontakt zu minimieren.
  • Geschwindigkeit erhöhen: Wenn machbar, den Motor nutzen, um die Fluchtgeschwindigkeit zu steigern.
  • Nicht stoppen oder im Kreis fahren (das reizt sie oft zusätzlich und animiert sie zum Spiel).
  • Notfall-Ruder mitführen: Ein unverzichtbares Ausrüstungsstück für Fahrtensegler in dieser Zone.
  • Andere Boote per Funk/AIS warnen: Solidarität unter Seglern ist hier das oberste Gebot.

Die Region zwischen Porto und Galicien bleibt ein Hotspot, aber mit vernünftiger Vorsicht und etwas Glück kommt man meist ohne Probleme durch. Es bleibt ein faszinierendes, wenn auch etwas nervenaufreibendes Phänomen – Orcas, die sich Segelboote als neues Spielzeug ausgesucht haben.

Für Interessierte: Unter folgendem Link könnt ihr eine ausführliche Analyse aufrufen: https://sea-nomads.blogspot.com/p/orca-attacken-auf-segelboote-vor.html


 

Durch die malerischen Dörfer, Städtchen und Landschaften fuhren wir zum Arade-Fluss, wo die Yacht momentan an einem Anlegesteg in einer Marina festgemacht liegt. Vicky erzählte mir ausführlich von dem Schreck, ja regelrechten Schock, als die Nauticat auf See plötzlich von einem Orca attackiert wurde. Der Verlust des Ruders auf offener See ist für jeden Segler eine schreckliche Vorstellung und im schlimmsten Fall eine lebensgefährliche Katastrophe, die man nicht einmal seinen ärgsten Feinden wünscht.

Aber sie hatten Glück. Nauticats sind ungewöhnlich stabil und robust gebaut. Das Ruder funktionierte weiterhin, sodass sie sicher in den Arade einlaufen konnten. Eine erste getauchte Sichtprüfung unter Wasser zeigte keine erkennbaren schweren Schäden, nur etwas abgescheuerten Lack. Dennoch war der Stoß gegen Ruder und Skeg kräftig genug, dass eine genaue Untersuchung auf der Slipanlage sinnvoll erschien, um auch Haarrissen im Laminat vorzubeugen.

»Wir…, ich hoffte, du kannst uns mit deiner riesigen Erfahrung etwas helfen und wie ich dir schon in der Mail schrieb, naja…, auch einen kleinen Kredit geben. Momentan sind wir finanziell etwas knapp, bis ich wieder mehr Geld mit Kunst oder als Model verdienen kann«, lächelte sie verlegen, während sie mich aus sympathisch zwinkernden Augen erwartungsvoll ansah.

»Das kriegen wir schon hin, keine Sorge«, lächelte ich aufmunternd und streichelte ihr ebenso über den Oberarm. Wir hatten schon mal eine intime Affäre, sind miteinander vertraut, kennen und mögen uns beide wie echte Freunde, weshalb mich ihre Bitte auch persönlich berührte; ich mag und respektiere sie.

Angekommen schafften wir erstmal meine Sachen an Bord und unter Deck. Natürlich war ich neugierig auf das Boot. Demo ist ein talentierter Handwerker und Selfmade-Mann mit viel Improvisationskunst und in der Lage, die meiste Technik und Einrichtung einer Yacht ordentlich zu warten, reparieren oder auch moderne Teile einzubauen. Vicky ist zwar eine schlanke, attraktive Künstlerin und Model, aber keineswegs von der verwöhnten Sorte. Auch sie versteht nicht wenig von Yachten und scheut sich nicht vor unangenehmen, schmutzigen Arbeiten. So sah alles für ein rund 10 Jahre altes Boot sehr sauber und gepflegt aus, was meinen Erwartungen entsprach.

Aber nach viel Sitzen und wenig Bewegung wollte ich zunächst einen ausführlichen Spaziergang in der reizvollen Umgebung machen. Wir hatten am Nachmittag strahlend sonnige 27–28 °C mit mäßig bis schwachen Wind aus Westen – sehr angenehm für einen Ausflug. Der Rio Arade mündet bei Portimão in den Atlantik und prägt die gesamte Region stark. Die Gegend ist überwiegend touristisch ausgerichtet, hat aber eine deutlich stärkere industrielle und maritime Vergangenheit, die teilweise heute noch aktiv ist, als viele andere Orte an der Algarve, was mir besonders gefällt.

»Moment, ich zieh mir was Leichteres und Bequemeres über…« zog sich Vicky geschwind um. In einem weißen Tank-Top-Shirt, offensichtlich ohne BH darunter, und ebenfalls schneeweißen Dreiviertel-Cargo-Hosen sah sie noch reizvoller aus. Sie ist ein überwiegend natürlicher Typ, schminkt und stylt sich privat selten mehr als minimal. Natürlich kann sie sich auch schick-ladylike zum Ausgehen herrichten, wenn sie Lust dazu hat, doch diese Schlichtheit betont ihr natürliches Sexappeal.


 

Am allerliebsten läuft sie wie Nudisten nackig herum. Als sehr ungeniert lockeres, sympathisches, humorvolles, aber auch diszipliniert arbeitendes Model, macht sie gern meistens Akt-Aufnahmen und arbeitete schon mit einigen guten, bekannten Aktfotografen oder Künstlern zusammen. Für sie ist Nacktheit etwas völlig Natürliches. Diesbezüglich verklemmte Moralapostel belächelt sie bestenfalls milde, da sie ihre Freiheit über Konventionen stellt.

»Eine wirklich hübsche Gegend«, lächelte ich, während wir an einem der sandigen und teils felsigen Strände entlangspazierten, wovon die Gegend nur so wimmelt. Auf einem ins Flusswasser reichenden Felsenkliff ragte eine halb verfallene Burgruine empor, ich glaube, es ist das Forte de São João do Arade, das stolz über den Eingang zum Fluss wacht.

»Ja Steve, warst du noch nicht an der Algarve? Ich bin erstmals hier und finde es entzückend!« fragte sie begeistert, während der Wind leicht mit ihrem Haar spielte.

»Doch war ich schon, aber das ist arg lange her, sodass ich mich kaum noch erinnern kann. Die Algarve ist berühmt als wildromantische Küstenlandschaft mit fantastischen Felsformationen, kleineren, größeren oder versteckten Höhlen und wunderschönen Sandstränden. Sehr beliebt bei Urlaubern seit vielen Jahrzehnten«, erzählte ich mit einer gewissen Nostalgie. »Aber weil es eine eher raue Küstenlandschaft am Atlantik ohne Inseln ist, ist es halt kein so beliebtes Segelrevier wie beispielsweise Griechenland und die Ägäis, wo man das Inselhüpfen so herrlich genießen kann.«

»Davon merkt man aber kaum etwas; schau nur, es wimmelt doch von Yachten und Marinas!« entgegnete sie und deutete auf die vielen Masten im Hafen.

»Ja klar, es ist ja auch sehr reizvoll und Portugal hat eine uralte Seefahrertradition. Ich meine nur so zum Vergleich. Wenn es mich zum Segeln zieht, bevorzuge ich doch lieber Regionen im Mittelmeer. Es sei denn, ich gehe auf Langstrecke mit Ozeanüberquerung in die Karibik oder so«, plauderte ich locker, während wir den Blick über den Horizont schweifen ließen. »Habt ihr eigentlich vor, im Herbst über den ‚großen Teich‘ in die Karibik zu segeln… und wo ist Demo?«

»Ach so, ja verstehe ich. Wenn wir es finanziell hinbekommen, bis dahin genügend Reserven haben…, ja, dann würden wir gern ‚rüber‘ segeln. Demo ist mit seiner Freundin Britt zu einer Wochenendparty mit neuen Freunden von hier gestartet; die kommen erst Sonntagnacht oder Montag zurück.«

»Britt?« grinste ich fragend und hob die Augenbrauen.

»Ne skandinavische, hellblond gefärbte Model-Schönheit, die er sich…, oder hat sie sich ihn angelacht, haha?« fügte sie mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.

»So, so, eine nordische Model-Schönheit, der Glückliche«, schmunzelte ich. »Skandinavierinnen sind schon allgemein meist sehr selbstbewusst, voll gleichberechtigt emanzipiert und suchen sich nicht selten gezielt ihre Lover aus; Models umso mehr. Also schätze ich, sie hat eher ihn angemacht, als umgekehrt, was bei ihrem Typ wohl auch nicht lange dauerte.«

»Da schätzt du richtig, haha. Britt müsste dir gefallen, wie ich dich kenne«, lachte sie und boxte mir leicht in die Seite.

Nach dem langen Spaziergang checkte ich meinen Laptop, beantwortete ein paar Mails und legten wir eine kleine Siesta ein, um die Kräfte für den Abend zu sammeln. Zum Abendessen empfahl Vicky das am Flussufer gelegene, hübsch-gemütliche und gute Restaurante Borda do Cais, R. Infante Santo 75, 8400-252 Ferragudo. Frisch geduscht und für die langsam einsetzende abendliche Kühle passend gekleidet, schlenderten wir dorthin, wobei die Abendsonne alles in ein warmes, weiches Licht tauchte.


 

Das Borda do Cais wird auf Google im Schnitt mit 4,5 Sternen bewertet und gefiel mir richtig gut. Freundliches Personal bemüht sich um die Gäste und bringt Köstlichkeiten der portugiesischen Küche auf die Tische. Die Portionen sind recht üppig und wenn man mit einer Flasche guten Wein schlemmt, sollte man pro Person etwa 25–35 € einplanen. Die Lage am Flussufer mit Aussicht auf das schräg gegenüberliegende, romantisch beleuchtete Portimão von der Außenterrasse ist prima. Einziges Manko: Sie haben täglich von 12:30 bis nur 21:45 Uhr geöffnet; man kann also nicht noch länger gemütlich sitzenbleiben, wie man es in südlichen Ländern doch eigentlich gern tut, was uns ein wenig wehmütig stimmte.

Dazu und für noch etwas Unterhaltung liefen wir pappsatt zur nicht weit entfernten, rustikalen Bar Os Três Macacos, R. Vasco da Gama 18. Diese öffnet überhaupt erst um 21 Uhr und ist dann täglich, außer Montag, bis 02 Uhr offen. Sie liegt im malerisch-rustikalen Ambiente inmitten der Ruinen einer alten Kirche mit großem, bepflanztem Außen-Innenhof und wird tatsächlich mit erstaunlich hohen 4,8 Sternen bewertet.

 

Das ist definitiv etwas übertrieben, zeigt aber, wie wohl sich dort die überwiegend einheimischen Stammgäste und Touristen fühlen. Der Service ist superfreundlich und flott, die Drinks sind gut und zu fairen Preisen. Der Betreiber bemüht sich sympathisch darum, dass sich alle wohlfühlen und Spaß haben. Besonders für jüngeres Publikum gibt es auch Spielgeräte wie Tischfußball und Billard. Anscheinend gibt es auch regelmäßig typische Fado-Livemusik mit Gitarristen und wer will, kann auch tanzen.

Das Publikum ist einfach nett, gut gelaunt und genießt das Leben. Man kann, wenn man möchte und sich ebenfalls freundlich der hiesigen Kultur anpasst, leicht Bekanntschaften zu Einheimischen oder fremden Urlaubsgästen knüpfen. Viele Portugiesen sprechen und verstehen mehr oder weniger gut Englisch, da das Land jahrhundertelang mit dem britischen Empire verbündet war oder zusammenarbeitete.

Die Anglo-Portugiesische Allianz ist tatsächlich das älteste bestehende Bündnis der Welt (seit 1373/1386). Sie war jahrhundertelang wichtig für Handel, Militär und Diplomatie. Portugal gehört weltweit zu den Ländern mit den besten Englischkenntnissen als Zweitsprache, was das Reisen hier so ungemein komfortabel macht.

Allerdings ist das nicht die Hauptursache für die heutigen guten Englischkenntnisse vieler, vor allem jüngerer Portugiesen. Die eigentlichen Hauptgründe sind das Schulsystem, Medienkonsum (Filme und Serien mit Untertiteln) sowie Tourismus und internationale Ausrichtung, die das Land für junge Menschen so attraktiv machen.

In touristisch stark frequentierten Regionen wie der Algarve sprechen wegen deutscher Urlauber auch mehr Leute Deutsch, während es sonst im Land gerade mal 0,4 % der Bevölkerung sind. Die Algarve ist eines der beliebtesten und wichtigsten Tourismusziele Europas, besonders bei Europäern auf der Suche nach Sonne, Stränden und Golf, die hier in den zahlreichen Resorts oder wildromantischen Buchten ihr Paradies finden.

»Mir gefällt es hier sehr und das Klima ist so angenehm mild«, schmuste sich Vicky leicht beschwipst ein bisschen seitlich an mich. Sie stammt ja aus dem kalten Norden, Karelien, wenn ich mich recht erinnere. Für solche Menschen sind knapp über 20 °C schon geradezu hochsommerliche Temperaturen, die man voll auskosten muss.

»Ja, die Algarve hat was. In winterlichen Stürmen vom Atlantik kann es allerdings auch hier ganz schön ungemütlich werden.« Diese Aussage musste ich wiederholen, weil der aktuelle Gitarrist gerade temperamentvoll aufdrehte und die Gäste begeistert klatschten und Lob riefen. Im Os Três Macacos scheint es generell recht laut zuzugehen; manchmal auch im Innenhof unter freiem Himmel, weil die alten Steinwände rundum den Schall zurückwerfen, was die Atmosphäre intensiviert.

»Ach was, Schlaufkopf. Sonst fällt dir nichts ein?« stichelte Vicky lieb-frech und sah mich mit glänzenden Augen an.

»Hmm…, was könnte mir sonst noch einfallen? Wie wäre es mit einer soziokulturellen Abhan…«

»Untersteh dich, haha!« unterbrach sie mich mit einem recht kraftvollen Ellenbogen-Stubs und jubelte ebenfalls in Richtung des Gitarristen: »Bravo, Bravissimo, molto obrigado!«

Der recht attraktive, südländisch heißblütige Gitarrist von ca. Anfang 30, warf männlich interessierte Blicke auf sie in ihrem sexy Kleid. Heute Nacht war sie eindeutig die attraktivste Frau in der Bar. Mit ihrer von Natur aus etwas bräunlichen Hauttönung wirkte sie zudem eher wie eine Südländerin statt wie ein Nordlicht. Aber dann wanderte der Blick des Gitarristen zu meiner Bärengestalt, an die sie sich wieder leicht seitlich schmiegte, und verzog sich sein Gesicht unerfreut. schmunzel

Gegen 01 Uhr machten wir uns bei 19–20 °C auf den Rückweg zur angelegten Yacht am Steg. Nach einer 0,7-l-Flasche schweren Rotwein beim Essen und einer weiteren Flasche fruchtig-frischen Rosé in der Bar, im Magen gemischt mit den Speisen und Mineralwasser, hatten wir doch einen leichten Schwips, der uns beschwingt durch die Nacht trug. Vicky mit ihrem höchstens 50 kg Körpervolumen etwas mehr als ich mit meinen 94 kg, aber ganz nüchtern war ich auch nicht mehr, was die Stimmung nur noch weiter auflockerte.

 

Den ganzen Abend hatte sie schon recht deutlich zu verstehen gegeben, dass sie unsere frühere Affäre gern wieder anheizen würde. Und so fielen wir in der Heckkabine recht schnell übereinander her und liebten uns ziemlich leidenschaftlich, aber auch sinnlich verspielt. Vicky hat viel gesunden Humor und lacht wie die meisten jungen Frauen sehr gern; macht auch vergnügt gern ein bisschen Blödsinn. Also war es nicht einfach nur geiler Sex, sondern ein wirklich schönes Liebesspiel, durchaus auch mit Gefühl, gegenseitiger Sympathie, Lachen und Zuneigung, wie ich es bekanntlich stets bevorzuge.

Frisch geduscht zogen wir geschwind neue Bettwäsche über das Liebes-Schlachtfeld auf. Diese rund 13 m Nauticat hat in der Heckkabine ein vollwertiges Queen-Size-Doppelbett und für ein Boot dieser Größe ein ungewöhnlich großes Bad mit separater Duschkabine. Der typisch für Nauticat etwas erhöhte Heckabschnitt mit Mittelcockpit und eingebettetem Decksaloon bietet mehr Platz als auf den meisten modernen 42-ft-Yachten. Sie gelten in der nautischen Seglersprache mehr als Motorsegler, haben mit moderatem Langkiel und großem, stabilem Heckruder aber auch recht gute Segeleigenschaften.


 

Als Vicky und Demo das Boot übernommen haben, war es bereits als gut gepflegte »Bluewater«-Langfahrtenyacht ausgelegt und ausgerüstet. Ein knappes Jahr arbeiteten sie an Modernisierungen und Aufrüstungen; so eine Yacht wird niemals völlig fertig, es gibt immer irgendwas daran zu reparieren, zu warten oder nachzurüsten. Sie segelten es dann diesen Frühsommer vom Baltikum an die Algarve. Vicky war früher schon mal etwas länger mit mir segeln und träumte seither von einer eigenen Yacht für weltweite Fahrt, für ein paar Jahre Sailing-Saltlife, was sie sehr mag und sich nun endlich verwirklicht hat.

Ach übrigens, wer sich über den Namen »Demo« wundert. Das ist natürlich nicht sein richtiger Vor-, sondern ein Spitzname, den er von Freunden verpasst bekommen hat und der hängenblieb. So viel ich weiß, weil er in seinem Job ständig Demos produzierte und in Privatgesprächen allzu häufig erwähnte »Hab heut wieder ne Demo veröffentlicht«. Deshalb nannten sie ihn naheliegenderweise oft »hey, da kommt Demo« und so. schmunzel

Als Künstlerin und Model verdient Vicky zwar recht gutes Geld, aber auch für eine gepflegte Gebrauchtyacht dieser Größe hätten ihre und Demos Finanzen normalerweise nicht gereicht. Die Nauticat gehörte jedoch einem entfernten Verwandten, der sie aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr nutzen konnte und auch nicht dringend Geld braucht. So gab er das Boot für einen ungewöhnlich günstigen Preis ab, der auch nicht sofort komplett beglichen werden muss, sondern in Raten, was ihnen den Start erst ermöglichte.

Trotzdem funktioniert das nur mit viel Eigenarbeit, denn wie gesagt: so eine Fahrtenyacht wird niemals fertig. Man muss ständig Arbeit und Geld hineinstecken, um sie seetüchtig zu halten, wenn man permanent auf ihr lebt und segelt. Deshalb sagen langjährige Fahrtensegler auch immer gern: »Wir segeln nicht um die Welt, wir arbeiten uns herum und segeln ab und zu Stück für Stück weiter«. Im Schnitt gilt unter Fahrtenseglern die Regel: 70–80 % Arbeit am Boot, 30–20 % tatsächliches Segeln zu und in schönen Segelrevieren zum Ankern, was für einen unbedarften Außenstehenden oft kaum nachvollziehbar ist.

Mir persönlich als knapp 190 cm Kerl mit Bärenstatur wäre eine 42er etwas zu klein und eng. Ich bevorzuge gewöhnlich mindestens 48er bis 60er als idealen Kompromiss für Seetüchtigkeit, Platz und noch beherrschbar für eine kleine Crew. Doch die Nauticat 42 macht die Enge durch ihre spezielle Bauart für mich noch akzeptabel… und mit diesen Gedanken schlief ich mit der angekuschelten Vicky in den Armen ein, während das sanfte Schaukeln des Bootes uns in den Schlaf wiegte. 


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