#26.05.30 – Griechenland, Ionisches Meer, Ormos Valtou-Parga
»Klar zum Ankern…« rief Paul, der momentan als Wachhabender unserer Crew-Rolle anführte, vom Steuerstand nach vorne zum Bug, wo ich bereits an der Ankerwinde stand. »… fallen Anker!«
Im gleichen Moment löste ich die Bremse. Mit einem metallischen Rattern rauschte die Kette in die Tiefe. Bei fünfeinhalb Metern Wassertiefe gab ich klassisch die fünffache Länge, also etwa 25 Meter Kette, bis der „Haken“ – unser massiver 34 kg CQR-Pflugscharanker – auf dem sandigen Boden saß. Platz zum Schwoien gab es in dieser malerischen Bucht des Ormos Valtou mehr als genug; außer uns lagen nur fünf bis sechs weitere Boote in dem geschützten Becken, was uns eine etwas Privatsphäre garantierte. Auf mein Handzeichen hin legte Paul kurz den Rückwärtsgang ein und gab für 30 Sekunden „Voll zurück“, um den Anker unter Zug ordentlich einzugraben. Die Yacht ruckte kurz an der Kette, dann lagen wir bombenfest und sicher in der malerischen Kulisse.
Gleich darauf wurde der Diesel abgestellt. Stille legte sich über das Deck, nur unterbrochen vom sanften, fast meditativ wirkenden säuseln des Windes in den Wanten und gegen den Bootsrumpf plätschernden, kleinen Wellen. Wir klarten das Deck zügig auf, nachdem wir diesen 11 Seemeilen langen Törn erfolgreich hinter uns gebracht hatten. Wegen der schwachen Winde von lediglich 4 bis 7 Knoten waren wir insgesamt gut vier Stunden unterwegs gewesen, wobei die schnittige Segelyacht mit 2 bis 4 Knoten sanft durch das azurblaue Meer pflügte. Was für Landratten wie ein lahmes Kriechen klingen mag, ist für eine Einrumpf-Fahrtenyacht bei diesen leichten Bedingungen ein beachtliches Tempo. Wir hatten es ohnehin nicht eilig; der Weg war das Ziel, und wir genossen es, den Motor ausschließlich für die Manöver beim Ein- und Auslaufen zu nutzen.
Die Koordinaten unserer Position liegen bei 39° 16,91' N 020° 23,38' E. Die Bucht ist weiträumig und bietet exzellenten Halt auf Sandgrund. Die Wassertiefe von 5 bis 7 Metern ist ideal für eine entspannte Nacht vor Anker. Von hier aus lässt sich das pulsierende Leben von Parga ganz bequem mit dem Wassertaxi erreichen. Mit den Bootsführern lässt sich problemlos ein Abholtermin vereinbaren; die regelmäßigen Fahrten finden abends ab 22:00 Uhr im 30-Minuten-Takt bis Mitternacht statt. Die Bootsführer sind wahre Profis – sie merken sich genau, wo jedes Boot liegt, und finden einen auch in der dunkelsten Nacht zielsicher wieder.
Östlich davon liegt das Städtchen Parga selbst. Ein sehenswerter Ort, der jedoch einen entscheidenden Haken hat: Der dortige Anleger ist für die Yacht-Schifffahrt nicht zum Anlegen geeignet – höchstens kurzfristig zur schnellen Versorgung. Deshalb ankert man am besten in der westlich benachbarten Bucht Ormos Valtou.
Parga schmiegt sich an die Hänge, und eine enge Gasse zieht sich den Berg hinauf zur 1570 errichteten venezianischen Festung. Die Wege sind gesäumt von kleinen Touristik-Läden und feinen Auslagen mit lokalem Kunsthandwerk. Oben angekommen, wird man für den Aufstieg mit einem phantastischen Blick auf den Hafen und die Bucht Valtou belohnt. Unter alten Pinienbäumen lässt es sich in einem kleinen Café herrlich verschnaufen, bevor man sich in das schier unendliche Angebot an Tavernen, Cafés und Bars stürzt.
Restaurant-Tipp: Die Taverne „Avra“ liegt auf der linken Seite, ziemlich am Ende des Weges Richtung Burg. Die Terrasse bietet einen wunderschönen Ausblick über die Altstadt und den Hafen. Das Essen ist exzellent und der Wirt überaus gastfreundlich. Quelle ©: https://www.skipperguide.de/wiki/Parga#Ormos_Valtou
»Kommt schon, ihr lahmen Enten… yuchuuu…!« stichelte Lany und lief splitternackig, wie sie es an Bord am liebsten tat, zur Reling. Mit einem lauten Platsch und einer gewaltigen Fontäne sprang sie direkt über Bord in das herrlich erfrischende Nass. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen! In kürzester Zeit hüpften auch wir anderen in die Fluten. Lachend und prustend plantschten wir eine gute Viertelstunde um das Boot herum – ein herrlicher Spaß.
Nachdem wir uns an Deck den Salzfilm abgeduscht hatten, machten wir uns fertig für den Landausflug. Wir wollten die venezianische Burg erkunden. Zugegeben, sie ist nicht ganz so imposant wie die Festung über Korfu-Stadt, da sie größtenteils aus Ruinen besteht, aber sie ist ein echtes Historien-Highlight mit Charme und Tragik.
Die Burg wurde 1570 erbaut, um die Bewohner vor Piraten und osmanischen Angreifern zu schützen. Doch die Geschichte Pargas ist ein Auf und Ab: 1537 machte der berüchtigte Barbarossa eine ältere Festung dem Erdboden gleich. Die Venezianer bauten 1570 neu auf – nur um die Stadt später wieder zu verlieren. Erst 1792 gelang ihnen der dritte Anlauf. Die massive Festung hielt bis 1819 stand, trotz der Belagerungen durch Ali Pascha von Ioannina. Doch dann verkauften die Engländer die Stadt kurzerhand an die Türken, und die Burg verlor jede strategische Bedeutung. Ein Haufen Steine also – aber mit einer Aussicht, die jedes Herz höherschlagen lässt.
Und für uns, besonders Tori als Hobby-Historiker ihrer weitverstreuten Familie besonders spannend: Im April 1946 landete hier Toris Ur-Großonkel mit seinem Team, Goldmünzen und Waffen von Malta kommend, auf einem dafür eingesetzten Khaiki (auch Kaiki oder auf Französisch Caïque genannt) an; sie ähneln den türkischen Gulets. Diese traditionelle Schiffsbauweise aus Holz, wir noch heute überwiegend für Traditions-Yachten und den Tourismus eingesetzt. In den 1940er Jahren waren diese Boote das Rückgrat der griechischen Küstenschifffahrt und des Handels in der Ägäis und im Ionischen Meer und somit nicht weiter auffällig.
Laut den Tagebucheinträgen war dieser Einsatz relativ ungefährlich, fast wie eine Art entspannender Urlaub für das Team. Trotzdem mussten sie natürlich vorsichtig agieren, denn zu jener Zeit wimmelte es überall von Spionen, Verrätern und Leuten mit fragwürdigen Absichten. Wie schon im ersten Blog zu dieser Geschichte erwähnt, verlief der griechische Bürgerkrieg sehr brutal. Menschenleben zählten kaum etwas und wie leider immer in solchen Zeiten, litt insbesondere die arme, hungernde Zivilbevölkerung darunter, die schon unter der Nazi-Besetzung jahrelang leiden mussten. In solchen Zeiten ist es nirgendwo ungefährlich; schon gar nicht, wenn du Nahrung, Gold und Waffen transportierst.
Gegen 14 Uhr meldete sich der Hunger. Wir entschieden uns für das mit 4,6 Sternen bewertete „Bacchos“ (Anevxavrtisias 63, Parga). Täglich von 10 Uhr bis Mitternacht geöffnet, kann man hier für 15 bis 25 Euro absolut köstlich schlemmen und satt werden. Mehr auszugeben ist bei der schieren Größe der Portionen kaum möglich, will man nicht überfressen platzen. Es ist ein perfektes Musterbeispiel für griechische Gastronomiekultur, Gastfreundschaft und den allgemeinen, südlichen Lebensgenuss. Wir saßen gemütlich auf der beschatteten Außenterrasse, den malerischen Ausblick auf die Bucht und die umliegenden Inseln im strahlenden Sonnenschein, bei angenehmen 27 °C zusätzlich genießend.
Eine Rezession von La Chimolala beschreibt sehr treffend die direkt an der Hafenpromenade gelegene Taverna / das Restaurant: Ein sehr gemütliches und warmes Lokal, perfekt fürs Abendessen. Es ist das einzige Restaurant in Parga, wo man auf einen Tisch warten muss, weil es einfach so gut ist und man innerhalb von drei Minuten einen Platz bekommt. Das Personal ist überaus freundlich und zuvorkommend. Die Portionen sind riesig und das Essen fantastisch. Wir waren zweimal dort und hatten eine wundervolle Zeit. Absolut empfehlenswert! ©La Chimolala
»Mein Gott, wie soll ich all das schaffen, ohne dick und fett zu werden?« stöhnte die gertenschlanke Lany. Tori und Marina stimmten sofort zu, und auch wir Männer hatten zu kämpfen, um die Portionen aufzuessen.
»Du könntest jetzt gleich von hier bis zur Festung auf dem Hügel hin und her joggen! Am besten nackig, damit dich ein paar entzückte, hormonüberflutete knackige Kerle durch die Gassen jagen, hoho«, gluckste ich vergnügt und schob mir eine delikat gewürzte Scampi in den Mund.
»Ahaha, pass bloß auf, dass wir dich nicht ausziehen und von hübschen Girls herumjagen lassen«, lachte Tori, und natürlich verbündeten sich die Frauen sofort gegen uns Männer.
»Interessante Idee, aber leider unmöglich«, grinste ich sehr breit und männlich cool. »Dann müsste die Regierung in Athen den Notstand ausrufen und die Armee schicken, um die Lage wieder zu beruhigen.«
Marina prustete heftig los: »Ahahaha…, ich stell mir das grad bildlich vor. Unser Casanova-Captain rennt nackig mit schwingendem Schwänzchen durch die Stadt, verfolgt von hunderten, kreischenden Frauen und er muss sich in der Burg verschanzen. Gerade noch rechtzeitig marschiert die Armee ein und fliegt ihn mit einem Heli aus, bevor tausende Frauen die Festung stürmen… haha.«
Über dieses sehr amüsante Bild im Kopfkino mussten wir alle lachen. Tori ergänzte augenzwinkernd: »Welche Frau könnte einem so charmanten Adonis auch widerstehen, haha?!«
»Insbesondere wenn er nackig ist und das Schwänzchen herumwirbelt, haha!« prustete auch Lany heftig. Da diese Vorstellung in dieser hübschen, griechischen Kleinstadt so lustig war, scherzten und lachten wir noch einige Minuten darüber. Es erinnerte uns ein wenig an diese berühmte Szene aus „Das Parfüm“, in der sich der Hauptdarsteller am Ende mit seinem unwiderstehlich machenden Extrakt beträufelt und alle Zuschauer der mittelalterlichen Hinrichtungsstätte plötzlich hemmungslos in ihn verlieben. Schmunzel
Dann wollte Allan als Bootseigner zurück zur Yacht, um zu schauen, ob der Anker auch wirklich gut hält und um ein paar kleinere Wartungsarbeiten vorzunehmen. Die Frauen wollten unbedingt durch die bezaubernden Gassen der Altstadt schlendern und jedes verlockende Geschäft mit hübschem Kram und Souvenirs einer genauen Inspektion unterziehen – wie weibliche Wesen das halt lieben. Paul und ich weigerten uns jedoch strikt, dabei mitzumachen, und wir verabredeten, dass wir beide hier faul auf der Terrasse abhängen, bis die Schönen zurückkehren.
An sich wäre ich auch ganz gerne durch die schnuckeligen Gassen geschlendert; nach dem üppigen Mahl wäre körperliche Bewegung auch sehr angebracht gewesen. Solch hübsch-gepflegte Altstadtgassen in malerischer Umgebung und im Mai bei noch angenehmen Temperaturen und ohne alles überfüllenden Touristenmassen zu erkunden, macht doch immer Spaß. Aber manchmal habe ich total faule Momente und bleibe lieber hocken, um dem bunten Treiben einfach zuzuschauen. Paul erging es wohl ebenso.
Wir plauderten über dies und das, oder hockten einfach nur da und schauten den hübschen, sexy-luftig gekleideten Frauen hinterher. Allerdings fiel mir auf, dass mich Paul anscheinend ein bisschen ausfragte; insbesondere über mein Seglerleben und Erfahrungen von über 200.000 Seemeilen auf vielen Weltmeeren. Er kam jedoch nicht konkret auf einen speziellen Punkt zu sprechen. Es könnte ganz allgemeine Neugierde von jemandem gewesen sein, der selbst weniger als 10.000 Seemeilen Segelerfahrung hat und bisher nur in küstennahen Gewässern unterwegs war. Irgendwie hatte ich jedoch den Eindruck, dass er auf etwas Bestimmtes hinauswollte; doch er sprach es nicht an, und ich fragte nicht direkt nach.
Schätzungsweise zwei Stunden später riefen die Frauen an und forderten uns auf, zur „Limoncello Gastro Bar“, nördlich fast direkt unter dem Burghügel, zu kommen, wo sie sich Erfrischungsdrinks oder Cocktails genehmigten. Dank Google-Maps fanden wir den Laden recht problemlos… jedoch ohne die Frauen.
Dort waren die Schönen schon wieder ausgeflogen und zu „Mike's Bar“, nur wenige Schritte weiter, gewechselt, wo es ihnen viel besser gefiel, informierte uns ein weiterer Anruf. Diese liegt in oder neben der Taverna Stefanos und wird vermutlich von dessen Sohn betrieben. Die Bar wird durchschnittlich mit hohen 4,8 Sternen auf Google bewertet, und das zu Recht.
Man weiß gar nicht, was in dieser Bar besser ist. Zunächst einmal ist das Ambiente mit Blick aufs Meer und den Strand wunderbar, die Dekoration ist bis ins kleinste Detail liebevoll gestaltet und die Musik passt perfekt. Das Personal ist superfreundlich und bemüht sich wirklich, dass sich jeder wohlfühlt. Unsere wärmste Empfehlung für Cocktails, die so viele einzigartige Aromen haben, dass man so etwas wirklich nirgendwo anders probieren wird. Drinks kosten im Schnitt zwischen 5 und 10 Euro. Geöffnet ist ab 08 Uhr bis Mitternacht, man fühlt sich wohl und kann eine Menge Spaß haben.
Unsere drei Schönheiten flirteten und scherzten bereits leicht aufgedreht mit dem Personal und anderen Gästen. Allan war auch schon dort und hatte unser Beiboot unterhalb des Burghügels, kaum 50 m von der Bar entfernt, festgemacht. Wir beschlossen, dort den Abend zu verbringen, denn sie haben auch ausreichend gute Speisen und Snacks. Nach dem üppigen, exzellenten und relativ späten Mittagessen hatte sowieso niemand richtig Hunger. Es ging mehr um eine Grundlage im Magen für weitere Drinks mit Alkohol; die Cocktails sind richtig gut und lecker, wie es sich für eine ordentliche Bar gehört.
Parga gilt als einer der beliebtesten Urlaubsorte in Epirus – vor allem wegen seiner malerischen Altstadt, der venezianischen Burg, der traumhaften Strände (wie Valtos oder Lichnos) und der Nähe zu den Inseln Paxos und Antipaxos. In Reiseführern wird es oft als „Beauty Queen“ der Region bezeichnet.
Im Mai ist der Ort noch nicht überlaufen; erst in der Hauptsaison treffen täglich im Schnitt über 6.000 Touristen auf die gerade mal 2.500 Einheimischen. Ab Juni/Juli wird es dann lebhaft bis voll, aber nie so überlaufen, hektisch und nervend wie z. B. auf Santorin oder Mykonos. Typischerweise lebt so ein Ort fast ausschließlich vom Tourismus und wimmelt es nur so von Bars, Tavernen, Restaurants, Cafés, Boutiquen, Souvenirläden und kleinen Geschäften. Alles in allem ein wirklich bezaubernder Ort, nicht nur für Urlauber.
»Hier könnten wir ein paar Tage länger bleiben und ankern, was meint ihr?« brachte Marina zur Sprache, worüber sich die Frauen offensichtlich schon abgesprochen hatten, wie ich schnell bemerkte. schmunzel
»Gern…, aber nur wenn die Wetterlage ruhig bleibt«, meinte Allan als Eigner der Yacht. »Wir liegen hier weit offen nach Westen und Süden zum ionischen Meer; wenn stürmisches Wetter aufzieht, könnte es riskant werden. Was sagst du, Steve? Du kennst dich mit Segeln in Griechenland am besten aus.«
»Jahaaa… was sagt unser berühmter Captain Steve, haha?« stichelten die schon erkennbar beschwipsten und etwas aufgekratzten Frauen.
»Euer gestrenger Captain sagt:« grinste ich, »Allan hat es richtig erkannt und eingeschätzt. Wenn die Wetterlage so bleibt, können wir hier problemlos länger ankern und ja, mir gefällt Parga auch.«
»Also alle paar Stunden die Wetterlage prüfen, und ich hätte ebenfalls nichts dagegen, ein paar Tage in der Gegend zu bleiben«, fasste Paul überlegt zusammen.
»Oh ja, Griechenland ist wirklich ein wunderbares Segelrevier. So viel Geschichte, bezaubernde Orte, preiswert und wenige Vorschriften, keine Abzocke von Yachties. Ich würde auch gern etwas länger hier ankern«, meinte Tori, die etwa 2.500 Seemeilen Segelerfahrung hat, einschließlich eines Karibik-Segelurlaubs auf einer Charteryacht.
Also waren wir uns einig und vergnügten uns noch deutlich bis nach Sonnenuntergang, derzeit hier um 21:01 Uhr, in Mikes Bar. Wie erwähnt ist derzeit noch nicht so arg viel los, aber wir hatten trotzdem Spaß, auch mit anderen Gästen. Nüchtern waren wir alle nicht mehr, und automatisch fällt man in der malerischen Umgebung mit romantischer Nachtbeleuchtung in ebensolche Stimmung. Eine richtige Tanzfläche gibt es nicht, aber solange man keine anderen Gäste direkt belästigt, stört es auch keinen, wenn im Gang zwischen den Tischen und der eigentlichen Bar jemanden die Tanzlust überkommt.
Natürlich waren es vor allem die Frauen, die uns dazu nötigten, doch auch Allan und Paul sind richtig gute Tänzer. Ich Tanzmuffel biss halt mal wieder die Zähne zusammen, war kein Spielverderber und tanzte Marina zuliebe auch ein bisschen mit ihr. Sie hat durchaus Verständnis dafür, dass mir das Tanzen nun mal gar nicht liegt und mir keinen Spaß macht.
Ich schrieb es schon häufiger: So richtig verstehe ich bis heute nicht, was die Leute eigentlich an diesem Herumgezappel finden? Ich schätze durchaus den ästhetischen Genuss von beispielsweise professionellen Tanzgruppen oder bewundere mit Respekt gute, leidenschaftliche Einzeltänzer – als Mann logischerweise insbesondere attraktive Frauen in reizvollen Kostümen –, aber für mich war das noch nie etwas. Mir fehlt schlicht das passende Rhythmusgefühl, und ich habe keine Lust auf „Abtanzen“ und sich dabei klatschnass schwitzen, wie es so viele so gern tun.
»Ach…, echt schön hier und unser Seglerleben«, seufzte Marina etwas beschwipst und verschmust an mich geschmiegt, als ich etwas beiseite eine rauchte. Am Sichelrand der Bucht funkelte die romantische Beleuchtung von Hotels, Pensionen, Lokalen und die allgemeine Beleuchtung. Ein schwacher Wind aus nordwestlicher Richtung trug salzige Seeluft und die Düfte all der im Mai blühenden Pflanzen herbei. Die Grillen zirpten ihr typisches „Griechenland-Feeling“-Konzert, was hier wegen der nicht zu lauten Musik von der Bar aber nicht so deutlich zu vernehmen war.
»Hm ja«, brummte ich, hielt sie im Arm und ließ meine freie Hand in den Ausschnitt ihres sexy Kleides gleiten. Wir küssten uns mit spürbarem Verlangen aufeinander, aber dennoch auch mit entspannter, innerer Ruhe.
Gegen 23 Uhr kamen wir schließlich gut gelaunt und wohlig müde zurück aufs Boot. Lachend schlüpften wir alle aus den Kleidern und sprangen zur Erfrischung klatschend in die Meeresfluten… herrlich! Die 21 Grad Wassertemperatur und kaum mehr Lufttemperatur machten uns etwas nüchterner, als wir wieder an Deck kletterten. Dann nur noch schnell duschen und ab in die Kojen. Leichte, kleine Wellen, die sanft gegen den Rumpf klatschten, und das ebenso sanfte, kaum wahrnehmbare Schaukeln in der minimalen Dünung wiegten uns mit einem Lächeln im Gesicht schnell in tiefen Schlaf.
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