#26.07.18 – Lagos nach Cadiz, Bittersüße Abschiede, Bordenergie & Starlink
Den Vormittag über erfreuten wir uns noch ein letztes Mal an herrlichem Badespaß an der malerischen Küste der Algarve und genossen Rodrigos unvergleichliche Gastfreundschaft in seiner hübschen Finca. Am späteren Nachmittag nahte jedoch der für Segler und Globetrotter unausweichliche, immer ein bisschen traurig-melancholische Moment des Abschiednehmens von lieb gewonnenen, neuen Freunden.
Vicky und Britt knutschten und drückten den alten Herrn, bis er kaum noch Luft bekam. Unterdessen verdrückten Lena, Olga und Olea sogar ein paar süße Tränchen, während sie voller Herzlichkeit auch Demo und mich heftig umarmten und endlos Abschiedsküsschen verteilten.
»Och, mennoooo…, es wär so geil, wenn ich mit euch segeln könnte!« sniefte Lena und knutschte vor allem mich ab, als wäre ich ihr fester Liebhaber, der seine Liebste verlassen und in die weite Welt hinausziehen muss. schmunzel
Wir hatten darüber zuvor schon ausführlich gesprochen und hätten den sympathischen Frechdachs natürlich auch gern mitgenommen. Lena versteht sogar ein bisschen was vom Segeln, da sie in ihrer schwedischen Heimat Freunde mit Booten hat und schon auf einigen Küstentörns dabei war. Von Cádiz über den Landweg zurück nach Lagos zu kommen, oder von Spanien aus am Ende ihres Sommerurlaubs direkt zurück nach Schweden zu fliegen, wäre für sie ein Leichtes gewesen.
Aber da zeigte sich auch wieder ihr wunderbarer, treuer Charakter. Für ihre liebe Gastfamilie – die wir anderen inzwischen ebenfalls kennengelernt hatten und die für sie wie eine Art Großeltern waren – ist Lena fast so etwas wie eine eigene Enkelin und der Sonnenschein im gehobenen Alter. Diese wollte sie nicht, ein bisschen undankbar oder egoistisch wirkend, einfach zurücklassen. Also blieb der Frechdachs aus eigener Entscheidung hier.
Unsere ganzen Sachen hatten wir im Laufe des Nachmittags bereits zurück an Bord unserer Nauticat geschafft. Vor allem Demo übernahm pflichtbewusst die üblichen Vorbereitungen, um die Yacht komplett seeklar zu machen: Beispielsweise das Inbetriebnehmen des Umkehrosmose-Wassermachers inklusive dem anschließenden Durchspülen der Membranen, die sorgfältige Kontrolle von Hauptmaschine und Rigg sowie die Überprüfung von stehendem und laufendem Gut. Jedes Segel, alle Fallen, Schoten und Schäkel wurden inspiziert – eben alles, was absolut dazugehört, um mit einer Segelyacht sicher und beruhigt auf Langfahrt zu gehen.
Die Frauen beschäftigten sich derweil hauptsächlich mit letzten Einkäufen an frischen Lebensmitteln, allerdings nur in überschaubaren Mengen. Heute Abend wollten wir pünktlich um 18:30 Uhr auslaufen und das rund 122 nautische Meilen entfernte Cádiz an Spaniens geschichtsträchtiger Atlantikküste ansteuern. Bei den vorhergesagten Wetter- und Windbedingungen – solide 17 Knoten Wind aus Nordwest, in Böen auch mal bis zu 26 Knoten – sollten wir die Strecke mit achterlichen Winden und einem Schnitt von über 6 Knoten Fahrt über Grund (SOG) in etwa 18 Stunden bewältigen. Unsere voraussichtliche Ankunftszeit (ETA) lag damit um 13:30 Uhr am nächsten Mittag.
Rodrigo, Olga, Lena, Lois und Olea warteten geduldig am Hafenkanal, um uns ein letztes Mal zum Abschied zu winken, als wir exakt nach Zeitplan aus der Marina ablegten und unter der geöffneten Fußgängerbrücke den Kanal zur Hafenausfahrt entlangtuckerten. Wir winkten natürlich zurück, mussten uns im Cockpit aber gleichermaßen auf das fehlerfreie Steuern durch das schmale Fahrwasser, das korrekte Abmelden per Funk bei der Hafenmeisterei und das Bereitmachen der Segel konzentrieren.
Gern wären wir noch bei diesen lieben Menschen in Lagos geblieben. Aber wir waren ohnehin schon wesentlich länger dort verweilt als ursprünglich geplant, und irgendwann zieht man als permanent Reisender eben unvermeidlich weiter; so ist nun mal der Lauf der Dinge. Lois ist als Model und Künstlerin gleichermaßen an häufig wechselnde Aufenthaltsorte gewöhnt und nahm den Abschied entsprechend cooler – und wer weiß, vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja mal wieder. Jedenfalls hatten wir eine fantastische Zeit miteinander, jede Menge Spaß, haben viel fotografiert und verstanden uns so außergewöhnlich gut, als wären wir schon seit halben Ewigkeiten beste Freunde.
Amüsanterweise und typisch für Vicky mit ihrer naturverbundenen, völlig ungenierten Art, machte sie sich noch im Hafenkanal kurzerhand komplett nackt und setzte sich stolz in den Bugkorb. Dass die vielen Spaziergänger, Touristen, Einheimischen und andere Bootsfahrer sie in ihrer ganzen Pracht bestaunen konnten, störte sie kein bisschen. Eher im Gegenteil: Sie empfindet es selbst als aufregend kribbelnd, so ungeniert angeschaut zu werden, und genießt es durchaus, ein wenig provokant aufzutreten. lach
»Ich schätze, Lagos Männerwelt wird deinen Besuch hier so schnell nicht vergessen, hoho«, gluckste ich amüsiert.
»Ha! Niemand, der mich treffen und sehen durfte, vergisst mich jemals wieder, haha!« konterte sie gewohnt schlagfertig, worüber auch Britt und Demo breit lächelten.
Dann erreichten wir das offene Meer. Der Wind wehte mit etwa 17 Knoten aus Nordwest – für uns ein klassischer, tiefer Vorwindkurs bei unserem anliegenden Kurs von 126 Grad. Aktuell befand sich Britt am Steuer. Sie blickte kurz prüfend zum Windrichtungs- und Stärke-Anzeigeinstrument im Cockpit, dann drehte sie die Segelyacht sanft fast flach an den Wind und kommandierte mit fester Stimme:
»Klar zum Segelsetzen! Zuerst das Groß!«
Ein Knopfdruck genügte, und das Rollgroßsegel glitt mit einem leisen, kraftvollen Surren der elektrischen Cockpitwinschen aus dem Mast. Alle Schoten, Fallen und Reffleinen waren bequem ins Cockpit umgelenkt, sodass wir die Segelfläche flott und ohne große körperliche Anstrengung bändigen konnten. Kaum stand das Groß, fiel Britt wieder ab, drehte den Bug also weg vom Wind, und rief: »Und nun die Fock!«
Das Vorsegel rollte sich geschmeidig aus, die Tücher fassten kurz flappend und mit einem dumpfen, energischen Schlagen den frischen Wind, bevor sie sich prall und lautlos blähten. Britt ging auf endgültigen Steuerkurs, aktivierte den Autopiloten, deaktivierte die Maschine und atmete sichtlich zufrieden die salzige Luft ein. Übrigens lässt sich dieses Boot auch hervorragend einhand segeln, wenn man ausreichend Erfahrung mitbringt. Nun war es Zeit für unser traditionelles Auslaufritual – eine kleine Gabe für Poseidon darf schließlich nie fehlen.
»Cheers!« stießen wir passend zu Portugal mit einem schweren, mir zu süßlichen Portwein an und gossen andächtig einen großzügigen Schluck davon über Bord in das weiße schäumende Wasser, das um den Rumpf rauschte. Ein kleiner Tribut, um die Meeresgötter für unseren Törn gnädig zu stimmen. Nicht, dass ich an so einen Blödsinn glauben würde; für mich ist das einfach ein Spaß und traditionelle Seemannspflege, während es selbst in unserer aufgeklärten Zeit gar nicht so wenige Segler gibt, die dieses Ritual bitterernst nehmen. schmunzel
17 Knoten Windgeschwindigkeit sind immerhin eine stolze Windstärke von 5 auf der Beaufortskala. Bei diesem Wind kam selbst ein schwerer, solider Verdränger wie unsere SV-Vikarelia vor dem Wind so richtig ordentlich ins Laufen. Der Bug schnitt mit 6,5 bis 7,7 Knoten durch die Wellen, die hier in der schützenden Landabdeckung noch recht flach blieben, während die lange, tiefe Atlantikdünung das Boot bereits wie eine riesige Wiege sanft hob und senkte. Bis Mitternacht sollte der Wind laut Wettervorhersage auf gemütliche 3 Beaufort abflauen, bevor er gegen Morgen wieder langsam zulegen würde. Für alle Leser, die sich mit den nautischen Begriffen nicht ganz so auskennen, füge ich unten mal eine Windstärkentabelle an.
Insgesamt kann man die Windstärken 3 bis 5, in Böen vielleicht mal eine 6, als Schönwettersegeln bezeichnen, bei dem das Reisen auf dem Wasser einfach nur pure Freude bereitet. Das Boot glitt mit einer leichten Lage von 15 bis 20 Grad ruhig und ein rundum sicheres Gefühl gebend durch die bald zunehmenden Wellen. Dennoch darf man die immense Windkraft auf so vielen Quadratmetern Segeltuch keineswegs unterschätzen. Die Kräfte, die da im Rigg und an den Schoten wirken, können einen leicht übel verletzen oder unbarmherzig über Bord schleudern.
Da uns ein Nachttörn bevorstand, entschieden wir uns bewusst dazu, nur die kleinere, stabilere Stagfock und nicht die große Genua zu setzen. Unangenehme Überraschungen wie ein plötzlicher Squall – eine jener gefürchteten Gewitterböen mit schlagartigem Starkwind – muss man auf See einfach immer einplanen. Und in der pechschwarzen Dunkelheit dieser Neumondnacht sieht man diese Wetterwände oft erst dann kommen, wenn es bereits zu spät ist, um die Segelfläche noch risikofrei zu verkleinern.
Fahrtensegler sind schließlich keine Regattasegler, die jedes Zehntelknoten zusätzliche Geschwindigkeit ausreizen, sondern im Allgemeinen eher defensiv und gemütlich unterwegs, wobei die Sicherheit immer oberste Priorität hat. Radar und AIS informierten die Wachhabende – aktuell laut Wachplan eben Britt auf dem Nav-Plotter – zuverlässig über andere Boote und Schiffe in der Umgebung, soweit wir sie im schwindenden Abendlicht nicht ohnehin noch sehen konnten. Aktuell wurden uns fünf andere Seefahrzeuge angezeigt, alle weit genug entfernt und auf Kursen, die keinerlei Gefahr darstellten.
»Gut gemacht, Leute«, lobte ich aus meiner nur zuschauend kontrollierenden Kapitäns-Perspektive und hakte grinsend nach: »Wer hat laut Plan gerade Küchendienst und versorgt den darbenden Captain bald mit einem guten Abendessen?«
»Ähm, ich…« antwortete Demo leicht säuerlich. Er vergräbt sich nun mal viel lieber in der Technik, den Maschinenraum oder erledigt handwerkliche Arbeiten, anstatt in der Kombüse zu stehen.
»Komm, das erledigen wir zusammen, bevor uns der allmächtige Captain noch kielholen lässt«, lächelte Vicky spitz, blickte nach oben und seufzte: »Ach herrlich, endlich wieder ein echter Segeltörn!«
Die zwei blieben noch einen Moment an Deck und genossen das für Nichtsegler kaum fassbare Gefühl, ohne jeden Maschinenlärm, nur angetrieben von der Natur, durch den zunehmenden Wellengang zu rauschen. Britt und ich machten es uns nach einem letzten Kontrollrundumblick auf der leeseitigen Cockpitbank bequem. Ich zündete mir eine Zigarette an und paffte genüsslich.
»Lass mich mal ziehen…« griff Britt nach meiner Hand, führte den Glimmstängel an ihre sinnlichen Lippen und nahm einen tiefen Zug. Von uns vieren raucht sie am wenigsten und am seltensten; meist ist sie schon mit zwei, drei Zügen ein paar Mal am Tag vollkommen zufrieden. »…was meinst du, Steve? Mein Ablegemanöver in der engen Marina war vorhin nicht so toll, oder?«
»Realistisch selbst eingeschätzt, Britt. Aber du hast es dennoch gut gemeistert, ohne dass es wirklich gefährlich wurde oder ich hätte eingreifen müssen«, lächelte ich durchaus anerkennend.
In einer engen, vollgepackten Marina bei guten 5 Beaufort Wind aus ungünstiger Richtung abzulegen, ist wahrlich kein Kinderspiel. Da kommen selbst erfahrene Seebären nicht selten heftig ins Schwitzen, und es kommt schnell zu unschönen Rumpfkollisionen.
»Danke…, aber was sichere Hafenmanöver betrifft, haben wir drei alle noch eine Menge zu lernen. Genau wie mit den Mann-über-Bord-Manövern, die du bei der Herfahrt mit uns geübt hast«, erklärte sie leicht nachdenklich.
Das zeigt wieder einmal, dass sie trotz ihrer Jugend und der Verwöhnung als schöne Frau und erfolgreiches Model, eine erstaunlich realistische Selbsteinschätzung besitzt. Sie kann ehrlich reflektiert nachdenken, besitzt eine Menge Selbstdisziplin und durchaus mehr Vernunft als viele umschwärmte Schönheiten ihres Alters.
»Da mach dir mal nicht zu viele Gedanken«, ich nahm einen letzten, tiefen Zug aus der Zigarette und drückte sie im windgeschützten Cockpit-Ascher aus. »Ich kenne Bootsführer mit etlichen Jahren Erfahrung, die bei Hafenmanövern unter solchen Bedingungen immer noch heftig ins Schwitzen kommen und gelegentlich Stege und Nachbarboote demolieren. Man lernt nie aus, auch ich nicht, und ihr drei seid für eure überschaubare Erfahrung bereits eine ziemlich gute Crew. Demnächst üben wir einfach wieder MoB und andere Manöver.«
»Danke, Captain, haha!« Sie lehnte sich seitlich vertrauensvoll an mich und strich sich in einer typisch weiblichen Geste eine vom Wind verwehte Haarsträhne aus dem Gesicht. Natürlich blies ihr der Wind sofort neue Haare in die Augen, und ich bekam noch ein zärtliches Backenküsschen. »Du bist ein guter Kapitän.«
»Essen ist fertig!« rief da schon Vicky von unten aus dem Niedergang. »Hört auf zu turteln, kommt und holt es euch!«
Trotz der spürbaren Schräglage und des inzwischen stärkeren Schaukelns durch die höheren Wellen außerhalb der schützenden Landabdeckung, speisten wir bei noch angenehmen 25°C im Cockpit. Es gab ein einfaches, aber leckeres Gericht: hergerichtete Appetithappen in Tapas-Art, gefolgt von einer großen Schüssel Nudelsalat mit saftigem Lachs und frischem Gemüse wie Erbsen, Mais und Tomaten. Zum krönenden Abschluss gab es, vor allem für mich, mit würzigen Käsesorten belegte Salzkräcker, Weintrauben und jede Menge saftige Wassermelone.
Dazu tranken wir ein wenig Weißwein, Demo hingegen lieber ein kräftiges Craft-Bier, während uns der Autopilot zuverlässig durch einen farbenfrohen Sonnenuntergang steuerte. In unserer östlichen Kursrichtung dämmerte es bereits stark, während hinter uns im Westen die glühende Sonnenscheibe dem Horizont immer näherkam und langsam dahinter versank.
»Sonnenuntergänge auf See sind jedes Mal etwas ganz Besonderes, egal wie viele man davon schon im Leben gesehen hat, nicht wahr?!« meinte Vicky in fast schon besinnlicher Stimmung.
»Und so unendlich romantisch!« stimmte Britt leise zu.
»Aufgepasst, Demo!« grinste ich breit. »Wenn Frauen bei Sonnenuntergängen in solchen Situationen von Romantik reden, wird es meistens gefährlich oder anstrengend für uns Männer, hoho!«
»Du Schuft wieder, haha!« Dafür kassierte ich prompt zwei kräftig-liebevolle Knüffe von beiden Seiten in die Rippen.
»Stimmt auffallend…« grinste Demo, wie meist eher wortkarg, umarmte Britt von hinten und knetete sanft ihre schönen Brüste. Das hielt wiederum ich für eine nachahmenswerte Vorgehensweise bei Vicky, die immer noch unverändert nackig herumlief.
So steuerten wir in die tiefe Nacht – respektive übernahm der Autopilot die Arbeit, während wir knutschend den rauschenden Wind, das regelmäßige Plätschern der See am Bootsrumpf und das rhythmische Schaukeln des Bootes genossen, das wie auf Schienen sicher durch die Wellen schnitt.
Übrigens erkennt man an genau solchen Momenten immer schnell die unerfahrenen Landratten. Die wollen meist zu gern selbst am Steuerrad stehen und sich wie ein großer Captain fühlen. Für erfahrene Segler ist das stumpfe Steuern eines Bootes am Ruderstand auf Langfahrt eher langweilig, solange es nicht wegen Kurswechseln oder dem Segeltrimmen gerade notwendig ist. Fahrtensegler lassen lieber den Autopiloten oder eine Windfahnensteuerung die Arbeit machen, während sie sich selbst mit anderen Dingen beschäftigen, lesen, aufs Meer schauen, Aufräumen, Kombüsendienst erledigen oder notwendige Wartungsarbeiten vornehmen.
Ab 22:00 Uhr übernahm Demo planmäßig die Wache von Britt, und Vicky sollte ihn um 02:00 Uhr ablösen. Momentan fuhren wir ein klassisches vierstündiges Dreiwachen-System, wobei ich mich als Springer & Captain nur gelegentlich einmische oder mal freiwillig eine Wache übernehme. Anzeichen von Seekrankheit zeigte zum Glück niemand, obwohl wir nun viele Wochen an Land verbracht hatten und nicht mehr an das schaukelnde Segeln bei Lage gewohnt waren.
Vicky schlummerte deshalb in der Koje etwas auf Vorrat, während Britt und ich Demo an Deck noch ein wenig Gesellschaft leisteten. Später arbeitete ich dank Starlink noch eine Weile online am Laptop. Bekanntlich bin ich alles andere als ein Fan von Elon, aber was er mit Hilfe seiner Ingenieure bei Tesla, SpaceX und Starlink auf die Beine gestellt hat, ist technologisch schon eine Wucht. Bis vor wenigen Jahren waren stabile Online-Satellitenverbindungen auf See mit ähnlichen Datenübertragungsraten wie an Land reine Fantasieträume.
Jetzt bekommt man mit über 10.000 Starlink-Satelliten in niedrigen Orbits bereits fast überall auf den Weltmeeren blitzschnelle Verbindungen. Datenraten von 40 bis 220 Megabit pro Sekunde im Download und 10 bis 25 im Upload sind plötzlich auf dem Ozean völlig normal geworden. Die Latenz bewegt sich meist zwischen schmalen 40 und 60 Millisekunden. Zuvor hatte man mühsamen Kurzwellen-Funk & PACTOR oder sündhaft teure Iridium-Anlagen mit bestenfalls homöopathischen Übertragungsraten und schweineteuren Tarifen.
Starlink Maritim ist auf See ein echter Gamechanger, der unterwegs genauso sorgenfreies Arbeiten und Surfen erlaubt, wie man es von zu Hause kennt. Für die echte Ozean-Abdeckung ist der Mobile-Priority-Service notwendig. Die Tarife unterscheiden sich im Grunde nur anhand des inkludierten Highspeed-Datenvolumens, und solange man ausreichend Energie an Bord zur Verfügung hat, flutscht das System problemlos. Dank moderner Solarpaneele ist die Stromversorgung auf Yachten heutzutage aber meist auch kein Thema mehr, sodass man den Generator (falls vorhanden) oder die Hauptmaschine nur noch selten laufen lassen muss.
Eine Windturbine haben Vicky, Britt und Demo aktuell zwar nicht an Bord, dafür aber nagelneue, extrem hochwertige Solarpaneele und moderne Lithium-Akkus, die in den typisch sonnigen Regionen für Fahrtensegler mehr als genug Energie für den täglichen Betrieb all der Geräte einspeisen. Nur bei intensiver Nutzung der Klimaanlage oder des energiefressenden Wassermachers wird es gelegentlich eng, und wir müssen den extra schallschutzgekapselten Westerbeke-Generator zuschalten.
Dank solcher moderner Solarpaneele ist die Stromversorgung auf Yachten heutzutage aber meist auch kein Thema mehr, sodass man den Generator oder die Hauptmaschine nur noch selten laufen lassen muss. Die drei, allen voran Vicky und Demo, haben eine Menge Geld in das Refit der zehn Jahre alten Yacht gesteckt.
Das gesamte Bordnetz läuft über ein hochmodernes Victron-System mit dem Cerbo GX MK2 als Kommunikationsknotenpunkt und passendem Touch-Display, kombiniert mit satten 810 Amperestunden LiFePO4-Servicebatterien von Battle Born. Geladen wird das Ganze primär über drei rigide 375-Watt-Solarpaneele. Nur wenn der energiefressende Wassermacher oder die Klimaanlage zu lange laufen, schalten wir den extra schallschutzgekapselten Westerbeke-Generator mit seinen 4 Kilowatt hinzu, der mit gerade einmal 215 Betriebsstunden noch wie neu im Motorraum schnurrt.
Für ein weltweites Starlink-Komplettpaket auf einer Segelyacht mit hoher Datennutzung auf dem offenen Ozean muss man mit einmaligen Hardwarekosten von ca. 2.400 € bis 2.850 € und monatlichen Abo-Kosten zwischen 240 € und 1.120 € rechnen. Für die Nutzung auf hoher See und während der Fahrt wird von SpaceX offiziell die Flat High Performance Antenne vorgeschrieben. Zusatzkosten für Halterungen, seewasserbeständige Kabelführungen und die Integration in das Bordnetz schlagen meist noch mit 200 € bis 500 € für die Installation zu Buche.
Ein guter Tipp unter Cruisern: Viele Langfahrtsegler nutzen mittlerweile auch das kleinere Starlink Mini-Kit für rund 400 €. Das spart Anschaffungskosten, ist aber offiziell von Starlink nicht für extreme Bedingungen auf dem Ozean lizenziert. Billig ist der Spaß also nicht, aber es gehört bei vielen Fahrtenseglern inzwischen fast zur Standardausrüstung – auch weil es sich relativ einfach selbst installieren lässt, wenn man ein bisschen Ahnung hat. Und die meisten echten Fahrtensegler haben von solchen Arbeiten ohnehin jede Menge Ahnung.
Das ideale Hybrid-Modell für Segler sieht in der Praxis so aus: Man muss auf der Yacht nicht dauerhaft den teuren Ozean-Tarif bezahlen. Die meisten nutzen eine clevere Kombination. Sie buchen den normalen Reise-Tarif für rund 95 € im Monat, solange sie in bis zu 12 sm Entfernung der Küste segeln, in Buchten ankern oder im Hafen liegen. Vor dem Aufbruch zu einer echten Hochseepassage wechselt man in der Starlink-App einfach per Klick auf den teuren Mobile Priority Tarif. Nach der Ankunft im neuen Zielgebiet stellt man den Tarif in der App ebenso einfach wieder zurück.
Gegen Mitternacht gingen auch Britt und ich schließlich schlafen, womit sie nach sechs Stunden Schlaf wieder erholt genug sein wird, um ab 06:00 Uhr die Wache von Vicky zu übernehmen. Was mich betrifft, pennte ich neben der selig schlummernden Vicky schnell ein. Als sie um 02:00 Uhr die Wache übernahm und leise aufstand, wurde ich nur kurz halbwach und versank sofort wieder im Reich der Träume. Alte, tief verinnerlichte Seefahrerinstinkte würden mich ohnehin sofort hellwach machen, sollte es auf dem Boot nachts auf See irgendwelche ungewöhnlichen Geräusche oder Rumpfbewegungen geben, die auf Gefahr hindeuten.
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