Ionisches Meer, Segelspaß und Paket-Logistik für Segler

 

#26.06.04 – Ionisches Meer, Segelspaß und Paket-Logistik für Segler

»Wer es als letzter an den Strand schafft, muss den Abwasch übernehmen, haha…« lachte Lany und sprang nach dem Frühstück – splitternackig, wie es an Bord ihr liebstes Ritual war – schwungvoll zur Reling, platschte erstaunlich elegant mit einem sauberen Kopfsprung in die erfrischenden Meeresfluten und kraulte mit kräftigen, zielstrebigen Zügen Richtung Strand.

Ein ziemlich flinkes Delphinmädchen, obwohl sie eigentlich keine besonders tolle oder ausdauernde Schwimmerin ist. Dadurch hatte sie einen ordentlichen Vorsprung, bis wir anderen ihr folgten, aber vermutlich hätten wir sie mit etwas mehr Ehrgeiz trotzdem problemlos einholen können. Doch wir gönnten ihr die Freude zu gewinnen, und Paul machte ihr zuliebe extra langsam, um ganz bewusst als Letzter anzukommen. Das machte auch eigentlich keinen Unterschied, da er laut unserem gut geführten Wachplan ohnehin für den Kombüsendienst eingeplant war.

»Gewonnen, haha, ihr lahmen Enten!« freute sich Lany und warf das nasse Haar zurück. So früh am Morgen war noch fast kein Mensch am schönen Strand des Ormos Valtou, und so plantschten und sprangen Lany und Marina völlig locker in natürlicher Nacktheit in der leichten Brandung herum. Allan und ich waren ebenfalls nackt, so wie Baden und Schwimmen im herrlichen, salzigen Meerwasser nun mal am schönsten ist; Tori und Paul trugen zwar Badekleidung, was aber an sich egal war, da wir uns nur kurz erfrischen und gleich wieder zur ankernden Yacht zurückschwimmen wollten.

Trotz der frühen Stunde, die Sonne ging gerade erst über den Hügeln des griechischen Festlandes im Osten auf und tauchte alles in ein sanftes, goldenes Licht, hatten wir bereits an die 24 °C Lufttemperatur. Ein milder Wind von 2 bis 4 Bf. wehte aus südwestlichen, später südlichen Richtungen. Das war ideal, denn heute beabsichtigten wir rund 37 Seemeilen zurück nach Korfu zu segeln. Bei ungünstigen Windbedingungen hätten wir motoren müssen, was man auf einem schönen Segelboot natürlich möglichst vermeiden will, um die Ruhe zu genießen.

 

Marina muss leider ihr Studium in Stuttgart wieder aufnehmen; schon kommendes Wochenende gibt es eine wichtige Versammlung ihres Studienganges, die sie auf keinen Fall verpassen will, und ab nächster Woche steckt sie dann wieder voll im Studentenleben-Trubel. Deshalb genoss vor allem sie noch mal in vollen Zügen das milde Klima, das herrliche, smaragdgrüne Meer und den feinen, warmen Sand des Strandes zwischen ihren Zehen.

»Ach Mist…, aber was sein muss, muss halt sein.« seufzte sie leise und ließ sich ganz entspannt im flachen Wasser auf dem Rücken treiben, den Blick in den azurblauen Himmel gerichtet. Tröstend lächelnd und sie ein bisschen zärtlich streichelnd, half ich ihr wieder hoch, und kurz darauf schwammen wir alle gemeinsam zurück zum Boot. Mit der Heck-Außendusche spülten wir uns das kristalline Salzwasser auf der Haut ab, und Allan aktivierte den leistungsstarken Wassermacher zum Auffüllen der großen Süßwassertanks.

Wenn wir gleich »Anker auf« gehen, mussten wir ohnehin noch ein gutes Stück mit dem Diesel hinaus auf hohe See tuckern. Das spart Strom aus den durch Solarpaneele und den Windgenerator ohnehin meist vollen Akkus, denn so ein Umkehr-Osmose-System arbeitet mit enorm hohem Druck und frisst nicht gerade wenig Saft. Es produziert aber rund 120 Liter pro Stunde Frischwasser, wovon Seeleute noch vor wenigen Jahrzehnten kaum zu träumen gewagt hätten. Sechs Leute, die meist 2–3-mal täglich duschen, dazu der Abwasch und das Trinkwasser, verbrauchen jedoch auch eine beachtliche Menge aus unseren rund 800 Litern fassenden Bordtanks.

»Kühlwasser kommt.« kontrollierte Tori den Auspuff des Diesels routinemäßig, der natürlich mit Seewasserkühlung läuft. Das sollte man zur Sicherheit immer regelmäßig machen, wenn man die Hauptmaschine startet, um den Motor zu kontrollieren.

»Anker auf!« startete Allan die Bugwinde, während ich mit langsam Voraus in die Richtung steuerte, wo sich der Anker tief und sicher in den sandigen Boden eingegraben hatte. Mit der Seewasser-Deckwaschpumpe säuberte Allan die hochkommende Kette, welche dann rasselnd in den Ankerkasten schoss, und entfernte geschickt etwas Seegras, das sich darin verfangen hatte. Schon legte ich das Ruder hart Steuerbord und ging auf halbe Kraft voraus, um nach Südwesten aus der Bucht zu steuern.

Ein paar Seevögel kreischten am Himmel oder kreisten majestätisch und beobachtend über uns, nur für den Fall, dass wir Fischer sein könnten und es leicht erreichbare Happen hinter uns im Kielwasser geben würde. Der Wind zerzauste uns die Haare, während die Crew das Segelsetzen vorbereitete. Nach etwa 40 Minuten waren wir weit genug draußen, und ich drehte das Boot in den Wind, damit Groß und Genua problemlos gesetzt werden konnten.

Mit dem typischen, vertrauten Klackern der Winden wurde das Tuch hochgezogen, festgemacht, ich fiel nach Norden ab, und ohne dass irgendwelche lauten Kommandos nötig gewesen wären, trimmten Tori, Allan und Paul die Segelflächen passend für zunächst einen »Halbwind«-Kurs von Backbord. Maschine aus, der Diesel kam mit ein paar tuckernden Geräuschen zum Stillstand, und nun bewegte sich das Boot in der faszinierenden Stille nur durch die reine Kraft der Natur durch die leichte Dünung der Meereswellen.

»Ooohh… Delphine…« sofort stürzten die Frauen begeistert zur Reling. Mit spielerischer Eleganz und unglaublicher Leichtigkeit schwammen die intelligenten Meeressäuger eine ganze Weile direkt in unserer Bugwelle, sprangen, drehten mit urwüchsiger, aber spielerisch aussehender Kraft elegante Kurven und schienen das pure Glück des Moments fast ebenso zu genießen, wie wir Menschen an Deck.

 

Für die alten Seefahrer war das Erscheinen von Delphinen zu Beginn einer Seereise stets ein glückliches Omen, ein freundliches Zeichen des Meeresgottes Poseidon für eine gute Reise. Auch heute noch fühlt es sich für viele genau so an – wie ein wunderbares Geschenk der See oder der Götter.

Warum Delphine so gerne in der Bugwelle spielen, erklärt die Wissenschaft etwas nüchterner: In der aufsteigenden Strömung der Bugwelle können Delphine mit sehr wenig eigener Kraft mühelos mitschwimmen. Der Wasserdruck trägt sie fast von allein – ein natürlicher, energiesparender »Surf-Effekt«, und Spaß scheint das den cleveren Säugetieren auch noch zu machen; jedenfalls wirkt es auf menschliche Beobachter immer wieder so unglaublich lebendig.

Doch ganz gleich, wie rational man es erklärt: Wenn eine Schule Delphine ein Boot begleitet, fühlt es sich immer noch magisch an. Als würde das Meer selbst den Seefahrern für einen Moment zulächeln, Poseidon freundlich winken. Herrliches Schönwettersegeln, und bevor Tori laut Wachplan das Steuer von mir übernahm, rief ich wieder Marina herbei. Hinter ihr stehend, um notfalls eingreifen zu können, falls sie etwas falsch macht, passte ich auf. Aber obwohl dieser Aufenthalt in Griechenland ihr erstes Segelerlebnis überhaupt ist, machte sie es wieder erstaunlich geschickt und recht gut; hielt das Boot mit Wind von Backbord querab sicher auf Kurs und war dabei nicht mal besonders aufgeregt. 

»Toll machst du das!« lächelte ich und erlaubte mir frech, sie umfassend ihre schönen Brüste ein bisschen sanft knetend zu streicheln. »Wenn ich Steuerbord, also rechts drücke, solltest du etwas mehr in diese Richtung steuern und umgekehrt, hoho.«

»Aaaahaha…, was für ein Gauner du doch bist!« lachte sie und drehte ihren Kopf für einen Kuss nach hinten zu mir. »Was sagt ihr, Mädels?«

Natürlich waren Lany und Tori sofort als weibliche Komplizinnen auf Marinas Seite, und die Drei stichelten mit gekonntem Wortwitz über Männer im Allgemeinen und Captain Steve im Besonderen. Unerhört die Subordination untergeordneter Crewmitglieder! Ich sollte strengste Disziplinarmaßnahmen verhängen. Beispielsweise ein absolutes Kleidungverbot für alle hübschen Crewmitglieder mit toller Figur, hoho! lach

Etwa auf halber Strecke ankerten wir gegen Mittag vor der Ostküste der Insel Korfu und bereiteten ein lecker-leichtes Mittagessen zu. Natürlich gefolgt von einem Sprung in die erfrischenden Meeresfluten, bevor wir weitersegelten. Übrigens hat seit 1. Juni die Hauptsaison für Urlauber begonnen, und auch wenn deren Höhepunkt erst in Juli und August liegt, machte sich das auch jetzt schon bemerkbar. Deutlich mehr Yachten waren unterwegs, als noch im Mai. Ab Juni steigen die Preise in Häfen, Tavernen und für das »Provisioning«, also das Einkaufen von Vorräten für die Bordversorgung; die Buchten werden voller, und die Meltemi-Winde werden stärker und beständiger.




 

Kurz vor 15 Uhr liefen wir in die Gouvion Bay ein und steuerten zunächst den Versorgungs-Kai an. Drei freundliche Segler, eine davon eine richtig sexy-hübsche junge Frau, halfen uns spontan beim Festmachen. Allan hatte dorthin eine Ersatzteillieferung bestellt, statt einfach zur Villa von Sir Archibald, an deren Anlege-Kai wir gleich danach verlegten. Die Bestellung hatte er schon vor Monaten aufgegeben und war sich damals noch nicht sicher, bevor Tori auf Korfu wieder an Bord kam, dass er es sich auch einfach zu Sir Archi hätte liefern lassen können.

Hier ein paar Tipps zur Paket-Logistik in Griechenland: So kommen Lieferungen sicher an Bord

Wer in Griechenland oder sonst wo segelt, kennt das: Irgendwann braucht man Ersatz – sei es ein spezieller Sensor für die Elektronik oder einfach nur eine Schraube, die nirgends aufzutreiben ist. Die gute Nachricht: Auch wenn sich in den letzten Jahren einiges geändert hat, kommen Pakete immer noch zuverlässig ans Ziel, wenn man ein paar Spielregeln beachtet.

 

Früher war es oft ein entspanntes »Schick es an die Taverne am Hafen«. Heute ist das Ganze etwas formeller, aber immer noch absolut machbar. Hier ist ein kleiner Leitfaden für die Anlieferung in griechischen Marinas und Häfen:

1.     Die Marina ist erste Wahl: In den meisten größeren Marinas klappt die Anlieferung am besten. Aber Achtung: Das ist heute eine professionelle Dienstleistung.

o    Voranmeldung ist Pflicht: Schickt dem Hafenbüro vor der Bestellung eine E-Mail. Klärt ab, ob sie das Paket annehmen, und fragt nach einer eventuellen »Handling Fee« (Lagergebühr).

o    Klare Kennzeichnung: Gebt immer den Yachtnamen, euren Namen und euer voraussichtliches Ankunftsdatum an.

o    Bestätigung: Ohne eine kurze Rückmeldung der Marina per E-Mail solltet ihr nichts bestellen. »Geisterpakete«, die einfach so in einem Hafenbüro auftauchen, werden aus Sicherheitsgründen oft abgewiesen.

2.     Tavernen und kleine Häfen: Mit Vorsicht zu genießen. Die Zeiten, in denen man Post blind an die Taverne am Kai schicken konnte, sind weitgehend vorbei.

o    Die »Mensch-zu-Mensch«-Regel: Wenn ihr die Besitzer persönlich kennt, klappt das oft noch. Aber verlasst euch nicht darauf. Viele kleine Betriebe sind mit der digitalen Logistik von heute überfordert.

o    Haftungsfragen: Viele Betreiber lehnen die Annahme ab, weil sie schlichtweg Angst haben, dass etwas schiefgeht oder das Paket verloren geht. Fragt lieber einmal mehr freundlich nach, bevor ihr die Adresse angebt.

3.     Der Zoll-Faktor: Griechenland ist zwar EU, aber wenn ihr Ersatzteile aus Drittstaaten (z. B. USA oder Asien) bestellt, kann es kompliziert werden. Marinas sind keine Zollabwickler. Wenn Zollgebühren anfallen, müsst ihr meist selbst vor Ort sein, um diese zu begleichen. Achtet beim Bestellen also darauf, dass der Versand nach Möglichkeit innerhalb der EU erfolgt, um euch den Stress zu sparen.

Mein Tipp für die Planung: Plant bei jedem Ersatzteilkauf eine kleine »Handling Fee« (oft zwischen 10 und 50 Euro) ein. Das ist ein fairer Preis dafür, dass euer Paket sicher in einem Büro auf euch wartet, anstatt irgendwo im Nirgendwo verloren zu gehen.

Fazit: Die Logistik in Griechenland funktioniert wunderbar, wenn man sie als professionellen Service versteht. Schreibt kurze E-Mails, seid höflich, kündigt eure Pakete an – dann steht der Reparatur nichts im Weg und ihr könnt schnell wieder die Leinen loswerfen.

Eine gute halbe Stunde später machten wir wieder am Anlegesteg vor Sir Archis Villa fest, der uns auf seine typisch aristokratische, altmodische Gentleman-Art begrüßte. Auf dem Weg hoch zur Villa hörten wir begeistertes Kinderkreischen vom großen Pool, an dem wir vorbei mussten, und amüsierten uns über ein süßes Mädchen von vielleicht fünf bis sechs Jährchen. Mit der überschäumenden Freude von Kindern stieg sie dauernd aus dem Wasser und sprang jauchzend in der Absicht, möglichst viele hohe Spritzer zu verursachen, wieder hinein. schmunzel


 

»Kommt nicht zu nahe an den Rand.« erklärte Archie mit mildem Amüsement. »Sie liebt es, jeden kichernd zu bespritzen, der in Reichweite kommt, und hofft, dass man hineinkommt und mit ihr spielt.«

»Haha, da kann ich helfen.« lachte Marina, löste das Trägerband ihres sommerlich-luftigen Kleides im Nacken, ließ es achtlos zu Boden rutschen und lief zum Rand, um ebenfalls hineinzuspringen. »Kommt, Erfrischung im Pool!«

Lany folgte ihr sofort mit ähnlicher Freude hinterher, und wir anderen zögerten auch nur kurz. Schon tobte eine lustige, erfrischende Wasserschlacht in dem sehr großen Pool, in welchem die attraktive Mutter des Mädchens ruhig Kreise schwamm, um sich fit zu halten. Die Beiden sind Verwandte von Archie aus England und zu Besuch hier. Kurz beäugte uns das Mädchen etwas überrascht skeptisch, doch binnen Sekunden beteiligte sie sich, animiert von Marina, mit kindlicher Begeisterung an der Wasserschlacht, und ihrem Töchterchen zuliebe machte die Mutter auch mit.

Eigentlich sind es mehrere Pools. Zwei sehr große, miteinander verbundene, runde Poolbecken zum Schwimmen und noch mehrere kleine, eckige Becken, die wie Whirlpools zum Entspannen oder erfrischenden Eintauchen in kühlendes Nass genutzt werden. Sir Archies Villa ist nicht nur seine Privatresidenz im Süden, sondern dient auch als sehr exklusiver, luxuriöser Urlaubsort, beispielsweise für reiche GC-Clubgäste, oder aus seinen aristokratischen Kreisen. Solche verwöhnten Gäste wären mit einem einfachen Standard-Pool nicht zufrieden zu stellen, die erwarten erheblich mehr. Mich persönlich amüsiert es ja generell immer etwas, wenn Leute von einer Villa am Meer mit kristallklarem, sauberem Wasser lieber im Pool plantschen, statt natürlich im herrlichen Meerwasser.

 

Eine Viertelstunde später schafften Marina und ich unsere Sachen in das gleiche Gästezimmer, welches wir auch beim letzten Aufenthalt hier belegt hatten. Tory, Lany, Paul und Allan wohnen weiter auf dem Boot. Wir duschten uns das Poolwasser ab und entspannten dann zunächst ganz ruhig nackt auf dem bequemen King-Size-Bett. So ein kleines Siesta-Nickerchen vor dem Abend ist doch herrlich… wäre herrlich gewesen. seufz

»Wenn du glaubst, du kannst hier nur faulenzen, irrst du dich, haha.« begann sie zärtlich an meinem kleinen Captain herumzuspielen. Natürlich führte das unvermeidlich zu einem schönen und besonders intensiven Liebesspiel. Morgen fliegt sie zurück, also war es auch ein etwas melancholisches Abschieds-Liebesspiel mit viel Gefühl, da wir uns beide sehr mögen.

Schließlich durfte ich doch noch ein knappes Stündchen schlummern und setzte mich vor dem Abendessen noch an den Laptop. Heute war ich noch gar nicht online gewesen, um den üblichen Routinekram zu erledigen. Also abgesehen vom Smartphone, worauf ich gelegentlich nachgeschaut hatte, respektive eine Message bekommen hätte, sollte etwas Wichtiges vorliegen, um dass ich mich gleich kümmern sollte oder müsste.

Dann duschten wir uns frisch, liebten uns noch mal unter dem prasselnden, warmen Wasserstrahl und zogen uns leichte Kleidung über. Bei 25 °C und immer noch recht kräftiger Spätnachmittagssonne, unternahmen wir einen schönen Spaziergang durch die ausgedehnten, hübschen Gartenanlagen rund um die Villa. Die Zikaden tönten ziemlich laut ihr typisches, unermüdliches Konzert in der Natur, und dazwischen vernahm man bereits die ersten Grillen, die bis weit in die Nacht zirpen, wie es für Griechenland außerhalb größerer Siedlungen so typisch ist.

 

Der Wind wehte inzwischen mäßig aus nordwestlichen Richtungen, und Marina strich sich nahezu ständig Haarsträhnen aus dem Gesicht. In einem offenbar absichtlich naturbelassenen Wäldchen entdeckten wir überraschend einen verwunschen wirkenden Teich voller Seerosen, bunter Blüten, und das Ganze wirkte so bezaubernd, dass man jeden Moment mit auftauchenden oder herumflatternden Feen rechnete.

»Ach wie hübsch! Zauberhaft, oder?« lächelte Marina und schlüpfte aus ihren Sandalen, um mit den nackten Füßen einzutauchen.

»Ja, wirklich bezaubernd…, hey, das wäre ein grandioses Fotomotiv!« hatte der Fotografen-Abschnitt meines Hirns sofort eine Idee. »Nackte Fee plantscht im verzauberten Teich!«

»Au ja, das wird ein fantastisches Bild!« war sie sofort Feuer und Flamme für die Idee. Schon zog sie sich das Kleid über den Kopf, reichte es mir und ebenso den Slip, sonst hatte sie darunter sowieso nichts an. »Los, hol schnell die Cam und glotz nicht nur, haha!«

Also lief ich geschwind zur Villa und holte die EOS R6 Mark II aus unserem Gästezimmer, für eine möglichst professionell gute Aufnahme. Bei der heutigen Qualität guter Smartphone-Cams hätte das wahrscheinlich schon für ein tolles Bild gereicht. Den Unterschied zu einer professionellen Spiegelreflex erkennen heutzutage nur noch Foto-Experten, wenn man sich beim Aufnahmen an die Regeln für gute Fotos hält und selbst die liegen nicht immer richtig.

Wie nicht anders zu erwarten – ich beschrieb schon mehrmals Marinas außergewöhnlich fotogene Ausstrahlung –, posierte sie einfach wunderschön für ein ausdrucksstarkes »Kopfkino-Traumfoto« weiblich nackten Zaubers in höchst entzückenden Formen. Sagt selbst: ist das nicht ein absolut bezauberndes Foto weiblicher Reize und natürlicher Schönheit? Mehr softerotische Kunst als primitive Darstellung von Nacktheit?


 

»WOW! Grandios wie schön und fotogen du posieren kannst!« lobte ich, sowohl als Fotograf wie als Mann begeistert.

»Zeig her!« sprang sie aus dem Teich und schaute sich das Pic auf dem relativ kleinen Kamera-Display an. Sie versteht selbst nicht wenig von Fotografie, hat auch künstlerische Interessen und kann gut einschätzen ob Aufnahmen voll gelungen oder nicht so toll sind. »Ja, echt, ein wunderschönes Bild. Ich glaube, das lasse ich mir im Großformat ausdrucken, rahmen und hänge es an die Wand, damit ich mich in 30 Jahren oder so daran erinnern kann, wie schön ich mal war, haha.«

»Das hätte diese Aufnahme eindeutig verdient und sie sollte im Pariser Louvre ausgestellt werden!« stimmte ich schmunzelnd zu. Während wir weiterspazierten, unterhielten wir uns über schöne, künstlerische Akt-Fotografie, aber viel gab es dazu eigentlich nicht mehr zu sagen. Darüber hatten wir schon mehrmals geplaudert und sind diesbezüglich ohnehin nahezu völlig gleicher Meinung.

Mittlerweile dämmerte der Sonnenuntergang, und romantische Lichter der automatischen Gartenbeleuchtung gingen an. Marina duschte sich schnell noch das Teichwasser ab, dann versammelten sich nach und nach alle Hausgäste zum Abendessen. Tori, Allan und Paul waren irgendwo unterwegs und trafen sich zum Ausgehen mit Kanadiern, die sie beim letzten Aufenthalt hier kennengelernt hatten.

 

Wie üblich präsidierte Sir Archibald auf etwas altmodische Art als aristokratischer Gentleman-Tischherr. Aber es ging keineswegs steif zu, sondern locker mit freier Rede, interessanten und intelligenten Tischgesprächen. Das süße Mädchen vom Pool war vom wahrscheinlich den ganzen Tag Herumtoben schon so müde und schnell satt, dass die Mutter sie mittendrin bereits kurz zu Bett brachte. Es schmeckte köstlich, aber ich hielt mich heute sehr zurück, da ich die letzten Tage wieder mal zu viel geschlemmt und zu wenig sportlichen Ausgleich zum Kalorienverbrennen unternommen hatte. Schon war mein Gewicht wieder auf fast 95 kg hochgeschnellt. Irgendwie bewege ich mich ständig zwischen 91 und über 94 kg, statt wie gewünscht etwas unter 90 zu kommen.

Bei meiner Körpergröße von fast 190 cm und ansonsten guter Fitness ist das nicht weiter schlimm, aber trotzdem würde ich es gern mal wieder unter 90 schaffen. Allerdings muss ich zugeben, das schon seit Jahren anzustreben, doch irgendwie bleibe ich immer bei 91 hängen, lege dann wieder zu bis auf 94–95 kg und kämpfe mich erneut runter; ein scheinbar ewiges Hin und Her, weil es mir einfach nicht so furchtbar wichtig ist, dass ich mich wirklich diszipliniert unter 90 drücken würde. seufz

Bis auf zwei ältere Gäste unternahmen alle danach noch einen ausführlichen Verdauungsspaziergang durch die milde, fast überall romantisch beleuchtete Umgebung. Die Grillen zirpten immer noch lautstark ihr Konzert, das so typisch für Griechenland ist und nicht wirklich stört. Es ist eher wie eine unaufdringliche Hintergrundmusik. Das gibt es zwar auch in vielen anderen Ländern rund ums Mittelmeer, aber irgendwie assoziiere ich den Sound immer besonders mit Griechenland.

Nach 23 Uhr gingen wir gut gelaunt und wohlig müde schlafen, und das war’s mit diesem schönen, ereignisreichen Tag.

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