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Cadiz, Spanien, Sightseeing, Erlebnisse und ganz viel Vida boa

 

#26.07.25 – Cadiz, Spanien, Sightseeing, Erlebnisse und ganz viel Vida boa

»Ich finde den Ankerplatz eigentlich ganz passabel«, meinte Vicky am frühen Morgen, als wir an Deck im ersten Licht des Tages unsere Morgenzigaretten rauchten.

In der Morgendämmerung lag die Bucht noch unter einer dünnen Dunstschicht, aber laut Vorhersage sollte es ein sonniger Tag mit angenehmen 25 bis 26 Grad werden. Ziemlich genervt vom dröhnenden Partylärm des Real Club Náutico direkt neben unserem vorigen Liegeplatz hatten wir gestern Nachmittag losgeworfen, abgelegt und hierher verlegt, um das Eisen im Buchtgrund zu versenken.

»Ja, es geht. Cádiz ist halt keine idyllische Postkarten-Marina und erst recht keine naturbelassene Ankerbucht wie an anderen Plätzen, aber akzeptabel. Und diese uralte Stadt ist für eine gerade mal 110.000 Einwohner zählende Küstenstadt wirklich hochinteressant«, lächelte ich zustimmend und nahm einen tiefen Zug. Der laue, salzige Wind wehte mit 11 bis 15 Knoten, in Böen um die 22 Knoten, aus Nordwest übers Deck und trug das gedämpfte, morgendliche Rauschen der Altstadt zu uns herüber.

 

Es folgt eine ausführlichere Revierbeschreibung der Bucht von Cádiz – gedacht für Leser, die hier vielleicht auch mal lieber frei ankern wollen, statt in einer Marina festzumachen:

Die Bucht von Cádiz zwischen der gewaltigen Puente de la Constitución de 1812 (der modernen »La Pepa«) und der älteren José-León-de-Carranza-Brücke (einer Klappbrücke) ist für Segler ein spannender, aber keineswegs unkomplizierter Ankerplatz.

Ankern oder Bojen? Frei ankern ist hier erlaubt und üblich. Es gibt in diesem Bereich keinerlei vorgeschriebene Mooring-Bojen. Du kannst deinen Anker setzen, solange du dich strikt außerhalb des Hauptfahrwassers und der Schifffahrtsstraßen hältst. Der Grund besteht überwiegend aus festem Sand oder Schlick mit guter Haltekraft. Viele Segler ankern etwas nördlich der Marina oder an den Rändern der Bucht auf 5 bis 7 Metern Wassertiefe. Aber Vorsicht: Hier fahren regelmäßig große Frachter, Marineeinheiten und Fähren durch – spürbarer Schwell und nächtlicher Schiffslärm sind keine Seltenheit.

Und noch ein wichtiger Praxistipp für das Ankergeschirr: Da die Bucht jahrhundertelang intensiv militärisch und industriell genutzt wurde, liegt im Flachwasserbereich stellenweise alter Unrat, schweres Kettengerümpel und sonstiger Müll auf dem Grund. Eine Ausbringleine mit Ankerboje oder ein Kettenteufel sind hier definitiv kein Luxus, wenn man seinen Anker nicht an ein altes Wrackteil verlieren will.

Wassertiefen & Gezeiten: Im äußeren Teil der Bucht und im Hauptkanal Puntales stehen bequem 10 bis 15 Meter Wasser unter dem Kiel, teilweise sogar bis zu 18 Meter. Weiter innen und zu den Rändern hin wird es deutlich flacher (oft nur noch 3 bis 8 Meter). Die Gezeiten haben hier einen Hub von 2 bis 3,5 Metern – bei Springtide ist das keineswegs unerheblich. Also Seekarten und Gezeitentabellen penibel beachten, sonst sitzt man schnell auf dem Schlick. Wir lagen auf knapp fünf Metern Wassertiefe und unser 35-kg-Ultra-Marine-Edelstahlanker hielt mit gut 35 Metern Kette problemlos.

Wasserqualität: Kristallklaren Atlantikstrand darf man hier nicht erwarten. Durch Industrie, Hafenbetrieb und die dichte Besiedlung ist das Wasser mäßig belastet – vor allem in den Sedimenten. Aber dank des starken Gezeitenstroms und des ständigen Wasseraustauschs mit dem offenen Meer ist es deutlich besser als in vielen geschlossenen Häfen. Zum Baden weicht man eher an die offenen Atlantikstrände aus, aber für den Wassermacher und zum Duschen an Deck geht es noch in Ordnung. In solchen Gewässern verschmutzen allerdings die Feinfilter des Umkehrosmose-Wassermachers schneller und müssen früher getauscht werden. Für ein paar Tage Zwischenstopp stellt das jedoch kein Problem dar.


 

Was man sonst noch beachten sollte:

  • Die Carranza-Brücke ist eine Klappbrücke und öffnet nur noch selten für größere Schiffe. Die modernere Constitución bietet mit 69 Metern Durchfahrtshöhe auch für große Schiffe reichlich Luft.
  • Starkwind aus Ost (Levante) kann die Bucht ganz schön aufmischen und eine fiese, kurze Welle aufbauen.
  • Schiffsverkehr hat immer Vorrang – strikt auf Kurs achten und den VHF-Kanal abhören.
  • In der inneren Bucht und den Marschen gibt es flache Zonen und Naturschutzgebiete – da sollte man nicht wild rumschippern.

Nordwestlich des Castillo de San Lorenzo del Puntal>>> und nördlich der bunten Letras de Cádiz liegen viele Boote aller Art in einem vor allem in der Hauptsaison riesigen Ankerfeld. Man liegt dort auf 1 bis 8 Metern Tiefe – bei Ebbe teilweise trockenfallend –, aber relativ ruhig und geschützt. Die allermeisten Fahrzeuge dort sind kleine Fischerkähne oder einfache Ruderboote, meist mit kleinen Außenbordern. Yachten sieht man hier nur wenige; die meisten Eigner ziehen offenbar eine der Yacht-Marinas vor. Siehe auch das kleine Video>>>.

Wirklich geräuscharm ankert oder macht man allerdings nirgendwo rund um Cádiz fest. Es ist und bleibt ein betriebsamer Industriehafen, und von den beiden Brücken hört man permanenten Verkehrslärm im Hintergrund. Deshalb legen die meisten Eigner hier nur kurze Zwischenstopps ein oder steuern ruhigere Yachthäfen an der Festlandsküste an. Von dort aus lässt sich das sehenswerte Cádiz entspannt per Mietwagen oder Öffis besuchen.

Dafür empfiehlt sich vor allem die Puerto Deportivo de Rota>>> – eine Marina, Luftlinie nur etwa 10 bis 12 Kilometer nördlich von Cádiz. Allerdings ist diese Anlage in der Hauptsaison meist brechend voll. Wer da nicht lange im Voraus reserviert hat, bekommt schwerlich einen Liegeplatz. Da wir Cádiz spontan und ungeplant angesteuert haben, war das für uns keine Option.

Kurz gesagt: Die Bucht eignet sich hervorragend als praktischer Zwischenstopp in interessanter Kulisse, wenn man Cádiz oder Puerto de Santa María anlaufen will. Frei ankern funktioniert reibungslos, die Tiefen reichen für gängige Yachten aus und die Wasserqualität ist durch den Tide-Durchfluss erträglich. Man muss lediglich den Schiffsverkehr und die Gezeiten im Blick behalten – dann ist die Bucht von Cádiz ein durchaus angenehmer Liegeplatz.

Mit dem Dinghi ist es ein kurzer Weg zu einem winzigen Strandabschnitt, der Playita de Puntales, die selbst bei Hochwasser ausreichend Platz für das Beiboot bietet. Von dort aus sind es nur wenige Meter zu Müllcontainern, Supermärkten und weiteren Geschäften, Restaurants und Bars. Oder man legt direkt am Dinghi-Dock des kleinen Club Náutico Alcázar>>> an. Genau das machten wir schließlich, nachdem auch Demo aus seiner Koje gekrochen war und sich frisch gemacht hatte. (Wichtig: vorher Kontakt aufnehmen und fragen!)

 

Zusammen mit zwei sehr netten Fahrtensegler-Crews aus Belgien und Schottland, die wir kennengelernt hatten, wollten wir uns auf der hübschen Außenterrasse des Bar/Restaurante El Rincón de Silvia im Club Náutico Alcázar ein üppiges Brunch gönnen. Dieses Lokal öffnet derzeit um 09:00 Uhr, macht ab 17:00 Uhr Siesta und ist dann wieder von 20:00 bis 23:30 Uhr in Betrieb. Bei über 1.000 Google-Rezensionen steht das Lokal bei guten 4,3 Sternen. Der Service ist ausgesprochen freundlich und behandelt auch Fremde wie einheimische Stammgäste. Die Preise sind sehr fair – man kann für unter 20 Euro schlemmen und etwas trinken. Wir waren rundum zufrieden und pappsatt, als wir danach mit unseren neuen Bekannten zum ausführlichen Sightseeing starteten.

Als Erstes schauten wir uns das quasi »um die Ecke« gelegene Castillo de San Lorenzo del Puntal>>> an, das neben einer kleinen Marinebasis liegt. Das ist eine alte Festungsanlage mit einem modernen Stahl-Giganten im Zentrum. Direkt an der engsten Stelle der Bucht von Cádiz thront das Castillo – besser bekannt als Castillo de Puntales. Es ist eines der ältesten Verteidigungsbauwerke der Stadt und hat eine ziemlich turbulente Geschichte hinter sich.

Ursprünglich im 16. Jahrhundert als kleiner Artillerieturm gebaut, wurde es mehrfach zerstört und wieder aufgebaut – unter anderem nach dem großen anglo-holländischen Überfall 1596 und später noch einmal während der Napoleonischen Kriege. Seine heutige Form stammt im Wesentlichen aus dem Umbau von 1862/63. Mit ovaler Anlage, zwei Halbbastionen und einem Wassergraben diente es jahrhundertelang dazu, zusammen mit dem gegenüberliegenden Fuerte de Matagorda den Zugang zur inneren Bucht und zum Arsenal La Carraca zu sperren. Während der langen französischen Belagerung von Cádiz (1810–1812) spielte es eine wichtige Rolle bei der Verteidigung.

Heute gehört das Castillo der spanischen Marine und beherbergt die Estación Naval de Puntales. Deshalb ist der Zugang für die Öffentlichkeit normalerweise gesperrt – man kann es also nur von außen oder vom Wasser aus bewundern.


 

Und dann steht da diese imposante, moderne Stahlkonstruktion direkt davor bzw. darin: genannt die Torre de Puntales. Dieser 158 Meter hohe, elegante Hochspannungsmast aus verzinktem Stahl wurde 1955 errichtet. Zusammen mit seinem Zwilling auf der anderen Seite der Bucht (in Matagorda/Puerto Real) überspannt er die Bahía und führt die Stromleitungen auf einer Höhe von 141 Metern über den Schifffahrtsweg. Die schlanke, sich nach oben verjüngende Stahlkonstruktion, mit dem langen Querträger oben, wirkt fast futuristisch und bildet einen spannenden Kontrast zur alten Steinmauer des Castillo. Viele Segler und Passanten staunen zuerst über diesen »Eisengiganten«, bevor sie merken, dass er direkt neben einer historischen Festung steht.

»Wow, dieses Stahlding ist wirklich beeindruckend!«, staunte selbst unser sonst eher mundfauler Demo.

»Und schon 1955 ästhetisch extrem ansprechend gebaut«, meinte Vicky, während wir staunend unsere Köpfe in den Nacken legten und nach oben schauten.

»Yup, hier treffen rund 500 Jahre Militärgeschichte und 1950er-Jahre-Ingenieurskunst aufeinander – und das an einem der strategisch wichtigsten Punkte der gesamten Bucht«, fügte ich hinzu. »Besonders von See aus ein wirklich markantes Wahrzeichen, das man unmöglich übersehen kann. Auf dem Gelände befindet sich auch die Comisión Naval de Regatas, eine Art Aufsichtsbehörde für Segel-Regatta-Veranstaltungen. Schließlich ist Spanien eine stolze alte Seefahrernation und ehemalige maritime Weltmacht; da werden solche Traditionen besonders ernst genommen.«

»Was du nicht sagst, Schlaukopf!«, stichelte Vicky grinsend.

»Sowas interessiert mich halt, da recherchiere ich im Voraus ein bisschen«, schmunzelte ich zurück und schnappte mir die Freche für einen gespielt übertriebenen, leidenschaftlichen Kuss. Ich bog sie dabei so weit nach hinten, dass sie ohne meine haltenden Bärenpranken umgefallen wäre. Die anderen Touristen und die beiden Fahrtenseglerpaare lächelten amüsiert.

Das belgische Paar ist noch jung, ungefähr in der zweiten Hälfte der Zwanziger, und mit der schicken Segelyacht der Eltern unterwegs. Die Schotten dürften Anfang 40 sein: echte Fahrtensegler auf einer ebenfalls älteren, etwas klapprig aussehenden, aber gut gepflegten Ketsch im Stil der 70er/80er-Jahre auf Langfahrt. Sie planen ebenfalls, im Herbst über den Atlantik in die Karibik zu schippern, vermutlich von den Kapverden aus. Sehr sympathische Leute, und trotz der Altersunterschiede – Vicky und Demo sind ja sogar noch jünger als die Belgier – verstanden wir uns auf Anhieb prima.

Ich glaube, ich erwähnte schon mal, dass das unter Fahrtenseglern oft der Fall ist. Man teilt ähnliche Erfahrungen, Hintergründe, Ziele und Absichten, vor allem was das klassische »Bluewater-Sailing« betrifft. Natürlich versammeln sich junge Crews bevorzugt miteinander und Ältere ebenso. Aber echte Fahrtensegler ticken trotzdem oft überraschend ähnlich, weil diese Betätigung besonders für einen bestimmten Menschenschlag reizvoll ist.

Beispielsweise habe ich auch schon sehr junge Fahrtensegler Anfang 20 kennengelernt, manchmal noch Studenten, welche diese Passion trotz ihrer Jugend mit beachtlichem Ernst und tiefem Fachwissen betrieben. Fahrtensegeln kann ein verdammt gefährliches Hobby sein, das viele universelle Fähigkeiten in Schiffsführung, Wartung und Modernisierung erfordert, will man es nicht allzu riskant betreiben. Dafür sind nur relativ wenige Menschen wirklich geeignet.

Okay, genug geschlaumeiert! Als Nächstes machten wir allgemeines Sightseeing mit zu vielen Locations, als dass ich alle ausführlich beschreiben könnte. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Interessantes es in dieser kleinen 110.000-Einwohner-Stadt zu sehen gibt. Ich lasse vor allem die Fotos sprechen, deren Dateinamen den jeweiligen Ort nennen. Das Mittagessen ließen wir nach dem sehr üppigen Brunch komplett ausfallen.


 

Besonders reizvoll fanden wir das Ayuntamiento de Cádiz (das Rathaus) am Plaza de San Juan de Dios>>> und die um diesen zentralen, sehr hübsch gestalteten Platz gelegenen klassizistischen und neoklassizistischen Bauwerke. Hier findet ihr ein kleines Video>>> neben den eingefügten Fotos.

Die malerischen Gassen der Altstadt von Cádiz sind, besonders rund um diesen bezaubernden Platz, überwiegend sehr gepflegt. Unzählige Geschäfte, Cafés, Bars und Restaurants – teilweise in wunderschönen Arkaden gelegen –, südländisch flanierende Menschenmassen aus Einheimischen und Touristen sowie Sonnenschein und Wärme erzeugen quasi automatisch ein wunderbares Lebensgefühl. In dieser Form erlebt man das nur im Süden, und wer kein verknöcherter, sturer Bock ist, genießt das lächelnd mit allen Sinnen.

»Ach ist das schön, ich LIEBE es!«, seufzte Nordlicht Vicky. »In solchen Regionen könnte ich glatt dauerhaft leben.«

»Na los, zieh mit Conchita zusammen, dann könnt ihr gemeinsam als schöne, sexy Künstlerinnen alle Männer verrückt machen, hoho!«, gluckste ich.

»Schwätz nicht so oberschlau, du Gauner! Wie sieht's aus Leute, Eis essen? Ich sehe da eine tolle Gelateria, die auf Google mit 4,7 Sternen hoch bewertet wird.«

»Gute Idee, ein leckeres Eis wäre jetzt klasse!«, stimmten wir alle zu und liefen zur südwestlichen Ecke der Plaza.

Dort befindet sich die hübsche und, wie sich herausstellte, vorzügliche Gelateria Cioccolato>>>. Klein, unauffällig, fast ein bisschen versteckt gelegen und hübsch altmodisch im Inneren, gibt es dort exquisite Eissorten in allerbester italienischer Gelato-Tradition – besser geht es eigentlich nicht. Das Personal ist sehr freundlich, und die Preise sind für heutige Verhältnisse ausgesprochen fair. Geöffnet haben sie täglich von mittags bis mindestens 01:00 Uhr nachts. Sehr empfehlenswert für alle, die echte italienische Eis-Köstlichkeiten mögen.


 

Leider muss man auch anfügen: Aufgepasst bei der Gastronomieauswahl! An so einem touristischen Hotspot wie rund um diese Plaza gibt es typischerweise auch etliche klassische Touristenfallen und professionelle Taschendiebe. Also gut auf Geldbörsen achten und bei Lokalbesuchen vorab über Google recherchieren – so vermeidet man die übelsten Fallen.

»Mmmmhhh… daran könnte ich mich dumm und dämlich schlecken, bis ich zu einer fetten Kuh werde, haha«, lachte die ebenfalls recht hübsche, schlanke Partnerin des belgischen Seglers, und wir stimmten ihr zu. Ich stelle die beiden Seglerpaare nicht weiter vor, weil sie schon morgen oder übermorgen weitersegeln und wir uns dann vermutlich sowieso nicht mehr wiedersehen.

»Was mich betrifft: Mir wurde schon mit zehn Jahren klar, dass italienische Eisspezialitäten genau mein Ding sind und alle anderen Sorten für mich unter die Kategorie 'na ja, ganz okay' fallen«, dozierte ich absichtlich übertrieben snobistisch.

»Steve ist eben ein Genussmensch – in jeder Beziehung, haha!«, lachte Vicky und klaute sich einen Löffel Eis von einer Sorte bei mir, die sie selbst nicht gewählt hatte. Insgesamt verdrückte jeder von uns mindestens drei Kugeln; ich gönnte mir fünf und der Schotte sogar sechs. Übrigens wirkt der Mann eher wie ein klassischer englischer Gentleman – aber wehe, jemand bezeichnet ihn als Engländer oder auch nur als Briten! Viele Schotten legen sehr großen Wert auf ihre schottische Nationalität und Kultur, obwohl sie seit Jahrhunderten zum Empire gehören.

Beim Weiterschlendern amüsierten wir uns über eine wirklich gelungene Street-Art-Installation: eine originell aufgestellte Puppen-Musikertruppe, sehr hübsch anzuschauen. Aus versteckten Lautsprechern erklang passende Musik, und zwei Puppenhunde bewachten eine mittig davorstehende Spendenmuschel, während von dem Künstler selbst nichts zu sehen war.

»Sind die süß! Voll originell!«, waren vor allem die Frauen begeistert und warfen einige Münzen in die Schale.


 

Dann besichtigten wir die beeindruckende Catedral de Cádiz (mit vollem Namen Santa Cruz sobre las Aguas, auch »Catedral Nueva« oder auf Deutsch Kathedrale zum heiligen Kreuze über dem Meer) westlich an der Atlantikküste. Sie ist ein typisch katholischer Prachtbau zur Verherrlichung Gottes und Bereicherung der Kirche. Kurz zusammengefasst die wichtigsten Daten:

  • Baubeginn: 1722 (erste Grundsteinlegung durch Bischof Lorenzo Armengual de la Mota).
  • Fertigstellung / Weihe: 28. November 1838 – nach 116 Jahren Bauzeit!
  • Architekten: Begonnen von Vicente Acero, später u. a. Gaspar Cayón, Torcuato Cayón, Miguel Olivares, Manuel Machuca und Juan Daura.
  • Stil: Eine Mischung aus Barock, Rokoko und Neoklassizismus – entstanden durch die sehr lange Bauzeit.
  • Besonderheiten: Wurde mit Geld aus dem Amerika-Handel finanziert (»Catedral de las Américas«). Die Kuppel erstrahlt mit gelben glasierten Kacheln. Die Krypta liegt unter dem Meeresspiegel (u. a. Grab von Manuel de Falla). Zwei markante Türme (Levante und Poniente).
  • Lage: Direkt am Meer in der Altstadt von Cádiz; sie ist das größte und bekannteste Kirchengebäude der Stadt und bis heute Bischofssitz der Diözese Cádiz y Ceuta.

 

Danach trennten wir uns. Die zwei Seglerpaare und Demo kehrten zurück auf die ankernden Yachten, um eine Siesta einzulegen. Vicky und ich besuchten Conchita, wo sich die Künstlerinnen gegenseitig für Bilder in freizügigen Posen Modell saßen. Diesmal lag Vicky für Conchita in einer klassischen, provokanten »Nackte Schöne auf dem Bett«-Pose, was ich natürlich ebenfalls für ein paar Fotos nutzte. Es soll wohl erst eine Skizze, dann eine Kohlezeichnung und schließlich ein Öl-auf-Leinwand-Bild werden.

Ich hielt mich dabei weitestgehend zurück und überließ den beiden jungen Künstlerinnen das Feld, um sich in Fachkauderwelsch und über typische Interessen auszutauschen. Nach Erfrischungsdrinks und einer Zigarette machten wir in Conchitas Bett Siesta. Sie selbst legte sich drüben im Atelier auf ein Sofa und schlummerte dort; darauf hatte sie bestanden. Da es draußen mit etwa 26 Grad angenehm warm war, standen Fenster und Türen weit offen, um gut durchzulüften und die Farb-, Leinöl und Terpentinausdünstungen zu vertreiben.

Von draußen klang die Melodie der Altstadt herein: unverständliches Stimmengewirr, gelegentlich ein lauteres Lachen, das Klappern von Geschirr auf Lokalterrassen und Essensdüfte, vermischt mit salziger Seeluft. Ab und zu hupte irgendwo ein Fahrzeug, kreischten Seevögel oder zwitscherten Vögel auf den Balkonen und Dachsimsen. All das wirkte überhaupt nicht störend, sondern eher beruhigend wie leise Hintergrundmusik.

Wie üblich schmusten wir erst wundervoll sinnlich, liebten uns und machten dann ein anderthalbstündiges Nickerchen. Nacheinander frisch geduscht – in Conchitas leider sehr kleinen Duschkabine für Einzelpersonen – machten wir uns fertig für das abendliche Ausgehen.

Kurz nach 20:00 Uhr trafen wir uns mit Demo, den zwei Seglerpaaren und Freunden von Conchita in der guten Tapas-Bar La Estrella 1905>>>, an der Ostseite der bezaubernden Jardines de la Plaza de la Candelaria>>>.

Allein diese beiden Orte wären es schon wieder wert, ausführlicher beschrieben zu werden. Aber zusammen mit all den anderen Künstlertreffs und Kneipen, die wir danach noch aufsuchten und in denen wir viel Spaß hatten, würde der Blogeintrag schlicht zu lang. Deshalb mache ich hier Schluss und sage nur: Es wurde wieder eine tolle, laue Nacht mit südländisch lebensfrohen Menschen, köstlichen Tapas, guten Weinen und Drinks.

 

Wir alle amüsierten uns bestens und lernten etliche interessante Menschen kennen. Kurz: Ausgehen und Leben, genauso wie es sein sollte! Das schottische Paar machte nach Mitternacht Schluss, wir anderen kamen erst nach 03:00 Uhr morgens bester Laune zurück auf die ankernden Yachten und schliefen sehr schnell ein.

Ach ja, leben, ausgehen und Spaß haben kann man fast überall – aber im milden Süden mit diesem unnachahmlichen Dolce-Vita-Lebensgefühl ist es einfach besonders schön. smile

Die Portugiesen nennen das übrigens »Vida boa« – wörtlich »das gute Leben«. Das kommt dem italienischen Dolce Vita am nächsten. Es meint eine entspannte, genussvolle Lebenshaltung, bei der man den Moment genießt, ohne ständig unter Druck zu stehen. Interessant ist: Während die Portugiesen international oft mit der melancholischen Saudade – dieser bittersüßen Sehnsucht – in Verbindung gebracht werden, gehört zu ihrer Kultur genauso das bewusste Genießen des Alltäglichen. Desfrutar und Vida boa sind genau die positiven, hedonistischen Seiten davon.

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