#26.08.05 – Spanien, Segeltörn nach Barbate mit Rookie an Bord
Teil 1 – der Morgen vor dem Auslaufen
»Na, Conchi, wie hast du deine erste Nacht an Bord
überstanden?«, fragte Britt lächelnd, als die Künstlerin morgens verschlafen
den Kopf ins Cockpit steckte.
»Überraschend gut, ehrlich gesagt!«, gähnte sie herzhaft. Nur in
einem viel zu kurzen Schlafshirt und mit verstrubbelten Haaren bot sie uns
einen unverschämt hübschen Anblick.
Gestern war Conchitas Mäzen, auf dessen Finca sie in den letzten
Wochen aufgepasst hatte, wieder nach Cádiz zurückgekehrt. Abends trafen wir uns
quasi zum gemeinsamen Abschiednehmen in der Stadt. Im Laufe des
feuchtfröhlichen Abends entschloss sie sich spontan, uns heute auf dem Törn
nach Barbate zu begleiten.
Da sie momentan keine dringenden Verpflichtungen hat und sowieso
brennend neugierig auf unser Fahrtensegler-Dasein war, passte das wie die Faust
aufs Auge. Wir nahmen sie natürlich sehr gerne mit. Und falls ihr das Segeln
auf See überhaupt nicht liegen sollte oder sie gar von der Seekrankheit gepackt
wird, kommt sie von Barbate aus unkompliziert und schnell per Bus oder Taxi
über Land zurück nach Cádiz.

Also hatte sie noch in der Nacht schnell ein paar Siebensachen
zusammengepackt und war direkt bei uns an Bord eingezogen. So konnte sie gleich
einmal am eigenen Leib austesten, wie es sich auf einer vergleichsweise
kleinen, engen und selbst im geschützten Hafen leicht schaukelnden Segelyacht
schläft. Von Seefahrt und Segeln versteht Conchita rein gar nichts; sie war
noch nie auf einem Boot auf dem offenen Meer unterwegs. Allerdings fand sie
unsere Philosophie des autarken Fahrtensegelns ungemein faszinierend und wollte
neugierig am eigenen Leib ausprobieren, wie sich dieses freie Leben anfühlt.
Die untere U-Dinette auf der Steuerbordseite – direkt gegenüber
der Backbord-Galley – lässt sich durch das Absenken des Massivholztisches im
Handumdrehen in ein breites Doppelbett verwandeln. Da sich dieser Schlafplatz
an einem der tiefsten Punkte nahe dem Schwerpunkt der Yacht befindet, sind die
Bootsbewegungen dort am geringsten. Das gilt insbesondere auf hoher See oder an
einem rolligen Ankerplatz, wenn die Dünung quer zum Schiff einläuft. Deshalb
wird diese U-Kojen-Kombination auf mehrtägigen Törns auch richtig gerne als
Schlafplatz für die jeweilige Freiwache genutzt. Wenn der Wind auffrischt und
die Yacht unter Segeln stark krängt und arbeitet, isst und schläft man dort
unten spürbar ruhiger als im höher gelegenen Deckssalon oder draußen im
Cockpit.
Bei herrlich sonnigen 24 Grad frühstückten wir gemütlich draußen
im Cockpit nahe dem Steuerstand. Wie immer bei uns an Bord ging es dabei
ausgesprochen humorvoll zu: Wir überzogen uns gegenseitig mit kumpelhaften
Frotzeleien, fällten spitzfindige Bemerkungen und lachten herzlich über die
ersten Gehversuche unseres Neuzugangs. Naturgemäß geriet vor allem Conchita ins
Visier der einen oder anderen scherzhaften Bemerkung. Wer sein ganzes Leben an
Land verbracht hat, ahnt schließlich gar nicht, wie grundlegend sich der Alltag
auf einer Fahrtenyacht von dem in einer Wohnung unterscheidet. An Land betätigt
man gedankenlos Lichtschalter, dreht Wasserhähne auf, geht auf die Toilette
oder nimmt eine lange Dusche, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken.
Auf einer Yacht ist jedoch schon die Benutzung der Bordtoilette
eine feine Kunst für sich, die einem erst einmal geduldig erklärt werden muss.
Wer hier vorschnell wie gewohnt aufs Knöpfchen drückt oder falsche Dinge
hineinwirft, erzeugt im Handumdrehen eine unschöne Verstopfung des Pumpsystems.
Auch beim Händewaschen und Duschen geht man an Bord unvergleichlich bedachter
und sparsamer vor als im heimischen Badezimmer. Gleiches gilt für den
Stromverbrauch: Ein Boot, das nicht fest in einer Marina an Landstrom und Wasserschlauch
angeschlossen ist, sondern autark vor Anker liegt oder Meilen macht, lebt von
streng begrenzten Vorräten. Mit diesen Ressourcen muss man vorausschauend und
klug haushalten.
Um das mal an einem greifbaren Beispiel zu verdeutlichen: Der
typische Wasserverbrauch bei einer ganz normalen Dusche an Land liegt bei etwa
zehn bis fünfzehn Litern pro Minute. Bei einer flotten Fünf- bis
Acht-Minuten-Dusche rauschen so rasch zwischen 60 und 120 Liter kostbares
Trinkwasser durch den Abfluss. An Bord einer Yacht gelten heutzutage speziell
belüftete Low-Flow-Duschköpfe und maritime Sparduschköpfe als wichtiger
Standard. Sie bieten hervorragenden Duschkomfort bei drastisch reduziertem
Wasserdurchfluss und sind perfekt auf die Förderleistung unserer
Druckwasserpumpe sowie die Kapazität der Wassertanks abgestimmt.
Ein praxiserprobter Kompromiss für die meisten Fahrtensegler
liegt bei etwa fünf bis acht Litern pro Minute mit gut belüftetem Wasserstrahl.
Das fühlt sich nach wie vor wie eine vollwertige Dusche an und nicht wie ein
trostloses Rinnsal. Wenn man dann noch nach der bewährten Navy-Methode duscht –
Wasser kurz zum Nassmachen an, Wasser aus zum Einseifen, Wasser an zum Abspülen
– verbraucht man pro Person lediglich 15 bis 30 Liter. Bei derzeit fünf
Personen an Bord summiert sich das trotz strenger Disziplin dennoch schnell auf
75 bis 150 Liter Frischwasser am Tag.
Nun besitzt unsere Nauticat 42 für ein Schiff dieser
Größenordnung mit 700 Litern Fassungsvermögen bereits außergewöhnlich bemessene
Tanks; vergleichbare moderne Yachten müssen oft mit mickrigen 300 bis 500
Litern auskommen. Dank unseres neuen Wassermachers, einer Kyma 100, können wir
zwar pro Stunde rund 100 Liter frisches Trinkwasser direkt aus dem Meerwasser
produzieren. Doch dieser Prozess frisst vor Anker oder auf See ordentlich
elektrischen Strom.
Und Strom ist an Bord nun einmal ebenfalls ein hohes Gut, das
erst mühsam über unsere Solarpaneele und den Windgenerator zurück in die
Akkubänke geflossen sein will. Den Diesel-Hauptmotor oder den Generator nur zum
Wassertanken laufen zu lassen, widerstrebt echten Fahrtenseglern zutiefst; das
machen wir wirklich nur dann, wenn die Akkus völlig im Keller sind und gar
nichts anderes mehr geht.
Kurzum: Was auch ich an Land gelegentlich aus vollem Herzen
genieße – sich nämlch mal zwanzig oder dreißig Minuten lang entspannt unter
eine plätschernde Wellness-Dusche zu stellen und dieses Duschvergnügen
vielleicht noch mit einer Geliebten zu teilen – würde die Wassertanks der
meisten Yachten auf einen Schlag leeren. An Bord ist ein solches Verhalten
schlichtweg undenkbar. Eine Landratte muss sich diese absolut notwendige
Achtsamkeit erst einmal antrainieren und verinnerlichen.
Von den klassischen Katastrophen bei der Toilettenbenutzung
durch unerfahrene Gäste möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst im Detail
anfangen! Jedenfalls überlegst du dir als Skipper ernsthaft und fluchend, einen
Gast achtkantig über Bord zu werfen, wenn du in glühender Hitze die stinkende
Sauerei einer verstopften Bordtoilette und ihrer Pumpe zerlegen und reparieren
musstest. Das ist wahrlich kein Vergnügen! schiefgrins
Selbstverständlich haben wir – allen voran Britt und Vicky in
geballter weiblicher Solidarität – Conchita geduldig und freundlich in die
Geheimnisse des Bordlebens eingewiesen. Sie haben ihr erklärt, was man an Bord
einer Segelyacht tunlichst vermeidet und wie die Pumptoilette richtig bedient
wird. Wer allerdings noch nie auf einem Schiff gelebt hat, hängt fest in seinen
tief sitzenden Landgewohnheiten. Man muss sich erst mühsam dazu erziehen, nicht
aus Versehen den Wasserhahn beim Zähneputzen durchlaufen zu lassen oder
gedankenlos Papiertaschentücher, Essensreste oder – der absolute Albtraum jedes
Eigners – Hygieneartikel und Tampons in die Bordschüssel zu werfen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Leben auf einer
Fahrtenyacht – das sogenannte »Sailing Saltlife«, wie es die Amerikaner gern
treffend nennen – lehrt einen auf unnachahmliche Weise, viel bewusster,
respektvoll und durchdacht mit Wasser, Energie und Proviant umzugehen. Hat man
diesen Rhythmus erst einmal verinnerlicht, stellt man mit Erstaunen fest, wie
verschwenderisch und gedankenlos man früher an Land mit den Ressourcen dieser
Erde umgegangen ist. Man beginnt diese achtsame Lebensweise nicht nur zu
schätzen, sondern empfindet sie als bedeutend verantwortungsvoller und
befriedigender.

Fahrtensegeln ist eben so viel mehr als bloßes Segeln, das
Erlernen von Seemannschaft, das Bändigen der recht komplexen Bordtechnik oder
das traumhafte Ankern in einsamen Buchten. Es ist eine Haltung zum Leben. Genau
deshalb ticken die meisten Langfahrtsegler auf ähnlichen Wellenlängen und
verstehen sich auf Anhieb blendend: Man muss aus einem ganz bestimmten Holz
geschnitzt sein, um dieses bewusste Leben auf dem Meer von Herzen zu lieben.
Teil 2 - Kurs Barbate, Knotenkunde und nützliches Orca-Wissen
»Los geht’s! Endlich wieder segeln, juhuuu!«, freute sich Britt
ausgelassen, als wir gegen 08:20 Uhr das Frühstücksgeschirr abgeräumt hatten
und das Schiff klarmachten zum Auslaufen.
»Yup, endlich wieder Meilen machen!«, brummte Demo gewohnt
wortkarg vor sich hin und übernahm als aktueller Wachführer das Kommando an
Deck.
»Was kann ich tun, um zu helfen?«, erkundigte sich Conchi
eifrig. Sie hatte schon beim Aufräumen, Tischabwischen und Spülen mit
angepackt, als wäre sie seit Wochen Teil der Crew.
»Da du von Seemannschaft noch keine Ahnung hast und schwer
einschätzen kannst, was an Deck potenziell gefährlich ist, schlage ich vor:
Schau uns anderen am besten erst einmal in Ruhe zu und lerne«, lächelte Vicky.
Sie turnte wie gewohnt völlig ungeniert splitternackt an Bord herum und
verschwendete keinen einzigen Gedanken an eventuelle Beobachter auf den Nachbarbooten,
was natürlich entzückend für genießende Männeraugen war. grins
»Ja, schau erst einmal entspannt zu. Später draußen auf See
kannst du sehr gerne ans Steuer und uns bei den kleineren Handgriffen
unterstützen«, lächelte ich die sympathische Künstlerin ermutigend an. »Und
eine goldene Regel, Conchi, die WICHTIGSTE überhaupt: Greife NIEMALS nach einer
Schot, einem Fall oder irgendeiner der vielen Leinen im Cockpit, wenn du
glaubst, dass sie wegrutscht oder so! Im falschen Moment kannst du dir damit
übel die Finger verbrennen oder schwere Verletzungen zuziehen!«
»Aye, aye, Captain! Dann spiele ich jetzt den neugierigen
Bordgast und genieße die Sonne an Deck!«, blinzelte sie mir charmant zu.
Aus Zeitgründen und um den typischen Umfang eines Blogartikels
nicht völlig zu sprengen, fasse ich die Überfahrt an dieser Stelle ein wenig
zusammen. Allein die ausführliche Beschreibung all der amüsanten Momente an
Deck, unserer tiefgründigen wie albernen Gespräche und der klassischen Manöver
auf See, würde mühelos ein halbes Buch füllen.
Wir erwischten schwache bis mäßige Winde von 5 bis 12 Knoten, in
kleinen Böen kurzzeitig mal bis zu 18 Knoten aus West-Nordwest. Dazu gesellte
sich eine verträgliche Welle samt Dünung von etwa 0,7 Metern, viel Sonnenschein
und angenehme 27 Grad. Unter diesen Bedingungen machte unser schwerer
Rundspant-Verdränger mit Deckssalon raumschots hervorragende Fahrt mit 2,5 bis
7 Knoten. Bei Nauticat wusste man eben damals noch ganz genau, wie man
grundsolide, seetüchtige und unverwüstliche Yachten baut, die dennoch
hervorragend durchs Wasser schippern.
Wenn ich mir im Vergleich dazu heutzutage manche
Großserien-Yachten anschaue, sträuben sich mir als erfahrenem Skipper ehrlich
gesagt die Nackenhaare vor Entsetzen! Was da teilweise für hunderttausende oder
gar über eine Million Euro auf den Markt geworfen wird und dennoch gläubige
Abnehmer findet, ist gelinde gesagt abenteuerlich. Aber Halt! Das ist ein Thema
für einen separaten, detaillierten Artikel und würde diesen Rahmen sprengen.
Jedenfalls hatten wir absolute Bilderbuch-Bedingungen für ein
entspanntes Schönwetter-Segeln mit einem blutigen Anfänger an Bord. Die Vikarelia
krängte kaum, rollte und gierte nur minimal, und Conchita zeigte zu unserer
Erleichterung nicht das geringste Anzeichen von Seekrankheit. Aus Rücksicht auf
sie verzichteten wir auf diesem 40 Seemeilen langen Schlag auch auf Segel- oder
Mann-über-Bord-Manöver, die wir sonst gerne zur Routine-Auffrischung einbauen.
Blitzschnell erfasste die reizende Künstlerin hingegen, wie man
einen Palstek knüpft. Der Palstek ist wohl der mit Abstand wichtigste
Seemannsknoten überhaupt. Er dient dazu, eine feste, verlässliche Schlaufe zu
knüpfen, die sich selbst unter enormer Last niemals von alleine zuzieht, sich
danach aber spielend leicht wieder öffnen lässt. Ein absolutes Must-have für
jeden Segler und zentraler Bestandteil jeder praktischen Prüfung zum
Sportbootführerschein.
Schritt für Schritt gelingt der Knoten am einfachsten mit der
berühmten Eselsbrücke vom Männlein und dem See:
1.
Den
See bilden: Man legt im Uhrzeigersinn ein kleines Auge in die stehende Part
(das lange Seilende). Das lose Ende liegt dabei oben auf.
2.
Das
Männlein taucht auf: Führe das lose Seilende (das Männlein) von unten durch das
kleine Auge (den See) nach oben heraus.
3.
Um
den Baum laufen: Führe das lose Ende einmal hinter der stehenden Part (dem
Baum) herum.
4.
Zurück
in den See: Stecke das lose Ende von oben wieder zurück durch das kleine Auge.
5.
Festziehen:
Halte das lose Ende und die parallel verlaufende Schlaufe fest und ziehe
gleichzeitig kräftig an der langen, stehenden Part. (Wer sich das visuell
veranschaulichen möchte, findet hier ein anschauliches Erklärvideo
zum Palstek.)
Ansonsten verlief der Törn wie am Schnürchen. Einzig schade war,
dass sich diesmal keine Delfine an unserem Bug zeigten – was für Conchita
garantiert ein unvergessliches Highlight gewesen wäre. Selbst alte Hasen auf
Langfahrt freuen sich schließlich jedes Mal wie kleine Kinder, wenn diese
faszinierenden Meeressäuger für ein paar Minuten in der Bugwelle mitreiten und
ihre Kunststücke vollführen.
Ach ja, und noch ein wertvoller Tipp bezüglich der in diesem
Revier leider nicht seltenen Orca-Interaktionen mit Segelyacht-Rudern: Wie ich
vor Kurzem aus verlässlicher Quelle erfuhr, sollte man sich bei Kursen an den
iberischen Küsten nach Möglichkeit strikt innerhalb der 20-Meter-Tiefenlinie
entlang der Küste halten. Bisherige Auswertungen aller Vorfälle zeigen nämlich,
dass die Schwertwale ihre teils gefährlichen Spielchen mit den Ruderblättern
fast ausschließlich außerhalb der 20-Meter-Isobathe austragen – im flachen
Uferwasser ist es diesen Meeresriesen offenbar zu seicht.
Es ist zwar nicht auf jedem Abschnitt möglich, so dicht an der
Küste zu bleiben, insbesondere wenn man Fischernetze weiträumig umfahren muss.
Doch die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung sinkt dadurch drastisch. Besondere
Aufmerksamkeit erfordert die riesige Almadraba-Thunfischfanganlage vor Barbate,
deren seeseitige Umfahrung einen kurzzeitig zwingt, in tiefere Gewässer
auszuweichen.
Etwas nach 16:00 Uhr liefen wir schließlich im geschützten Puerto Deportivo de Barbate ein und machten sanft am per
UKW-Funk zugewiesenen Liegeplatz fest. Über die gesamte Distanz entsprach das
einem beachtlichen Schnitt von knapp 6 Knoten SOG (Speed over Ground) – was bei
den vorherrschenden schwachen Winden für eine Nauticat 42 wirklich aller Ehren wert
ist. In kleinen Böen waren wir zeitweise sogar mit knapp 8 Knoten unterwegs.
Conchita fand ihren allerersten Segeltörn »voll steil und wunderschön«, hatte
keinerlei Magenprobleme und war – wie nahezu alle Neulinge – völlig aus dem
Häuschen, als wir sie draußen ein Stück selbst ans Steuerruder ließen. lächel
Teil 3: Einlaufdrinks, Thunfisch-Magie und Wasserschlacht
»Jetzt muss der Skipper – also unser verehrter, allmächtiger
Captain Steve – erst einmal Einlaufdrinks und lecker Futter spendieren!«,
forderte Britt mit ihrem typischen, frechen Lächeln, kaum dass wir die Vikarelia
am Steg festgemacht und die Leinen aufgeklart hatten. »Wer ist dafür?
Demokratische Abstimmung!«
Tja, natürlich schoss keineswegs nur ihre Hand augenblicklich in
die Höhe. Die Arme der anderen folgten ohne Verzögerung. Bevor hier also eine
handfeste Meuterei ausbrach und der Captain im Hafenbecken versenkt wurde,
stimmte ich der demokratischen Mehrheit zähneknirschend, aber gut gelaunt zu.
Wir hatten auf See in vorausschauender Erwartung dieses
freudigen Ankunftsrituals schließlich nur ein paar leichte Happen zu Mittag
gegessen. Dementsprechend groß war der Appetit – Seefahrt macht bekanntlich
verdammt hungrig. Glücklicherweise hatte ich vorab bereits eine hervorragende
Adresse herausgesucht: Die mit 4,8 Google-Sternen überragend bewertete Taberna
Barbatún, an der Avenida de la Mar, direkt oberhalb des weitläufigen
Meeresstrandes.
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Barbate
ist ein traditionsreicher Küstenort an der andalusischen Costa de la Luz in
Südspanien, gut 66 Kilometer südöstlich von Cádiz und etwa 20 Kilometer
nordwestlich von Tarifa gelegen. Der Hafen und das fast 23.000 Einwohner
zählende Städtchen sind seit Jahrhunderten vom traditionellen Thunfischfang
geprägt und haben sich bis heute ihren unaufgeregten, urigen Charakter weitab
vom durchorganisierten Massentourismus bewahrt. Wer spektakuläre Natur sucht,
findet sie in den direkt angrenzenden Nachbarorten wie dem schneeweißen
Bergdorf Vejer de la Frontera oder den berühmten Strandparadiesen Zahara de los
Atunes und Los Caños de Meca.
»Yeah! Tapas ohne Ende, ich LIEBE es! Danke, Captain!«, freute
sich Britt ausgelassen und bedachte mich sogleich mit einer verflixt erotischen
Küsschen-Umarmung.
»Fall mir hier bloß nicht in Ohnmacht, Schatz, haha!«, lachte
Vicky vergnügt in Richtung Britt und mir. »Oder eigentlich doch… dann bleibt
für uns anderen noch mehr zu futtern!«
»Das könnte dir so passen! Nix da – der ehrenwerte Captain
bekommt hier traditionell den allerersten Happen auf den Teller, sonst lasse
ich euch wegen Meuterei allesamt kielholen, hehe!«, konterte ich amüsiert.
Die Taberna Barbatún, von außen eher unspektakulär und im
Inneren einfach und zweckmäßig eingerichtet, erwies sich als Volltreffer. Eine
klassische, andalusische Tapas-Bar mit unzähligen regionalen Köstlichkeiten,
exzellenten Weinen, kühlem Bier, ausgesprochen herzlichen Gastgebern und
aufmerksamem Service. Praktischerweise öffnete das Lokal punkt 16:30 Uhr wieder
seine Pforten für die Abendschicht. Wir wurden herzlich empfangen, bestellten
die ersten kühlen Drinks und eine Reihe delikater Appetithappen.
»Oh Mann, diese ›Atún Picante‹ sind ja der absolute Wahnsinn!
Die müsst ihr unbedingt probieren!«, seufzte Britt schwärmerisch. Der rohe
Thunfisch, marinierte in einer fein abgestimmten, leicht scharfen Sauce,
schmeckte in der Tat phänomenal. Und das will etwas heißen – wenn man bedenkt,
dass ich eigentlich gar kein so riesiger Thunfisch-Fan bin.
»Wir befinden uns hier schließlich auch im absoluten
Thunfisch-Paradies! Denkt nur an die riesige Thunfisch-Farm, die wir vorhin auf
See weiträumig umfahren mussten«, griff auch Conchi mit spürbarem Appetit zu.
»Stimmt auffallend! Sehr aufmerksam beobachtet von unserem neuen
Leichtmatrosen-Rookie!«, knuffte Vicky die Spanierin freundschaftlich in die
Seite.
Wie es bei uns gute Tradition ist, bestellten wir quer durch die
Karte eine bunte Vielfalt an verschiedenen Speisen, um so viel wie möglich zu
probieren. Wir alle lieben die spanische Tapas-Kultur: Man orderte eine Schale
nach der anderen, schlemmte nach Herzenslust so viel man Lust hat, plauderte
ungezwungen und witzelte mit dem Personal sowie den Nachbartischen. Selbst wenn
die Sprachkenntnisse auf beiden Seiten nicht immer für tiefgründige Philosophie
reichten – mit Händen, Füßen, einladender Gestik und herzlichem Lachen versteht
man sich in Spanien immer blendend.
Dass drei so außergewöhnlich attraktive Frauen von Model-Format,
die zudem charmant, aufgeschlossen und schlagfertig auftraten, das Blut der
anwesenden spanischen Männer ein wenig in Wallung brachte, versteht sich von
selbst. Kurz gesagt: Wir hatten einen Mords-Spaß und schwelgten ausgiebig im
kulinarischen Genuss – selbst unsere stets auf ihre Linien bedachten Damen
drückten heute beide Augen zu.
»Was für ein herrliches Leben!«, stöhnte Britt glücklich und
rieb sich den Bauch. »Aber jetzt muss ich echt aufpassen, sonst kann ich
demnächst nur noch als Plus-Size-Model anheuern, haha!«
»Genau die richtige Zeit für ein bisschen Ausgleichssport! Auf
an den schönen Strand!«, schlug Vicky spontan vor. Ein naheliegender Einfall,
auf den wir natürlich sofort eingingen, schauten wir doch schon die ganze Zeit
sehnsüchtig vom lokal aus zum breiten, schönen Strand.
Die Schönen hatten in ihren Umhängetaschen vorausschauend sexy
Badebekleidung mitgeführt, und wir Männer konnten lediglich in unseren
modischen Unterhosen Boxershorts ins Wasser springen. Das von uns sonst so
geschätzte Nacktbaden, war hier keine Option; auch am späten Nachmittag war der
Playa del Carmen noch gut besucht, mit nicht wenigen Familien mit Kindern.
Wieder einmal waren die touristischen Benennungen der einzelnen
Strandabschnitte kaum nachvollziehbar, aber das tat der Freude keinen Abbruch.
»Yuhuuuu!«, rannte die Damenriege zusammen mit Demo mit Anlauf
in die Brandung, während es bei mir wie gewohnt ein etwas länger dauerte. Ich
mag es schlichtweg nicht, meine Kleidung beiläufig in den Sand zu werfen, den
man später wieder mühsam rausschütteln muss. Demo war das völlig schnuppe, und
die Mädels stopften ihre reizvoll luftigen Sommerkleider unkompliziert in die Umhängetaschen.
Doch kurz darauf war auch ich bereit für die herrliche Erfrischung im rund 24
Grad kühlen Atlantik. Einfach himmlisch!
Wegen nicht mitgenommenen Sportgeräte für klassische
Strandspiele, veranstalteten wir in der Brandung erst einmal eine gewaltige, lustige
Wasserschlacht – Frauen gegen Männer - mit viel Lachen und Kreischen der
Badenixen. Die drei Hübschen sind auch gute Schwimmerinnen, mit wenig Angst vor
dem tiefen Meer, aber arg weit schwimmen sie dann doch nicht so gern hinaus. Demo
und besonders ich lieben das, kraulten weit auf das offene Wasser und zogen
ordentlich Bahnen.
Schwimmen ist und bleibt schließlich eine der effektivsten
Methoden, den gesamten Körper fit zu halten und überschüssige Kalorien zu
verbrennen. Bei sommerlichen gut 30 Grad Lufttemperatur ist es zudem eine
hochwillkommene Abkühlung – und macht mir persönlich tausendmal mehr Freude als
stumpfes Schindern im Fitnessstudio oder Joggen an Land. Die Mädels und Demo
gehen zwar gerne laufen, aber für das Joggen konnte ich mich noch nie wirklich
erwärmen.
Da die Sonne hier im Süden derzeit erst gegen 21:44 Uhr
untergeht, blieb uns reichlich Zeit. Nach den langen Nächten in Cádiz wollten
wir es heute Abend erst einmal etwas ruhiger angehen lassen, bevor wir in den
kommenden Tagen das Nachtleben von Barbate näher erkunden. Die Marina von
Barbate ist zwar zweckmäßig und selbst in der Hochsaison erstaunlich günstig,
wenn auch optisch kein architektonisches Highlight.
Der Puerto Deportivo de Barbate gehört zu den staatlich
verwalteten Häfen der andalusischen Hafenbehörde (APPA). Da diese Häfen
subventioniert werden, ist Barbate dafür im Vergleich zu privaten Marinas unschlagbar
günstig. Am besten nutzt man vorab die offizielle Preiskalkulator-Webseite der Puertos de Andalucía. Dort
tippst du einfach die exakte Länge und Breite deines Bootes und den
Buchungszeitraum ein, um den genauen Tagespreis für den gewünschten Zeitraum zu
sehen.
Die eher unhübsche, etwas langweilige Marina-Umgebung war uns
jetzt allerdings völlig egal. Nachdem wir das immer wieder faszinierende
Schauspiel eines romantischen Sonnenuntergangs am Ozeanstrand genossen hatten,
kehrten wir an Bord zurück und machten es uns an und unter Deck gemütlich.
»Moment mal… du kannst jetzt nicht einfach gleich pennen gehen,
mon Capitaine!«, zwinkerte Vicky mir mit sinnlichen Schlafzimmerblicken zu, die
ihre ziemlich eindeutigen Absichten unmissverständlich verrieten.
»Uff… ist dem armen, hart arbeitenden Skipper denn niemals etwas
Ruhe vergönnt?«, grinste ich scheinbar leicht überfordert, widmete mich aber
natürlich sofort und aus vollem Herzen ihrer verlockenden Fraulichkeit.
»Wage es ja nicht, dich auch noch zu beschweren, haha!«, lachte
der sich an Bord typischerweise sofort wieder entzückende unbeschwerte
Nackedei.
Nun, wohin das unvermeidlich führte, muss ich wohl kaum näher
beschreiben! Eine gute Stunde später, verschwitzt und wohlig befriedigt und
erschöpft, duschten wir uns ausgiebig frisch – was hier im Hafen mit
Landwasser- und Stromanschluss ja glücklicherweise problemlos möglich war. Dann
bezogen wir das achterliche Kajüten-Doppelbett neu mit frischer Bettwäsche,
legten uns unbedeckt darauf und gähnten inzwischen immer wieder herzhaft. Von
der Seeluft eines immerhin fast achtstündigen Segeltages, der Wasserschlacht
und dem Schwimmen angenehm müde, dauerte es nicht lange, bis alle in den Kojen
verschwanden und auf der Vikarelia tiefste Nachtruhe einkehrte.
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