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Spanien, Barbate nach La Linea und Gibraltar

 

#26.08.11 – Spanien, Barbate nach La Linea und Gibraltar

Wir waren von Barbate losgesegelt, mit Ziel La Línea de la Concepción und Gibraltar. Wegen aktuell wichtiger Recherche- und anderer Online-Arbeiten hatte und habe ich jedoch eher wenig Zeit zum Blogschreiben übrig, weshalb dieser Beitrag etwas knapper ausfällt als sonst. Was für ein Glück, oder je nachdem wie man es sieht, auch für eine Plage, dass man heutzutage problemlos mit hohen Datenraten über Starlink, auch auf See mühelos und ohne Unterbrechung kommunizieren kann.

»Gibraltar wird spannend, oder?« fragte Britt beim Plaudern darüber an Deck. »Eine legendäre Festung mit riesigen Tunnelanlagen direkt am Eingang zum Mittelmeer.«

Das Boot zog bei Schwachwind-Schönwettersegeln mit zu Beginn nur 5 Knoten, später bis zu 11 bis 15 Knoten westlichen Winden gemütlich, aber dennoch erstaunlich flott seine Bahn durch sehr wenig Meeresdünung und Wellen.

»Oh ja, ich glaube, es sind rund 80 Kilometer Tunnelanlagen in den Felsblock gehauen worden, vor allem während des Zweiten Weltkriegs und der Großen Belagerung im 18. Jahrhundert. Jahrhundertelang eine strategisch extrem wichtige Festung, essenziell für das britische Empire.« dozierte ich lächelnd. »Und dann noch die beeindruckende St. Michael’s Cave, eine natürliche Tropfsteinhöhle mit gewaltigen Formationen des größten Künstlers der Welt, nämlich der Natur. Die Höhle hat so eine phänomenale Akustik, dass sie heute sogar als Konzertsaal genutzt wird. Auch die gesamte Umgebung ist historisch wie geografisch faszinierend.«

»Oh, wow, dann werden wir Tage brauchen, das alles zu erkunden.« stellte Conchi richtigerweise fest. Spanier sind ja traditionell eher kritisch eingestellt, was Gibraltar und die britische Besetzung und Präsenz auf der Halbinsel angeht. und redeten wir während des gut siebenstündigen Törns mehrfach darüber, woraus ich mich wegen meiner Online-Aufgaben allerdings die meiste Zeit ausklinken musste.

»ACHTZIG Kilometer Tunnel? Das ist ja eine richtige unterirdische Stadt! Kann man das alles besichtigen? Da braucht man ja Tage oder Wochen?!« Staunte Britt.

»Nein, es ist natürlich nur ein relativ kleiner Teil zur Besichtigung freigegeben und so manches Tunnelsystem dient wohl immer noch geheimen, militärischen Aufgaben als Sperrgebiet.« grinste ich ebenfalls gespannt. Ich war vor langer Zeit schon einmal dort, aber das ist ewig her und damals hatte ich fast gar keine Zeit für Besichtigungen. »Ihr werdet jedenfalls viel Spaß haben, denn… ach nein, mehr verrate ich nicht und ihr solltet vorher auch nicht weiter recherchieren! Lasst euch einfach überraschen.«

»Gemeinheit!« maulte Britt spielerisch, war aber natürlich damit einverstanden. Denn wie bei einem neuen Film möchte man den Inhalt ja schließlich nicht vorher gespoilert bekommen.

 

Ansonsten war es einfach ein schöner, ruhiger Törn mit wundervollem Sommerwetter. Besonders zu Conchis Freude bekamen wir kurz eine Delphin-Eskorte, und diese faszinierenden Tiere spielten elegant und ausgelassen in unserer Bugwelle. Leider dauerte das Ganze nur vielleicht zwei Minuten, in welchen mir lediglich ein einziger, eher schlechter Schnappschuss minderer Qualität gelang, so extrem flink waren sie unterwegs. Aber egal, selbst sehr erfahrene, hartgesottene Langfahrtsegler lieben Delphineskorten und werten sie als gutes Zeichen der Götter für eine glückliche Reise. Für Neulinge wie Conchi ist es zudem ein geradezu magisches, sehr faszinierendes Erlebnis.

Je näher man dem Nadelöhr der Straße von Gibraltar kommt, desto dichter wird der Schiffsverkehr. Manchmal riesige Fracht- und sonstige Schiffe, Küstentransporter, Fischer und Yachten wollen gleichzeitig durch, hinein oder heraus auf den Atlantik. Da musst du als Segler gut aufpassen und nicht selten vorausschauend deinen Kurs ändern. Nicht direkt wegen der Seeverkehrs-Regeln; die bevorteilen traditionell aus alten Zeiten segelnde Seefahrzeuge gegenüber Maschinenfahrzeugen. Aber nur Idioten bestehen auf einer vergleichsweise winzigen Segelyacht starr auf ihr Vorfahrtsrecht gegenüber beispielsweise einem gigantischen Containerschiff.

Um es für Landratten etwas verständlicher zu formulieren: Stell dir vor, du bestehst auf deinem Fahrrad auf deine Vorfahrt gegenüber einem großen LKW. Dann hast du vielleicht recht, bist aber tot oder schwer verletzt! Nein, die Grundregel für jeden auch nur einigermaßen vernünftigen Segler muss stets lauten: lieber selbst ausweichen und auf Nummer sicher gehen!

Diese riesigen Transportschiffe, mit heutzutage aus Kostengründen nur sehr wenig Personal an Bord, können dich glatt überfahren, ohne es auch nur zu bemerken. Dank moderner Technik, besonders AIS – einem automatischen Identifikationssystem, bei dem Schiffe ihre Positions-, Kurs- und Geschwindigkeitsdaten per UKW-Funk aussenden und empfangen, sodass sie auf dem Plotter sichtbar werden –, passierte das nach meinem Wissen schon lange nicht mehr.

Aber es gab früher tatsächlich Fälle, in denen ein Riesenfrachter in einen Hafen einlief und überrascht festgestellt wurde, dass ein Segelmast am Rigg im Ankergeschirr am Bug hing, ohne dass an Bord des Frachters irgendjemand etwas davon bemerkt hätte, dass sie ein Segelboot irgendwo auf dem Meer überfahren hatten. (sic!)


 

Wer glaubt, solche Geschichten über unbemerkt überfahrene Yachten seien nur schauriges Seemannsgarn für die Hafenbar, irrt gewaltig. Der spektakulärste und traurigste Fall trug sich im Januar 1980 mitten auf dem Atlantik zu. Die 13-Meter-Stahlyacht Sayonara eines deutschen Eignerpaars wurde in einer ruhigen Tropennacht von dem gigantischen, 280 Meter langen britischen Erztanker Nordic Crusier gerammt und förmlich überrollt. Die Besatzung des Frachters bemerkte den tödlichen Zusammenstoß auf ihrer hochgelegenen Brücke nicht einmal ansatzweise und dampfte mit Reisegeschwindigkeit weiter.

Das entsetzliche Ausmaß der Katastrophe wurde erst Tage später enthüllt, als der Frachter in seinem Zielhafen in Brasilien festmachte: Hafenarbeiter entdeckten erschrocken, dass sich der gebrochene Mast, Teile des Rigges und Trümmer der Sayonara tief in der Ankerklüse und am Buganker des Kolosses verhakt hatten und über Tausende Seemeilen durch den Ozean gezogen worden waren. Genau solche Tragödien waren es, die der Seefahrt drastisch vor Augen führten, wie blind und unbarmherzig Großschiffe sein können – und warum man als Segelboot-Skipper auf See niemals starr auf sein Recht pochen darf.

Kurz nach 18 Uhr liefen wir schließlich in die Bucht Bahía de Algeciras (oft fälschlicherweise als Bucht von Gibraltar bezeichnet) ein und gingen vor La Línea de la Concepción vor Anker. Ein sehr gut gelegener Ankerplatz, der auch im Sommer so gut wie nie überfüllt ist. Tagsüber gibt es viel Radau und Verkehr mit Wassersportaktivitäten, aber abends ist es meist ruhig. Sehr gut geschützt vor den Winden, vor allem aus Südost, bietet er einen außergewöhnlichen Halt im Sand in einer Tiefe von 5 Metern. Eine perfekte Alternative zum Yachthafen, auch bei schlechtem Wetter. Von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick auf den berühmten Felsen von Gibraltar. Das Beiboot kann man bei Landgängen für 6–8 € pro Tag in den Yachthäfen, beispielsweise dem von Puerto Chico, sicher zurückgelassen werden.

Einlaufdrinks und delikate Speisen genossen wir im Restaurante Puerto Chico, direkt am Yachthafen Club Marítimo Linense, wo wir mit dem Tender anlegten und mit einem Marina-Mitarbeiter wegen eines Liegeplatzes sprachen. Sie haben 278 Liegeplätze von 2 bis max. 6 m Breite und Längen bis 12, maximal 15 m am „T“-Stegkopf, alle mit Strom- und Wasseranschluss, aber sonst anscheinend keine sonst üblichen Dienstleistungen. Über UKW-Kanal 9 oder Handy 691052756 anrufen. Eine Rezension von »Juanma« beschreibt es treffend:


 

»18. Juni 2026. Wir verbrachten ein paar Tage in diesem kleinen, aber gepflegten Yachtclub mit langer Tradition. Die Kommunikation per Telefon oder WhatsApp verlief hervorragend, und man wies uns einen Liegeplatz an einem der Schwimmstege zu. Der Hafenarbeiter, ein echter Profi, half uns beim Anlegen. Hier ist alles unkompliziert und freundlich; gegen eine Kaution von 30 € erhält man eine Karte, mit der man das gesicherte Tor zum Steg öffnen kann. Sicherheitsbedenken gibt es keine: Es wird eine 24-Stunden-Überwachung gewährleistet. Der Preis ist sehr angemessen: 14 € pro Nacht, inklusive Strom und Wasser, ohne versteckte Gebühren für unser 8-Meter-Boot in der Hochsaison.

Wenn man an der Rezeption nach dem Schlüssel fragt, hat man Zugang zu einigen kleinen Toiletten – etwas in die Jahre gekommen, aber sehr sauber. Was die Lage in Bezug auf die Stadt La Línea angeht, ist sie hervorragend: Supermärkte, Tapas-Bars und Restaurants sind alle innerhalb von 20 Minuten zu Fuß erreichbar. Ebenso lässt sich der unverzichtbare Ausflug nach Gibraltar zu Fuß in etwa derselben Zeit bis zur Grenze zurücklegen, und sobald man auf der anderen Seite ist, gibt es Busse, die einen für etwa 2,50 € ins Herz des Felsens bringen. Kurz gesagt: Es ist ein klassischer Yachtclub, bei dem wir immer einen Zwischenstopp einlegen, wenn wir in die Bucht von Algeciras einlaufen.«

Wir luden den Mitarbeiter oder Manager des Yachtclubs zum Abendessen ein, was der angesichts der geballten Schönheit unserer charmanten Crew-Ladys sichtlich gern annahm. Tatsächlich hatte er trotz Hochsaison auch gleich einen T-Anlegeplatz für uns, was wir sofort erfreut annahmen. Bei der aktuellen Windlage gab es doch etwas Schwell am Ankerplatz, nicht schlimm, aber mit einem Wasser- und Stromanschluss am Steg lagen wir ruhiger und konnten bei gut 30° draußen auch bedenkenlos duschen oder die Klimaanlage laufen lassen.

Britt und Demo tuckerten gleich mit dem Beiboot zurück an Bord, um den Anker aufzuholen und hierher zu verlegen. Vicky und ich gingen kurz danach auf den Steg, um beim Anlegen zu helfen, während Conchita zudem in ihrer Heimatsprache den ca. Enddreißiger weiter bezirzte und den Liegeplatzpreis auf günstige 21 € Tag/Nacht runterverhandelte. lach

Nein, im Ernst: Das hätte wahrscheinlich auch so alles funktioniert, denn die Mitarbeiter des Yachtclubs sind wirklich sehr freundlich, hilfsbereit und bemüht. Vermutlich auch um auszugleichen, dass sie hier außer Wasser und Strom keine der sonst üblichen Dienstleistungen anbieten können. Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, WLAN/Internet usw. benötigen wir ja sowieso nicht, das haben wir alles autark an Bord. Doch eines steht außer Frage: Wirklich außergewöhnlich attraktive, charmante und clevere Weiblichkeit dabei zu haben, schadet ganz gewiss auch nicht! zwinker

 

Nun, wir verbrachten einen schönen Abend im bis 23 Uhr geöffneten Restaurante Puerto Chico, das in etwa auf gutem 4,3 Sterne Google-Niveau liegt und für ein Yachtclub-Restaurant auch eher günstig einzustufen ist. Das Ambiente drinnen ist hübsch-elegant-gemütlich und von der oberen Außenterrasse, wo wir schlemmten, hat man eine schöne Aussicht auf die große Bucht, all die vielen Schiffe, Boote und Yachten vor Anker oder in Marinas an Liegeplätzen. Auch dort ist das Personal freundlich-hilfsbereit, die Speisen sind nicht auf Top-Niveau, aber sehr lecker und wir fühlten uns rundum wohl. Alles in allem würde ich ihnen solide 4,2 Sterne zuerkennen.

Angeschlossen, oder vielleicht als separater Betrieb, gibt es auch noch eine bis Mitternacht geöffnete Bar, wo wir noch zum Abschluss Drinks nahmen und mit einigen wenigen Yachties oder den Angestellten plauderten. Diese Ambigu Club Marítimo Linense-Bar liegt allerdings nur auf 3,6 Google-Sterne-Niveau und wirkt leicht heruntergekommen, doch das störte uns nicht groß; die Drinks und Cocktails waren ausreichend gut, teils sogar besser als erwartet.

 

Natürlich gibt es in La Línea, quasi direkt nebenan und leicht zu Fuß erreichbar, deutlich bessere Lokalitäten. Jedoch waren wir inzwischen auch richtig müde und hatten nicht wirklich Lust, noch auf Entdeckungstour im Nachtleben zu gehen. Also gingen wir dann auch bald zurück an Bord, duschten uns nochmal frisch und verschwanden dann gleich in den Kojen.

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Spanien, Segeltörn nach Barbate mit Rookie an Bord

 

#26.08.05 – Spanien, Segeltörn nach Barbate mit Rookie an Bord

Teil 1 – der Morgen vor dem Auslaufen

»Na, Conchi, wie hast du deine erste Nacht an Bord überstanden?«, fragte Britt lächelnd, als die Künstlerin morgens verschlafen den Kopf ins Cockpit steckte.

»Überraschend gut, ehrlich gesagt!«, gähnte sie herzhaft. Nur in einem viel zu kurzen Schlafshirt und mit verstrubbelten Haaren bot sie uns einen unverschämt hübschen Anblick.

Gestern war Conchitas Mäzen, auf dessen Finca sie in den letzten Wochen aufgepasst hatte, wieder nach Cádiz zurückgekehrt. Abends trafen wir uns quasi zum gemeinsamen Abschiednehmen in der Stadt. Im Laufe des feuchtfröhlichen Abends entschloss sie sich spontan, uns heute auf dem Törn nach Barbate zu begleiten.

Da sie momentan keine dringenden Verpflichtungen hat und sowieso brennend neugierig auf unser Fahrtensegler-Dasein war, passte das wie die Faust aufs Auge. Wir nahmen sie natürlich sehr gerne mit. Und falls ihr das Segeln auf See überhaupt nicht liegen sollte oder sie gar von der Seekrankheit gepackt wird, kommt sie von Barbate aus unkompliziert und schnell per Bus oder Taxi über Land zurück nach Cádiz.

 

Also hatte sie noch in der Nacht schnell ein paar Siebensachen zusammengepackt und war direkt bei uns an Bord eingezogen. So konnte sie gleich einmal am eigenen Leib austesten, wie es sich auf einer vergleichsweise kleinen, engen und selbst im geschützten Hafen leicht schaukelnden Segelyacht schläft. Von Seefahrt und Segeln versteht Conchita rein gar nichts; sie war noch nie auf einem Boot auf dem offenen Meer unterwegs. Allerdings fand sie unsere Philosophie des autarken Fahrtensegelns ungemein faszinierend und wollte neugierig am eigenen Leib ausprobieren, wie sich dieses freie Leben anfühlt.

Die untere U-Dinette auf der Steuerbordseite – direkt gegenüber der Backbord-Galley – lässt sich durch das Absenken des Massivholztisches im Handumdrehen in ein breites Doppelbett verwandeln. Da sich dieser Schlafplatz an einem der tiefsten Punkte nahe dem Schwerpunkt der Yacht befindet, sind die Bootsbewegungen dort am geringsten. Das gilt insbesondere auf hoher See oder an einem rolligen Ankerplatz, wenn die Dünung quer zum Schiff einläuft. Deshalb wird diese U-Kojen-Kombination auf mehrtägigen Törns auch richtig gerne als Schlafplatz für die jeweilige Freiwache genutzt. Wenn der Wind auffrischt und die Yacht unter Segeln stark krängt und arbeitet, isst und schläft man dort unten spürbar ruhiger als im höher gelegenen Deckssalon oder draußen im Cockpit.

Bei herrlich sonnigen 24 Grad frühstückten wir gemütlich draußen im Cockpit nahe dem Steuerstand. Wie immer bei uns an Bord ging es dabei ausgesprochen humorvoll zu: Wir überzogen uns gegenseitig mit kumpelhaften Frotzeleien, fällten spitzfindige Bemerkungen und lachten herzlich über die ersten Gehversuche unseres Neuzugangs. Naturgemäß geriet vor allem Conchita ins Visier der einen oder anderen scherzhaften Bemerkung. Wer sein ganzes Leben an Land verbracht hat, ahnt schließlich gar nicht, wie grundlegend sich der Alltag auf einer Fahrtenyacht von dem in einer Wohnung unterscheidet. An Land betätigt man gedankenlos Lichtschalter, dreht Wasserhähne auf, geht auf die Toilette oder nimmt eine lange Dusche, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken.

Auf einer Yacht ist jedoch schon die Benutzung der Bordtoilette eine feine Kunst für sich, die einem erst einmal geduldig erklärt werden muss. Wer hier vorschnell wie gewohnt aufs Knöpfchen drückt oder falsche Dinge hineinwirft, erzeugt im Handumdrehen eine unschöne Verstopfung des Pumpsystems. Auch beim Händewaschen und Duschen geht man an Bord unvergleichlich bedachter und sparsamer vor als im heimischen Badezimmer. Gleiches gilt für den Stromverbrauch: Ein Boot, das nicht fest in einer Marina an Landstrom und Wasserschlauch angeschlossen ist, sondern autark vor Anker liegt oder Meilen macht, lebt von streng begrenzten Vorräten. Mit diesen Ressourcen muss man vorausschauend und klug haushalten.

Um das mal an einem greifbaren Beispiel zu verdeutlichen: Der typische Wasserverbrauch bei einer ganz normalen Dusche an Land liegt bei etwa zehn bis fünfzehn Litern pro Minute. Bei einer flotten Fünf- bis Acht-Minuten-Dusche rauschen so rasch zwischen 60 und 120 Liter kostbares Trinkwasser durch den Abfluss. An Bord einer Yacht gelten heutzutage speziell belüftete Low-Flow-Duschköpfe und maritime Sparduschköpfe als wichtiger Standard. Sie bieten hervorragenden Duschkomfort bei drastisch reduziertem Wasserdurchfluss und sind perfekt auf die Förderleistung unserer Druckwasserpumpe sowie die Kapazität der Wassertanks abgestimmt.

Ein praxiserprobter Kompromiss für die meisten Fahrtensegler liegt bei etwa fünf bis acht Litern pro Minute mit gut belüftetem Wasserstrahl. Das fühlt sich nach wie vor wie eine vollwertige Dusche an und nicht wie ein trostloses Rinnsal. Wenn man dann noch nach der bewährten Navy-Methode duscht – Wasser kurz zum Nassmachen an, Wasser aus zum Einseifen, Wasser an zum Abspülen – verbraucht man pro Person lediglich 15 bis 30 Liter. Bei derzeit fünf Personen an Bord summiert sich das trotz strenger Disziplin dennoch schnell auf 75 bis 150 Liter Frischwasser am Tag.

Nun besitzt unsere Nauticat 42 für ein Schiff dieser Größenordnung mit 700 Litern Fassungsvermögen bereits außergewöhnlich bemessene Tanks; vergleichbare moderne Yachten müssen oft mit mickrigen 300 bis 500 Litern auskommen. Dank unseres neuen Wassermachers, einer Kyma 100, können wir zwar pro Stunde rund 100 Liter frisches Trinkwasser direkt aus dem Meerwasser produzieren. Doch dieser Prozess frisst vor Anker oder auf See ordentlich elektrischen Strom.

Und Strom ist an Bord nun einmal ebenfalls ein hohes Gut, das erst mühsam über unsere Solarpaneele und den Windgenerator zurück in die Akkubänke geflossen sein will. Den Diesel-Hauptmotor oder den Generator nur zum Wassertanken laufen zu lassen, widerstrebt echten Fahrtenseglern zutiefst; das machen wir wirklich nur dann, wenn die Akkus völlig im Keller sind und gar nichts anderes mehr geht.

Kurzum: Was auch ich an Land gelegentlich aus vollem Herzen genieße – sich nämlch mal zwanzig oder dreißig Minuten lang entspannt unter eine plätschernde Wellness-Dusche zu stellen und dieses Duschvergnügen vielleicht noch mit einer Geliebten zu teilen – würde die Wassertanks der meisten Yachten auf einen Schlag leeren. An Bord ist ein solches Verhalten schlichtweg undenkbar. Eine Landratte muss sich diese absolut notwendige Achtsamkeit erst einmal antrainieren und verinnerlichen.

Von den klassischen Katastrophen bei der Toilettenbenutzung durch unerfahrene Gäste möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst im Detail anfangen! Jedenfalls überlegst du dir als Skipper ernsthaft und fluchend, einen Gast achtkantig über Bord zu werfen, wenn du in glühender Hitze die stinkende Sauerei einer verstopften Bordtoilette und ihrer Pumpe zerlegen und reparieren musstest. Das ist wahrlich kein Vergnügen! schiefgrins

Selbstverständlich haben wir – allen voran Britt und Vicky in geballter weiblicher Solidarität – Conchita geduldig und freundlich in die Geheimnisse des Bordlebens eingewiesen. Sie haben ihr erklärt, was man an Bord einer Segelyacht tunlichst vermeidet und wie die Pumptoilette richtig bedient wird. Wer allerdings noch nie auf einem Schiff gelebt hat, hängt fest in seinen tief sitzenden Landgewohnheiten. Man muss sich erst mühsam dazu erziehen, nicht aus Versehen den Wasserhahn beim Zähneputzen durchlaufen zu lassen oder gedankenlos Papiertaschentücher, Essensreste oder – der absolute Albtraum jedes Eigners – Hygieneartikel und Tampons in die Bordschüssel zu werfen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Leben auf einer Fahrtenyacht – das sogenannte »Sailing Saltlife«, wie es die Amerikaner gern treffend nennen – lehrt einen auf unnachahmliche Weise, viel bewusster, respektvoll und durchdacht mit Wasser, Energie und Proviant umzugehen. Hat man diesen Rhythmus erst einmal verinnerlicht, stellt man mit Erstaunen fest, wie verschwenderisch und gedankenlos man früher an Land mit den Ressourcen dieser Erde umgegangen ist. Man beginnt diese achtsame Lebensweise nicht nur zu schätzen, sondern empfindet sie als bedeutend verantwortungsvoller und befriedigender.

 

Fahrtensegeln ist eben so viel mehr als bloßes Segeln, das Erlernen von Seemannschaft, das Bändigen der recht komplexen Bordtechnik oder das traumhafte Ankern in einsamen Buchten. Es ist eine Haltung zum Leben. Genau deshalb ticken die meisten Langfahrtsegler auf ähnlichen Wellenlängen und verstehen sich auf Anhieb blendend: Man muss aus einem ganz bestimmten Holz geschnitzt sein, um dieses bewusste Leben auf dem Meer von Herzen zu lieben.

Teil 2 - Kurs Barbate, Knotenkunde und nützliches Orca-Wissen

»Los geht’s! Endlich wieder segeln, juhuuu!«, freute sich Britt ausgelassen, als wir gegen 08:20 Uhr das Frühstücksgeschirr abgeräumt hatten und das Schiff klarmachten zum Auslaufen.

»Yup, endlich wieder Meilen machen!«, brummte Demo gewohnt wortkarg vor sich hin und übernahm als aktueller Wachführer das Kommando an Deck.

»Was kann ich tun, um zu helfen?«, erkundigte sich Conchi eifrig. Sie hatte schon beim Aufräumen, Tischabwischen und Spülen mit angepackt, als wäre sie seit Wochen Teil der Crew.

»Da du von Seemannschaft noch keine Ahnung hast und schwer einschätzen kannst, was an Deck potenziell gefährlich ist, schlage ich vor: Schau uns anderen am besten erst einmal in Ruhe zu und lerne«, lächelte Vicky. Sie turnte wie gewohnt völlig ungeniert splitternackt an Bord herum und verschwendete keinen einzigen Gedanken an eventuelle Beobachter auf den Nachbarbooten, was natürlich entzückend für genießende Männeraugen war. grins

»Ja, schau erst einmal entspannt zu. Später draußen auf See kannst du sehr gerne ans Steuer und uns bei den kleineren Handgriffen unterstützen«, lächelte ich die sympathische Künstlerin ermutigend an. »Und eine goldene Regel, Conchi, die WICHTIGSTE überhaupt: Greife NIEMALS nach einer Schot, einem Fall oder irgendeiner der vielen Leinen im Cockpit, wenn du glaubst, dass sie wegrutscht oder so! Im falschen Moment kannst du dir damit übel die Finger verbrennen oder schwere Verletzungen zuziehen!«

»Aye, aye, Captain! Dann spiele ich jetzt den neugierigen Bordgast und genieße die Sonne an Deck!«, blinzelte sie mir charmant zu.

Aus Zeitgründen und um den typischen Umfang eines Blogartikels nicht völlig zu sprengen, fasse ich die Überfahrt an dieser Stelle ein wenig zusammen. Allein die ausführliche Beschreibung all der amüsanten Momente an Deck, unserer tiefgründigen wie albernen Gespräche und der klassischen Manöver auf See, würde mühelos ein halbes Buch füllen.

Wir erwischten schwache bis mäßige Winde von 5 bis 12 Knoten, in kleinen Böen kurzzeitig mal bis zu 18 Knoten aus West-Nordwest. Dazu gesellte sich eine verträgliche Welle samt Dünung von etwa 0,7 Metern, viel Sonnenschein und angenehme 27 Grad. Unter diesen Bedingungen machte unser schwerer Rundspant-Verdränger mit Deckssalon raumschots hervorragende Fahrt mit 2,5 bis 7 Knoten. Bei Nauticat wusste man eben damals noch ganz genau, wie man grundsolide, seetüchtige und unverwüstliche Yachten baut, die dennoch hervorragend durchs Wasser schippern.

Wenn ich mir im Vergleich dazu heutzutage manche Großserien-Yachten anschaue, sträuben sich mir als erfahrenem Skipper ehrlich gesagt die Nackenhaare vor Entsetzen! Was da teilweise für hunderttausende oder gar über eine Million Euro auf den Markt geworfen wird und dennoch gläubige Abnehmer findet, ist gelinde gesagt abenteuerlich. Aber Halt! Das ist ein Thema für einen separaten, detaillierten Artikel und würde diesen Rahmen sprengen.

Jedenfalls hatten wir absolute Bilderbuch-Bedingungen für ein entspanntes Schönwetter-Segeln mit einem blutigen Anfänger an Bord. Die Vikarelia krängte kaum, rollte und gierte nur minimal, und Conchita zeigte zu unserer Erleichterung nicht das geringste Anzeichen von Seekrankheit. Aus Rücksicht auf sie verzichteten wir auf diesem 40 Seemeilen langen Schlag auch auf Segel- oder Mann-über-Bord-Manöver, die wir sonst gerne zur Routine-Auffrischung einbauen.

Blitzschnell erfasste die reizende Künstlerin hingegen, wie man einen Palstek knüpft. Der Palstek ist wohl der mit Abstand wichtigste Seemannsknoten überhaupt. Er dient dazu, eine feste, verlässliche Schlaufe zu knüpfen, die sich selbst unter enormer Last niemals von alleine zuzieht, sich danach aber spielend leicht wieder öffnen lässt. Ein absolutes Must-have für jeden Segler und zentraler Bestandteil jeder praktischen Prüfung zum Sportbootführerschein.

 

Schritt für Schritt gelingt der Knoten am einfachsten mit der berühmten Eselsbrücke vom Männlein und dem See:

1.     Den See bilden: Man legt im Uhrzeigersinn ein kleines Auge in die stehende Part (das lange Seilende). Das lose Ende liegt dabei oben auf.

2.     Das Männlein taucht auf: Führe das lose Seilende (das Männlein) von unten durch das kleine Auge (den See) nach oben heraus.

3.     Um den Baum laufen: Führe das lose Ende einmal hinter der stehenden Part (dem Baum) herum.

4.     Zurück in den See: Stecke das lose Ende von oben wieder zurück durch das kleine Auge.

5.     Festziehen: Halte das lose Ende und die parallel verlaufende Schlaufe fest und ziehe gleichzeitig kräftig an der langen, stehenden Part. (Wer sich das visuell veranschaulichen möchte, findet hier ein anschauliches Erklärvideo zum Palstek.)

Ansonsten verlief der Törn wie am Schnürchen. Einzig schade war, dass sich diesmal keine Delfine an unserem Bug zeigten – was für Conchita garantiert ein unvergessliches Highlight gewesen wäre. Selbst alte Hasen auf Langfahrt freuen sich schließlich jedes Mal wie kleine Kinder, wenn diese faszinierenden Meeressäuger für ein paar Minuten in der Bugwelle mitreiten und ihre Kunststücke vollführen.

Ach ja, und noch ein wertvoller Tipp bezüglich der in diesem Revier leider nicht seltenen Orca-Interaktionen mit Segelyacht-Rudern: Wie ich vor Kurzem aus verlässlicher Quelle erfuhr, sollte man sich bei Kursen an den iberischen Küsten nach Möglichkeit strikt innerhalb der 20-Meter-Tiefenlinie entlang der Küste halten. Bisherige Auswertungen aller Vorfälle zeigen nämlich, dass die Schwertwale ihre teils gefährlichen Spielchen mit den Ruderblättern fast ausschließlich außerhalb der 20-Meter-Isobathe austragen – im flachen Uferwasser ist es diesen Meeresriesen offenbar zu seicht.

Es ist zwar nicht auf jedem Abschnitt möglich, so dicht an der Küste zu bleiben, insbesondere wenn man Fischernetze weiträumig umfahren muss. Doch die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung sinkt dadurch drastisch. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die riesige Almadraba-Thunfischfanganlage vor Barbate, deren seeseitige Umfahrung einen kurzzeitig zwingt, in tiefere Gewässer auszuweichen.

Etwas nach 16:00 Uhr liefen wir schließlich im geschützten Puerto Deportivo de Barbate ein und machten sanft am per UKW-Funk zugewiesenen Liegeplatz fest. Über die gesamte Distanz entsprach das einem beachtlichen Schnitt von knapp 6 Knoten SOG (Speed over Ground) – was bei den vorherrschenden schwachen Winden für eine Nauticat 42 wirklich aller Ehren wert ist. In kleinen Böen waren wir zeitweise sogar mit knapp 8 Knoten unterwegs. Conchita fand ihren allerersten Segeltörn »voll steil und wunderschön«, hatte keinerlei Magenprobleme und war – wie nahezu alle Neulinge – völlig aus dem Häuschen, als wir sie draußen ein Stück selbst ans Steuerruder ließen. lächel

 

 Teil 3: Einlaufdrinks, Thunfisch-Magie und Wasserschlacht

»Jetzt muss der Skipper – also unser verehrter, allmächtiger Captain Steve – erst einmal Einlaufdrinks und lecker Futter spendieren!«, forderte Britt mit ihrem typischen, frechen Lächeln, kaum dass wir die Vikarelia am Steg festgemacht und die Leinen aufgeklart hatten. »Wer ist dafür? Demokratische Abstimmung!«

Tja, natürlich schoss keineswegs nur ihre Hand augenblicklich in die Höhe. Die Arme der anderen folgten ohne Verzögerung. Bevor hier also eine handfeste Meuterei ausbrach und der Captain im Hafenbecken versenkt wurde, stimmte ich der demokratischen Mehrheit zähneknirschend, aber gut gelaunt zu.

Wir hatten auf See in vorausschauender Erwartung dieses freudigen Ankunftsrituals schließlich nur ein paar leichte Happen zu Mittag gegessen. Dementsprechend groß war der Appetit – Seefahrt macht bekanntlich verdammt hungrig. Glücklicherweise hatte ich vorab bereits eine hervorragende Adresse herausgesucht: Die mit 4,8 Google-Sternen überragend bewertete Taberna Barbatún, an der Avenida de la Mar, direkt oberhalb des weitläufigen Meeresstrandes.


 

Barbate ist ein traditionsreicher Küstenort an der andalusischen Costa de la Luz in Südspanien, gut 66 Kilometer südöstlich von Cádiz und etwa 20 Kilometer nordwestlich von Tarifa gelegen. Der Hafen und das fast 23.000 Einwohner zählende Städtchen sind seit Jahrhunderten vom traditionellen Thunfischfang geprägt und haben sich bis heute ihren unaufgeregten, urigen Charakter weitab vom durchorganisierten Massentourismus bewahrt. Wer spektakuläre Natur sucht, findet sie in den direkt angrenzenden Nachbarorten wie dem schneeweißen Bergdorf Vejer de la Frontera oder den berühmten Strandparadiesen Zahara de los Atunes und Los Caños de Meca.

»Yeah! Tapas ohne Ende, ich LIEBE es! Danke, Captain!«, freute sich Britt ausgelassen und bedachte mich sogleich mit einer verflixt erotischen Küsschen-Umarmung.

»Fall mir hier bloß nicht in Ohnmacht, Schatz, haha!«, lachte Vicky vergnügt in Richtung Britt und mir. »Oder eigentlich doch… dann bleibt für uns anderen noch mehr zu futtern!«

»Das könnte dir so passen! Nix da – der ehrenwerte Captain bekommt hier traditionell den allerersten Happen auf den Teller, sonst lasse ich euch wegen Meuterei allesamt kielholen, hehe!«, konterte ich amüsiert.

Die Taberna Barbatún, von außen eher unspektakulär und im Inneren einfach und zweckmäßig eingerichtet, erwies sich als Volltreffer. Eine klassische, andalusische Tapas-Bar mit unzähligen regionalen Köstlichkeiten, exzellenten Weinen, kühlem Bier, ausgesprochen herzlichen Gastgebern und aufmerksamem Service. Praktischerweise öffnete das Lokal punkt 16:30 Uhr wieder seine Pforten für die Abendschicht. Wir wurden herzlich empfangen, bestellten die ersten kühlen Drinks und eine Reihe delikater Appetithappen.


 

»Oh Mann, diese ›Atún Picante‹ sind ja der absolute Wahnsinn! Die müsst ihr unbedingt probieren!«, seufzte Britt schwärmerisch. Der rohe Thunfisch, marinierte in einer fein abgestimmten, leicht scharfen Sauce, schmeckte in der Tat phänomenal. Und das will etwas heißen – wenn man bedenkt, dass ich eigentlich gar kein so riesiger Thunfisch-Fan bin.

»Wir befinden uns hier schließlich auch im absoluten Thunfisch-Paradies! Denkt nur an die riesige Thunfisch-Farm, die wir vorhin auf See weiträumig umfahren mussten«, griff auch Conchi mit spürbarem Appetit zu.

»Stimmt auffallend! Sehr aufmerksam beobachtet von unserem neuen Leichtmatrosen-Rookie!«, knuffte Vicky die Spanierin freundschaftlich in die Seite.

Wie es bei uns gute Tradition ist, bestellten wir quer durch die Karte eine bunte Vielfalt an verschiedenen Speisen, um so viel wie möglich zu probieren. Wir alle lieben die spanische Tapas-Kultur: Man orderte eine Schale nach der anderen, schlemmte nach Herzenslust so viel man Lust hat, plauderte ungezwungen und witzelte mit dem Personal sowie den Nachbartischen. Selbst wenn die Sprachkenntnisse auf beiden Seiten nicht immer für tiefgründige Philosophie reichten – mit Händen, Füßen, einladender Gestik und herzlichem Lachen versteht man sich in Spanien immer blendend.

Dass drei so außergewöhnlich attraktive Frauen von Model-Format, die zudem charmant, aufgeschlossen und schlagfertig auftraten, das Blut der anwesenden spanischen Männer ein wenig in Wallung brachte, versteht sich von selbst. Kurz gesagt: Wir hatten einen Mords-Spaß und schwelgten ausgiebig im kulinarischen Genuss – selbst unsere stets auf ihre Linien bedachten Damen drückten heute beide Augen zu.

»Was für ein herrliches Leben!«, stöhnte Britt glücklich und rieb sich den Bauch. »Aber jetzt muss ich echt aufpassen, sonst kann ich demnächst nur noch als Plus-Size-Model anheuern, haha!«

»Genau die richtige Zeit für ein bisschen Ausgleichssport! Auf an den schönen Strand!«, schlug Vicky spontan vor. Ein naheliegender Einfall, auf den wir natürlich sofort eingingen, schauten wir doch schon die ganze Zeit sehnsüchtig vom lokal aus zum breiten, schönen Strand.


 

Die Schönen hatten in ihren Umhängetaschen vorausschauend sexy Badebekleidung mitgeführt, und wir Männer konnten lediglich in unseren modischen Unterhosen Boxershorts ins Wasser springen. Das von uns sonst so geschätzte Nacktbaden, war hier keine Option; auch am späten Nachmittag war der Playa del Carmen noch gut besucht, mit nicht wenigen Familien mit Kindern. Wieder einmal waren die touristischen Benennungen der einzelnen Strandabschnitte kaum nachvollziehbar, aber das tat der Freude keinen Abbruch.

»Yuhuuuu!«, rannte die Damenriege zusammen mit Demo mit Anlauf in die Brandung, während es bei mir wie gewohnt ein etwas länger dauerte. Ich mag es schlichtweg nicht, meine Kleidung beiläufig in den Sand zu werfen, den man später wieder mühsam rausschütteln muss. Demo war das völlig schnuppe, und die Mädels stopften ihre reizvoll luftigen Sommerkleider unkompliziert in die Umhängetaschen. Doch kurz darauf war auch ich bereit für die herrliche Erfrischung im rund 24 Grad kühlen Atlantik. Einfach himmlisch!

Wegen nicht mitgenommenen Sportgeräte für klassische Strandspiele, veranstalteten wir in der Brandung erst einmal eine gewaltige, lustige Wasserschlacht – Frauen gegen Männer - mit viel Lachen und Kreischen der Badenixen. Die drei Hübschen sind auch gute Schwimmerinnen, mit wenig Angst vor dem tiefen Meer, aber arg weit schwimmen sie dann doch nicht so gern hinaus. Demo und besonders ich lieben das, kraulten weit auf das offene Wasser und zogen ordentlich Bahnen.

Schwimmen ist und bleibt schließlich eine der effektivsten Methoden, den gesamten Körper fit zu halten und überschüssige Kalorien zu verbrennen. Bei sommerlichen gut 30 Grad Lufttemperatur ist es zudem eine hochwillkommene Abkühlung – und macht mir persönlich tausendmal mehr Freude als stumpfes Schindern im Fitnessstudio oder Joggen an Land. Die Mädels und Demo gehen zwar gerne laufen, aber für das Joggen konnte ich mich noch nie wirklich erwärmen.

 

Da die Sonne hier im Süden derzeit erst gegen 21:44 Uhr untergeht, blieb uns reichlich Zeit. Nach den langen Nächten in Cádiz wollten wir es heute Abend erst einmal etwas ruhiger angehen lassen, bevor wir in den kommenden Tagen das Nachtleben von Barbate näher erkunden. Die Marina von Barbate ist zwar zweckmäßig und selbst in der Hochsaison erstaunlich günstig, wenn auch optisch kein architektonisches Highlight.

Der Puerto Deportivo de Barbate gehört zu den staatlich verwalteten Häfen der andalusischen Hafenbehörde (APPA). Da diese Häfen subventioniert werden, ist Barbate dafür im Vergleich zu privaten Marinas unschlagbar günstig. Am besten nutzt man vorab die offizielle Preiskalkulator-Webseite der Puertos de Andalucía. Dort tippst du einfach die exakte Länge und Breite deines Bootes und den Buchungszeitraum ein, um den genauen Tagespreis für den gewünschten Zeitraum zu sehen.

Die eher unhübsche, etwas langweilige Marina-Umgebung war uns jetzt allerdings völlig egal. Nachdem wir das immer wieder faszinierende Schauspiel eines romantischen Sonnenuntergangs am Ozeanstrand genossen hatten, kehrten wir an Bord zurück und machten es uns an und unter Deck gemütlich.

 

»Moment mal… du kannst jetzt nicht einfach gleich pennen gehen, mon Capitaine!«, zwinkerte Vicky mir mit sinnlichen Schlafzimmerblicken zu, die ihre ziemlich eindeutigen Absichten unmissverständlich verrieten.

»Uff… ist dem armen, hart arbeitenden Skipper denn niemals etwas Ruhe vergönnt?«, grinste ich scheinbar leicht überfordert, widmete mich aber natürlich sofort und aus vollem Herzen ihrer verlockenden Fraulichkeit.

»Wage es ja nicht, dich auch noch zu beschweren, haha!«, lachte der sich an Bord typischerweise sofort wieder entzückende unbeschwerte Nackedei.

Nun, wohin das unvermeidlich führte, muss ich wohl kaum näher beschreiben! Eine gute Stunde später, verschwitzt und wohlig befriedigt und erschöpft, duschten wir uns ausgiebig frisch – was hier im Hafen mit Landwasser- und Stromanschluss ja glücklicherweise problemlos möglich war. Dann bezogen wir das achterliche Kajüten-Doppelbett neu mit frischer Bettwäsche, legten uns unbedeckt darauf und gähnten inzwischen immer wieder herzhaft. Von der Seeluft eines immerhin fast achtstündigen Segeltages, der Wasserschlacht und dem Schwimmen angenehm müde, dauerte es nicht lange, bis alle in den Kojen verschwanden und auf der Vikarelia tiefste Nachtruhe einkehrte.

 

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