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Algarve, hübsche Deerns, giftiger Schleifstaub, und scharfe Hähnchen

 

#26.09.28 – Algarve, hübsche Deerns, giftiger Schleifstaub, und scharfe Hähnchen

»Moin, Schlafmütze, aufstehen!«, zog ich grinsend Leonie in ihrem Gästezimmer die Decke weg, weil sie heute anscheinend schwer aus dem Bett kam, wir aber so einiges vorhatten. »Was ist los? Du bist doch sonst nicht so verschlafen?«

»Oooooch Mensch, moin Steve…«, reckte und streckte sie sich eindeutig noch verschlafen wie eine Katze. »Ich weiß ja, aber irgendwie bin ich heute noch total müde.«

Sie lag in einem dünnen, kurzen, elegant wirkenden Nachthemd aus seidenartigem Stoff mit Stick-Applikationen auf dem Rücken – was natürlich einen ziemlich entzückenden Anblick für meine genießenden Männeraugen bot. Schließlich ist sie schön und besitzt eine schlanke Figur von Modelformat! Das Teil bedeckte kaum ihre Hüften, zeigte also verdammt viel perfekt geformte Beine. Und wie es nun mal so ihre Art ist, dachte sie offensichtlich überhaupt nicht daran, wie sexy-verlockend sie so auf einen männlichen Betrachter wirken musste. Wer würde sich so eine Hübsche, mit vermutlich nichts sonst unter dem Negligé, nicht gern anschauen? Ich auf jeden Fall! zwinker

»Nun, solche Tage kommen vor, auch bei mir. Willst du die Arbeit verschieben?«, lächelte ich verständnisvoll. Wenn es nach mir ginge, hätte sie sich gern noch stundenlang vor meinen Augen so räkeln oder einfach nur daliegen können. Ja, ja, ich weiß, wir Männer sind unverbesserlich dämlich, wenn es um weibliche Reize geht, hoho!

»Auf gar keinen Fall!«, riss sie sich zusammen und richtete sich blinzelnd auf. »Sorry, ich mach mich schnell fertig. Wat mutt, dat mutt!«

»Das ist die richtige Einstellung, Deern! Also los, ich gehe schon mal runter, bis gleich.« Ich wandte meine Blicke mit Bedauern von ihr ab, ging raus und ins Erdgeschoss. Mit einem guten, starken Kaffee und einer Banane vor dem eigentlichen Frühstück versorgt, ging ich draußen zunächst eine Kippe rauchen und dachte über die heutige Arbeit nach.

Die letzten drei Tage hatte ich Leonie mehrmals an ihrem aufgebockten Boot geholfen, wenn ich nicht mit eigenen Angelegenheiten beschäftigt war. Ihre Hallberg-Rassy ist gut in Schuss, gepflegt und gewartet. Aber wie das bei 22 Jahre alten, viel gesegelten Yachten nun mal so ist, gibt es dennoch stets Arbeit, um die man sich kümmern muss.

Heute sollte es vor allem um die Strömungslamellen-Schutzgitter am Bug-Querstrahlruder gehen. Die hatte vor einem knappen halben Jahr eine offensichtlich nicht so gute Firma erneuert und bei der Arbeit mächtig geschlampt. Daran waren am jetzt perfekt gesäuberten Unterwasserschiff einige Nacharbeiten notwendig.

 

Achtung, jetzt wird es ein Stück weit sehr technisch; wen das nicht interessiert, kann es überscrollen.

Wie für darin erfahrene Leute auf dem Foto erkennbar, machte diese miese Firma so einiges falsch und wollte schlicht abkassieren, ohne fachgerechte Arbeit abzuliefern:

  • Sichtbare Spachtel- oder Kleberreste: Die weißen Klumpen an den Enden der Stäbe sind grob aufgetragene Reste von Epoxid-Spachtel, Polyester-Füllstoff oder Konstruktionskleber (wie Sikaflex). Bei einer ordnungsgemäßen Montage im GFK-Rumpf werden diese Übergänge bündig geschliffen, formschlüssig einlaminiert und komplett überstrichen.
  • Fehlendes Finish: Die weißen Fixierungspunkte wurden weder plangeschliffen noch mit dem blauen Antifouling-Anstrich versiegelt. Das deutet darauf hin, dass die Stäbe entweder in aller Eile kurz vor dem Zuwasserlassen eingesetzt wurden oder es sich um einen schnellen Reparaturversuch handelt, nachdem die originalen Stäbe verloren gingen.
  • Hydrodynamischer Nachteil: Die hervorstehenden Klebebuckel erzeugen Verwirbelungen im Wasser. Das bremst das Boot beim Segeln aus und kann zu lauten Strömungsgeräuschen im Tunnel des Bugstrahlruders führen.

Es wurde hier offenbar versucht, die Stäbe ohne großen Schleif- und Laminieraufwand einfach von außen vor die Öffnung zu „kleben“. Langfristig ist diese Verbindung durch die starken Vibrationen des Bugstrahlruders und den Wasserdruck stark gefährdet, wieder auszubrechen.

Um diese mangelhafte Arbeit dauerhaft, sicher und hydrodynamisch glatt zu sanieren, ist ein strukturierter GFK-Neuaufbau notwendig. Reine Klebeverbindungen von außen brechen durch die enormen Vibrationen des Bugstrahlruders und den Wasserdruck schnell wieder aus.

Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für eine fachgerechte Reparatur für Interessierte:

1.     Demontage und Freilegen (Die Substanz schaffen):

o    Alte Stäbe entfernen: Die Stäbe vorsichtig herauslösen. Der alte, weiße Kleber bzw. Spachtel muss komplett weichen.

o    Großzügig schleifen: Schleife das blaue Antifouling und den darunterliegenden Primer im Umkreis von ca. 5 bis 10 cm um die Befestigungspunkte komplett bis auf das nackte GFK (Gelcoat/Laminat) ab. Auf Antifouling hält kein neues Laminat oder Epoxidharz!

o    Aussparungen nacharbeiten: Fräse oder schleife an den Rändern des Tunnels saubere, vertiefte Taschen oder Schlitze, in die die Enden der Stäbe bündig hineinpassen.

2.     Formschlüssiges Einsetzen und Fixieren:

o    Entfetten: Reinige die Schleifstellen und die (idealerweise aufgerauten) Enden der Edelstahl- oder Kunststoffstäbe penibel mit Aceton.

o    Fixieren: Mische Epoxidharz mit Texturpulver/Füllstoff (z. B. Aerosil oder Glasspeed/Fasergemisch), um einen zähen, strukturellen Epoxid-Spachtel zu erhalten. Setze die Stäbe in die Aussparungen ein und bette die Enden in diesem Spachtel ein.

o    Ausrichten: Achte darauf, dass die Stäbe exakt parallel zur Fahrtrichtung verlaufen und nicht über die Rundung des Rumpfes herausragen. Überschüssigen Spachtel direkt glattstreichen.

3.     Das eigentliche Laminieren (Für die Ewigkeit):

o    Sobald die Fixierung ausgehärtet ist, schleifst du die Übergänge leicht an.

o    Laminiere nun über die Enden der Stäbe und den umgebenden Rumpf 2 bis 3 Lagen dünnes Glasgewebe (z. B. 160 g/m² oder GFK-Gewebeband), getränkt mit flüssigem Epoxidharz. Das Gewebe muss die Enden der Stäbe mechanisch am Rumpf "festbinden". Epoxidharz geht mit dem alten GFK-Rumpf eine extrem starke, chemisch-mechanische Verbindung ein.

4.     Spachteln und Hydrodynamisches Finish:

o    Planschleifen: Nach dem Aushärten des Laminats werden abstehende Gewebekanten weggeschliffen.

o    Feinspachtel: Trage wasserbeständigen Epoxid-Feinspachtel auf, um die Übergänge absolut bündig und glatt zum restlichen Rumpf zu modellieren.

o    Der finale Schliff: Schleife die Stelle mit feinem Schleifpapier (z. B. 120er bis 240er Körnung) so plan, dass man beim Drüberfühlen keinen Übergang oder Buckel mehr spürt.

5.     Neuer Lackaufbau (Schutz gegen Wasser):

o    Osmoseschutz: Trage auf das geschliffene, nackte Epoxid/GFK mindestens 5 Schichten Epoxid-Primer (z. B. Gelshield 200 oder International Interprotect) auf. Dies isoliert das GFK absolut wasserdicht und verhindert Osmose.

o    Antifouling: Zum Schluss streichst du die sanierten Stellen sowie die Innenseite des Tunnels wieder mit dem passenden blauen Antifouling.

Zeitaufwand & Tipp: Plane für diese Arbeit wegen der jeweiligen Trocknungszeiten des Epoxidharzes zwischen den Schritten etwa 2 bis 3 Tage im Trockendock ein. Schütze die Baustelle vor Feuchtigkeit und arbeite idealerweise bei Temperaturen über 15 °C, damit das Harz optimal chemisch vernetzt.

Es mag simpel nach einer eng begrenzten Stelle an beiden Seiten des Bug-Unterwasserschiffs aussehen, erfordert aber doch so einigen Aufwand. Die Wetterbedingungen waren dafür am Arade wieder mal ideal: Sonne-Wolken-Mix mit im Tagesverlauf bis zu 27 °C und mäßiger Brise aus Südost. Die verweht idealerweise sofort den giftigen Feinstaub durch Schleifen und ähnliche Arbeiten, wovon es auf dem großen Werftgelände natürlich so einige gab.

Trotzdem muss oder sollte man bei solchen Arbeiten stets gute Atemschutzmasken tragen, am besten eine wiederverwendbare Halbmaske mit Kombinationsfiltern der Schutzstufe A2P3. GFK- und Antifouling-Staub ist richtig giftig und schädlich für die Lunge, das unterschätzen viele; Ausdünstungen von Epoxidharzen und Lösungsmitteln sind auch alles andere als gesund. Ich würde für das Arbeiten in so warmem Klima wie aktuell hier folgendes Produkt empfehlen:

Der Testsieger für Hitze: 3M Secure Click™ (HF-800 Serie) Damit sieht man zwar aus wie der böse Dart-Vader und billig sind die auch nicht, aber verdammt gut und darauf kommt es schließlich an.

 

Diese Maske ist ideal für die Algarve, da sie speziell für anspruchsvolle Umgebungen entwickelt wurde. Sie besitzt ein patentiertes Ausatemventil, das warme Atemluft und Feuchtigkeit gezielt nach unten leitet. Das minimiert den Hitzestau in der Maske drastisch. Zudem bietet das Filtersystem den weltweit ersten 4-fach-Luftstrom (zwei Filter pro Seite, die beidseitig Luft einlassen), was das Atmen extrem erleichtert. Mit Kombifilter D8095 (A2P3) schützt sie gleichzeitig vor organischen Gasen/Dämpfen von Epoxidharz, Lösungsmitteln, Primer und feinsten, giftigen Partikeln des GFK- und Antifouling-Schleifstaubs.

Vor der Mittagspause kletterten wir noch über eine lange Außenleiter an Bord von Leonies vom Opa quasi geerbten Yacht, wo wir uns umzogen. Duschen und säubern konnten wir uns auch, obwohl das Boot an Land steht. Sie hat natürlich Schmutzwassertanks, wohin das Abwasser aus den zu etwa zwei Dritteln gefüllten Frischwassertanks abfließen kann. Allerdings darf man sich das nicht wie eine Landdusche vorstellen, wo man das Wasser bedenkenlos fließen lässt. Aber auch eine „Navy-Style-Shower“ reicht völlig zum Säubern und Erfrischen, und Fahrtensegler sind daran gewöhnt.

»Guck nicht so…, so genüsslich männlich, haha!«, lachte Leonie, als ich ihre reizenden Formen dabei kurz splitternackt von hinten zu sehen bekam.

»Du gönnst mir Arbeitssklave aber auch gar nix, Gemeinheit, hoho!«, beschwerte ich mich – und jeder männliche Leser wird sofort verstehen, weshalb ich sie mit den Augen verschlang. breitgrins

»Och, du ärmster aller armen Skipper-Arbeitssklaven, was tust du mir soooo leid, hihi!«, konterte sie kichernd, sowohl über mich als auch über sich selbst sowie über diese doch ganz schön kribbelnde Situation. Aber im Gegensatz zu einem völlig ungenierten, sogar richtig exhibitionistischen Frechdachs, wie der von mir mehrfach beschriebenen Kasha, reagierte Leonie zwar nicht verklemmt-schamhaft, bedeckte ihre entzückenden Formen aber doch schnell und verschwand aus meinem direkten Blickfeld.

 

Meine Güte, sie ist aber auch eine liebreizende Hübsche! Und ich unverbesserlicher, Dämlack von Mann freute mich mal wieder darüber, dass es an Bord von relativ kleinen Yachten nun mal unvermeidlich eng zugeht und es weniger Intimsphäre als an Land gibt. Klar, auch auf ihrer 46er gibt es zwei Bäder und drei verschließbare Kabinen. Doch gerade Langzeit- oder dauerhaft an Bord lebende Fahrtensegler gehen damit im Allgemeinen ziemlich locker um. Besonders in warmen oder tropischen Regionen hüpft man ja auch zu gern mal nackig von der ankernden Yacht ins Meer, duscht sich danach mit der Decksdusche ab und bewegt sich meist sehr leicht bekleidet an Bord. Da hat niemand Lust darauf, sich bei jeder Gelegenheit immer gleich wegen ein bisschen Nacktheit in geschlossene Kabinen zurückzuziehen; nur wirklich schamhafte Menschen tun das.

Gleich darauf erschien sie wieder in einer luftigen, hellblauen Bluse mit Umhängetasche und weißer Sommerhose, lächelte verschmitzt: »Ich bin soweit, und du Riesenbär? Stoß dir nicht den Kopf!«

»Bei meinen fast 190 cm ist das gar nicht so einfach, auch wenn dein schönes Boot gute Stehhöhe unter Deck hat«, lächelte ich zurück. HR-46er des Baujahrs 2004 haben je nach Bereich eine lichte Höhe zwischen 1,87 m und ca. 2,00 m. Aber es gibt halt auch überall Überhänge und Ecken, wo man sich stoßen kann.

»Wir waren richtig fleißig, und dank deiner Hilfe bin ich mit den Arbeiten schon deutlich weiter. Danke, du Lieber!«, reckte sie sich an mir hoch, bedachte mich mit einem ihrer superlieb wirkenden Backenküsschen und fügte mit funkelnden Augen hinzu: »Dafür lade jetzt ich dich zum Essen ein!«

»Oho, das nehme ich gern an«, schmunzelte ich und versuchte nicht zu widersprechen, obwohl sie finanziell deutlich eingeschränkter ist als ich. Aber hierbei ging es ihr vor allem um die Geste, und das wollte ich ihr nicht verderben. »Kennst du das Restaurante-Bar Sol & Sombra na Lota an der Südostecke des Werftgeländes? Die sind sehr gut, und das würde uns Zeit sparen, um danach weiterzuarbeiten.«

»Ja, dort war ich schon mal mit Opa essen, das wollte ich sowieso ansteuern.« Wir kletterten also wieder vom aufgebockten Boot herunter und spazierten in diese Richtung, während ich noch eine rauchte und wir plauderten.

Es war bereits nach 14 Uhr, und das Restaurant hält bei derzeit 157 Bewertungen einen 4,6-Sterne-Schnitt auf Google. Ich vermute, es gehört zu einer nahegelegenen Fischer-Kooperative mit angeschlossenem Fischgeschäft oder wurde deshalb ausgerechnet hier errichtet. Durch die industriell-maritime Werftumgebung ist die Lage an der Südostecke direkt am Fluss zwar nicht so toll, aber das Lokal selbst ist modern und gepflegt. Es bemüht sich, zur gehobenen Kategorie zu gehören, und konzentriert sich naheliegenderweise auf Meeresfrüchte und regionale, frische Produkte. Das Personal ist offensichtlich gut ausgebildet, freundlich bemüht, und die Gerichte sind exzellent auf den Punkt perfekt zubereitet.

Man kann im Sol & Sombra na Lota bereits für 15–20 € lecker satt werden, doch sollte man eher 35 bis 60 Euronen einplanen, wenn man wirklich gut schlemmen und passenden Wein dazu trinken möchte. Dabei sollte man auch ein paar kulturelle Gastro-Eigenheiten beachten, wie sie vor allem in traditionellen Küsten- und Fischrestaurants weit verbreitet sind: In solchen Lokalen – anders als in den durchgestylten Touristenrestaurants der Großstädte – wird man häufig schon beim Betreten aktiv zur Eistheke geführt und gefragt, ob man sich Fische von der Präsentation auswählen möchte. Diese werden nach Gewicht berechnet, und wenn man sich einen Edelfisch aussucht, kann der je nach Größe schon mal mit allein 35 bis 50 Euro zu Buche schlagen – also noch völlig ohne Beilagen, Vor- oder Nachspeisen und Getränke.

 

Wenn man sich damit nicht gut auskennt, sollte man besser am Tisch von der Karte bestellen und sich vom Service beraten lassen. Normalerweise reicht beispielsweise ein großer Fisch mit Beilagen für zwei Personen völlig aus. Wir wollten sowieso mischen, weil wir einfach Lust dazu hatten, und wählten eine gegrillte Dorade sowie gegrilltes Hähnchen (Frango Grelhado), mit diversen Beilagen und einer äußerst delikaten Fischsuppe als Vorspeise; als Dessert nur guten Kaffee. Beides schmeckte köstlich, wir tauschten beim Essen zum Ausprobieren, und ich kann die hohe Bewertung dieses Restaurants nur bestätigen.

Und wo wir schon bei den kulinarischen Gepflogenheiten in Portugal sind: Ein weiterer Klassiker, über den unwissende Touristen gerne stolpern, ist das sogenannte Couvert. Sobald man sich an den Tisch setzt, stellt der Kellner völlig ungefragt einen Korb mit frischem Brot, Butter, Oliven, kleinem Käse oder leckeren Fischpasteten – besonders die Sardinencreme ist eine Wucht – direkt vor deine Nase. Wer jetzt denkt, das sei ein kostenloser „Gruß aus der Küche“ wie beim Italiener um die Ecke, wird bei der Rechnung überrascht: Was angerührt wird, kostet extra – meist ein paar schmale Euros pro Person. Wer nichts davon möchte, lässt es unberührt stehen oder sagt direkt freundlich ab, dann geht es anstandslos zurück. Ich persönlich liebe diese Vorspeisen der portugiesischen Gastronomie ehrlich gesagt. Wenn man nach getaner Arbeit mit Bärenhunger am Tisch sitzt, gibt es doch kaum etwas Besseres, als sofort ein knuspriges Brot mit würziger Butter und Oliven zu futtern, während in der Küche der Hauptgang brutzelt!

Weil mich ohnehin jemand danach fragte und ich bekanntlich gern als Gourmet schwärme, sei hier das portugiesische Geheimnis dieses Hähnchengerichts mal ausführlicher beschrieben:

Das Geheimnis des Frango Piri-Piri (auch Frango no Churrasco genannt) liegt in einer jahrzehntelangen Tradition, die eng mit der Geschichte Portugals und seinen ehemaligen afrikanischen Kolonien (wie Mosambik und Angola) verknüpft ist. Die Kombination aus einer speziellen Schnitttechnik, glühender Holzkohle und der unverwechselbaren Sauce macht das Fleisch so saftig und aromatisch:

1.     Die Schnitttechnik (Spatchcock / Schmetterlingsschnitt): Das Hähnchen wird nicht im Ganzen am Spieß gedreht, sondern entlang des Rückgrats komplett aufgeschnitten und flach aufgeklappt. Dadurch wird das Fleisch gleichmäßig flach. Das hat zwei große Vorteile: Es gart auf dem Grill schnell durch, bleibt innen wunderbar saftig, und die Haut kann überall gleichmäßig knusprig werden.

2.     Das traditionelle "Franguinho da Guia": Die Wiege des portugiesischen Grillhähnchens liegt an der Algarve, genauer gesagt im kleinen Ort Guia nahe Albufeira, der oft als „Hauptstadt des Hähnchens“ bezeichnet wird. Das Besondere daran: Es werden traditionell nur kleine, junge, natürlich aufwachsende Hähnchen (Franguinhos) verwendet, die meist nur zwischen 600 und 700 Gramm wiegen. Das Fleisch dieser kleineren Tiere ist deutlich zarter als das von schweren Masthähnchen.

3.     Das Grillen über echter Holzkohle (Na Brasa): In einer echten Churrasqueira (Grillrestaurant) wandern die flachen Hähnchen in große Gitterroste und werden über offener Holzkohle oder Holzglut gegrillt. Das tropfende Fett erzeugt den typisch rauchigen, intensiven BBQ-Geschmack, den man im normalen Ofen niemals hinbekommt.

4.     Die Piri-Piri-Sauce (Das feurige Finish): Die Sauce basiert auf der scharfen afrikanischen Bird’s-Eye-Chilischote (Piri-Piri). Das Spezielle am portugiesischen Rezept ist die Balance: Die Chilis werden mit viel gutem Olivenöl, reichlich Knoblauch, Zitronensaft, etwas Essig und edelsüßem Paprikapulver gemischt.

Der Clou beim Grillen: Das Hähnchen wird während des Grillens immer wieder mit dieser Marinade bzw. reinem Knoblauch-Öl bepinselt (basting). Dadurch karamellisiert die Haut, und das Aroma zieht tief in das Fleisch ein.

Tipp: Wenn du ein Hähnchen in Portugal bestellst, wirst du fast immer gefragt: »Com picante ou sem picante?« (Mit scharf oder ohne?). Wenn du es traditionell magst, bestelle es com picante. Keine Sorge, es ist selten brennend scharf, sondern angenehm feurig-würzig. Dazu gehören zwingend hausgemachte Pommes frites und ein einfacher Tomaten-Zwiebel-Salat (Salada Algarvia) mit Oregano.

Dazu tranken wir einen trockenen, fruchtigen Algarve-Rosé aus Negramoll – ein genialer Sommerbegleiter zum Grillhähnchen. Er verbindet die Frische eines Weißweins mit den Beerenaromen, die wunderbar zum Röstaroma des Grills passen; und natürlich auch eine Flasche Mineralwasser.

»Total köstlich, oder?«, stöhnte Leonie vollgefressen. »Bist du Vielfraß-Gourmet auch zufrieden?«

»Oh ja, sehr lecker! Danke für die Einladung, hübsche Deern«, zwinkerte ich, und wir überlegten, ob wir jetzt noch weiterarbeiten wollten.

Aus der beabsichtigten Zeitersparnis durch das Essen in der Nähe war nämlich nichts geworden. Wir waren im Lokal auf vier Seglerfreunde getroffen und hatten arg lange miteinander geschwatzt und geschlemmt. Ein sehr sympathischer, gebildeter deutscher Katamaran-Fahrtensegler in den Fünfzigern und eine supernette Seglerfamilie aus Norwegen mit bildhübscher, nordisch-blonder Teenager-Tochter, bereiteten ihre Boote zum Überwintern an Land vor. Fahrtenboote winterfest aufgestützt an Land bis zur nächsten Saison stehen zu lassen, ist ein erheblicher Arbeitsaufwand, wenn sie im nächsten Jahr wieder gut und ohne größere Probleme seeklar gemacht werden sollen.

Dabei hatten wir uns ordentlich verquatscht, und inzwischen war es bereits nach 16 Uhr. Sonnenuntergang ist hier derzeit um 19:20 Uhr, und so richtig Lust hatten wir nicht, jetzt noch rund drei Stunden weiterzuarbeiten. Stattdessen beschlossen wir spontan, eine Radtour zur malerischen Algarve-Küste zu machen, wohin weder Leonie noch ich bisher gekommen waren. Das ist immer schade, denn genau diese Küste ist ja die eigentliche Attraktion der Algarve und die Region deshalb so beliebt. Jetzt muss ich mich wieder kurzfassen, sonst wird dieser Blogbeitrag ein Roman – denn natürlich gäbe es noch sehr viel, was ich beschreiben könnte.

 

Ich hatte ihr ohnehin eines der drei bei mir noch an Bord befindlichen, genialen E-Klappbikes Tern Vektron P5i zur Verfügung gestellt, damit sie mobil ist, ohne sich ein Mietrad nehmen zu müssen. Damit schafften wir es locker und ohne größere Anstrengung in einer knappen halben Stunde an die Küste. Auch sehr angenehm bei inzwischen noch etwa 25 °C, wobei man weder gleich ins Schwitzen noch durch Fahrtwind und Seebrise ins Frösteln kommt – sozusagen perfektes Ausflugswetter. Und die körperliche Bewegung durch die nur auf gering eingestellte E-Motor-Unterstützung, tat nach dem üppigen Speisegenuss natürlich auch gut, vor allem mir! schiefgrins




 

Zunächst steuerten wir den Leuchtturmkomplex Farol da Ponta do Altar an, wo wir pausierten und die Aussicht aufs Meer genossen. Dann ging es noch bis Sonnenuntergang ein bisschen entlang holpriger Pfade an der Küste weiter, was diese Bikes auch ganz gut packen, auch wenn es keine Geländefahrräder sind. Erst bei Sonnenuntergang drehten wir um und nahmen in einer hübschen Café-Bar noch je einen Drink mit gut gelaunten, überwiegend einheimischen Portugiesen. Kaum jemand sprach auch nur gebrochen Englisch, aber wir verstanden uns trotzdem bestens, und Leonie verzauberte kinderleicht die wenigen Anwesenden.

In tiefdunkler, romantischer Nacht erreichten wir schließlich bei immer noch angenehm milden 21 °C gut gelaunt unsere Unterkunft bei Manolos Familie. Bereits kurz nach 22 Uhr lag ich in meinem Bett und arbeitete online noch bis Mitternacht am Laptop. Eine letzte Zigarette draußen, Zähneputzen und die übliche Badroutine – dann pennte ich schnell und tief ein.

 

 

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