#26.08.01 – Cadiz, ein schöner Tag in vier Teilen
Teil 1: Frühstück im »El Café de Ana«
»Auf geht’s, trödel nicht so rum, Vicky!«, trieb ich die Hübsche gutmütig zur Eile an. Wir drei anderen standen bereits fix und fertig angezogen an Deck, wo wir rauchten, während sie immer noch völlig ungeniert splitternackt durch die Kajüte wirbelte.
»Ja, ja, hetz mich nicht so, Captain!«, lachte sie, schlüpfte schließlich doch noch in knappe weiße Shorts, ein Trägershirt und Sandalen, schnappte sich ihre Umhängetasche und signalisierte Landgang-bereitschaft.
Gut gelaunt und ohne jede Hektik spazierten wir durch die morgendliche Wärme zum El Café de Ana. Dort waren wir mit Conchita und einem ihrer Kunstliebhaber zum Frühstück verabredet. Der Typ hatte der spanischen Künstlerin bereits einige Kohlezeichnungen und Ölbilder abgekauft und zeigte nun eventuell auch Interesse an Vickys großformatigen Werken. Wir hatten ihn in einer der letzten Nächte beim Ausgehen schon kurz kennengelernt.
Das Café an der Avenida Ana de Viya erwies sich als echter Glücksgriff. Schon beim Näherkommen verliebten sich die Frauen sofort in die Kulisse: Der Eingang ist wunderschön von pinken, duftenden Bougainvillea-Blüten umrahmt. Innen empfängt einen eine liebevolle, altmodisch-gemütliche Saloon-Atmosphäre, die sofort entschleunigt.
»Ist das hübsch! Voll bezaubernd!«, schwärmten Britt und Vicky unisono – und selbst als Mann mit geschultem Blick für Raumgestaltung konnte ich dem nur beipflichten. Der Service erwies sich ab der ersten Sekunde als herzlich und aufmerksam, wie man es sich in der Gastronomie nur wünschen kann. Dazu stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis: Für nicht einmal zehn Euro bekommt man hier ein fantastisches, superfrisches Frühstück samt Kaffee und Fruchtsaft serviert. Man fühlt sich auf Anhieb so unbeschwert willkommen wie bei guten Freunden.
Nach den typisch südländisch ausgiebigen Begrüßungsumarmungen mit Bussi links und rechts machten wir es uns bei angenehmen 25 Grad auf der schattigen Straßenterrasse unter den Kolonnaden bequem. Conchita und der besagte Kunstliebhaber Ignazio kannten die Karte natürlich längst. Wie fast immer bestellten wir alle quer durch die Speisekarte unterschiedliche Gerichte, um möglichst viel probieren zu können.
Ignazio erwies sich als attraktiv-intellektueller Mittdreißiger. Elegant gekleidet, mit ausgeprägten Gentleman-Manieren und von sichtbarer Bildung. Er machte auch menschlich einen sympathischen, seriösen Eindruck auf mich. Ich verließ mich da wie gewohnt auf meine ausgezeichnete Menschenkenntnis, gepaart mit langjähriger Lebenserfahrung und Bauchgefühl – eine Kombination, die mich bekanntlich derart selten täuscht, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann, wann ich jemanden das letzte Mal falsch eingeschätzt habe.
Dazu fällt mir eine amüsante Anekdote ein: Vor langer Zeit bat mich ein guter Geschäftsfreund, für den ich in gewisser Weise als Vorbild galt, um meine Einschätzung zu einem potenziellen Geschäftspartner. Nach kaum zehn Minuten Gespräch stand mein Urteil felsenfest und ich riet ihm dringend von jeglicher Kooperation ab. Mein Freund fragte mich arg verblüfft, wie ich mir nach so kurzer Zeit bereits so absolut sicher sein könne.
Ich konnte es ihm damals gar nicht genau erklären, weil dieser Instinkt bei mir seit jeher ganz automatisch abläuft. Mein Freund schlug meine Warnung schließlich aus und stieg in ein dubioses Immobiliengeschäft mit besagtem Typen ein. Erst etliche Jahre später, während einer feucht-fröhlichen Kneipentour, gestand er mir zähneknirschend, dass er dabei einen satten sechsstelligen Betrag in den Sand gesetzt hatte. Seitdem galt meine Menschenkenntnis bei ihm als geradezu legendär. Aber die Wahrheit ist: Selbst heute, mit weit mehr intellektueller Reflektion, kann ich nicht genau an einer Formel festmachen, weshalb mein Radar so zuverlässig ausschlägt. schmunzel
Ignazios Begleiterin an diesem Morgen passte auf den ersten Blick nicht ganz zu seiner gediegenen Art. Aber man begegnet in diesen Künstlerkreisen eben ab und zu diesen faszinierenden Kontrasten: Eine makellose, klassische Schönheit, die durch bewusste Brüche – ein kleines Tattoo hier, ein Piercing da – eine ganz eigene, fast störrische Note bekommt. Nicht unbedingt mein persönlicher Schönheitsbegriff, aber eine interessante Aussage gegen das stramme Diktat der Makellosigkeit propagierenden Modebranche. Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, und wenn er auf diesen Stil steht, ist das ganz allein seine Sache. Ich persönlich finde es aber immer ein wenig bedauerlich, wenn junge Frauen, mit einer von der Natur so reich beschenkten Ästhetik, sich in meinen Augen unnötig verunstalten.
Teil 2: Flanieren durch Cádiz
Wir waren inzwischen schon wieder deutlich länger in Cádiz hängengeblieben, als wir ursprünglich geplant hatten. Aber wie schon zuvor in Lagos galt auch hier: Vor allem Vicky konnte sich die erstklassigen Gelegenheiten zum Verkauf ihrer Kunst in diesen lebendigen Künstlerszenen um einfach nicht entgehen lassen. Und um ehrlich zu sein: Wir fühlten uns in dieser bezaubernden Küstenstadt mit all den neuen Bekanntschaften rund um Conchita schlichtweg sauwohl. Was dieser lebendige, mit gut 100.000 Einwohnern überschaubare Ort an Kultur, Geschichte und Traumstränden zu bieten hat, ist für diese Größe wirklich erstaunlich.
Köstlich gesättigt und hochzufrieden verließen wir das Café und schlenderten in der Morgensonne zunächst zur Plaza de la Merced. Dort steht das Centro Municipal de Arte Flamenco la Merced – ein heutiges Tanzstudio und Kulturzentrum mit einer faszinierenden Geschichte. Die filigrane Eisenkonstruktion stammt ursprünglich aus der Feder der berühmten Pariser Werkstatt von Gustave Eiffel und diente Ende des 19. Jahrhunderts als Ausstellungspavillon. Um 1930 wurde das komplette Stahlskelett demontiert, hierher verlegt und jahrzehntelang als städtische Markthalle genutzt, bevor man das geschichtsträchtige Bauwerk vor einigen Jahren aufwendig restaurierte und schallisoliert der Flamenco-Kunst weihte.
»Echt krass, was es hier an jeder Ecke zu sehen gibt!«, meinte Britt begeistert beim Weiterlaufen und steuerte kurz darauf zielstrebig mit Vicky und Conchita auf eine kleine Boutique zu. »Kommt Mädels, die haben voll hübsche Kleider!«
Wir Männer machten das, was erfahrene Begleiter in solchen Momenten eben tun: Wir blieben geduldig draußen im angenehmen Sonnenschein stehen, zündeten uns eine Zigarette an und steuerten kurz darauf eine eigentlich noch geschlossene Tapas-Bar an. Ignazio wechselte ein paar charmante Worte auf Spanisch mit dem Betreiber, woraufhin dieser verständnisvoll grinste und uns prompt mit eiskalten Erfrischungsdrinks versorgte. Da meine Spanischkenntnisse bekanntlich bestenfalls als rudimentär zu bezeichnen sind, übersetzte ich mir das Wortgefecht aus Tonfall, Gestik und Mimik selbst: »Was sollen wir armen Männer schon machen, wenn die Damen Kleider shoppen? Angeblich ja nur, um uns anschließend mit reizenden Anblicken zu erfreuen…« schmunzel
Nach vielleicht einer halben Stunde – für weibliche Einkaufsverhältnisse erstaunlich schnell – tauchten die drei Schönheiten wieder auf. Britt und Conchita präsentierten sich direkt in neuen, farbenfrohen Sommerkleidern, während Vicky unverändert schien, aber erzählte, zwei sexy Dessous erstanden zu haben. Nebenbei bemerkt: Sämtliche Einkäufe wurden völlig selbstverständlich aus der eigenen Tasche bezahlt. Kein Winken nach der Geldbörse des Mannes, keine Erwartungshaltung. Ein kleiner, aber feiner Hinweis auf die innere Haltung und Klasse dieser noch jungen Frauen mit Klasse, Charakter und Niveau.
»Na?«, blinzelte vor allem Britt leicht provokant-frech auf typisch weibliche »Fishing for Compliments«-Art und drehte sich einmal schwungvoll vor unseren erfreuten Männeraugen, sodass der knielange Rocksaum weit hochflog.
Willst du als Mann überleben, hast du in so einem Moment natürlich gar keine andere Wahl als wie aus der Pistole geschossen mit »WOW! Bezaubernd schön! Entzückend!« und ähnlichen Bekundungen zu reagieren. Aber ganz im Ernst: Der bildschönen blonden Schwedin stand das bunte Sommerkleid ganz hervorragend. Wobei man ehrlich sein muss: Alle drei sehen sowieso immer hinreißend aus – ganz gleich, was sie anhaben. Oder eben noch besser: was sie nicht anhaben! hehe
Durch die malerischen Altstadtgassen – an fast jeder Ecke bieten sich architektonisch reizvolle Ausblicke – schlenderten wir weiter zum Denkmal La Perla de Cádiz. Die lebensgroße Bronzestatue ist eine Hommage an Antonia Gilabert Vargas, die unter ihrem Künstlernamen als eine der bedeutendsten und kraftvollsten Stimmen des andalusischen Flamencos in die Geschichte einging.
Nur wenige Meter weiter stießen wir auf das Las Cigarreras de Cádiz-Denkmal, ein ziviles Monument, das den Zigarrenmacherinnen der Stadt gewidmet ist. In der einstigen Königlichen Tabakfabrik arbeiteten zu Spitzenzeiten Ende des 19. Jahrhunderts fast 4.000 Frauen. Sie waren nicht nur das wirtschaftliche Rückgrat von Cádiz, sondern spielten auch eine mutige, wegweisende Rolle in der frühen spanischen Arbeiter- und Frauenrechtsbewegung. Ein Stück echter, stolzer Stadtgeschichte mitten im quirligen Alltag.
Teil 3: Unterschiedliche Wege und eine wilde Fahrt
Bei inzwischen gut 30 Grad im Schatten trennten sich am frühen Nachmittag unsere Wege. Demo machte sich auf die Suche nach einer Ersatz-Fußpumpe von Whale. Wir hatten ihm dafür vorab zwei Adressen herausgesucht, die das passende Teil am ehesten vorrätig haben dürften: Zum einen Puerto Náutica SL in El Puerto de Santa María – eine allgemeine Vertretung für nautisches Zubehör direkt nahe der Marina, wo man sich die Teile direkt anschauen kann. Zum anderen Suidamar, in der Zona Franca von Cádiz, die eher etwas technischer auf Industrie- und Pumpentechnik ausgerichtet sind. Spoiler vorab: Demo wurde schließlich bei Puerto Náutica fündig und ergatterte das richtige Modell.
Britt und Ignazios Begleiterin Isabella steuerten einen Friseursalon in der Altstadt an, und wollten sich danach noch ein wenig dem Shopping hinzugeben. Vicky und Ignazio liefen derweil zu seinem Haus. Er wollte ihr seine Kunstsammlung und seine Einrichtung zeigen, um anschließend zu besprechen, ob eines von Vickys noch in der Heimat gelagerten Kohlebildern zu seinen Räumen passt – oder ob sie ihm ein ganz individuelles Werk auf Auftragsbasis malt. Da der Mann auf mich einen seriösen Eindruck gemacht hatte und ich mich auf mein Bauchgefühl verlasse, hatte ich keinerlei Bedenken, Vicky mit ihm ziehen zu lassen.
Conchita und ich hatten derweil ein anderes Ziel: Wir nutzten einen kleinen Stadtflitzer, den Ignazio uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte, um zu jener feinen, abgeschirmten Community auf dem ehemaligen Militärgelände zu fahren, die wir vor Tagen schon einmal besucht hatten. Conchita hütete dort wieder einmal das Anwesen eines befreundeten Kunstmäzens, lüftete die Räume, goss die Pflanzen und ließ ein paar Geräte laufen. Eine Aufgabe, die die feurige Spanierin alle paar Tage mit großer Zuverlässigkeit erledigte.
»Nett, dass du mich begleitest«, flirtete Conchita bereits vor dem Einsteigen, schwang sich auf den Fahrersitz und übernahm mit schwungvoller Selbstverständlichkeit das Steuer. Passend zu ihrem Temperament steuerte sie den kleinen Wagen erstaunlich zügig, aber mit sichtbarer Routine durch den gewohnt chaotischen, südländischen Verkehr.
»Ist mir doch stets ein Vergnügen, von einer so reizenden Frau chauffiert zu werden«, flirtete ich vergnügt zurück. Allerdings musste ich mich mit meiner Bärenstatur von knapp 1,90 Metern erst einmal reichlich umständlich in den winzigen spanischen Kleinwagen quetschen – ich glaube, es war ein sehr überschaubarer Seat. Dass mein Kopf beinahe das Dach berührte und meine Knie keinen Platz fanden, amüsierte die gertenschlanke, gelenkige Conchita natürlich köstlich.
»Ich hoffe ja, dass du lebend ankommst! Deswegen beeile ich mich lieber ein bisschen, haha!«, lachte sie heiter, kurvte mit quietschenden Reifen um eine Biegung und stieg kurz darauf vor einer roten Ampel mit Schwung auf die Bremse. Prompt knallte mein rechtes Knie gegen die Unterseite des Armaturenbretts.
»Autsch! Das hat man bis hierher gehört! Tat bestimmt weh, haha?«, prustete sie vergnügt los.
»Hat es auch, du schadenfreudiges Biest! Ich wäre dir überaus dankbar, wenn du deinen Fahrstil zumindest ansatzweise an einen armen deutschen Captain in dieser viel zu engen Blechbüchse anpassen könntest!«
»Aber klar doch, haha!«, rief sie, gab bei Grün sofort wieder Vollgas und jagte den Motor hoch. Mein linker Ellenbogen drückte sich derweil schmerzhaft in die Lücke zwischen Fahrer- und Beifahrersitz. Haarscharf zirkelte sie den Wagen um ein unvermittelt auf der Fahrbahn haltendes Taxi herum, betätigte energisch die Hupe und schleuderte dem Fahrer mit melodischer Stimme ein paar spanische Flüche entgegen. Gleich darauf übersetzte sie mir das Ganze mit einem blitzenden Lachen ins Englische: »¡Vete a la mierda! – Verpiss dich zur Hölle! Diese ¡Gilipollas! – Vollidioten von Taxifahrern glauben immer, ihnen gehört die ganze Straße! ¡Cabrón! – Wörtlich ein Ziegenbock, aber gemeint ist ein saftiges Arschloch!«
»Dem hast du es aber ordentlich gegeben!«, grinste ich amüsiert. Bei unseren weit geöffneten Seitenfenstern und Conchitas beachtlicher Lautstärke dürfte der Taxifahrer mindestens die Hälfte der Breitseite mitbekommen haben. Er hupte und gestikulierte wild im Rückspiegel hinterher, was uns aber nicht hörten, da wir schon wieder zwanzig Meter weiter waren.
Im südländischen Straßenverkehr kann man eben echte Abenteuer erleben – erst recht mit einer so energischen, selbstbewussten Frau an der Seite. Es gibt da übrigens einen gravierenden Unterschied zu den vermeintlich kühlen Fahrern im Norden: Wenn sich dort zwei Autofahrer miteinander anlegen, wird es manchmal bitterernst und endet im schlimmsten Fall in handfesten Schlägereien. Im Süden dagegen wird das Hupen, Fluchen und wild Gestikulieren eher wie ein leidenschaftlicher Volkssport betrieben. Körperlich wird es so gut wie nie. Und wenn dann noch eine so bildschöne Frau wie Conchita am Steuer sitzt, geht der Schlagabtausch oft in einen temperamentvollen, unverbindlichen Flirt über. schmunzel
Es war eine wilde, lustige Fahrt. Conchita jagte den Flitzer wie eine geübte Rennfahrerin aus dem Stadtgebiet. Manchmal wirkte ihr Stil zwar ein wenig gewagt, aber wenn man genau hinschaute, merkte man schnell, dass sie die Ausmaße des Autos und die Situationen gut überlegt im Griff hatte. Ihre noch jugendlich schnellen Reflexe verhinderten verlässlich, dass aus der zügigen Fahrt echter Leichtsinn wurde.
Schließlich bogen wir mit quietschenden Reifen in die bereits erwähnte Einfahrt der geschützten Villensiedlung ein. Dem Wachmann an der Schranke rief Conchita lachend ein paar spanische Brocken entgegen, woraufhin dieser umgehend schmunzelnd die Zufahrt freigab – natürlich nicht ohne ihr im Vorbeifahren noch ein spitzbübisches Kompliment hinterherzurufen. Wir kurvten durch das kleine Wäldchen, steuerten die Auffahrt der schicken Finca-Villa an und kamen vor dem Eingang mit einer punktgenauen Vollbremsung zum Stehen, die mich noch einmal ordentlich durchschüttelte.
»Ähem… auf der Rückfahrt übernehme dann aber vielleicht doch lieber ich das Steuer!«, amüsierte ich mich köstlich über das feurige Spektakel.
»Nööö! Dann brauchen wir dreimal so lange und ich sterbe unterwegs vor Langeweile, haha!«, rief sie, sprang energiegeladen aus der Fahrertür und ließ die Tür ins Schloss fallen. Während ich mich sehr bedächtig und Knochen für Knochen aus dem zwergenhaften Innenraum schälte, steckte sie bereits den Schlüssel ins Hausschloss der schicken Finca, drehte sich noch einmal um und rief mir lachend zu: »Und vergiss deine Kamera nicht auf! Wo wir schon mal hier sind, können wir ungestört ein bisschen shooten!«
Teil 4: Sommerhitze, spanische Kaffeekultur und ein spontanes Shooting
»Hast du hier irgendwas Kühles zu trinken im Haus?«, fragte ich Conchita, als ich ihr schließlich in die schattigen Innenräume der Finca folgte.
Sie war bereits dabei, ein paar Zimmerpflanzen mit Wasser zu versorgen, und hatte im Erdgeschoss fast alle Fenster weit geöffnet, um Durchzug zu schaffen. Draußen wehte ein mäßiger Wind aus Südwest, der nach salziger Seeluft, den umgebenden Pinienbäumen und blühenden Sträuchern duftete und zumindest eine leichte Abkühlung brachte.
»Klaro, im großen Küchenkühlschrank findest du reichlich Mineralwasser und Saftflaschen. Bringst du mir bitte ein Glas eiskalten Zitronentee mit?«, lächelte sie verhalten in meine Richtung, ohne sich groß vom Pflanzengießen ablenken zu lassen.
In den Wohnräumen standen gar nicht so viele Töpfe, das meiste Grün befand sich draußen rund um die überdachten Terrassen. Dort kümmerte sich allerdings eine automatische Bewässerungsanlage um das Nötigste; Conchita musste lediglich kontrollieren, ob die Zeitschaltuhr zuverlässig lief, damit die mediterranen Gewächse nicht vertrockneten. Seit Wochen hatte es in der gesamten Region schließlich kaum oder nur extrem wenig geregnet. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, wie die Flora derzeit im Landesinneren aussah, wo große Teile Südeuropas unter erdrückenden Hitzewellen mit weit über 40 Grad stöhnten.
Selbstverständlich verfolgen wir an Bord auch regelmäßig die Nachrichten. So war ich bestens im Bilde über abgeschaltete Kernkraftwerke wegen kochend heißer Flüsse mit viel zu wenig Wasser, verheerende Waldbrände in den Mittelmeerländern mit zehntausenden Evakuierten, verdorrte Ernten und den massiven Wassermangel in mitteleuropäischen Strömen, wo die für die Wirtschaft allgemein wichtige Binnenschifffahrt nur noch mit maximal einem Drittel ihrer gewohnten Ladung manövrieren konnten, was die Transport- und Folgekosten deutlich erhöht.. Ganz zu schweigen von den vielen Hitzetoten – meist ältere oder geschwächt kranke Menschen, deren Kreislauf diesen extremen Temperaturen schlicht nicht mehr standhielt.
In der weitläufigen Küche öffnete ich ebenfalls die Fenster, trank erst einmal selbst ein Glas eiskalten Zitronentee gegen den Durst und schenkte dann Conchita ihr Glas sowie mir noch ein frisches Mineralwasser ein. Damit machte ich mich auf die Suche nach ihr und fand sie im ersten Stock. Hier lagen die Schlafzimmer und Bäder, in denen kaum Pflanzen standen. Conchita lüftete hauptsächlich durch und schwang hier und da kurz den Staubwedel. Allerdings schien mir das eher eine Geste der Gründlichkeit zu sein, denn bis auf ein paar mikroskopische Staubkörnchen war das Haus makellos rein. Sie schaut schließlich alle zwei bis drei Tage nach dem Rechten, da konnte sich gar kein Schmutz ansammeln.
»Hier bitte sehr…«, reichte ich ihr das Glas und fragte rein aus Höflichkeit: »Kann ich dir noch irgendwo zur Hand gehen?«
»Danke, nicht nötig, Steve. Ich bin schon so gut wie fertig«, antwortete sie und warf mit einem verschmitzten Blick ihre Haare über die Schulter zurück. Eine typisch weibliche Bewegung, die bei einer so attraktiven, feurigen Frau natürlich ihre reizvolle Wirkung nicht verfehlt.
Übrigens – ich weiß gar nicht, ob ich das in meinen vorherigen Einträgen schon einmal erwähnt habe: Im klaren, hellen Tageslicht sieht Conchita gar nicht so extrem rassig-südländisch aus wie nachts beim Ausgehen oder mit nassen Haaren nach dem Baden. Ihre Haare sind eher von einem satten Dunkelbraun als tiefschwarz, und auch ihre Augen, die im Barlicht fast kohlschwarz wirken, offenbaren im Sonnenlicht einen warmen, dunkelbraunen Farbton. Die Künstlerin ist tatsächlich eine Ausnahmeschönheit mit den Makellosigkeiten eines internationalen Fashion-Models und einer bezaubernd fotogenen Ausstrahlung.
Conchita ist auch nicht ihr bürgerlicher Name, sondern lediglich ihr Künstlername. Das sprichwörtliche spanische Temperament besitzt sie allerdings durch und durch – wenngleich sie überraschend ruhig, nachdenklich und tiefgründig-intellektuell sein kann, wenn man sie näher kennenlernt. Wir verstehen uns von Tag zu Tag besser, schätzen uns sehr und ohne Frage liegt da auch dieses gewisse Knistern als Mann und Frau in der Luft. Über rein private Dinge haben wir bislang allerdings wenig gesprochen; weshalb ich bis heute nicht einmal ihren richtigen Namen kenne. Ist im Grunde aber auch völlig nebensächlich: In wenigen Tagen werden wir mit der Vikarelia voraussichtlich weitersegeln, und ob man diese faszinierende junge Künstlerin jemals wieder sieht, steht in den Sternen.
»Was wolltest du denn shooten, Conchi?«, erkundigte ich mich, als wir die Treppe hinunter zur schattigen Garten-Terrasse traten. Ich verlangte nach einer Zigarette. Hochwertige Holzgartenmöbel – wahrscheinlich Teak – standen mit Schutzhüllen abgedeckt seitlich unter einem Dachvorsprung; zwei Stühle und ein kleines Beistelltischchen waren jedoch unter einer schattenspendenden Pergola voller duftender Kletterpflanzen aufgestellt. Dort machten wir es uns gemütlich. »Nur ein paar sexy-hübsche Snapshots für deine Social-Media-Kanäle oder ein richtiges Shooting? Modelst du eigentlich gelegentlich auch für deinen Lebensunterhalt? So großgewachsen und toll gebaut wie du bist, wärst du dafür doch wie geschaffen.«
»Conchi, haha? Süßer Spitzname, der gefällt mir!«, blinzelte sie lachend. »Ja klar, ab und zu modele ich schon… Aber was versteht ein Gauner wie du unter ›richtig‹? Ich hab dir doch erzählt, dass ich hin und wieder für befreundete Maler, Bildhauer oder Fotografen posiere, manchmal auch recht freizügig.«
»Stimmt schon, aber ich meinte, ob du auch professionell als Fashion- oder Aktmodel arbeitest?«
»Ach so, nein. Professionell will ich das eigentlich nicht machen. Zumindest nicht, solange ich mit meiner eigenen Kunst über die Runden komme und Brötchen sowie Miete bezahlen kann. Wie kommst du darauf?«, fragte sie, streckte ihre langen, ebenmäßigen Beine aus und flegelte sich mit der herrlich unverkrampften Art junger Menschen in den Gartenstuhl. In dem sehr hübschen, weiße Sommerkleid, das sie sich vorhin gemeinsam mit Britt gekauft hatte – luftig geschnitten und aus einem hauchdünnen Stoff, der ihre Formen wundervoll betonte – sah sie schlichtwerg bezaubernd und verlockend fraulich aus.
»Ach, nur so aus Neugierde und als Fotograf. Weil du mit deinen Voraussetzungen fraglos echte Chancen in der Branche hättest. Aber wie läuft es denn aktuell mit deiner Kunst? Verkaufst du genug Bilder, um gut über die Runden zu kommen, wenn ich so direkt fragen darf?«
»Es geht so… Künstler nagen ja bekanntlich meist am Hungertuch, haha!«, lachte sie locker, gab dann aber eine sehr ehrliche und reflektierte Antwort. »Ohne meine Sponsoren, Mäzene und Förderer – zu neunzig Prozent Männer, die das natürlich auch wegen meines Aussehens tun – könnte ich kaum existieren. Für mich ist es also ungemein nützlich, attraktiv und clever genug zu sein, dass wohlhabende Señores gern meine Gesellschaft suchen und meine Arbeit unterstützen. Weniger attraktive Kolleginnen haben es da bedeutend schwerer.«
»Sehr gut, dass du das so realistisch siehst und dir nicht einredest, es läge einzig daran, dass deine Kunst allen anderen überlegen ist. Neunundneunzig Prozent aller Menschen, die sich an der Kunst versuchen, können niemals davon leben. Nur verschwindend wenige werden so erfolgreich oder gar berühmt, dass sie davon sorglos existieren oder vermögend werden. Wenn ich fragen darf: Wie schätzt du deine Talente ganz nüchtern objektiv ein? Hoffst du, irgendwann zu diesen sehr wenigen Ausnahmen zu gehören?«, lächelte ich verständnisvoll. Künstler hatten es schließlich zu keiner Zeit leicht – und in der heutigen Zeit, wo Abermillionen Menschen die Muße haben, sich künstlerisch zu betätigen, ist das Brot noch um einiges kürzer geworden.
»Verdammt kluge Frage, du Captain und Menschenkenner!«, strich sie sich eine dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht, trank ihren Zitronentee aus und fragte: »Hast du Lust auf einen Kaffee?«
»Ein guter Kaffee wäre mir jetzt äußerst willkommen. Ich habe vorhin in der Küche eine vorzügliche Siebträgermaschine gesehen.«
»Genau! Was darf es denn sein?«
»Ein Café del Tiempo wäre perfekt, wenn…«
»Kommt sofort, warte hier!«, sprang sie mit erstaunlicher Energie aus ihrer bequemen, halb liegenden Position auf und entschwand ins Haus, bevor ich den Satz zu Ende sprechen konnte. Unsere beiden leeren Gläser nahm sie gleich mit.
Ich zündete mir eine Zigarette an, paffte entspannt in den Schatten der Pergola und hatte gerade zu Ende geraucht, als Conchita mit einem schicken Tablett zurückkehrte. Darauf standen zwei komplette El-Tiempo-Gedecke, die frisch gefüllten Wassergläser, zwei mit Eiswürfeln und Zitronenschalen präparierte Tumbler sowie eine kleine Dose mit feinem Pistaziengebäck.
Der Café del Tiempo dürfte vielen Spanienurlaubern ein Begriff sein: Ein starker, heißer Espresso, der auf Eiswürfeln mit einer Zitrone- oder Orangenscheibe serviert wird. Ein absolut geniales Sommergetränk, das in Spanien allerdings nach allen Regeln der Kunst zelebriert werden möchte.
Das klassische Gedeck besteht aus zwei Gefäßen: Glas 1 ist ein kleines, hitzebeständiges Glas (oft ein klassisches Cortado-Glas), in dem der heiße, frisch gebrühte Espresso serviert wird – meist bereits nach Wunsch gesüßt. Glas 2 ist ein etwas größeres, robustes Trinkglas, gefüllt mit Eiswürfeln und einer frischen Scheibe Zitrone oder Orange.
Die korrekte Handhabung verlangt eine genaue Reihenfolge: Zuerst wird der Zucker im heißen Espresso verrührt, solange dieser noch dampft – im eisgekühlten Glas löst sich der Zucker nämlich kaum noch auf. Erst danach gießt man den heißen Kaffee mit Schwung über die Eiswürfel und die Zitrusfrucht im zweiten Glas. Durch den Schock kühlt der Kaffee augenblicklich ab und nimmt das feine Aroma der Zitrusextrakte an. Getrunken wird anschließend direkt aus dem Eisglas.
In Spanien gilt als unumstößliches Gesetz: Kaltes gehört ins Glas, Tassen sind ausschließlich für heißen Kaffee reserviert. Ein Iso-Becher widerspricht der spanischen Kaffeekultur zutiefst, da das Auge schließlich mitgenießt und man das Spiel aus dunklem Kaffee, Eiskristallen und der gelben Zitronenscheibe beobachten möchte. Wer diesen Kaffee falsch handhabt, erntet von Einheimischen schnell den einen oder anderen amüsierten Blick. schmunzel
Aber keine Sorge: Spanier verzeihen Touristen fast jeden Kaffeefehler mit einem freundlichen Lächeln! Um dennoch absolut stilsicher aufzutreten, sollte man ein paar ungeschriebene Regeln kennen. Hier die wichtigsten Fettnäpfchen, die es zu vermeiden gilt:
1. Das Timing beim Milchkaffee: Ein Café con Leche ist ein reines Frühstücksgetränk. Spanier trinken ihn fast ausschließlich bis 11:00 Uhr morgens, meist zusammen mit einer Tostada. Einen Milchkaffee nach einem üppigen Mittag- oder Abendessen zu bestellen, sorgt beim Kellner für sanftes Entsetzen. Nach dem Essen ordert man einen Café Solo, einen Cortado oder einen Carajillo.
2. Bestellung und Bezahlung: Niemals im Stehen »To Go« bestellen! Kaffee ist in Spanien ein soziales Ritual und kein Treibstoff für Hektiker. Man genießt ihn an der Bar (Barra) oder am Tisch (Mesa). Wobei zu beachten ist: Der Kaffee an der Bar ist oft günstiger als am Tisch und spürbar günstiger als draußen auf der Terrasse (Terraza).
3. Getrennte Rechnungen: Wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, zahlt in der Regel einer die gesamte Runde, oder man wirft das Geld am Ende unkompliziert passend zusammen. Nach getrennten Kassenbelegen zu verlangen, bringt Kellner im Stoßbetrieb an den Rand des Wahnsinns.
4. Das Zucker-Ritual: Spanischer Espresso wird traditionell sehr dunkel geröstet. Es ist völlig normal und keineswegs eine Beleidigung für den Barista, reichlich Zucker hineinzuschütten. Die Tütchen (Azucarillos) werden ungefragt gereicht. Und schließlich: Ein bloßes »Un café, por favor« reicht nicht aus – man sollte immer die exakte Zubereitungsart nennen, etwa »Un cortado, por favor«.
»Danke, Conchi…«, lächelte ich, süßte meinen Espresso, gieß ihn routiniert über das Eis im zweiten Glas und beobachtete für ein paar Momente, wie sich das tiefschwarze Elixier um die Eiswürfel legte, ehe ich einen ersten Schluck des gekühlten Getränks nahm. Conchita schaute mir amüsiert zu, wie ich das Ritual vollzog, während sie selbst quasi blind und eingespielt das Gleiche tat.
»Hey! Du machst das ja fast schon mit dem Schwung eines echten Einheimischen, Señor Capitán!«
»Nimmt mich Señorita Conchita gerade auf den Arm oder flirtet sie mit mir?«, grinste ich zurück.
Tatsächlich unterlaufen mir trotz langjähriger Reiseerfahrung gelegentlich kleine Fehler in der spanischen Kaffeekultur. Aber wenn man ständig unterwegs ist und durch die unterschiedlichsten Reviere und Länder kommt, kann man sich unmöglich jede lokale Gepflogenheit bis ins letzte Detail merken. Das muss man auch gar nicht – doch ein gewisses Grundwissen zeugt schlicht von Respekt gegenüber dem Gastgeberland.
»Beides, hihi! Beides!«, blinzelte sie mir mit einem Blick zu, der bei mir ein sehr angenehmes Kribbeln auslöste. »Und um deine Frage von vorhin zu beantworten: Ganz realistisch betrachtet glaube ich, dass meine Kunst… na ja, nicht wirklich etwas Besonderes ist. Wahrscheinlich werde ich mich einigermaßen durchschlagen können, solange ich noch hübsch und sexy genug bin, um Förderer und Mäzene anzuziehen. Aber wirklich erfolgreich oder gar berühmt werde ich wohl nie.«
»Das nenne ich mal eine mutige, ehrliche Selbsteinschätzung ohne unrealistische Illusionen. Respekt dafür«, antwortete ich und lächelte aufmunternd. »Aber versuche es trotzdem ruhig weiter! Erfolg hängt im Kunstbusiness heutzutage nicht zwingend davon ab, ein herausragender Künstler zu sein. Vermarktung, vor allem geschickte Selbst-Promotion, ist das A und O in diesem Geschäft. Und mach dir klar: Es ist heutzutage vor allem ein internationales, milliardenschweres Business – nichts anderes!« Ich streichelte ihr dabei sanft und freundschaftlich über die zarte Wange.
»Hmm… du bist ein kluger Kopf und, wie ich glaube, auch ein wirklich guter Freund…«, raunte sie leise, ließ ihre Wange für einen kurzen Moment in meiner Handfläche ruhen und blickte fast dankbar zu mir auf.
Als die Gläser geleert waren und ich mir eine weitere Zigarette gegönnt hatte, machten wir uns an ein spontanes, kleines Fotoshooting. Wir schossen wunderschöne, softerotisch-künstlerische Aufnahmen, die Conchitas frauliche Ästhetik perfekt einfingen. Sie ist enorm fotogen und versteht es meisterhaft, sich kopfkinoanregend in Szene zu setzen. Für ein Motiv wickelte sie sich beispielsweise in eine Art weiße Toga, wobei knackige Pobacken und eine Brust auf reizvolle Weise unbedeckt blieben. Ein verlockend weiblicher Blick halb über die Schulter zurück in meine Linse – und in meine genießenden Männeraugen – vervollständigte das Bild der Szene nahezu perfekt.
»Wow! Was bist du nur für eine schöne, fotogene und verführerische Frau!«, lobte ich sie mit ehrlicher, männlicher Bewunderung.
»Ach ja? Findet der Señor Capitán mich also schön und verlockend?«, schmunzelte Conchi gleichzeitig amüsiert, flirtend und sichtbar erfreut über das ehrliche Kompliment.
Wie ich schon manchmal erwähnt habe: Manche Menschen – insbesondere Frauen – haben dieses gewisse Etwas einfach im Blut. Sie wirken atemberaubend weiblich oder charismatisch männlich, völlig unabhängig davon, ob sie figurbetont gekleidet sind oder Haut zeigen. Jeder kennt wahrscheinlich diese Momente von Festen oder Partys: Eine Gesellschaft ist zusammen, amüsiert sich – und plötzlich betritt eine ganz bestimmte Person den Raum. Wie von einem unsichtbaren Magneten angezogen, richten sich augenblicklich alle Blicke auf sie oder ihn, und diese Person wird auch meist ohne jegliche Anstrengung zum Mittelpunkt des Geschehens. Man kann es wissenschaftlich kaum erklären, es geschieht vollkommen instinktiv.
Wir produzierten noch eine Reihe ästhetischer Aufnahmen voller weiblichem Sexappeal. Alles durchweg geschmackvoll, künstlerisch und stilvoll – meilenweit entfernt von billiger Nacktheit oder gar Vorstößen ins Pornografische. Conchita ist wie gemacht für die Linse und hat sichtlich Freude daran, mit ihrer Ausstrahlung zu spielen. Viele Künstler haben ja einen gesunden, mehr oder weniger stark ausgeprägten exhibitionistischen Zug und genießen bewundernden Blicke. Wir hatten anderthalb Stunden lang enormen Spaß zusammen – als Fotograf, Künstler und Model, aber eben auch als Mann und Frau, die sich ohne Frage sehr sympathisch sind.
Aber ich muss mich nun langsam kurzfassen, sonst sprengt dieser Beitrag vollends den Rahmen. Da wir alle das Mittagessen hatten ausfallen lsßen, trafen wir uns gegen 17:00 Uhr mit gehörigem Appetit in einer der vielen, mehr oder weniger guten Tapas-Bars und Restaurants an der Playa de la Victoria.
Vicky und Ignazio hatten sich in der Zwischenzeit ebenfalls geeinigt: Er hatte eines ihrer großformatigen Kohlebilder für seine Sammlung geordert und direkt eine Anzahlung von 2.500 Euro geleistet. Wieder einmal ein voller Erfolg für Vickys Kunst und eine sehr angenehme Spritze für die derzeit wohlgefüllte Bordkasse!
Der Abend mündete schließlich in einer ausgedehnten Kneipentour durch etwa ein Dutzend Szenebars, Künstlertreffs und Lokale. Wir kosten das quirlige Sommer-Nachtleben von Cádiz bis tief in die Nacht hinein aus. In den kühleren Monaten geht es hier wohl ruhiger zu, aber Conchita versicherte uns, dass man in Cádiz jederzeit exzellent feiern und Spaß haben, südländisches Nightlife genießen kann, wenn man die richtigen Orte kennt.
Es war wieder einmal ein langer, erlebnisreicher und rundum gelungener Tag samt dazugehöriger Nacht. Reichlich beschwingt und in bester Laune kehrten wir vier gegen 02:30 Uhr an Bord der Yacht zurück, springen noch eben unter die Borddusche und fielen heftig gähnend wohlig müde in unsere Kojen. Binnen weniger Minuten herrschte tiefste Nachtruhe auf der Yacht.
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