#26.07.28 – Cadiz, ausgiebige Strandfreuden und interessante Gespräche
»Beach Day!«, postulierte die am Vorabend zurückgekehrte Britt mit Nachdruck. »Nach all dem Stress bestehe ich auf einen erholsamen, schönen Strandtag!«
Wir saßen gerade beim Frühstück und besprachen die Tagesplanung. Die Vorhersage versprach strahlenden Sonnenschein mit über 30 Grad und nur schwachen Wind. Ich hatte leichtsinnigerweise geäußert, dass Britt nach ihren anstrengenden Model-Tagen in Mailand das Vorschlagsrecht zustehen sollte. Wie aus der Pistole geschossen entschied sie sich für „Beachlife!“ schmunzel
»Hey, finde ich gut!«, murmelte Demo mit vollem Mund.
»Ich auch! Mal wieder Strand wäre genau das Richtige«, pflichtete Vicky bei und nippte an ihrem dunkelgrünen Obst-Gemüse-Smoothie. Sie hatte am Morgen eine gewaltige Menge davon durch den Mixer gejagt und gekühlt. Keine Ahnung, was sie darin genau püriert hatte, aber das Zeug schmeckte überraschend gesund und lecker.
»Einverstanden und genehmigt«, zwinkerte ich und nahm einen herzhaften Bissen von meinem Körnerbrot – dick mit Butter, Aioli, Avocado und köstlichem Räucherfisch belegt. Dazu gab es eingelegte Jalapeños, Oliven, Peperoni, Silberzwiebeln und gebratene Paprika. Ergänzt wurde das Ganze durch Rührei mit Speck, Zwiebeln und Kräutern. Bekanntlich schätze ich schon morgens ein kräftig-würziges Frühstück, und die Crew zieht da meistens begeistert mit. Nur »wegen der Figur« halten sich die Damen gelegentlich etwas zurück und begnügen sich mit Obst-Müsli oder Karotten und Joghurt. Nichts gegen gesunde Vitamine, aber der Start in den Tag verlangt für meinen Geschmack nach Substanz.
»Genehmigt? Du hast gar keine Wahl! Sonst setzen wir dich als Captain ab und schmeißen dich über Bord!«, lachte Britt munter, mit frech funkelnden, aber liebenswürdigen Augen. Vicky stimmte der angekündigten, möglichen Meuterei naturgemäß sofort zu.
»Oh… wenn das so ist: Darf der unterwürfige Skipper den Damen wenigstens das Gepäck tragen und die Füße küssen?«, spielte ich den Unterwürfigen, als hätte ich tatsächlich Angst vor einer Revolution an Bord. Die Schönen amüsierten sich prächtig und Demo schmunzelte stumm in seinen Drei- oder Fünftage-Bart. Dieser locker-stichelnde Umgangston mit spitzen Bemerkungen und schlagfertigem Wortwitz gehört bei uns bekanntlich zum guten Ton. Man startet schlicht besser in den Tag, wenn beim Frühstück schon gelacht wird.
»Conchita sollten wir nicht vergessen! Die kommt bestimmt sehr gern mit«, fügte Vicky richtigerweise hinzu und griff sogleich zum Telefon. Die spanische Künstlerin war sofort begeistert.
Eine knappe Stunde später trafen wir sie an einem vereinbarten Treffpunkt an der Westküste der Halbinsel von Cádiz. Conchita war mit ihrem E-Bike vorgefahren, während wir den Strandabschnitt direkt mit dem Beiboot ansteuerten. Ein unschlagbarer Vorteil: So ersparten wir uns das Schleppen von Kühltaschen, Sonnensegeln und dem üblichen Strand-Equipment über heiße Dünen.
Die Geografie der Strände ist hier fließend. Conchita erklärte uns, dass wir uns ungefähr auf der Grenze zwischen der Playa de La Cortadura und der Playa de la Victoria befanden. Im Grunde zieht sich hier ein kilometerlanger, feiner Sandstrand über die schmale Landzunge zwischen dem offenen Atlantik und der Bucht von Cádiz. Insgesamt misst dieser Küstenstreifen gut 15 Kilometer – von irgendwem künstlich in verschiedene Strandabschnitte unterteilt, aber geografisch ein zusammenhängendes Naturdenkmal. Der große Vorteil unseres gewählten Platzes: Er liegt weit genug außerhalb der dicht bebauten Hotelzonen neben der Altstadt und war entsprechend angenehm deutlich weniger voll als die Strandabschnitte direkt neben der Altstadt.
»Yuhuuu… wer als Letzter im Wasser ist, muss mich von Kopf bis Fuß mit Sonnencreme einreiben! Also der tasige Bären-Captain, wer sonst, haha!«, rief Britt und stürmte bereits los, noch bevor wir das Equipment komplett ausgeladen hatten. Bei einer Frau mit makellosen Model-Maßen eine taktisch gewagte Ansage – mancher Mann würde da vorsätzlich Trödeln. lach
Jauchzend rannten wir gleich darauf alle in die Brandung… und natürlich war ich wieder mal der Letzte, weil ich meine Sachen immer sorgsam ausziehe und zusammenlege, nicht einfach so achtlos beiseite werfe, wie die jungen Leute. Das Atlantikwasser war mit etwa 24 Grad herrlich erfrischend – genau richtig und kein mitteleuropäische »Badewanne« wie an manchen Sommertagen im Mittelmeer, wo das meer über 30° warm sein kann. Für Nordlichter wie Vicky, Britt und Demo sowieso ein Traum. Die Sonne brannte mittlerweile bei angenehmen 26 Grad Lufttemperatur sehr kräftig vom hellblauen Himmel.
Nach dem ersten Abtauchen entbrannte übergangslos eine ausgelassene Wasserschlacht – drei Frauen gegen zwei Männer. Es wurde viel gelacht und gekreischt, wenn es im Eifer des Gefechts zu den unvermeidlichen Berührungen an besonders empfindlichen Körperstellen im hüfthohen Wasser kam. Conchita war ohnehin schon ungeniert oben ohne unterwegs, was Britt und Vicky rasch nachahmten. Genau wie ich sind sie beim Baden am liebsten natürlich nackt.
Wir hatten zunächst vorsichtshalber Badesachen angezogen, weil wir die örtlichen Geflogenheiten nicht einschätzen konnten. Doch die Badegäste verteilten sich hier so weitläufig, dass natürliche Nacktheit niemanden störte. Conchita versicherte uns, dass man hier völlig entspannt sein könne, solange man sich nicht gerade textilfrei direkt neben eine traditionelle Großfamilie legt. Eine wunderbare Nachricht – ich hasse kaum etwas mehr, als in einer nassen Badehose im Sand zu sitzen.
Demo und ich zogen anschließend noch eine sportliche Runde im Kraulstil weiter raus aufs offene Meer. Wie ich es liebe, ließ ich mich draußen auf dem Rücken treiben – spielte klassisch »toter Mann«. Ich genoss es für etwa fünfzehn Minuten, die Elemente mit allen Sinnen aufzunehmen. Die Atlantikdünung und die Windwellen summierten sich auf gut einen halben Meter: ein sanftes, rhythmisches Anheben und Absinken, das einen fast wie in als Kind in der Wiege einlullt.
Über mir zog ein leichtes Schleier- und Schäfchenwolken-Muster über den hellblauen Himmel, während Seevögel majestätisch ihre Kreise zogen. Weit draußen am Horizont steuerte ein großer Massengutfrachter die Bucht von Cádiz an, und am Rande des Blickfelds kreuzten zwei Segelyachten mit schneeweißen Segeln. Das friedliche Sich-Treiben-Lassen in jenem Element, aus dem einst alles Leben entstand, hat jedes Mal etwas tief Kontemplatives für mich.
So schön es ist – man darf die Physik nicht unterschätzen. Körper und Muskulatur kühlen bei 24 Grad Wassertemperatur unbemerkt rasch aus. Wasser leitet Wärme etwa 25-mal besser als Luft. Selbst bei Temperaturen, die an Land als warm empfunden werden, verliert der Körper im Wasser kontinuierlich Energie. Nach 20 bis 40 Minuten büßen die Muskeln in Armen und Beinen spürbar an Kraft und Koordination ein. Wenn man weit draußen ist, kann der Rückweg an Land plötzlich überraschend mühsam und wenn man dabei verkrampft, sogar lebensgefährlich werden.
»Da kommt er ja, der Drückeberger!«, stichelte Britt, als ich mein tropfnasses Bärenfell schließlich wieder aus den Fluten wuchtete und über den heißen Sand marschierte. »Als Letzter im Wasser schuldest du mir noch das Eincremen!«
»Zu Befehl, Herrin. Es wird mir eine außerordentliche Ehre sein«, gab ich den unterwürfigen Massage-Sklaven. Und seien wir ehrlich: Welcher Mann würde sich nicht gern dazu bereit erklären, solch wohlgeformte, geschmeidige Formen von Top-Model-Format einzubalsamieren? zwinker
Gönnerhaft reichte sie mir die Flasche mit der Sonnenmilch. Ich trank jedoch zuerst einen großen Schluck kalten Zitronentee, gönnte mir ein Stück saftig-kühle Wassermelone und zündete mir eine Zigarette an – von der Britt mir gewohnheitsmäßig sogleich drei Züge entwendete.
»Ach, voll genial hier! Mailand war mal wieder richtig anstrengend. Wunderschöne Kulissen und gute Gagen, aber logistisch der reinste Wahnsinn«, erzählte sie.
»Viel Zeitdruck beim Shooting?«
»Total. Die letzte Session ging über volle 16 Stunden mit nur winzigen Pausen, weil die Leute bei der Organisation gebockt haben«, seufzte das erfahrene Fashion-Model. Das Leben in der Branche ist weit weniger glanzvoll, als es sich junge Mädchen in ihren Träumen ausmalen. Es ist allzu oft harte, oft unbarmherzige Fließbandarbeit.
Schließlich legte sie sich entspannt bäuchlings auf ihr Badetuch über den Kokosmatten, und ich begann gewissenhaft, ihre Rückseite einzusalben. Nebenher plauderten wir fachlich versiert über den Mailänder Fotografen – ein Mann, dessen Arbeiten ich ebenfalls sehr schätze –, das Stylisten-Team und die Tücken der Modelbranche.
»Mmmhh… das tut gut! Bitte ein bisschen mehr Massieren und nicht nur Creme verteilen. Das brauche ich jetzt wirklich«, seufzte Britt in völlig entspannter Weicher Weiblichkeit. Besonders weibliche Wesen lieben ja meist das auch sinnliche Vergnügen so quasi streichelnd massiert zu werden- Wenn man sich darauf versteht, was meine Wenigkeit wirklic gut beherrscht, ist so eine Massage naturgemäß auch eine sanft erregend-erotische Angelegenheit. Ein schöner weiblicher Körper lässt keinen Mann eiskalt – und Britt genoss die fachkundige Behandlung in vollen Zügen. Nach zwanzig Minuten unter der sengenden Sonne, reflektiert vom hellen Quarzsand, stand mir allerdings schon wieder der Schweiß auf der Stirn.
Daher gönnte ich mir sofort einen erneuten Sprung in den Atlantik, wo Conchita, Vicky und Demo mittlerweile ein Ballspiel in der Brandung veranstalteten. Nach einem tiefen Tauchgang schaltete ich mich erfrischt ein. Britt zog sich derweil unter das aufgespannte Sonnensegel zurück. Später krochen wir alle in den Schatten, um bei der sanften Meeresbrise ganz geruhsam zu faulenzen. Ich nickte prompt für ein kurzes Strand-Nickerchen ein – gibt es etwas Besseres?
Zum Mittagessen trennten wir uns auf, um das Equipment und das Beiboot am Strand nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Zuerst gingen sich Britt, Demo und Conchita verköstigen; als Britt und Demo zurückkehrten, machten sich Vicky und ich auf den Weg. Conchita war im Lokal auf Bekannte getroffen und verweilte dort noch zum Plausch.
»Okay, ein bisschen überteuert sind sie schon, aber insgesamt besser als gedacht. Oder was meinst du?«, fragte Vicky, während wir speisten und das Strandlokal ins Visier nahmen. Sie weiß natürlich, dass ich die Gastronomie im Blog gern etwas genauer auf den Prüfstand stelle.
»Ja, kann man so durchgehen lassen. Vielleicht eine 4,1 oder 4,2«, stimmte ich kauend zu.
Entgegen mancher Rezensionen im Netz war unsere Bedienung ausgesprochen aufmerksam und flott. Das Essen schmeckte besser als erwartet und die Location hat eine wirklich gemütliche Atmosphäre. So ein überwiegend aus Holz gebautes Chiringuito direkt am Atlantik zu unterhalten, ist allerdings kein billiges Vergnügen. Im Herbst und Winter schlagen die Stürme hier manchmal gnadenlos zu und zerlegen die Infrastruktur regelmäßig. Ihr Geld müssen die Betreiber folglich vor allem in der Sommer-Saison verdienen und die Preise entsprechend ansetzen. Geöffnet haben sie derzeit täglich von 12 bis 23 Uhr.
Eine kurze Nachfrage bei Conchita, die sich mit einem Erfrischungsdrink zu uns gesellte, sowie ein schneller Blick in die Fakten bestätigten meine Vermutung: Die Preise in der Hauptsaison beim Nahu Beach – wie bei den meisten besseren Strandbars an der Costa de la Luz – wirken auf den ersten Blick gehoben, besonders im Vergleich zu Gasthäusern im geschützten Landesinneren. Aber die Standort- und Betriebskosten erklären das schnell.
Holzbau an der Küste ist extrem anfällig. Die permanente Feuchtigkeit, die salzige Luft, der Flugsand und vor allem die fiesen Levante-Stürme, setzen der Konstruktion massiv zu. Das Holz verzieht sich und die Verankerungen im Dünensand müssen ständig nachgearbeitet werden. Nach heftigen Winterstürmen stehen oft komplexe Reparaturen oder gar Teil-Neubauten an. Rechnet man die hohen Konzessionsgebühren für die Strandnutzung, Versicherungen und das Saisonpersonal hinzu, relativiert sich die Marge recht schnell.
»Wundere dich nicht, Conchita, das ist typisch Steve. Der denkt immer zwei Schritte weiter als andere und will es genau wissen«, amüsierte sich Vicky über meine Smartphone-Recherchen.
»Find ich gut«, lächelte die rassige Künstlerin und schenkte mir einen Blick mit eindeutig anerkennendem, sehr fraulichem Interesse. »Durchschnittstypen, die nicht über die eigene Nasenspitze hinausdenken, gibt es schließlich genug. Die sind einfach langweilig.«
»Stimmt – aber sag ihm das bloß nicht zu laut, sonst wird er noch eingebildet!«, lachte Vicky.
»Ich und eingebildet?«, grinste ich amüsiert.
Es ist erfrischend, wenn schöne Frauen nicht nur gut aussehen, sondern auch einen wachen Verstand mitbringen. Das ist für mich der feine Unterschied zwischen einer oberflächlichen Erscheinung und einer Frau mit echter Klasse und Intelligenz. Mit Menschen, die sich ausschließlich über Klamotten, Partys, Shopping oder ihr reines Äußeres definieren, konnte ich noch nie viel anfangen – egal ob männlich oder weiblich.
Ich schätze tiefschürfende, anregende Gespräche genauso wie unseren gewohnten, locker-frechen Wortwitz. Das hat nichts mit Snobismus zu tun, sondern ist schlicht eine Frage des Formats: Selbstbewusste, kluge Köpfe schätzen schlagfertige Sticheleien, haben Spaß am Diskutieren und können parieren. Leute, die jeden Scherz gleich persönlich nehmen und sofort eingeschnappt reagieren, sind am Ende einfach nur anstrengend und verraten damit ihre innere Unsicherheit.
Vicky verabschiedete sich nach dem Essen und schlenderte zurück zu unserem Strandplatz für ein wohlverdientes Nickerchen. Conchita und ich blieben noch auf der schattigen Terrasse sitzen, bestellten einen Café con hielo und ließen den Blick entspannt über das bunte Treiben am Strand schweifen. Ein paar Kinder bauten im feinen Sand emsig an ihren Burgen, während die Meeresbrise die Sommerhitze erträglich hielt. Ein paar sehenswerte Bikinischönheiten gab es auch – und die schaut sich ein Mann doch immer gern an.
Conchita zog einen kleinen Ringblock aus ihrer Umhängetasche und begann konzentriert, in geschwungener Handschrift einige Zeilen auf Spanisch zu notieren.
»Was schreibst du denn da Schönes?«, fragte ich neugierig.
»Meditative Lyrik. Gedichte der Präsenz«, antwortete sie, blickte auf und sah mich aus ihren kohleschwarzen Augen ausdrucksstark an. In diesem Blick lag jene ungenierte, rassige Selbstverständlichkeit, die man an klugen Künstlerinnen so schätzt – eine direkte, unverstellte Intensität. Es knisterte unaufdringlich, aber spürbar zwischen uns; eine charmante, südliche Mischung aus Intellekt und unverbindlicher Flirtlust.
»Und was hast du da aufgeschrieben – wenn es kein intimes Geheimnis ist?«, zwinkerte ich.
Sie lächelte leise und zitierte mit ihrer klangvollen, melodischen Stimme:
»Cerrar los ojos y volver aquí, soltando los pensamientos, palpando la brisa del mar, sintiendo cada partícula de mi yo presente, descubriéndome feliz.«
»Klingt sehr schön«, schmunzelte ich, »aber jetzt bitte noch einmal für den doofen Alemán: Was genau bedeutet das?«
Da sie genauso wenig Deutsch spricht wie ich Spanisch, half das Smartphone bei den Feinheiten, um eine passende Übersetzung zu finden. Schließlich kam auf Deutsch Folgendes dabei heraus:
»Die Augen schließen und hierher zurückkehren, die Gedanken loslassen, die Brise des Meeres ertasten, jedes Partikel meines gegenwärtigen Ichs spüren, mich selbst als glücklich entdecken.«
Conchita sah mich aufmerksam an, ihr Blick forschend und ernsthaft. »Wie findest du es?«
»Ein wirklich schöner Text«, antwortete ich ehrlich, »auch wenn du von mir keine tiefere literaturkritische Abhandlung erwarten darfst. Unter 'Präsenzlyrik' kann ich mir erst einmal wenig vorstellen; Gedichte sind eigentlich nicht so mein Ding.«
»Dummkopf«, zwinkerte sie leise lächelnd. »Ich frage dich doch nicht als Literaturkritiker. Sondern als Mann mit Niveau, der selbst viel schreibt.«
»Nun… ich finde die Zeilen gut formuliert, klar und sehr passend zu dir als gebildeter Künstlerin. Schreibst du so etwas öfter neben der Malerei?«
»Seit meiner Jugend fast täglich«, nickte sie. »Es ist fast wie ein poetisches Tagebuch. Ich mag es, mich so auszudrücken – das hat mehr Seele als ein prosaischer Bericht und sagt am Ende viel über mein Inneres aus. Findest du nicht?«
Es war offensichtlich, dass ihr diese Notizen ähnlich viel bedeuteten, wie ihre Malerei. Es war ihr lyrisches Skizzenbuch, stilistisch schlicht und ohne künstliche Schnörkel, aber voller Gefühl.
»Estoy de acuerdo. Tienes razón«, erwiderte ich lächelnd auf Spanisch, mit Hilfe einer weiteren Übersetzung im Smartphone, durchaus etwas fasziniert von dieser sympathischen, vielschichtigen Spanierin. »Ja, es verrät tatsächlich eine Menge über dich als Person und Frau… und das scheint dir wichtig zu sein.«
»Ist es nicht für jeden Künstler wichtig, wie das, was man erschafft, auf andere wirkt? Was genau bedeutet dir deine Schreiberei?«, antwortete die Schöne mit hintergründigem Lächeln.
Ich zündete mir gelassen eine Zigarette an, trank den letzten Schluck des abgekühlten Kaffees und winkte der freundlichen Senorita vom Service zu, um frische, eiskalte Drinks zum Nachspülen zu bestellen. Das verschaffte mir ein paar geschätzte Sekunden Bedenkzeit für eine möglichst präzise Erklärung.
»Nun, was meine Schreiberei im Blog betrifft, verhält es sich folgendermaßen, Conchita: Ich schreibe schlichtweg unheimlich gern. Es hilft mir dabei, meine eigenen Beobachtungen im Leben zu sortieren, Erlebtes zu verarbeiten und gedanklich zu reflektieren. Was andere – insbesondere mir wildfremde Menschen – davon halten, ist mir ehrlich gesagt weitgehend gleichgültig. Schließlich wird niemand gezwungen, meine Ergüsse zu lesen. Es ist natürlich keineswegs unerfreulich, wenn dem einen oder anderen Leser meine Texte gefallen. Aber so merkwürdig das klingen mag: Es ist mir fast ein wenig unangenehm, wenn ich für das, was ich tue oder verfasse, gelobt werde. Ich hatte noch nie das Bedürfnis, mir durch mein Tun externe Anerkennung oder gar Bewunderung zu verschaffen, um meinem Ego zu schmeicheln.«
Ich dozierte vermutlich wieder einmal eine Spur zu ausführlich, wie es nun mal meine unverbesserliche Art ist, wenn man mich auf tiefere Themen ansetzt. Conchita hörte mir jedoch aufmerksam zu, strich sich eine dunkle Haarsträhne aus der Stirn, überlegte einen Moment und meinte schließlich mit nachdenklichem Unterton:
»Oh, das ist… wirklich faszinierend. Wenn du tatsächlich so denkst und handelst, macht dich das nur noch interessanter, als du ohnehin schon bist.«
Sie schenkte mir dabei erneut einen dieser tiefen, kohleschwarzen Blicke, bei denen man als Mann eine kleine, angenehm kribbelnde Gänsehaut spürt.
»›Noch interessanter, als ich ohnehin schon bin‹ – soso, hoho!«, schmunzelte ich spürbar amüsiert über dieses unverblümte Kompliment.
»Haha! Jetzt aber schnell ablenken und ganz rasch das Thema wechseln!«, lachte sie plötzlich glucksend und heiter los. Es war die herrlich typische Reaktion einer selbstbewussten Frau, die spürt, dass sie sich gerade ein klein wenig zu weit vorgewagt und vielleicht etwas zu viel echtes Interesse offenbart hat.
»Ganz wie Senorita wünschen… welches neue Thema schlägst du vor?«, parierte ich schlagfertig.
»Grins bloß nicht so genüsslich vor dich hin, du… du Gentleman-Gauner!«
»Zu Befehl, Donna Conchita. Darf der bescheidene Skipper überhaupt noch atmen?«, grinste ich nun breit und mit genussvoller, männlicher Gelassenheit.
»Ahaha… darfst du. Aber nur, wenn du brav und aufmerksam bleibst!«, flirtete sie nun vollkommen ungeniert und mit unübersehbarem Vergnügen an dem kleinen Wortgefecht weiter.
In dieser herrlich leichten Art plauderten und scherzten wir noch eine ganze Weile über die unterschiedlichsten Dinge – allen voran über ihre künstlerischen Visionen, die Tücken der Ölmalerei und das Leben im Süden –, bis wir die neu servierten Erfrischungsdrinks bis auf den letzten Eiswürfel geleert hatten.
Anschließend traten wir bei mittlerweile drückenden ca. 35 Grad Hitze – vom hellen Quarzsand noch wie durch einen Hohlspiegel reflektiert und verstärkt – den kurzen Rückweg zu unserem schattigen Lagerplatz an. Ich marschierte ohne Umwege direkt weiter in die kühlenden Atlantikfluten, tauchte mehrmals tief unter, um die Hitze aus dem Kopf zu spülen, und legte mich danach tropfnass auf mein Tuch im Schatten des Sonnensegels. Die übrige Crew faulenzte dort ebenfalls vor sich hin oder schlummerte richtig. Herrlich entspanntes Dösen am Strand in reizvoller Umgebung, wobei man gar nicht gezielt an etwas denkt, sondern einfach nur das Dasein an sich genießt.
Den Rest des Nachmittags ließen wir denkbar ruhig angehen. Da dieser Blogeintrag ohnehin schon wieder ordentlich Umfang angenommen hat, mache ich es zum Finale kurz: Wir genossen schlichtweg einen klassischen, rundum gelungenen Strandtag. Es wurde noch mehrmals ausgiebig im kühlenden Atlantik geplantscht, in der schwachen Brandung herumgealbert und für die Fitness noch die eine oder andere sportliche Distanz gekrault.
Und ein paar sehr sexy Schnappschüsse produzierten wir auch. Das Benötigen die Schönen ständig für ihre SM-Accounts mit vielen Followern, wie es heutzutage die meisten jungen Menschen machen. Für mich als leidenschaftlichen Fotografen weiblicher Schönheit und lockendem Sexappeal, ist das selbstverständlich auch immer ein großes Vergnügen. Insbesondere mit drei so toll gebauten Schönen von Model Format, die zudem auch noch künstlerisch interessiert und außergewöhnlich interessante, sympathische Menschen mit Persönlichkeit sind.
Den Sonnenuntergang – am Meer naturgemäß jedes Mal ein besonders farbenprächtiges, fast schon kitschig-schönes, romantisches Spektakel – verfolgten wir von der Terrasse der Strandbar aus. Bei einem guten Glas Wein, dem einen oder anderen Cocktail und für Demo mehreren eiskalten Cervezas, ließen wir den Tag entspannt ausklingen.
In der einsetzenden Abenddämmerung hieß es schließlich Aufbruch. Da wir vier von der Bordcrew mit dem Beiboot direkt am Strand angelegt hatten, verabschiedeten wir uns vor Ort von Conchita. Ihre Verabschiedung samt südländischen Bussis auf die Wangen fiel allerdings alles andere als unverbindlich aus – sie geriet eher ungewöhnlich erotisch, in typisch verlockender Fraulichkeit. schmunzel
Zurück an Bord der ankernden »Vikarelia« spülten wir uns unter der Decksdusche Salz, Sand und Schweiß von der Haut und beratschlagten kurz, ob wir noch einmal in die Stadt aufbrechen sollten. Doch da wir die vergangenen Nächte mehrmals gemeinsam mit Conchita und ihrer Künstlerclique ausgiebig das hiesige Nachtleben zelebriert hatten, siegte die Vernunft: Heute war entspannende Erholung angesagt.
Jeder widmete sich den eigenen Aufgaben oder Vorlieben. Die Schönen kümmerten sich um die Pflege ihrer Social-Media-Kanäle und das Hochladen frischer Impressionen in meist ziemlich sexy Pics, während ich mich um meine üblichen Online-Routinen kümmerte: E-Mails beantworten, Kapitalanlagen prüfen und die aktuellen Business-News scannen. Das übliche Pensum von ein bis zwei Stunden täglich, das nun mal notwendig ist, um sich mein angenehmes Leben zu finanzieren.
Vicky, die gewissenhaft die Bordkasse führt, zog ebenfalls Bilanz. Trotz des kostspieligen Refits in Portimão, sieht die Schiffsfinanzierung momentan erfreulich solide aus. Durch den Verkauf von Vickys Kohlezeichnungen an der Algarve, zwei ihrer künstlerischen Live-Performances, sowie Britts Gage vom Mailänder Model-Job ist die Kasse bestens gefüllt. Die Beträge, die ich aus meiner Privatkasse vorgeschossen hatte, wurden mir bereits sauber zurücküberwiesen. Die Crew steht bei mir also mit keinem Cent in der Kreide.
Manch neuer Leser vergisst es vielleicht: Ich bin nicht der Eigner der »Vikarelia«. Das Schiff gehört zu fast gleichen Teilen Vicky und Demo. Britt fährt mit fairen Beiträgen als Mitseglerin mit, während ich mich in der Rolle des temporär beratenden Freundes und Skippers befinde. Mein Job ist es, der jungen Crew das nötige Rüstzeug für die ganz große Fahrt mitzugeben, bevor sie den Atlantik in Richtung Karibik überqueren.
Wenn es meine Zeit erlaubt, werde ich sie bei diesem Törn gern begleiten – es wäre meine vierte oder fünfte Ozeanüberquerung. Genau weiß ich es ehrlich gesagt gar nicht mehr, da ich wie bei den Seemeilen auf meinem Buckel schon lange aufgehört habe, mitzuzählen. Es ist nicht sicher, ob ich das mitmachen kann, dass hängt von einigen, vor allem geschäftlichen Entwicklungen bei mir ab, die ich nur begrenzt beeinflussen kann.
Vicky und ich genossen danach noch ein wunderbar sinnliches Liebesspiel in der Achterkajüte, Britt und Demo machten vorn in ihrer Bugkabine unüberhörbar das Gleiche, bevor wir erneut frisch geduscht gegen 22:45 Uhr für unsere Verhältnisse ungewohnt früh in die Kojen sanken. So endete weiterer, rundum gelungener Tag an den Atlantikküsten Andalusiens und ging sozusagen mit einem Lächeln auf den Lippen zu Ende.
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