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Spanien. Coruna, Törn zur Enseada de Langosteira

 

#26.09.15 – Spanien. Coruna, Törn zur Enseada de Langosteira

Gestern machten wir noch Sightseeing in A Coruña, gingen delikat zu Mittag essen, gönnten uns leckeres Speiseeis am Nachmittag und hatten einfach Spaß beim Umschauen in dieser galizischen Küstenstadt. Am Abend nahmen wir nur einen leichten Imbiss und gingen früh schlafen, um am Folgetag schon früh gegen 06:00 Uhr auszulaufen und weiter nach Süden zu segeln. Die Windbedingungen sind derzeit ideal dafür: Es weht aus nördlichen Richtungen mit 12 bis 20 Knoten, in Böen noch deutlich darüber.

»Schade, dass wir nur so kurz hierbleiben können«, meinte Bella, und dem stimmten wir alle zu.

»Ja, es würde sich lohnen, diese Gegend mal länger zu besuchen. Aber wir haben schon Mitte September und sehr günstige Winde – das sollten wir ausnutzen«, lächelte und erklärte ich, was die Crew eigentlich schon wusste.

»Hättet ihr in Vlissingen nicht wochenlang mit euren Ausrüstungsorgien herumgetrödelt, hätten wir schon früher hier ankommen können«, stichelte Kasha frech wie immer und streckte mir blitzschnell ausweichend die Zunge heraus, als ich ihr dafür einen Klaps aufs knackige Hinterteil geben wollte. »Zuuuu langsam, hahaha, du tapsiger Bär, ätsch!«

»Pass bloß auf, dass ich dich nicht in diesen schönen Brunnen da schmeiße und wie eine Katze ersäufe, hoho!«, wollte ich eigentlich drohend gucken, musste aber unvermeidlich mit ihr lachen.



 

Es waren eher Wasserspiele mit zwei bronzenen Surfer-Statuen im oberen Becken. Die ganze Küste bis Portugal ist weltweit bei Surfern berühmt und beliebt, mit angesehenen Surfing-Wettbewerben für Sportler auf internationaler Tour. Die Bronzestatuen Fuente de los Surfistas an der Ensenada del Orzán stehen dort nicht ohne Grund: Galicien gehört dank seiner exponierten Atlantiklage und verlässlichen Swells zu den besten Surfregionen Europas.

Die bekanntesten Surfspots und Events sind:

  • Pantín (Valdoviño / Ferrolterra): Das unbestrittene Mekka der galicischen Surfszene. Hier steigt Ende August mit dem Pantín Classic Galicia Pro ein traditionsreiches Qualifikationsturnier der World Surf League (WSL), das seit den 1980er-Jahren die Weltelite anlockt.
  • A Coruña (Praia do Matadoiro & Orzán): Direkt vor der Promenade mit der erwähnten Bronze-Skulptur liegt dieser Stadt-Surfspot, der besonders bei Nordwest-Swell verlässliche Wellen mitten in der City bietet.
  • Razo (Carballo): Der kilometerlange Sandstrand bildet das Tor zur Costa da Morte. Er gilt als einer der konstantesten Anfänger- und Fortgeschrittenen-Spots der Region mit zahlreichen Surfcamps.
  • Doniños (Ferrol): Ein extrem beliebter Beachbreak mit kraftvollen Wellen, der das ganze Jahr über von Einheimischen und Reisenden angesteuert wird.
  • Nemiña (Muxía): Wunderschön gelegene Bucht an der Costa da Morte unweit von Fisterra, die oft noch gute Wellen liefert, wenn es an anderen Stränden bereits zu windig ist.

Bis zu den schönen und gut geschützten Ankerbuchten im Bereich um die Enseada de Langosteira an der Costa da Morte sind es knapp 70 Seemeilen bei dieser Wetterlage mit überwiegend gutem Segelwind von Steuerbord-achteraus. Dabei sollten wir einen flotten Schnitt von um die 7 Knoten halten können, also rund 10 Stunden Segelzeit und eine Ankunft noch bei gutem Tageslicht – derzeit haben wir hier um 20:43 Uhr Sonnenuntergang.

Unser Ziel sind die malerischen Buchten um eine größere, offene Meeresbucht – der gesamten Einbuchtung südlich von Cabo de la Nave um die Fisterra-Halbinsel herum mit verschiedenen kleineren Buchten. Diese trägt keinen eigenen, gängigen Eigennamen, sondern wird einfach als Teil der Costa da Morte bzw. des Küstenabschnitts um Cabo Fisterra / Cabo de la Nave beschrieben. Die einzelnen kleineren Buchten und Strände haben ihre eigenen Namen wie Langosteira, Mar de Fóra, O Rostro usw.

Es war ein schöner Segeltörn, wobei unsere schwere, altmodisch aber hervorragend gebaute Globetrotter so richtig in Fahrt kam und in Böen zeitweise mit fast 9 Knoten durch die Wellen schnitt. Das macht Seglern natürlich große Freude! Hier die statistische Zusammenfassung:

  • Gesamtdauer: 9 Stunden, 42 Minuten
  • Durchschnittliche Geschwindigkeit über Grund (SOG): 6,9 kn
  • Maximale Geschwindigkeit über Grund (SOG): 8,7 kn
  • Minimale Geschwindigkeit über Grund (SOG): 5,3 kn

Verteilung nach Windwinkeln (TWA – True Wind Angle)

Anhand des wahren Windwinkels (TWA) lässt sich die Segelreise in deutliche Abschnitte gliedern:

  • Raumwind- bis Vorwindkurs (TWA 101° – 150°): Sehr zügige Fahrt, SOG meist im Bereich 7,0 bis 8,7 kn. Höchstgeschwindigkeit der Fahrt bei TWA 143°.
  • Fast platt vor dem Wind (TWA 160° – 178°): Geschwindigkeit fällt spürbar ab auf ca. 5,3 – 6,6 kn – ein typischer Geschwindigkeitsverlust auf tieferen Vorwindkursen.
  • Kreuz- / Am-Wind-Abschnitt / Kurswechsel (TWA 21° – 79°): Markante Kursänderung nach ca. 9 Stunden Fahrt. TWA fällt schlagartig auf 79°, danach auf 21°–22° (Am-Wind-Kurs / Wende ausgeführt). Dieses letzte Stück motorten wir überwiegend, um von Süden nach Norden in die Bucht einzulaufen und nicht noch zu kreuzen, was sich einfach nicht gelohnt hätte. Außerdem gibt es dort ein paar zu beachtende, potenziell gefährliche Untiefen – da geht man lieber kein Risiko ein.

Wir kamen bei noch auflaufender Flut an (Tidenzeiten: Niedrigwasser/Ebbe um 13:12 Uhr bei ca. -0,1 m, Hochwasser/Flut um 19:26 Uhr bei ca. +2,5 m).




 

Hier eine kurze Zusammenfassung über diese landschaftlich sehr schöne Region mit malerischen Buchten, Traumstränden und kleinen, eher dörflichen Siedlungen:

  • Das »Ende der Welt«: Schon in der Antike galt Cabo Fisterra (Cabo Finisterre) als Finis Terrae – das Ende der bekannten Erde. Die Römer beschrieben den Ort als den Punkt, an dem die Sonne jeden Abend im »dunklen Meer« (Mare Tenebrosum) versinkt. Vor ihnen verehrten die keltischen Nerier hier den Sonnenkult. Überliefert ist der legendäre Ara Solis (Sonnenaltar), der auf dem Monte Facho gestanden haben soll. Die christliche Tradition knüpft daran an: Der Apostel Jakobus soll den heidnischen Altar zerstört haben.
  • Camino-Verlängerung: Viele Jakobsweg-Pilger gehen nach Santiago de Compostela noch weiter bis hierher (ca. 90 km). Fisterra gilt für sie als der eigentliche, symbolische Endpunkt. Früher verbrannten sie hier Kleidung oder Schuhe (was heute weitgehend verboten ist), badeten und schauten dem Sonnenuntergang hinterher – ein alter Reinigungs- und Abschlussritus.
  • Costa da Morte: Der Küstenabschnitt heißt nicht ohne Grund »Todesküste«. Die Kombination aus steilen Felsen, starken Atlantikströmungen, Nebel und Stürmen hat über die Jahrhunderte ungewöhnlich viele Schiffsunglücke gefordert. Besonders bekannt ist der Untergang des britischen Kreuzers HMS Serpent 1890 (nur 3 von 176 Mann überlebten). Auch der Öltanker Prestige strandete 2002 in der weiteren Region und löste eine der größten Umweltkatastrophen Spaniens aus.
  • Lokale Mythen: Dazu kommen Geschichten von einer versunkenen Stadt (Dugium), heiligen Steinen und Fruchtbarkeitsriten. Der Ort hat also eine lange Schicht aus vorchristlichem Sonnenkult, römischer Grenzsymbolik, christlicher Pilgertradition und realer Seefahrertragik. Die Region ist also nicht nur landschaftlich eindrucksvoll, sondern auch ein klassischer »Grenzort« – geografisch, spirituell und historisch, eingebettet in eine faszinierende, zerklüftete Küste.

»Klarmachen zum Ankern!«, kommandierte Kasha beim Einlaufen in unsere Ankerbucht als aktuell Wachhabende. Ich stand neben bzw. hinter ihr und passte auf, dass sie das Manöver auch richtig fuhr, denn sie hat ja noch wenig Erfahrung. Aber sie machte alles richtig, nahm rechtzeitig Gas weg, ließ das Boot auslaufen und fügte im passenden Moment hinzu: »Fallen Anker…, alles richtig gemacht, hihi?«

»Gut gemacht, Frechdachs!«, lobte und drückte ich die Süße, wobei sie – ganz typisch für sie – ihre entzückenden Formen extra ein bisschen provokant an meine Bärenstatur schmiegte und kokett mit funkelnden Augen lächelte. »Aber vergisst du nicht was?«

»Was…? Ach so, ja, hihi…«, wartete sie, bis ungefähr 35 Meter Kette klackernd ausgerauscht waren, gab erst leicht Gas zurück, um diese zu straffen, und dann ein paar Sekunden »Voll zurück«, um den 45-kg-Ultra-Marine-Anker ordentlich im Sandgrund einzugraben.

Durch das glasklare Meerwasser konnten wir das in knapp 5 Metern Tiefe kontrollierend beobachten. Sascha setzte am Bug den massiven Mantus-Bridle auf die Kette – zwei dicke, viele Tonnen Zug aushaltende Kunstfaserleinen, welche sowohl als Ruckdämpfer als auch dazu dienen, den Zug der Kette vom Ankerspill auf ebenfalls sehr massive Poller umzuleiten. Auch bei ruhiger, schöner Wetterlage machen das Profis und erfahrene Fahrtensegler immer. Der Zug der Ankerkette sollte niemals auf dem Bug-Ankergeschirr und der Ankerwinsch lasten, das ist wichtig! An solchen Dingen kann man sofort erkennen, ob sich auf einem Boot Anfänger, Chartersegler und Unerfahrene oder echte, erfahrene Seebären befinden.

»Melde gehorsamst: Ankermanöver beendet, Captain!«, zwinkerte Kasha und wir machten uns daran das Deck aufzuklaren, wie es sich nach einem Törn ebenfalls gehört.

»Gute Arbeit, Kadett Kasha, wegtreten!«, grinste ich zurück.

Nachdem das erledigt war, machten wir uns unter Deck frisch geduscht fertig zum Ausgehen, um Einlaufdrinks zu nehmen und köstliche spanische Küche zu genießen. Kasha benutzte mal wieder unser Bad in der Achterkabine, weil Bella und ich bereits fertig waren, während Sascha im kleineren Bug-Bad die Duschkabine blockierte. Er duscht einfach zu gern ausgiebig, wenn kein Wassermangel herrscht, und zu zweit wäre es dort wie in einer Sardinenbüchse.

Das verschaffte mir eine Gelegenheit, ihre gertenschlanke, entzückende Nacktheit in voller Pracht mit den Augen zu genießen. Prompt – wie könnte es bei ihr auch anders sein – quittierte sie das mit einem süß-frechen, leicht herausfordernden Lächeln und extra provokanten Bewegungen, sodass meinen Augen auch ja nichts von all ihren verlockenden Reizen entging.

»Da guckste, was?! Willst du mir beim Einseifen helfen, haha?«

»Ein verlockendes Angebot!«, schmunzelte ich, wie immer amüsiert über ihre Frechheiten. »Aber wie ich dich kenne, bleibt es nicht beim Einseifen, hoho. Hopp, Kasha, mach dich fertig – dein ehrenwerter Skipper hat Hunger!«

Zum Speisen wählten wir das Complejo turistico El Merendero, eine private Hotelpension mit angeschlossenem Restaurant und schöner Aussicht auf die Bucht (Adresse: Rúa Alvariña, 2, 15153 Fisterra). Es gibt auch eine hübsche Außenterrasse, auf der wir bei noch angenehmen 23 Grad Platz nahmen.

 

Das Personal und unsere Bedienung Ainoa waren ausgesprochen freundlich, und nach einigem Hin und Her entschieden wir uns auf ihren Rat für eine gemischte Meeresfrüchte-Platte mit diversen Beilagen für vier Personen, dazu passenden Wein und Mineralwasser. Serviert wurde dann nicht nur eine, sondern offenbar zwei sehr üppige 2-Personen-Platten plus der lokalen Variante von Djuvec-Reis, Pommes, Salaten usw. Schon der Anblick brachte uns zum Stöhnen, denn die Menge hätte locker für sechs oder sogar sieben hungrige Pilger nach langem Fußmarsch ausgereicht.

»Oh Gott, ich glaube, davon schaffen wir vielleicht die Hälfte, wenn wir nicht vollgefressen platzen wollen, haha!«, lachte Bella.

Die schlanken Frauen achten ja ohnehin immer mehr auf ihre Figur als zwei so kräftige, gute Esser wie Sascha und ich. Aber selbst wenn wir vier hungrige Schwerarbeiter gewesen wären, hätten wir diese Mengen kaum geschafft. Und das Ganze einschließlich Getränke für unter 100 Euro für vier Personen, was ich mit Trinkgeld auf 110 Euro aufrundete – da kann man in der heutigen Zeit wirklich nicht meckern! Lokal und Pension haben im Schnitt eine Bewertung von 4,2 auf Google, wobei sich die Bewertungen der eher einfachen Pension und des Restaurants jedoch vermischen. Wenn die Speisen immer so üppig und delikat sind, würde das Restaurant eher eine 4,4 oder 4,5 verdienen.

 

»Uff, ich kann nicht mehr!«, stöhnte auch Sascha, als wir ungefähr zwei Drittel aufgegessen hatten und sich auch die Frauen mehr genommen hatten, als für reines Hungerstillen notwendig gewesen wäre.

Arg vollgefressen wollten wir natürlich nicht gleich in die Kojen, also spazierten wir noch ausgiebig in der nächtlichen, romantischen Dunkelheit herum. Glücklicherweise hatten wir kleine, aber leuchtstarke Taschenlampen mitgenommen, sodass wir auch über nicht beleuchtete Wege laufen konnten. In einem so kleinen Küstendorf mit grob geschätzt höchstens ein paar hundert Einwohnern gibt es natürlich viele nicht gut oder gar nicht mit Straßenlaternen ausgeleuchtete Wege.

»Aua, ich glaub, mich hat was in den Po gebissen, hihi!«, kicherte Kasha nach etwa einer Stunde.

»Jau… meine zärtlichen Finger, hehe.« Gluckste Sascha.

»Duuuu… haha!«, lachte der Frechdachs, und die beiden begannen sich so innig, leidenschaftlich und verlangend zu küssen, dass Bella und ich schon mal weiterliefen.

»Ich glaube, haha, die stecken inzwischen irgendwo im Gebüsch oder hinter einer Mauer und treiben es miteinander«, lachte Bella, als wir sie schließlich aus den Augen verloren.

»Na, dann sag ich nur: Viel Spaß! Und ich denke, du hast recht, hoho«, schmunzelte ich, während wir etwa eine Dreiviertelstunde weiter spazierten.


 

Am Platz, wo wir das Dinghy am Ufer festgemacht hatten, warteten wir auf die zwei. Inzwischen waren wir rund zwei Stunden umhermarschiert, es war bereits Mitternacht, und wir waren vom langen Segeltag und dem köstlichen Essen richtig müde. Vielleicht eine Viertelstunde später tauchten auch die beiden auf, und natürlich wurden viele scherzhafte Bemerkungen und Sticheleien darüber ausgetauscht, wo sie abgeblieben waren und was sie gemacht hatten. lach

Zurück an Bord rauchte ich an Deck noch eine letzte Zigarette, während sich die anderen schon in den Bädern bettfertig machten. Das erledigte ich dann auch, und kurz darauf herrschte an Bord tiefe Schlafensstille. Der Schwell in der bei Nordwinden perfekt geschützten Bucht war sehr gering; aber so ein Boot schaukelt fast immer ein wenig, was man jedoch eher als angenehmes In-den-Schlaf-Wiegen empfindet. In bequemer Schlaf- und klassischer »Löffelchen-Lage« aneinander gekuschelt schlummerten wir sehr schnell hinüber ins Reich der Träume.

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