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Törn nach Vigo, Tapas-Gourmets & eine bezaubernde Fahrtenseglerin

 

#26.09.17 – Törn nach Vigo, Tapas-Gourmets & eine bezaubernde Fahrtenseglerin

»Schaut euch den Verrückten an, haha!«, lachte Bella, als ich am Morgen direkt von Deck ins nur 16 Grad kühle Meer springen wollte und gleich darauf einen eleganten Kopfsprung hinlegte.

Sascha weigerte sich strikt, mir zu folgen. Er ist zwar ein kräftiger, sportlicher und sehr fitter Typ, aber auch ein klassischer »Warmduscher«, der kaltes Badewasser gar nicht mag. Kasha und Bella zögerten dagegen nur kurz, dann sprangen sie mir hinterher und plantschten kreischend zwei Runden um die ankernde Yacht. Um ehrlich zu sein, mag ich so kühles Meerwasser auch nicht wirklich – aber es ist herrlich erfrischend und macht einen auf einen Schlag putzmunter.

 

Unter anderem deshalb segelten wir auch gleich nach dem Frühstück weiter Richtung Süden, um im Frühherbst in wärmere Gefilde zu kommen. Ansonsten hatten wir es nicht eilig: Überall an der iberischen Westküste gäbe es Buchten und Städte, die es wert wären, ausführlicher besucht und erkundet zu werden. Doch zu dieser Jahreszeit – immerhin schon Mitte September – möchte man doch gerne weiter nach Süden vorankommen.

Laut Vorhersage sollte es ein überwiegend sonniger Tag mit günstigem Segelwind und bis zu 23 Grad werden. Wir könnten auch an einem Stück mehrere Tage durchsegeln, wollten jedoch vorerst nur Tagestörns machen und quasi von Bucht zu Bucht hüpfen. So können wir nachts alle geruhsam pennen und kommen trotzdem ausreichend flott voran.

Heute segelten wir 51 Seemeilen bis Vigo, wofür wir bei den herrschenden Winden 9,5 Stunden benötigten. Derzeit geht hier die Sonne um 08:15 Uhr auf und um 20:42 Uhr unter; somit gibt es über 12 Stunden Tageslicht. Wir gingen schon vor 08:00 Uhr Anker auf, liefen aus und kamen vor 18:00 Uhr an. So haben wir abends auch immer die Möglichkeit zum Aus- und Essengehen, können köstlich schlemmen und Spaß haben.

Vigo ist eine Stadt an der Nordwestküste Spaniens mit rund 294.500 Einwohnern und damit die größte Stadt in der spanischen Region Galicien. Die Mündung der Meeresbucht Ría de Vigo wird durch die Inselgruppe Illas Cíes geschützt, die Teil des Nationalparks Islas Atlánticas de Galicia ist. Die Illas Cíes sind auch bekannt für ihre reiche Vogelwelt und den halbmondförmigen Strand von Rodas, der zwei der Inseln miteinander verbindet. In der Altstadt steht die neoklassizistische Kirche Concatedral de Santa María, während in der Ausgrabungsstätte Castro de Vigo antike Siedlungen rekonstruiert sind.


 

Übrigens: Der Hafen von Vigo spielt in Wolfgang Petersens Filmklassiker »Das Boot« von 1981 eine wichtige und atmosphärisch dichte Rolle. Nachdem die Besatzung von U 96 den Befehl erhält, ins Mittelmeer durchzubrechen, läuft das U-Boot mitten in der Nacht den Hafen von Vigo an. Spanien war im Zweiten Weltkrieg offiziell neutral, doch unter dem Franco-Regime gab es geheime Abkommen mit dem Deutschen Reich. Diese Episode basiert also auf realen historischen Begebenheiten, da deutsche U-Boote im Zweiten Weltkrieg tatsächlich heimlich in spanischen Häfen wie Vigo oder Cádiz versorgt wurden.

  • In Vigo trifft U 96 auf das deutsche Versorgungsschiff Weser, das im Hafen interniert ist. Die erschöpfte U-Boot-Besatzung wird dort heimlich mit Treibstoff, frischem Proviant und Torpedos versorgt.
  • Legendär ist der harte Kontrast in dieser Szene: Während die dreckige, vom wochenlangen Atlantik-Einsatz gezeichnete Mannschaft des U-Boots schuftet, werden der Kommandant (gespielt von Jürgen Prochnow) und seine Offiziere an Bord der Weser von adrett gekleideten Etappenoffizieren mit einem luxuriösen Abendessen und feinstem Wein empfangen. Das sorgt für spürbare Spannungen und zeigt die tiefe Kluft zwischen den Frontsoldaten und der Etappe.
  • Eigentlich sollte der Leitende Ingenieur (LI) das Boot in Vigo wegen der Schwangerschaft seiner Frau verlassen. Der Antrag wird jedoch abgelehnt, und die gesamte Mannschaft muss direkt im Anschluss den lebensgefährlichen Durchbruch durch die stark bewachte Straße von Gibraltar wagen.

 

Wieder zeigte unsere HC-48T ihre Stärken beim schönen, flotten Törn nach Vigo. Im Schnitt waren wir mit um die 7 Knoten SOG unterwegs, in Böen mit über 8 Knoten – und das ist für einen massiv gebauten, vollgeladen über 24 Tonnen verdrängenden Langkieler wahrlich nicht übel! Und das ganz ohne als ständige »Schotenzupfer« die Segel perfekt zu trimmen, wobei das Boot angenehm durch Wellen und Atlantikdünung glitt, relativ wenig rollte und stampfte. Da ginge es auf den meisten modernen Leichtbauten wesentlich ungemütlicher zu, und diese wären auch nicht wesentlich schneller unterwegs.

»Delfine! Yuhuuu…!«, stürmte Kasha zum Bug, und wir anderen folgten ihr etwas gemächlicher. Es waren diesmal nur drei der eleganten Tiere, die auch nur kaum ein-zwei Minuten in der Bugwelle spielten, bevor sie genauso schnell verschwanden, wie sie aufgetaucht waren. Und dennoch zaubert dir das Erscheinen von Delfinen auf See immer ein Lächeln ins Gesicht.

»Och, schade, schon sind sie wieder weg«, seufzte Bella, als die Delfine urplötzlich und gemeinsam wie auf Kommando abdrehten und Sekunden später für uns schon nicht mehr zu sehen waren.

»Nächstes Mal könnt ihr ja versuchen, nackig auf dem Bugspriet zu tanzen, hoho! Vielleicht verleitet das die männlichen Tiere dazu, länger zu bleiben«, grinste ich.

»Hey, steile Idee! Machen wir doch glatt, gell Bella?!«, fand Frechdachs Kasha das natürlich sofort eine lustige Idee. »Und wenn die nicht darauf anspringen, dann jedenfalls unser Skipper-Gauner, haha!«


 

Übrigens befinden wir uns seit der Annäherung an die iberische Küste ja auch wieder in den Küstenbereichen, wo Orca-»Angriffe« auf Bootsruder vorkommen können. Vor etlichen Wochen schrieb ich schon mehrmals ausführlich darüber und will das jetzt nicht alles wiederholen. Jedenfalls sind es keine direkten Angriffe, sondern eher neugierige Interaktionen, die für betroffene Segelboote – insbesondere moderne Kurzkieler mit schmalen Spatenrudern – leider unangenehm bis gefährlich werden können. Wir sahen bisher keine dieser Orca-Schulen/Gruppen; und falls es dazu kommt, bin ich gespannt, wie sie auf einen Langkieler mit geschützter Schraube und viel stabilerem Ruder reagieren.

Bei einlaufen in den Ria da Vigo meldeten wir uns über Kanal 9 beim Yachthafen Puerto Deportivo de Moaña, 42° 16.62' N, 8° 44.08' W, wo wir wenig später anlegten und das Boot festmachten.

Info: Der Yachthafen von Moaña verfügt über 4 Reihen von Pontons mit 400 Liegeplätzen für Längen zwischen 6 und 22 Metern. Es ist ein ruhiger und familiärer Hafen, der in einem Dorf voller Geschichte und Charme liegt. In diesem Hafen hat das Unternehmen Tierra y Mar Multiaventura (https://tierraymarmultiaventura.es/) seinen Sitz, das zahlreiche nautische Aktivitäten anbietet, wie z.B. Segelkurse, Surfen, Windsurfen, Flyboarden, Kajakverleih und die Organisation anderer nautischer Aktivitäten.

Außerdem kann man vom Hafen Moaña aus mit dem Boot nach Vigo fahren, das genau gegenüber liegt, denn nur wenige Meter vom Jachthafen entfernt befindet sich eine Anlegestelle, an der die Fähre anlegt, die Moaña mit Vigo verbindet. Es handelt sich um die reguläre Linie der Reederei "Piratas de Navia". 

 

Hinweis: Am 06. Oktober 2023 erlitt der Yachthafen einen großen Brand, bei dem fast alle Einrichtungen zerstört wurden. Sie haben noch ein Büro, das von Montag bis Sonntag von 8.00 bis 22.00 Uhr ohne Unterbrechung geöffnet ist. Das Büro ist morgens von 8.15 Uhr bis 14.15 Uhr durch das Verwaltungspersonal besetzt und wird in der übrigen Zeit ununterbrochen von den Seglern betreut. Sie haben auch vollständige und unabhängige Umkleideräume für Männer und Frauen;

Das Team ist sehr nett und hilfsbereit; Büroleiterin Anna bemüht sich stets sehr zu helfen. Aber leider hat diese günstige Marina auch massive Nachteile, die in einer Rezension von »Andy« gut beschrieben wurden. Ich zitiere:

»Wir waren von September bis März dort. Anna ist die Büroleiterin und sehr freundlich und hilfsbereit. Sie spricht Englisch. Alle 3 Marineros sind auch gleich. Sie verdienen es, gut behandelt zu werden. Bei stürmischen Verhältnissen sollte man besser auf dem Boot sein und ständig die Ponton- und Leinenverbindungen überprüfen! Die Wellen der Fähren kommen unaufhörlich, einmal fiel unser Spaghetti-Topf auf den Boden, als die letzte Fähre kam. Ein anderes Mal explodierte einer meiner Fender bei einem Sturm.

Die Außenmauern sind unter Wasser offen, sie reichen etwa 3 Meter nicht bis zum Meeresgrund, sodass starke Strömungen und Wellen INNERHALB der Marina entstehen, die so stark ziehen, dass die Stege mit den Booten abreißen. Das Personal tut, was es kann, aber es ist das schlechte Design und die Einrichtung der Marina, die das Chaos verursachen. Die kleinen Fischerboote sind immer zu schnell und verursachen große Wellen, und am ärgerlichsten waren die Rudervereine. Sie schreien bei jedem Paddelschlag, den ganzen Tag lang, aber besonders ärgerlich nach 20 Uhr.

Wenn sie Konzerte veranstalten, geht die sehr laute Musik bis 5–6 Uhr morgens, manchmal wochenlang, und das ist nicht die Art von Musik, die man gerne hört. Wenn man mehr als Coffeeshops und Lebensmittelgeschäfte sucht, ist die Stadt sehr hässlich und enttäuschend. Wir schauen immer mit historischem und architektonischem Interesse. Es ist einfach nur schade hier. Das kann nur dort passieren, wo das Gesetz durch Geld und Verbindungen umgangen wurde. Aber es gibt viele schöne Wanderwege in den Hügeln mit alten, längst untergegangenen Zivilisationen.

Eine andere unglaubliche Sünde hier sind die Eukalyptusbäume. Sie haben alle einheimischen Wälder abgeholzt und diese fremden Monokulturen ausländischer Bäume hineingepflanzt. Furchtbar! Trotzdem mochten wir die Angestellten der Marina sehr, sie sind gute Menschen und die Leute hier auch. Wir haben schnell Freunde gefunden. Der größte Vorteil ist das nahe Fährterminal UND mit einem Brief vom Amt kann man vom Rathaus eine Karte für Bus- und Fährfahrten zu einem unschlagbaren Preis bekommen. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind erstklassig in Galicien und Spanien allgemein.«

Diese Marina ist also nicht wirklich empfehlenswert, aber für ein bis zwei Nächte akzeptabel – gerade weil wir ja auch keinerlei zusätzliche Dienstleistungen benötigten. Nur wenige Schritte von der Marina entfernt befindet sich die urig-gemütliche Bar Abolera an der Rúa Batalla do Callao 3. Dort kommt man kinderleicht mit Einheimischen in Kontakt, während Live-Musik gespielt wird. Die Stimmung war bestens, der Service sehr freundlich und wir hatten Spaß und fühlten uns auf Anhieb wohl.

 

Essen gibt es dort allerdings nur sehr begrenzt in kleiner, einfacher Tapas-Art, was für ein simples Abendessen jedoch ausreicht. Es muss ja nicht immer ein üppiges Dinner, wie die Fischplatten zuvor sein: Ein paar mit leckerem Serrano-Schinken belegte Brote und ähnliche Kleinigkeiten genügen zum Sattwerden in gut gelaunter Gesellschaft von netten Leuten. Es gefiel uns so gut, dass wir einiges über den Durst pichelten und gegen 23:15 Uhr mit einem ordentlichen Schwips zurück an Bord kamen.

 

Donnerstag:

»Ich hätte voll Lust, noch einen Tag hierzubleiben und die Stadt zu besichtigen. Was meint ihr?«, schlug Bella beim Frühstück an Bord vor.

»Au ja, cool, ich auch!«, war Kasha sofort dafür, und Sascha meinte überlegt:

»Ich hätte auch nichts dagegen, aber wie sieht die Wetterlage aus, Steve?«

»Ihr kennt ja meine Philosophie: Der Weg ist das Ziel. Ich bin immer für Reisen und Besichtigen, nicht für das Abhaken von Zielpunkten, die man strikt abarbeiten muss«, griff ich nach meinem Laptop, klappte es auf und schaute nach. »Aber lasst mich zunächst die Windvorhersagen prüfen…; hm, die nächsten Tage sollen wir schwächere Nordwinde bekommen, aber die Richtung bleibt stabil. In diese Situation würden wir sowieso kommen, da spielt ein Tag keine wesentliche Rolle. Also ja: Wir können einen Vigo-Besichtigungstag einlegen!«

»Suuuupi…, dann auf, lasst uns keine Zeit verschwenden!«, freute sich Kasha, und wir machten uns fertig.

Die lokale Wettervorhersage versprach viel Sonnenschein mit bis zu 25 Grad – also sehr angenehmes, sozusagen ideales Besichtigungswetter. Da kommt man beim Herumlaufen nicht gleich ins Schwitzen und auch nicht ins Frösteln, genau passend. Aktuell war es mit etwa 15 Grad am Morgen noch etwas frisch, weshalb wir uns wärmende Windjacken überzogen. Selbst die Frauen machten sich verblüffend schnell bereit.

 

Während wir über die Marinastege zum Fähranleger der Barco Línea Moaña-Vigo>>> schlenderten, fiel mir eine hübsche, offenbar naturblonde Seglerin auf, die von einer schicken Hallberg-Rassy-Fahrtenyacht kletterte. Nicht nur wegen ihrer Attraktivität, sondern weil sie auf Deutsch einen Abschiedsgruß zu jemandem unter Deck rief, obwohl das Boot unter englischer Flagge lief. Wie man es unter Seglern – insbesondere Fahrtenseglern – so macht, grüßten wir uns. Sie lächelte sehr sympathisch und wirkte humorvoll, weshalb ich mir einen frechen Spruch auf Deutsch erlaubte:

»Eine hübsche, blonde Deern auf einem englischen Boot? Wurdest du von Piraten entführt? Sollen wir dich retten?«

»Ahahaha…!«, prustete sie prompt los wie ein junges, unbeschwert lustiges Teengirl, dürfte aber Anfang 20 sein. »…Opa war früher vielleicht ein Pirat, aber ein Deutscher. Ihr auch oder nur du?«

»Sascha ist auch Deutscher«, wies ich auf selbigen. »Die zwei Schönheiten hier sind international und ich bin ursprünglich ein Süddeutscher aus Mannheim, falls du das kennst. Du darfst mich den ehrenwerten Captain Steve nennen, hoho!«

»Sehr erfreut, hihi, sehr ehrenwerter Herr Kapitän Steve!«, blinzelte sie und grüßte auch die drei jungen Crewmitglieder, die kaum älter wie sie selbst waren. Unkompliziert und locker schlossen sie quasi bereits Freundschaft, wie das junge Menschen meist tun. Alle stellten sich einander mit Vornamen vor, und es gab sogar kleine Links-Rechts-Begrüßungsküsschen, wie es junge Leute von heute aus den südländischen Ländern gelernt haben. »Seid ihr auch auf dem Weg rüber nach Vigo?«

Das bestätigten wir, und so liefen wir gemeinsam zum Fährkai. Wie es schon ihr sympathisches Äußeres und vor allem ihr liebes Lächeln angedeutet hatten, erwies sich die naturblonde Leonie als sehr angenehme Begleiterin. Auch sie wollte ein bisschen Sightseeing in der Stadt machen, während ihr alter Opa lieber geruhsam auf dem Boot blieb. Wir vereinbarten das noch nicht einmal in einer direkten Absprache: Quasi ganz automatisch schloss sie sich unserer Gruppe an und war uns herzlich willkommen.

Hier die Übersicht der Tarife für die reguläre Fährlinie Moaña ↔ Vigo (Piratas de Nabia):

Aktuelle Preise (pro Person, einfache Fahrt)

Kategorie

Barzahlung (Efectivo)

Mit TMG-Karte*

Erwachsener

2,40 €

0,90 €

Baby (0–4 Jahre)

Kostenlos

Kostenlos

Paket / Gepäckstück

1,40 €

* TMG = Tarjeta Metropolitana de Galicia (die regionale Verkehrskarte)

Hinweis zur TMG-Karte: Die Karte selbst kostet einmalig 2 € als persönliche Guthabenkarte. Man bekommt sie in Abanca-Filialen ohne Termin und ohne Kunde sein zu müssen. Die Mindestaufladung beträgt 5 €. Für nur einen Tag lohnt sich die Karte in der Regel nicht, es sei denn, man nutzt an dem Tag viele Strecken (Bus & Fähre). Bei mehreren Tagen zahlt sich die Karte sehr schnell aus.

Die gut 4 km lange Überfahrt über die Ría de Vigo präsentierte uns neben der schönen Aussicht auf die Küste noch eine weitere Überraschung.

»Oh, Delfine… Schaut nur!«, freuten sich Leonie und Kasha und entdeckten die Tiere im gleichen Moment. Anscheinend war es nur ein einzelnes, schönes Tier, das die Kielwellen der Fähre für übermütige Sprünge und elegante, sehr flinke Manöver im klaren Meerwasser nutzte. Und natürlich schauten so gut wie alle Fährgäste dem Delfin mit einem Lächeln im Gesicht zu, während Kinder begeistert riefen.


 

Wissenswert:

Klar und sauber ist das Wasser vor allem in der äußeren und mittleren Bucht (also rund um die Fährstrecke Moaña–Vigo und hinaus zu den Cíes-Inseln). Lediglich im innersten Winkel hinter der Rande-Brücke (San-Simón-Bucht) sammelt sich der Süßwassereintrag der Flüsse, wodurch dort flacheres, schlickigeres Sedimentwasser entsteht. Bei jedem Gezeitenwechsel drückt der Atlantik enorme Wassermassen in die bis zu 5 km breite und über 40 Meter tiefe Bucht hinein und zieht sie beim Ebbestrom wieder heraus. Der durchschnittliche Wasserdurchfluss am Eingang der Ría liegt bei bis zu 20.000 m³ pro Sekunde – was stehende oder abgestandene Buchtfeuchte-Effekte gar nicht erst aufkommen lässt. Das Wasser wälzt sich permanent komplett um.

Galicien ist berühmt für ein Phänomen, das Ökologen als Upwelling bezeichnen: Wind und Strömungen drücken im Sommer und Frühherbst das warme Oberflächenwasser nach draußen auf den Ozean, woraufhin eisblaues, extrem nährstoff- und sauerstoffreiches Tiefenwasser aus den Abgründen des Atlantiks nach oben in die Ría gezogen wird. Dieses Atlantikwasser ist oft glasklar. Das Wasser bildet die Grundlage für eine riesige Nahrungskette (Plankton, kleine Schwarmfische wie Sardinen und Makrelen). Das macht die Bucht zum echten Schlaraffenland für Delfine.

Wir konzentrierten uns vor allem auf die malerischen Gassen von Casco Vello, der Altstadt von Vigo. Diese ist reich an Bauwerken aus der Renaissance. In ihrem Zentrum steht die mit zahlreichen Fresken verzierte Kirche Concatedral de Santa María aus dem 19. Jahrhundert. In der Rúa Baixada O Forte führen steinerne Treppen auf einen Hügel mit Garten und schöner Aussicht auf den Hafen. Über Kopfsteinpflastergassen geht es zur Plaza de la Constitución, die von prachtvollen Arkaden mit Kunsthandwerksläden eingerahmt wird. Tavernen unter freiem Himmel servieren galizische Spezialitäten wie Tintenfisch in Paprika.



 

Da die Altstadt nur so von guten Restaurants, Tabernas und Bars wimmelt, landeten wir zum Mittagessen eher zufällig in der Taberna A Pedra in einer schmalen Gasse namens Rúa Cesteiros 2, wo wir wirklich köstlich schlemmten. Das kleine Lokal mit nur wenigen Innen- und Außenplätzen auf Seitentischen in der ohnehin engen Gasse, würde ich als echten Gourmet-Geheimtipp bezeichnen, in welchem man unzählige Köstlichkeiten der galizischen Küche genießen kann.

Auf Google halten sie bei fast 4.800 Bewertungen (sic!) bereits einen guten Schnitt von 4,4 Sternen, was ich nach unserer heutigen Erfahrung hinsichtlich der Speisen jedoch als klar untertrieben bezeichnen würde. Nach den verschiedenen Tapas und Gerichten, die wir fünf bestellten, und dem, was ich an delikaten Leckereien bei anderen Gästen sah, würde ich ihnen glatt 4,8 Sterne zugestehen – so exquisit war alles auf den Punkt perfekt zubereitet. Und das alles für nur 20 bis 30 Euro pro Person; viel mehr kann man kaum ausgeben, sonst würde man von all den Leckereien platzen.

Auch das Personal war sehr freundlich, hilfsbereit und geduldig beim Aufnehmen unserer in Spanisch radebrechenden Bestellungen. Einer der Kellner verstand einigermaßen Englisch und Leonie beherrscht etwas Spanisch, so kamen wir ganz gut zurecht und waren hochzufrieden. Da es drinnen wie draußen nur wenige Sitzplätze gibt und die Taberna zudem auch bei Einheimischen sehr beliebt ist – was immer ein gutes Zeichen ist –, kann es zu den Hauptessenszeiten schnell so voll werden, dass man keinen Platz mehr bekommt. Daher sollte man besser Nebenzeiten wählen: Als wir kurz vor 14 Uhr dort ankamen, gab es wieder einige freie Plätze. Geöffnet haben sie täglich von 12:00 bis 15:30 Uhr und wieder von 20:00 bis 23:30 Uhr, außer dienstags, da ist Ruhetag.

 

»Bist du mit deinem Opa öfter in Spanien, weil du etwas Spanisch kannst?«, fragte ich die wirklich bezaubernde Leonie.

»Jain, haha! Ich segle mit ihm, seit ich ein kleines Mädchen war – vor allem in nördlichen Revieren, aber wir waren auch häufig im Süden: Mittelmeer, kleine und große Atlantikrunde, Portugal, Azoren, Kanaren, Marokko, Kapverden und Karibik. Fremdsprachen fallen mir relativ leicht, aber wirklich gut beherrsche ich nur Deutsch, Englisch und Schwedisch«, erzählte die Hübsche auf sympathische und eher bescheidene Art, keineswegs angeberisch.

»Oho, dann bist du ja eine richtig erfahrene Fahrtenseglerin! Wie viele Seemeilen hast du schon auf dem Buckel?«, hakte ich neugierig nach. Das lag vermutlich auch daran, dass sie mich von Aussehen und Wesensart sehr an eine Jugend-Schulfreundin erinnerte, in die damals nahezu alle Jungs – einschließlich mir – mehr oder weniger verknallt waren. schmunzel

»Ungefähr 30.000, so genau zähle ich das gar nicht«, lächelte sie very simpatico. »Doch ja, ich liebe Segeln, insbesondere Fahrtensegeln über alles und nutze jede Gelegenheit, um mit meinem lieben Opi auf Tour zu gehen. Leider wird er langsam arg alt und kann nicht mehr so viel wie früher segeln. Aber manchmal überlässt er mir das Boot auch zum Segeln mit Freunden.«

»Dann hast du auch alle notwendigen Segel-/Skipperscheine und Funkzeugnisse? Bravo, es freut mich immer sehr, wenn junge Menschen ihre Liebe zur Seefahrt ernsthaft angehen!«

Da wir in der Gruppe unterwegs natürlich auch viel durcheinander über alles Mögliche sprachen – einschließlich des üblichen Kennenlern-Small Talks –, führten wir das jetzt nicht weiter aus. Aber Menschenkenntnis, Bauchgefühl und Erfahrung sagten mir, dass diese sehr hübsche Naturblonde - eindeutig völlig ungeschminkt und natürlich - eine richtig gute Seglerin und ein supernetter Typ Mensch ist, den man gern an Bord hat. Offensichtlich ein sehr liebes, „anständiges“ Mädel -wie man so sagt -, das in ihrer Art manchmal deutlich jünger als ihre schätzungsweise 22 bis 23 Jahre wirkt. Sehr bezaubernd. lächel

»Ja, habe ich! Und ich würde am liebsten dauerhaft als Fahrtenseglerin leben«, seufzte Leonie und protestierte dann lächelnd: »Hey, Moment, du kannst doch nicht einfach für mich Fremde mitbezahlen!«

»Ach lass mal, das spielt doch keine Rolle. Und wie du bestimmt weißt, mag es der Service hierzulande gar nicht, wenn die Rechnung aufgeteilt wird«, lächelte ich charmant. »Aber wenn es dir wichtig ist und du Wert auf deine Selbstständigkeit legst, gib mir einfach deinen Anteil, no Problem, okay?«

»Okay, danke! Nein, es stört mich nicht direkt, und stimmt: Hierzulande werden immer komplette Tischrechnungen bevorzugt. Dankeschön, lieb von euch!«, strahlte sie auf eine derart sympathische Art, dass man sie einfach auf Anhieb richtig gernhaben muss.

Vor allem Bella und Kasha bestärkten sie darin und erklärten, dass wir solche Ausgaben immer recht locker aus der Bordkasse begleichen… was im Endeffekt natürlich auf meine Kosten geht. Bisher hatten wir noch kein Wort darüber verloren, ob wir quasi wie gleichberechtigte Mitsegler unterwegs sind oder sein wollen, bei denen alle in die Bordkasse einzahlen.

Als Skipper und Eigner des Bootes bin ich froh über eine gute Crew auf dem mehrwöchigen Törn in den Süden, auf klassischer Hand gegen Koje-Basis (HgK). In solchen Fällen gehört es dazu, dass der Skipper auch Ausflüge und Essengehen begleicht. Manche zahlen in gewissen Fällen sogar eine Hand- oder Taschengeld-Heuer pro Tag an solche HgK-Crews. So wie die Globetrotter ausgestattet ist, könnte ich sie auch einhand – also allein – segeln; aber das wäre bei längeren Strecken als Tages-Kurztörns dann doch arg anstrengend.

Übrigens sind Kasha, Bella und Sascha zunächst nur bis Portimão in Südportugal an Bord; dann müssen alle drei erst einmal wieder heim und sich um ihre Angelegenheiten kümmern. Ob sie danach wieder zum Mitsegeln an Bord kommen können und wollen, steht noch nicht fest, ist aber wahrscheinlich. Und für Bella und mich ist die Zeit von Vlissingen bis Portimão quasi eine Art Probezeit, ob wir länger miteinander unterwegs und intim sein wollen.

Dann setzten wir bis zum Abend unsere Besichtigungstour fort. Jetzt muss ich mich langsam kurzfassen, sonst wird dieser Blogbeitrag viel zu lang! Da die letzte Fähre um 22:30 Uhr von Vigo nach Moaña geht, wollten wir am Abend auch nicht länger ausgehen, sonst hätten wir ein Taxi für einen großen Umweg nehmen müssen. Außerdem wollten wir ja morgen Früh weitersegeln und daher nicht zu spät ins Bett. Und nicht zuletzt wollte auch Leonie ihren alten Opa nicht so lange allein an Bord lassen.

 

Daher setzten wir nach einem wirklich schönen Sightseeing-Tag mit köstlichem Essen, Spaß und interessanten Besichtigungen mit der letzten Fähre über und verabschiedeten uns herzlich von der supersympathischen Leonie auf den Anlegestegen der Marina. An Bord nahmen wir im Cockpit – über die Tagesereignisse plaudernd – noch ein paar Schlucke Wein, Sascha ein Bier. Dann machten wir uns auch gleich fertig für die Kojen und schlummerten vergnügt ein, nachdem wir uns noch schön sinnlich geliebt hatten.

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