Posts mit dem Label Arbeitsfortschritte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Arbeitsfortschritte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Lissabon, Arbeitsfortschritte, eine Vernissage und ein Wiedersehen

 

#26.06.16– Lissabon, Arbeitsfortschritte, eine Vernissage und ein Wiedersehen

»Hm, das duftet gut und fühlt sich herrlich an.« Vicky säuselte diese Worte mit geschlossenen Augen vor sich hin, während sie nach der morgendlichen Dusche ihren schönen, schlanken Körper mit einer reichhaltigen Sonnenschutz-Kokosmilch einbalsamierte – der Duft nach Kokos und Vanille vermischte sich mit dem frischen Aroma von feuchter Haut und dem leichten Salzgeschmack der Meeresluft, die durch das geöffnete Fenster hereindriftete.

»Du kannst ja viel behaupten, meine Liebe, aber der Captain muss diese Behauptung zur Sicherheit erst einmal höchstpersönlich und äußerst sorgfältig prüfen!« Zwinkerte ich ihr mit einem unübersehbar genießenden Blick zu, trat von hinten ganz nah an sie heran, atmete den exotischen Duft ein und strich mit den Händen über ihre warme, weiche Frauenhaut. Ich musste unwillkürlich lachen: »Stimmt auffallend. Duftet ausgesprochen gut und fühlt sich unter den Fingern sogar noch besser an, hoho!«

»Nimm sofort deine zärtlichen Bärenpranken von mir, du unverbesserlicher Gauner! Los, beweg dich, wir müssen zum Frühstück, die anderen warten schon!«

Sie wehrte mich mit einem fraulich zufriedenen Schmunzeln ab, schlüpfte gekonnt unter meinen Armen durch und drängte mich in Richtung des hellen Salons. Wenig später saßen wir alle zusammen auf dem hübschen Wohnzimmerbalkon, wo Britt und Demo bereits den gesamten Frühstückstisch liebevoll gedeckt hatten. Es fehlte an nichts: Frischer Kaffee dampfte in den Tassen, und in einer großen Glaskaraffe wartete ein eiskalter, selbstgemixter Obstsaft-Mineralwasser-Mix auf uns. Bei sonnigen, wunderbar angenehmen 23 °C und einem lauen Vormittagslüftchen plauderten wir in aller Seelenruhe über den anstehenden Tag und koordinierten unsere Pläne.

Die Wege unserer kleinen Reisegruppe sollten sich heute für eine kurze Weile trennen. Demo hatte sich vorgenommen, noch einen vollen Tag lang intensiv am Boot des holländischen Seglerpaares zu arbeiten, und Britt wollte hier bleiben, um ihm Gesellschaft zu leisten und ihm bei Bedarf bei den handwerklichen Handreichungen assistieren zu können.

Vicky und ich hatten dagegen ein ganz anderes Ziel vor Augen: Wir würden uns auf den Weg nach Lissabon machen, wo sie eine exklusive Einladung zu einer hochkarätigen Kunst-Vernissage vorliegen hatte. Ein wohlhabender, kunstsinniger Mäzen, den die drei übrigens schon vor meiner Ankunft an der Algarve in der lokalen Marina kennengelernt hatten, hatte uns für diese Zeit eine Unterkunft in seinem privaten Palácio angeboten – einem herrschaftlichen Anwesen südöstlich von Lissabon.

Am heutigen Abend würde eine von ihm und ähnlich vermögenden Sammlern gesponserte High-Society-Vernissage stattfinden, auf der auch Vicky die Gelegenheit erhalten sollte, ein paar ihrer außergewöhnlichen Werke zu präsentieren, um potenzielle Käufer aus der Oberschicht zu ködern.

Bevor wir allerdings endgültig die Autobahn Richtung Norden ansteuerten, machten wir noch einen kurzen Abstecher zum aufgebockten Liegeplatz der Nauticat in dem bereits beschriebenen, großen maritimen Dienstleistungszentrum. Die für den Rumpfanstrich und die fachgerechte Erneuerung der Seeventile zuständigen Leute der Fachfirma – Vasile, Adriano und die taffe Bürokraft Maria – entdeckten uns sofort, begrüßten uns überaus freundlich und servierten uns erst einmal guten Kaffee, während wir gemeinsam den aktuellen Fortgang der Arbeiten besprachen.

Das Team war mit den anspruchsvollen Aufgaben bereits beachtlich weit vorangekommen und bog sprichwörtlich auf die Zielgerade ein; es waren im Grunde nur noch ein paar kleinere, finale Nacharbeiten an den Kanten notwendig. Diese kosmetischen Korrekturen wollten sie im Laufe des heutigen Tages komplett beenden, sodass der frische, schützende Unterwasseranstrich danach noch einige Tage im ungestörten Sonnenschein und dem warmen, trockenen Klima der Algarve vollständig durchhärten konnte. Es sah alles nach professioneller, erstklassiger Handwerksarbeit aus. Wir waren sichtlich erleichtert, sparten nicht mit ehrlichem Lob für die Truppe und vor allem Britt und Vicky waren derart begeistert über das Ergebnis, dass sie zur großen Freude der Männer großzügig dankbare Umarmungen und kleine Küsschen auf die Wangen verteilten. schmunzel

»Mensch, das sieht einfach großartig aus, voll schön!« strahlte Britt über das ganze Gesicht und setzte ihr weiblich raffiniertes, charmantes Sexappeal dabei fast noch ein Stück gekonnter und offensiver ein als Vicky.

»Yep, da kann ich nur zustimmen. Was meinst du dazu, Captain? Das ist doch wirklich erstklassige Arbeit geworden, oder?« fragte Vicky mit einem stolzen Lächeln.

Währenddessen nahmen Demo, der von Bootsfarben und Lackierungen ehrlicherweise sogar noch mehr versteht als ich, und meine Wenigkeit den frisch glänzenden Rumpf genau unter die Lupe.

»Ich sehe beim besten Willen nichts, worüber man sich hier ernsthaft beschweren könnte«, stellte ich wohlgefällig und zufrieden fest. »Die ganz kleinen Schmierer und minimalen Fehler an den Rändern wollen die drei ja heute noch akribisch korrigieren.«

»Klasse! Das ganze Boot sieht von außen jetzt wirklich fast wieder aus wie ein Neu.«

Den detaillierten Bericht von Meister Joao über die sorgfältige Prüfung der Ruderanlage, hatten wir ja bereits am Vortag erhalten – inklusive der schriftlichen Bestätigung, dass keinerlei verdeckte Schäden oder Ermüdungserscheinungen im Material vorliegen. Wir trennten uns also mit einem zufriedenen Gefühl von den Handwerkern und freuten uns schon jetzt darauf, die Nauticat gegen Ende der Woche endlich wieder schwimmend in ihrem Element zu sehen. Ein billiges Vergnügen ist so ein umfassender Werftaufenthalt inklusive Material und Facharbeitsstunden natürlich keineswegs; für alle durchgeführten Arbeiten dürften am Ende wohl um die 9.000,- Euronen fällig werden. seufz

Wir verabschiedeten uns herzlich voneinander, und Britt begleitete Demo direkt weiter zu seiner heutigen Arbeitsstelle an der Trintella. Vicky und ich machten uns derweil auf den Weg zur Autovermietung, bei der ich am Vortag vorsorglich ein schickes Mercedes E-220 Cabriolet reserviert hatte. Die Station von . Locauto Portimão>>>, in der Rua Dom Carlos I Nummer 98 ist eine empfehlenswerte Adresse mit ausgesprochen freundlichem Personal, einer angenehm unkomplizierten Abwicklung und fairen Preisen ohne versteckte Kostenfallen im Kleingedruckten.


 

»Du luxusverwöhnter, unverbesserlicher Verschwender!« stichelte Vicky mit einem augenzwinkernden Lächeln, als wir vor dem eleganten, weißen Cabriolet standen und ich den Schlüssel entgegennahm.

Sie amüsierte sich köstlich darüber, dass ich mich nicht für einen der typischen, erheblich billigeren Kleinwagen entschieden hatte, die man sonst so als Standard-Mietkiste angedreht bekommt. Aber in Wahrheit freute sie sich natürlich insgeheim genauso wie ich über den fahrbaren Untersatz. So ein Wagen – den ich als treuer Mercedesfahrer seit gefühlten Ewigkeiten im Alltag gewohnt bin – ist einfach erheblich bequemer auf der Langstrecke und macht beim Cruisen dreimal so viel Spaß. Das war mir der moderate Aufpreis unter dem Strich definitiv wert.

Wer meine Blog-Einträge schon länger mitliest, kennt ja meine tief verwurzelte Vorliebe für die Marke mit dem Stern und die praktischen Gründe dafür. Besonders angenehm finde ich bei diesen Autos zudem immer wieder, dass jeder an Mercedes gewöhnte Fahrer alle wichtigen Schalter, Hebel und Funktionen blind an exakt der gewohnten Stelle vorfindet und man sich dadurch auf Anhieb in jedem Modell weltweit augenblicklich »wie zu Hause« fühlt.

Mit dem Wagen holten wir am Appartement schnell noch ausreichend Sachen für eine geplante Übernachtung ab und verstauten eine gut isolierte E-Kühltasche mit frischem Obst und kühlen Getränken im Kofferraum mit Stromanschluss. Bei dem herrlichen, aber glücklicherweise noch nicht zu heißen Sommerwetter mit inzwischen etwa 26 °C öffneten wir das Verdeck vollständig und kosteten das fantastische Cabrio-Feeling in vollen Zügen aus. Die warme Luft strich uns um die Ohren, während die Sonne sanft auf unsere Haut brannte und das leichte Rascheln der Palmen am Straßenrand den Fahrtwind untermalte.

Das Navigationssystem veranschlagte für die rund 270 Kilometer lange Strecke nach Norden etwas unter drei Stunden reine Fahrtzeit. Da wir uns aber fest vorgenommen hatten, aus der Fahrt ein entspanntes Sightseeing mit ausgiebigen Kaffeepausen und gemütlichen Rauchstopps in den malerischen Landschaften zu machen, stellten wir uns eher auf gute fünf Stunden ein. Der größte Teil der Route führte uns über die mautpflichtige Autobahn A-2 mitten durch das dünn besiedelte, weite portugiesische Inland. Es war ein wunderbares Cruisen mit viel Schauen, Entdecken und gelegentlichen Zwischenstopps, um eine besonders reizvolle Aussicht auf die sanften Hügelketten zu genießen.

Am hübschen und für einen normalen Autobahnrastplatz erstaunlich sauberen und gut geführten Colibri-Área de Serviço A2 Almodôvar>>> legten wir nach einer Weile den ersten längeren Zwischenstopp ein. Wir holten uns zwei gute Kaffees und versorgten uns an der Theke mit üppig und frisch belegten Sandwiches als deftigem Reiseproviant. Der gesamte Rasthof machte einen tadellosen, gepflegten Eindruck, das Personal war ausgesprochen hilfsbereit und die Preise befanden sich im fairen Rahmen – keineswegs so unverschämt überteuert, wie man es leider beispielsweise auf vielen deutschen Autobahn-Rasthöfen über sich ergehen lassen muss.


 

»Ach… ich liebe meine nordische Heimat ja wirklich; aber dieses herrlich milde, südliche Klima, die entspannte Lebensart der Menschen hier, die malerischen alten Bauten und diese weiten Landschaften – das hat einfach eine ganz besondere Magie!« Vicky räkelte ihre schlanken Formen sichtlich genießend auf den Stühlen der hübschen Außenterrasse, während wir den heißen Kaffee schlürften und uns eine Zigarette anzündeten.

»Und vor allem ist es hier unten im Südwesten Europas nicht so bitterkalt wie in deiner Heimat Karelien meistens!« piekte ich sie mit einem breiten Lächeln in die Seite. »Aber jetzt mal ganz im Ernst: Ich mag meine südwestdeutsche Heimat ja eigentlich auch gern, und das Klima dort im Rheingraben ist ja durchaus schon erheblich milder als bei dir im Norden. Aber so richtig rundum wohl fühle ich mich eben vor allem in den sonnigen Südländern, in den Subtropen und Tropen. Die Wärme und die südländische Gelassenheit liegen meinem Naturell einfach definitiv mehr.«

»Eine typische Steve-Antwort, haha!« Vicky lachte laut auf und streichelte mir mit den Fingerspitzen zärtlich über den Unterarm. »Ein schlichtes, kurzes ‚Ja‘ genügt bei dir eben nie, du musst aus jeder Mücke immer gleich eine überlegt reflektierende Beschreibung der gesamten Weltlage hinzufügen.«

»Ja…« grinste ich nur, trank den letzten Schluck des starken Kaffees aus und zündete mir gut gelaunt noch eine Kippe an.

»So ist’s brav, haha!«

Sie amüsierte sich sichtlich über mich, während unsere Hände eine Weile miteinander spielten und die Finger sich ineinanderschoben. Bald darauf brachen wir wieder auf, fuhren gemütlich weiter landeinwärts und machten nach gut zwei Dritteln der gesamten Strecke noch einmal an einem kleinen, abgelegenen Parkplatz halt. Dort verputzten wir im Schatten der Bäume die zuvor gekauften Sandwiches, die wirklich lecker schmeckten, und bedienten uns am frischen Obst und den eiskalten Getränken aus unserer Kühltasche. Zwecks ein bisschen körperlicher Bewegung nach dem langen Sitzen beschlossen wir, noch eine halbe Stunde in der Umgebung spazieren zu gehen.

Hinter einem dichten, wild wuchernden Bewuchs – von der Autobahn und dem Parkplatz aus nicht sichtbar – entdeckten wir zufällig eine halb verfallene alte Ruine. Vermutlich handelte es sich dabei um ein ehemaliges, historisches Bauernhaus oder ein altes Landgut, das vor Jahrzehnten aufgegeben worden war. Sofort blitzte in uns beiden zeitgleich exakt derselbe Gedanke auf: Das war die perfekte Kulisse für ein paar klassische Schnappschüsse nach dem altbewährten künstlerischen Kontrast-Muster »junge, blühende Schönheit in alten, verfallenden Gemäuern«.

»Na los, Captain, worauf wartest du noch? Zück gefälligst die Kamera und knips ein paar Bilder, statt mich nur mit großen Augen anzuglotzen!« schmunzelte Vicky fraulich-frech.

Sie schlüpfte innerhalb von wenigen Sekunden mit ein paar geübten Bewegungen aus ihrer sommerlich-luftigen Kleidung, warf die Sachen auf einen alten Balken und begann sogleich, vollkommen nackt, sexy und unbeschwert vor den bröckelnden Steinmauern zu posieren. Obwohl, das Wort »Posieren« trifft es bei ihr eigentlich gar nicht richtig. Bei ihr wirkt so etwas auf den Bildern fast nie wie das künstliche, einstudierte Gehabe eines typischen Fotomodels. Bei ihr sieht es schlicht und ergreifend immer so aus wie bei Nudisten, die sich einfach vollkommen natürlich nackt in ihrer Umwelt bewegen und sich absolut nichts dabei denken – falls sie überhaupt einen Gedanken daran verschwenden.

 

»Dass ich hier immer die ganze Arbeit an der Kamera machen muss…« grummelte ich spielerisch genervt, während ich das Objektiv einstellte. »…kann ich deine schönen, schlanken Formen nicht einfach mal ganz ohne Technik mit meinen eigenen Augen genießen, hoho?«

»Kannst du, darfst du natürlich jederzeit, mein großer Bär«, zwinkerte sie mir verschmitzt zu. »Aber du bist nun mal der leidenschaftliche Knipser weiblicher Schönheit, also beschwer dich nicht!«

»Stimmt auffallend, Madam…«

Ich griff natürlich mit Freude nach der Kamera, stolperte im Eifer des Gefechts prompt über einen am Boden liegenden Bruchstein und wäre um ein Haar mitsamt der teuren Ausrüstung der Länge nach hingeknallt. Das brachte sie natürlich nur noch mehr zum Lachen. Nach zwei oder drei richtig guten Aufnahmen im Kasten spürten wir beide definitiv die Lust auf einen schnellen, intensiven Quickie inmitten der alten Ruinen aufkommen. Doch wir blieben am Ende beide beherrscht und vernünftig: Wir wollten auf gar keinen Fall verschwitzt und nach Sex duftend bei unserem vornehmen Gastgeber ankommen.

Also packten wir die Sachen wieder zusammen, fuhren bald weiter und verließen an einer großen Mautstelle – ich glaube, der Name auf dem Schild lautete Praça de Portagem – endgültig die Autobahn A-2. Schließlich erreichten wir das hübsche und architektonisch durchaus beeindruckende Palácio unseres Gastgebers über eine herrschaftlich angelegte Auffahrt, die sich inmitten eines großen, parkähnlichen Gartens mit angrenzenden Plantagen dahinzog. Das Anwesen lag idyllisch direkt neben einer kleinen, gepflegten Siedlung mit schätzungsweise kaum einhundert Einwohnern.

Das mächtige Hauptgebäude strahlte vom ersten Moment an eine vollkommen ruhige, aristokratische Atmosphäre aus und war ein wunderbares, klassisches Beispiel für die traditionelle Herrenhaus-Architektur der Alentejo-Region. Es handelte sich um ein historisches Herrenhaus auf einem riesigen Landgut mit einer langen, wechselvollen Geschichte, die uns der Hausherr später sehr freundlich und detailliert erzählte.

Die tiefen Ursprünge des Anwesens reichten tatsächlich bis weit ins 12. Jahrhundert zurück. Damals stand an genau dieser Stelle eine wehrhafte Kapelle der Ritter des legendären Ordens von Santiago, die während der historischen Reconquista eine strategisch wichtige Rolle bei der Rückeroberung der Region spielte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude verständlicherweise mehrfach umgebaut, zerstört und erweitert. Im 18. und 19. Jahrhundert entstand schließlich der heutige Palácio in seiner prachtvollen Form, der über lange Zeit als Residenz eines einheimischen Grafen diente.

Zwischenzeitlich wurde die Anlage auch mal als exklusives Luxus-Hotel-Resort genutzt, und heute dient es, von Grund auf wunderschön restauriert und behutsam modernisiert, als private Residenz eines steinreichen Unternehmers südöstlich außerhalb von Lissabon. Seinen echten Namen soll ich hier im Blog auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin nicht nennen, und ich darf auch nur in einem sehr begrenzten Rahmen Fotos von dem Anwesen veröffentlichen – von ihm selbst oder seiner Familie verständlicherweise gar keine. Offensichtlich legt der distinguierte Herr allergrößten Wert auf Diskretion, was sicherlich auch handfeste Sicherheitsgründe hat. Menschen in dieser Wohlstandsklasse leben leider oft in der latenten Furcht vor Entführungen von Familienmitgliedern und nachfolgenden Erpressungen durch kriminelle Banden.

»WOW! Das ist wirklich absolut beeindruckend und wunderschön, wie du hier lebst!« Vicky fiel dem gut 50-jährigen, elegant gekleideten Herrn zur Begrüßung vollkommen unbeschwert und mit ihrer lockeren Herzlichkeit direkt um den Hals. Der Hausherr duldete die stürmische Umarmung mit einem amüsierten Schmunzeln und einem leisen Lächeln, begrüßte mich im Anschluss mit einem festen Gentleman-Handschlag und überließ uns dann dem diskreten Hauspersonal, das uns erst einmal zu unserer Unterkunft führte.

Die aufwendigen Restaurierungen und Modernisierungen des Palácio wurden im Laufe der Jahre bewusst so behutsam durchgeführt, dass das klassische, historische Ambiente in jedem Raum weitestgehend erhalten blieb. Dadurch wirkte das gesamte Interieur herrlich gemütlich und auf eine edle Art altmodisch. Insbesondere die traditionelle, weltberühmte portugiesische Kachel-Kunst – die sogenannten Azulejos – war an den Wänden überall perfekt erhalten geblieben, respektive fachgerecht restauriert. Das ist wie so vieles im Leben natürlich ein wenig Geschmackssache, passte hier jedoch perfekt hinein und hinterließ einen authentischen Gesamteindruck.

 

In der uns zugewiesenen, riesigen Suite – allein das angeschlossene Badezimmer war flächenmäßig ein gutes Stück größer als so manche normalen Hotel-Gästezimmer –, machten wir uns erst einmal gründlich frisch. Vicky zog sich im Anschluss ein elegantes, hübsches Kleid an, das deutlich besser in dieses aristokratische Umfeld passte als ihre lockeren Seglerklamotten. Der für uns zuständige Gäste-Butler informierte uns mit einer zurückhaltenden, geradezu ehrerbietigen Höflichkeit darüber, dass der Hausherr geschäftlich noch bis etwa 17:30 Uhr vollauf eingespannt sei. Wir könnten uns in der Zwischenzeit auf dem gesamten Anwesen völlig frei bewegen. Falls wir irgendwelche Wünsche bezüglich Essen, Getränken oder sonstigen Anliegen hätten, bräuchten wir einfach nur ihn oder ein anderes Mitglied des Haushaltspersonals darauf anzusprechen.

Pünktlich um 18:15 Uhr sollten wir uns dann in der großen Eingangshalle einfinden, um gemeinsam mit den Hausherren in seiner chauffierten Limousine zur Vernissage nach Lissabon zu fahren. Dort wartete auch ein exquisites Abend-Büffet auf die geladenen Gäste, und die Veranstaltung sollte sich bis etwa Mitternacht hinziehen. Über 120 geladene Besucher wurden für den Abend erwartet – eine bunte Mischung aus wohlhabenden Kunstsammlern, Kritikern und Mäzenen.

Mehrere gesponserte Künstler bekamen an diesem Abend die Gelegenheit, ihre Werke im typischen, aber unaufdringlichen High-Society-Rummel zu präsentieren, und auch für Vicky war ein fester Ausstellungsplatz reserviert worden. Der Dresscode lautete sommerlich locker, aber elegant. Erfahrungsgemäß fand sich auf solchen exklusiven Events für jeden präsentierten Künstler mindestens ein ernsthafter Interessent, Käufer oder ein lukrativer Folgeauftraggeber unter den wohlhabenden Gästen.

Vickys ungewöhnliche Kunst, die hauptsächlich aus großformatigen, detailreichen Zeichnungen besteht, hatte gute Chancen, an diesem Abend einiges an Aufmerksamkeit zu erregen – schlicht, weil etwas Vergleichbares in diesen traditionellen Kreisen noch fast nie präsentiert worden war. Solche großformatigen Original-Zeichnungen – gefertigt mit Kohle und Bleistift auf schwerem Papier und mit nachträglichen Vintage-Effekten versehen – werden in der Kunstwelt oft als »Vintage Mugshot«, »Retro Wanted Poster Art« oder »Noir Criminal Portrait« bezeichnet.

Dieser ganz spezielle Stil ist seit 2023 und 2024 vor allem in der internationalen KI-Kunst-Szene populär geworden. Er wird aber von traditionellen, analogen Zeichnern natürlich schon sehr viel länger verwendet und als handgefertigte Kunst auf dem Markt vermarktet. Vicky hatte in der Vergangenheit tatsächlich schon einige dieser aufwendigen Werke zu recht beachtlichen Preisen verkaufen können; in der Spitze bekam sie für eine rund 2x2 Meter große Zeichnung dieses Stils einmal umgerechnet beachtliche 18.000,- Euro – es handelte sich dabei um ein kunstvoll verfremdetes, aber sofort identifizierbares Doppelporträt zweier weltberühmter Persönlichkeiten.

»Hoffentlich gelingen mir heute Abend ein oder zwei gute Verkäufe«, meinte Vicky mit einem hoffnungsvollen Unterton, als wir vor der Abfahrt für noch ein bisschen körperliche Bewegung durch die malerische Umgebung des Landguts spazierten. »Ich würde dir nämlich unheimlich gern so schnell wie möglich deinen großzügigen Vorschuss zurückzahlen, Steve.«

»Ich drücke dir auf jeden Fall beide Daumen ganz fest«, lächelte ich, nahm sie im Gehen aufmunternd in den Arm und drückte sie kurz fest an mich. Inzwischen hatten wir draußen an die 30 °C erreicht, und bei der engen körperlichen Berührung kam man in der stehenden Luft sofort leicht ins Schwitzen. »Aber wie ich dir schon oft gesagt habe: Mach dir bloß keinen künstlichen Druck oder Eile. Lass dir alle Zeit der Welt die du brauchst und stottere den Betrag einfach ganz entspannt so ab, wie es deine Finanzen eben zulassen.«

»Danke, du Lieber!« Bekam ich einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen, und sie rieb ihre schönen, kurvigen Formen frech lächelnd ein bisschen an meinem Körper, bevor wir wieder Richtung Haupthaus umkehrten.


 

Seit sie vor Monaten aufs Boot umgezogen ist und ihr Leben hauptsächlich auf dem Wasser verbringt, ist das kontinuierliche Herstellen und professionelle Vermarkten ihrer Kunst logischerweise deutlich komplizierter geworden als zuvor an Land, wo sie noch ein großes, festes Atelier besaß. Auf oder genauer gesagt in einem ständig schwankenden, relativ kleinen Segelboot inmitten einer feuchten Salzwasserumgebung, muss sie bei der Arbeit sorgfältig und gut geplant vorgehen. Meistens hat sie eines ihrer neuesten Werke komplett luftdicht in Spezialfolie eingeschweißt unter dem Lattenrost des großen Doppelbettes in der Heckkabine gelagert, um es bei passenden Gelegenheiten sofort unbeschadet präsentieren zu können.

Von ihrem Laptop aus kann sie zudem bei Ausstellungen mittels eines kompakten Beamers unterschiedliche digitale Scans ihrer Bilder hochauflösend auf eine Leinwand projizieren. Eine eigene Online-Verkaufsseite sowie mehrere professionell geführte Promotion-Influencer-Accounts betreibt sie natürlich ebenfalls: Als Model postet sie ebenfalls regelmäßig sexy Bilder von sich und hat sich so im Laufe der Zeit eine treue Gefolgschaft von ein paar Zehntausend Followern aufgebaut.

Britt handhabt das übrigens ganz ähnlich und kommt mit ihren Profilen sogar auf sechsstellige Followerzahlen, was ihr dementsprechend solide, regelmäßige Online-Einnahmen einbringt. In Vickys skandinavischer Heimat lagern zudem – gut behütet und verwaltet von ihrer Familie – noch etliche weitere dieser großformatigen Originale, die dann bei konkretem Interesse sofort per Spedition weltweit an den Käufer versendet werden können.

Nach unserem Spaziergang legten wir in der kühlen Suite noch eine wunderbare Siesta ein, liebten uns ausgiebig und erschienen schließlich pünktlich zur vereinbarten Abfahrt frisch geduscht und passend gestylt in der großen Halle. Unser galanter Gastgeber machte Vicky auf dem Weg ebenfalls ein wenig Hoffnung und betonte, dass er unter den geladenen Gästen der Vernissage mindestens vier finanzkräftige Teilnehmer persönlich kenne, die sich für ihre spezielle Art der Kunst interessieren dürften.

Die Fahrt zum Ausstellungsort, der nahe dem breiten Rio Tejo und der großen Bucht lag, dauerte in der komfortablen Limousine rund 45 Minuten, während derer wir uns locker und ungezwungen unterhielten. Der Hausherr entpuppte sich auch im privaten Gespräch als ein ungemein interessanter, hochgradig gebildeter und kluger Typ, der auf uns beide durchweg sympathisch und bodenständig wirkte.

Übrigens ist Portugals weltberühmte Hauptstadt Lissabon mit ihren rund 550.000 Einwohnern im globalen Vergleich eigentlich eher eine mittelgroße, sogar fast klein zu nennende Stadt. Aber sie ist lebendig, pulsierend und zu einem Großteil einfach hübsch anzusehen – vollgepackt mit einer reichen Kultur und einer jahrhundertealten Geschichte. Ich selbst war nun schon seit einigen Jahren nicht mehr hier gewesen und hatte mir fest vorgenommen, dass wir, bevor wir wieder zurück an die Algarve fuhren, zumindest einen vollen Tag lang ausgiebiges Sightseeing in den alten Gassen machen würden.

Da wir das normale Mittagessen heute komplett hatten ausfallen lassen, zog es mich gleich nach unserer Ankunft in der Halle magisch an das exquisite, üppig bestückte Büffet. Vicky schnappte sich ebenfalls schnell ein paar leckere Happen zur Stärkung und kümmerte sich dann sofort mit fokussiertem Eifer um den professionellen Aufbau ihrer Präsentation an dem ihr zugewiesenen Platz. 

 

Der offizielle Veranstaltungsbeginn der Vernissage für das geladene kunstinteressierte Publikum war auf 20 Uhr angesetzt; wir hatten also noch etwas Zeit, und sie erledigte das Arrangement mit nur wenig Hilfe von mir oder den fleißigen Organisations-Mitarbeitern routiniert und zügig. So etwas Ähnliches hatte sie auf ihrem langen Segeltörn vom Baltikum bis hierher nach Portugal schließlich schon etliche Male in verschiedenen europäischen Küstenstädten erfolgreich durchgezogen.

Dann schlug die Stunde, die Tore öffneten sich und die elegant gekleideten Menschen strömten in die große, stimmungsvoll ausgeleuchtete Ausstellungshalle, die in verschiedene künstlerische Bereiche unterteilt war. Es handelte sich überwiegend um gut situierte, vermögende bis steinreiche Leute – eine absolut typische Upperclass-Vernissage, auf der das »normale« Publikum und gewöhnliche Kunstinteressierte am heutigen Abend keinen Zutritt erhielten; die breite Masse durfte erst an den beiden darauffolgenden Tagen in die Hallen.

Vicky blieb verständlicherweise fast ununterbrochen wie festgewurzelt an ihrem Präsentationsplatz stehen, um sofort auf jeden potenziellen Interessenten eingehen und ihre Techniken erklären zu können. Ich übernahm in dieser Zeit den Part des fürsorglichen Managers und versorgte sie vom wirklich erstklassigen Feinkost-Büffet und der gut sortierten Getränkebar regelmäßig mit frischem Essen und kühlen Drinks. 

 

Wenn sie dann doch mal dringend für ein paar Minuten auf die Toilette verschwinden musste, hielt ich solange am Stand die Stellung und vertröstete die herantretenden Interessenten bei tiefergehenden Fragen charmant darauf, dass die Künstlerin in wenigen Augenblicken persönlich zurückkehren und alle Details umfassend beantworten würde. Ansonsten nutzte ich die Zeit, schlenderte entspannt durch die Gänge, schaute mir die von den anderen Künstlern präsentierten Werke an und plauderte gelegentlich unverbindlich mit diversen Besuchern.

Um ehrlich zu sein: Nahezu alles, was zu diesem Anlass am heutigen Abend an moderner Kunst gezeigt wurde, entsprach so gut wie gar nicht meinem persönlichen Geschmack. Ich bin ohnehin kein allzu großer Kunst-Fan und ertappe mich oft bei dem Gedanken, dass es in dieser Szene meistens sehr viel mehr um die pompöse Show und nicht selten egomanisches Sehen-und-Gesehen-Werden geht als um das eigentliche Handwerk.

Am ehesten können mich noch klassische, handwerklich meisterhafte Werke faszinieren, obwohl es natürlich auch in früheren Epochen der Kunstgeschichte bei den alten Meistern schon massiv um die zur Vermarktung notwendige Selbstdarstellung ging. Mit dem, was heutzutage gemeinhin unter dem Begriff »Moderne Kunst« auf den Markt geworfen wird, kann ich im Allgemeinen reichlich wenig anfangen. Aber selbstverständlich respektiere ich die tiefe Leidenschaft der Künstler für das, was sie da tun – ganz unabhängig davon, ob es mir nun persönlich zusagt oder nicht.

Nachdem ich mich ein weiteres Mal am reichhaltigen Büffet gestärkt und mich mit einem Glas exzellenten Wein versorgt hatte, schlenderte ich wieder gut gelaunt durch die Gänge. Dabei bemerkte ich eine rassig-südländisch wirkende, attraktive junge Frau von vielleicht 23 Jahren, die mich nun schon seit einer ganzen Weile mit offensichtlich gesteigertem Interesse aus der Ferne beobachtete. Ihr dunkles, glänzendes Haar fiel ihr in weichen Wellen über die Schultern, und ihr bauchfreies Oberteil betonte ihre grazilen Kurven, während sie sich mit der Anmut und dem Sexappeal von Fashion-Models durch die Menge bewegte.

Für das ansonsten etwas steife Niveau dieser Veranstaltung war sie ungewöhnlich sexy-casual gekleidet: Sie trug eine helle, verwaschene Jeans und ein ziemlich knappes, bauchfreies weißes Oberteil, unter dem sie offensichtlich keinen BH trug. Ihre grazilen Bewegungen deuteten sofort auf ein professionelles Fashion-Model hin, und ich überlegte im Gehen angestrengt, ob ich ihr vielleicht in der Vergangenheit auf einem der vielen Model-Events oder Castings begegnet war – fand jedoch auf die Schnelle keinerlei konkrete Erinnerung in meinem Schädel. Als sich unsere Blicke schließlich direkt trafen und ich ihr natürlich höflich-freundlich zulächelte, fackelte sie nicht lange: Sie kam mit federnden Schritten direkt auf mich zu und schmunzelte mich auf Deutsch mit einem süßen, holländischen Akzent an:

»Ich wette ein Vermögen darauf, dass du dir gerade ganz gewaltig den Kopf zerbrichst, dich aber beim besten Willen nicht an mich erinnern kannst, stimmts? Hey, ich bin Lois – und du bist doch dieser bekannte Fotografen-Captain Steve?«

»Hallo Lois, sehr erfreut!« Ich musste lachen. »Stimmt auffallend, der bin ich. Und du scheinst mich ja offensichtlich zu kennen, während ich im Moment ehrlicherweise noch absolut keine Ahnung habe, woher wir uns kennen und wer du bist. Ein Model, vermute ich mal stark?«

»Aye, Sir! Model und manchmal auch ein bisschen Künstlerin«, lächelte sie auf eine sympathische, selbstbewusste Art, wie sie erfolgreichen Frauen eigen ist, die keine Probleme mit ihrer Weiblichkeit haben. »Aber mach dir bloß keine Vorwürfe: Es ist schon eine ganze Weile her. Ich war damals noch ein ziemlich naives Anfänger-Nachwuchsmodel; ein dummes kleines Mädchen, das noch von absolut nichts eine Ahnung hatte, als wir uns mal bei einem großen Casting begegnet sind.«

»Aha…, na dann ist es aber erst recht erstaunlich, dass du dich überhaupt noch nach all der Zeit an mich erinnerst und mich hier im Getümmel anscheinend sofort wiedererkannt hast?« Ich wunderte mich nun nicht mehr ganz so sehr. Solche Begegnungen sind mir in der Vergangenheit schon gelegentlich passiert; ich war ja früher jahrelang ziemlich aktiv in der internationalen Model-Branche unterwegs und pflege auch heute noch viele gute Kontakte in diese Kreise.

»Das ist gar nicht so erstaunlich, wie du jetzt vielleicht vermutest!«

Sie blinzelte mir charmant und mehrdeutig zu – auf diese ganz spezielle, weibliche Art, die besonders Models oft an den Tag legen, weil sie schlichtweg gerne Frau sind und sich ihrer Wirkung auf Männer vollkommen bewusst sind.

»Ach ja? Und weshalb…? Weißt du was, kann ich dir vielleicht erst einmal einen Drink besorgen und wir plaudern in Ruhe weiter?« Wir bewegten uns während des Redens bereits automatisch in Richtung eines freien, etwas abseits aufgestellten Stehtisches am Rande der großen Halle.

»Das ist gar nicht nötig…« Lois stoppte kurz und schnappte sich mit einer grazilen Bewegung im Vorbeigehen eine gefüllte Champagner-Flöte vom silbernen Tablett einer vorbeilaufenden Bedienung. »…ich erinnere mich deshalb noch so gut an dich, Steve, weil du damals im Vergleich zu all den anderen Typen einfach… ungewöhnlich warst.«

»Hm, das höre ich zwar nicht zum ersten Mal in meinem Leben, Lois, aber inwiefern genau meinst du in diesem Fall ‚ungewöhnlich‘? Komm, lass uns doch am besten mal nach draußen vor die Tür gehen, damit ich mir eine Zigarette anzünden kann.«

Ich nahm einen kräftigen Schluck von meinem Wein und wies mit der Hand in Richtung eines gläsernen Seitenausgangs, da in der gesamten Ausstellungshalle typischerweise ein striktes Rauchverbot herrschte.

»Sehr gerne – vorausgesetzt, du bläst mir den Rauch nicht direkt ins Gesicht!« Zwinkerte sie mir locker zu, hakte sich ganz ungeniert und vertraut bei mir unter, und gemeinsam gingen wir hinaus an die frische Luft. Draußen war es mit mittlerweile knapp 20 °C angenehm frisch geworden – ein wunderbarer Kontrast zu dem zwar klimatisierten, aber durch das pralle Sonnenlicht des Tages und die vielen Menschen ziemlich aufgeheizten Innenräumen des Gebäudes.

»Also, Lois? Schieß los, was war denn damals an mir so ungewöhnlich?« fragte ich schmunzelnd, während ich mir die Kippe ansteckte. Ich ahnte natürlich schon im Stillen, was jetzt wahrscheinlich als Antwort kommen würde… und traf damit voll ins Schwarze.

»Du warst damals bei diesem anstrengenden Casting einer der ganz, ganz wenigen, der uns junge Nachwuchsmodels nicht wie seelenlose Püppchen oder austauschbare Kleiderständer behandelt und unhöflich herumkommandiert hat. Du warst ein echter Gentleman, Steve. Heute, mit ein paar Jahren mehr Erfahrung in der Branche, kenne ich den Unterschied natürlich ganz genau. Du hast uns dumme Mädels, die wir damals die Köpfe noch voller Illusionen, Ängste und großer Träume hatten, trotz allem immer mit echtem menschlichen Respekt und richtig nett behandelt. Das vergisst man nicht.« Lois lächelte mich bei diesen Worten auf eine sehr ehrliche und sympathische Weise an.

 

Sie ist nicht unbedingt das, was man eine klassische, makellose Modelschönheit nach dem Lehrbuch nennen würde, aber sie besitzt ein ausdrucksstarkes, fotogenes Gesicht, hat eine fantastische Figur und wirkte insgesamt einfach wie ein nettes, bodenständiges weibliches Wesen – ein Mensch, mit dem man sich gern auf Anhieb anfreundet und in dessen Gesellschaft man sich locker wohlfühlt. Eindeutig gehörte sie nicht zu dieser Sorte von kalt berechnenden Models, die primär nach ihrem eigenen finanziellen Vorteil oder reichen Männern Ausschau halten und ihre äußerliche Attraktivität und ihr Sexappeal gezielt als Waffe einsetzen.

Wir plauderten in der Folgezeit den typischen, entspannten Kennenlern-Smalltalk und lachten herzlich über die damalige Casting-Begegnung, an die ich mich beim besten Willen absolut nicht mehr im Detail erinnern konnte. Das wäre allerdings auch ein echtes Wunder gewesen: Wenn man sich als Fotograf über viele Jahre hinweg in den großen Modelkreisen von Paris, Mailand und anderen Metropolen bewegt, hat man es im Laufe der Zeit tatsächlich mit Tausenden von jungen Girls und Frauen zu tun, die einem irgendwo kurz begegnen, für ein paar Minuten vor der Kamera stehen oder mit denen man mal ein paar flüchtige Worte gewechselt hat. Es ist schlicht völlig unmöglich, sich all diese schönen Gesichter zu merken, wenn man nicht über einen längeren Zeitraum konkret miteinander zu tun hat, Kontaktdaten austauscht oder mehrere Shootings miteinander durchzieht, bei denen man sich intensiver kennenlernt.

Nun, ich könnte hier noch seitenweise über unser langes Gespräch im Mondschein schreiben, aber das würde den zeitlichen Rahmen dieses Blog-Eintrags definitiv sprengen. Nur so viel sei verraten: Dieses Mal machten wir Nägel mit Köpfen und tauschten tatsächlich unsere Kontaktdaten aus. Lois erwähnte zum Abschied noch mit einem vielsagenden Lächeln, dass sie mir in naher Zukunft gern mal als Model zur Verfügung stehen würde – und das ohne finanzielles Interesse, einfach so, just for fun an der kreativen Arbeit vor einer Kamera.

Später am Abend schlenderte ich, in Begleitung von Lois, wieder zurück zum Stand und löste Vicky an ihrem Präsentationsplatz ab, damit sie sich auch mal ein wenig die Beine vertreten und etwas essen konnte. Bei dieser Gelegenheit lernten sich die beiden Frauen auch gleich kennen und verstanden sich auf Anhieb blendend. Als die Vernissage gegen Mitternacht schließlich langsam ausklang, konnte Vicky eine positive Bilanz ziehen: Sie hatte tatsächlich eines ihrer großformatigen Werke für stolze 6.500,- Euro an einen betuchten Sammler verkauft, und zwei weitere Interessenten hatten ihre Visitenkarten hinterlassen und ernsthaftes Interesse bekundet, in den nächsten Tagen über einen Kauf zu verhandeln.

Es war also unter dem Strich ein rundum erfolgreicher, gelungener und zudem auch noch interessanter Abend mit vielen neuen, wertvollen Bekanntschaften und wirklich exquisiten Köstlichkeiten vom Feinkost-Büffet. Aus Höflichkeit unserem großzügigen Gastgeber gegenüber, der nach dem langen Stehen verständlicherweise ziemlich müde war und am liebsten gleich auf direktem Weg zurück zu seinem Palácio fahren wollte, verzichteten wir darauf, noch weiter in der Innenstadt von Lissabon umherzuziehen.

Wir stiegen gemeinsam in die wartende Limousine, deren klimatisierte Luft eine angenehme Kühle nach dem warmen Abend bot. Die Lederpolster rochen nach neuem Auto und diskretem Luxus, während wir uns zurücklehnten und die Lichter der Stadt langsam hinter uns verschwanden.

Vicky bedankte sich während der Fahrt noch einmal überaus charmant für die exklusive Einladung und das Vorstellen der potenziellen Interessenten. Sie freute sich verständlicherweise riesig darüber, eines ihrer aufwendigen Bilder direkt an den Mann gebracht zu haben. Das Ganze wurde praktischerweise als Sofort-Verkauf ihres einzigen ausgestellten Original-Bildes per sekundenschneller Online-Direktüberweisung abgewickelt, sodass sich das Geld bereits auf der Rückfahrt auf ihrem Konto befand.

So gingen wir beide am Ende bester Laune, wohlig müde und frisch geduscht gegen 01:30 Uhr in der Nacht in unserer Suite ins Bett, schmusten noch eine Weile sinnlich miteinander. Irgendwann pennten wir schließlich tiefenentspannt ein… schnarch

 Unzensiert Weiterlesen? Klick >>>

»«

©-http://srjexped.jimdo.com/2026 Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte & Bilder - auch auszugsweise - ohne schriftliche Genehmigung ist nicht gestattet. Alle Angaben ohne Gewähr!

Blog: https://sea-nomads.blogspot.com

Current Crew

 

 

Buy

Ganzen Blog unzensiert lesen>>>
Sende den gewünschten Betrag per Pay Pal an Captnsteve59@icloud.com Viel Spaß :))

Beliebte Posts