#25.11.21- Italien, Syrakus, Sizilien, November #11, Florentiner
Feuer entzündet Syrakus… und das Fell des Bären
Die Morgensonne kroch gerade über die goldenen Dächer des
Landschlosses, als Sergio mit seinem klappernden Motorroller vorfuhr – ein
schlanker, dunkelhaariger Italiener mit diesem typisch sizilianischen Lächeln,
das irgendwo zwischen »Ich bin ein Schurke« und »Aber du wirst mich trotzdem
mögen« lag. Er trug eine abgewetzte Lederjacke, die nach Abenteuer roch, und
eine Sonnenbrille, die er sofort abnahm, als er Meli sah. »Buongiorno,
bellissima Meli, Steve!«, rief er und küsste ihr beide Hände, als wäre sie eine
Prinzessin – was sie mit einem amüsierten Augenrollen quittierte. Mir drückte
er zum Glück nur kräftig die Hand.
»Du hast Glück, Sergio, dass ich morgens überhaupt ansprechbar
bin«, brummte ich und schob ihm einen Espresso rüber, während Meli sich
lächelnd in ihren Sessel fallen ließ. Sie trug nur ein dünnes, weißes
Leinenhemd, das locker über ihren Kurven hing – absichtlich so gewählt, dass es
genug verriet, um Neugier zu wecken, aber nicht genug, um alles preiszugeben.
»Und dass ich überhaupt Zeit für dich habe«, fügte sie hinzu und
nippte an ihrem Orangensaft, während ihre blaugrauen Augen Sergio
herausfordernd musterten.
»Wer braucht noch Glück, wenn er die Chance hat eine wunderschön
erotische Frau wie dich, Meli vor die Kameralinse zu bekommen?« Konterte er und
setzte sich mit dieser italienischen Lässigkeit, die sofort klar machte: Der
Typ weiß, was er tut. »Aber ich danke dem Schicksal trotzdem.« Er griff nach
einem Croissant, biss hinein und schaute dabei direkt Meli an – nicht
aufdringlich, aber so intensiv, dass sie leicht errötete. »Also, wann fangen
wir an? Ich sterbe darauf, dich in diesen verfallenen Ruinen zu fotografieren –
wie eine Nymphe, die zwischen den Steinen auftaucht.«
Meli lächelte – dieses halbe, geheimnisvolle Lächeln, das immer
verriet, dass sie genau wusste, was sie tat. »Erstmal Frühstück, Sergio. Und
dann Arbeit. Und dann vielleicht Ruinen.« Sie strich sich eine Strähne aus dem
Gesicht und warf mir einen Blick zu, der fragte: »Was meinst du, Steve? Soll
ich ihm trauen?«
Ich zog an meiner Kippe und beobachtete die beiden. Sergio war
kein Anfänger – das sah man an der Art, wie er Meli ansah: nicht wie ein
Fotograf, der ein zu fotografierendes Objekt betrachtet, sondern wie ein Mann,
der eine Frau bewundert. Und Meli? Sie spielte das Spiel mit – nicht
unschuldig, aber auch nicht berechnend. »Ich hab ihn gecheckt«, sagte ich und
blies den Rauch aus. »Keine roten Flaggen. Und Flavia-Blond sagt, er ist einer
der Guten.«
»Flavia hat mit ihm geschlafen?«, verstand Meli meine Frage
absichtlich leicht provokant falsch und hob eine Augenbraue. »Das ist kein
Referenzschreiben, Steve.«
»Sie hat mit ihm gearbeitet! Hoho«, korrigierte ich schmunzelnd.
»Und gesagt, er ist professionell. Und respektvoll. Und macht verdammt gute
Fotos.« Ich zündete mir eine neue Kippe an. »Außerdem bin ich dabei.« Amüsierte
ich mich innerlich über ihre Raffinesse. Ja, Meli ist sehr clever. Die
absichtlich missverstandene Frage war psychologisch ein geschickter Trick, um
Sergio besser zu durchschauen und eine Vertrauensbasis aufzubauen.
Sergio lachte – ein warmes, ehrliches Lachen, das sofort die
Stimmung lockerte. »Keine Sorge, Padrone. Ich fotografiere nur, was die Signorina
zeigen will. Und ich verspreche dir: Die Fotos werden so schön, dass sie jeden
umhauen. Auch dich.« Er zwinkerte Meli zu, die plötzlich ernst wurde.
»Also gut Sergio. Ich will Kunst. Erotik. Stimmung.« Sie beugte
sich vor und fixierte ihn mit diesem Blick, der klar machte: »Ich bin kein
Objekt. Ich bin eine Partnerin.«
»Perfetto« ,lächelte er und hob die Hände, als würde er sich
ergeben. »Ich arbeite nur mit Göttinnen. Und Göttinnen werden nicht
fotografiert – sie werden verehrt.«
Ich musste grinsen. »Jetzt übertreib mal nicht, Casanova. Aber
okay – wenn du so redest, lasse ich dich sogar mal mit ihr allein. Doch
Vorsicht, Meli ist eine Löwin, hoho!« Ich schaute auf die Uhr. »Aber erst
arbeiten wir. Und dann, wenn die Sonne hoch genug steht, machen wir erfreuliche
Kunst.«
Meli lächelte zufrieden und stand auf. »Dann gehe ich mal
duschen. Sergio, du kriegt eine Stunde, um deine Ausrüstung vorzubereiten. Und
Steve…« – sie kam zu mir und drückte mir einen schnellen Kuss auf die Wange – «…du
wappnest dich innerlich gegen Florentinische Feuerdrachen, haha! Ich kann
nachher nicht mitkommen, um Flavia (-schwarz) zu besuchen. Ich muss später noch
einen Video-Chat mit meinem Fernstudium-Mentor führen.«
»Das sollte ich wohl wirklich tun«, murmelte ich und tat, als
würde ich salutieren. »Autsch, verdammt! Ihr allein gegenüber zu treten, könnte
das Fell eines schwachen Schmusebärchen wirklich Feuer fangen lassen, hoho..«
Sergio lachte wieder. »Shootest du heute etwa mit Flavia B…?« Nannte
er den Nachnamen der sehr rassigen, schwarzhaarigen Seelenverwandten Flavia,
wie ich sie im letzten Blog kurz beschrieben hatte. »Dann muss ich dir auch
raten: Vorsicht! Sie ist heiß, superclever und so selbstbewusst wie eine
Cäsarin!« Zwinkerte er mir noch männlich-Komplizenhaft zu.
»Ein Shooting haben wir nicht verabredet, nur ein erstes Treffen
und privates kennenlernen in ihrer Atelier-Wohnung. Du kennst sie? Ja, mir war
schon am Abend in der Taverne auf Anhieb klar, dass sie eine außergewöhnliche
Frau ist.«
»Definitiv, mein Schmusebärchen! Pass gut auf dich auf!«
Schmunzelte Meli verschmitzt.
Sergio erklärte. »Kennen ist zu viel gesagt, ich traf sie
mehrmals im Dolce Vita Nightlife und wir plauderten in der Gruppe auch
miteinander. Aber du hast recht: wer kein Depp ist, erkennt sofort: Flavia hat
Rasse, Klasse, heißes Blut und mehr im Kopf als die Meisten. Eine großartige
Frau, sehr beeindruckend!« Beendeten wir das Frühstück.
Während Meli verschwand, um in der Küche eine Kühltasche mit
Obst und Getränken, sowie Decken und was man für ein Outdoor-Shooting so
benötigt zu organisieren, blieb ich mit Sergio allein. Er bereitete seine Kamera-Ausrüstung
vor – teures Zeug, professionell, aber nicht protzig. »Steve…«, begann er und
schaute mich an, als würde er abwägen, wie viel er fragen durfte. »Ich weiß, du
hast mich abgecheckt. Das ist gut. Ich machte das natürlich auch… und bin schon
von dem Wenigen, dass ich über dich herausgefunden habe, ehrlich beeindruckt.
Und dieses Landschloss ist… Mamma mia, Caspita! Wer und was bist du?«
»Natürlich, deine Reaktion ist verständlich«, sagte ich und
nippte an meinem Kaffee. »Aber du musst mir kein Honig ums Maul schmieren,
hoho. Doch wir würden den ganzen Tag brauchen, wollte ich dir ausführlich
erklären, wer und was ich bin und mache.« Schaute ich ihn nur lächelnd, aber
auch mit einem leicht ernsten, mahnenden Ausdruck fest in seine Ausgen.
Sergio ist kein Dummkopf – das merkt man sofort. Selbstverständlich
ist ihm auch ohne direkte Hinweise bewusst, es mit mir mit einem auf der
sozialen Leiter weit über ihm stehenden zu tun zu haben. Er ist sehr
selbstbewusst und ganz sicher kein Duckmäuser, aber nur Idioten würden nicht
erkennen, dass man sich mit Leuten mit viel mehr Geld, Einfluss, Beziehungen
und Macht besser nicht anlegen, sie nicht verärgern sollte.
»Ich genieße die Show«, meinte er grinsend. »Und ich habe deine
Fotos gesehen. Du musst… außergewöhnlich sein, um mit derart schönen, sogar
einigen weltberühmten Frauen Shooten zu dürfen. Und du liebst Frauen, nicht
wahr?!«
»Wer liebt sie nicht?«, konterte ich grinsend. »Aber ich
respektiere sie auch.«
Er nickte. »Gut. Dann sagen wir so: Ich will keine Probleme. Ich
will nur gute Fotos. Und vielleicht…« – er zögerte – »…ein bisschen von dieser
Magie einfangen, die passiert, wenn eine schöne Frau sich traut, echt zu sein.
Meli ist auch beeindruckend und sehr clever.«
Ich verstand, was er meinte. »Das ist sie, oh ja! Mit Frauen wie
Meli und der richtigen Spannung am Set, wird Fotografie nicht nur zu Kunst,
sondern zu Magie, der sich weder Fotograf noch Model entziehen können…, wenn du
es richtig machst!«, sagte ich. »Wenn das Model nicht posiert, sondern lebt.
Und der Fotograf nicht nur knipst, sondern fühlt.«
»Genau!«, nickte er. »Und deshalb bin ich hier. Von dir könnte
ich bestimmt noch einiges lernen. Nicht nur das Fotografieren beeindruckender
Frauen, auch für diese eine Sekunde, in der alles stimmt.«
»Dann hoffen wir mal, dass die Sonne mitspielt«, sagte ich und
schaute aus dem Fenster, wo Sonnenstrahlen über die Zypressen glitten, es
langsam wärmer wurde. »Und dass Meli heute Laune hat, dich nackt in ihren Bann zu
ziehen, zu verzaubern.« Zwinkerte ich männlich.
Sergio lächelte. »Das, darauf würde ich wetten, gelingt ihr immer
mühelos mit jedem.«
»Darauf kannst du Wetten, denn diese Wette gewinnst du, hoho!«
Übrigens schadet es bei der meist typischen Konstellation –
männlicher Fotograf und weibliches Model – absolut nicht, wenn es zwischen den
Geschlechtern ein bisschen kribbelt. Im Gegenteil: Bei schöner,
ausdrucksstarker Akt-Fotografie entstehen noch bessere, erotischere Bilder,
wenn sich Fotograf und Model gegenseitig reizvoll finden. Ich will hier nicht
zu viel dazu schreiben – Wer mehr über diese Magie wissen will: Lese: »Akt-Fotografie:
Wenn Blicke mehr sagen als Worte« >>>
»Pläne sind wie sizilianische Liebesnächte: schön, wild – und am
Ende macht doch jeder, was er will« Grinste ich in mich hinein, als mein Handy bimmelte.
Jetzt – wie so oft im Leben – gerieten unsere Absichten auf
unvorhergesehene Weise durcheinander. Baron Marc aus Paris, Vita und Vittorio
aus Rom klingelten mich für eine gemeinsame Videokonferenz an – in einer halben
Stunde. Sie hatten sich mit den Beteiligten und Anwälten darauf geeinigt, wie
unsere gemeinsame Übernahme des Landschlosses und dessen Nutzung als
assoziierte GC-Clubanlage für reiche Gäste funktionieren sollte. Die Verträge
waren unterschriftsreif vorbereitet und sollten noch einmal gemeinsam
diskutiert werden, bevor wir uns zu einem Termin treffen, um alles juristisch
einwandfrei unter Dach und Fach zu bringen.
»Verdammt«, murmelte ich und warf einen Blick auf die Uhr.
»Genau jetzt, wo die Sonne perfekt steht…« Meli, die gerade ihre Haare zu einem
lockeren Knoten band, drehte sich zu mir um. Ihr dünnes, weißes Leinenhemd
schmiegte sich sanft an ihre Kurven, und ihr Lächeln war eine Mischung aus
Verständnis und leichter Enttäuschung.
»Also kein Shooting mit mir, nur ich und Sergio?«, fragte sie
und kam näher, bis ihr Duft nach Zitrus und warmer Haut mich umfing. »Schade…
Ich hätte mich gerne für dich in Szene gesetzt.« Sie strich mir spielerisch
über die Brust und flüsterte: »Aber Business geht vor, nicht wahr?«
»Leider ja«, seufzte ich und zog sie an mich, spürte ihre
Weichheit gegen meinen Körper. »Aber Sergio ist ein Profi – ich habe keine
Bedenken. Er wird nicht aus der Rolle fallen, auch nicht, wenn du ihm dein
überwältigend verlockend-erotisches Sexappeal nackt zeigst.« Ich küsste sie
sanft auf die Schulter und fügte hinzu: »Und pass auf, dass er nicht zu sehr
ins Schwärmen gerät…«
»Oh, ich werde ihn schon im Zaum halten«, lachte sie und drückte
sich noch einmal an mich, bevor sie zurücktrat. »Aber versprich mir, dass du
später alles haargenau erzählst – besonders, wie es mit Flavia lief.« Ihr Blick
war halb scherzhaft, halb neugierig, und ihre Finger glitten über meinen Arm,
als würde sie mich nicht loslassen wollen.
»Das verspreche ich«, sagte ich und küsste sie noch einmal –
länger diesmal, sinnlicher. »Und du…«, flüsterte ich, während meine Hände ihre
Taille umfassten, »…pass auf, dass Sergio nicht vergisst, dass du meine Muse
bist.«
»Deine?«, kicherte sie und zog mich noch einmal zu sich heran.
»Ich bin die Muse von jedem, der mich richtig zu fotografieren weiß.« Dann
küsste sie mich leicht auf die Lippen und flüsterte: »Aber du bist der Einzige,
der mich so küsst…«
»Das sollte er besser nicht hören«, grinste ich und ließ sie
los, als mein Handy pingte. »Ich muss los.«
Sie lachte und winkte mir nach, als ich zur Tür ging. »Und
Steve…«, rief sie mir noch nach, »…vergiss nicht: Du bist auch meine Muse.«
Also gut, zurück zur Arbeit.
Ich führte bis Mittag die Videokonferenz und schaute mir danach
die hochverschlüsselte Datei mit den ausgearbeiteten Verträgen an. Ein
Telefonat mit meinem Anwalt bestätigte, dass alles seine juristische Ordnung
hatte. »Du kannst bedenkenlos unterschreiben, Steve«, versicherte er mir. Aus meiner
Sicht als Geschäftsmann war ebenfalls alles in Ordnung.
Bis zu einem Termin für die gemeinsame Vertragsunterzeichnung
würde es noch einige Tage dauern. Marc und Vittorio waren beruflich so
ausgebucht, dass es nicht einfach war, einen Zeitpunkt zu finden, an dem beide
genug Zeit für ein persönliches Meeting hatten.
Um 12:20 Uhr nahm ich Vittorios alten, aber immer noch schicken
Maserati Quattroporte und fuhr damit vergnügt in die Altstadt von Ortigia. Dort
sollte ich – wie vereinbart – Flavia-Schwarz treffen, um zunächst mit ihr zu
Mittag zu speisen. Darauf freute ich mich tatsächlich – denn diese Frau ist
eine hochinteressante Persönlichkeit. Sie tickt geistig sehr ähnlich wie ich,
und ist mit ihren 32 Jahren eine erfahrene, so schlanke, rassig schöne Frau,
dass die meisten Zwanzigjährigen auf ihr Aussehen neidisch sein könnten.
Die Fahrt von unserem Landschloss nach Ortigia, der Altstadt von
Syrakus, war kurzweilig. Ich saß im Maserati, den Vittorio mir überlassen
hatte, und genoss das italienische Temperament des Wagens. Ich parkte auf einem
der größeren Touristenparkplätze außerhalb der eigentlichen Insel, denn wer mit
einem Auto durch die engen, historischen Gassen fährt, hat entweder zu viel
Zeit oder zu wenig Verstand. Um diese Jahreszeit hätte ich auf Ortigia
vielleicht einen freien Parkplatz gefunden, aber ich hatte keine Lust,
vielleicht lange zu suchen.
Von dort aus war es nur ein kurzer Spaziergang über die Brücke
auf die Insel. Die Sonne stand jetzt hoch, tauchte die Fassaden in helles Licht.
Die Altstadt, die ich durchschritt, war ein Labyrinth aus Geschichte und Leben.
Schmale Gassen, gesäumt von ockerfarbenen und honiggelben Steingebäuden,
öffneten sich plötzlich zu pittoresken Plätzen. Überall hing der Duft von
frischer Wäsche, Espresso und einer Prise Meersalz in der Luft – eine
malerische Szenerie, die perfekt zur Vorstellung des sizilianischen Dolce Vita
passte.
Flavias Wohnung lag in einem Haus, das von außen ehrlich gesagt
etwas mitgenommen aussah. Die Fassade war von der Sonne gebleicht und vom Wind
zerfressen, aber das war typisch für Ortigia und verriet oft, dass sich hinter
der unscheinbaren Tür wahre architektonische oder – in diesem Fall –
künstlerische Juwelen verbargen.
Ich klingelte und wurde fast sofort hereingelassen. Die Tür
schwang auf, und ich trat in einen kühlen, hohen Flur – ein angenehmer Kontrast
Sonnenlicht draußen. »Entschuldige, Steve! Du kommst genau in der falschen
Minute! Ich bin noch nicht fertig«, hörte ich eine temperamentvolle, lachende
Stimme und das typische Geräusch eines Haar Föns.
Ich folgte dem Klang in ihr großzügiges Atelier, das
überraschend hell war. Flavia stand mit dem Rücken zu mir, vor einem riesigen
Spiegel, und war gerade dabei, ihre langen, tiefschwarzen Haare trocken zu
föhnen. Sie trug nur ein leichtes, schwarzes Sommerkleid mit schmalen Trägern, dass
ihre gertenschlanke Figur betonte. Ihre Haut glänzte, frisch geduscht, und sie
sah ungeschminkt ehrlich und makellos aus.
Sie drehte sich um, als sie das Föhngeräusch beendete, und
strahlte mich an. »Steve! Benvenuto! Ich hoffe, du hast nichts gegen ein
bisschen Chaos.« Sie legte das Gerät beiseite und kam mit einer Geschwindigkeit
auf mich zu, die ihrer temperamentvollen Natur entsprach.
»Absolut nicht, Flavia«, erwiderte ich, das Funkeln in ihren
dunklen Augen sofort erwidernd. »Ich sehe nur Kunst in Aktion.«
Ihre Begrüßung war typisch italienisch und herzlich. Die
links/rechts-Küsschen-Umarmung war mehr als nur eine formelle Geste. Flavia
drückte mich fest an sich, und ich spürte die ganze Intensität ihrer weiblichen
Präsenz. Ihr gertenschlanker, sportlich durchtrainierter Körper war weich und
fest zugleich, und ich genoss den kurzen Moment des intensiven, unbewusst
sinnlichen Kontakts. Man merkte sofort: Diese Frau war nicht nur schön, sondern
auch voller Energie.
»Setz dich kurz, Caro. Ich brauche nur noch zwei Minuten für
diese Katastrophe hier«, sagte sie und deutete lachend auf ihre noch leicht
feuchten Locken. »Ich dachte, du kommst erst in fünfzehn Minuten. Ich habe
gerade noch telefoniert und war nicht schnell genug.«
»Kein Problem, Cara, auf schöne Frauen wie dich, warten
Gentleman immer gern.« Grinste ich männlich galant und ließ mich auf einen
alten, aber bequemen Sessel fallen. Vergnügt beobachtete ich sie dabei, wie sie
in Windeseile ihre Haare bändigte. Sie war nicht nur eine hochintelligente,
sondern auch eine beeindruckend schnelle und effiziente Frau. Kaum hatte ich
meinen ersten Schluck Wasser genommen, war sie fertig. Sie zog sich nur einen
eleganten, feingliedrigen Goldschmuck über, und schon strahlte sie eine
selbstbewusste Eleganz aus, die perfekt zu dem Bild der Cäsarin passte, dass
Sergio von ihr gezeichnet hatte.
»Andiamo!«, sagte sie und winkte mir charmant zu. »Ich
verhungere fast. Und ich muss dir unbedingt von den Plänen für mein neues
Projekt erzählen. Das Mittagessen geht auf mich.«
Wir verließen das kühle, verborgene Juwel ihrer Atelier-Wohnung
und traten wieder in die sonnengeflutete Gasse. Ich freute mich darauf, diese
faszinierende Frau bei einem typisch sizilianischen Essen besser
kennenzulernen. Flavia schlug die gute Trattoria del Buongustaio vor, in einer
ruhigen Seitengasse, der Via dei Mille 39.
Das ist eine besonders bei Einheimischen beliebte, sehr gute
Trattoria, die zu Recht eine hohe 4,7-Sterne-Durchschnittsbewertung auf Google
hat. Freundlich-hilfsbereites, auch zu Scherzen und Schwätzchen aufgelegtes
Personal serviert in recht üppigen Portionen exzellent zubereitete Speisen, zu
für dieses Niveau erstaunlich günstigen Preisen. Bereits für unter 20,- € kann
man satt werden oder mit 20–30,- Euro köstlich schlemmen und dazu guten Wein,
Mineralwasser und einen italientypisch guten Kaffee trinken. Geöffnet haben sie
täglich von 12 bis 15 und von 19 bis 23 Uhr. Sehr empfehlenswert!
»Hier wirst du verfressener Gourmet-Bär garantiert satt und
glücklich, haha.« Lachte Flavia temperamentvoll und fraulich flirtend
zwinkernd.
Ich schmunzelte amüsiert: »Ich vertraue mich deiner ortskundigen
Führung an… aber woher willst du wissen, wie verfressen ich bin?«
»Bin ich blind? Oder doof? Ein Blick auf deine Statur und Art zu
leben, genügt!«
»Ha! Ich wette, Cara, in Wahrheit hast du Meli oder sonst
jemanden über mich ausgehorcht!«
»Erwischt, haha… natürlich hat mir Meli schon alles Wichtige
über den berühmt-berüchtigten Capitano Steve verraten.« Lachte sie mitreißend.
»Wirklich alles Wichtige, hoho?« zwinker
Sie zwinkerte flirtend zurück: »Vielleicht nicht komplett
alles…, aber genug!«
Wir nahmen Platz, bestellten zunächst einen Aperitif und eine
Flasche Mineralwasser. Flavia lachte schon wieder charmant und temperamentvoll
flirtend mehrdeutig: »Lass mich auswählen! Ich treffe garantiert deinen
Geschmack und mache dich glücklich.«
Schon schnatterte sie in schnellem Maschinengewehr-Italienisch
mit dem Kellner über die Speisen und passenden Weine und bestellte eine
köstliche Auswahl, wobei sie auf typisch südländische Art auch mit dem recht
attraktiven Kerl flirtete und scherzte. Vermutlich kennen sie sich; sie lebt ja
hier und liebt, wie nahezu alle Italiener, das Ausgehen zum dolce vita far
niente. Natürlich verstand ich von dem schnellen Geplapper kaum ein Wort
und grinste amüsiert.
»Entweder habt ihr euch darüber unterhalten, wie ihr am besten
zusammenzieht, hoho, oder du hast genug für eine halbe Kompanie hungriger
Männer bestellt.«
»Vielleicht ja beides, Caro, haha. Ein hübscher Kerl, ich mag
ihn, wir kennen uns.« Sie warf den Kopf zurück und lachte so ansteckend, dass
sich zwei Tische weiter ein älterer Herr fast verschluckte. Flavia hat diese
Art selbstbewusst schöner, kluger Frauen mit viel gesundem Humor, so zu lachen,
dass man unweigerlich mitgerissen wird, sich Leute zu ihr umdrehen und ich
wette, in Partygesellschaften ist sie auch meist der Mittelpunkt. schmunzel

Okay, liebe Leser, jetzt muss ich leider kürzen und
zusammenfassen. Wollte ich alles aufschreiben, worüber wir scherzten, flirteten
und was wir besprachen, kämen locker 50–100 DIN-A4-Seiten zusammen. Wie schon
erwähnt sind wir in vielem offensichtlich Seelenverwandte, haben in den
wirklich wichtigen Dingen des Lebens sehr ähnliche oder sogar gleiche Ansichten
und verstanden uns so gut, als würden wir uns schon Jahre kennen. Auch sie ist
ein Freidenker oder Freigeist mit viel Lebenserfahrung, sehr gebildet und
clever, ja auf intellektuelle Art auch weit überdurchschnittlich intelligent.
Flavia schreibt literarisch nicht gerade wertvolle, aber
unterhaltsame Romane, spielt seit ihrem 4. Lebensjahr Geige und liebt
klassische Musik, besonders von Bach, Paganini und Beethoven. Romane von Anne
Radcliff und Kurzgeschichten von Sir Richard Burton liest sie besonders gern.
Bei Beethovens dritter und sechster Symphonie oder Bachs drittem
Brandenburgischem Konzert kommt sie ins Träumen und Schwärmen.
Kinder und Tiere liebt sie, hat aber momentan kein Haustier, da
ihr Letztes, eine liebe Dalmatiner-Hündin, erst vor einigen Wochen verstorben
ist. Intrigen, Heuchelei, Lügen, Doppelmoral usw. verachtet sie genauso wie
ich. Als Lieblingssängerin benennt sie Enya, mit deren ätherischer Stimme, und
Kate Blanchett bezeichnet sie als brillante Lieblingsschauspielerin. Ihr
Lebensmotto lautet: »Hör niemals auf, für das zu kämpfen, woran du glaubst!«
Geboren wurde dieses »Rasseweib« mit Kopf, Herz und Temperament
am 6. Juli in Florenz, bereiste bereits große Teile der Welt, hat viel Gutes
und Schlechtes gesehen und verfügt dementsprechend über nicht wenig
Lebenserfahrung. Sie liebt das Meer, Wasser generell und hat auch viele
Sternzeichen-Krebs-typische Eigenschaften, wie emotional, fürsorglich,
intuitiv, sensibel, treu und zuverlässig, jedoch auf überwiegend
kopfgesteuert-intellektuelle Art. Mit der Einschränkung, wie sie lachend zugab,
dass eine so klassisch südländisch-heißblütige, temperamentvolle Frau sich
nicht immer unter Kontrolle hat.
Was Männer betrifft, ist ihr deren Aussehen eher zweitrangig
unwichtig. Freunde, Intimpartner oder gar ein Ehemann müssen für sie vor allem
intelligent, humorvoll, geschickt und dazu in der Lage sein,
geistig-intellektuell mit ihr mitzuhalten. Außerdem schätzt sie es, wenn er gut
zuhören kann, nicht arrogant ist und ein gutes Herz hat.
»Und hast du schon so jemanden gefunden?« Zwinkerte ich
lächelnd, aber auch mitdenkend und sozusagen mitfühlend. Ich weiß sehr wohl,
dass es außergewöhnlich intelligente, selbstbewusste und charakterstarke Frauen
oft nicht so leicht haben, einen passenden Partner zu finden. Viele, und nicht
nur dumme Männer, bevorzugen oft ihnen tatsächlich oder scheinbar unterlegene
Frauen an ihrer Seite. Ein typisches Zeichen für in Wahrheit innerlich unsichere
Männlichkeit, weshalb sich diese Typen nach außen hin gern als Machos geben,
die sie aber nicht wirklich sind.
»Ja, habe ich…« seufzte sie mit je einem lachenden und weinenden
Auge »…aber er lebt in Genua und kann dort aus beruflichen Gründen nicht weg.
Deshalb führen wir eine offene Fernbeziehung, mit der Erlaubnis zu amourösen
Abenteuern, bis es uns gelingt, zusammenzuziehen. Hey Steve, du musst unbedingt
den Gelo di limone – Sizilianischen Zitronenpudding des Hauses
probieren!« Ergänzte sie, als der von ihr bestellte Nachtisch serviert wurde.
Gelo di Limone ist ein frischer, veganer Sommerpudding aus
Zitronensaft, Stärke und Zucker – typisch sizilianisch, erfrischend und nicht
übermäßig süß. Es gibt keine einheitliche »offizielle« Menge Zucker, da Rezepte
regional variieren (z. B. Palermo vs. Syrakus), aber klassische, hochwertige
Varianten, mit frischen Bio-Zitronen, ohne Zusatzstoffe, sind dezent
balanciert: sauer-frisch mit moderater Süße.
»Sehr lecker und nicht zu süß, solche Desserts mag ich auch.
Fernbeziehungen sind nicht so leicht, aber für so kluge Menschen wie dich –
wenn er dir gefällt, muss er auch klasse sein – also für Menschen wie euch,
durchaus möglich. Ich persönlich finde sie gar nicht so falsch, wie viele über
Fernbeziehungen denken. Wenn man 24/7/365 miteinander lebt, geht man sich
zwangsläufig auch auf die Nerven, stellen sich unschöne Routinen ein und ist es
nicht leicht, das gewisse Etwas und Feuer einer guten Beziehung zu erhalten,
weshalb sich viele Paare nach einigen Jahren oft wieder trennen. Aber das muss
ich einer so klugen, erfahrenen Frau wie dir wohl kaum groß erklären.«
»Nein, musst du nicht, Caro.« Lächelte sie mit faszinierenden
Augen. »Gerade du als vielreisender, polyamourös lebender Gentleman-Casanova
mit vielen Frauen, bist ja wohl Fachmann darin, wie, haha?!«
»Könnte man so sagen, du Rasseweib, hoho, könnte man so sagen.
Komm, lass mich bitte bezahlen, und dann gehen wir spazieren. Ich brauche
unbedingt körperliche Bewegung!«
Flavia wehrte empört tuend ab: »Kommt überhaupt nicht in Frage,
auch wenn es lieb von dir gemeint, typisch Gentleman ist. Aber keine Sorge,
finanziell gehts mir ziemlich gut, ich kann mir das leisten.«
»Wenn du darauf bestehst, okay Flavia.« Zahlte also sie, und wir
gingen los. Leider war inzwischen eine dünne, helle Wolkenschicht aufgezogen,
sodass es momentan keinen Sonnenschein gab. Aber hell genug war es trotzdem, um
all die malerisch alte Architektur der Altstadt gut zu erkennen und zu
bewundern. Ortigia im Nachmittagslicht, das Gold auf Stein legt. Flavia blieb
stehen, deutete mit diesem wissenden Lächeln nach oben.
.jpg)
»Sieh mal, Steve… unser sizilianischer Barock ist wie guter Sex:
alles geschwungen, dramatisch, ein bisschen übertrieben und trotzdem elegant.
Links thront der heilige Nikolaus auf San Nicolò (ca. 1760), rechts reckt sich
der Glockenturm von Santa Lucia in den Himmel, beide aus den wilden Jahren nach
dem großen Beben von 1693, als die Insel sich neu erfand. Dann drehte sie sich
zur Piazza Duomo: Santa Lucia alla Badia, 1769 von Vanvitelli persönlich,
geschwungene Balkone wie weibliche Hüften. Und gleich nebenan der Jesuitenturm,
Mitte 18., so verspielt, dass man fast glaubt, die Voluten würden sich gleich
um dich wickeln. Alles zwischen 1730 und 1770 gebaut«, lächelte sie, »die
wildeste, freizügigste Zeit Siziliens… genau wie wir jetzt.«
Ich grinste breit und männlich: »Was mich betrifft, du Daten und
Zahlen abspulende Fremdenführerin, bevorzuge ich die Bezeichnung
»Gourmet-Liebesspiele« statt dem profanen »Sex«…, und statt wie weibliche
Hüften geschwungene Balkone, tatsächlich geschwungene, weibliche Hüften, hoho!«
»Meli hat mich vor dir gewarnt.« Blinzelte Flavia verschmitzt
und hakte sich locker bei mir unter, wodurch ab und zu ihr fraglos wunderschöner,
kleiner Busen kribbelnd meinen Oberarm streifte. »Aber das war gar nicht nötig.
Ich erkannte schon in der Tavernen-Nacht binnen Minuten, was für ein gefährlich
galanter Gauner du bist, haha.«
»Lustig, mich warnte sie vor heißem »Florentiner Feuer«, das
meinen Bärenpelz entzünden könnte!« Konterte ich und wir mussten beide herzhaft
darüber lachen. Manchmal braucht es keine Ruinen, um sich wie ein antiker Gott
zu fühlen, nur eine schwarzhaarige Cäsarin und 300 Jahre alte Barock-Fassaden,
die wissen, wie man Feuer macht.
In dieser Art plaudernd, scherzend und lachend, schlenderten wir
durch die historische Altstadt von Ortigia. Wie ein bestens informierter
Local-Guide zeigte und erklärte mir Flavia diverse versteckte Ecken und Winkel,
die ich bisher in diesem verwunschenen Ort noch nicht wahrgenommen hatte. »Schade,
dass Meli nicht dabei sein konnte,« dachte ich kurz; »das hätte ihr auch
gefallen.«
Bei der exzellenten Pasticcieri
Amandorla Marciante>>>, Via della Amalfitania 10 gönnten wir uns
köstlichen Kaffee. Selbst ich konnte den allgegenwärtigen, mehr oder weniger
süßen, verführerischen Verlockungen dieser Patisserie nicht widerstehen. Zu
Recht wird diese Traditions-Konditorei auf Google mit einem sehr hohen Schnitt
von 4,8 Sternen bewertet. Das Personal ist überaus freundlich und sie
zelebrieren Konditoren-Handwerkskunst höchster Güte in ihrem
liebevoll-gemütlich eingerichteten, kleinen Café – zu Preisen, die für diese
Qualität absolut angemessen sind.
»Dafür, dass du angeblich Süßes nicht so magst, genießt du es
aber trotzdem ganz ungeniert, oder?« stichelte die rassige Flavia frech und
nahm vergnügt einen Happen ihrer Granita alla Mandorla.
»Dieses Konditor-Café hier ist eine unwiderstehliche Versuchung…
und ich bin nun mal nur ein schwaches Bärchen.« Grinste ich heiter zurück. Das
war weder geflunkert noch übertrieben. Die hübsch präsentierten Auslagen und
die himmlischen Düfte sind schon für das Auge Verführung pur, ganz zu schweigen
vom Gaumen, wenn man erst einmal etwas probiert! Absolut köstlich!
»Du und schwach, haha! Wen willst du denn damit veräppeln?« Bei
ihrem mitreißenden Lachen drehten sich schon wieder einige Köpfe um, wenn diese
nicht ohnehin bereits ihre rassige, gertenschlanke Schönheit heimlich oder
offen beäugten.
»Bei süßen, goldigen Tieren und bei schönen, klugen Frauen werde
ich tatsächlich schwach, hoho.« Grinste ich noch breiter.
»Ein Genießer-Gourmet-Casanova, noch dazu galant und raffiniert;
gefällt mir gut. Komm, ich zeige dir jetzt einen meiner geheimen
Lieblingsplätze hier!« Flavia zwinkerte mir verschmitzt zu, ihr dunkles Haar
fiel dabei locker über die Schultern, während ein leichtes, geheimnisvolles
Lächeln ihre vollen Lippen umspielte. Mit einer fast schon theatralischen Geste
dirigierte sie mich in eine schmale Seitengasse, die sich wie ein dunkler
Schlund zwischen den alten, verwitterten Häusern hindurchwand.
Sie ging voraus, denn die Gasse war so eng, dass wir nicht
nebeneinander hätten gehen können. Während ich ihr auf dem unebenen
Kopfsteinpflaster folgte, glitten meine Blicke unwillkürlich über die sanften
Bewegungen ihres Hüftschwungs und Pos unter dem dünnen Stoff ihres Kleides –
und ich musste innerlich grinsen. »Wir dämlichen Männer sind doch einfach
unverbesserlich«, dachte ich, »und müssen da einfach hinschauen.« grins
Am Ende der Gasse öffnete sich der Blick auf das Ufer und
dahinter auf die weite, blitzende Meeresfläche an der Ostseite von Ortigia.
Doch so weit gingen wir gar nicht. Nach etwa zwei Dritteln der Strecke wand sich
Flavia plötzlich nach links, wo sich in der verwitterten Hausmauer – eher im
Fundament – eine uralte, niedrige Holzpforte verbarg. Das Gebäude wirkte, als
wäre es im 17. Jahrhundert errichtet worden, und die massive Tür war kaum höher
als 165 cm. Ein leises Kribbeln lief mir den Rücken hinunter – hier atmete die
Geschichte förmlich aus den Steinen.
Flavia kramte einen dicken, alten Schlüssel aus ihrer Handtasche
und schob ihn ins Schloss. Mit einem knarrenden, quietschenden Geräusch drehte
sich die Tür in den Angeln. Ein kühler Luftzug wehte mir entgegen – als würde
der Geist vergangener Jahrhunderte mich willkommen heißen. Dahinter führten ein
paar abgetretene Steinstufen hinab in eine düstere Kellerkammer, deren Wände
aus groben Steinblöcken bestanden. An der rechten Seite befand sich eine
weitere, noch massivere Holztür.
»Schließ die Pforte hinter dir!« Flavia drehte sich zu mir um,
ihr Lächeln jetzt fast schon geheimnisvoll. Also zog ich die Tür hinter mir zu
– tief gebeugt, denn der niedrige Türrahmen zwang mich fast in die Hocke. Das
knarzende Geräusch des Schlosses hallte unheimlich in dem engen Raum wider.
Ich schmunzelte und spielte den unerschrockenen Abenteurer:
»Entführst du mich etwa in deine geheime Folterkammer, um mich zu bestrafen?«
»Bestrafen? Wofür denn bitte?« Flavia zwinkerte mir spielerisch
zu und holte einen zweiten Schlüssel hervor, um die rechte Tür zu entriegeln.
»Vielleicht dafür, dass du mir so genüsslich auf den Hintern schaust, haha?«
Ihr Lachen klang leicht echoartig in dem staubigen Gemäuer.
»Weil ich ein unverbesserlicher Genießer weiblicher Reize bin«,
gab ich grinsend zu. »Aber verrat mir doch – was verbirgt sich hier wirklich?«
»Folge mir und lass dich überraschen.« Mit diesen Worten öffnete
sie die zweite Tür – und dahinter tat sich eine steile, massive Steintreppe
auf, die etwa vier bis fünf Meter in die Tiefe führte. Flavia betätigte einen
Schalter, und eine funzelige Glühbirne an der Decke flackerte matt auf. Das
schummerige Licht warf tanzende Schatten an die feuchten Wände – als würden
unsichtbare Gestalten aus der Vergangenheit uns beobachten.
Wir stiegen die Treppe hinab in eine staubige Kammer, deren
Decke von dicken, behauenen Steinblöcken getragen wurde. Vor uns befand sich
eine dritte, unverriegelte Holztür. Links erkannte ich eine weitere Treppe, die
nach oben führte – wahrscheinlich in das Wohnhaus oder was auch immer sich
darüber erhob. Flavia drückte gegen die Tür, und sie gab mit einem knarzenden
Ächzen nach.
Dahinter öffnete sich ein schmaler, rechteckiger Tunnel, kaum
180 cm hoch und etwa 120 cm breit. Die Wände bestanden aus massiven, uralten
Steinblöcken, die womöglich sogar aus der Antike stammten. Irgendwo musste eine
Belüftung sein, denn die Luft war erstaunlich frisch – durchzogen von einem
Hauch Salzwasser und dem fernen, geheimnisvollen Plätschern des Mittelmeeres,
das von irgendwo aus der Tiefe des Tunnels zu hören war.
Flavia fummelte an der Wand, und zwei schummerige Wandlichter
flackerten auf. Der Tunnel erstreckte sich etwa zehn Meter vor uns – ein enges,
düsteres Band aus Stein und Schatten. Mit ihren 170 cm konnte sie problemlos
durchgehen, aber ich musste mich zusammenkauern, um mir nicht den Kopf an der
niedrigen Decke zu stoßen. Die eisenbeschlagene Tür am Ende des Tunnels war
noch massiver – vier dicke Riegel aus Eisen oder Stahl hielten sie
verschlossen.
»Hier wird es interessant«, flüsterte Flavia, während sie die
Riegel zurückschob. Einer nach dem anderen gab mit einem dumpfen Klacken nach –
als würde etwas Altes, lange Verschlossenes erwachen. Die Tür schwang
erstaunlich leicht auf, als wäre sie erst gestern geölt worden. »Dieser
Untergrund wird ab und zu genutzt,« dachte ich, »sonst wäre alles längst
verrostet und unbeweglich.«
Blendendes Tageslicht flutete herein, und ich musste die Augen
zusammenkneifen. Das typische Plätschern von Meereswellen gegen Stein verriet
mir, dass wir direkt am Mittelmeer angekommen waren. Als sich meine Pupillen an
die Helligkeit gewöhnt hatten, erkannte ich eine Plattform aus massiven
Steinblöcken, die knapp über dem Meeresspiegel lag. Leichte Brandungswellen
spülten gelegentlich über die Kanten, und das Salzwasser spritzte in feinen
Tröpfchen gegen die alten Mauern.
An der Außenkante der Plattform befestigten Eisenstangen mit
zwei Öffnungen in Steinlöchern ein provisorisches Geländer aus dicken Schnüren
oder Drähten. Links und rechts führten uralte Steintreppen direkt ins Meer –
als wäre dies ein geheimer Zugang für Schmuggler oder Liebespaare, die
unbeobachtet bleiben wollten.
»Traraaa…, mein geheimer Privatstrand zum Mittelmeerpool, haha.«
Lachte Flavia, zog ihre Schuhe aus und trat barfuß auf die nassen Steine, wo
ihre Füße auch gleich von einer hochschwappenden Welle benetzt wurden. Vor uns
das offene Ionische Meer, hinter uns die massiven, circa 4 Meter hohen Mauern
der Uferbefestigung. Diese wurden in der Antike, während der griechischen
Kolonisierung im 5. Jahrhundert v. Chr., auf Befehl von Tyrann Dionysios I.
errichtet und später zusätzlich von Römern und im Mittelalter verstärkt.
»Interessant und faszinierend…« schaute ich mich um. »…wie oft
werden diese massiven Ufermauern bei Stürmen pro Jahr überspült, so dass es in
der Altstadt wortwörtlich nass wird? Erstaunlich, dass das alles nach 2700
Jahren immer noch steht.«
Flavia erzählte lächelnd: »Ja, Steve, die alten Baumeister
wussten, was sie taten. So lange lebe ich noch nicht hier, doch es heißt, dass
die Altstadt etwa zwei- bis dreimal pro Jahr bei heftigen Stürmen überspült
wird. Harter, kompakter Syrakus-Kalkstein (Calcare di Siracusa) bildet den
Felsuntergrund von Ortigia, entstanden im Miozän, und der gilt als extrem
widerstandsfähig gegen Erosion, sonst gäbe es die Insel längst nicht mehr,
denke ich.«
»Du bist erstaunlich gut informiert, auch vorhin deine
architektonischen Erläuterungen. Hattest du mal vor, als Fremdenführerin zu
jobben?« Staunte ich etwas über ihre Kenntnisse.
»Mich interessiert einfach, wo ich lebe, Steve. Das meiste
Wissen zog ich mir aus dem Netz – hallo xgrok, danke dir, haha – und aus
Gesprächen mit sachkundigen Einheimischen. Die Insel selbst liegt nur null bis
vier Meter über Normalnull (NN), aber die Felsen fallen senkrecht bis 20–30
Meter unter Wasser ab. Das schützt zusätzlich vor Unterspülung. Sturmwellen
schlagen nur gegen die Außenmauer – die ist aus demselben Kalkstein gemauert
und wird seit der Antike ständig repariert. Die Ostmauer wird bei jedem richtig
heftigen Scirocco ein bisschen zerfetzt – aber der Felsen darunter lacht sich
ins Fäustchen und steht seit 700.000 Jahren unverrückbar da.«
»Erwähnte ich schon, dass ich kluge, schöne, gebildete Frauen
ganz besonders achte?« Zwinkerte ich verschmitzt.
Flavia lachte ihr mitreißendes Lachen: »Ja, haha, schon
mehrmals, du galanter Casanova! Deinem tollen Blog entnahm ich, dass du dich
auch sehr für die Dinge „dahinter“ interessierst und mehr wissen willst als
Durchschnittstouristen. Außerdem lebe ich erst gut anderthalb Jahre hier, und
bevor ich die Atelier-Wohnung in der Altstadt nahm, wollte ich wissen, ob ich
damit rechnen muss, gelegentlich abzusaufen, haha.«
»Ich bin beeindruckt, schöne, kluge Flavia! Respekt!« Lächelte
ich anerkennend.
Flavia warf den Kopf zurück und lachte so herzhaft, dass das
Meer mitzulachen schien. Die Wellen plätscherten dazu im Takt, als würde die
Natur selbst ihr zustimmen. Dann trat sie einen Schritt näher, ihre nassen Füße
hinterließen kleine, glitzernde Abdrücke auf dem warmen Stein, und flüsterte
mit diesem ganz bestimmten Unterton, der zwischen Verführung und Herausforderung
lag:
»Und jetzt, Capitano… schwimmen wir erst mal eine Runde.
Kleidung ist hier übrigens optional.«
Mit einer Bewegung, die so schnell und geschmeidig war wie die
eines Delphins, der ins Wasser gleitet, schlüpfte sie aus ihrem Kleid. Der
Stoff glitt wie ein Hauch von ihrer Haut, und für einen Moment stand sie nur in
ihrem Slip da – doch auch der verschwand im nächsten Augenblick. Sie richtete
sich weiblich stolz auf, als wäre sie eine Göttin, die sich ihrem Publikum
präsentiert, und zwinkerte mir schelmisch zu.
»Na?« Ihr Lächeln war jetzt noch selbstbewusster, fast schon herausfordernd.
Ich ließ meine Blicke genüsslich und respektvoll anerkennend
über ihren Körper wandern. »WOW! Meine Güte, Flavia, wie schaffst du es mit 32
und all den sizilianischen Köstlichkeiten, eine derart perfekt schlanke Figur
zu behalten? Darum würden dich 18-Jährige beneiden.« Ihre Haut war gleichmäßig
tief gebräunt, wie es manche südländische Frauen haben, deren Teint von Natur
aus dunkler ist. 170 Zentimeter perfekt geformte Fraulichkeit, mit süßem,
kleinem Busen – einfach alles top in Form.
»Wie wohl, du Genießer mit Augen, deren hocherfreute Blicke ich
fast an mir spüre?« fragte sie mit einem Blick, der zwischen Stolz und Neugier
schwankte. »Viel Selbstdisziplin, Sport, Gymnastik und bewusste Ernährung. Du
bist für dein Alter aber auch verdammt gut in Form!« Ihre Augen glitten
ungeniert und anerkennend über meinen Körper, während ich mich ebenfalls
entkleidete.
Flavia nahm mich bei der Hand und zog mich hinter sich die
uralten, nach rechts ins Meer führenden Steinstufen hinunter. Das Wasser
umspülte unsere Füße, kühl, aber nicht unangenehm. »Manchmal braucht man
wirklich keine Zeitmaschine«, sagte sie mit einem Lächeln, das irgendwo
zwischen Weisheit und Verführung lag. »Manchmal reicht eine schwarzhaarige
Cäsarin, ein rostiger Schlüssel, das offene Meer… und die richtige Gelegenheit,
dann passt alles.«
Das Meer hatte hier auch im späten November noch um die 20 °C –
frisch, aber nicht wirklich kalt. Als wir uns ins Wasser gleiten ließen, spürte
ich, wie die Kühle mich umfing, während wir kraulend mit Tempo weit
hinausschwammen. Das Wasser war glasklar, und ich konnte sehen, wie Flavia wie
ein flinker Delphin vor mir herschoss, während ich, der vergleichbar trägere
Wal, kaum mithalten konnte. Als wir langsamer zurückschwammen, spürte ich, wie
das Wasser uns trug, als wären wir Teil des Meeres selbst. Von der
Uferpromenade oben hätte man vielleicht erkennen können, dass eine Aphrodite
und ein Adonis nackt schwammen, doch das war uns beiden völlig gleichgültig.
.jpg)
»Ist das nicht herrlich? So erfrischend und gesund!« Flavia
blinzelte mich in dieser fast immer lockend-flirtenden Art südländischer Frauen
an, als wir aus den Fluten kletterten und im Tunneleingang außer Sicht
verschwanden. In der rechten Tunnelwand befand sich eine steinerne Nische mit
einem kleinen Schränkchen in der Farbe der Steine, das ich vorhin gar nicht
bemerkt hatte. Darin lagen saubere Badetücher zum Abtrocknen bereit.
»Oh ja, ich liebe es, im Meer zu schwimmen. Das ist viel
schöner, als in einem Pool zu plantschen!« Ich lächelte, während wir uns
abtrockneten und unsere Körper sich in dem engen Tunnel unvermeidlich
streiften. Was für eine verflucht aufgeladene, sinnlich-erotische Situation mit
dieser Rasseweib-Schönheit. Ein temperamentvoller, heißer, florentinischer
Feuerdrachen und ein Genießer-Bär, dessen Fell sich in solcher Nähe fast
entzündete.
»Das sehe ich genauso. Meer ist schöner als Pool. Komm, oben
können wir duschen und bekommen etwas zu trinken.« Flavia ging voraus, nachdem
wir die massive Außenpforte geschlossen und verriegelt hatten. Diesmal nahmen
wir, nur in die Badetücher gewickelt, die andere Treppe, die wie vermutet in
ein luxuriöses Wohnhaus führte. Gleich rechts befand sich ein großes Bad mit
drei Wandduschen, Waschbecken und daneben Toilettenkabinen, offensichtlich für
Leute gedacht, die vom Plantschen im Meer zurückkamen.
Die Duschen waren nicht durch Trennwände geschützt, sondern
offen an der Wand, wie in einem Gemeinschafts-Duschraum. So durfte ich erneut
Flavias fantastisch schlanke und reizvoll nackte Figur bewundern, während wir
uns das Meerwasser abspülten. Erneut berührten sich unsere Körper mehr oder
weniger zufällig… oder vielleicht auch nicht so ganz zufällig. zwinker
Wieder angezogen führte sie mich in eine gemütliche Wohnküche,
wo es kalte Getränke aus einem riesigen Kühlschrank, frisches Obst und eine
dieser glänzenden, großen italienischen Kaffeemaschinen gab. Gekonnt hantierte
sie damit wie eine ausgebildete Barista, und gleich darauf verbreitete sich der
köstliche Duft frischen Espressos. Ebenso schnell und geschickt schnitt sie
Obst in mundgerechte Stücke, und wir setzten uns in eine bequeme Sitzecke.
»Was ist das hier eigentlich und wieso hast du überall Zugang?«
fragte ich neugierig.
»Dieser Stadt-Palazzo gehört einem befreundeten, reichen
Geschäftsmann, den ich schon kenne, seit ich noch als Model jobbte. Er ist
derzeit auf einer langen Geschäftsreise in Asien unterwegs. Nur Hauspersonal
kümmert sich darum, dass alles sauber ist und funktioniert. Ich darf über die
Außenpforte jederzeit den Meereszugang benutzen und auch seinen Palazzo
betreten… wenn seine Frau nicht hier ist, haha.« Sie zwinkerte mir verschmitzt
zu.
Ich grinste. »Ein eifersüchtiges Eheweib? Die ihren Mann nicht
gern mit so einer rassigen Ex-Model-Schönheit wie dir sieht?«
»So ungefähr, haha. Nein, nicht wirklich, eigentlich mag sie
mich sogar. Aber er ist ein galanter Schwerenöter, der schon mehrmals
versuchte, mich ins Bett zu kriegen. Ich mag ihn, er ist ein echter Freund,
aber mit ihm schlafen will ich nicht. Ist doch vernünftig von seiner Frau, dass
sie versucht, weibliche Versuchungen lieber von ihm fernzuhalten…, zumindest hier
im gemeinsamen Heim.« Sie erzählte es amüsiert schmunzelnd. »Deshalb nutze ich
nur die Außenpforte, den Zugang über die Seitengasse, wo wir vorhin
hineinkamen.«
»Ich verstehe, ja das ist verständlich, aber auch Quatsch.
Reiche Geschäftsmänner wie er können sich jederzeit überall Geliebte nehmen.
Ist sie mit ihm auf Geschäftsreise in Asien?«
»Nein, sie ist derzeit in Florida, soweit ich weiß, bei oder in
Miami.«
»Dann hat er garantiert entweder eine Geliebte von hier dabei
oder so viele asiatische Schönheiten im Bett, wie er verkraften kann, hoho.«
Flavia lachte wieder ihr mitreißendes Lachen: »Schließt da
jemand von sich auf andere, haha? Das ist seiner Frau auch klar, und sie
akzeptiert es, weil er nun mal so ist, wie er ist, und sie keine Scheidung
will. Aber hier, in ihrem eigentlichen Heim, will sie das nicht erleben.« Sie
sah mich aus klugen, dunklen Augen an. »Bestimmt weißt du, dass Ehefrauen
dieser Gesellschaftsschicht mit dem Fremdgehen ihrer Männer leben können,
solange sie nicht direkt etwas davon mitbekommen. Aber sie hassen es, im eigenen
Haus oder, noch schlimmer, im eigenen Ehebett betrogen zu werden.«
»Ja, natürlich.« Ich lächelte zustimmend, und wir unterhielten
uns noch einige Zeit über die verlogene, scheinheilige Doppelmoral der
Gesellschaft und freies, offenes oder gar polyamouröses Leben, wie ich es
bevorzuge. Als Freigeist, intelligente und erfahrene Frau, mag auch Flavia
eifersüchtiges Besitzdenken nicht. Sie hatte viele Abenteuer, bevorzugt im
Allgemeinen aber eher monogame Paarbeziehungen. Ich saß einfach nur da, trank
Espresso, plauderte vergnügt mit einer feurigen Schönheit in einem fremden
Palazzo und dachte mir: »Manchmal ist das Leben einfach verdammt nochmal
perfekt.«
»Was hast du gerade gedacht?« Lächelte Flavia mit einem dieser
weiblich instinktiv verstehenden, wissenden Blicke.
Ich lächelte zurück. »Dass das Leben manchmal einfach perfekt
sein kann, gerade weil passiert, was passiert, ohne dass man es beabsichtigt
hat.«
»Wie recht du hast!« Funkelten ihre Augen wie dunkle Sterne.
»Dies ist so ein Tag, nicht wahr?!«
»Verdammt, Flavia, du weißt genau, dass es so ist!«
Offensichtlich fühlten wir beide die elektrisch kribbelnde Spannung zwischen
uns. Eine gegenseitige Anziehungskraft, als wären wir in den unwiderstehlichen
Sog im Gravitationstrichter eines Schwarzen Loches geraten.
Ungeplant, unbeabsichtigt standen wir beide gleichzeitig auf und
prallten frontal gegeneinander. Ganz automatisch schlangen sich unsere Arme um
den Körper des Anderen, unsere Lippen trafen sich, und ein sehr heißer, leidenschaftlicher,
langer Kuss entfachte unsere unbändige Lust aufeinander. Sanft streifte ich die
Träger ihres Kleides von den Schultern, es rutschte achtlos zu Boden, und meine
entlang ihrer zarten, goldbraunen Haut abwärts gleitenden Hände zogen auch
ihren Slip herunter.
Und da stand sie, 170 Zentimeter geballte, lebendige, nackte Verführung,
eine Haut wie dunkel gebräuntes, flüssiges Quecksilber. Perfekt gertenschlanke
Formen wunderschöner Weiblichkeit, verlockende, feste, kleine Brüste mit
dunklen Spitzen, die sich verhärteten und aufrichteten. Flavia erschauerte
unter meinen zärtlichen Berührungen, zerrte mir mein Hemd über den Kopf und
öffnete mir den Hosenbund.
Ihr Duft traf mich wie ein Hammerschlag, noch bevor wir uns an
intimen Stellen berührten. Es war keine einfache Note, sondern eine ganze Symphonie,
die sich in Schichten über mich legte. Zuerst ein Hauch von Zitronenblüte und
frisch gerösteten Mandeln, den sie sich heute Morgen in der Altstadt auf die
Handgelenke getupft hatte. Darunter lag das warme, leicht animalische Aroma
ihrer Haut selbst – dieses südländische, fast karamellig-dunkle Gold, das die
Sonne in sie hineingebrannt hatte, seit sie ein Kind war. Und ganz tief, fast
versteckt, das Salz des Ionischen Meeres, das sich in jede Pore gefressen
hatte, bis sie selbst ein bisschen nach Meer schmeckte.
Wir schmiegten uns aneinander, nackt auf nackt, warm auf warm.
Ihre Zehen streiften meine, ganz leicht, fast zufällig, und trotzdem durchfuhr
mich ein Schauer, der direkt ins Rückgrat schoss. Die Haut an ihrem Rücken war
so fein, dass ich die kleine, kaum sichtbare Narbe spürte – eine winzige Sichel
aus ihrer Kindheit, als sie barfuß über Korallen gelaufen und hingefallen war.
Ich fuhr mit dem Daumen darüber, und sie erschauderte, kaum merklich, aber ich
spürte es. Natürlich spürte ich es.
»Deine Haut fühlt sich an, als wäre sie aus sizilianischem
Meeresschaum gewebt und mit braunem Ton überzogen«, flüsterte ich, während
meine Finger langsam vom Po über den Rücken hinaufglitten. Ihr fitter Körper
war fest und doch weich, von tausend Schwimmzügen im offenen Meer gestählt,
aber immer noch geschmeidig. Die Haut war von Sonne und Salz gezeichnet, und
als ich mit den Fingerspitzen darüberstrich, richteten sich ihre Härchen auf,
als würde sich elektrische Spannung aufbauen.
»Sonne, Wind, Wellen, das Land und hochwertige Pflegemittel,
alles hat mich über die Jahre geformt«, antwortete sie mit rauer Stimme,
während sie sich gegen mich lehnte. »Jeder Tag Leben... es bleibt nicht
spurlos.«
»Haut wie Samt… du fühlst dich unglaublich gut an!« Die
Rückseite ihrer Oberschenkel, direkt unter dem Po, war einen Farbton dunkler –
ein geheimes, verborgenes Braun, das nur das Meer und ich je zu sehen bekamen.
Dort fühlte sie sich an wie warme Seide, die man über eine Flamme gehalten hat,
fast zu heiß, um sie lange zu berühren, und doch konnte ich nicht aufhören, sie
zu streicheln.
Ihr Rücken war ein einziger, langer, geschwungener Bogen, der
sich vom Nacken bis zur Taille zog wie eine Geigensaite. Als ich mit der
flachen Hand darüberglitt, spürte ich die leichte Erhebung jedes Wirbels, das
sanfte Spiel der Muskeln darunter, wenn sie sich bewegte. Und genau zwischen
den Schulterblättern war ihre Haut so zart, dass sie fast durchscheinend wirkte
– ein Hauch von Elfenbein unter all dem Gold.
»Deine Berührungen fühlen sich an, als würdest du mich zum
ersten Mal entdecken«, murmelte sie, während sie sich langsam, sanft an mir
rieb. Ihr Hals duftete am intensivsten, direkt unter dem Ohr, wo das Haar noch
ein bisschen feucht war und sich in kleinen, schwarzen Locken ringelte. Als ich
die Nase dort vergrub, roch es nach Salz, nach Frau, nach Sommer, nach allem,
was ein Mann je begehren konnte. Und als ich ganz leicht mit den Lippen
darüberstrich, schmeckte ich das Meer auf ihr, als hätte sie es gerade erst
getrunken.
»Aber ich entdecke dich doch gerade erst!« Grinste ich männlich
frech. »Weißt du, was das Schlimmste an dir ist?«, fragte ich, während meine
Hände ihre Taille umfassten. »Dass du genau weißt, was du mit mir anstellst.«
Sie lachte leise, dieses tiefe, dunkle Lachen, das direkt aus
ihrem Bauch kam. »Und weißt du, was das Beste an dir ist?« Ihre Finger glitten
über meinen Nacken, während sie mich ansah mit diesen Augen, die genau wussten,
was sie in mir auslösten. »Dass du es trotzdem zulässt.«
Das Kribbeln begann in meinen Fingerspitzen, als ich über ihre
Taille strich. Es sprang über auf meine Handflächen, als sie sich an mich
lehnte, und setzte sich in meinem Blut fest, bis ich das Gefühl hatte, ich
müsste explodieren – oder sie küssen. Oder beides. Gleichzeitig. Flavia. 170
Zentimeter geballte, lebendige, salzige, sonnengebräunte, nach Meer, Mandel und
Frau duftende Verführung. Ich war verloren. Herrlich, rettungslos, freiwillig
verloren. In diesem Moment, zwischen den alten Steinen am ewigen Meer, war ich
genau dort, wo ich sein wollte.
Ihre Erfahrung zeigte sich darin, dass sie trotz ihres
heißblütigen, südländischen Temperaments nicht sofort nach sexueller Aktion
verlangte, und wir nicht animalisch wild übereinander herfielen. Es war wie das
sich langsam aufbauende, sonore Grollen mit steigendem Druck in einem Vulkan.
Lächelnd und lachend zog sie mich hinter sich her, unsere Kleidung blieb
achtlos in der Küche, und wir liefen nackt eine geschwungene Treppe nach oben,
zu einem eleganten Gästezimmer. Das Bett war bezogen, Flavia schubste mich mit
erstaunlicher Kraft hinein, und wir begannen, in einem fast schon extrem sinnlichen
Austausch mit allen Sinnen, jeden Zentimeter unserer Körper zu erkunden.
Irgendwann, beide hoch erregt, verloren wir schließlich die
Selbstbeherrschung, und nun brach die Glut des Vulkans mit gewaltiger Macht
endlich aus. Die folgenden zweieinhalb Stunden heißer, sinnlicher, verspielter,
mal sanfter, mal sehr intensiv-leidenschaftlicher Liebesspiele, waren…
außergewöhnlich! Selbst für einen so erfahrenen Mann und Liebeskünstler wie
mich. Flavia war eine perfekte Mischung aus heißblütig-südländischem
Temperament, Leidenschaft, Erfahrung mit Selbstdisziplin, kombiniert mit sich
vollständig willenlos in die Vulkanhitze fallenlassendem Genuss körperlicher, animalischer
Liebesfreuden. Sie weiß genau, wie es geht, was sie will, den Mann erfreut und
wie es für beide himmlisch schön wird.
Völlig erschöpft und ausgepowert, vollständig und zutiefst
befriedigt, schlummerten wir schließlich ein und erholten uns wieder. Als ich
die Augen öffnete, wunderte ich mich schmunzelnd: »Unglaublich, der Palazzo,
Ortigia und Syrakus existieren noch? Nach diesem Vulkanausbruch dachte ich,
müsste die Insel untergegangen sein, wie einst Santorin durch Thera, hoho?!«
Flavia lachte wieder ihr mitreißendes Lachen, tief aus dem Bauch
heraus: »Kann nicht sein! Danach muss ganz Sizilien im Meer versunken sein,
haha.« Dabei lag sie wie eine dunkelgoldene Statue perfekt geformter,
gertenschlank-verlockender Fraulichkeit wie hingegossen im Bett und blinzelte
aus ihren dunkel funkelnden Augen verschmitzt zu mir.
Erstaunt bemerkten wir, dass die Sonne bereits untergegangen war
und es draußen langsam dunkel wurde. Nach diesem viele Kalorien verbrennenden Liebes-Marathon
hatten wir Hunger und noch mehr Durst. Scherzend und lachend bezogen wir das
komplett zerstörte Bett-Schlachtfeld neu, duschten uns frisch und gingen wieder
nach unten in die gemütlich-elegante Wohnküche, wo unsere Sachen und Handys
achtlos zurückgelassen lagen.
Unsere beiden Smartphones blinkten ungeduldig mit eingegangenen
Nachrichten und verpassten Anrufen, doch zunächst stürzten wir uns – nackt, wie
wir waren, mit der Gier von Verdurstenden nach einem Tag in der Sahara – auf
das mit Fruchtsaft angereicherte isotonische Mineralwasser. Das erste Schlucken
war wie ein Stromstoß, der durch unsere ausgetrockneten Kehlen fuhr.
Flavia wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und
lächelte mich an, während ein Tropfen von ihrem Kinn auf ihre Brust fiel und
dort langsam hinabglitt. »Gott, das war nötig«, seufzte sie und biss genüsslich
in eine saftige Pfirsichscheibe. Der Saft spritzte ihr fast bis zum Kinn, und
ich musste lachen, als sie ihn mit der Zunge auffing.
»Jetzt fühl ich mich wieder wie ein Mensch und nicht wie ein
vertrockneter Schwamm«, sagte ich und griff nach einer Weintraube. »Aber wir
sollten Meli anrufen, bevor sie denkt, wir wären in irgendwelchen antiken Katakomben
verschollen.« Ich wählte ihre Nummer, während Flavia mir eine Erdbeere in den
Mund schob – eine Geste, die irgendwo zwischen Spiel und Verführung lag.
Meli ging sofort ran. »Ihr Rumtreiber! Ich dachte schon, ihr
hättet euch in irgendwelchen Grotten verlaufen!« Ihre Stimme klang amüsiert,
aber auch ein bisschen erleichtert. »Das Shooting mit Sergio war übrigens
großartig – er ist wirklich gut, und die Fotos sind fantastisch!« Im
Hintergrund hörte man Sergio lachen und etwas auf Italienisch rufen.
»Perfetto! Dann treffen wir uns alle um 19:30 Uhr im Davè
Sicilian Taste«, schlug ich vor. »Via della Giudecca 75 – ein Restaurant, das
auf Google mit 4,7 Sternen glänzt. Ich habe gerade eine Rezension gelesen, die
es so treffend beschreibt, dass ich sie einfach übernehmen muss.« Ich las ihr
die begeisterten Zeilen von Richard Palmer vor, während Flavia mir über die
Schulter blickte und zustimmend nickte.
»Unser letztes Essen in Sizilien war das Beste der ganzen Reise.
Wir begannen mit frittierten Sardellen, die knusprig und aromatisch waren und
einen perfekten Einstieg in die Küche boten. Alicia wählte die Pasta mit
Sardellen – schlicht, aber reichhaltig und hervorragend zubereitet –, während
ich den Rotbarsch als Spezialität bestellte, perfekt gegart und mit frischem
Gemüse serviert.
Das Dessert war der absolute Höhepunkt: „Non sono una
cheesecake“, eine verspielte und wunderschön umgesetzte Neuinterpretation mit
einer leuchtenden Feigenmarmeladenfüllung. Zweifellos eines der
unvergesslichsten Desserts, die wir in Sizilien genossen haben.
Auch der Amuse-Gueule zum Auftakt war sehr gelungen, eine kleine
Geste, die den Ton perfekt angab. Der Sommelier verdient ebenfalls eine
Erwähnung: Wir bestellten zunächst einen Bio-Grillo, aber er empfahl uns eine
andere Flasche von Alessandro di Camporeale – und er hatte absolut Recht. Der
Wein war lebendig, ausgewogen und harmonierte hervorragend mit den
Fischgerichten. Der Innenhof ist charmant, ruhig und stimmungsvoll – genau der
Ort, den man sich an einem sizilianischen Abend wünscht. Herzlicher Service,
exzellentes Essen und liebevolle Details überall. Ein perfektes Abschiedsessen.
Sehr empfehlenswert.« © Richard Palmer
»Absolut! Ich sterbe schon vor Hunger – und vor Neugier auf eure
Fotos«, rief Meli. »Bis später, ihr beiden!« Dann legte sie auf, und ich
spürte, wie Flavia sich näher an mich schmiegte.
»Also, Capitano«, flüsterte sie und strich mir mit den
Fingerspitzen über den Arm, »jetzt haben wir noch eine Stunde Zeit, bis wir uns
fertig machen müssen. Was machen wir damit?« Ihr Blick war halb scherzhaft,
halb herausfordernd, und ich spürte, wie mein Puls schneller wurde.
»Wir könnten...« Ich zog sie näher zu mir heran, »...uns einfach
noch ein bisschen ausruhen. Oder...« Meine Hand glitt über ihren Rücken,
»...wir könnten die Zeit nutzen, um uns gegenseitig zu zeigen, wie sehr wir uns
auf diesen Abend freuen.«
Flavia lachte leise, dieses tiefe, rauchige Lachen, das mir
immer eine Gänsehaut bereitete. »Ich glaube, die zweite Option klingt
verlockender«, murmelte sie und drückte ihre Lippen auf meinen Hals. »Aber nur,
wenn du versprichst, mich nicht zu sehr abzulenken. Ich will heute Abend nicht
mit zerzausten Haaren auftauchen.«
Um 19:30 Uhr versammelten wir uns alle im romantischen Davè
Sicilian Taste. Der Innenhof war genau so charmant, wie in der Rezension
beschrieben – stimmungsvolle Lichterketten hingen zwischen den alten
Steinmauern, und der Duft von frischem Basilikum und gegrilltem Fisch lag in
der Luft. Sergio und seine Freundin Viola saßen schon an einem großen Tisch in
der Ecke, und Meli winkte uns begeistert zu.
Viola war ein sympathischer, junger Frechdachs-Typ, gerade erst
diesen Sommer 18 geworden. Sie trug einfache Freizeitkleidung – Jeans und ein
rot-weiß-blau gestreiftes Flanellhemd –, und ihr dunkles Haar flatterte im
Wind. Kaum hatten wir Platz genommen, begann sie auch schon, mich mit Fragen zu
löchern.
»Also, wenn du mich hübsch genug findest, hihi, würde ich
supergern mal mit dir shooten!«, plapperte sie los und schnippte mir einen
Brotkrümel entgegen, »bin ich hübsch genug, Capitano? Woher kommt eigentlich
dieser Spitzname? Bist du ein Kapitän?« Ihre Augen funkelten vor Neugier, und
sie ließ mir kaum Zeit zum Antworten.
Ich grinste amüsiert über ihre ungekünstelte, direkte Art. »Wenn
du mich dauernd beschießt, muss ich ständig ausweichen und habe gar keine Zeit,
dich richtig anzuschauen, hoho.«
»Glaub dem Gauner kein Wort, Viola!« Meli lachte und warf mir
einen spielerischen Blick zu. »Der hat dich längst eingeschätzt – und für gut
befunden.« Sie mochte das Mädchen offensichtlich, und ich konnte verstehen,
warum. Viola hatte diesen unkomplizierten, natürlichen Charme, der einfach
sympathisch war.
»Stimmt das, Capitano?« Viola beugte sich vor und stützte ihr
Kinn auf die Hände. »Erzähl schon! Ich will alles wissen!«
»Alles?« Ich hob eine Augenbraue und nahm einen Schluck Wein.
»Das könnte eine Weile dauern.«
»Dann fang an!« Sie grinste frech, und ich spürte, wie ihre
Energie den ganzen Tisch ansteckte.
Das Essen war, wie versprochen, exzellent. Die frittierten
Sardellen knusperten perfekt zwischen den Zähnen, und der Rotbarsch schmolz
fast auf der Zunge. Als das Dessert kam – diese verspielte Neuinterpretation
einer Cheesecake mit Feigenmarmelade –, stöhnten wir alle fast im Chor auf.
»Das ist ja fast schon unanständig gut«, seufzte Flavia und leckte sich
genüsslich über die Lippen.
Sergio holte ein Tablet hervor und zeigte stolz die Fotos des
Shootings mit Meli. Die Bilder waren atemberaubend – Meli sah aus wie eine
antike Göttin, die zwischen den Ruinen erwacht. Ich überspielte meine Aufnahmen
von Flavia, und plötzlich saßen wir alle zusammen und bewunderten die Fotos.
Meli und Flavia lobten sich gegenseitig für ihre fotogene Schönheit, und Viola
staunte nicht schlecht.
»Ihr seid so schön! Fantastico!« Sie seufzte bewundernd. »Ich
will auch so aussehen auf Fotos! Sergio, wann shooten wir endlich wieder?« Sie
boxte ihm spielerisch gegen den Arm, und er lachte.
»Wenn du aufhörst, mich zu nerven, vielleicht nächste Woche«,
scherzte er. »Aber nur, wenn du versprichst, dich nicht wieder zu verspäten.«
»Versprochen!« Viola strahlte. »Und Capitano Steve…« Sie drehte
sich zu mir um, und ihr Blick war plötzlich ernst. »Kann ich auch mal mit dir
shooten? Bitte? Ich will so sein wie die beiden – elegant und geheimnisvoll
und…« Sie suchte nach dem richtigen Wort. »…unwiderstehlich.«
Ich musste schmunzeln. »Du bist schon unwiderstehlich, Viola.
Aber ja, wir können ein Shooting machen. Vielleicht sogar hier im Landschloss,
wenn du magst.«
Ihr Gesicht leuchtete auf. »Echt? Oh, das wäre sooo cool!« Sie
hüpfte fast auf ihrem Stuhl. »Ich will alles ausprobieren! Model sein, Fotos
machen, in Künstlerkreisen rumhängen…« Sie seufzte. »Meine Eltern verstehen das
nicht. Die wollen, dass ich eine Lehre mache oder so. Aber ich will leben!
Erleben! Alles ausprobieren!«
»Das ist der richtige Geist«, sagte Flavia und hob ihr Weinglas.
»Auf das Leben – und darauf, es in vollen Zügen zu genießen.«
Nach dem ausgiebigen Schlemmen im Davè Sicilian Taste machten
wir noch eine klassische Pub-Crawl-Tour durch mehrere Bars und Kneipen. Sergio
und Viola hatten nicht gerade tiefe Taschen, also übernahm ich die Rechnungen –
was Sergio mit einem freundschaftlichen, leicht respektvollen Dank quittierte.
Viola dagegen bedankte sich auf ihre typisch unbekümmerte Art: mit einem
frechen Augenzwinkern und gelegentlich einem süß-frechen Küsschen auf meine
Wange.
»Danke, Capitano!« Sie hakte sich bei mir ein, als wir die
nächste Bar betraten. »Du bist viel netter, als Meli gesagt hat.«
»Ach ja?« Ich grinste. »Und was hat Meli gesagt?«
»Dass du ein gefährlicher Charmeur bist, der Frauen um den
Finger wickelt.« Sie kicherte. »Aber ich glaube, das stimmt gar nicht. Du bist
einfach nur…« Sie überlegte. »…ein guter Mensch. Einer, der Spaß am Leben hat
und anderen auch Spaß machen will.«
Das traf es eigentlich ganz gut. Ich mochte Viola. Sie war wie
ein junger, wild gewachsener Olivenbaum – voller Leben, ungebändigt, aber mit
dem Potenzial, etwas Besonderes zu werden.
So gut gelaunt wie nur möglich und leicht beschwipst kamen Meli
und ich erst gegen 02:30 Uhr mit einem Taxi zurück ins Landschloss. Nur noch
schnell abduschen, die übliche Bad-Routine erledigen – und dann fielen wir müde
in das weiche Luxusbett. Meli kuschelte sich an mich, ihr Atem warm an meinem
Hals.
»Heute war ein guter Tag, wieder ein richtig schöner Tag«,
murmelte sie schläfrig.
»Oh ja, so muss das!« Ich strich ihr über die Haare und spürte,
wie sie ihre warme, weiche, sinnliche Weiblichkeit noch enger an mich
schmiegte.
»Weißt du, was ich am schönsten fand?« Ihre Stimme war schon
halb im Schlaf.
»Dass Viola dich so bewundert?« Ich lächelte in die Dunkelheit.
»Nein.« Sie gähnte. »Dass du einfach du bist. Mit all deinen
Ecken und Kanten. Und dass du mir immer das Gefühl gibst, als könnte ich alles
sein, was ich will. Du schätzt und respektierst uns Frauen wirklich, behandelst
uns niemals nur als Objekte zur Befriedigung männlicher Gelüste.«
Ich küsste sie auf die Stirn. »Das kannst du auch…, oh meine wundervoll
erotische Muse, hoho.« Patschte ich ihr zärtlich auf die Pobacken und
streichelte ihren himmlisch weichen Busen.
Dann versanken wir in sinnlich kribbelndem Wohlbefinden im Reich
der Träume – eng aneinandergeschmiegt, während draußen die Zikaden ihr
nächtliches Konzert spielten.