#26.01.15- Wien, Winterfreuden im Schlosspark Schönbrunn und bezaubernde Frauen
Vor Kurzem traf ich mich erneut mit Daniel, jenem Kunstlehrer, den ich bereits bei meinem letzten Wien-Besuch kennengelernt hatte. Er ist ein wirklich gebildeter, kluger Mensch, dessen Ansichten meinen oft erstaunlich ähnlich sind – wir verstanden uns vom ersten Moment an prächtig. Im Kunst Haus Wien – Museum Hundertwasser>>> in der Unteren Weißgerberstraße 13 führte er mich mit viel Geduld und noch mehr Sachverstand durch die Ausstellung.
Er erklärte mir so manches über Hundertwassers verrückte, farbenfrohe Welt, von der ich bisher nur vage Vorstellungen hatte. Plötzlich ergaben die ungeraden Böden, die goldenen Zwiebeln und die üppig begrünten Dächer einen viel tieferen, fast schon philosophischen Sinn. Die Luft im Museum roch nach Farbe und altem Holz, draußen lag der typische Wiener Winternebel, und drinnen fühlte es sich an wie eine kleine, warme Rebellion gegen die oft so öde Geradlinigkeit der Welt.
Neben all dem Kunstgenuss ging es uns natürlich auch um das Thema seiner erwachsenen Schüler. Daniel kennt meine Vorliebe für geschmackvolle, sinnliche Aktfotografie genau und schätzt diese persönlich ebenso. Viele seiner Teilnehmer aus den Zeichen- und Malkursen posieren ja ohnehin abwechselnd selbst im Akt vor der Gruppe – das gekonnte Abbilden des nackten menschlichen Körpers ist schließlich das Allerschwerste, wenn man ein wirklich guter Künstler werden will. Und gute Aktfotografie? Die gilt unter uns Fotografen nicht umsonst als Königsklasse. Die meisten seiner Schüler sind da ziemlich locker und ungeniert eingestellt, und als Studenten können sie einen kleinen Zuverdienst bekanntlich immer gut gebrauchen.
Bei mir war die Vorfreude groß, mal wieder mit jemandem zu arbeiten, der noch nicht so erfahren und durch Routine vorgeprägt ist. Das kann oft frisch und inspirierend werden, und manchmal entdeckt man auf diese Weise echte, unverfälschte Talente. Daniel hatte auch prompt eine Empfehlung parat: Anna ist mit ihren 161 cm zwar deutlich zu klein für die klassische Fashion-Welt, aber sie posiert wahnsinnig gern, interessiert sich ernsthaft für Kunst und findet geschmackvolle Akte sehr reizvoll, wie er mir erzählte. Sie sei nett, freundlich, aufgeschlossen, clever und gebildet – und ja, sie könnte zusätzliche Model-Gagen für ihr Studium wirklich gut gebrauchen.
Wir trafen uns zu einem leichten, entspannten Mittagssnack im wunderschönen Café Gloriette>>> mitten im Schlosspark Schönbrunn. Die ehemalige Sommerresidenz der Habsburger mit ihrer riesigen Parkanlage ist UNESCO-Welterbe und immer einen Besuch wert – auch im Winter, wenn der Schnee die Wege dämpft, die Luft beißend klar ist und die goldenen Details des Schlosses im fahlen Licht fast magisch leuchten.
Anna hat dort derzeit einen kleinen Nebenjob; sie muss sich die Kunstschule, die Unterkunft und den gesamten Lebensunterhalt komplett selbst erarbeiten, da sie keine wohlhabenden Eltern hat, die ihr das alles finanzieren könnten. Es gäbe noch viel mehr über sie zu erzählen, Daniel kennt sie offensichtlich sehr gut und mag sie wirklich gern, aber ich wollte sie erst einmal selbst kennenlernen und herausfinden, ob sie überhaupt einverstanden ist, wenn ich später mehr Persönliches über sie in meinem Blog verrate.
Pünktlich erschien sie zu unserer Verabredung, warm eingemummelt in einem schicken, teuren Pelzmantel, der ihr fast bis zu den Knöcheln reichte. Sie sah einfach bezaubernd hübsch aus – die Wangen leicht gerötet von der Kälte, die Augen funkelnd vor lebendiger Neugier. Als ich ihr gentlemanlike aus dem dicken Pelz half, musste ich unwillkürlich schmunzeln: Auf Fotos sieht man es nicht so richtig, aber mit ihren 161 cm und dem zarten Körperbau wirkt sie deutlich jünger, als sie tatsächlich ist – fast wie ein zerbrechliches Porzellanpüppchen, das aber ganz klar seinen eigenen, starken Kopf hat.
»Huch … sind Sie groß«, schmunzelte sie und blinzelte neugierig zu mir hoch – kein Wunder bei meiner knapp 190 cm Bärenstatur.
Das war eine gute Gelegenheit, gleich mal ihren Humor auf die Probe zu stellen. Ich schaute mich scheinbar suchend im Raum um, grinste zu Daniel und meinte: »Hörst du auch diese liebliche Stimme? Wo kommt die nur her?« Dabei reckte ich mich extra hoch aufgerichtet und tat so, als würde ich Anna komplett übersehen.
»He, hier unten, hihi!«, kicherte sie prompt amüsiert und piekte mir frech mit einem schlanken Finger in den Bauch.
»Ach da … hallo hübsche Anna, sehr erfreut, deine Bekanntschaft machen zu dürfen.« Ich guckte gespielt überrascht nach unten und hauchte ihr einen galanten Handkuss auf den Handrücken.
»Ebenfalls … ähm, Herr Steve.« Sie lächelte, keineswegs beleidigt, sondern nur leicht amüsiert. Vermutlich hat sie diesen Spruch schon öfter gehört, aber sie kapierte sofort, dass es nur ein lieb gemeinter Gag meinerseits war. Trotz ihrer mädchenhaften Erscheinung strahlt sie eine clevere, sehr selbstbewusste Aura aus. Ein ausgesprochen hübsches Gesicht, dazu freundlich-neugierig funkelnde graublaue Augen – und ich würde nicht wenig wetten, dass sie sehr genau weiß, wie sie das andere Geschlecht mit weiblicher Raffinesse um den kleinen Finger wickeln kann.
»Einfach Steve genügt völlig, Anna.« Wir ließen uns vom beflissenen Kellner einen Tisch zuweisen und nahmen Platz. Natürlich lud ich sie und Daniel ein und forderte sie auf, zu bestellen, worauf immer sie Lust hatten – damit sich vor allem Anna keine Gedanken um die Rechnung machen musste, wo sie doch laut Daniel den Zuverdienst als Model gut gebrauchen konnte. Den schicken Pelzmantel hatte ihr sicher ein Verehrer oder Ex-Freund geschenkt, dachte ich so bei mir.
Das Gloriette ist ein helles, klassisches Café mit italienischer Terrasse, das von morgens bis abends Wiener Spezialitäten serviert – derzeit im Winter haben sie täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, manchmal etwas flexibel, je nach Betrieb. Mit guten 4,4 Sternen auf Google wird es bewertet, und sie werben zu Recht mit ihren Frühstücksvariationen und typischen Wiener Kaffee-Spezialitäten, vom Kleinen Braunen über Einspänner und Pharisäer bis hin zum Kaffee Advokat mit Eierlikör. Maria Theresia genoss ihren Kaffee übrigens am liebsten mit Orangenlikör, wie man sich erzählt.
Dazu kommen Gerichte wie das Herrengulasch mit Knödel, Würstel und Ei oder ein traumhafter Gemüsestrudel mit Schnittlauchrahm und frischem Salat. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und warmem Gebäck hing angenehm in der Luft, draußen glitzerte der Schnee auf den Parkwegen, und durch die großen Fenster fiel das winterliche Licht herein – ein perfekter Ort, um die Welt für eine Weile zu vergessen.
Ein solcher touristischer Hotspot in einem eleganten alten Schlossgebäude mit dieser fantastischen Aussicht auf Schlosspark und Schloss ist natürlich nicht gerade billig. Der Service und das Essen sind gut, wenn auch nicht Spitzenklasse – man kommt vor allem wegen des Ambientes, der imperialen Umgebung und dem Gefühl, hier ein Stück Geschichte zu atmen. Es lohnt sich als Ausflug definitiv, und die durchschnittliche 4,4-Sterne-Bewertung geht in Ordnung.
Wir führten zunächst ein typisches Kennenlern-Gespräch, wobei Anna und Daniel sich natürlich schon ziemlich gut kennen. Es war leicht zu spüren, dass sie ihn als guten Lehrer und freundlichen Menschen schätzt, respektiert und auch persönlich mag. Er wiederum findet sie talentiert, als Mensch und junge Frau bezaubernd nett und lobt ihr echtes Interesse an der Kunst – sie störe nie im Unterricht und sei immer aufmerksam und neugierig bei der Sache.
»Ich arbeite echt gern mit netten, guten Künstlern oder Fotografen zusammen, die uns nicht nur als reine Sexobjekte behandeln. Besonders wenn sie solche Gentlemen sind wie du«, lächelte Anna mir zu, als wir beim Essen zum Thema Aktfotografie und das freizügige Posieren kamen. »Aber ich mache grundsätzlich nichts Pornografisches.«
»Das ist völlig okay, hübsche Anna. Pornografie interessiert mich auch nicht im Geringsten. Ich bevorzuge schöne, geschmackvolle und die Fantasie anregende Aktfotografie – mit Models, die das nicht nur wegen des Geldes machen, sondern ebenfalls echte Freude daran haben, sich reizvoll in Szene zu setzen.« Ich lächelte zurück und meinte es genau so, wie ich es sagte.
»Ich habe Anna schon einiges über dich und deine Art als Mann und Fotograf erzählt. Ich schätze, sie würde sehr gern mit dir shooten«, warf Daniel ein und fügte zwinkernd hinzu: »Wenn du Anna denn hübsch genug findest – deinen typischen, bevorzugten Models entspricht sie ja nicht so ganz.«
»Was ist denn dein bevorzugter Model-Typ?«, wollte Anna nun natürlich sofort wissen, während sie mich neugierig, ungeniert und sehr selbstbewusst anblickte.
»Ach weißt du, Daniel übertreibt da ein wenig.« Ich grinste vergnügt, denn ich fand Anna wirklich sympathisch und auf ihre Art sehr interessant. »Ja, es stimmt, ich shoote sehr oft mit schlanken Blondinen, aber eben auch mit allen anderen Arten attraktiver Frauen. Ich gebe offen zu, liebe Anna, persönlich ein gewisses Faible für blonde, blauäugige und schlanke Schönheiten zu haben. Aber entscheidend ist das für mich am Ende nicht. Das Interessanteste ist für mich nie nur das Äußerliche, sondern vor allem das Kennenlernen der Persönlichkeit und deren Beschreibung später im Blog.«
»Daniel erzählte mir von deinem Blog und ich habe vorhin mal kurz reingeschaut … ziemlich interessant und spannend. Du scheinst ein tolles Leben zu führen und schätzt junge Frauen offenbar nicht nur wegen ihrer rein äußerlichen Schönheit, stimmts?« Sie schaute mir dabei offen und neugierig direkt in die Augen.
»Ja, so kann man es durchaus beschreiben, Anna. Würde es dich denn stören, wenn ich dich nach meinem persönlichen Eindruck auch öffentlich beschreibe, also nicht nur die Fotos zeige?«, hakte ich gleich nach.
»Nö, wieso denn? Solange du mich nicht runtermachst, was du anscheinend sowieso nie tust, stört es mich nicht im Geringsten. Ich finde …« sie überlegte kurz und trank einen Schluck von ihrem Kaffee, dessen Dampf in kleinen Wölkchen aufstieg, »… so wie du über Frauen schreibst, scheinst du sie wirklich als Menschen mit einer eigenen Persönlichkeit zu respektieren und wegen ihrer weiblichen Attraktivität zu schätzen. Ich denke, für dich sind wir eben keine bloßen Sexobjekte, und das … gefällt mir.« Ihr Blick verriet dabei tatsächlich auch ein gewisses persönliches Interesse an mir als Mensch und Mann, nicht nur als dem Fotografen, der ihr am Ende eine Gage zahlt.
Kurz gesagt: Wir verstanden uns prima – was bei dem großen Alters- und Erfahrungsunterschied zwischen uns ja keineswegs selbstverständlich ist. Laut Daniel ist Anna noch keine 19 Jahre alt, und typische Achtzehnjährige ticken meist ganz anders als ein wesentlich älterer Lebemann meiner Art und Klasse. Doch Anna ist eben kein typischer Durchschnitt – intellektuell reicht sie nicht an das Niveau von Meli heran, die mich zuletzt einige Monate als Muse und Model begleitete, aber sie hat definitiv mehr Klasse, mehr kluge Gedanken und eine größere Tiefe im Kopf als die meisten anderen in ihrer Altersklasse. Wegen ihrer zarten Formen und der körperlichen Kleinheit wird Anna vermutlich oft unterschätzt und eher als das süße, reizvolle Mädchen wahrgenommen. Doch hinter dieser Fassade steckt offensichtlich eine interessante Persönlichkeit – dessen war ich mir bereits nach der kurzen Zeit unseres Gesprächs ziemlich sicher.
Bei kalten minus 1 bis 2 Grad machten wir im Anschluss noch einen ausführlichen, wunderschönen Spaziergang durch den winterlich-weißen Schlosspark. Die Luft war eisig frisch, der Schnee knirschte herrlich unter unseren Schuhen, und jeder Atemzug bildete kleine Wölkchen. Die alten Bäume trugen weiße Hauben, die Wege waren kaum belebt, und in der Ferne ragte das Schloss golden aus dem Weiß heraus. Der Park erstreckt sich über etwa 1,1 mal 1,5 km, was rund 186 Hektar entspricht – eine wahrhaft kaiserliche, beeindruckende Weite mit unzähligen Sehenswürdigkeiten. Derzeit ist das Gelände täglich von 6:30 bis mindestens 17:30 Uhr geöffnet. Es ist der ideale Ort, um dem hektischen Treiben Wiens zu entfliehen, in Ruhe spazieren zu gehen und die architektonische sowie landschaftliche Schönheit zu genießen.
Erst in den Jahren 1743 bis 1749 bauten unter Maria Theresia die Architekten Nikolaus von Pacassi und Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg das Schloss und den Park in seiner heutigen Form aus. Der Palast war von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 die offizielle Sommerresidenz der Könige und Kaiser, und ab 1804 bis zum bitteren Ende des Ersten Weltkriegs die des österreichischen Kaiserhauses. Fast durchgehend von einem mehrere Hundert Personen umfassenden Hofstaat bewohnt, war es der kulturelle und politische Mittelpunkt des Habsburgerreichs – während der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde es auch oft als k. k. Lustschloss Schönbrunn bezeichnet. Heute ist es das größte Schloss und eines der bedeutendsten Kulturgüter Österreichs. Seit 1996 ist es zusammen mit dem etwa 160 ha großen Haupt-Park Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Eine Hauptattraktion im Park ist zudem der älteste noch bestehende Zoo der Welt, der Tiergarten Schönbrunn>>> auf etwa 16 ha Fläche.
Bei dem langen Spaziergang erzählte Anna locker und frei mehr über sich, ihre Herkunft und erwähnte dabei auch ganz offen ein recht typisches Erlebnis für junge Frauen ihrer Art: Ein Verehrer Ende 30, der zunächst arg verliebt tat, ihr teure Geschenke machte – genau wie ich vermutet hatte, stammte auch der Pelzmantel von ihm – und sie finanziell großzügig unterstützte. Sie fand ihn anfangs nicht uninteressant, mochte ihn sogar mit leichter Verliebtheit, freute sich über die Geschenke und konnte die Hilfe für ihr Studium natürlich gut gebrauchen. Schließlich ließ sie sich auf eine Affäre ein, doch dann merkte sie sehr schnell, dass seine Liebesschwüre und Präsente vor allem Ausdruck von Besitzansprüchen waren – er wollte sie kontrollieren und als sein privates junges Sexobjekt benutzen. Als sie das realisierte, haute sie kurzerhand ab und nahm den teuren Mantel einfach mit, weil es draußen eiskalt war und sie in diesem Moment schlicht nichts anderes zum Anziehen in Reichweite hatte.
»Unter dem Mantel war ich echt total nackt, hihi, und hatte nur meine warmen Stiefel an. Zum Glück ist er so dick, warm und lang, aber trotzdem guckten die Leute wegen meiner nackten Beine ohne Strümpfe oder Hose im Bus ganz schön komisch«, plauderte sie selbst belustigt über das Erlebte. »Ich musste tatsächlich mit Bus und Bahn fahren, weil ich auch keinen Cent Geld dabeihatte. Das war vielleicht aufregend, sag ich dir!«
Daniel und ich schmunzelten amüsiert über die Vorstellung, und ich meinte dann ernster: »Mutig und klug von dir, trotzdem so konsequent abzuhauen. Verfolgt oder belästigt er dich denn jetzt noch?«
»Ja, leider. Ich musste sogar meine kleine Bude aufgeben und wohne jetzt bei einer Freundin, die kaum Platz hat – sonst würde er mir ständig vor der Tür auflauern.«
»Tja … typischerweise dürfte der Typ genau die Sorte Arschloch sein, der jetzt glaubt, durch seine Geschenke bereits handfeste Besitzansprüche auf dich erworben zu haben. Sei froh, dass du ihm rechtzeitig entkommen bist. Solche Leute können in ihrem Frust und ihrer Wut ganz schön gefährlich werden. Nimm das bitte nicht zu leicht – manche enttäuschte Möchtegern-Liebhaber, oft tief in toxischer Männlichkeit verhaftet, bringen Frauen, die ihnen entkommen sind, nachträglich sogar um oder schütten ihnen Säure ins Gesicht, damit kein anderer sie mehr haben will. Da ich den Typ nicht persönlich kenne, kann ich es schwer einschätzen, aber du solltest wirklich nicht leichtsinnig sein!« Ich versuchte sie ernsthaft zu ermahnen, denn junge Menschen nehmen so etwas oft viel zu sehr auf die leichte Schulter und glauben fest daran, dass so etwas immer nur den anderen passiert.
»Meinst du wirklich?«, fragte sie und guckte daraufhin etwas nachdenklicher, wobei ihre Wangen von der Kälte noch röter leuchteten.
»Wie gesagt: Ich kenne ihn nicht. Aber solche üblen Dinge passieren leider immer wieder. Wenn du mit jugendlichem Übermut denkst ‚aber mir doch nicht!‘, machst du womöglich einen lebensgefährlichen Fehler. Wien ist zwar eine Millionenstadt, aber wenn du zu denselben Orten gehst, an denen du auch früher mit ihm warst, lauft ihr euch vielleicht zufällig über den Weg – und wer weiß, was dann passiert. Oder er nimmt deine Spur gezielt wieder auf. Häufig werden solche Ex-Partner zu Stalkern, die eine Zurückweisung einfach nicht akzeptieren wollen.«
Daniel nickte zustimmend. »Ich muss Steve da absolut rechtgeben, liebe Anna. Du musst jetzt nicht in ständiger Angst rumlaufen, aber ein bisschen Vorsicht und sich vielleicht erst einmal andere Plätze zum Ausgehen zu suchen, schadet sicher nicht.«
»Hm … lieb von euch beiden; wahrscheinlich habt ihr tatsächlich recht«, meinte Anna noch nachdenklicher. Da sie ziemlich clever ist, überlegt sie es sich nun vielleicht wirklich genauer und ist in Zukunft etwas vorsichtiger.
Ich erzählte ihr dann von Meli als meiner letzten Muse und Model und zeigte Anna auf meinem Smartphone ein paar Fotos, die wir geschossen hatten – darunter auch Akte, die sie aus dem öffentlichen Blog noch nicht kannte. Sie fand sie toll, sehr erotisch und ästhetisch schön, kicherte aber ein bisschen darüber, dass sie selbst im direkten Vergleich so zart gebaut sei und nur kleine Brüste habe, während Meli doch so ein erotisches „Hourglass-Vollweib“ sei.
»Trotzdem würdest du auch mit mir shooten wollen, Steve?«
»Gewiss, Anna, denn es kommt mir vor allem auf die fotogene Ausstrahlung an und darauf, dass ein Model mit Freude und Selbstbewusstsein posiert. Nicht darauf, ob du klein, groß, üppig fraulich oder eben zart gebaut bist. Meine Erfahrung sagt mir schon jetzt, dass du ein reizend fotogenes Model wärst. Du sagst ja selbst, dass du richtig gern posierst und Spaß daran hast, dich reizvoll malen, zeichnen oder eben fotografieren zu lassen.« Ich lächelte sie freundlich an und meinte das auch genau so. Nach all den Jahren merkt man sehr schnell, mit welchem Typ Frau man es zu tun hat – jede Wette, dass Anna ein richtig gutes Model ist und sogar als Muse inspirierend wirken kann, was wahrlich nicht viele schaffen. Sie hat offensichtlich diese besondere Eigenschaft.
Kurz bevor das Café Gloriette Feierabend machte, organisierten wir uns noch drei heiße Kaffee zum inneren Aufwärmen – die Tassen dampften herrlich, und der bittere Duft mischte sich mit dem kalten Wind. Ich bot Anna an, sie im EQS mitzunehmen und dort abzusetzen, wo immer sie hinwollte. Doch sie wollte ganz in der Nähe eine Freundin treffen und lehnte dankend ab.
Wir verabredeten uns schließlich für übermorgen, nach kurzer telefonischer Absprache vorab, falls sich kurzfristig etwas an unserer Zeitplanung ändern sollte, zum Shooting im Club. Daniel und ich bekamen zum Abschied noch süße, liebe Küsschen mit einer typischen Umarmung, wobei wir alle kurz schmunzeln und kichern mussten. Wenn sich ein zart gebautes 161-cm-Mädchen zu einem 190-cm-Bärenmann hochreckt und ich mich dafür tief hinunterbeugen muss, ist das natürlich ein amüsanter, fast komischer Anblick. Noch ein kurzes Abschiedswinken, dann gingen wir Männer zum Wagen und fuhren zurück in die Stadt.
»Na Steve, gibs schon zu! Ich habe nicht zu viel versprochen, Anna gefällt dir, auch wenn sie nicht ganz deinem meist bevorzugten Model-Typ entspricht«, grinste mein Freund Daniel mich von der Seite an.
»Stimmt, ja, ich gebe es offen zu«, grinste ich in männlicher Komplizenschaft zurück. »Sie hat definitiv das gewisse Etwas und ist bestimmt ein sehr fotogen-bezauberndes Model.«
»Ich mag sie wirklich, und sie ist eine gute Schülerin, obwohl ihre rein künstlerischen Talente wahrscheinlich nicht ganz ausreichen werden, um eine Karriere zu starten.«
»Was macht sie eigentlich genau, ich vergaß ganz, danach zu fragen?«
Daniel lächelte nachdenklich. »Anna versucht sich im Geigenspiel, im Zeichnen und Malen und probiert neugierig noch Verschiedenes aus. Die Kunst generell und sich im Kreise von Künstlern oder künstlerisch interessierten Menschen aufzuhalten, macht ihr einfach große Freude. Sie liest auch gern, viel und hat ein gewisses Schreibtalent; dein Blog hat ihr übrigens richtig gut gefallen. Für mich als Lehrer ist es eine Freude, sie als so bezaubernd neugierige Schülerin zu unterrichten und ein bisschen anzuleiten. Wie du weißt, bekommt unsere private Kunstschule zwar Zuschüsse von der Stadt, aber die Schüler müssen trotzdem noch fast 4.000 Euro Jahresbeitrag selbst aufbringen. Da sie niemanden hat, der diese Kosten für sie übernimmt, muss sie sich ganz schön anstrengen, um das Geld dafür Monat für Monat zusammenzukratzen.«
»Das kann ich mir gut vorstellen; ein hartes Schicksal, das sie da schon so jung ganz allein verkraften muss. Da kann man wirklich nur Respekt haben und ihr alles Gute wünschen«, nickte ich. Ich dachte anerkennend daran, dass Anna beim Kennenlerngespräch mit keinem Wort versucht hatte, mit ihrer schwierigen Vergangenheit Mitleid zu schinden oder damit zu punkten. Daniel hatte mir davon schon im Vorfeld erzählt, sie selbst hatte es nicht erwähnt. Offenbar wollte sie vorerst nicht darüber reden, weshalb ich es zunächst auch in meinem Blog nicht weiter ausführe. Jedenfalls musste sie wohl schon in jungen Jahren viel Schlimmes ertragen. Wenn ich sie länger kenne und sie Vertrauen zu mir gefasst hat, erzählt sie es mir vielleicht irgendwann selbst. Dann werde ich sie fragen, ob sie einverstanden ist, wenn ich darüber schreibe.
Ich setzte Daniel an seinem Ziel ab und fuhr weiter zum Club, um eine kleine Siesta einzulegen und mich danach frisch für ein abendliches Business-Diner zu machen. Im Eingangsbereich des GC hängt übrigens immer noch dieses amüsante Bunny-Playgirl-Bild – tatsächlich eine echte Antiquität aus einem originalen Hugh-Hefner-Playboy-Club in Chicago der 1950er oder 60er Jahre. Vielleicht ein bisschen unpassend für einen sonst so elegant-exklusiven Luxus-Club, aber eben auch herrlich lustig. Ich muss jedes Mal unwillkürlich grinsen, wenn ich daran vorbeigehe.
Im riesigen Luxus-Bett meiner Suite gönnte ich mir ein ausgiebiges Nickerchen, duschte danach lange – das heiße Wasser prickelte herrlich auf der Haut nach dem kalten Tag – und stylte mich elegant für das geschäftliche Abendessen im italienischen Ristorante Altenberg>>> in der Leopoldsgasse 33.
Das Restaurant hat täglich von 11:30 Uhr bis Mitternacht geöffnet und wird auf Google mit hohen 4,6 Sternen bewertet – völlig zurecht, wie ich heute feststellen durfte, als ich erstmals dort speiste. Das Personal dort ist überaus freundlich und gut ausgebildet, die Speisen sind so authentisch italienisch, wie man es sich nur wünschen kann. Preislich sollte man, je nach Hunger und Weindurst, etwa 25 bis 50 Euro pro Person einplanen – das ist trotz der hohen Qualität keineswegs übertrieben teuer, sondern absolut fair im heutigen Segment für gute Restaurants. Die Einrichtung ist eine charmante Mischung aus hübsch-origineller Gemütlichkeit mit einem Hauch von Eleganz; der Duft von frischen Kräutern und kleine Cicchetti auf den Tischen – einfach einladend.
Meine geschäftlichen Gesprächspartner und ich schlemmten ausgiebig und fühlten uns sichtlich wohl. Etwas später, als die wichtigsten geschäftlichen Dinge besprochen waren, floss auch nicht gerade wenig guter Wein, und das Personal versorgte uns trotz unserer bereits vollen Mägen noch mit kleinen, feinen italienischen Appetithäppchen.
Nicht ganz unschuldig am langen Sitzenbleiben war die bezaubernde Isabelle, die erst nach dem eigentlichen Essen zu uns stieß – sie ist offensichtlich die Begleiterin von Bruno, einem französischen Architekten und einem meiner alten Geschäftspartner noch aus GC-Zeiten. Er hat schon einige Umbauten und Modernisierungen für verschiedene Clubanlagen weltweit übernommen und beherrscht seinen Job ganz ausgezeichnet.
Die anderen beiden Teilnehmer an der Runde waren ein österreichischer Architekt und Bausachverständiger, der die hiesigen Vorschriften in- und auswendig kennt, sowie ein Wiener Geschäftsmann als GC-Investor und langjähriges Mitglied. Es wäre unpassend und vielleicht sogar ein wenig unseriös gewesen, zu einer rein geschäftlichen Runde eine so hübsche junge Frau wie Isabelle mitzubringen, die mit dem eigentlichen Business nichts zu tun hat und durch ihre bloße Präsenz unweigerlich für Ablenkung gesorgt hätte.
Deshalb hatte sie zuvor mit einer Freundin woanders zu Abend gegessen. Doch jetzt, da wir fertig waren, kam sie dazu und begrüßte alle in der Runde mit diesen typisch charmanten links-rechts Küsschen. Sie sprach gutes Deutsch und formulierte ihre Sätze intelligent und überlegt, aber eben alles mit diesem entzückenden „Frooonkreisch“-Akzent. Isabelle ist keine auffällige Supermodel-Schönheit, aber sie ist sehr hübsch, eindeutig clever, gebildet, echtblond, schlank und besitzt genau diesen berühmten, unnachahmlichen Charme französischer Frauen, der einen kinderleicht verzaubert. Sympathisch, lieb und nett ist sie zudem – sie wirkt einfach auf eine sehr natürliche Art anziehend.
Typisch für Franzosen wie Bruno und Isabelle – sie ist höchstwahrscheinlich seine Geliebte – kam das plaudernde Gespräch dann auch schnell auf amouröse Verwicklungen, Liebesverrücktheiten und Affären. Isabelle sagte dabei etwas, das mich beeindruckte, weil es so einiges über ihre Intellektualität, ihre Persönlichkeit und ihren Charakter verriet. Charmant lächelnd meinte sie zu uns:
»Zu lieben bedeutet, sein Herz verletzlich zu machen; oder anders ausgedrückt: Man verlässt seine gewohnte Komfortzone, um eine emotionale Achterbahnfahrt zwischen unbeschreiblichem Glück und tiefem Schmerz zu erleben.«
»Und wie viele solcher Achterbahnfahrten hast du schon überstanden, liebe Isabelle?«, konterte ich amüsiert lächelnd und registrierte dabei die typischen kleinen Zeichen zwischen Bruno und ihr. Er versuchte durch gewisse Berührungen auf eine typisch dämliche, männliche Art uns anderen zu signalisieren: „Sie gehört zu mir“. Sie wiederum wehrte das nicht direkt ab, reagierte aber auf eine Art, die mich vermuten ließ: Es handelt sich hier um eine ebenso typisch französische Affäre zwischen einem gut situierten, verheirateten Mann Ende 30 mit Kindern und einer jungen, klugen, hübschen Frau von schätzungsweise 22 oder 23 Jahren, die jedoch vehement auf ihre Freiheit besteht und nicht als sein bloßer „Besitz“ gelten, sondern als eigenständiger Mensch respektiert werden will.
»Ich, haha, wie kommst du denn darauf, dass ich schon solche Achterbahnfahrten erlebt habe?«, lachte sie zauberhaft.
Ich grinste nur: »Na hör mal, du willst doch nicht etwa ernsthaft behaupten, eine so hübsche, liebreizende und bezaubernde junge Frau wie du, hätte noch keine Affären oder Herzschmerz erlebt?!«
»Das habe ich so auch nicht gesagt!« stellte sie völlig zutreffend fest. »Nur eine wirklich echte, tiefgehende emotionale Achterbahnfahrt zwischen unbeschreiblichem Glück und tiefem Schmerz habe ich so noch nicht wirklich erlebt.«
»Du siehst mich überrascht; eine so reizvolle junge Frau wie du … in der Stadt der Liebe Paris aufgewachsen … und du hast noch keine echte, alles verzehrende emotionale Achterbahnfahrt erlebt? Das ist für mich kaum zu glauben!« Wir schauten uns dabei verräterisch etwas zu lange und tief in die Augen – und verdammt, es kribbelte in diesem Moment tatsächlich. Hoffentlich macht ihr Bruno deshalb später keine dämliche Eifersuchtsszene.
Isabelle hat übrigens eine sehr schwer zu definierende Augenfarbe; irgendwie eine Art tiefes, dunkles Grau mit einem manchmal bläulichen oder auch bräunlichen Schimmer drumherum. Ihr vielleicht nicht bildschönes, aber sehr hübsches „sprechendes Gesicht“ verrät fast jede ihrer Gefühlsregungen. Beim Lächeln erscheinen diese süßen Grübchen in ihren zarten Wangen, hohe Wangenknochen machen das längliche Gesicht besonders attraktiv, und die eher schmalen Lippen sowie das feste Kinn deuten auf selbstbewusste Willenskraft hin.
Ansonsten zeugen ihre meist funkelnden Augen von aufgeweckter Intelligenz, Neugierde und vorsichtiger Abenteuerlust – und das alles verpackt in eine sehr sympathisch-freundliche, richtig lieb wirkende Wesensart. Das alles zusammen wirkt auf mich stärker faszinierend weiblich, als es viele deutlich schönere Frauen jemals schaffen könnten. Eindeutig eine sehr interessante junge Frau, die ich wirklich gern näher kennengelernt hätte. Aber leider reisen sie und Bruno morgen Vormittag schon wieder ab.
Na gut, jedenfalls plauderten wir alle noch sehr angeregt – mit deutlich mehr gutem Wein, als es der reine Durst erfordert hätte – vergnügt über Gott und die Welt, das Leben und die Liebe, aber auch mal ernster über Politisches, Macrons und Trumps Auftritte in Davos … und was weiß ich noch alles. Genau so, wie es in einer angenehmen, gemütlichen Runde gebildeter Menschen an einem kalten, aber schönen Winterabend in einem guten Restaurant eben sein sollte. Erst kurz vor Lokalschluss um Mitternacht verabschiedeten wir uns leicht alkoholisiert voneinander und machten uns auf die jeweiligen Rückwege.
Ich verzichtete bewusst auf ein Taxi und spazierte lieber die gut zwei Kilometer durch die eiskalte, frische Nachtluft zurück zum Club. Der Frost biss ein wenig in die Wangen, klärte den Kopf aber sehr schnell wieder – und ich zerbrach mir dabei den ganzen Weg über den Kopf, weshalb ich über Isabelle dauernd dachte: Woher verdammt noch mal kenne ich sie? Wieso kommt sie mir so unglaublich bekannt vor?
Aber es fiel mir einfach nicht ein, und bald darauf im Bett, rutschte ich, nach diesem schönen Abend bestens gelaunt, hinüber ins Reich der Träume. Nun war ich bereits rund zwei Wochen ohne weibliche Begleitung und Bettgefährtin unterwegs – was bei mir ja eigentlich ziemlich ungewöhnlich ist –, doch ich fand in diesem Moment, dass es mir richtig guttat. Also hatte ich das riesige Luxusbett, in dem problemlos drei Menschen nebeneinander schlafen könnten, ohne sich gegenseitig zu stören, völlig ungestört ganz allein für mich.
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