Griechenland, Ionisches Meer, Arillas Bucht bei Perdika

 

#26.05.27 – Griechenland, Ionisches Meer, Arillas Bucht bei Perdika

Wir ankern derzeit in der Bucht vor Arillas, Epirus – einem Ort mit zwei Gesichtern, der sich südöstlich der unteren Ausläufer von Korfu auf dem griechischen Festland erstreckt.

Heute liegt vor uns eine der wohl schönsten Buchten dieser gesamten Küste: Arillas bei Perdika. Ein schöner Sandstrand erstreckt sich hier und neigt sich sanft in das kristallklare, türkisblaue Wasser der Ionischen See. Kinder spielen ausgelassen im flachen Wasser, während die Tavernen ihre Tische direkt in den feinen Sand gestellt haben. Der Wind trägt beständig den verlockenden Duft von gegrilltem Fisch, wildem Thymian und einem Hauch von Ouzo herüber. Es ist ein ruhiger, fast schon beschaulicher Ort – genau das Refugium, nach dem wir nach den belebteren und oft überlaufenen Häfen der letzten Tage gesucht haben.

Und doch steht über diesem idyllischen Postkartenbild ein zweites, ganz anderes Arillas.

Vor genau achtzig Jahren, im Frühjahr 1946, war dieser Strand wahrlich kein Ort für sorgenfreie Sonnenbäder oder entspannte Tavernenbesuche. Damals war Arillas ein winziges, bitterarmes Fischerdorf, das aus kaum mehr als zwei Dutzend einfachen Steinhäusern bestand. Die Menschen hier führten ein entbehrungsreiches Leben und hingen vollständig von dem ab, was ihnen das ungestüme Meer und die kargen, steinigen Olivenhänge mühsam abverlangten. Der Zweite Weltkrieg war zwar offiziell gerade erst zu Ende gegangen, doch der Frieden, der darauf folgen sollte, erwies sich als ein trügerischer Schein. Der Griechische Bürgerkrieg warf bereits seine dunklen, langen Schatten voraus.

Ich musste unwillkürlich an das alte, ledergebundene Tagebuch denken, das mir Victoria auf Korfu anvertraut hatte. Ihr Großonkel hatte in jener stürmischen Zeit als britischer Offizier in dieser Region operiert. Für ihn und seine Kameraden war diese Küste kein Urlaubsparadies, sondern ein hochgefährliches Schachbrett im beginnenden Kalten Krieg. Goldmünzen wurden in den dunklen Stunden der Nacht an abgelegene Strände gebracht, Waffen an zuverlässige – oder vermeintlich zuverlässige – Kontaktleute übergeben, und jede einzelne Begegnung konnte wahlweise Verrat oder die ersehnte Rettung bedeuten.

Heute planschen Touristen genau dort, wo damals vielleicht ein britisches Schlauchboot, von einem U-Boot oder einem Kriegsschiff weit vor der nächtlichen Küste kommend, oder eine griechische Caique im Schutz der Dunkelheit leise anlandete. Wo früher bitteres Misstrauen, Hunger und Angst herrschten, riecht es jetzt nach frischem Brot, Sonnencreme und der salzigen Brise des Mittelmeers.

Es ist absolut erstaunlich, wie friedlich und unschuldig ein Ort wirken kann, der vor gar nicht allzu langer Zeit Schauplatz von Intrigen, nackter Angst und großen, grausamen politischen Spielen war. Die Geschichte hinterlässt kaum noch sichtbare Spuren im warmen Sand – und doch sind sie präsent, wenn man nur genau genug hinsieht. Wir ankern deshalb genau hier, weil Tori mit eigenen Augen sehen wollte, wo ihr Agenten-Ur-Großonkel damals seinen gefährlichen Dienst verrichtete.

Ein weiterer Tagebucheintrag von „G“ beschreibt diesen Einsatz in sehr knappen, trockenen Worten wie folgt:

15. März 1946, 03.40 Uhr – Arillas Bay, Epirus

Kurz nach zwei Uhr morgens sind wir mit dem Schlauchboot an Land gegangen. Die See war ruhig, fast unnatürlich still, nur das leise Klatschen der kleinen Wellen am Strand war zu vernehmen. Das U-Boot [geschwärzter Eintrag] hat uns planmäßig um Mitternacht abgesetzt, zwölf Meilen vor der Küste. Die Überfahrt von Malta war ereignislos – Gott sei Dank.

Sergeant McAllister, die beiden Männer vom SBS, mein Einsatzteam und die U-Boot-Crew haben sich äußerst professionell verhalten. Wir vier haben die schweren Kisten mit den fünftausend Sovereigns und die Waffenbehälter schnell und ohne Zwischenfälle an Land gebracht. Das Gold wog schwerer, als einem lieb war. Jede Kiste erinnert einen daran, wie viel Vertrauen – oder blanke Verzweiflung – London in diesen Handel setzt.

Der Kontaktmann wartete wie vereinbart mit drei bewaffneten Griechen etwas oberhalb des Strandes. Ein gewisser [geschwärzter Eintrag], ein einflussreicher Lokalpolitiker, der sich bisher geschickt zwischen allen Stühlen gehalten hat. Er spielte wieder einmal den Neutralen, den großen Unabhängigen. Man konnte förmlich riechen, wie er den Wert seiner zukünftigen Loyalität taxierte. Wir übergaben die Ladung. Er versicherte mit vielen Worten seine unerschütterliche Treue zur Regierung und zum König. Ich lächelte höflich und glaubte ihm kein einziges Wort.

Es ist ein schmutziges Geschäft. Wir bezahlen Männer, die morgen vielleicht schon die Seite wechseln, wenn die Kommunisten stärker wirken. Und doch befolgen wir unsere Befehle. London scheint der Meinung zu sein, dass Gold und Waffen hier im Norden das Schlimmste verhindern können. Ich bin mir da nicht mehr so sicher.

Wir zogen uns ohne weitere Zwischenfälle zurück. Das Schlauchboot wartete. Um 03.20 Uhr waren wir wieder auf See. Hinter uns lag nur Dunkelheit und das leise Rauschen der Brandung. Manchmal frage ich mich, ob wir hier wirklich die richtige Seite stärken?

G.

Um zu verstehen, weshalb solche Geheimeinsätze nicht nur im militärischen Sinne hochgefährlich waren – woran Soldaten, die im Weltkrieg gekämpft haben, ohnehin gewöhnt waren –, sollte man sich folgendes verdeutlichen:

Was 5000 Gold Sovereigns 1946 wirklich bedeuteten

Auf den ersten Blick wirken 5000 Gold Sovereigns heute vielleicht nicht besonders beeindruckend; einfach nur eine Zahl unter vielen. Doch um zu begreifen, warum dieses Gold damals so existenzbedrohend gefährlich war, muss man sich die desolaten Verhältnisse in Griechenland vor Augen führen.

Das Land lag 1946 in Trümmern. Der Zweite Weltkrieg, die jahrelange deutsche Besatzung und der gerade aufflammende Bürgerkrieg hatten die Wirtschaft vollständig zerstört. Die Drachme war durch eine galoppierende Hyperinflation praktisch wertlos geworden. Ein normaler Arbeiter, Fischer oder Kleinbauer verdiente umgerechnet oft nur 100 bis 200 Pfund Sterling pro Jahr – sofern er überhaupt regelmäßig Arbeit fand.

5000 Gold Sovereigns entsprachen nominell zwar etwa 5000 £, hatten aber in der völlig zerrütteten griechischen Wirtschaft eine ungleich höhere Kauf- und Machtkraft, vergleichbar mit dem, was für einen Durchschnittsbürger in einem bettelarmen Land heute ein unermessliches Vermögen darstellt. Für die Durchschnittsgriechen jener Zeit entsprachen diese 5000 Goldmünzen eher einem Gegenwert von 100.000 Pfund Sterling. Für diese Zeit war das eine gigantische Summe – vergleichbar mit dem heutigen Gegenwert von 30 bis 60 Millionen Euro.

Mit dieser Summe konnte man ganze Dörfer über Jahre versorgen, eine kleine Privatarmee ausrüsten, einflussreiche Politiker und lokale Machthaber kaufen oder sich für den Rest des Lebens in Sicherheit bringen.

Kein Wunder also, dass Goldtransporte, wie der des Großonkels von Tori, extrem gefährlich waren. Viele lokale „Verbündete“ sahen in den Briten nicht in erster Linie Helfer, sondern eine einmalige Gelegenheit, sich auf Kosten der „dummen Engländer“ unglaublich zu bereichern. Verrat, Raubmord und das spurlose Verschwinden ganzer Teams waren leider keine Seltenheit. Das Gold war damals nicht einfach nur Geld – es war in jener chaotischen Zeit Macht, Überleben und Verführung zugleich.

Wer sich dafür interessiert, kann mehr darüber recherchieren. Glaubwürdige Quellen, welche die Tagebucheinträge bestätigen:

  • Christopher Montague Woodhouse (britischer Offizier, später Historiker): In seinen Büchern Apple of Discord und The Struggle for Greece beschreibt er sehr offen, wie schwierig es war, loyale Partner zu finden. Viele Griechen spielten auf Zeit oder versuchten, von beiden Seiten zu profitieren.
  • British Foreign Office und SOE-Berichte: Es gibt zahlreiche deklassifizierte Dokumente, die genau solche Operationen beschreiben – Goldtransporte, Bestechung lokaler Machthaber und die Frustration der Briten über opportunistische Partner.
  • Historischer Konsens: Woodhouse beschreibt sinngemäß, dass viele griechische Politiker und Notabeln „wie Wetterfahnen“ agierten und ihre Loyalität stets nach dem militärischen Wind ausrichteten.

»Ich frage mich, wie und warum diese nachträglichen Text-Schwärzungen in den Tagebüchern zustande gekommen sind? Ich meine, warum schrieb er es zunächst auf und schwärzte es danach doch?« Grübelte Tori mit Falten auf der Stirn, wodurch ihr schönes Gesicht sehr nachdenklich wirkte.

Ich zuckte mit den Schultern und versuchte, es ihr zu erklären: „Es gab sicherlich mehrere Gründe dafür. Viele Offiziere haben trotz offizieller Verbote private Tagebücher geführt – teils als persönliche Erinnerung, teils einfach, um den enormen psychischen Druck irgendwie loszuwerden. Gleichzeitig wussten sie aber ganz genau, wie gefährlich konkrete Namen oder operative Details sein konnten. Die Schwärzungen sehen extrem professionell aus. Wahrscheinlich hat ‚G‘ selbst die sensiblen Stellen unkenntlich gemacht, bevor er das Tagebuch mit nach Hause nahm. Einen griechischen Kontaktmann namentlich zu nennen, war damals hoch riskant – besonders wenn derjenige später die Seiten wechselte oder von den Kommunisten gejagt wurde. Möglich ist aber auch, dass das Tagebuch bei seiner Rückkehr von Vorgesetzten oder vom Geheimdienst geprüft und bereinigt wurde. Das Official Secrets Act hing wie ein Damoklesschwert über allen. Viele mussten unterschreiben, dass sie keine sensiblen Unterlagen behielten. Für mich machen diese schwarzen Balken die Aufzeichnungen sogar noch glaubwürdiger. Sie zeigen, wie dreckig und undurchsichtig das ganze Geschäft wirklich war. Kein sauberer Krieg mit klaren Fronten, sondern ein Spiel voller Misstrauen, Verrat und ständigem Kalkül.“

»Echt faszinierend!« lächelte Marina, die genau zuhörte und sich für diese alte Geschichte immer stärker zu interessieren begann.

Paul ergänzte: »Ich stimme Steve zu. Nach meinen Recherchen war das damals so. Man wollte britischen Offizier-Gentleman-Kollegen nicht generell streng persönliche Notizen verbieten und erwartete, dass diese von sich aus beachten, was gut oder schädigend für das Empire sein könnte.«



 

Nach diesem Gespräch, am Vormittag auf der ankernden Yacht, genossen wir zunächst echtes Schönwetter-„Sailing-Saltlife“. Wir gingen bei dem aktuell sehr ruhigen Wetter, mit schwachem Westwind und nur geringer Dünung am Außenrand der Bucht schnorcheln. Derzeit hat das Meer etwa gute 21 °C vor der Küste, was gleichzeitig herrlich erfrischend und nicht zu unangenehm kühl ist. Natürlich trugen wir trotzdem isolierende Taucheranzüge, denn sonst wären wir bei knapp zwei Stunden Schnorcheln allzu sehr ausgekühlt.

Danach faulenzten wir am schönen, zu dieser Jahreszeit noch ruhigen Strand. Strahlend blauer Himmel und die kräftig herunterbrennende Mittelmeersonne sorgten für angenehme 27 bis 28 °C Lufttemperatur um die Mittagszeit. Am Himmel zogen einige Seevögel majestätisch ihre Kreise, vermutlich auf der Suche nach Fischschwärmen zum Jagen. Doch kein sichtbarer Vogel tauchte steil in die Meeresfluten; jedenfalls sah ich nichts davon.

Stattdessen versammelten sie sich hektisch hinter einem vor der Bucht vorbeituckernden Fischerboot und schnappten sich fraglos laut kreischend diverse Fischabfälle, die vom Boot geworfen wurden. Die Entfernung war zu groß, um das wirklich zu hören, aber wer solche Vogelschwärme hinter einem Fischerboot schon mal aus der Nähe erlebt hat, weiß, wie laut und hektisch es dabei zugeht.


 

Wir plantschten natürlich auch in den herrlichen Meeresfluten und machten eine lustige Paar-Wasserschlacht, jeder gegen jeden. Ach ja, hier sollte ich erwähnen, dass wir noch die hübsche, gertenschlanke und sich am liebsten nackig bewegende Lany dabei hatten, die irgendwie mit Paul befreundet ist. Ein entzückender Anblick für genießende Männeraugen, und sie ließ sich auch gern, völlig ungeniert, von mir fotografieren. Marina lag ebenfalls ungeniert topless auf einem Badetuch, las ein Buch, und Tori war in einem sexy-roten Bikini genauso ein reizvoller Anblick, wie ihn Männer doch immer gern sehen. Die drei sind ja außergewöhnliche Schönheiten von Model-Format, und seien wir einfach ehrlich: welcher Mann würde da nicht erfreut genauer hinschauen? grins

Schließlich bekamen wir ordentlich Hunger und wollten köstliche, griechische Speisen genießen. Dazu setzten wir mit dem am Strand liegenden Beiboot zunächst noch mal auf die Yacht über, um uns frisch zu duschen und etwas herzurichten. Dabei ergab sich die Gelegenheit, Tori doch noch in natürlich unbekleideter, ganzer Schönheit zu sehen – leider nur kurz von hinten, aber herrje, sie ist wirklich eine verdammt attraktive Frau und weiß das selbstbewusst natürlich auch genau.



 

»Was denn? Haste noch nie eine nackte Frau gesehen, oder warum blinzelst du gar nicht, haha?« lachte sie unbekümmert mit einem Blick über die Schulter zurück zu mir.

»Das ist eine unausrottbare Männerkrankheit; etwas so Schönes MÜSSEN wir einfach anstarren!« grinste ich vergnügt und betonte das „MÜSSEN“ dabei besonders.

»Charmeur, du!« schmunzelte sie fraulich selbstzufrieden und verschwand leider in ihrer Kabine, um sich zum Essengehen sommerlich zu bekleiden. Seufzend warf ich ihr noch einen Dackelblick hinterher, was mir einen kräftigen, aber dennoch zärtlichen Knuff von Marina einbrachte, die sich ebenfalls gerade ankleidete.

»Verflucht! Wer, in der an Dummheiten so reichen, menschlichen Geschichte war bloß so dämlich, schönen Frauen das Tragen von Kleidung zu erlauben?« grinste ich sehr breit und schnappte mir die Schöne für eine überfallartige Kuss- und Fummel-Attacke.

»Fraglos ein dummer Mann, hahaha.« lachte Marina nach dem langen Kuss, während wir beide nach Luft schnappten.

Zum späten Mittagessen entschieden wir uns dann für ein gutes, griechisches Restaurant mit toller Aussicht auf Bucht und Meer. Übersetzt heißt es sinnigerweise „Fischknochen-Arilla“ und wird auf Google mit hohen 4,7 Sternen im Schnitt bewertet. Es ist sehr hübsch, sauber, gepflegt und gemütlich. Zuvorkommend freundliches Personal kümmert sich prima um die Gäste, ohne aufdringlich zu wirken, und bringt exzellent zubereitete Köstlichkeiten in üppigen Portionen auf die Tische; überwiegend fangfrische Meeresfrüchte, aber die Fleischspeisen sind ähnlich gut und ebenfalls sehr lecker. Das Preisniveau liegt bei angemessenen 25 bis 35 Euro pro Person, man kann aber auch schon für 15 bis 20 Euro satt werden, und geöffnet haben sie täglich von 13 bis 21.30 Uhr.

Gut gelaunt und uns auf Anhieb wohlfühlend, wie es in solchen griechischen Tavernen meist der Fall ist, wählten wir sechs unterschiedliche Gerichte, um möglichst viel ausprobieren zu können. Wie erwartet schmeckte alles wunderbar und wir schlemmten mit ordentlichem Appetit ausgiebig. Da in der Frühsaison noch relativ wenig los war, ließ es sich der Wirt auch nicht nehmen, zu uns an den Tisch zu kommen und eine Runde auszugeben. 


 

Gäste von schönen Segelyachten werden natürlich automatisch als zahlungskräftig eingestuft, und es wird versucht, die Leute schlicht zum Wiederkommen zu animieren. Aber dennoch war es abgesehen von den legitimen Geschäftsinteressen solcher Kleinunternehmer und Gastronomen auch einfach typische, herzliche, griechische Gastfreundschaft. Und fraglos genoss er es auch, mit drei so locker-charmanten, außergewöhnlichen Schönheiten in sexy-knapper Kleidung zu plaudern und zu scherzen. Schmunzel

Wir blieben ziemlich lange dort und pichelten in angeregter Stimmung mehr guten Wein, als es nur der Durst erfordert hätte. Dementsprechend angeheitert und mit leichtem Schwips spazierten wir danach zur Verdauung entlang der malerischen Küste, mit grün bewachsenen Hügeln auf der einen und dem Meer auf der anderen Seite. Trotz des Alkoholkonsums wägten wir selbstverständlich gut ab, ob wir hier über Nacht ankern können.

Bei Westwind in einer nach Westen weit offenen Bucht liegt man hier mit auflandigem Wind auf Legerwall, wie das Seeleute nennen. Kein echter Seemann ankert gern in solchen Lagen, doch bei den aktuellen Schönwetter-Schwachwind-Vorhersagen und mit einem richtig guten Ankergeschirr an Bord, erachteten wir das Risiko als vernachlässigbar klein genug. Allan, dem die geerbte Yacht gehört, vertraute dabei auch auf meine Aussagen als generell erfahrendster Segler unserer Crew mit langjähriger Griechenlanderfahrung.

Übrigens verstehen sich er und Tori derzeit wieder besser, nachdem es einige Tage doch unübersehbar zwischen beiden gekriselt hatte. Offenbar haben sie sich, zumindest vorerst, wieder zusammengerauft.

 

Nach Sonnenuntergang sanken die Temperaturen auf 21 bis 22 °C, was bei der milden Mittelmeerluft mit nur minimalem Wind von 2 bis 3 Knoten aber immer noch sehr angenehm war. An Ausgehmöglichkeiten gibt es hier nur zwei oder drei Tavernen oder Restaurants, die alle relativ früh schließen. Es ist eindeutig eine ruhige Familienurlauber-Region, wo auch die Touristen eher früh schlafen gehen, um den ganzen Tag am Strand oder beim Wandern in den Hügeln zu genießen.

Auch wir wollten relativ früh in die Kojen gehen. Das Seglerleben macht müde, und man passt sich automatisch eher wie Bauern an den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus an. An Bord plauderten wir bei einem letzten Glas Wein im Cockpit noch ein bisschen und verschwanden nach 22 Uhr bereits in unseren jeweiligen Kabinen. Marina und ich belegen die Steuerbord-Vorschiffskabine, Lany und Paul die an Backbord, Tori und Allan die größere Heckkabine, welche durch das Cockpit im halben Kabinenraum aber nur sehr begrenzte Stehhöhe bietet; ein typisches Beneteau-Layout.

Auf so einer Segelyacht hört man sprichwörtlich jeden Pups der Anderen in ihren Kabinen, so dünn sind die Wände. Und da wir sechs alle noch das gleiche machen wollten, nämlich Liebe in den jeweiligen Kojen, gab es zu den jeweiligen Höhepunkten eindeutige, amüsante Seufzer und Stöhner zu hören, worüber man unwillkürlich grinsen muss. lach

Alle drei Kabinen haben ihre eigenen, kleinen, engen Bäder; daneben gibt es am Heck und im Vorschiff noch zwei kleine Kabinen für Kinder oder als Stauraum für Segel und Ausrüstung. Fahrtenyachten sind typischerweise sehr voll mit allen möglichen Dingen, Ersatzteilen, Werkzeug, Vorräten und vielem mehr.

Übrigens, wer sich dafür interessiert, sich aber nicht so gut auskennt: Beneteau-Yachten (und ähnliche Massenwerften wie Jeanneau oder Bavaria) werden überwiegend für den Chartermarkt produziert und bieten dafür fünf Jahre Garantie. Das bedeutet meist, dass sie 2–3 Jahre im Premium-Segment für Charterboote intensiv genutzt und nur das Nötigste gewartet werden. Danach landen die Boote weitere 2–3 Jahre in den B-Klasse Charterflotten, wo es zur Gewinnmaximierung noch weniger Wartung gibt.

Nach im Schnitt fünf Jahren werden die Boote durch neue ersetzt und auf dem Second-Hand-Markt billig verschleudert. Wer sich solche scheinbar billigen Boote kauft, bekommt dann schnell massive Probleme mit kaputtgehender Ausrüstung. Logischerweise hat Beneteau als Werft kein Interesse an Langlebigkeit, sondern will seine neue Produktion verkaufen. Das heißt: wenn man solche Yachten preisgünstig für den Privatgebrauch erwirbt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der günstige Preis täuscht.

Man muss im Allgemeinen noch mal eine ähnliche Summe und viel Eigenarbeit mit ausreichenden Kenntnissen in diese Yachten stecken, um sie für langjährigen Gebrauch seetüchtig und benutzbar zu halten. Das ist keine Kleinigkeit und auch kein Kinderspiel; nur wenige erfahrene Segler schaffen das. Anfängern oder nicht besonders erfahrenen Gelegenheitsseglern ist vom Erwerb solcher scheinbar günstigen Yachten dringend abzuraten! Du wirst nicht glücklich damit, sondern eher sehr frustriert, pleite und gibst schließlich deutlich ärmer auf, ohne wie erhofft eine schöne Yacht zu besitzen.

Wer eine zuverlässige Yacht sucht, sollte lieber nach privat genutzten Modellen oder Marken mit besserem Ruf für Langlebigkeit schauen – auch wenn diese teurer sind. Allans Yacht ist eines dieser Premium-Modelle von Beneteau, und trotzdem musste auch er schon viel Eigenarbeit und Geld zum Erhalt der Seetüchtigkeit als Fahrtenyacht investieren, was er gut beherrscht. Ein Boot wird im Grunde niemals ganz fertig und muss permanent mit hohem Einsatz gewartet und modernisiert werden. Nicht zufällig gibt es unter Fahrtenseglern den selbstironischen Spruch: „Wir segeln nicht um die Welt; zu 80 % arbeiten wir uns mit viel Schweiß voran und segeln ab und zu auch mal.“

»Was du Schlaumeier alles weißt.« stichelte Marina nach dem Liebesspiel, seitlich angeschmiegt mitlesend, als ich diesen Abschnitt in den Laptop tippte.

»Bitte nicht zu viel Bewunderung und Verehrung, sonst schwebe ich über, statt in der Koje, hoho.« gluckste ich, und wir küssten uns zärtlich-verspielt.

Die nackte Schönheit, weibliche Wärme und Weichheit ihres herrlichen Körpers so eng an mir spürend, während wir miteinander scherzend kuschelten, brachte uns ziemlich schnell zu einer weiteren Liebessrunde. Aber dann, es war inzwischen schon fast Mitternacht, duschten wir uns schnell noch mal frisch, krochen zurück in die Koje und schlummerten dann auch schnell hinüber ins Reich der Träume.

 

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