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Vlissingen, Seeklar machen Endspurt und Segelplanung

 

#26.09.02 – Vlissingen, Seeklar machen Endspurt und Segelplanung

»Hmm… also ich finde ja, du solltest keinesfalls noch etwas anderes als dieses rattenscharfe Outfit anziehen!«, grinste ich männlich bewundernd mit genießendem Blick zu Deli, als wir uns für das Frühstück fertig machten.

»Haha, meinst du nicht, es würde ein kleines Erdbeben in Vlissingen auslösen, wenn ich so vor die Tür gehe?!«, lachte sie heiter wie immer in einem weißen Ripp-Haltertop, kombiniert mit extrem kurzen, beigen Shorts. Das brachte ihre prächtig fraulichen und dennoch sehr schlanken Formen mit ziemlich überwältigendem Sexappeal zur Geltung.

»Ein kleines? Die arme Stadt würde wie Santorin anno dazumal erst explodieren und dann im Meer versinken, hoho!«, lachte ich mit.

Es war heute zwar sehr sonnig, mit bis zu vorhergesagten 21 Grad um die Mittagszeit, aber natürlich beabsichtigte sie keineswegs, dieses Outfit draußen anzubehalten. Sie probierte nur sexy-schicke Sachen für den Hochsommer und den Süden aus, die sie sich erst kürzlich zugelegt hatte. Bis zum Frühstück war noch etwas Zeit und ich vergaß glatt, eigentlich schon einmal den Laptop checken zu wollen – stattdessen schaute ich dieser höchst reizvollen Modenschau mit größtem Vergnügen zu.


 

»Wie sehen denn eure Pläne zur Abreise aus?«, fragte Mevrouw Margriet dann beim gemeinsamen Frühstück. Als Kapitäns-Witwe weiß sie natürlich auch so einiges über die Seefahrt im Allgemeinen und übers Segeln, was vor allem ihr Mann in seiner Freizeit ebenfalls gerne machte.

»Das Boot ist definitiv seeklar für längere Törns und mit Provisioning auf Wochen verproviantiert«, erzählte ich, was die liebe alte Dame eigentlich schon wusste, während wir uns alle mit Appetit stärkten. »Aber bis Samstagnacht haben wir noch ungünstige, starke Westwinde. Wenn die Vorhersagen stimmen, bekommen wir am Sonntag eine neue, günstige Wetterlage und sollten bei Hochwasser gegen 10 Uhr ablegen und Vlissingen verlassen.«

»Ach, ich werde euch Lieben vermissen!«, seufzte Mevrouw Margriet ein klein wenig traurig, aber auch lächelnd. »Dann wird das zu große Haus wieder einsam und still; doch so ist das nun einmal mit Seefahrern.«

Natürlich versicherten Deli, Kascha, Sascha und ich unserer reizenden Gastgeberin ebenfalls sie ein bisschen zu vermissen, was keineswegs höflich geschwindelt war. Wir hatten sie wirklich alle ins Herz geschlossen und mögen sie richtig gern. Mit ihrem klugen Kopf, ihrer Bildung, viel Lebenserfahrung und ihrer freundlich-bezaubernden Wesensart mit einem goldenen Herzen ist sie gewissermaßen ein Musterbeispiel für eine liebe Oma, wie man sie sich nur wünschen kann.

Übrigens wird uns die hübsche, junge Fotografin Cathi vorerst doch nicht als Mitseglerin begleiten. Ihr Bruder, ein selbstständiger Kleinunternehmer, hatte in der Heimat einen üblen Autounfall, der ihn voraussichtlich einige Wochen arbeitsunfähig macht. Cathi wollte also heimreisen und ihm nach Kräften helfen, bis er wieder auf dem Damm ist. Wir hatten ihr angeboten, vielleicht in einigen Wochen irgendwo im Süden doch noch bei uns einzusteigen; jedenfalls kann sie sich jederzeit wieder melden, wenn sie möchte.

Ihre Absage gibt aber auch hochwillkommenen Stauraum in der eigentlich für sie vorgesehenen Pilot-Koje frei. Inzwischen wurden die vier bestellten Tern Vektron P5i E-Klapp-Bikes für bequeme Mobilität an Land angeliefert. Die lassen sich zwar zu recht kleinen Packmaßen zusammenfalten, nehmen aber trotzdem nicht wenig Platz weg. Bauartbedingt wäre es an Bord einer HC-48T mit fünf Crewmitgliedern sonst doch kaum möglich gewesen sie so unterzubringen, dass sie nicht ständig irgendwo im Weg wären. In die steuerbordseitige Pilot-Koje im Durchgang vom Saloon zur Achterkabine passen diese Premium-Bikes jedoch prima hinein.


 

Dass meine Wahl am Ende auf genau dieses Modell gefallen ist, hat maritime und praktische Gründe, die jedem Skipper sofort einleuchten:

  • Ultrakompaktes Faltmaß: In wenigen Sekunden zusammengeklappt, lassen sich die Räder erstaunlich platzsparend stauen, ohne dass an Bord wertvoller Raum blockiert wird.
  • Flüsterleiser Bosch Active Line Plus Antrieb: Der geschmeidige Mittelmotor liefert ein extrem natürliches Fahrgefühl – perfekt, wenn man in fremden Hafenstädten steile Küstenstraßen oder längere Versorgungsstrecken mühelos überwinden will.
  • Wartungsarme Shimano Nexus 5-Gang Nabenschaltung: Speziell für E-Bikes entwickelt, verträgt sie hohe Drehmomente spielend und ist dank der geschlossenen Bauweise bestens gegen die aggressive, salzige Seeluft geschützt.
  • Sauberer Gates Riemenantrieb: Kein lästiges Kettenfett mehr an Bord! Der Carbonriemen läuft absolut sauber, verschmiert weder Deck noch Kleidung und benötigt praktisch keinerlei Schmierung oder aufwendige Pflege. Rostet im salzig-feuchten, maritimen Umfeld auch nicht wie normale Ketten.
  • Werkzeuglos verstellbarer Physis 3D-Lenker: Ob zierliche Frau oder großgewachsener Skipper – der Vorbau lässt sich in Sekundenschnelle auf jede Körpergröße anpassen, sodass vierköpfige Crew stets ergonomisch bequem unterwegs sein kann.

Achtung, ab hier wird es für alle, die sich nicht für die Feinheiten der Seefahrt interessieren, erst einmal wieder arg seefahrtstechnisch. Von einem Hafen wie Vlissingen läuft man nicht einfach so nach Lust und Laune aus, um nach Süden durch den Ärmelkanal zu segeln. Da ist eine akribische Planung zusammen mit der passenden Wetterlage nicht nur wichtig, sondern schlicht die Grundvoraussetzung für Sicherheit und Erfolg.

Zunächst gilt es, die Gezeiten ganz genau im Blick zu behalten. An der Westerschelde vor Vlissingen kippt der Strom kurz nach Hochwasser, sodass der ablaufende Ebbstrom das Schiff ideal nach Westen durch die Mündung und hinaus in die Nordsee schiebt. Für den kommenden Sonntag, den 06. September 2026, ergeben sich daraus folgende Richtwerte für die Tiden in Vlissingen: Die Nacht-Tide bringt das morgendliche Hochwasser gegen 09:55 bis 10:00 Uhr. Die Mittags-Tide erreicht das nachfolgende Niedrigwasser gegen 16:15 Uhr, bevor die Abend-Tide um etwa 22:45 bis 22:50 Uhr das späte Hochwasser bringt.

Daraus ergeben sich zwei denkbare Abfahrtsfenster. Das erste und von mir klar bevorzugte Fenster ist die Tag-Passage mit einer Abfahrt zwischen 10:00 und 10:30 Uhr morgens. Genau zu Hochwasser geht es los, sodass wir den mitlaufenden Ebbstrom für volle fünf bis sechs Stunden nutzen können, um aus dem Revier der Westerschelde heraus und an Ostende sowie Zeebrugge vorbei nach Westen gezogen zu werden. Das zweite Zeitfenster wäre eine Nacht-Passage abends ab 22:45 bis 23:00 Uhr kurz nach dem späten Hochwasser. Der Vorteil am Sonntagmorgen liegt jedoch klar auf der Hand: Nach dem Umstellen der Großwetterlage am Samstag startet der Törn direkt bei Tageslicht und mit ablaufendem Wasser, während die Welle vor der Küste spürbar abflacht.

Als Nächstes müssen Wind- und Wetterlage für unseren ersten großen Schlag nach Brest als Zwischenstopp passen. Die Streckendistanz von Vlissingen bis Brest beträgt auf direktem Weg rund 350 bis 380 Seemeilen. Bei einer durchschnittlichen Etappengeschwindigkeit von 5,5 bis 6,5 Knoten bedeutet das eine reine Fahrzeit von etwa 55 bis 65 Stunden.

 

Beim Abgleich der großen globalen Wettermodelle ECMWF, GFS und ICON für die Passage durch den Ärmelkanal zeigt sich das typische Bild einer Übergangslage im Frühherbst mit rascher Tiefdruckdynamik. Bis Samstag, den 05. September, dominiert ein Tiefdruckkomplex über dem Nordatlantik und den britischen Inseln die erste Wochenhälfte. Im Ärmelkanal stehen bis Freitag und Samstag anhaltende Winde aus dem West-Quadranten von Südwest bis Westnordwest an, wobei im mittleren und westlichen Kanal in Böen häufig 5 bis 7 Windstärken erreicht werden.

Der stramme Westwind baut in Kombination mit der Atlantikdünung eine beachtliche Welle gegen unseren Kurs auf. Gegen anstehende Westwinde von 25 bis 30 Knoten und eine Welle von 2,5 bis 3,5 Metern durch den Kanal zu kreuzen – gepaart mit den starken Gezeitenströmen –, würde enormen Verschleiß an Mensch und Material bedeuten. Das Abwarten ist an dieser Stelle die einzig professionelle Entscheidung.

Ab Sonntag, den 06. September, deutet sich jedoch die entscheidende Wende an. Das europäische Modell ECMWF prognostiziert für Samstag noch West- bis Nordwestwind mit 5 bis 6 Windstärken, raue See und Regen. Am Sonntag dreht der Wind auf Nordwest bis Nord mit 3 bis 4 Windstärken und flaut ab.

Ab Montag stellt sich durch einen zugreifenden Keil des Azorenhochs ein Trend zu Nordost- bis Ostwinden mit 3 bis 5 Windstärken ein. Das amerikanische GFS-Modell zeigt für Samstag nach einem Frontdurchgang noch Südwest- bis Westwind mit 5 Windstärken. Am Sonntag beruhigt sich die See bei einer Winddrehung über Westnordwest auf Nord mit 3 Windstärken, bevor ab Montag schwachwindiges, tendenziell nordöstliches und stabileres Hochdruckwetter folgt. 

 

Das hochauflösende deutsche ICON-Modell sieht am Samstag noch Westnordwestwind mit 5 bis 6 Windstärken im Ostkanal, verspricht zum Sonntagmorgen jedoch eine rasche Abnahme auf Nordwest mit 3 bis 4 Windstärken und ab Montag ein sehr günstiges Fenster mit Nordost-Ostwinden für die Westpassage.

Die Modelle stimmen in der Tendenz hervorragend überein. Am Samstag zieht die Kaltfront des Tiefs nach Osten ab. Dahinter dreht der Wind typischerweise von West bis Nordwest auf Nord, bevor ein nachrückender Hochdruckkeil den Wind auf Nordost bis Ost drückt. Der Sonntag bietet sich ideal als Startfenster an, da der Wind deutlich zurückgeht, auf nördliche Richtungen dreht und den Westkurs freigibt. Die Welle braucht nach den starken Westwinden etwa 12 bis 18 Stunden zum Abflachen, sodass die See ab Sonntagmittag deutlich angenehmer wird. Die Geduld beim Abwarten zahlt sich aus: Das Zeitfenster ab dem 06. September ist lang und stabil genug, um Brest sicher und ohne Kreuzen zu erreichen, da es sich um einen echten Musterwechsel hin zu einer spät-sommerlichen Hochdrucklage handelt.

Nicht zuletzt ist der Ärmelkanal eine der am stärksten befahrenen und anspruchsvollsten Seefahrtsrouten der Welt, insbesondere für Segelyachten. Die Überwachung des dichten Schiffsverkehrs und die bürokratischen Vorschriften entlang der Route von Vlissingen bis Brest – einschließlich der Kenterung um Cap de la Hague und Ouessant – sind streng geregelt.

Gemäß KVR Regel 10 für Verkehrstrennungsgebiete dürfen Segelfahrzeuge und Schiffe unter 20 Metern Länge die Passage der Großschifffahrt in einem Verkehrstrennungsgebiet nicht behindern. Das klassische Wegerecht »Segel vor Motor« gilt im Verkehrstrennungsgebiet gegenüber der durchgehenden Berufsschifffahrt praktisch nicht. Wer ein solches Gebiet quert, muss den Kielvoraus-Kurs, also die Längsachse des Schiffes, exakt im 90-Grad-Winkel zur allgemeinen Verkehrsrichtung halten. Durch den starken Kenterstrom versetzt das Schiff zwar schräg über Grund, doch solange der Bug rechtwinklig zeigt, ist das absolut legal und vorgeschrieben. Wann immer möglich, werden wir die küstennahen Zonen nutzen, um den großen Fahrspuren auszuweichen.

Obwohl für Sportboote formal meist keine globale Pflicht zum Senden besteht, gilt ein aktives AIS auf dieser Route faktisch als Sicherheitsstandard. Die Berufsschifffahrt läuft im Kanal oft mit 18 bis 25 Knoten. Das Wachpersonal auf der Brücke großer Frachter verlässt sich primär auf AIS-Vektoren und Plotter-Alarme. Wer ohne aktives AIS-Signal ein Verkehrstrennungsgebiet quert, wird extrem spät wahrgenommen.

Auch bürokratisch gibt es klare Regeln. Solange wir bei einer eventuellen Passage der englischen Küstenzone nur durchsegeln, ohne zu ankern oder an Land zu gehen, müssen wir nicht einklarieren. Sollten wir doch einen Zwischenstopp im Vereinigten Königreich einlegen, müssten wir uns vorab online anmelden, die gelbe Flagge Q setzen und anschließend beim Anlaufen eines französischen Hafens offiziell einklarieren sowie die Pässe stempeln lassen. Da wir von Vlissingen direkt nach Brest durchsegeln, bleiben wir innerhalb der EU und vermeiden diesen Zollaufwand.

Schließlich erfordern die Revierverhältnisse höchste Aufmerksamkeit. An Engstellen wie dem Alderney Race oder dem Raz de Sein treten bei Springzeit Stromgeschwindigkeiten von 9 bis 12 Knoten auf. Hier gilt das eiserne Grundgesetz der Seemannschaft: Niemals Strom gegen Wind fahren! Bei 5 Windstärken gegen 6 Knoten Strom bauen sich lebensgefährliche, steile Grundseen auf. Zudem überwachen die Küstenstationen den Raum lückenlos per Radar. Wer im Verkehrstrennungsgebiet Schlangenlinien segelt oder die 90-Grad-Regel missachtet, wird direkt über Funk namentlich angerufen und verwarnt.

Kurz zusammengefasst bedeutet das: Dem Berufsverkehr weiträumig ausweichen, bei Querungen den Bug stur im 90-Grad-Winkel zur Fahrspur halten, das AIS aktiv nutzen und den Gezeitenstrom akribisch vorausberechnen. Das alles zeigt recht deutlich, dass die Seefahrt auf diesem Niveau wenig mit gemütlichem Rumschippern zu tun hat. Man muss auf See exakt wissen, was man tut, um die HC-48T und die Crew sicher nach Brest zu bringen.

Update: Nach den allerneuesten Windvorhersagen auf Windy könnte sich die gesamte Wetterlage leider doch noch deutlich anders als erhofft gestalten. Das müssen wir in den verbleibenden Tagen also extrem aufmerksam im Auge behalten. Das europäische ECMWF-Modell sagt ab Dienstagmittag für den Ärmelkanal nun nämlich doch wieder ungünstige Westwinde voraus – verdammt!

Aber viel länger können wir unser In-See-Stechen schlichtweg auch nicht mehr verschieben, sonst drohen wir weiter südlich in der Biskaya vollends in die berüchtigten schweren Herbststürme zu geraten. Und die sind selbst für erfahrene Segler auf einer so robusten und seetüchtigen Yacht wie unserer HC-48T wahrlich kein Vergnügen.

 

Genau das ist die ungeschminkte Realität auf Segelschiffen, ganz besonders zu dieser späten Jahreszeit. Trotz modernster Technik, mit unzähligen Wettersatelliten im Orbit, ist das tatsächlich angetroffene Windwetter selbst auf nur wenige Tage im Voraus erstaunlich schwer exakt vorherzusagen. Als Skipper musst du dich stets flexibel den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen und darfst niemals stur an vorgefertigten Plänen festhalten, wie man es auf reinen Motorschiffen vielleicht noch tun könnte.

Gut, wir haben zwar eine kräftige Hauptmaschine an Bord und könnten zur Not auch längere Strecken mit dem Diesel motoren. Doch wie die meisten leidenschaftlichen Segler hasse ich das wie die Pest und nutze den Jockel wirklich nur dann, wenn es absolut unumgänglich ist.

Das Fazit lautet also: Die gesamte mühsam ausgetüftelte Planung muss möglicherweise kurzfristig komplett über den Haufen geworfen werden! Jedenfalls werden wir am kommenden Wochenende definitiv auslaufen – hoffentlich erwischen wir zumindest ein bis zwei Tage noch halbwegs günstige Winde, und danach wird unterwegs stetig nach der tatsächlichen Wetterentwicklung disponiert. Noch länger möchte ich als verantwortlicher Skipper keinesfalls mehr in Vlissingen aussitzen, denn je näher die vor allem ab Oktober gefürchteten Stürme rücken, desto anspruchsvoller und riskanter wird die gesamte Passage.

Deli und Kasha gingen sich danach erst einmal in der Stadt auf typisch Frauenart vergnügen, wo wir uns alle später wieder treffen und dann auch die frisch aus Antwerpen ankommende Ella-Bella gebührend willkommen heißen wollten. Sascha und ich nutzten die Zeit, gingen zurück auf das Boot und kümmerten uns um ein paar eigentlich überflüssige Kleinigkeiten – wie etwa das gefühlt x-te Überprüfen von Segeln, Tauwerk und Bordinstallationen, was vor allem Sascha in den letzten Tagen schon mehrfach mit akribischer Sorgfalt kontrolliert hatte.

Auch den speziellen UV-Vorfilter am Trinkwasserhahn direkt unter dem Kombüsen-Waschbecken checkten wir noch einmal rundum gründlich. Das Acuva-System – vor allem bekannte Modelle wie der ArrowMAX 2.0 oder der Wanderer – gilt unter versierten Langfahrtseglern tatsächlich als eines der modernsten, durchdachtesten und fortschrittlichsten UV-Trinkwasser-Filtersysteme überhaupt. 

 

Die wichtigsten Gründe für diese hohe Beliebtheit liegen auf der Hand: Es arbeitet mit extrem sparsamer UVC-LED-Technologie statt mit den veralteten, empfindlichen Quecksilberdampf-Lampen. Dadurch verbraucht es wenig Strom, da es nur bei tatsächlichem Bedarf aktiv ist und im Standby-Betrieb fast auf Null herunterfährt. Es baut extrem kompakt, sodass es sich perfekt unter der Spüle in der Pantry installieren lässt, und kombiniert die UV-Desinfektion ideal mit einem leistungsfähigen Vorfilter, der Chlor, Schwermetalle, Geruchs- und Geschmacksstoffe zuverlässig neutralisiert. In der gesamten Segler- und RV-Szene wird diese Technik in Fachartikeln regelmäßig höchst positiv bewertet und wärmstens empfohlen.

Schauen wir uns die beeindruckenden technischen Daten und die Leistungsfähigkeit einmal im Detail an: Zertifiziert für eine Durchflussrate von 2 Litern pro Minute vernichtet der Reaktor dank moderner UVC-LED-Technologie bis zu sagenhafte 99,9999 % aller gefährlichen Viren und Bakterien (wie etwa e.Coli) – und zwar völlig chemiefrei und komplett ohne giftiges Quecksilber. Die Stromversorgung läuft unkompliziert mit 12 Volt DC direkt über die Bordbatterie im Spannungsbereich von 11 bis 16 Volt, wobei im Lieferumfang oft auch ein AC/DC-Netzteil für den normalen Steckdosenbetrieb enthalten ist. Die Lebensdauer ist immens: Die UV-Einheit reinigt in ihrer Gesamtlebensdauer bis zu 120.000 Liter Wasser, während die verbauten LEDs eine reine Betriebsdauer von rund 1.000 Stunden aufweisen.

Ein wichtiger Hinweis vorab für alle Technikbegeisterten: Zwar ist das ursprüngliche kanadische Unternehmen Acuva Technologies vor einiger Zeit pleitegegangen, jedoch hat die renommierte schwedische Firma Watersprint AB alle Vermögenswerte sowie Patente übernommen. Watersprint führt die Produktion dieser bewährten Systeme und die weltweite Ersatzteilversorgung erfreulicherweise nahtlos fort.

Das durchdachte 2-Stufen-Filtersystem bereitet das Tank- oder Festwasser direkt am Entnahmepunkt, dem sogenannten »Point-of-Use«, in zwei klaren Schritten auf:

  • Aktivkohle-Vorfilter: Er entfernt im ersten Schritt grobe Sedimente, Chlor, Blei, Schwermetalle sowie alle unangenehmen Gerüche und Geschmäcker aus dem Rohrwasser.
  • UV-LED-Reaktor: Im massiven Gehäuse inaktiviert er per hochdosiertem UV-C-Licht augenblicklich alle mikrobiellen Krankheitserreger. Der große Vorteil dabei: Gesunde, wichtige Mineralien wie Kalzium und Magnesium bleiben im Trinkwasser voll enthalten!

Dazu gesellen sich einige prägnante Besonderheiten und klare Vorteile: Im Gegensatz zu alten UV-Röhren, die dauerhaft durchlaufen und dadurch unweigerlich das stehende Wasser aufheizen, schalten sich die LEDs beim Acuva-System dank On-Demand-Aktivierung erst exakt in dem Millisekunden-Moment ein, in dem der Wasserhahn aufgedreht wird. Das spart an Bord beachtliche Mengen an wertvollem Batteriestrom. Zudem führt das System alle 12 Stunden vollautomatisch eine kurze Selbstreinigung durch, um selbst bei längerer Nichtnutzung jeglicher Keimbildung im stehenden Wasser des Reaktors effektiv vorzubeugen.

Zur Wartung und Überwinterung gilt: Der Aktivkohle-Vorfilter sollte etwa alle sechs Monate oder nach ca. 15.000 Litern getauscht werden. Und ganz wichtig bei Frostgefahr unter 4 Grad: Gefrierendes Restwasser im UV-Reaktor würde die feinen Quarzgläser sprengen und zu irreparablen Lecks führen, weshalb das Wasser vor dem Winter komplett abgelassen und der Vorfilter ausgebaut werden muss.

Das System wird herstellerseitig übrigens mit einem modernen, smarten Wasserhahn ausgeliefert. Aus ästhetischen Gründen wollten wir diesen verchromten »Smart Faucet« aber keinesfalls an die klassisch-edlen Bronze-Armaturen unserer HC-48T montieren. Da die Steuerung und Funktionsweise der UV-C-Einheit glücklicherweise extrem flexibel ausgelegt sind, muss man für die Anpassung an traditionelle Bordinstallationen lediglich zwei kleine technische Kniffe anwenden:

Das Acuva-Hauptgerät besitzt direkt im Gehäuse einen integrierten, mechanischen Durchfluss-Sensor. Es benötigt den mitgelieferten Spezialwasserhahn also gar nicht zwingend, um zu registrieren, wann Wasser gezapft wird. Sobald wir unsere stilvolle Bronze-Armatur aufdrehen und Wasser strömt, erkennt der Sensor die Bewegung und schaltet die UV-LEDs augenblicklich ein; wird der Hahn zugedreht, schaltet das Gerät sofort zurück in den Standby-Modus.

Der smarte Original-Wasserhahn besitzt zwar ein Elektrokabel mit einem LED-Ring, der blau leuchtet, wenn das Wasser keimfrei fließt, und rot/gelb bei Systemfehlern – an unserer Bronze-Armatur entfällt diese visuelle Rückmeldung zwar am Hahn selbst, aber das Acuva-Hauptgerät besitzt auf der Gehäuseoberseite exakt die identischen Status-LEDs (das Acuva-Logo leuchtet bei Funktion strahlend blau). Da die Box gut geschützt in der Pantry unter der Spüle verbaut ist, sieht man diese Warnung zwar nicht auf den ersten Blick, aber wer maximale Sicherheit wünscht, kann an das Steuerungskabel ganz einfach eine kleine, dezente 12V-LED-Kontrollleuchte anlöten und unauffällig in der Pantry-Wand verbauen.

Frechdachs Kasha kam dann etwas überraschend ebenfalls an Bord geschlendert, um uns Gesellschaft zu leisten und ein bisschen mit anzupacken. Deli hatte nämlich kurzfristig einen Anruf bekommen und musste noch zu einem Termin, und alleine hatte die Süße verständlicherweise keine Lust, sich in der Stadt herumzutreiben. Na gut, davon ließen wir uns natürlich keineswegs stören! Sie ist schließlich nicht nur ein optisch bezaubernder Hingucker, sondern kann sich durchaus nützlich machen, scheut sich nicht vor Schmutz oder harter Arbeit, ist allerdings technisch nicht unbedingt sonderlich versiert.

 

Vielleicht eine gute halbe Stunde später hatte ich gerade meinen Kopf und einen guten Teil meines Oberkörpers tief in der Achterpiek stecken. Diese ist durch eine einfache, hübsche Holz-Doppelklappe direkt am Kopfteil des achteren Doppelbettes zugänglich und beherbergt unter anderem den mächtigen Ruderstock-Quanten samt der Autopilot-Hydrauliksteuerung sowie diverse weitere technische Bordinstallationen. An Bord eines solchen Langfahrtschiffes wird schließlich wirklich jeder noch so kleine Winkel ausgenutzt, um Installationen oder wertvolle Stauraum-Schapps unterzubringen.

»Hey, ich benutze mal eben dein Bad – Sascha blockiert das vordere gerade mit einem ausgiebigen Scheißerchen, haha!«, platzte Kasha völlig unvermittelt herein und erschreckte mich dabei derart, dass ich reflexartig zurückzuckte und mir seitlich am Kopf eine ordentliche Beule holte, als ich mit Wucht gegen die massive Holzverkleidung knallte.

»Autsch! Verdammt, du kleines Biest…«, fluchte ich schmerzerfüllt, drehte meinen Kopf nach hinten und sah die unbekümmert lachende Freche bereits halbnackt im Eingangsschott stehen, während sie völlig achtlos einzelne Kleidungsstücke hinter sich auf den Boden fallen ließ.

»Selbst schuld, haha! Das kommt davon, weil du gar nicht schnell genug nach mir gucken konntest!«, lief sie sich munter weiter ausziehend zum Eingang der Badkabine und dachte typischerweise noch nicht einmal im Traum daran, deren Schott hinter sich zu schließen. Ich schaute schmunzelnd ihren knackigen, frech hüpfenden Pobacken hinterher und amüsierte mich mal wieder köstlich über Kasha.

Nun mag sich jeder normal denkende Mensch berechtigt fragen, wozu sie sich bitteschön komplett auszieht, nur um schlicht die Toilette zu benutzen? Nicht aber, wenn man junge Frauen von ihrer spezifischen Wesensart kennt! Erstens ist sie schlicht der geborene Frechdachs und tut sowieso kaum etwas lieber, als Männer mit ihren entzückenden Reizen zu verwirren – was ihr geradezu diebischen Spaß macht. 

 

Und zweitens wollte sie sich auch kurz im Navy-Stil abduschen, weil sie sich wohl vorhin bei irgendetwas schmutzig gemacht hatte, als sie Sascha vorne an Deck half; oder vielleicht auch einfach nur, weil sie schlicht gerne duscht. Wer weiß das schon so genau, oder welcher Mann versteht wirklich jemals komplett, was im Kopf solch exhibitionistischer Frechdachse vorgeht, die in ihrem gesamten Wesen manchmal eher noch verspielte Girls als erwachsene Frauen sind? schmunzel

Ich rieb mir kurz die schmerzende Stoßstelle direkt hinter der Schläfe und konnte gar nicht anders, als grinsend zuzugucken, wie Kasha sich verschmitzt lächelnd erst auf die Schüssel hockte und anschließend direkt ins Duschabteil stieg, wo gleich darauf das Wasser munter losplätscherte. Da in der Achterpiek ja sowieso alles in bester Ordnung war und meine Kontrolle im Grunde völlig überflüssig gewesen ist, schaute ich mich schwelgend in der Eignerkajüte um und überlegte gründlich:

Hatte ich wirklich nichts wichtiges vergessen? Ausreichend Kleidung für jede erdenkliche Wetterlage eingekauft und sicher verstaut? Gute Bücher zum Lesen, Tücher, nützlichen Männerkram, technisches Spielzeug wie unsere Kameradrohne, Ersatzhandy, Werkzeug, Schreibutensilien, Papier, leckere Knabbereien meiner persönlichen Vorlieben und was all der Dinge mehr sind, die man für das eigene Wohlbefinden halt gerne an Bord dabeihat? Gab es außerdem noch genügend freien Platz für Bellas Sachen und Frauenkram, wenn sie demnächst an Bord einzieht, und welchen Raum benötigt zusätzliche Seeausrüstung für sie, da sie doch sicherlich vorrangig erst einmal nur normale, sexy Landklamotten im Gepäck haben dürfte?

Nach nicht einmal fünf Minuten kam Kasha auch schon wieder strahlend heraus und lächelte auf ihre ganz eigene, zauberhafte Frechdachs-Art.

»Na, freust du dich eigentlich schon auf diese Ella-Bella? Sie hat dich ja ganz schön beeindruckt, sagt Deli, hihi!«

»Gewiss freue ich mich, und du wirst sie ganz sicher auch sehr mögen«, zwinkerte ich schmunzelnd zurück und konnte ihr natürlich keine einzige Sekunde wegen der kleinen Beule böse sein. »Aber jetzt gerade freue ich mich erst einmal über deinen entzückenden Anblick, du kokette Freche!«

»Oller Charmeur duuuuu… aber ich freue mich natürlich auch, wenn du dich freust und dir, hihi, gefällt, was du siehst!«, konterte sie prompt gewohnt schlagfertig und ließ sich völlig unbekümmert und federnd neben mir aufs Bett plumpsen. »Mmh, dein Bett hier hinten ist aber auch größer und gemütlicher als das von Sascha und mir vorne. Das ist echt eine Gemeinheit!«

»Für Seine Herrlichkeit, den Captain, ist nun mal nur das Beste gut genug – und es ist auch absolut gerecht! Schließlich muss ich hier an Bord auch viel mehr schwere Verantwortung tragen!«, piekte ich ihr schelmisch kitzelnd in die Seite. Solche kleinen Späße liebt sie auf ihre noch etwas jugendlich verspielte Art viel zu sehr, obwohl sie längst eine voll erwachsene und in sinnlichen Liebesdingen richtig erfahrene Frau ist. Aber mal ganz ehrlich: Muss Mann solche bezaubernden Frechdachse nicht einfach total gernhaben, wenn sie noch so wunderbar verspielt kichern können wie pubertierende Teengirls?

»Aaaaahihihi… nicht! Du weißt doch ganz genau, dass ich total kitzelig bin!«, tat sie natürlich nur so, als wolle sie mich abwehren und flüchten, während es ihr in Wahrheit absolut gefiel.

»Ja eben, genau das macht doch den ganzen riesigen Spaß aus, hehe!«, startete ich eine richtige Kitzelattacke, und Kasha prustete begeistert und heftig los, bis wir beide vor lauter Lachen völlig außer Atem waren.

»Was treibt ihr zwei denn da schon wieder?!«, kam schließlich auch Sascha breit grinsend in die Achterkabine geschlendert und hockte sich entspannt auf das kleine Seitensofa am Steuerbord-Fußende, das aktuell mit einem gräulich-blauen, schön kuscheligen Stoff bezogen war. Ich glaube, wir haben sicher fünf verschiedenfarbige Schutzüberzüge an Bord dabei, was zusammen mit unterschiedlich gefärbter oder bunter Bettwäsche immer eine nette Abwechslung und schöne Farbtupfer im ansonsten dominierenden Braun der hochwertigen Holzvertäfelungen bietet.

Diese im besten Sinne traditionell-altmodischen Boote nach Hans-Christian-Design und Bauqualität sind wirklich so urgemütlich, wie man es selbst auf Yachten ähnlich hoher Bauqualität nur selten antrifft. Allerdings hat das naturgemäß, wie alles im Leben, seine zwei Seiten: Solch hochwertige, teure Holzvertäfelungen aus Mahagoni und Teak mit den edlen Bronze-Installationen wie Bullaugen, Badarmaturen und Beschlägen erfordern im salzig-feuchten Marineklima spürbar mehr Pflegeaufwand, um alles dauerhaft schön aussehen zu lassen. Wenn man diesen klassischen Yachtstil mag – und das tun viele leidenschaftliche Yachtleute nun einmal –, ist es aber wahrlich eine der schönsten und gemütlichsten Bordumgebungen überhaupt, in denen man sich auf See rundum wohlfühlen kann.

Wir sprachen ausgiebig über die oben detailliert beschriebene Segelplanung, wozu auch Sascha sehr fundierte Ansichten beitragen konnte. Er ist zwar noch ein junger Mann, aber dennoch schon ein richtig erfahrener Segler mit rund 10.000 Seemeilen im Kielwasser und ein echter norddeutscher Jung von der Waterkant bei Wilhelmshaven. Kasha versteht zu wenig von der tiefen Materie, um etwas fachlich Sinnvolles beizutragen, besitzt aber durchaus reichlich gesunden Menschenverstand und ist keineswegs nur eine oberflächliche, verspielte Girls-Frau. Dass das Upwind-Segeln gegen Wind, Strömung und Tide extrem ungemütlich werden kann, wenn es denn hart auf hart kommt, ist auch ihr völlig klar.

Später spazierten wir gemeinsam zum Mittagessen rüber ins historische Haus der alten Dame, machten uns kurz frisch, stärkten uns ausgiebig und legten eine kleine, erholsame Siesta ein. Für die nötige körperliche Bewegung folgte danach ein ausführlicher Spaziergang über die weitläufigen Hafenanlagen bis hinunter zum Strand und zurück durch das malerische Städtchen. Es war heute wirklich wunderschön sonnig, und die Strahlen hatten noch richtig wärmende Kraft.

Die leicht salzige Seeluft umschmeichelte uns und die anderen Spaziergänger bei angenehmen fast 22 Grad. Die Seevögel kreischten hoch am Himmel oder zogen majestätisch gleitend ihre Kreise. Ab und zu wurde sogar ein allzu leichtsinniger Fischbrötchenesser von einer Möwe attackiert, weil die lernfähigen Vögel das schlicht als Einladung zum kostenlosen, einfachen Imbiss ohne eigene Jagdarbeit interpretierten. 


 

Manche dieser Birdies können dabei sogar richtig aggressiv werden und Menschen verletzen – dann ist das absolut kein Spaß mehr! Aber wie so oft in solchen Fällen entstand dieses Problem erst durch das dumme Fehlverhalten von Menschen, welche die Vögel zuvor jahrelang gefüttert haben, bis diese sich daran gewöhnten und nun sozusagen fest glauben, jeder Zweibeiner wäre dazu verpflichtet ihnen Futter zukommen zu lassen.

Schließlich holten wir Bella pünktlich am Bahnhof ab. Es gab erst einmal ein riesiges Hallo mit ausführlichen Begrüßungsumarmungen, Küsschen und einem ausgesprochen erotischen Kuss für mich. Sie war schick in ein hellrosa Kostüm mit einer hautengen Hose im Tigerpranken-Look gestylt und zog mit ihrer blonden Mähne naturgemäß eine ganze Menge erfreuter Männerblicke auf sich. Zusammen mit Deli und Kasha waren wir nun mit gleich drei reizenden Schönheiten unterwegs – jede auf ihre ganz eigene Art beeindruckend und auffällig –, sodass wir sowieso auf den Straßen ziemlich aus dem Rahmen fielen. schmunzel

Wir geleiteten sie plaudernd, lachend und scherzend zum Stadthaus von Mevrouw Margriet, welche Bella selbstverständlich ebenfalls aufs Herzlichste willkommen hieß und offensichtlich sogleich Gefallen an ihr fand. Ich werde bei passender Gelegenheit aber unbedingt noch einmal ein ernstes Wörtchen mit der lieben alten Dame sprechen müssen: Sie füttert Kasha, Sascha, mich und nun auch noch Bella wie liebe Familienmitglieder quasi komplett kostenlos durch und lässt uns in ihrem schönen Haus wohnen, ohne auch nur irgendeine Gegenleistung zu erwarten oder zu verlangen. Ich meine, sie ist fraglos vermögend, aber eben nicht wirklich reich; eigentlich wäre es mehr als angemessen, wenn sie mir erlaubt, zumindest einen fairen Kostenanteil beizusteuern, was sie aber wahrscheinlich stolz ablehnen wird.

 

Den restlichen Spätnachmittag und Abend ging es dann ordentlich rund, sodass ich kaum noch Zeit zum Schreiben fand. Bella wollte voll brennender Neugierde unbedingt sofort das Boot sehen und quittierte den Anblick begeistert mit: »Och, was für ein voll süßes, klassisch schönes Boot!« Dazu sollte man bedenken, dass ein so attraktives Model wie sie fraglos schon häufiger als Partygast auf den Decks von gigantischen Super- und Megayachten unterwegs war.

Eine vergleichsweise kleine Segelyacht ist also gewiss nicht beeindruckend für sie; aber sie ist eben auch ein bodenständiger Typ und keine hochnäsig verwöhnte Luxus-Tusse der Edel-Callgirl-Sorte, die sich nur zu gerne an Megayacht-Eigner anbiedern und im Grunde wie Huren für Geld zu allem bereit sind. Von der Sorte gibt es in der schillernden Modelwelt auch nicht gerade wenig, und die würden über unser traditionelles Segelboot nur abfällig lachen.

Am Abend besuchten wir noch das recht gute China-Restaurant De Lange Muur am Alexander Gogelweg 59. Da wir alle asiatische Küche sehr mögen, genossen wir die delikaten Speisen in vollen Zügen. Es ist zwar kein Gourmet-Tempel, aber wirklich richtig gut, und die Durchschnittsbewertung von 4,4 Sternen auf Google fand ich absolut angemessen. Für etwa 20 bis 30 Euro pro Person kann man dort in sehr nettem Ambiente ausgiebig von einem üppigen Buffet schlemmen und mehr als satt werden. Der für mich einzige echte Störfaktor: Sie haben erstaunlicherweise nur von 16:00 bis 21:00 Uhr geöffnet.

 

Danach vergnügten wir uns noch bis etwas nach Mitternacht im bis 02:00 Uhr geöffneten Irish Pub The Wicked in der Nieuwendijk 31 und hatten dort mitten in der Woche eine Menge Spaß – unter anderem bei einem amüsanten Dart-Wettbewerb mit einheimischen Gästen. Es handelt sich um einen typischen, eher kleinen Irish Pub mit uriger Einrichtung, netten Wirten und durchweg gutgelaunten Gästen. Die Pint Guinness zu 7,00 € ist heutzutage in Europa wohl als normal zu bezeichnen, aber sie bieten auch sonst eine riesige Getränkeauswahl. Ich bin ja bekanntlich bevorzugt Weintrinker, aber in so einem urigen Pub lasse ich mir auch gerne mal ein frisch gezapftes, klassisches Guinness schmecken.

Gut gelaunt lachend, plaudernd und ehrlich gesagt auch alle ein klitzekleines bisschen beschwipst, spazierten wir schließlich zurück zum Wohnhaus. Dort bemühten wir uns natürlich, möglichst leise zu sein, um den verdienten Schlaf der alten Dame nicht zu stören. Schnell noch einmal frisch geduscht, krochen wir immer noch lächelnd ins Bett und versanken schon nach kurzer Zeit tief im Reich der Träume.

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